„Bin selber geschockt!“ — Neuer Jesus offenbart sich der Welt

Oft lernt man überraschende Dinge über andere Menschen: Es gibt Leute, die freiwillig Fallschirm springen, andere machen Winterurlaub in Schottland. Manchmal lernt man sogar überraschende Dinge über sich selbst. Wie zum Beispiel, dass man ohne zu Stammeln vor Publikum sprechen kann, (angeblich) einen Tanzstil hat wie Jack Nicholson, oder dass man auch nach sechs Cognac noch einwandfrei Fahrrad fahren kann. Wie überrascht muss wohl dieser Blogger gewesen sein, als er eines Tages plötzlich gemerkt hat, dass er die Reinkarnation von Jesus ist? Er schreibt „Ich bin selber geschockt davon, dass ich das sein soll.“

Dabei sind die von ihm gesammelten Beweise erdrückend, hier eine Auswahl:

  1. „Ich kam mit ca 33 1/2 Jahre (genauer 33 Jahre 241 Tage) aus meiner Blokade […] Angefangen zu grübeln hat ich aber schon eine Woche vorher begonnen, da war ich EXAKT 33 Jahre 33 Wochen und 3 Tage alt“
  2. „Es steht Gott wird einen NEUEN Namen haben daher heiße ich nicht Jesus aber Friedensbringer bzw. Julius“
  3. „Ich habe vor dem Entdecken der Parallelen […] Zimmermannsarbeiten gemacht“
  4. „Ich hab zwar nicht die Statur von Jesus damals, aber trag seit er mir wächst einen Bart — seh den Bildern von ihm zumindest ähnlich“
  5. „Ich kam mit dem Gesicht zum Himmel gerichtet zur Welt“
  6. „Ich bin noch Jungfrau, was Jesus wohl dann auch damals blieb“

Wir beim MGEN-Prophetenradar sind der Ansicht, dass insbesondere der letzte Punkt für die Motivationslage sich selbst entdeckender Übermenschen eine besonders wichtige Rolle zu spielen scheint. Der Aspirant macht sich daher weitere Gedanken, ob die üblichen Heiratsregeln auch für ihn als Jesus gelten sollten: „Weiter steht: Auch der König soll nicht VIELE Fraun haben. Was bedeutet VIELE? Sind DREI viele?“ — Aber, bitte, damit hier kein falscher Eindruck entsteht: „Es geht mir da ja nicht nur um den Spass, den man beim Zeugen hat; ich würde auch gern real Vater werden.“

Okay, alles in allem ist die Beweislage wohl erdrückend. Doch damit nicht genug, auch Außerirdische sind bei der Menschwerdung unseres Jesus 2.0 im Spiel:

Ich habe vor kurzem nochmal etwas Extremes entdeckt, das ich jetzt hier oben schreib: Es war meine Zeugung sehr wahrscheinlich am 15.8.1977 […, dem Tag] als das EINZIGE außerirdische Signal gemessen wurde — es wird Wow Signal genannt. […] Wie kann das Zufall sein, nachdem was sonst alles passt, dass ich ausgerechnet da gezeugt worden bin als ein außerirdisches Signal (= Göttliches Signal) die Erde traf???

Stimmt, das kann unmöglich Zufall sein. Doch nicht alle bringen dem neuen Sendboten Gottes den gebührenden Respekt entgegen: „Ich werd von Atheisten verspottet weil das, was ich schreibe, wirr ist.“ Und das, obwohl doch offensichtlich sein sollte, dass „ein wirrer fragender aber RICHTIGE Prophet auch dann wirr fragend ist mit dem was er schreibt.“

MGEN-Podcast 2018.10: Ohne jeden Kontext

Scheiß Islamisten!

Willkommen zum Man Glaubt Es Nicht!-Podcast über Religion und andere Esoterik, zu gesellschaftlichen und politischen Themen aus atheistischer und humanistischer Sicht. Die aktuelle Folge findet ihr weiter unten in diesem Artikel, per RSS, iTunes oder Soundcloud.

Unsere Themen:

  • November ist Kirchenaustrittsmonat
  • Bundesarbeitsgericht: Kirchliches Arbeitsrecht ist zumindest in Teilen rechtswidrig
  • Ergebnisse der Partei der Humanisten bei der Landtagswahl in Bayern
  • Kinderkirche Bottrop
  • USA: Justizministerium ermittelt gegen katholische Bistümer wegen Kindesmissbrauchs
  • Deutschland: Strafanzeigen gegen alle 27 Bistümer wegen Kindesmissbrauchs
  • Aufruf an Opfer: Meldet euch beim Institut für Weltanschauungsrecht (ifw), dort werden weitere juristische Schritte vorbereitet
  • Sind Atheisten Psychopathen? Religiosität und Empathie, Intelligenz und Atheismus
  • Definitionsstündchen „Erleuchtung“
  • Hörer beschimpfen Podcaster: Einseitige Interviews in der sechsten Dimension

Fragen oder Anmerkungen bitte unter diesem Artikel in den Kommentaren hinterlassen oder an mgenblog@gmx.de. Falls ihr mögt, bewertet unseren Podcast doch bei iTunes und abonniert ihn bei

35 Gottesbeweise geprüft: Alle falsch!

Im Laufe von vier Jahren haben wir in diesem Blog 35 angebliche Beweise für die Existenz von Göttern, insbesondere für die Existenz des jüdisch-christlich-islamischen Bibel-Gotts Jahwe, näher betrachtet. Diese Argumente werden von Theisten immer wieder vorgebracht um die Korrektheit ihres Glaubens und ihrer Religion zu beweisen. Auf Basis dieser „Beweise“ sehen die Religionisten sich als Hüter ewiger Wahrheiten und Wahrer der „Gesetze Gottes“, die sie nicht nur selbst befolgen, sondern auch – mit struktureller Gewalt über Normen und Gesetze, oder im Zweifel auch mit Macheten und Sprengstoffgürteln – der gesamten Gesellschaft aufdrücken wollen.

Diese „Beweise“ sind jedoch Illusion, kein einziges Argument ist schlüssig. Es gibt im Gegenteil durchaus solide Ansätze (hier und hier), die beweisen, dass zumindest Bibel-Gott Jahwe nicht wie behauptet existieren kann, die abrahamitischen Religionen also ohne jede Faktenbasis sind.

Eigentlich ist dazu alles gesagt. Die religiösen Argumente wiederholen sich, und mit ihnen die dahinter stehenden unwahren Behauptungen und logischen Fehler. Lohnt sich die Mühe auch noch einen vierzigsten und fünfzigsten „Beweisgang“ anzuschauen?

Hier sind die betrachteten Gottesbeweise im einzelnen, lose geordnet nach Typ des zentralen Arguments:

Wer ist Christ?

Woran erkennt man eigentlich Christen? An welchen Glaubenssätzen oder Handlungsweisen kann man festmachen, ob jemand zu dieser Religionsgemeinschaft gehört oder nicht? Wie kann man Christen von „Irr-“ oder „Falschgläubigen“ unterscheiden? Dazu muss es doch eindeutige Unterscheidungsmerkmale geben, oder?

In der letzten Folge unseres Podcasts hatten wir uns ein wenig darüber lustig gemacht, wie wenige „echte Christen“ es gibt. Wir haben frech behauptet, dass man als „echter“ Christ …

… an den dreifaltigen Gott glauben muss, an die Sechs-Tage-Schöpfung, die Jungfrauengeburt, Himmel und Hölle als physische Orte, und sich ernsthaft an alle biblischen Gebote des christlichen Gottes halten muss, Troddel an die Jacke machen, immer einen Spaten dabei haben und alle Ehebrecher, Blutwurstesser und Astrologinnen im Namen des allgütigen Gottes sofort totschlagen – und währenddessen noch jederzeit vollkommen barmherzig zu sein hat.

Nur zur Klarstellung: So kann man natürlich nicht ernsthaft argumentieren, denn sonst sitzt man dem Kein Wahrer Schotte-Fehlschluss auf. Als Atheist bekommt man den Schotten oft im Kontext einer Reductio ad Hitlerum um die Ohren gehauen: “Der Hitler war kein Christ sondern Atheist, genau wie du!” – “Hitler war sein Leben lang Katholik.” – “Ach was, er war kein wahrer Christ! Er hat doch so viele schreckliche Dinge getan.”

Die Frage aber bleibt: Woran erkennt man denn nun einen Christen? Es gibt Hunderte von aktiven christlichen Konfessionen, dazu Tausende bereits ausgestorbene Glaubensrichtungen. Die Lehren sind grundverschieden und schließen sich gegenseitig aus: Viele glauben an die Existenz eines Gottes, manche an zwei, andere an drei. Der Bibelwissenschaftler Bart Ehrman schreibt in seinem Buch Lost Christianities von frühen christlichen Konfessionen, die an zwölf oder 365 verschiedene Götter glaubten. War Jesus ein Mensch oder ein Gottoder vielleicht beides zugleich? Man streitet erbittert. War er physisch in Galiläa unterwegs oder eine zeitlos-mythische Gestalt? Und wie rettet Jesus denn nun die Christen? Muss man durch gute Taten glänzen, durch Mission an Heiden oder Juden – oder hilft das alles nichts: Ein Christ muss nur ganz fest Jesus‘ Menschenopfer als Ausgleich für die eigenen Sünden akzeptieren und schon ist das ewige Leben sicher. Muss man vielleicht sonntags im Kreis zu sitzen und zu Gitarrenmusik „Danke für meine Arbeitsstelle“ singen? Oder reicht sogar getauft werden schon aus? Muss man überhaupt gerettet werden? Und wenn ja, wovor? Von der ewigen Feuerfolter in der Hölle? Vor dem Tod generell? Oder vor dem schlichten „Getrenntsein von Gott“?

Quer durch die Geschichte streiten die Konfessionen verbittert, sprechen sich gegenseitig das Christsein ab, und massakrieren sich (und andere) im Namen ihres allgütigen und liebenden Gottes. Für Außenstehende wirkt das alles verwirrend, undurchsichtig und auch komplett beliebig, die Stimmung wird angesichts all der Todesopfer auch nicht besser.

Ich sehe zwei Möglichkeiten zu beurteilen, ob ein Mensch Christ ist oder nicht:

  • Ein Christ ist jemand, der sich selbst als Christ bezeichnet. Das wäre wohl ein soziologischer Ansatz, in etwa entsprechend dem -buh!- genderwissenschaftlichen Grundsatz „Eine Person teilt der Gesellschaft ihr soziales Geschlecht mit, die Gesellschaft oktroyiert das soziale Geschlecht nicht der Person auf.“ Für Außenstehende mit wenig Ambitionen zu fortgeschrittener Hermeneutik ist dies sicherlich der einfachste Ansatz: Jaja, du bist Christ, nächstes Thema!
  • Ein Christ ist jemand, der Jesus in irgendeiner Form als seinen Retter ansieht. Dieser Ansatz nimmt zumindest einen minimalen theologischen Grundkonsens an und dürfte damit eine ganze Reihe von Religionisten ausschließen – möglicherweise sogar die Mehrheit der Mitglieder der EKD.

Beide Beurteilungsweisen dürften vielen Christen nicht wirklich schmecken. Sind sie nicht ziemlich beliebig, bleiben dabei nicht auch die Mitglieder der Konfession X an Bord, die ich so gar nicht mag? – Ja, nun, stimmt. Eure Religion ist halt enorm breit gestreut und kann sich kaum auf gemeinsame Inhalte einigen. Aber bitte deswegen nicht gleich wieder einen Glaubenskrieg anfangen!

MGEN-Podcast Folge 2016.08: Ich dachte die mögen das!

Der nicht verurlaubte Teil des MGEN-Teams hat gepodcastet (oder heißt es podgecastet?), unter anderem zu folgenden Themen:

  • Ermittelt: Auch in Evangelistan gebären Jungfrauen Götter
  • Neue Erkenntnis der katholischen Kirche: In Wahrheit diskriminieren bösartige Homosexuelle unschuldige Christen
  • Ingrid Matthäus-Maier sitzt für atheistisch-humanistische Organisationen im WDR-Rundfunkrat
  • Priester missbraucht 20 Kinder: „Ich hatte den Eindruck, dass sie es mochten!“
  • Ausweispapiere für die Hohlwelt: Die Keltisch-Druidische Glaubensgemeinschaft
  • Der militante Atheismus und die Moral: Wir kommentieren Kommentare
  • Das mittlere Management: Heilige im Christentum
  • Nicht so fesch wie Darth Vader, aber genauso böse: Mutter Teresa wird heilig gesprochen

Der RSS-Feed für den Podcast findet sich hier. Die Folge lässt sich auch bei iTunes oder direkt bei Soundcloud anhören und auch als mp3 herunterladen. Falls ihr mögt, bewertet unseren Podcast doch dort. Fragen oder Anmerkungen könnt ihr unter diesem Post in den Kommentaren hinterlassen oder per EMail an mgenblog@gmx.de auf den Weg bringen.

 

PS – Wir haben uns nach der Aufnahme dieser Folge alle in den Urlaub verabschiedet. Es kann daher etwas länger dauern, bis Kommentare freigeschaltet werden. Entschuldigt bitte.

Die systematische Abwertung der Frau im Christentum

Ab und an liest man tatsächlich, dass Jesus nicht nur im Alleingang die Nächstenliebe erfunden habe, sondern gleich dazu noch die Menschenrechte, und dass das Christentum quasi nebenbei auch die Frauen befreit habe. Ob bei den so Argumentierenden Dreistheit oder Dummheit am Werk ist, bleibt oft unklar.

Dass Frauen und Männer gleichwertig sind, das ist im christlichen Europa erst seit wenigen Jahrzehten überhaupt ein Thema. Bis vor ein oder zwei Generationen galt, dass in einer Ehe der Mann automatisch „Haushaltsvorstand“ war, und dass in der Gesellschaft allgemein ganz selbstverständlich die Männer das Sagen hatten – die Älteren werden sich erinnern. Dieses Geschlechterverhältnis ergab sich schließlich direkt aus der Bibel: In der Schöpfungsgeschichte wird die Frau erst nach dem Mann, und dann auch noch nicht eigenständig, sondern aus dessen Rippe geschaffen. Später ist die Frau dann dafür verantwortlich, dass die Menschheit aus dem Paradies geworfen wurde und – je nachdem, welche Christen man fragt – mit der Erbsünde auch dafür verantwortlich, dass unsere Leben endlich sind, dass alle Menschen sterben müssen und dann vom Gott ewig in der Hölle gefoltert werden. Kein Wunder, dass man solchen Menschen die Autoschlüssel und die Hausratsversicherung lieber nicht anvertraut.

Auch im Neuen Testament hält sich der angebliche „Frauenbefreier“ Jesus mit belastbaren Aussagen zum Thema zurück – offenbar war diese Sache für ihn dann doch nicht allzu wichtig. Das würde gut passen, denn für Rabbi Jeschua, falls es ihn denn gab, war gar nichts Weltliches wichtig. Seine an seine jüdischen Glaubensgenossen gerichtete Botschaft, da sind sich wissenschaftlich arbeitende Neutestamentler einig, war „Das Ende der Welt steht unmittelbar bevor, und dann wird Gott Jahwe kommen und auf der Erde herrschen! Folgt mir, denn in dieses Reich Gottes kommt ihr nur durch mich!“

Paulus von Tarsus, der eigentliche Erfinder des Christentums, war mit seinen Anweisungen an die christlichen Gemeinden allerdings sehr deutlich (1 Kor 11):

Ich lasse euch aber wissen, dass Christus das Haupt eines jeden Mannes ist; der Mann aber ist das Haupt der Frau; Gott aber ist das Haupt Christi.

Der Mann aber soll das Haupt nicht bedecken, denn er ist Gottes Bild und Abglanz; die Frau aber ist des Mannes Abglanz. Denn der Mann stammt nicht von der Frau, sondern die Frau von dem Mann. Und der Mann ist nicht geschaffen um der Frau willen, sondern die Frau um des Mannes willen.

Im Paulus zugeschriebenen Brief an die Epheser (Eph 5):

Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist, die er als seinen Leib erlöst hat. Aber wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern unterordnen in allen Dingen.

Und weiter (1 Tim 2):

Eine Frau lerne in der Stille mit aller Unterordnung. Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre, auch nicht, dass sie über den Mann Herr sei, sondern sie sei still. Denn Adam wurde zuerst gemacht, danach Eva. Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber hat sich zur Übertretung verführen lassen.

Dass im Mittelalter, als das Christentum Europa für flockige 1.000 Jahre im eisernen Griff hatte, die Frauen den Männern gleichberechtigt waren, möchte wohl niemand behaupten. Obwohl es doch damals, als das Christentum sich über lange Zeit ohne Wenn und Aber durchsetzen konnte, eigentlich ideale Zustände hätten herrschen müssen. Inbesondere auch hinsichtlich der Menschen- und Frauenrechte. Merkwürdig, oder?

Wie dem auch sei, auf das Mittelalter folgte die Renaissance, abgewürgt von der Reformation und den daraufhin ausbrechenden Dreissigjährigen Krieg. Und, hat die Reformation der feministischen Sache weiter geholfen? Nun, zumindest der deutsche Chefreformator Martin Luther war in mittlerweile bester christlicher Tradition ein ausgewiesener Frauenfeind:

Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.

Es ist ein arm Ding um ein Weib. Die größte Ehre, die das Weib hat, ist, dass wir allzumal durch die Weiber geboren werden.

Die Ordnung fordert Zucht und eher, dass Weiber schweigen, wenn die Männer reden.

Wenn also weder die Autoren des Alten Testaments (a.k.a. „Gott“), noch Jesus, noch Paulus, noch Luther die Abwertung der Frauen beendet haben, wer hat denn dann die Frauen befreit? Das ist erst passiert, als die Frauen Schleier und Kopftuch ab-, die Bibel weggelegt, und dafür das Heft selbst in die Hand genommen haben, und zwar im Rahmen der Aufklärung. Zwei Jahre nach der zuerst nur auf Männer zugeschnittenen Deklaration der Menschenrechte (nicht durch Jesus, sondern durch die französische Nationalversammlung) forderte Olympe de Gouges mit ihrer Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin im Jahr 1791 dieselben Rechte und Pflichten für Frauen ein. Der Weg war weit, fast zweihundert Jahre lang bremsten die in der christlichen Tradition verhafteten europäischen Gesellschaften den Fortschritt so gut wie es ging aus. In der Schweiz wurde das Frauenwahlrecht sogar erst 1971 eingeführt. Mittlerweile sieht es langsam, ganz langsam so aus, als würde die Religion in dieser Sache aufgeben: Viele Protestanten erkennen mittlerweile Männer und Frauen als gleichwertig an. Der aktuelle Streit um die Nicht-Zulassung weiblicher Diakoninnen zeigt zusammen mit der Noch-Nicht-Einmal-Diskussion um das rein männlich besetzte Priesteramt, dass es in der römisch-katholischen Kirche mit Gleichberechtigung noch nicht allzu weit her ist.

Kein im Geiste der Aufklärung denkender, humanistischer Mensch würde Frauen den Männern als nachrangig betrachten. Viele Religiöse tun das auf Basis ihrer Heiligen Schriften aber heute noch.

Die beschriebenen Bibelstellen wurden zusammengetragen von Heinz-Werner Kubitza für sein sehr schönes Buch „Der Dogmenwahn – Scheinprobleme der Theologie“.

Skandal! – Ontologischer Gottesbeweis immer noch falsch

Diese Argumentation (hier in voller Länge) eines Theisten ist vielleicht einen kleinen Post wert, weil sie einen häufigen Denkfehler formvollendet vorführt:

Gott ist das höchste Wesen überhaupt. Er ist der höchste Gedanke, den wir denken können. Und wir können Gott denken. Wir können uns vorstellen, dass es Gott gibt. […] Wenn ich behaupte, dass Gott nur in meiner Vorstellung existiert, dann ist das nicht der höchst mögliche Gedanke. Es ist nämlich ein höherer, dass etwas nicht nur als Möglichkeit gedacht werden kann, sondern wirklich existiert. Da Gott der höchste überhaupt denkbare Gedanke ist, muss er auch existieren. Denn der Gedanke dass es Gott nicht gibt, ist nicht so hoch, wie der, dass es ihn gibt. […] Denn etwas, das nicht real ist, ist immer ein niedrigerer Gedanke als dass es etwas wirklich gibt.

Das ist der klassische – treuen MGEN-Lesern  schon bekannte – ontologische “Beweis” für die Existenz von Göttern. Er stammt von dem mittelalterlichen Mönch Anselm von Canterbury und ist schon von den Renaissance-Denkern mit dem Argument widerlegt worden, dass man “aus der Existenz des Begriffs nicht auf die Existenz des damit bezeichneten Sachverhalts schließen könne”. Alle Formulierungen des Arguments, auch die sorgsam hinter theologisch-philosophischer Sprache versteckten, scheitern an dieser Feststellung: Dass ich mir eine Sache vorstellen kann, bedeutet nicht, dass sie real existieren muss.

Können sich die Theisten wirklich nicht vorstellen, dass die Vorstellung von einem Dings, also das “Existieren als Gedanke” eine völlig andere Sache ist als “real in der Welt existieren”? Dass ein Wort wie “existieren” nach Lexikon mehrere, verwandte Bedeutungen haben kann?

Dazu kommt: Wenn man die Existenz Jahwe am Anfang der Argumentation schon voraussetzt („Jahwe ist der höchste Gedanke“), muss man sich ja nicht wundern, dass man am Ende bei ihm landet. Das funktioniert dann natürlich auch mit allen anderen herbei behaupteten „höchsten Gedanken“ wie Brahma, Zeus, beliebigen Superhelden, etc. Aber ist “Herkules, der größte Krieger aller Zeiten” wirklich real existierend, nur weil ich ihn mir vorstellen kann in seinem TigerLöwenfell und mit einer Keule in der Hand? Weil ich ein echter Fan bin, und seine Existenz für mich der allerbeste Gedanke überhaupt ist? Gemäß des Arguments muss er real existieren, denn sonst wäre ja ein anderer, wirklich existierender Krieger noch größer und mächtiger als er. Der ontologische “Beweis” wäre also eine Konzeptpumpe, mit der man sich alle möglichen Dinge in die Welt hinein wünschen könnte.

Und zum Dritten: Selbst wenn man für einen Moment annimmt, dass der “Beweis” stimmt, dann wäre damit lediglich die Existenz irgend eines höheren Wesens festgestellt. Der logische Sprung von “Es gibt ein höheres Wesen!!” zu “Das ist Jahwe, der Gott der Bibel, das Christentum/der Islam/das Judentum stimmt!!” ist nicht begründbar und völlig willkürlich.

Auf diesen Hinweis bekommt man von Religionisten nie eine Reaktion – Warum wohl?

Der Gottesbeweis der „Vier Punkte“

Die Helden von „Campus für Christus„, des deutschsprachigen Zweiges des „Campus Cruisade for Christ“ (mit jährlichen Einnahmen von $519,000,000, den „Kreuzzug“ hat man bei der Übersetzung wohlweislich weggelassen), haben sich überlegt, wie man wohl die jüngere Generation an die Angel bekommen könnte. Mit ihrem „leidenschaftlichen und motivierten Team“ setzen sie sich dafür ein, dass auch Die Jugend (TM) in Kontakt kommt mit dem „wunderbaren himmlischen Vater, der sich nach jedem Menschen sehnt“. Durch extrem hartes Nachdenken sind die klügsten Köpfe der Organisation zu folgender (hier etwas gekürzten) Argumentationskette gekommen, die – fesch für’s Internet aufgemacht – auch wirklich jeden Jugendlichen davon überzeugen sollte, dass Jahwe wirklich in echt existiert, und dass das Christentum die einzige wahre Religion ist:

1. Gott liebt dich total! Seine Liebe ist grenzenlos und bedingungslos.

2. Wir suchen nach Sinn und Erfüllung, aber nicht bei Gott. Wir misstrauen ihm und missachten seine Regeln. Diesen Alleingang nennt die Bibel Sünde. Sünde verletzt unsere Beziehungen und zerstört unser Zusammenleben als Menschen.

3. [Gott] ist so weit gegangen, dass er in Jesus Christus Mensch wurde und sein Leben für uns hingab. An unserer Stelle nahm er am Kreuz die Konsequenz der Sünde auf sich.

4. Gott hat alles getan, um uns zu zeigen, wie sehr er uns liebt. Durch Jesus Christus bietet er uns erfülltes und ewiges Leben an. […] Wie entscheidest du dich?

Im Ernst: Mal davon abgesehen, dass diese „vier Punkte“ in keiner Weise zusammen hängen oder irgendwie eine Argumentationskette bilden. Ebenfalls davon abgesehen, dass die Bewegungschristen immer wieder auf den gleichen alten Behauptungen herumreiten und nie irgendwelche Belege liefern. Aber – glauben die wirklich, dass Jugendliche doof sind?

Zu 1: Okay, als wohlstandssatter Mitteleuropäer schafft man es vielleicht, an der Idee „Ein allmächtiges Wesen liebt mich“ irgendwie einleuchtend zu finden. Die Opfer von Naturkatastrophen, Krebs und anderen Krankheiten, ganz zu schweigen die unter all den (Religions-)kriegen, extremistischen Hasspredigern und Attentätern Leidenden liebt der Gott dann wohl doch nicht so sehr. Schließlich könnte der allmächtige Gott all diese Übel einfach so abstellen. Offenbar ist er zu beschäftigt.

Zu 2: Sowohl die „missachteten“ Regeln als auch die böse, böse „Sünde“ finden sich allein in der Bibel, also in einem alten Buch. Einem alten Buch, das im dritten/vierten Jahrhundert aus im Laufe von knapp tausend Jahren entstandenen Nomadenregeln, politischen Predigten, Lyriksammlungen und den Notizen von Berufspropheten zusammengestellt wurde. Wieso bitte sollte ausgerechtet dieses alte Buch für mein Leben so entscheidend sein? Wieso nicht der Koran, die Rigveda, die Edda, die Avesta oder die Sibyllinischen Bücher? Wieso nicht De Bello Gallico oder Die Buddenbrocks? Wieso sollten wir als Gesellschaft die Regeln für „unsere Beziehungen“ und „unser Zusammenleben als Menschen“ überhaupt nach so einer Loseblattsammlung ausrichten? Wieso nicht aufgeklärt und vorurteilsfrei öffentlich diskutieren und aus freiem Willen eine moderne Gesellschaft entwickeln?

Zu 3: Okay, nehmen wir mal kurz an, dass die Punkte 1 und 2 nicht völlig abwegig wären. Spätestens hier würde sich ein zufällig im Internet surfender Außerirdischer fragen, was denn bloß mit diesen Menschen los sei? Also: Der allmächtige, allwissende Gott schafft das Universum und die Menschen nach seinem Willen. Dann diktiert er diesen Willen einer Reihe von halbnomadischen Stammespriestern in die – äh – Feder, die in einer rückständigen Randprovinz des römischen Imperiums durch die Wüste ziehen. Die Menschen schauen sich diese in sich widersprüchlichen, in ihrer Härte unmöglich zu befolgenden Regeln an und verstehen sie nicht. Darum sind sie – gemäß der göttlichen Gesetze – zur ewigen Höllenfolter verdammt. Der Gott ist nun mit der von ihm geschaffenen Situation irgendwie unglücklich. Er könnten natürlich die Gesetze (oder die Wesen) einfach ändern. Aber er hat eine Idee: Er opfert sich  selbst an sich selbst – als Buße dafür, dass die von ihm selbst geschaffenen Wesen gegen die von ihm selbst geschaffenen Gesetze verstoßen. Jetzt mal ehrlich: Die Geschichte kann doch niemand ernst nehmen, oder?

Zu 4: Okay, wer das alles wirklich für wahr hält, sollte sich vielleicht wirklich besser in die Obhut einer autoritären Organisation begeben. Und auch am besten gleich fleißig spenden oder im wohlausgestatteten Webshop der Kreuzzugs-Christen einkaufen, damit die Spendensumme beim nächsten Mal dann gleich auf runde $520,000,000 springt.

Videotipp: The God Who Wasn’t There

Eine Stunde Zeit? Dann schnell die Popcornmaschine angeworfen, auf dem Sofa niedergelassen und „The God Who Wasn’t There“ angeschaut.

Der US-amerikanische Dokumentationsfilm (englisch, ca. 60 Minuten) von Brian Flemming untersucht, ob der bejubelte Jesus von den Ur-Christen als realer Mensch im historischen Palästina angesehen wurde, oder ob sie ihn vielmehr als eine mythische Gestalt verstanden – wie etwa Dionysos, Herkules, Horus und andere Göttersohne. Die Behauptung, Jesus sei ein real existierender Mensch gewesen, der in Palästina um die Zeitenwende gelebt habe, sei erst viel später im Rahmen einer systematischen Umdeutung der Legende entstanden. Der Apostel Paul, der maßgeblich für die Verbreitung des Christentums über die Grenzen Palästinas gewesen sei, habe Jesus noch eindeutig als mystische Gestalt wahrgenommen – die von Flemming vorgebrachten Stellen aus den Apostenbriefen hierzu sind durchaus beeindruckend.

Flemming wundert sich darüber, dass viele Christen zwar die vermeintlichen Kernglaubenssätze kennen, aber über Ursprung und Verbreitung ihrer Religion kaum etwas wissen. Er kritisiert sowohl das „moderate Christentum“, dessen Glaubenssätze mit der Bibel kaum mehr zu rechtfertigen seien (hier fallen Parallelen zu den deutschen Durchschnittsprotestanten auf, die sich die ihrer Meinung nach maßgeblichen Bibelstellen nach gusto zusammen suchen und anderswo auf der Welt kaum als Christen erkannt werden dürften), als auch die fundamentalistischen Vertreter, deren Weltsicht beherrscht wird von Blutdurst, Folter, Höllendrohungen und Menschenopfern. Über die diversen Folterskandale US-amerikanischer Machart wird sich nach dem Anschauen des Films kaum mehr jemand wundern.

Fazit: Ein unterhaltsamer Film über die Ursprünge des Christentums und deren systematisches Verbiegen durch heutige Christen. Wer Religulous“ mochte, dem wird auch „The God Who Wasn’t There“ gefallen.

 

Vermischte Anfragen: „Sind in der Bibel Uhren verboten?“

Viele Leute erreichen MGEN über Suchanfragen, die von WordPress.com brav mitgeschrieben und den Admins übersichtlich angezeigt werden: Täglich geben neugierige Menschen „Gottesbeweis mit DNA“, „Gott ist allmächtig“ oder „War Einstein religiös?“ bei Google ein und landen dann bei uns. Erstaunlich häufig findet sich auch die charmante Kombi „Kirchenfeinde Atheisten“.

Die meisten dieser Standardfragen werden in den Weiten des Internets ausführlich beantwortet; auf viele eher seltsame Suchanfragen finden die Ratsuchenden jedoch weder bei uns noch anderswo befriedigende Anworten. Um mit diesem Mißstand aufzuräumen, haben wir beschlossen eine Reihe ungewöhnlicher Suchanfragen aus dem Jahr 2013 zu bündeln und zu beantworten. Los geht’s!

warum sind im gefängnis bananen verboten?Diese Frage lässt sich wohl am besten mit dem Text einer anderen Suchanfrage beantworten: banane oberfläche rutschfest

warum hat gott wahle erschaffen? – Die armen Viecher sind enorm clever, aber verirren sich ständig, krepieren an Traumstränden und werden für etwas so Absurdes wie Lebertran abgeschlachtet. Ein allgütiger Gott hätte so etwas nie zugelassen. Gott hat also die Wale erschaffen um von seiner eigenen Existenz abzulenken.

gibt es atheisten in texas? – Ja, zum Beispiel in der Atheist Community of Austin, die sehr gute Podcasts wie The Non Prophets oder Godless Bitches anbietet, dazu die wöchentliche Fernsehshow The Atheist Experience, bei der sich anrufende Religionisten regelmäßig zum Affen machen.

grundgesetz, was gefällt dir? – Da diese Frage offensichtlich rhetorischer Natur ist, soll sie in der Sache unbeantwortet bleiben.

„Sind in der Bibel Uhren verboten?“

wo gibt es nackte jünglinge? – Nach kurzer Beratung zu Ihrer wahrscheinlichen Motivationslage empfehlen wir ein Besuch im Berliner Berghain oder in der Münchener Sauna Deutsche Eiche.

sind in der bibel uhren verboten? – Ja, insbesondere Handywecker mit aufdringlichem Klingelton, von denen das ganze Haus an Samstagen um halb sieben geweckt wird.

hat jesus ofter gelebt? – Da es offenbar zwei oder drei historische Vorbilder für die Geschichten über Jesus gibt, könnte man interpretieren: Ja, es gab wahrscheinlich mehrere Jesusse. Oder eben auch gar keine. Sollte Gott seine Söhne zur Übersicht alphabetisch benannt haben, gibt es sogar mindestens zehn Jesusse: Asus, Besus, Cesus, …

glaubt papst benedikt nicht an gott? – Da er sich ausführlich mit Theologie und der Entstehungsgeschichte des Christentums beschäftigt hat, wahrscheinlich nicht, nein.

warum kennen sich die meisten nicht mit ihrer religion aus? – Siehe oben; wer sich mit den Grundlagen und der Entstehungsgeschichte einer Religion beschäftigt, glaubt ziemlich schnell nicht mehr an an die alten Geschichten.

wie behauptet man sich gegenüber einem atheisten? – Man gibt ihm ein Bier aus. Dann ist er glücklich.

er hat maria bis nach bethehem getragen und ist nicht so dumm wie man meint – Dem kann man nur zustimmen. Vielleicht.

glaubt justin bieber ganz fest an gott? – Ja, Justin Bieber ist ein guter Christ. Sie können daher Ihrem Kind ganz beruhigt den Genuss seiner Musik erlauben.

„Warum hat man das was man nicht will?

sind esoteriker mit satan im bunde ohne es zu wissen? – Die entscheidende Frage ist doch eher, ob Satan davon weiß.

das christentum ist allen anderen religionen überlegen – Aufgeklärte Toleranz war schon immer ein Markenzeichen aller Religionen. Hierzu passt auch dieses schöne Statement: alla ist und bleuibt allmachtig!

wie lebt man mit einem mann der nicht glaubt? – Man gibt ihm ab und zu ein Bier aus. Möglicherweise von derselben Person stammt auch die skeptische Frage mal schauen = nein beim mann?

was kann man nicht wenn man an maria glaubt? – Wenn man an Maria glaubt, kann man nicht gleichzeitig nicht an Maria glauben. Obwohl – geübte Christen schaffen wahrscheinlich auch das.

welche religionen haben beweise dafür dass ihre religion richtig ist und nicht nur durch glauben allein besteht? – Fragen Sie mal die Priester. Sie werden feststellen: Alle haben Beweise! Das ist ja eben der Witz an Religionen.

esoterik warum hat man das was man nicht will? – Sollten Sie eine belastbare Antwort auf diese Frage finden, melden Sie sich bitte bei uns. Wir wären sehr dankbar.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern schöne Feiertage und einen guten Start ins Jahr 2014. Diesen Post beenden wir mit der folgenden, absolut nachvollziehbaren Aussage: blöde religionen atheisten islamisten juden christen!