MGEN-Podcast 2018.10: Ohne jeden Kontext

Scheiß Islamisten!

Willkommen zum Man Glaubt Es Nicht!-Podcast über Religion und andere Esoterik, zu gesellschaftlichen und politischen Themen aus atheistischer und humanistischer Sicht. Die aktuelle Folge findet ihr weiter unten in diesem Artikel, per RSS, iTunes oder Soundcloud.

Unsere Themen:

  • November ist Kirchenaustrittsmonat
  • Bundesarbeitsgericht: Kirchliches Arbeitsrecht ist zumindest in Teilen rechtswidrig
  • Ergebnisse der Partei der Humanisten bei der Landtagswahl in Bayern
  • Kinderkirche Bottrop
  • USA: Justizministerium ermittelt gegen katholische Bistümer wegen Kindesmissbrauchs
  • Deutschland: Strafanzeigen gegen alle 27 Bistümer wegen Kindesmissbrauchs
  • Aufruf an Opfer: Meldet euch beim Institut für Weltanschauungsrecht (ifw), dort werden weitere juristische Schritte vorbereitet
  • Sind Atheisten Psychopathen? Religiosität und Empathie, Intelligenz und Atheismus
  • Definitionsstündchen „Erleuchtung“
  • Hörer beschimpfen Podcaster: Einseitige Interviews in der sechsten Dimension

Fragen oder Anmerkungen bitte unter diesem Artikel in den Kommentaren hinterlassen oder an mgenblog@gmx.de. Falls ihr mögt, bewertet unseren Podcast doch bei iTunes und abonniert ihn bei

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MGEN-Podcast Folge 2017.05/06: Unendlich wichtig — Der Gott der Atheisten

Willkommen zu unserem Man Glaubt Es Nicht!-Podcast über Religion und andere Esoterik, zu gesellschaftlichen und politischen Themen aus atheistischer und humanistischer Sicht. Im Mai haben wir keinen Aufnahmetermin auf die Kette bekommen, daher gibt’s diesmal eine Doppelfolge für Mai/Juni 2017. Kommt nicht wieder vor … es sei denn, doch. Unsere Themen:

  • Sechs Fäuste für ein Halleluja: Das MGEN-Team würdigt Pfingsten und die Dreieinigkeit
  • Ist Atheismus doch eine Religion? Münchener Aktivist will Befreiung von der Rundfunkgebühr
  • Erledigt sich von selbst: Bundesamt verschleppt 26 Anträge auf Sterbehilfe
  • Der Gott der Agnostiker: Udo di Fabio sieht „Defizit an Religiosität“
  • Gregor Gysi allwissend: „Jesus wäre heute Linke-Mitglied“
  • Total harmlos? Kind stirbt nach „weicher“ Homöopathie-Therapie
  • Schützt nicht vor Torheit: Vitus Huonder bleibt Churer Bischof bis 2019
  • Bedauerlicher Einzelfall: Priester der Piusbruderschaft wegen mehrfacher Vergewaltigung verurteilt
  • Bundespräsident Steinmeier findet „Gebete und Gottesdienst sind unendlich wichtig“
  • „Was können Frauen besser als Männer?“ Das MGEN-Team testet den Protestant-O-Maten
  • Statistik des Monat: Islamistische Attentäter sind stets behördenbekannt — Was läuft da schief?
  • Hörer beschimpfen Podcaster: Leidvermeidung im Quantenvakuum

Links: RSS-Feed, iTunes, Soundcloud. Fragen oder Anmerkungen gern als Kommentar unter diesem Post oder an mgenblog@gmx.de. Falls ihr mögt, bewertet unseren Podcast bei iTunes oder schickt einen Tweet.

MGEN-Podcast Folge 2016.08: Ich dachte die mögen das!

Der nicht verurlaubte Teil des MGEN-Teams hat gepodcastet (oder heißt es podgecastet?), unter anderem zu folgenden Themen:

  • Ermittelt: Auch in Evangelistan gebären Jungfrauen Götter
  • Neue Erkenntnis der katholischen Kirche: In Wahrheit diskriminieren bösartige Homosexuelle unschuldige Christen
  • Ingrid Matthäus-Maier sitzt für atheistisch-humanistische Organisationen im WDR-Rundfunkrat
  • Priester missbraucht 20 Kinder: „Ich hatte den Eindruck, dass sie es mochten!“
  • Ausweispapiere für die Hohlwelt: Die Keltisch-Druidische Glaubensgemeinschaft
  • Der militante Atheismus und die Moral: Wir kommentieren Kommentare
  • Das mittlere Management: Heilige im Christentum
  • Nicht so fesch wie Darth Vader, aber genauso böse: Mutter Teresa wird heilig gesprochen

Der RSS-Feed für den Podcast findet sich hier. Die Folge lässt sich auch bei iTunes oder direkt bei Soundcloud anhören und auch als mp3 herunterladen. Falls ihr mögt, bewertet unseren Podcast doch dort. Fragen oder Anmerkungen könnt ihr unter diesem Post in den Kommentaren hinterlassen oder per EMail an mgenblog@gmx.de auf den Weg bringen.

 

PS – Wir haben uns nach der Aufnahme dieser Folge alle in den Urlaub verabschiedet. Es kann daher etwas länger dauern, bis Kommentare freigeschaltet werden. Entschuldigt bitte.

Der magische Geldregen

Als Blogger zum Thema Religion und andere Esoterik ist man ja an einiges gewöhnt: Wilde Behauptungen, wenig Belege und naiv-gäubigen Dummsinn. Manchmal allerdings fällt auch mir nichts mehr ein. Zum Beispiel hierzu:

Ein magisches Ritual für Geld ist recht einfach zu handhaben. An einem wolkenlosen Abend, bei zunehmendem Mond, trägt man eine Schüssel mit Wasser ins Freie, so dass das Mondlicht sich darin spiegeln kann. In einer ruhigen und meditativen Stimmung wird die Mondgöttin Aradia zur Hilfe gerufen, damit sie helfen kann.

Danach legt man die Hände in die Schale mit dem Wasser, in dem noch immer das Mondlicht sich spiegelt und bittet um den benötigten Betrag. Danach werden die Hände aus der Schale genommen und müssen an der Luft getrocknet werden, ohne ein Handtuch. Nach einigen Tagen sollte sich dann der Geldsegen einstellen.

Der Inhaber dieser mit Werbung, Links zu Webshops und allerlei Social Media Gedöns angereicherten Seite ist ein Dirk Schneider, der auch eine Agentur für Suchmaschinenoptimierung und Webdesign betreibt. Während wir uns über die die Qualität seines Webdesigns kein Urteil erlauben können, erscheinen seine Esoteriktipps nur mäßig gelungen. Ansonsten hätte er ja an einem wolkenlosen Abend, mit einer Schüssel Wasser in der Hand, all seine Geldsorgen lösen können – auf Einnahmen aus Webdesign und Werbung wäre er dann nicht mehr angewiesen.

Die „Mondgöttin Aradia“ übrigens wurde vom amerikanischen -uhm- Multitalent Charles Leland, dem (je nach Quelle) Wegbereiter oder Erfinder des Neopaganismus, im Jahr 1899 entdeckt oder (ebenfalls je nach Quelle) erfunden. Neben ihrer Rolle als Mondgöttin ist sie auch dafür zuständig, den Menschenfrauen Hexerei beizubringen. Das alles klingt erstmal etwas albern, ist allerdings zumindest ähnlich plausibel wie der Glaube an Jahwe, Vishnu oder Zeus – deren Geschichten waren ja auch irgendwann einmal erst 100 Jahre alt.

Über Tellurische Ströme

Es ist immer wieder zum Lachen, was die Esoterikszene so alles hervorbringt! Ich hätte allerdings nicht gedacht, dass es wirklich Leute gibt, die an die „geheimnisvolle Macht der tellurischen Ströme“ glauben. Tellurische Ströme sind, so die Esoterikfraktion, geheime Energiepfade, die durch die Erde verlaufen und an bestimmten Knotenpunkten hervortreten. Wem es gelingt sie anzuzapfen, der erhält unerhörte Macht.

Problem: Die geheimnisvolle Kraft der tellurischen Ströme hat der Schriftsteller Umberto Eco erfunden, für seinen Roman „Das Foucaultsche Pendel„. In dem (sehr unterhaltsamen) Buch denken sich drei Lektoren aus einem Esoterika-Verlag zum Spaß eine gigantische Verschwörungstheorie aus, die alle routinemäßig von den Verlagsautoren vorgebrachten Spinnereien in sich vereint. Die sich über drei Jahrtausende erstreckende Geschichte erzählt von den tellurischen Strömen, die von den mittelalterlichen Tempelrittern bei den Kreuzzügen entdeckt worden seien, die daraufhin ihre eigene Auflösung und Verfolgung vortäuschten um in Ruhe die Ausbeutung der Ströme vorbereiten zu können. Doch es wird eng für die Lektoren: Die Esoteriker beginnen die erfundene Geschichte zu glauben und rücken ihnen bedrohlich auf die Pelle, um die vorgebliche große Machtquelle für sich zu gewinnen.

Um so absurder ist es, dass offenbar auch real existierende Esoteriker im 21. Jahrhundert die Macht der tellurischen Ströme für bare Münze nehmen und sich auf die Suche nach den geheimnisvollen Knotenpunkten machen. Und zwar quer durch die Bank, von sanftmütigen Engelsgläubigen bis zu stramm unangenehmen Menschen aus der rechten Ecke.

Ihr glaubt nicht, dass Leute wirklich so dumm sein können? – Here we go!

U-Bahnen: Perfide Werkzeuge der Templer

Fangen wir doch mal bei dieser Seite über die „Verschwörung der Illuminaten“ an:

Viele Geheimgesellschaften wollten tellurische Ströme erkunden und lenken. Die U-Bahn-Tunnel waren die exoterische Tarnung dafür. Die Weisen von Zion haben sie finanziert, um die so unterminierten Hauptstädte in die Luft sprengen zu können.

Ah ja. Nach dieser gewagten These stellt die Seite zurecht fest: „Diese Erdströme. Sie sind umstritten“ und fragt dann weiter „Woher kommen sie? Und vor allem, wofür sind sie wichtig? Was bewirken sie?“ – Tja, das weiss wohl niemand. Dann folgt eine Art Zusammenfassung der ausgedachten Verschwörungstheorie aus Ecos Buch:

Die tellurischen Ströme werden mit den Templern in Zusammenhang gebracht. Die Templer fanden auf den Kreuzzügen eine mächtige Energiequelle. Sie war mächtiger als jede bekannte Energieform. Mit ihr soll sogar die Plattentektonik verändert werden können. Anscheinend stammt diese Technik aus Atlantis. Die Templer nannten den Zugang zu der Kraftquelle „Umbilicus Mundi“ – Nabel der Welt. Handelt es sich um eine Maschine aus Atlantis? Oder um außerirdische Technologie?

Und dann: „Sie konnten sie [die Ströme] damals noch nicht nutzen.“ Die Templer „nehmen die Vernichtung ihres Ordens in Kauf. Denn nur im Verborgenen können die Templer die Erdströme weiter erforschen.“

Endlich mal Klartext: Kathedralen speichern tellurische Energie

Bei astrologie.de erfahren wir, dass die tellurischen Ströme schon deutlich vor den Tempelrittern bekannt waren:

Ursprünglich suchten die Menschen dafür diese Ströme in Höhlen auf, oder benutzten Wasser von Quellen, die unter dem Einfluß eines tellurischen Stromes standen (daher die heiligen Brunnen). Gab es keine Höhlen, baute man welche. Die Dolmenkammern z. Bsp. sind solche Höhlen. Bei den Christen ist es die Krypta.

Insbesondere bauten sie auch die Krypta der Kathedrale von Chartres, die, so werden wir informiert, zur Bündelung der Ströme offenbar besonders geeignet ist:

Mönche versuchten jetzt die Strahlung zu verstärken, einmal durch die Bauweise (geometrische Proportionen usw.) und dann durch Musik (Gregorianik).

Erzengel Metatron  – Ihr Einsatz bitte!

Auf dieser Seite werden wir freundlich vom „Erzengel Metatron“ begrüßt: „Ich Bin Metatron, Herr des Lichts! Ich umarme jeden von euch in Licht, in Liebe.“

Und wie es sich für waschechte Engel gehört, lässt sich Metatron durch einen irdischen Esoteriker channeln und informiert uns in diesem Rahmen auch über Entstehung und Wirkungsweise der tellurischen Ströme:

[J]ede heilige Stätte kann das menschliche elektromagnetische Feld beeinflussen und tut es. Zusätzlich werden die Lichtbögen und Winkel von Planeten und Sternen die Bereiche tellurischer Energiepools (in euren Begriffen als elektrische oder auswärts gerichtete Vortices bezeichnet) nähren und beeinflussen, und können tatsächlich je nach ihrer Ausrichtung einwärts gerichtete Zugportale oder Öffnungen kreieren, welche Lichtenergie von stellaren und solaren Lichtphotonen, ebenso wie von planetaren und höherdimensionalen Gitternetzen empfangen.

So, jetzt wissen hoffentlich alle hierzu Bescheid. Danke dir, Metatron!

Unfassbar, mit was für einem zusammenkopierten Unsinn man in der Szene offenbar Geld machen kann. „Aufklärende“ Bücher, DVDs und Kurse zum Thema werden natürlich in großer Auswahl angeboten. Was unklar bleibt: Glauben diese Leute wirklich an die Wahrheit von Ecos Geschichte? Geht es ihnen also um die Verkündigung der „frohen Botschaft“? Vielleicht gepaart mit der Bestätigung der eigenen Wichtigkeit? Oder geht es auch hier nur darum, hilfesuchenden und ratlosen Menschen Kohle aus der Tasche zu ziehen?

 

Best of 2013 – Jehova! Jehova!

Zu jedem Jahresende das gleiche Spiel: Jahresrückblicke, wohin man schaut. Ob Günther Jauch oder die Bäckerblume – alle blicken sie mehr oder minder wehmütig auf das vergehende Jahr zurück. Und da Angriff bekanntermaßen die beste Verteidigung gegen nervenden Unsinn ist, haben wir bei MGEN beschlossen, ebenfalls einen Rückblick auf zwölf Monate Blogtätigkeit zu basteln. Hier also unser Best of 2013 …

Gottesbeweise: Null Hinweise auf die Existenz des Bibel-Gottes!

Wir sind Anfang des Jahres mit dem Vorhaben gestartet, uns einige „Gottesbeweise“ näher anzuschauen, wie sie von Religionisten immer wieder als Rechtfertigung für ihre Sonderrechte in Staat und Gesellschaft vorgebracht werden. Hauptsächlich ging es da um unser eigenes Verständnis der Argumentationen – die Begriffe „ontologischer Beweis“, „kosmologischer Beweis“ und „teleologischer Beweis“ sind ja recht ehrfurchtgebietend. Schon bei oberflächlicher Betrachtung wurde jedoch klar, dass die Argumente für die Existenz eines Bibel-Gottes unglaublich dünn sind, auf falschen Annahmen oder unsinnigen Schlussfolgerungen beruhen. Kein einziger der Beweise ergibt Sinn.

Hier die meistgelesenen Blogposts zum Thema:

  • Sämtliche bekannten Gottesbeweise: Gescheitert! – Hier stellen wir die bekanntesten Gottesbeweise vor und zeigen nach und nach, dass kein einziger von ihnen einer kritischen Betrachtung stand hält.
  • Wunder als Beweis für die Existenz Gottes – Wunder gibt es immer wieder? Viele Leserinnen und Leser sind mit uns der Meinung: Nein, so ein göttliches Aussetzen der Naturgesetze wurde nie nachgewiesen; sämtliche vorgebrachten „Wunder“ lassen sich sehr leicht ohne göttliche Eingriffe erklären.
  • Das Bananen-Argument für die Existenz Gottes – Die Banane als Gottesbeweis? Diese Argumentation eines US-Predigers schwappt in Wellen durch Facebook; viele Leserinnen und Leser wundern sich mit uns über den seltsamen Beweisversuch.
  • Öfter mal was Neues: Gottesbeweis per Thermodynamik – Das Zerlegen dieses Versuchs, mit Begriffen aus der Physik einen Gott herbei zu definieren, hat im Blog einen empörten Kommentarsturm ausgelöst.
  • Der DNA-Beweis für die Existenz Gottes – „DNA ist ein Code, Code setzt einen Programmierer voraus, dieser Programmierer ist Gott!!“ – Uhm, nein?
  • Der 747-Beweis für die Existenz Gottes – Ein beliebter Versuch, die Evolution zu diskreditieren, ist das 747-Argument. Er funktioniert nicht. Und wieso aus dem Widerlegen der Evolution die Behauptung „Es gibt Jahwe, die Bibel hat recht, das Christentum stimmt!!“ folgen soll, bleibt auch völlig offen.

Grundlagen von Religion und Esoterik: Null Hinweise auf Korrektheit!

Nachdem nun klar war, dass die einzelnen Gottesbeweise nichts taugen, haben wir uns näher mit einigen Grundlagen der Religionen beschäftigt. Hier die meistgelesenen Artikel diesem Bereich:

  • Kann man kategorisch beweisen, dass es keinen Gott gibt? – Die Frage ist gut, muss aber mit einem eher unbefriedigenden „unbekannt“ beantwortet werden. Das liegt nicht an tiefschürfend wissenschaftlich/philosophischen Gründen – sondern einfach daran, dass keine schlüssige Definition existiert, was so ein Gott eigentlich sein soll.
  • “Gott ist allmächtig, allwissend und allgütig!” – Nope, dieser Gott existiert nicht! – Während es für Götter allgemein keine sinnvollen Definitionen gibt, ist für konkrete Gottesbilder, wie den Bibel-Gott Jahwe, sonnenklar: So ein Wesen kann nicht existieren. Gäbe es einen allmächtigen, allgütigen Gott, sähe die Welt sehr anders aus.
  • Über Kampfbegriffe und Gottesbilder – Viele Theisten wollen zwar unbedingt über ihre jeweilige Religion diskutieren, kennen aber die entsprechenden Grundbegriffe nicht. Daher hier kurze Erläuterungen zu den Konzepten Theismus, Deismus, Pantheismus, Atheismus, etc.
  • Existiert das Übernatürliche? – Noch ein Blogpost, der Protestwellen aus der Esoterikecke ausgelöst hat. Kurz: Nein, etwas Übernatürliches existiert nicht. Sobald ein Phänomen beobachtet und eingeordnet wird, erweitert es unser Verständnis des Universums und wird somit natürlich.

Politik: Null Zahlreiche Sonderrechte für Kirchen und Religionen!

Weit oben in den Charts stehen auch einige der eher politischen Blogbeiträge:

  • Landesverfassung: “Ehrfurcht vor Gott … ist vornehmstes Ziel der Erziehung” – In einem Googlemarathon haben wir eine Reihe von kirchlichen Sonderrechten und religiösen Absurditäten aufgetan, die in Deutschland Verfassungsrang genießen. Die erstaunten Leserinnen und Leser teilten den Artikel exzessiv auf Facebook.
  • Bundestag stimmt für weitere “Staatsleistungen” – 480 Mio. Euro zahlt der Staat jedes Jahr an die Großkirchen. Nein nein, das sind nicht die Kirchensteuern, dieses Geld gibt’s obendrauf. Warum? Die Argumentation ist kompliziert, basiert auf angeblichen Verträgen aus dem Dreissigjährigen Krieg und lautet komprimiert „Weil das schon immer so war!!“ – Die Leserinnen und Leser teilten a. unsere Empörung und b. den Link, so dass der Artikel zu unserem meistgelesenen Blogpost wurde.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern noch schöne Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr. Yeah, 2014!

Existiert das Übernatürliche?

Auch von Menschen, die die Fadenscheinigkeit der theistischen Argumente durchschauen, hört man oft die Aussage, dass es ja durchaus etwas Übernatürliches, etwas Höheres geben könnte. Fragt man nach einer Definition, wissen die Leute oft nicht so recht weiter. Etwas Übernatürliches, das ist etwas Spritituelles, Unerklärbares, Jenseitiges – eben etwas Höheres. Als Beispiele für übernatürliche Phänomene werden dann häufig Geister, feinstoffliche Schwingungen, Homöopathie, Nahtoderlebnisse, Götter, Orgonstrahlen oder Ecos tellurische Ströme angegeben.

Oft behaupten die Proponenten des Übernatürlichen, dass „die Wissenschaft“ genau weiß, dass paranormale Phänomene existieren, dies aber aus Angst oder Neid verheimlicht. Dazu sollte man wissen, dass eine Reihe von „Kopfgeldern“ für das Nachweisen übernatürlicher Phänomene existiert: U.a. bietet die US-amerikanische James Randi-Stiftung eine Million Dollar für den Nachweis von spirituellen oder paranormalen Phänomenen, die belgische Skeptiker-Organisation SKEPP legt eine Million Euro drauf, die deutsche GWUP nochmal 10.000 Euro. Diese Preise wurden nie abgeholt – weder von triumphierenden Esoterikern noch von cleveren Wissenschaftlern auf dem Weg zum Nobelpreis.

Wir versuchen im Folgenden den vermuteten, übernatürlichen Ereignissen etwas näher zu kommen. Als Warnung: Damit wir nicht in endlosen Einzelnachweisen stecken bleiben, geschieht dies auf einer eher abstrakten Ebene – Dieser Artikel ist also etwas theoretischer als bei MGEN üblich. Wir stellen ein paar Fragen an das Übernatürliche, überlegen und mögliche Antworten und schauen jeweils, was vom spirituellen, höheren Ereignis dann noch übrig bleibt.

Aus dem Übernatürlichen wird das Natürliche

Wir betrachten dazu zuerst, ob sich das jeweilige Ereignis auf das physisch vorhandene Universum irgendwie auswirkt oder in einer wechselseitigen Beziehung zu ihm steht. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder das übernatürliche Ereignis manifestiert sich im Universum oder es manifestiert sich nicht.

Falls sich ein Phänomen nicht manifestiert, also keinerlei Auswirkungen auf das Universum hat, kann es auch nicht gemessen oder beobachtet werden. Ob solche Phänomene existieren oder nicht ist eigentlich unwichtig: Sie beeinflussen uns nicht, wir bemerken sie nicht – sie sind nicht Teil der Universums. Zu ihren Auswirkungen und ihrem Verhalten sind keinerlei Aussagen möglich, ob sie existieren oder nicht ist unmöglich zu sagen. Das macht aber nichts, denn es gibt ja -definitionsgemäß- keinerlei Anzeichen für ihre Existenz – also insbesondere auch keinerlei Motivation, an rein jenseitige Phänomene zu glauben.

Anders ist es, falls sich ein Phänomen manifestiert, denn dann ist es beobachtbar. Geister erschrecken uns, klappern mit Pfannen oder Ketten, Homöopathie macht uns gesund, Götter schicken Blitz und Donner, Orgonstrahlen machen … was Orgonstrahlen eben so machen. Sollten solche „übernatürliche“ Phänomene existieren, wären sie zumindest teilweise in das physische Universum integriert, und daher mit wissenschaftlichen Methoden analysierbar – Sie sind damit ein uns bislang unbekannter Teil der Natur, also natürlich.

Aus dem Unerklärbaren wird das Unerklärte

Nun gibt es wieder zwei Möglichkeiten: Entweder ist das sich manifestierende, beobachtbare Phänomen in seinem Auftreten durch Regeln und Gesetze gebunden, oder es tritt vollständig zufällig auf. Im letzteren Fall handelt es sich um inkonsistentes Rauschen, das sich vielleicht mit „irgendwas mit Quanten“ begründen ließe. Solche Effekte wären dann zwar beobachtbar, aber wegen ihrer Zufälligkeit und Regellosigkeit nicht erklärbar, also wirklich unerklärlich.

Übernatürlichen Phänomene werden aber typischerweise nicht als rein zufällig geschildert. Magie, Geister, etc, folgen gemäß ihrer Fürsprecher bestimmten Mechanismen oder Gesetzen, die wir lediglich nicht kennen. Diese Regeln lassen sich dann mit wissenschaftlichen Methoden erforschen, funktionale Theorien und Modelle bilden. Aus unerklärlichen Phänomenen werden unerklärte, die dann durch Beobachtungen und Analysen zu erklärten Teilen des Universums werden. Unser Verständnis der Natur hat sich um das eben noch als „übernatürlich“ vermutete Phänomen erweitert.

Das zentrale Problem bei der Frage „Existiert das Übernatürliche?“ ist also, dass übernatürliche Phänomene, sobald sie wirklich entdeckt und beobachtet werden, aus dem übernatürlichen Bereich herausfallen und (möglicherweise unerklärter) Teil des natürlichen Universums werden. Seit der Renaissance ist die Zahl der als übernatürlich angenommenen Phänomene immer weiter gesunken und wird dies wohl auch weiter tun, wenn wir Menschen immer mehr über die Zusammenhänge im beobachtbaren Universum lernen. Die Frage „Ist etwas natürlich oder übernatürlich?“ ist somit eine inhaltsleere, bedeutungslose Frage.

Jede hinreichend fortgeschrittene Technologie ist ununterscheidbar von Magie

Natürlich kann das Schlagwort „übernatürlich“ auch genutzt werden, um Menschen Thesen weiszumachen, die ganz offensichtlich gegen die bekannten Naturgesetze verstoßen. Da sind wir dann sehr schnell bei den bereits erwähnten Orgonstrahlern, bei Homöopathie oder Geistheilungen – alles zu erwerben gegen eine geringe Gebühr. Da der Esoterikmarkt allein in Deutschland pro Jahr etwa 25 Milliarden Euro umfasst, ist das Label „übernatürlich“ offenbar sehr erfolgreich. Nur wirklich überzeugte Personen werden Summen von über 1.000 Euro für „Entstörgeräte“ ausgeben, die „geopathische Strahlen“ reduzieren sollen.

Es gibt Vampire? Götter? Geister? Aber … wie sollen solche Wesen denn existieren können? – Kein Problem, der Geist ist übernatürlich, über weitere Zusammenhänge und Erklärungen müssen wir uns keine Sorgen machen. Der Begriff „übernatürlich“ wird als Ausrede benutzt; eine ehrliche Person muss hier zugeben, dass ihre Ideen wohl keinen Bestand haben.

Jede hinreichend analysierte Magie ist ununterscheidbar von Technologie

Fazit: „Übernatürliche“ Phänomene sollen jenseitig und unerklärbar sein, gleichzeitig aber im Universum verankert und mit wissenschaftlichen Mitteln mess- und beobachtbar. Damit sind sie zugleich natürlich und übernatürlich. Solche Phänomene kann es nicht geben, das Übernatürliche wird damit zurück geworfen auf (Selbst-)Täuschung und wissenschaftlich noch nicht komplett verstandene, natürliche Effekte. Dass es solche Effekte selbstverständlich gibt, wird jeder seriöse Wissenschaftler zugeben. Mehr als das, sie sind seit jeher ein wichtiger Antrieb für den menschlichen Wissensdrang.

Oder, um einen dummen Witz daraus zu machen: Wie nennt man ein übernatürliches Ereignis, das dokumentiert, verifiziert und wiederholbar ist? – Ein natürliches Ereignis.

25 Milliarden Euro – Das ist ganz schön viel Geld, mit dem man auch ganz schön viele Abmahnanwälte bezahlen kann. Daher gibt’s zu diesem Artikel keine Links.

Bananen-Mann so: „Ich habe vier unwiderlegbare Beweise für Gott!!“ – Nein, alle widerlegt!

Gestern hatten wir die „unwiderlegbaren Beweise“ für die Existenz Gottes von „Banana Man“ Ray Comfort veröffentlicht. Seine Argumente sind zugegebenermaßen eher doof – allerdings bekommt man auch von eigentlich cleveren und gebildeten Religionisten meist nichts Besseres zu hören. Eine Auseinandersetzung mit Rays Argumenten kann man daher als Mentalgymnastik ansehen, als Übung für den Fall, dass man auf der nächsten Party mit ähnlich zündenden „Beweisen“ konfrontiert wird.

“1. Schöpfung/Natur: Es ist wissenschaftlich unmöglich, dass die Natur sich selbst geschaffen hat oder ewig ist. (Siehe Römer, 1:18-20)”

Ray fischt hier gleichzeitig in den Gewässern der kosmologischen und der teleologischen Argumente. Beide bestehen hauptsächlich aus Argumenten aus der Ignoranz: „Ich habe keine Ahnung, wie der Kosmos/Bäume/Menschen entstanden sind, es muss also Jahwe gewesen sein“ – Ähm, nein.

Die Behauptung, das sei alles „wissenschaftlich unmöglich“, ist zudem eine Lüge: Ab dem ersten Auftreten primitiver, sich reproduzierender Eiweißmoleküle wird „die Natur“ durch die Prinzipien der Evolution äußerst schlicht und elegant erklärt, bis dahin helfen Physik und chemische Evolution weiter.

“2. Gewissen: Das Gewissen ist Gott-gegeben und hat die menschliche Gesellschaft geprägt. Wir können intuitiv Recht und Unrecht unterscheiden, so dass wir am Tage des Jüngsten Gerichts keine Ausreden haben (Siehe Römer, 2:14-15)”

Wer ganz allein auf einer einsamen Insel lebt, der braucht keine Moral. Moral (oder besser: Ethik) entsteht dort, wo Regeln für das menschliche Zusammenleben nötig werden. Die meisten sind ziemlich einfach: „Nimm mir nichts weg, dann nehme ich dir auch nichts weg“ oder „Wir kümmern uns alle gemeinsam um Oma, dafür passt sie auf die Kinder auf“. So ein System ist den Einzelnen oft lästig und daher ohne Unrechtsbewusstsein kaum aufrecht zu erhalten. Für das Überleben eine Gruppe ist daher eine unter- oder halbbewusste Überwachungsinstanz ein deutlicher Evolutionsvorteil. Die gewissenlosen Egomanen im Nachbartal sind einfach ausgestorben.

Nebenbei: Wer mit Hunden zusammen lebt, weiß, dass auch diese Rudeltiere ein rudimentäres Gewissen haben.

“3. Die Zehn Gebote: Durch die Zehn Gebote macht Gott uns auf seine Erwartungen aufmerksam, so dass wir die furchtbare Gefahr sehen, in der wir leben (Siehe Römer, 7:7-13)”

Die Zehn Gebote sind eine Sammlung aus kruder Selbstrechtfertigung eines eifersüchtigen und jähzornigen Gottes und bronzezeitlichen Rechtsnormen. Sie sind keinesfalls einzigartig oder auch nur besonders treffend formuliert. Moralisch sind sie auch eher fragwürdig: Sie drohen Abweichlern mit Sippenhaft, Sklaverei wird gut geheißen, und Frauen auf eine Ebene mit Vieh gestellt; Vergewaltigung und Völkermord wurden irgendwie vergessen. Konfuzius hatte um die gleiche Zeit eine deutlich knackigere Formulierung gefunden: „Was du selbst nicht wünschst, das tue auch anderen nicht an.“

“4. Bekehrungen: Gott beweist seine Existenz durch die Erweckung des Glaubens in den Menschen. (Siehe Johannes, 14:21)”

Dieser Satz ergibt etwas mehr Sinn, wenn man ihn invertiert: Die Menschen können sich  Jahwe und seine Gesetze auf keinen Fall selbst ausgedacht haben, sondern müssen von Jahwe selbst dazu inspiriert worden sein. Diese Behauptung entspricht genauer besehen dem Argument in 1: Die Dogmen der Religion sind eine Sammlung von Ideen, Ideen zu haben ist Teil der menschlichen Natur, und die Natur setzt laut Ray Comfort die Existenz Jahwes voraus. Oder kurz: Jahwe existiert, da Jahwe existiert. Nun ja.

Evangelikaler Prediger vs. Gesunder Menschenverstand: 0 – 4

Mal schauen: Von den vier völlig „unwiderlegbaren“ Beweisen bleiben nach sanftem Dagegenhauchen übrig: Null. Erstaunlich, dass es dem Mann gelungen ist, auf dieser Basis eine Firmengruppe zu gründen.

Ich wage folgende Hypothese: Kein einziger Mensch wurde zum Anhänger einer Religion, weil er von dererlei „hochkarätigen“ Argumenten überzeugt wurde. Stattdessen handelt es sich um nachträgliche Rationalisierungen des Unsinns, mit dem man als Kind indoktriniert wurde.

Matt Dillahunty: „Skeptizismus führt automatisch zu Atheismus“

Der Skeptiker, Atheist und Fernsehmoderator Matt Dillahunty hat im Rahmen der American Atheists Convention in Texas einen Vortrag zum Verhältnis von Skeptizismus und Atheismus gehalten (englisch, ca. 28 Minuten). Darin zeigt er auf, dass Atheismus seiner Ansicht nach unmittelbar aus einer skeptischen Weltsicht folgt. Er liest der Skeptiker-Bewegung außerdem die Leviten, da sie in der Außenwirkung oft als arrogant und herablassend wahrgenommen werde.

Ob er im letzten Punkt recht hat? Ich habe oft den Eindruck, dass die Behauptung vieler Religionisten „Die Atheisten sind ja alle kalt, arrogant und über-rational“ eher zum Schlechtmachen der „Konkurrenz“ und somit zur Verteidigung der eigenen Macht genutzt wird. Meiner Ansicht nach wissen viele religiöse Menschen tief im Innen, dass ihre Dogmen nicht haltbar sind. Das Umsichschlagen in Richtung der bösen Atheisten ersetzt hier quasi das Pfeifen im dunklen Keller.

Einige von Dillahuntys Hauptpunkten:

  • Skeptizismus ist nicht nur ein Werkzeugkasten, es ist auch eine Weltsicht.
  • Viele Skeptiker enttarnen Esoteriker und Wunderheiler, die die Angst verzweifelter Menschen zynisch ausnutzen, machen aber Ausnahmen für religiöse Thesen.
  • Religiöse Lehren führen zu absurden Weltbildern, viele Religionisten werden dadurch erst offen für Wunderheiler, Homöopathie und Geisterglauben.
  • Skeptiker sollten sich nicht aus falscher Rücksicht scheuen, die Werkzeuge des Skeptizismus auf religiöse Themen anzuwenden.
  • Skeptisches Denken führt, korrekt angewandt, automatisch zu Atheismus.
  • Skeptiker und Atheisten sollten auf ihre Außenwahrnehmung achten, die Bewegung hat quasi Vorbildfunktion für religiöse Menschen, die Alternativen zu ihrem Glauben suchen.