Das Baum-Argument für die Existenz Gottes

Von Religionisten werden oft Bäume als Beweis für die Existenz Gottes angeführt. Das geht dann etwa so: “Du glaubst nicht an Gott? Ja, aber … geh doch mal raus, und schau die Bäume an. All diese Bäume sind so schön!”

Wenn man diesen Appell an die Emotionen des Zuhörers in eine für eine Analyse greifbare Form bringt, kommt in etwa Folgendes dabei herum:

1. Jahwe hat alle sehr schönen Dinge in der Natur geschaffen.
2. Bäume sind sehr schön und existieren.
3. Aus 1. und 2. folgt: Jahwe hat die Bäume geschaffen.
4. Daher existiert Jahwe. Voilà!

Bäume sind zwar schön – Als Gottesbeweis jedoch nicht zu gebrauchen!

Schon in Schritt 1 findet sich ein Argumentum ad Ignorantiam: „Ich kann mir nicht vorstellen, wieso ich bestimmte Dinge als schön empfinde. Daher muss das Jahwe gemacht haben.“ – Das stimmt natürlich nicht. Nur weil zum aktuellen Zeitpunkt keine Erklärung für ein Phänomen bekannt ist (und einem auch gerade keine einfällt) heisst das nicht, dass es keine gibt. Insbesondere bedeutet das nicht, dass man sich in diesem Fall eine beliebige Erklärung ausdenken darf, die dann stimmen muss („Jahwe war’s!“, „Pappa Schlumpf war’s!“).

Für den Rest des Beweises ist dann klar: Wenn man zu Beginn (in 1.) schon davon ausgeht, dass das Universum – und damit die Bäume – von einer Gottheit geschaffen wurden, bekommt man natürlich auch genau das als Ergebnis des logischen Schlusses in 3. Das Baum-Argument enthält also neben dem Appell an die Emotionen und dem Argument aus der Unwissenheit auch noch einen Zirkelschluss und ist daher wertlos.

Die Konzeptpumpe: Ich hätte gerne … Heinzelmännchen!

Ein ähnlicher Mechanismus lässt sich nutzen, um beliebige Konzepte in die Welt zu wünschen (analog zum ontologischen Gottesbeweis). Beispiel: “Die Heinzelmännchen putzen Treppenhäuser. Mein Treppenhaus ist geputzt. Daher existieren Heinzelmännchen. Voilà!”

Religion hat auf jede Frage eine prompte Antwort – Der Feind der Neugier und des Staunens

Das Beobachten und Bestaunen der Natur ist offenbar tief in den Menschen verankert; es ist der Ursprung aller Neugier und daher u.a. auch der Wissenschaft und des Fortschritts. Jede Erklärung, jedes Stück Verstehen wirft wieder neue Fragen auf, das Weltbild erweitert und verändert sich. Umso trauriger ist es, dass Religionisten für jede Blume, jeden Kristall und jeden neu entdeckten Planeten sofort eine Erklärung haben (“Jahwe war’s, der Rest steht in der Bibel!”) und so das Staunen und die Neugier abtöten. Unter diesem Gesichtspunkt ist es überhaupt kein Wunder, dass der Fortschritt der Menschheit erst in Schwung kam, als die Religion (zumindest in Europa) relativ schwach und müde geworden war und die Heilige Inquisition ihren Schrecken verloren hatte.

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7 Antworten zu Das Baum-Argument für die Existenz Gottes

  1. Pingback: Gottesbeweise oder: Achtung! Dies ist eine Übung! | Man Glaubt Es Nicht!

  2. mynona schreibt:

    Wenn du als Annahme aufstellst, dass kein Gott die Welt geschaffen hat, wie ist sie deiner Meinung nach dann entstanden?

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    • manglaubtesnicht schreibt:

      Es ist doch so: Die Behauptung, „Nichts kann ewig sein, daher auch nicht das Universum; ein Gott hat es geschaffen“ erklärt nichts. Übersetzt bedeutet es so viel wie „Es war Magie! Zauberei!“

      Dazu kommt der infinite Regress: „Wenn nichts ewig sein kann, wer hat dann den Gott geschaffen?“ Die Antwort „Der Gott ist ewig“ widerspricht der Annahme „nichts kann ewig sein“. Und wenn die Annahme weg fällt, brauchen wir den Gott gar nicht erst einzuführen. Die Aussage „Ein Gott ist Schöpfer des Universums“ ist also unlogisch und erklärt nichts.

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      • Anonymous schreibt:

        Also war gaaaanz am Anfang nichts und aus diesem Nichts ist dann Materie entstanden? Klingt einleuchtend^^

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        • manglaubtesnicht schreibt:

          Wie kommst du zu der Annahme, dass „am Anfang Nichts“ war? Wass genau bedeutet „am Anfang“, wenn es keine Zeit gibt? Was bedeutet „Nichts“, wenn es keinen Raum gibt? Raum und Zeit sind Eigenschaften der Raumzeit.

          Wie kommst du zu der Annahme, dass Physik unter solchen Bedingungen „einleuchtend“, also intuitiv erfassbar, sein sollte, wo doch deine Intuition unter völlig anderen Bedingungen evolviert ist?

          Wie kommst du zu der Annahme, dass wir zu jeder Frage sofort eine erschöpfende Antwort haben müssten? Ist das nicht reichlich vermessen?

          Wie kommst du zu der Annahme, dass die Aussage „Es war übernatürliche Magie!!“ irgend etwas erklären würde? Was genau ist Magie? Was ist das, ein „Gott“? Was für ein Wesen ist das, wie existiert es, woher kommt es? War am Anfang Nichts da und dann erschien aus diesem Nichts ein Gott? Ist das einleuchtend?

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    • awmrkl schreibt:

      Die derzeit wohl vernünftigste, ehrlichste und richtigste Antwort ist:
      Wir wissen es derzeit (noch!) nicht.
      Aber wir (die Naturwissenschaft) ist und bleibt dran!
      Siehe CERN, div. Vermessungssatelliten u.ä. Bemühungen …

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  3. Pingback: Zwischenstand bei den Gottesbeweisen: 0 – 20 | Man Glaubt Es Nicht!

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