Der Gottesbeweis der „Vier Punkte“

Die Helden von „Campus für Christus„, des deutschsprachigen Zweiges des „Campus Cruisade for Christ“ (mit jährlichen Einnahmen von $519,000,000, den „Kreuzzug“ hat man bei der Übersetzung wohlweislich weggelassen), haben sich überlegt, wie man wohl die jüngere Generation an die Angel bekommen könnte. Mit ihrem „leidenschaftlichen und motivierten Team“ setzen sie sich dafür ein, dass auch Die Jugend (TM) in Kontakt kommt mit dem „wunderbaren himmlischen Vater, der sich nach jedem Menschen sehnt“. Durch extrem hartes Nachdenken sind die klügsten Köpfe der Organisation zu folgender (hier etwas gekürzten) Argumentationskette gekommen, die – fesch für’s Internet aufgemacht – auch wirklich jeden Jugendlichen davon überzeugen sollte, dass Jahwe wirklich in echt existiert, und dass das Christentum die einzige wahre Religion ist:

1. Gott liebt dich total! Seine Liebe ist grenzenlos und bedingungslos.

2. Wir suchen nach Sinn und Erfüllung, aber nicht bei Gott. Wir misstrauen ihm und missachten seine Regeln. Diesen Alleingang nennt die Bibel Sünde. Sünde verletzt unsere Beziehungen und zerstört unser Zusammenleben als Menschen.

3. [Gott] ist so weit gegangen, dass er in Jesus Christus Mensch wurde und sein Leben für uns hingab. An unserer Stelle nahm er am Kreuz die Konsequenz der Sünde auf sich.

4. Gott hat alles getan, um uns zu zeigen, wie sehr er uns liebt. Durch Jesus Christus bietet er uns erfülltes und ewiges Leben an. […] Wie entscheidest du dich?

Im Ernst: Mal davon abgesehen, dass diese „vier Punkte“ in keiner Weise zusammen hängen oder irgendwie eine Argumentationskette bilden. Ebenfalls davon abgesehen, dass die Bewegungschristen immer wieder auf den gleichen alten Behauptungen herumreiten und nie irgendwelche Belege liefern. Aber – glauben die wirklich, dass Jugendliche doof sind?

Zu 1: Okay, als wohlstandssatter Mitteleuropäer schafft man es vielleicht, an der Idee „Ein allmächtiges Wesen liebt mich“ irgendwie einleuchtend zu finden. Die Opfer von Naturkatastrophen, Krebs und anderen Krankheiten, ganz zu schweigen die unter all den (Religions-)kriegen, extremistischen Hasspredigern und Attentätern Leidenden liebt der Gott dann wohl doch nicht so sehr. Schließlich könnte der allmächtige Gott all diese Übel einfach so abstellen. Offenbar ist er zu beschäftigt.

Zu 2: Sowohl die „missachteten“ Regeln als auch die böse, böse „Sünde“ finden sich allein in der Bibel, also in einem alten Buch. Einem alten Buch, das im dritten/vierten Jahrhundert aus im Laufe von knapp tausend Jahren entstandenen Nomadenregeln, politischen Predigten, Lyriksammlungen und den Notizen von Berufspropheten zusammengestellt wurde. Wieso bitte sollte ausgerechtet dieses alte Buch für mein Leben so entscheidend sein? Wieso nicht der Koran, die Rigveda, die Edda, die Avesta oder die Sibyllinischen Bücher? Wieso nicht De Bello Gallico oder Die Buddenbrocks? Wieso sollten wir als Gesellschaft die Regeln für „unsere Beziehungen“ und „unser Zusammenleben als Menschen“ überhaupt nach so einer Loseblattsammlung ausrichten? Wieso nicht aufgeklärt und vorurteilsfrei öffentlich diskutieren und aus freiem Willen eine moderne Gesellschaft entwickeln?

Zu 3: Okay, nehmen wir mal kurz an, dass die Punkte 1 und 2 nicht völlig abwegig wären. Spätestens hier würde sich ein zufällig im Internet surfender Außerirdischer fragen, was denn bloß mit diesen Menschen los sei? Also: Der allmächtige, allwissende Gott schafft das Universum und die Menschen nach seinem Willen. Dann diktiert er diesen Willen einer Reihe von halbnomadischen Stammespriestern in die – äh – Feder, die in einer rückständigen Randprovinz des römischen Imperiums durch die Wüste ziehen. Die Menschen schauen sich diese in sich widersprüchlichen, in ihrer Härte unmöglich zu befolgenden Regeln an und verstehen sie nicht. Darum sind sie – gemäß der göttlichen Gesetze – zur ewigen Höllenfolter verdammt. Der Gott ist nun mit der von ihm geschaffenen Situation irgendwie unglücklich. Er könnten natürlich die Gesetze (oder die Wesen) einfach ändern. Aber er hat eine Idee: Er opfert sich  selbst an sich selbst – als Buße dafür, dass die von ihm selbst geschaffenen Wesen gegen die von ihm selbst geschaffenen Gesetze verstoßen. Jetzt mal ehrlich: Die Geschichte kann doch niemand ernst nehmen, oder?

Zu 4: Okay, wer das alles wirklich für wahr hält, sollte sich vielleicht wirklich besser in die Obhut einer autoritären Organisation begeben. Und auch am besten gleich fleißig spenden oder im wohlausgestatteten Webshop der Kreuzzugs-Christen einkaufen, damit die Spendensumme beim nächsten Mal dann gleich auf runde $520,000,000 springt.

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6 Antworten zu Der Gottesbeweis der „Vier Punkte“

  1. Joachim Clauss schreibt:

    Ha…

    Der Außerirdische würde nur feststellen, das die Menschheit(oder zumindest ein eklatanter Teil von ihr) ein echtes existenzielles Problem mit seinem eigenen DA-Sein hat, weil er es nicht schafft, seine eigene Innenwelt von der äußeren Welt zu trennen und glaubt, bloß weil sich IN seinem inneren etwas „Scheiße“ anfühlt, es dann auch in der äußeren Welt Scheiße IST..

    Ich bezeichne diesen Umstand als ein „Reflektionsproblem“ des individuellen Geistes, der in all den Jahrtausenden anscheinend NICHT gelernt hat, die innere Welt von der äußeren Welt (das kollektive Selbst) zu unterscheiden..

    Statt Supermann(oder ähnlichen Figuren) sollte eigentlich eher ein „Super-Psychiater“ der Held all der Comic-Geschichten sein, mit denen man schon den Kindern den Kopf mit irgendwelchen „gut“ gemeinten Idealen voll stopft.

    So wie ICH Jesus betrachte, war ER in Wahrheit ein oller Hippie, der als einfacher Zimmermann seiner Zeit weit voraus war und den Leuten eigentlich nur sagen wollte, das sie nicht ihr „eigenes Arschloch“ raus hängen sollen, wenn sie nicht wollen, wie ein Arschloch behandelt zu werden..

    SEID NETT ZUEINANDER, mehr wollte er nicht vermitteln.. Aber irgendwie scheint mir die ganze Sache mal wirklich gründlich in die Hose gegangen zu sein..

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  2. Bernd D. schreibt:

    Ich glaube auch nicht, dass Jugendliche so blöd sind. Aber man weiss ja nie.

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  3. Pingback: Zwischenstand bei den Gottesbeweisen: 0 – 20 | Man Glaubt Es Nicht!

  4. dongamillo schreibt:

    Ich durfte als relativ junger Mann mit 23 Jahren diesen Gott kennenlernen und erlebe täglich sein Wirken in und um mir herum.
    Ich kann einfach bezeugen, er ist da!

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    • Sirius schreibt:

      Auf welche Weise hast Du Gott kennengelernt? Was macht Dich glauben, dass Gott täglich bei Dir ist?

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      • dongamillo schreibt:

        Hallo „Sirius“

        Ich versuche es mal mit einem Link zu meiner Seite.
        Ich bin absolut kein Profi und versuche da etwas zu machen, bitte habe Nachsicht mit dem Kuddelmuddel auf der Seite.

        [https://dongamillo.wordpress.com/eine-seite/

        Ich bin nicht sicher ob das funktioniert, die eckige Klammer die vor der Linkadresse steht darf nicht mitkopiert werden, die macht den Link nur auf dieser Seite unwirksam.

        mal seh´n ob es klappt.

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