Legal? Illegal? Scheißegal! – Staat überweist Kirche halbe Milliarde Euro

Jedes Jahr das gleiche Spiel: Auch 2015 haben die deutschen Bundesländer der evangelischen und katholischen Kirche wieder eine Rekordsumme an Staatsleistungen überwiesen, im vergangenen Jahr waren es 510 Millionen Euro. Dass die jeweils gültige deutsche Verfassung seit 1919 eine Trennung von Staat und Kirche und eine Ablösung der Zahlungen befiehlt – das wird seit fast hundert Jahren geflissentlich ignoriert.

Diese Staatsleistungen legen die deutschen Bundesländer großzügig auf die diversen sonstigen Zahlungen an die Großkirchen obendrauf: auf die Kirchensteuer, die Zahlungen an die religiösen Sozialbetriebe und die Bezahlung der Bischofsgehälter (Bischöfe sind in Deutschland Staatsbeamte). Ab und an liest man von Initiativen die Staatsleistungszahlungen zu beenden, die werden dann von den anrückenden Lobbyisten schnell erstickt. (Obwohl: “Anrücken” müssen die Kirchenlobbyisten oft gar nicht, denn in vielen Landtagen haben sie eh ständige Büros)

Staatsleistungen – Zahlungen auf Rekordniveau

Woher stammen diese angeblichen Verpflichtungen? Für die katholischen Bistümer ist es so: Als Folge der Französischen Revolutionskriege wurde in den Jahren 1802-3 das Deutsche Reich politisch neu strukturiert. In diesem Rahmen wurden auch die Reichslehen der katholischen Fürstbischöfe eingezogen und neu vergeben. Diese Fürsten erhielten von ihren adeligen Standesgenossen ein Gehalt auf Lebenszeit zugesagt, die Staatsleistungen. Die Reichsfürsten wollten damit den nun pfründelosen Bischöfen, mit denen sie ja meist verwandt waren, eine ihrem adeligen Stand “angemessene” Lebensführung ermöglichen. Mit dem Tod des letzten betroffenen Fürstbischofs hatten diese Staatsleistungen damit bereits im 19. Jahrhundert ganz offensichtlich ihre Berechtigung verloren. Die “Verpflichtungen” gegenüber den evangelischen Kirchen sind zumeist noch älter, sie stammen aus dem Umfeld des Dreißigjährigen Krieges.

Die Neuordnungen der Staatsstruktur waren aus damaliger Sicht jedoch politisch und juristisch angemessen und im Wesentlichen Folgen verlorener Kriege. Die ab und an gehörte Analogie, die Staatsleistungen seien wie die “Miete für eine Wohnung”, greift nicht: Dieser Argumentation folgend könnten die Araber von Spanien eine “Miete” für Andalusien verlangen, oder Deutschland eine “Miete” von Frankreich für Elsass-Lothringen. Den Lobbyisten möchte ich sehen, der das vorschlägt.

Mit dem Beginn der deutschen Demokratie und der damit verbundenen Abschaffung des Adels und der Staatskirchen 1919 wurde dieses “neue” Verhältnis in der Weimarer Verfassung (Artikel 137, 138) fixiert. Die Regelungen dieser Artikel bleiben auch im Grundgesetz (Artikel 140) erhalten und wirksam. Staat und Kirche sind also in Deutschland getrennt, Staatsleistungen an die Kirchen müssen abgeschafft werden. Trotzdem schaffen es Kirchenvertreter und die Kirchenlobby in den Parlamenten in geschickter Weise immer wieder die Fortzahlung durchzusetzen.

Evangelische Kirchen – Austritte auf Rekordniveau

Eine andere Rekordzahl wird fast zeitgleich gemeldet: Die Zahl der Austritte aus den evangelischen Landeskirchen hat einen neuen Höchststand seit 1995 erreicht. Fast exakt 270.000 Protestanten, also mehr als eine Viertelmillion, verließen 2014 die evangelische Kirche. Das waren 53 Prozent mehr als 2013.

Legt man beide Zahlen nebeneinander, wundert man sich nicht, warum die evangelische Kirche im Gegensatz zu den Katholiken manchmal vage Verhandlungsbereitschaft bezüglich einer Ablösungen der deutschen “Schulden” aus dem Dreißigjährigen Krieg signalisiert. Man könne sich z.B. eine Aufgabe der Forderung gegen eine Einmalzahlung in zehn- bis vierzigfacher Höhe vorstellen. Hier versucht die Kirche offensichtlich noch schnell einen money grab, bevor ihr die Basis – und damit die politische Unterstützung für die absurd begründeten Zahlungen – komplett wegbricht.

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Die Evolution und ihre Theorie

Man muss es klar sagen: Kreationismus, also die Idee, dass die Welt mitsamt all ihrer Bewohner vor ca. 6000 Jahren quasi fix und fertig in sieben Tagen von Gott Jahwe geschaffen worden ist, ist eine der albernsten Ausprägungen aller religiöser Vorstellungen. Die Kreationisten haben als Hauptfeinde den gesunden Menschenverstand, sämtliche Wissenschaften und da insbesondere die Evolutionsbiologie ausgemacht. Im Kampf gegen diese “Irrlehren” werden ganz offensichtliche Tatsachen ausgeblendet, verdrängt, verleugnet; es wird geschimpft, geschrieen und gedroht. Die Evolution muss auf diese Religionisten extrem bedrohlich wirken.

If Americans come from Europeans, why are there still Europeans?

If Americans come from Europeans, why are there still Europeans?

Die Argumente der Kreationisten sind dabei stets von erstaunlicher – hm – Schlichtheit: “Wenn die Menschen von Affen abstammen, wieso gibt es dann noch Affen?” – “Die Welt ist so schön, sie muss einfach geschaffen worden sein!” (siehe Photos, der Rest der Bilderserie findet sich bei Buzzfeed)

Solch ein Level naiver Dummheit lässt sich nur dann halten, wenn man die Leute bewusst schlecht informiert, also anlügt. Absurd sind daher auch die von Predigern eingeimpften Vorstellungen, was die Evolution denn eigentlich sei. Nein, liebe Kreationisten, die Evolution sagt nicht, dass “ein Hund zu einem Adler werden wird, […] wenn er oft genug versucht über Klippen zu springen”,  oder dass bei der Entstehung der ersten Menschen aus purem “Zufall viele Menschen en[t]standen sind die [z]ufällig alle ziemlich identisch waren“. Oder auch der beliebte Klassiker: Die “Wahrscheinlichkeit, dass der Mensch eine zufällige Laune der Natur ist, ist so hoch als ob ein Wirbelsturm über einen Schrottplatz fegen würde und die Schrottteile zu einer startbereiten Boeing 747 zusammenfügen würde.”

Ist das noch Dummheit oder schon Dreistheit? Egal, es ist zum Haare raufen! Evolution ist ja eben nicht willkürlicher Zufall, sondern die ungelenkte Anpassung an die Umwelt. Damit Evolution funktioniert, sind lediglich zwei Voraussetzungen nötig:

1. Lebewesen werden mit erblichen, aber variierenden Merkmalen geboren, z.B. mehr oder weniger schreckhaft, lange oder kurze Beine, viele oder wenige Haare.

2. Einige dieser Variationen sind in der jeweiligen Umwelt günstiger als andere. So haben in einer Savanne mit Raubtieren z.B. schreckhafte Tiere mit langen Beinen einen Überlebensvorteil gegenüber ihren gemütlichen Kollegen. Sie können sich öfter fortpflanzen und geben so die Merkmale weiter.

Das ist alles. Wer diese beiden Punkte vernünftig und zutreffend findet, akzeptiert damit die Evolution. Mehr ist da nicht, der Rest folgt automatisch. Evolution ist ein Fakt. Liebe Religionisten, gewöhnt euch dran.

Findest du auch Krebs, Pocken und Ebola "amazing"? So wie auch Tsunamis, Erdbeben und Hurricanes als Zeichen göttlicher Liebe?

Besonders “amazing” sind Krebs, Pocken, Ebola, Tsunamis, Erdbeben und Hurricanes als Beweis allgütiger, göttlicher Liebe.

Intelligent Design: “Evolution ist ja bloß eine Theorie!”

Neben der faktisch vorhandenen Evolution gibt es auch noch die Evolutionstheorie. Eine wissenschaftliche Theorie ist ein gut funktionierendes Modell, das Aspekte der Welt erklärt und Vorhersagen zu deren Verhalten macht. Die Evolutionstheorie beschreibt das Ineinandergreifen der biochemischen Mechanismen der Evolution, die Prozesse der natürlichen Auslese und den historischen Ablauf der Entstehung der Arten.

Ein direktes Analogon zum Verhältnis Evolution/Evolutionstheorie ist die Gravitation/Gravitationstherie: Gravitation ist ein Fakt – Durch Leugnen wird man auch nicht leichter. Die Gravitationstheorie (“Zwei Massen ziehen sich antiproportional zum Quadrat ihrer Entfernung an, weil …”) erklärt nun die Zusammenhänge hinter diesem Phänomen, so dass z.B. Flugbahnen vorhergesagt werden können. Ein weiteres Fakten- und Theoriepaar sind Krankheiten/Keimtheorie. Die Keimtheorie der Krankheiten erklärt, wie Krankheiten von Bakterien und Viren verursacht werden. Sie war lange sehr umstritten: Man ging damals mit kirchlichem Segen davon aus, dass wahlweise Dämonen oder ein “Ungleichgewicht der Körpersäfte” Krankheiten verursachen.

Intelligent Falling: “Gravitation ist ja bloß eine Theorie!”

Alle diese Theorien haben eins gemeinsam: Sie stehen nicht nur in irgendwelchen Lehrbüchern, sondern werden täglich überall auf der Welt angewandt, und zwar in so verschiedenen Feldern wie Baustatik, Bierbrauen, Botanik, Chemie, Flugzeugbau, Landwirtschaft, Medizin, Physik, Tennis und Zoologie. Falls also jemand eine alternative Idee vorschlagen möchte, z.B. Kreationismus, die Dämonentheorie der Krankheiten oder die Intelligent Falling-These (“Gravitation ist ein Hoax, Engel drücken alle Dinge ständig auf die Erde!!”), der müsste auch plausibel erklären, warum diese Wissenschafts- und Technikfelder so funktionieren, wie sie funktionieren. Kreationismus lehnt aber nicht nur die Evolutionstheorie ab, sondern auch die beobachteten Fakten der Evolution. Als Alternative behaupten die Kreationisten “Es war Magie! Ein Gott hat das alles magisch herbei gezaubert!!” – Woher sie das wissen? Na, das haben sie in ihrem Zauberbuch gelesen.

Während in den USA Kreationisten meist mit dem stramm rechten Teil der Spektrums verbunden sind, denken in Deutschland auch alternative Kuschelprotestanten darüber nach, ob “Evolutionstheorie und Schöpfungtheorie” nicht doch irgendwie auf eine Stufe gestellt werden können. Die Antwort ist natürlich: Nein. Die Evolution ist ein beobachteter Fakt, während die “Schöpfungstheorie” keine Theorie ist, sondern lediglich eine zweitausend Jahre alte Geschichte.

Warum also ziehen so viele Religionisten in einen wütenden Kreuzzug gegen die Evolution und ihre Theorie, und halten gegen jeden Sinn und Verstand an ihren Kreationismus-Ideen fest? Ich schätze, Richard Dawkins hat recht: Da die Vielfalt des Lebens auf der Welt durch die Mechanismen der Evolution einfach und elegant erklärt wird, fällt auch das letzte der klassischen Argumente für die Existenz eines Gottes – das teleologische Argument – weg. Da die ontologischen und kosmologischen Argumente ganz offensichtlich Unsinn sind, gibt es seit Darwins augenöffnender Entdeckung keinerlei Grund mehr, noch an den Bibelgott Jahwe zu glauben.

Als Bonus nun noch eine islamische Tiefgaragenversion des Kreationismus. Anderswo ist man offenbar auch nicht schlauer.

Dass ein hochkomplexes Wesen wie ein Gott zufällig aus dem Nichts entsteht, ist in etwa so wahrscheinlich wie das Entstehen einer flugfähigen Boeing 747 durch einem Tornado auf einem Schrottplatz – Unmöglich!

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Wer hat den besten philosophischen Gottesbeweis aller Zeiten? Deine Mudda!

Ehrlich, der philosophische Gottesbeweis deiner Mutter ist auf jeden Fall besser als der von Klaus Wagn. Wer Klaus Wagn ist, weiß ich nicht. Er sieht sich als Philosoph, und daher, so denkt er offenbar, muss der von ihm selbstgebastelte und ins Netz entlassene Gottesbeweis wohl ein philosophischer sein. Rational, logisch oder auch nur mit gesundem Menschenverstand nachvollziehbar ist er jedenfalls nicht. Auf besonderen Wunsch hier eine knappe Analyse.

Ich versuche dazu zunächst Klaus Wagns Gedankengänge gekürzt aber sinnerhaltend wiederzugeben. Das ist gar nicht so einfach – und zwar nicht wegen etwaigen philosophischen Tiefgangs. Wagn gliedert seinen Beweis in sechs Abschnitte, die er von eins bis sieben nummeriert. Was dabei aus Abschnitt 3 geworden ist, wer weiß das schon?

1. Es gibt das Materielle und das Immaterielle. Das Immaterielle ist naturwissenschaftlich weder zu widerlegen noch zu beweisen. Naturwissenschaften sind materialistisch.

2. Was etwas ist, wird durch das definiert, was es nicht ist: Das Bewusstsein definiert Materie dadurch, dass es sie von allem anderen unterscheidet, das Materie nicht ist. Durch die sprachliche Definition von Materie (unterscheidend zu Immaterie) wird jedoch klar, dass Immaterie existieren muss. Da Materie schon vor den Menschen existiert hat, muss ein anderes Bewusstsein sie definiert haben, weil … sonst ergibt das ja keinen Sinn!!

4. “Das Immaterielle ist das, was nicht ist – also das Nichts. Aber ein Nichts, das es in sich hat.” Materie ist vergänglich und hat immer eine Ursache. Das Immaterielle ist unvergänglich und ursachenlos. Als Beweis folgt ein Bibelzitat (Prediger 3.11).

5. Das Materielle ist alles, was eine Ursache hat. “Ein Brief hat eine Ursache, und der Regen hat eine Ursache. Dass Menschen geboren werden hat seine Ursache und dass Menschen sterben hat seine Ursache. Die Erde hat ihre Ursache und das Universum hat seine Ursache.” Diese Ursache kann nicht materiell sein, denn “Materie für sich allein ist nicht definiert und daher nichts.”

6. Um Materie zu erdenken muss es ein permanentes Bewusstsein geben. Dieses eine, allmächtige und unveränderliche Bewusstsein ist Gott, der daher existieren muss. Beweise: div. Bibelstellen.

7. Die Alltagsverwendung des Verbs “Glauben” (wie in “Ich glaube ich habe das Licht ausgemacht”) ist identisch mit religiösem Glauben (wie in “inbrünstiger Glaube”). Auch Physik (und implizit auch alles andere) “beruht ausschließlich auf Glauben, denn das System der Physik an sich kann nicht bewiesen werden.” Man kann also grundsätzlich nur glauben, nichts beweisen. Glaube an Gott ist dasselbe wie der eben beschriebene “Glaube an die Physik”. Glaube an die Physik hat sich “in der Praxis bewährt”. Weil Glaube=Glaube, hat sich daher auch der Glaube an den Christen-Gott bewährt und muss daher stimmen. q.e.d.

Noch jemand dabei? Hurra!

Üblicherweise ist es bei Argumenten für die Existenz von Göttern so, dass sich während eines mehr oder weniger durchdachten Beweisgangs irgendwo ein Fehler einschleicht (oder bewusst versteckt eingebracht wird), weswegen der primäre Schluss (“Und darum stimmt meine Religion!!”) inhaltlich falsch ist. Dass jedoch jeder einzelne Schritt komplett falsch ist, das hatte ich noch nicht. Bis jetzt.

Zu 1. und 2.: Wagn definiert sich hier “das Immaterielle” zurecht, das er von aller Materie streng unterscheidet. Dessen Existenz begründet er ontologisch. Das geht natürlich nicht: Nur weil ich etwas begrifflich machen kann, muss es noch lange nicht wirklich existieren. Außerdem: Das rein Immaterielle, selbst falls es irgendwie existieren sollte, ist für uns materielle Wesen in keiner Weise relevant. Um nämlich relevant zu sein, müsste es sich in irgend einer Form in der Welt manifestieren. Um Einfluss auf “das Materielle”, also auch uns, zu haben, müsste “das Immaterielle” Lottokugeln schieben, Synapsen in Gehirnen beeinflussen, Jesus auf die Erde schicken, was auch immer. Es muss Quanten umdrehen und Atome schubsen. Dann wäre es jedoch nicht mehr immateriell, sondern zumindest teilweise materiell verankert. Die strenge Unterscheidung materiell/immateriell bei gleichzeitiger Annahme der (wenn auch vielleicht nur indirekten) Beeinflussung von Materie durch Immaterie ist falsch. Wagn kann nicht beides haben.

Zu 4. und 5.: Hier geht Wagn den üblichen Weg aller kosmologischen Beweise: Er behauptet, dass “das Universum” eine Ursache haben müsse. Er begründet das damit, dass viele Alltagsdinge wie Regen oder Briefe ebenfalls eine Ursache haben. Hier spielen zwei Bedeutungen des Begriffs “Ursache” eine Rolle, die unser Philosoph munter in einen Topf wirft, wie das andere Apologeten meist mit dem Begriff “Schöpfung” machen: Ja, wenn ich ein Auto baue oder einen Brief schreibe, dann bin ich in der Tat deren Schöpfer, deren Ursache. Schöpfen bedeutet hier, dass ich bestehende Materie nehme und umforme. Aus Papier und Pigment wird mithilfe eines Stifts ein Brief, aus Metallerzen und Kohlenstoffen wird durch Prozesse wie Schmelzen, Formen, etc, ein Auto. Dieser ex materia Begriff “Ursache” ist jedoch völlig verschieden von der von Wagn behaupteten Schöpfung ex nihilo, also der behaupteten Schöpfung des Universums aus dem Nichts, dem Nicht-Sein. Es ist aber so: Niemand weiß, ob das Universum eine Ursache haben muss, denn niemand hat jemals so eine creatio ex nihilo beobachtet oder damit experimentiert. Es gibt solide Anzeichen dafür, dass man auch ohne auskommt: Kosmologen vermuten seit etwa zehn Jahren natürliche Raumfluktuationen, aus denen aus dem Nichts spontan und völlig ursachenlos Elementarteilchen entstehen, aus denen sich die Welt aufbaut – aber eine naturwissenschaftliche Erklärung wird Herrn Wagn wohl kaum zufrieden stellen.

Zu 6.: Die eben (falsch) für notwendig erklärte Ursache des Universums muss lt. Herrn Wagn ein zeitloser, immaterieller, ewiger Geist sein. Wir erinnern uns: dessen Existenz hatte er in 1. und 2. eben noch (falsch) herbeidefiniert. Wagn behauptet wie bei kosmologischen Beweisansätzen üblich ohne weitere Belege, dass dieser immaterielle, aber irgendwie doch materiell wirksame Geist sein christlicher Gott sei. Eigentlich ist sein (falscher) Beweis damit fertig.

Wissenschaft ist Glaube – Wissenschaft funktioniert – Daher stimmt Glaube!!

Als Dessert beschert uns Wagn dann aber noch seinen Punkt 7: Beweise (für irgend etwas) seien sowieso komplett unmöglich und auch überflüssig. Wissenschaft sei wie Religion “auch nur Glauben” – und da Wissenschaft funktioniert, muss Glauben funktionieren, also auch der christliche Glaube, der daher stimmen muss. Dies begründet er sprachlich, indem er sich aus den verschiedenen Bedeutungen des Begriffs “Glauben” eine einzelne herauspickt, die er dann für einzig gültig erklärt. Nebenbei erklärt er damit allerdings auch seinen Gottesbeweis aus 1.-6. für ungültig. Warum auch immer, vielleicht hat er beim Schreiben die Übersicht verloren. Wir befinden uns mittlerweile immerhin auf dem Umdefinierniveau von Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke“.

Fazit: Wagn argumentiert im Wesentlichen ontologisch, also sprachlich mit der Bedeutung von Begriffen. Dabei wirft er verschiedene Bedeutungen durcheinander und verbiegt sie, wie es gerade passt. Seine Unterteilung materiell/immateriell ist nicht haltbar. Seine Verwendung des Begriffs “Ursache” ist zumindest falsch, vielleicht auch absichtlich irreführend. Als Beweis für seine These von der Notwendigkeit eines immateriellen Bewusstseins als Ursache der Welt zitiert er lediglich ein altes Buch.

Nichts davon ist irgendwie neu oder originell, hier jedoch überdurchschnittlich verschwurbelt. Wagns Gedankengang “Wissenschaft ist auch nur Glaube – Wissenschaft funktioniert – Daher funktioniert Glaube – Daher funktioniert auch der christliche Glaube – Darum existiert der christliche Gott” ist allerdings im französisch-champagnerseligen Sinne spektakulär.

In anderen Traktaten hält sich Autor Wagn ebenfalls nur noch mit den Fingernägeln knapp an der schnell rotierenden Realität fest: “Die Evolutionstheorie setzt den philosophischen Materialismus voraus – also die Religion, dass Materie von Geist unabhängig ist. Materie ist jedoch ohne Geist nicht denkbar, denn sie ist ohne Geist nicht definiert und auch nicht definierbar. Was nicht definiert ist, kann aber nicht sein – es ist zugleich alles und nichts.”

Diese kurze Betrachtung (“kurz” hier in der Bedeutung von “sehr lang”) dürfte gezeigt haben, dass man – ob materiell oder immateriell –  diesen Autoren nicht weiter ernstzunehmen braucht.

Bewertung des Gottesbeweises: 10/10 Piepvögel.

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Vermischte Anfragen 2015: Der Teufel und die Hamster-Pornos

“War Einstein Christ?” (Nein) – “Gibt es Beweise für die Evolution?” (Ja) – “Existiert das Übernatürliche?” (Die Frage ist falsch gestellt) – Jeden Tag geben Menschen Anfragen in Google ein und landen dann bei uns. WordPress sammelt die Anfragen und listet sie schön übersichtlich auf. Auf die meisten dieser Fragen finden sich zahlreiche Antworten überall im Netz, und eben auch bei MGEN. Einige sind aber spezieller, Antworten sind da eher dünn gesäät. Darum hier als MGEN-Leserservice exklusive Antworten auf sehr spezielle Suchanfragen aus dem Jahr 2015:

wieso seid ihr atheisten? – Ganz klar, weil wir sauer auf Gott sind. Als Kinder haben wir ganz doll für ein Pony gebetet, das Gott uns aber nie geschenkt hat. Wir vermuten daher, dass Gott uns hasst, weil wir Atheisten sind.

wofuer hat gott den tornado geschaffen? – Gott hat die Tornados geschaffen, um Ihnen seine allumfängliche Liebe zu demonstrieren. Ebenso wie Tsunamis, Erdbeben, Hurricans und lustige Krankheiten wir Krebs, Pocken und Ebola. naturkatastrophen, erdbeben, terror, das gehts doch immer schon gegeben – Sehen Sie, das ist der Beweis.

welche Übersetzung benutzen Johannes und jesus? – Jesus und Johannes, die ja viel Umgang mit der römischen Besatzungsmacht pflegten, hatten im Alltag immer den Kleinen Stowasser dabei.

existiert der teufel? – Ja. Der Teufel liegt, wie allgemein bekannt ist, im Detail. Das “Detâil” ist ein Zweieinhalb-Sterne-Hotel auf Gran Canaria, in dessen Pool-Bereich sich der Teufel für gewöhnlich aufhält. Die Zimmer sind nicht sonderlich luxuriös, doch das Fruehstücksbuffet ist für den Preis ganz okay und die  Margaritas sind süffig. Gerade richtig für Urlauber mit beschränktem Budget oder überwinternde Rentner.

Ist Jahwe Programmierer?

warum stimmt die evolutionstheorie nicht? – Die Evolution ist, wie allgemein bekannt, “bloß eine Theorie” und daher grundsätzlich nicht weiter ernstzunehmen. Ähnlich übrigens wie die Gravitationstheorie und die Keimtheorie, alles Mumpitz dieser arroganten, Gott hassenden Wissenschaftler. Besonders lächerlich ist, dass diese Darwinisten tatsächlich glauben, dass dass “ein Hund zu einem Adler werden wird, […] wenn er oft genug versucht über Klippen zu springen”, oder aus purem “Zufall viele Menschen en[t]standen sind die [z]ufällig alle ziemlich identisch waren“. Lä-cher-lich! Die sogenannten Wissenschaften wie Medizin, Botanik, Geologie, Land- und Forstwirtschaftskunde, Zoologie und Biochemie, die die Evolutionstheorie täglich anwenden, sind alle falsch! Diese irrgeleiteten Darwinisten schaffen es “nicht mal nur deutsche oder nur englische Begriffe zu verwenden“!! Da sieht man’s mal wieder!!!

gedicht du sagst gott ist nicht real – Nee, da müssen Sie schon selbst ran.

ist jahwe programmierer? – Ja, es ist wahr: Bibel-Gott Jahwe ist hauptberuflich Anwendungsprogrammier bei Yahoo und hat als Hobbyprojekt das Universum in Javascript programmiert. Das erklärt natürlich auch, warum die Welt so supergut funktioniert.

nach der bibel wurde thyros nie wieder aufgebaut, stimmt das? – Nope, Tyros ist eine Stadt im Libanon mit etwa 100.000 Einwohnern. Die Bibel prophezeit, dass König Nebukadnezar von Babylon die Stadt einnehmen und dem Erdboden gleich machen würde. Nach einer langen Belagerung (während der die entsprechenden Passagen wohl geschrieben wurden) verhandelten die Bewohner eine einigiermaßen friedliche Übergabe und akzeptierten die babylonische Oberhoheit. Danach ließ sich die etwas peinliche, gescheiterte “Prophezeiung” offenbar nicht mehr aus der Welt schaffen.

Gibt es Beweise?

halten sie die schlussfolgerungen pascals hinsichtlich der annahme eines gottes für plausibel? – Nein.

ist jahwe kult? – Ja. Spätestens, seit Jahwe seinen Auftritt beim Eurovision Song Contest 2007 weinend abgebrochen und sich zum Alkoholentzug in ein bayrisches Kloster zurück gezogen hat, genießt Jahwe in Deutschland Kultstatus. Seines aktuelles Album “Am Rande des Wahns” inklusive der Duet-Single “Für dich teil ich das Meer” mit Thomas Anders wurde von den Kritikern zerrissen, verkauft sich aber wie geschnitten Mana.

gibt es beweise fuer uebernatuerliche wesen? – Ja sicher. Krishna, Allah, Jahwe, Gaia, Zeus, Istar, Odin, Anansi, Isis und Osiris, Baal, etc, all diese übernatürlichen Wesen sind selbstverständlich total real. Fragen Sie mal ihre jeweiligen Priester.

hamster porno sehen wo muß ich drauf drücken? – Uhm, … jetzt weiß ich auch nicht weiter. Wir wünschen all unseren Leserinnen und Lesern eine schöne Weihnachszeit und einen guten Rutsch ins Jahr 2016.

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Darauf wissen wir leider auch keine Antwort

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November ist Kirchenaustrittsmonat

Falls ihr jemanden kennt, der mit dem Gedanken spielt aus der Kirche auszutreten, oder jemanden, der im kommenden Jahr 2016 zum ersten Mal ein steuerpflichtiges Gehalt bekommt: Im November ist der Zeitpunkt zum Kirchenaustritt.

Die Kirchensteuer wird immer anteilig vom Jahreseinkommen erhoben. Falls also jemand in 2016 zum ersten Mal ein regelmäßiges Gehalt bekommt oder eine Gehaltssteigerung oder Einmalzahlung absehbar ist, wirkt sich das spürbar auf die Steuerlast aus. Die Rechnung geht so: Wenn ihr ab 1. Juli 2016 Gehalt bekommt und erst zum 30. Juni aus der Kirche austretet, seid ihr nicht etwa aus dem Schneider, sondern müsst auf euer Jahresgehalt 6/12 der jährlichen Kirchensteuer zahlen.

Zur Erklärung der Details hier Matthias “Skydaddy” Krause, der sich in Kirchenfinanzfragen vorzüglich auskennt:

1.) In vielen Bundesländern endet die Kirchensteuerpflicht erst mit Ablauf des auf den Kirchenaustritt folgenden Monats. Wer also erst im Dezember austritt, ist im Januar des Folgejahres noch kirchensteuerpflichtig.

2.) Die Kirchensteuer wird nicht von den monatlichen Einkünften erhoben, sondern anteilig vom Jahreseinkommen. Für jeden Monat, in dem man kirchensteuerpflichtig war, ist ein Zwölftel der „regulären“ Kirchensteuer zu zahlen (wenn man das ganze Jahr über Mitglied gewesen wäre).

Ebenso gilt für Ehen oder Lebenspartnerschaften: Ist in einer Ehe der eine Partner Mitglied einer Kirche, kann dem anderen Partner – obwohl er/sie nicht Mitglied ist – das “Besondere Kirchgeld” in Rechnung gestellt werden. Besonders dreist ist dabei, dass die katholische Kirche, die ja die Gleichstellung  homosexueller Paare generalstabsmäßig hintertreibt, auch für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften das Besondere Kirchgeld eintreiben lässt.

Wie genau trete ich aus der Kirche aus? –> Hier!

Wie bereits anderswo beschrieben: Ein schlechtes Gewissen braucht niemand zu haben, denn die Kirchensteuer wird zum größten Teil für die interne Verwaltung der Kirchenhierarchie verwendet. Soziale Einrichtungen tragen zwar oft kirchliche Namen, werden aber zum allergrößten Teil unabhängig von der Kirchensteuer vom Staat finanziert. Bischöfe werden als Spitzenbeamte ebenfalls zusätzlich zur Kirchensteuer direkt von den Bundesländern bezahlt. Kohle hat die Kirche auch ohne die Extrasteuer noch genug.

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Wissenschaft und Religion – Alles Glaubenssache?

Immer wieder hört man von Religionisten, dass, egal ob Wissenschaft oder Religion, alles irgendwie Glaube sei. Dieses Mantra wird so oft wiederholt, dass es mich mittlerweile ernsthaft langweilt. Ausserdem ist es falsch.

Wissenschaftliche Modelle – alle Naturwissenschaft hat ja Modellcharakter – machen Aussagen über die Natur. Stellt sich heraus, dass diese Aussagen falsch sind, werden neue Modelle konstruiert. Im Laufe vieler Iterationen sind so Modelle entstanden, die (obwohl sie Mängel haben) in vielen wissenschaftlichen Bereichen die Natur sehr gut beschreiben. Diese wissenschaftlichen Modelle machen Vorhersagen über das Verhalten der Natur, die sich mit Experimenten oder Beobachtungen prüfen lassen. Sie sorgen so dafür, dass wir Autos fahren können, dass Medikamente entwickelt werden können oder dass es das Internet gibt. Kurz: Sie funktionieren. Das ist keine Glaubenssache, so funktioniert Wissenschaft.

Die Religion jedoch, die ist Glaubenssache. Sie macht zwar auch Aussagen, z.B. im Rahmen von “Offenbarungen” wie der Bibel, den Veden, den Sibyllinischen Büchern, etc. Das sind aber i.d.R. keine Modelle, denn sie erklären die Natur nicht. Stattdessen sind es Behauptungen, die ohne Belege hingenommen, also geglaubt werden müssen. Und sollte doch mal eine nachprüfbare Aussage mit Modellcharakter dabei sein, hat sich sich meist jetzt schon als falsch erwiesen: Nein, Krankheiten werden nicht von Dämonen verursacht, es gibt keine Glaskuppel über der (flachen) Erde, das Ende der Welt ist immer noch nicht gekommen, niemand kann Menschen gesund beten. Nein, Senfkörner sind nicht die kleinsten Samen überhaupt und Hasen keine Wiederkäuer. Entweder der jeweilige Gott hat sich vertan oder sein Bodenpersonal hat es falsch aufgeschrieben. Egal: Die Offenbarung ist ganz offenbar (“evident”, könnte man sagen) nicht korrekt.

Bitte, liebe Religionisten, werft Wissenschaft und Religion nicht in einen Topf. Religion ist in der Tat Glaubenssache – wo sie prüfbare Aussagen macht, sind diese in der Regel falsch. Wissenschaft ist eine Methode zur Erforschung der Welt um uns. Sie hat einen unschlagbaren Vorteil: Sie funktioniert!

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Kirchenaustritt

Es gibt viele gute Gründe aus der Kirche auszutreten:

  • Man glaubt nicht mehr an die religiösen Dogmen,
  • man ist mit den Aussagen der Kirche, z.B. in gesellschaftlichen Fragen, nicht mehr einverstanden,
  • man möchte seine Kinder vor übergriffigen Priestern bewahren,
  • man ist gegen eine Vermengung von Staat und Kirche,
  • man möchte den Hasspredigern im Fernsehen nicht mehr die Stimme leihen, oder
  • man möchte einfach etwas Geld sparen.

Ein schlechtes Gewissen braucht dabei niemand zu haben, denn die Kirchensteuer wird zum größten Teil für die interne Verwaltung der Kirchenhierarchie verwendet. Soziale Einrichtungen tragen zwar oft kirchliche Namen, werden aber zum allergrößten Teil unabhängig von der Kirchensteuer vom Staat finanziert. Bischöfe werden als Spitzenbeamte ebenfalls zusätzlich zur Kirchensteuer direkt von den Bundesländern bezahlt. Obendrauf zahlen die Bundesländer noch ca. 500 Millionen Euro für die sog. Staatsleistungen, die von Kirchenlobbyisten mit angeblichen Verpflichtungen aus dem Umfeld des Dreissigjährigen Kriegs und der französischen Revolutionskriege begründet werden. Kohle hat die Kirche auch ohne die Extrasteuer noch genug.

In Deutschland ist man mit 14 Jahren religionsmündig, darf also ohne Zustimmung der Eltern aus der Kirche austreten. In den meisten Bundesländern muss man dazu persönlich zum örtlichen Amtsgericht oder Standesamt gehen, seinen Ausweis vorzeigen und eine Gebühr (meist zwischen 30 und 60 Euro) zahlen. Das Geld hat man natürlich schnell wieder drin, selbst wenn man nur sehr geringe Steuern zahlt.

Wie genau trete ich aus der Kirche aus? –> Hier!

Vorsicht: Die Austrittsbescheinigungen unbedingt umbewahren! Es gibt immer wieder Fälle, in denen die Kirchen nach einem Umzug in ein anderes Bundesland den Austritt ohne Beleg nicht anerkennen und über Jahre rückwirkend Kirchensteuer eintreiben lassen. Das kann also richtig teuer werden.

Ist in einer Ehe der eine Partner Mitglied einer Kirche, kann dem anderen Partner – obwohl er/sie nicht Mitglied ist – das “Besondere Kirchgeld” in Rechnung gestellt werden. Besonders dreist ist dabei, dass die katholische Kirche, die ja immer wieder gegen Homosexuelle hetzt und ihre Gleichstellung  planmäßig hintertreibt, auch für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften das Besondere Kirchgeld eintreiben lässt. Wenn’s um Geld geht, spielen die religiösen Dogmen offenbar keine Rolle.

Also, Leute, falls ihr noch in einer Kirche seid: Mit eurer Mitgliedschaft gebt ihr den in den Talkshows geifernden Kirchenoberen eure Stimme. Solange ihr Mitglied bleibt, sprechen die auch in eurem Namen. Tretet jetzt aus!

Informationen zum Kirchenaustritt:

  • Nähere Informationen zum Kirchenaustritt in den einzelnen Kommunen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es hier.
  • Ein FAQ des Internationalen Bunds der Konfessionslosen findet sich hier.
  • Matthias “Skydaddy” Krause bringt eine Menge Informationen zum Thema Kirchenaustritt und den wilden juristischen Manövern der Großkirchen in einer Folge des sehr empfehlenswerten Ketzer-Podcasts (hier).
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Ältere Menschen treten vermehrt aus der Kirche aus

Die Rheinische Post (“Zeitung für Politik und christliche Kultur”) hat bei den katholischen Bistümern in Deutschland nachgefragt, wie es denn mit der Kirchentreue der bislang sicher im Griff geglaubten Alterskohorte 60+ aussähe. Und siehe da – auch die Älteren sind nicht so leichtgläubig wie in Kirchenkreisen offenbar angenommen und treten in Scharen aus. Einige Zahlen der Rheinischen Post:

Bistum Austritte 2014 Austritte 2013 Veränderung
Bamberg 2.074 1.470 +41%
Essen 764 341 +124%
Freiburg 2.185 950 +130%
Hamburg 886 330 +168%
Limburg 537 399 +35%

Ob sich diese Steigerungen als einmaliger Ausschlag in Folge der neuen Kirchensteuermodalitäten erweist oder ob sich hier ein langfristiger Trend zeigt bleibt abzuwarten. Erfreulich ist in jedem Fall, dass die Kirchenbindung auch bei älteren Menschen offenbar nachlässt.

Der Rest des RP-Artikels ist nur begrenzt lesenswert: Hier mischt sich Jammerei über den angeblichen Verfall traditioneller Werte mit mäßig subtilen Bemerkungen à la “Tja, aber ob ihr dann eine ordentliche Beerdigung bekommt …?” Das Ganze wird garniert mit Photos des lachenden Papstes und von Kirchen im Sonnenuntergang; Bildunterschrift: “So schön erstrahlen die Kirchen bei Nacht” – Kein Witz!

Wie schön, dass sich offenbar zunehmend weniger Menschen mit so einem Unsinn einwickeln lassen.

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Zwischenstand bei den Gottesbeweisen: 0 – 20

Seit etwa zweieinhalb Jahren schauen wir uns im Rahmen dieses Blogs Argumente für die Existenz des jüdisch-christlich-islamischen Bibel-Gottes Jahwe an, wie sie von Theisten immer wieder vorgebracht werden. So ein Beweisgang besteht in der Regel aus einer Reihe von Annahmen und daraus hergeleiteten logischen Schlüssen. Am Ende steht dann meist ein “Und daraus folgt: Die Gottheit Jahwe existiert!”

Damit ein Beweis stimmt, müssen naheliegenderweise sowohl die Annahmen als auch die logischen Herleitungen korrekt sein. Sind die Annahmen unzutreffend oder die Schlüsse unlogisch, ist der Beweis falsch. Das bedeutet dann natürlich noch lange nicht, dass das Gegenteil gelten muss, also der jeweilige Gott ganz sicher nicht existiert – lediglich der Beweis für die Existenz ist im Einzelfall gescheitert.

Bei den betrachteten Ansätzen zeigen sich immer wieder dieselben logischen Fehler (oder Fallen?) Oft wird die Existenz einer Gottheit trickreich formuliert in den Annahmen eingebracht – und dann am Ende triumphierend geschlussfolgert! Sehr schön klar wird das beim ontologischen Beweis. Etwas vereinfacht:

(A1) Der Gott ist das Wesen mit der perfekten Kombination von Eigenschaften.
(A2) Ein Wesen ohne die Eigenschaft “Existenz” ist nicht perfekt.
(S) Der Gott hat die Eigenschaft “Existenz”, existiert also.

Derart vom rhetorischen Gestrüpp befreit wird klar, dass (A1) die Existenz einer Gottheit bereits versteckt voraus setzt. Ein ehrliche Formulierung müsste lauten:

(A1) Der Gott existiert. Er ist das Wesen mit der perfekten Kombination von Eigenschaften.

Dass daraus dann “Der Gott existiert!” folgert, wird niemanden überraschen.

Ein zweiter üblicher Logikfehler ist der Sprung von “der Gott existiert” zu “darum ist meine Religion richtig!” Die bekannten Gottesbeweise versuchen lediglich die Existenz irgend eines göttlichen Wesens zu beweisen. Der logische Sprung zu “das ist Jahwe, der Gott des Christentums, das daher stimmt!” ist völlig willkürlich und erfolgt ohne jede Begründung. Mit genau der gleichen Berechtigung könnte man zu Krishna springen, zu Zeus oder Papa Schlumpf. Fragt man hier nach, hört man oft die eher unbefriedigende Antwort “Das steht in der Bibel, an deren Wahrheit glaube ich ganz fest.”

Von den bislang angeschauten Beweisen für die Existenz von Göttern war kein einziger korrekt. Hier sind sie im einzelnen:

Also haben wir (je nach Zählung, einiges wiederholt sich) 20 bis 25 der bekanntesten und meist verwendeten Gottesbeweise angeschaut – bislang war kein einziger schlüssig. Im Gegenteil: Wir haben einige durchaus solide Ansätze (hier und hier) gezeigt, die beweisen, dass zumindest die Gottheit Jahwe nicht wie behauptet existieren kann.

In der Sammlung fehlen noch eine Reihe von Argumenten, wie zum Beispiel das Transzendentale Argument für Gott (TAG) und das Kalam-Argument, eine etwas verschwurbelte Version des kosmologischen Beweises. Daneben verdienen auch noch die in den USA aktuell als chic geltenden Präsuppositionisten eine nähere Betrachtung. Es bleibt also spannend – wer weiß, vielleicht ist ja doch noch ein gültiger Beweis für die Existenz (zumindest irgend einer) Gottheit dabei …

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Die Evolution beisst zurück

Fast schon verzweifelt suchen kreationistische Christen nach Argumenten, die die Evolution widerlegen und die Lehre von der Schöpfung der Welt durch Gott Jahwe beweisen sollen. Weil echte Beweise – oder auch nur vage Hinweise – in dieser Richtung rar sind, versuchen sie das Publikum durch “geschickte” Rhetorik zu überzeugen. Die vermeintliche Wunderwaffe in diesem epischen Kampf, die “40 Fragen an die Evolutionisten” des Kreationisten Kent Hovind, waren ja bereits Thema in diesem Blog.

Ein Gastbeitrag von Carsten Grün

Ich habe es mir tatsächlich angetan und mir die Fragen alle angesehen. Keine Angst, ich werde den teilweise hahnebüchenen Unsinn hier gewiss nicht einzeln auseinander nehmen. Manche der Fragen sind an sich schon unsinnig, und in anderen befinden sich schlicht falsche Behauptungen. Ein Beispiel sei mir hier gestattet:

34. Warum ist der Jupiter Mond ‘Ganymede’ immer noch heiß wenn er doch nach Milliarden von Jahren abgekühlt und erstarrt sein sollte?

Das ist schlicht falsch, denn Ganymed ist in der Tat ein Eismond mit einem erstarrten Kern und einer mehreren hundert Kilometer dicken Eisschicht an seiner Oberfläche.

Doch genug dazu.

Ich kam auf die Idee, meinerseits ein paar Fragen zusammenzustellen, welche man Kreationisten stellen könnte. Die ein oder andere stellte ich bereits bei Diskussionen und war über die Antworten natürlich kein bisschen überrascht. Schließlich hat der Klerus mit all seinen Erscheinungsformen sehr viel Erfahrung darin, nicht überprüfbare Argumente aus der Mitra zu zaubern. Und diese werden von den Gläubigen immer brav nachgebetet.

Raumfähre Kreationismus antwortet nicht

Bei meinen “30 Fragen an die Kreationisten” sind auch ein paar dabei, die ein Wissenschaftler nicht ernst nehmen würde, die aber einen Kreationisten in Verlegenheit bringen dürften:

1. Warum sind die Sinneszellen der Netzhaut im Auge nach hinten gerichtet, und wurden nicht so erschaffen, dass sie nach vorne in Richtung des einfallenden Lichtes zeigen?

2. Warum wird das Gesicht während der embryonalen Entwicklung des Menschen aus drei Teilen zusammengefügt, so wie es z.B. bei Fischen seit Jahrmillionen ebenfalls geschieht?

3. Warum führt der Kehlkopfnerv der Giraffe vom Gehirn zuerst den langen Hals hinunter, um das Herz herum und dann wieder hinauf zum Kehlkopf?

4. Warum besitzt das Pferd oberhalb der Hufe rudimentäre Zehen?

5. Warum gibt es Meerestiere, die tausend Meter tief tauchen, aber trotzdem Luft atmen müssen?

6. Warum bekommen wir eine Gänsehaut, wenn gar kein Fell mehr vorhanden ist, das wir aufrichten könnten?

7. Wozu haben wir sinnlose Organteile, wie zum Beispiel den Blinddarm?

8. Wieso sind bei allen Männern die Rippen komplett vorhanden, wenn doch die eine, aus der Eva erschaffen wurde, fehlen müsste?

9. Warum ist die Erde nachweislich nicht der Mittelpunkt des Universums, sondern nur ein kleiner Planet im äußeren Drittel unserer Galaxie, welche ebenfalls nur ein Staubkorn im Universum darstellt?

Stellt die schwarze Robe auf die Probe

10. Zu welchem Zweck wurde das grausame Pockenvirus erschaffen, das wir als angebliche “Schöpfung Gottes” ausgerottet haben?

11. Warum besitzt der Wal im Körperinneren deutliche Überreste von Hinterbeinen, die vollkommen nutzlos sind?

12. Wenn es die Arche Noah gab, warum sind nach der Sintflut alle Beuteltiere ausgerechnet in Australien ausgestiegen?

13. Wenn das Universum erst 6000 Jahre alt ist, warum datieren wir dann sein Alter aufgrund unserer wissenschaftlichen Erkenntnisse ausgerechnet auf 13,7 Mrd Jahre, und nicht auf einen anderen Zeitraum?

14. Warum bestätigen wir viele unsererer Theorien ständig selbst durch Experimente und Beobachtungen, und warum kommen wir immer weiter, wenn das alles nur ein Irrtum sein soll?

15. Warum lässt der Erschaffer dieses 6000 Jahre alten Universums es zu, dass die Frau plötzlich aufbegehrt und gleiche Rechte fordert, obwohl sie genau wie das Tier laut Bibel ein Untertan des Mannes sein soll? (Sorry, aber das steht dort wirklich: Gen 3.16, Eph 5.22, 1 Timotheus 2.11-12, Titus 2.5)

16. Wenn die Evolution und die Datierungen der Fossilien nur ein Täuschungsmanöver des Schöpfers sind, warum finden wir dann eben nicht die zahllosen “Zwischenformen”, die die Täuschung perfekt machen würden und die uns in Sicherheit wiegen würden?

17. Wozu sollte uns ein Schöpfer immer wieder vor neue wissenschaftliche Fragen stellen und unseren Glauben selbst mit Fossilien untergraben, wenn die Wahrheit nur 6000 Jahre alt ist?

18. Warum hat Gott den Menschen mit einem solch umfangreichen “Erkenntnisapparat” ausgestattet, wenn er schon vor 6000 Jahren “sah, dass es gut war”?

19. Aus welchem Grund nennt uns Gott “die einzige nach seinem Ebenbild erschaffene Schöpfung”, wenn er uns dabei offensichtlich im Unklaren lässt, ob es noch anderswo im Universum intelligentes Leben gibt?

Was die Pfaffen nicht raffen

20. Wenn es so offensichtlich ist, dass Gott die Welt vor 6000 Jahren um 4 Uhr nachmittags erschaffen hat, wozu muss er dann hunderttausende Menschen dazu berufen, uns davon zu überzeugen? Wären wir als seine Geschöpfe nicht automatisch davon überzeugt und würden wir nicht alle Fossilien automatisch in Frage stellen?

21. Warum können wir messen, dass sich das Licht im Vakuum mit 300.000 km/s fortbewegt, obwohl diese Tatsache jeglicher Lehre vom 6000 Jahre alten Universum widerspricht?

22. Warum werden diejenigen, die für alle sichtbar Böses tun, nicht von Gott bestraft, sondern von uns?

23. Warum entdecken wir immer mehr Naturgesetze, die Gottes Existenz immer unwahrscheinlicher machen?

24. Warum können wir die Vakuumlichtgeschwindigkeit niemals erreichen oder überschreiten, worin liegt der Sinn einer solchen Grenze in einem 6000 Jahre alten Universum?

25. Warum hat Gott manche Pinguine homosexuell werden lassen, um den Nachwuchs bei Verlust des Weibchens zu schützen, während er dieses Verhalten beim Menschen verurteilt?

26. Gott hat die Bewohner von Babylon angeblich dafür bestraft, einen hohen Turm gebaut zu haben, um dem Himmel näher zu sein. Heute werden Türme gebaut, die zehnmal höher sind als der Turmbau zu Babel. Warum wird dafür niemand bestraft?

27. Warum zeigt Gott seine Wunder immer nur in weinenden Marienstatuen aus totem Holz, aber niemals dadurch, dass er ein kleines Kind vom Krebs heilt? Warum lässt Gott niemals amputierte Gliedmaßen nachwachsen – egal wie verzweifelt die Menschen zu ihm beten?

28. Warum soll das Universum ausgerechnet 6000 Jahre alt sein, wenn dieses Alter für so viele Wissenschaftler so extrem falsch ist? Warum sollte Gott Wert darauf legen, eine so offensichtliche Täuschung zu schaffen, die so leicht zu durchschauen ist?

29. Wir haben ein 6000 Jahre altes Universum, in dem gemäß der Aufzeichnungen seit mindestens 4000 Jahren ständig Krieg zwischen Menschen herrscht. Ist das Gottes Wille? Oder hat der Teufel schon seit langem die Oberhand?

30. Der Haifisch war mit all seinen Arten schon immer da, wenn die Theorie des 6000 Jahre alten Universums stimmt. Da hatte Gott eine Menge Variationen zu schaffen. Heute rottet der Mensch eine Art nach der anderen aus. Wieso lässt Gott das zu, ohne seine Schöpfung zu schützen und einzugreifen?

Die Wissenschaft liefert ständig neue Antworten. Sie macht dabei natürlich auch Fehler, aber dann geht sie einen Schritt zurück und korrigiert sich. Das funktioniert seit Jahrtausenden und hat es unter anderem auch mir ermöglicht, das hier zu schreiben. Nur der Glaube steht seit 2000 Jahren irgendwie still hinter seiner Mauer aus Dogmen.

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