Kirchenaustritte 2015

Es gibt neue Zahlen zu Kirchenaustritten und -mitgliedschaften, kirchenaustritt.de hat sie gesammelt und aufbereitet. Demnach haben im Jahr 2015 ca. 400.000 Deutsche die beiden Großkirchen verlassen, bei der EKD waren es ca. 210.000, bei der RKK ca. 182.000. Es sind noch 46.033.733 Personen kirchlich organisiert, das sind 56,2% der Bundesbürger. Der Austrittsrekord von 2014 konnte demnach nicht gebrochen werden, die Austritte sind allerdings auch ohne Tebartz-Effekt noch auf dem zweithöchsten Niveau seit der Austrittswelle in den Jahren nach der Wiedervereinigung.

Es sieht so aus, als ob die Daumenregel, dass die Kirchen jedes Jahr ein halbes Prozent der Mitglieder als Steuervieh verlieren, weiter gilt. Wir dürfen also hoffen, dass um 2028 herum erstmals weniger als die Hälfte der Menschen kirchlich organisiert sind. In einer Demokratie sollte das eigentlich eine beachtenswerte Marke sein.

Ein guter Teil der Austritte 2014 und 2015 dürfte dem neuen Verfahren zur Erhebung der Kapitalertragssteuer geschuldet sein: Seit Januar 2015 wird die auf Kapitalerträge fällige Kirchensteuer direkt von den Banken an die Finanzämter abgeführt, die Steuerpflichtigen müss(t)en sich nicht mehr eigenverantwortlich darum kümmern. De facto wurde also eine Lücke geschlossen, die Steuerhinterziehung zum Nachteil der Kirchen ermöglichte.

Für mich stellt sich nun die folgende Frage: Was müssen das bloß für Menschen sein? Diese Leute sind grundsätzlich bereit aus der Kirche auszutreten, sind also ganz offensichtlich nicht um ihr Seelenheil oder ihr ewiges Leben nach dem Tod besorgt. Als aber 2010/2011 öffentlich wurde, dass insbesondere die katholische Kirche über Jahrzehnte hinweg Massenvergewaltigungen an Kindern ermöglicht und systematisch verschleiert, hat das diese Leute nicht weiter interessiert, sie sind brav Mitglied geblieben. Jetzt aber, da sie gezwungen werden ihr Kapitaleinkommen gemäß der für alle gültigen Regeln zu versteuern, treten sie in Scharen aus. „Absolut überlegene Moral“ und so. „Werte und Gemeinschaftsgefühl,“ nicht wahr? Nee, ist klar.

Veröffentlicht unter Religion | 2 Kommentare

Die systematische Abwertung der Frau im Christentum

Ab und an liest man tatsächlich, dass Jesus nicht nur im Alleingang die Nächstenliebe erfunden habe, sondern gleich dazu noch die Menschenrechte, und dass das Christentum quasi nebenbei auch die Frauen befreit habe. Ob bei den so Argumentierenden Dreistheit oder Dummheit am Werk ist, bleibt oft unklar.

Dass Frauen und Männer gleichwertig sind, das ist im christlichen Europa erst seit wenigen Jahrzehten überhaupt ein Thema. Bis vor ein oder zwei Generationen galt, dass in einer Ehe der Mann automatisch „Haushaltsvorstand“ war, und dass in der Gesellschaft allgemein ganz selbstverständlich die Männer das Sagen hatten – die Älteren werden sich erinnern. Dieses Geschlechterverhältnis ergab sich schließlich direkt aus der Bibel: In der Schöpfungsgeschichte wird die Frau erst nach dem Mann, und dann auch noch nicht eigenständig, sondern aus dessen Rippe geschaffen. Später ist die Frau dann dafür verantwortlich, dass die Menschheit aus dem Paradies geworfen wurde und – je nachdem, welche Christen man fragt – mit der Erbsünde auch dafür verantwortlich, dass unsere Leben endlich sind, dass alle Menschen sterben müssen und dann vom Gott ewig in der Hölle gefoltert werden. Kein Wunder, dass man solchen Menschen die Autoschlüssel und die Hausratsversicherung lieber nicht anvertraut.

Auch im Neuen Testament hält sich der angebliche „Frauenbefreier“ Jesus mit belastbaren Aussagen zum Thema zurück – offenbar war diese Sache für ihn dann doch nicht allzu wichtig. Das würde gut passen, denn für Rabbi Jeschua, falls es ihn denn gab, war gar nichts Weltliches wichtig. Seine an seine jüdischen Glaubensgenossen gerichtete Botschaft, da sind sich wissenschaftlich arbeitende Neutestamentler einig, war „Das Ende der Welt steht unmittelbar bevor, und dann wird Gott Jahwe kommen und auf der Erde herrschen! Folgt mir, denn in dieses Reich Gottes kommt ihr nur durch mich!“

Paulus von Tarsus, der eigentliche Erfinder des Christentums, war mit seinen Anweisungen an die christlichen Gemeinden allerdings sehr deutlich (1 Kor 11):

Ich lasse euch aber wissen, dass Christus das Haupt eines jeden Mannes ist; der Mann aber ist das Haupt der Frau; Gott aber ist das Haupt Christi.

Der Mann aber soll das Haupt nicht bedecken, denn er ist Gottes Bild und Abglanz; die Frau aber ist des Mannes Abglanz. Denn der Mann stammt nicht von der Frau, sondern die Frau von dem Mann. Und der Mann ist nicht geschaffen um der Frau willen, sondern die Frau um des Mannes willen.

Im Paulus zugeschriebenen Brief an die Epheser (Eph 5):

Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist, die er als seinen Leib erlöst hat. Aber wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern unterordnen in allen Dingen.

Und weiter (1 Tim 2):

Eine Frau lerne in der Stille mit aller Unterordnung. Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre, auch nicht, dass sie über den Mann Herr sei, sondern sie sei still. Denn Adam wurde zuerst gemacht, danach Eva. Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber hat sich zur Übertretung verführen lassen.

Dass im Mittelalter, als das Christentum Europa für flockige 1.000 Jahre im eisernen Griff hatte, die Frauen den Männern gleichberechtigt waren, möchte wohl niemand behaupten. Obwohl es doch damals, als das Christentum sich über lange Zeit ohne Wenn und Aber durchsetzen konnte, eigentlich ideale Zustände hätten herrschen müssen. Inbesondere auch hinsichtlich der Menschen- und Frauenrechte. Merkwürdig, oder?

Wie dem auch sei, auf das Mittelalter folgte die Renaissance, abgewürgt von der Reformation und den daraufhin ausbrechenden Dreissigjährigen Krieg. Und, hat die Reformation der feministischen Sache weiter geholfen? Nun, zumindest der deutsche Chefreformator Martin Luther war in mittlerweile bester christlicher Tradition ein ausgewiesener Frauenfeind:

Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.

Es ist ein arm Ding um ein Weib. Die größte Ehre, die das Weib hat, ist, dass wir allzumal durch die Weiber geboren werden.

Die Ordnung fordert Zucht und eher, dass Weiber schweigen, wenn die Männer reden.

Wenn also weder die Autoren des Alten Testaments (a.k.a. „Gott“), noch Jesus, noch Paulus, noch Luther die Abwertung der Frauen beendet haben, wer hat denn dann die Frauen befreit? Das ist erst passiert, als die Frauen Schleier und Kopftuch ab-, die Bibel weggelegt, und dafür das Heft selbst in die Hand genommen haben, und zwar im Rahmen der Aufklärung. Zwei Jahre nach der zuerst nur auf Männer zugeschnittenen Deklaration der Menschenrechte (nicht durch Jesus, sondern durch die französische Nationalversammlung) forderte Olympe de Gouges mit ihrer Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin im Jahr 1791 dieselben Rechte und Pflichten für Frauen ein. Der Weg war weit, fast zweihundert Jahre lang bremsten die in der christlichen Tradition verhafteten europäischen Gesellschaften den Fortschritt so gut wie es ging aus. In der Schweiz wurde das Frauenwahlrecht sogar erst 1971 eingeführt. Mittlerweile sieht es langsam, ganz langsam so aus, als würde die Religion in dieser Sache aufgeben: Viele Protestanten erkennen mittlerweile Männer und Frauen als gleichwertig an. Der aktuelle Streit um die Nicht-Zulassung weiblicher Diakoninnen zeigt zusammen mit der Noch-Nicht-Einmal-Diskussion um das rein männlich besetzte Priesteramt, dass es in der römisch-katholischen Kirche mit Gleichberechtigung noch nicht allzu weit her ist.

Kein im Geiste der Aufklärung denkender, humanistischer Mensch würde Frauen den Männern als nachrangig betrachten. Viele Religiöse tun das auf Basis ihrer Heiligen Schriften aber heute noch.

Die beschriebenen Bibelstellen wurden zusammengetragen von Heinz-Werner Kubitza für sein sehr schönes Buch „Der Dogmenwahn – Scheinprobleme der Theologie“.

Veröffentlicht unter Christentum, Dogmen, Religion, Religionskritik | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 21 Kommentare

MGEN-Podcast Folge 16.06: Das hat alles nichts mit Religion zu tun!

Das MGEN-Team hat gepodcastet, unter anderem zu den folgenden Themen:

  • Katholische Bischöfe hetzen, ein Muslim macht ernst: Das Attentat von Orlando
  • Kreuze im Gerichtssaal: Österreich denkt nach
  • Papst wird gefeiert: Für das Vertuschen von Kindesmissbrauch „können“ katholische Bischöfe in Zukunft  „zum Rücktritt aufgerufen“ werden
  • Rote Karte: Papst hält die meisten kirchlich geschlossenen Ehen für ungültig
  • Die Nonne und der Bürgermeister: Kirchenprivilegien in den Medien
  • Es folgt ein Gottesbeweis: Die kosmologischen Argumente
  • Papst Franz und Kurienkardinal Robert Sarah geraten ins Hyperventilieren zum Thema Genderforschung; wir wundern uns, aber nur begrenzt

Der RSS-Feed für den Podcast findet sich hier. Die Folge lässt sich auch bei iTunes oder direkt bei Soundcloud anhören und auch als mp3 herunterladen. Falls ihr mögt, bewertet unseren Podcast doch dort. Fragen oder Anmerkungen könnt ihr unter diesem Post in den Kommentaren hinterlassen oder per EMail an mgenblog@gmx.de auf den Weg bringen.

Veröffentlicht unter Atheismus, Podcast, Religion | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 11 Kommentare

Über „Militante Atheisten“

Sämtliche mir persönlich bekannten Atheisten sind zugleich Humanisten und bemerkenswert friedlich und besonnen. Daher wundere ich mich immer etwas, wenn in der Presse oder anderswo von den „militanten Atheisten“ die Rede ist, die es in ihrem Wahn irgendwie kaum erwarten können der Menschheit ihre perfide Ideologie aufzuzwingen. Als Beispiel werden dabei immer wieder Leute wie Richard Dawkins, Michael Schmidt-Salomon oder Ayaan Hirsi Ali genannt – alles meinem Empfinden nach sehr rationale und friedliche Menschen. A-Theismus ist – wir erinnern uns – die Abwesenheit von Glaube an irgendwelche Götter. Was soll daran ideologisch sein? Und vor allem: Wie kann daraus Militanz entstehen?

Um die Frage letztgültig zu klären, was genau unter „Militanz“ eigentlich zu verstehen ist, wenden wir uns an die unumstößliche Autorität des 21. Jahrhunderts, die Wikipedia:

„Militanz ist eine kriegerische Haltung, ein aggressives Auftreten oder eine physische oder verbale Gewaltbereitschaft“

Hm, eine kriegerische Haltung und Gewaltbereitschaft als Kennzeichen von Militanz also. Das sähe im Fall einiger üblicherweise des „militanten Atheismus“ bezichtigten Personen dann etwa so aus wie in den folgenden Szenarien:

  • Der britische Buchautor und Evolutionsbiologe Richard Dawkins schnallt sich eine Maschinenpistole um, schreit laut „Für Darwin!“ und rottet mit systematischen Massakern im Namen Gottes und der Zehn Gebote die Bevölkerung ganzer Landstriche aus – in etwa so, wie die Kämpfer von Joseph Konys Lord’s Resistance Army das in Zentralafrika tun.
Ein Bartaffe

Zum Vergleich: Ein echter Bartaffe

  • Die niederländisch/amerikanische Menschenrechtsaktivistin Ayaan Hirsi Ali ruft „Für die Frauenrechte!“ und stürzt Dutzende Homosexuelle von hohen Gebäuden in den Tod – so wie die Falschen Bartaffen von der ISIS das vorgemacht haben.
  • Der deutsche Philosoph und Sprecher der Giordano Bruno Stiftung Michael Schmidt-Salomon schreit laut „Im Namen des Humanismus!“ und schießt mit halbautomatischen Waffen und einer Pump Gun für Jesus und zur Verteidigung des Abendlandes Dutzende von Jugendlichen nieder – wie das der christliche Terrorist (*) Anders Breivik in Norwegen getan hat.

Nein, wenn man etwas darüber nachdenkt, sind solche Szenarien nicht besonders glaubwürdig. Kriegerische Haltung und Gewaltbereitschaft – das entspricht eher nicht den Menschen, die von Religionisten des „militanten Atheismus“ bezichtigt werden.

Doch Wikipedia weiß auch hier Rat:

„Manchmal wird der Begriff auch verwendet, um eine Person mit stark verfestigter Meinung zu titulieren, zum Beispiel bei den Ausdrücken „militanter Christ“ oder „militanter Atheist“. Dabei steht Militanz für bestimmte philosophische, religiöse oder andere Theorien und Programme, die sich des innewohnenden Gewaltpotenzials bedienen oder dieses schüren.“

Okay, dann also „Theorien und Programme, die sich des innewohnenden Gewaltpotentials bedienen“. Mal schauen, wie sieht es denn mit der Glaubwürdigkeit der folgenden, militant-atheistischen Szenarien aus?

  • Die Hamburger Buchautorin und Skeptikerin Alexa Waschkau folgt ihrem Wahlspruch „Immer schön skeptisch bleiben!“, setzt sich ins Fernsehen und behauptet, dass die Opfer des Germanwings-Massenmordes an ihrem Tod selbst schuld seien – so wie das TV-Pastor Wolfgang Wegert getan hat.
  • Der atheistische Podcaster und Informatik-Professor Christian Schindelhauer stellt sich an ein Podium und fordert vor vollbesetztem Haus die Todesstrafe für Homosexuelle – so wie es der katholische Bischof Vitus Huonder in Fulda vorgemacht hat.

Hm, nein, auch diese Szenarien wirken wenig glaubwürdig, die Definition von „Militanz“ passt ganz offensichtlich nicht zu den beschriebenen Leuten. Möglicherweise meinen die erzürnten Religionisten ja doch etwas anderes, wenn sie von „militanten Atheisten“ reden, irgendwie im übertragenen Sinne?

Ja, das tun sie. Unter „militanten Atheisten“ verstehen sie einfach Menschen, die ihnen lästig sind, die ihnen „aufmüpfig“ vorkommen.

Sie meinen damit Menschen, die „sowas führt zu sowas“ sagen und dabei auf Hass-Bischof Huonder und die Mörder von der ISIS zeigen. Menschen, die nicht brav, bescheiden und vor allem still hinnehmen, dass es in Deutschland keine Trennung von Staat und Kirche gibt, sondern de facto zwei Staatskirchen, dass Homosexuelle in Deutschland weiterhin als Menschen zweiter Klasse behandelt werden, dass Bischöfe gerichtsbestätigt Hass predigen dürfen und als Staatsbeamte dafür auch noch vom Steuerzahler bezahlt werden (Grundgehalt für Erzbischöfe ca. 11.000 Euro, für Bischöfe ca. 8.000 Euro im Monat), dass Frauen nach einer Vergewaltigung von katholisch geführten, aber von der Allgemeinheit bezahlten Krankenhäusern abgewiesen werden, dass Kindergärtnerinnen gekündigt wird, weil sei ihre Freundin heiraten wollen, Ärzten, die zum zweiten Mal eine Ehe geschlossen haben, oder einfach nur Leuten, deren „Verbrechen“ darin besteht standesamtlich heiraten zu wollen, und auf eine kirchliche Trauung zu verzichten.

Als „militante Atheisten“ werden Menschen bezeichnet, die nicht die Klappe halten, wenn  immer und immer wieder neue Vergewaltigungen von Priestern an Kindern systematisch vertuscht werden sollen, die auf den Text des Grundgesetzes hinweisen, wenn mal wieder eine halbe Milliarde Steuermittel an die Kirchen verschoben werden, wenn eine bankrotte, zu 70% atheistische Stadt wie Leipzig mal eben eine Million für einen Katholikentag locker macht, wenn Frauen in Religionen systematisch abgewertet, wenn Kinder systematisch zu Opfern von Genitalverstümmelungen werden, wenn mal wieder Homosexuelle mit Bleistangen tot geschlagen, oder wenn säkulare Blogger mit Macheten zerhackt werden. Mit der ach so ehrenwerten Religion hat das dann natürlich alles nichts zu tun – jaja, ist klar!

Kurz gesagt: Als „militanten Atheisten“ bezeichnen Religionisten Menschen, die nicht zu allem „Ja und Amen“ sagen, die sich gegen Ungerechtigkeiten wehren und Unsinn widersprechen. Die eben nicht respektvoll – und vor allem schweigend – auf den Boden schauen. Vor solchen „militanten“ Menschen haben Religiöse Angst. Wenn man nämlich genauer nachfragt, dann bleibt von den religiösen Lehren und Begründungen absolut nichts mehr übrig. Dann wird für alle Zuhörenden klar, dass die Religiösen völlig ohne Argumente da stehen.

Leute, wenn das die Definition von „militanter Atheist“ ist, dann bin ich gern einer. Und ihr solltet das auch sein.

(*) Wird gern übersehen: „At the age of 15 I chose to be baptized and confirmed in the Norwegian State Church,“ schreibt Breivik. „I consider myself to be 100 percent Christian.“ – „If he did what he has alleged to have done, Anders Breivik is a Christian terrorist,“ Boston University religion scholar Stephen Prothero wrote on CNN.com.

Veröffentlicht unter Angst, Atheismus, Christen, Hass, Religion | Verschlagwortet mit , , , | 38 Kommentare

MGEN-Podcast Folge 16.05: Brennende Herzen und Brennende Haare

Das MGEN-Team hat gepodcastet, unter anderem zu den folgenden Themen:

  • Der von Pfarrer Ricardo Salazar für den 16. Mai 2016 prophezeite Weltuntergang musste leider ausfallen, der dritte Weltkrieg beginnt dann aber ganz sicher im Juni
  • Die Linke in Sachsen will Staat und Kirche trennen und wird dafür ausgelacht
  • Neues aus Österreich: Mädchen (8 Jahre) fängt in der Kirche Feuer
  • Die Uni Bochum will für 1,6 Mio. Euro erforschen, ob Theologie eine Wissenschaft ist
  • Jeder sechste Deutsche glaubt an das Wirken des Heiligen Geistes
  • Darf man Martin Luther feiern? Wir finden: nein, Margot Käßmann findet: ja
  • Im Saarbrücker Amtsgericht werden die Kreuze abgehängt, der Trierer Bischof Ackermann findet das kulturlos, wir finden das gut
  • Glockengebimmel und Muezzinruf: Total unterschiedlich?
  • Es folgt ein Gottesbeweis: Der ontologische Gottesbeweis
  • Radio Vatikan: Der Papst wünscht sich, dass junge Leute „ihr Leben verbrennen“
  • Gerichtsbestätigt: Als Bischof darf man die „Todesstrafe für Homosexuelle“ fordern, die Homosexuellen haben sich darüber nicht zu beschweren

Die Folge lässt sich auch bei iTunes oder direkt bei Soundcloud anhören und dort auch als mp3 herunterladen. Falls ihr mögt, bewertet dort doch die Folge. Fragen oder Anmerkungen könnt ihr unter diesem Post in den Kommentaren hinterlassen oder per EMail an mgenblog@gmx.de auf den Weg bringen.

 

Veröffentlicht unter Atheismus, Christen, Laizismus, Podcast, Religion, Religionskritik | Verschlagwortet mit , , , , | 23 Kommentare

In eigener Sache: 100.000 Leser!

Heute gratulieren wir uns mal selbst: Im Laufe des letzten Monats hat MGEN die 100.000-Aufrufe-Marke überschritten. Wir hätten mit so viel Erfolg nie gerechnet und sind mit der Entwicklung der Lesezahlen über die letzten Jahre entsprechend sehr zufrieden (siehe Grafik). Schön ist insbesondere, dass sich im Laufe der Zeit über 1.400 Kommentare angesammelt haben, in denen sowohl Theisten als auch Atheisten leidenschaftlich aber friedlich Weltbilder und Ansichten diskutieren.

Für uns ist erschreckend, wie sehr das Level an Schwachsinn in der Gesellschaft in den letzten Jahren angestiegen ist. Ob Homöopathie, Kreationismus, Impfgegner, Chemtrails oder reichsdeutscher Wahn – ohne jegliche Bedenken werden völlig unbelegte (und unbelegbare) Verschwörungstheorien in das eigene Weltbild aufgenommen, salonfähig gemacht und dann offensiv nach außen getragen. Während einzelne dieser Ideen als Hintergrundrauschen an den Rändern der Gesellschaft zweifellos immer schon präsent waren, erscheint gerade dieses offensive Vorgehen und der damit verbundene Erfolg bis weit in die Mittelschicht hinein in der bundesrepublikanischen Gesellschaft neu zu sein.

Als an den teuer erkämpften Errungenschaften der Aufklärung orientierte Atheisten und Humanisten müssen wir aufpassen, dass unsere offene Gesellschaft nicht in naiv-dümmliches Verschwörungsdenken oder paranoid-aggressiven religiösen Wahn abrutscht. Wenn wir’s nicht tun, tut’s niemand.

MGEN - Leserschaft

Veröffentlicht unter Religion | 20 Kommentare

Bischof Algermissen hetzt gegen Andersgläubige, macht sich strafbar nach § 166 StGB

Der Bischof aus Fulda, Heinz Josef Algermissen, hat bei seiner Osterpredigt am Sonntag, den 27.03.2016 im vollbesetzten Fuldaer Dom nichtchristliche religiöse und weltanschauliche Bekenntnisse beschimpft. Mit seinen Aussagen, dass nichtchristliche Menschen ein „großen Sicherheitsrisiko“ seien und dass Menschen ohne christlichen Auferstehungsglauben „zuschlagen und zerstören,“ zielte er eindeutig darauf Misstrauen zu säen, gesellschaftliche Konflike zu schaffen und die friedliche Koexistenz von Menschen verschiedener religiöser und nichtreligiöser Weltanschauungen zu stören. Laut Osthessen News behauptete der aus Steuermitteln bezahlte katholische Amtsträger im Bezug auf die religiös motivierten Attentate in Paris und Brüssel weiterhin, ein nichtchristlicher Mensch ginge „buchstäblich über Leichen, ehe er selbst zur Leiche werde. Dies erlebe man gerade in diesen Wochen und Monaten.“

Bischof Algermissen hat sich daher strafbar gemacht gemäß § 166 StGB:

(1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Ich bin überzeugt: Sobald dieser unselige Paragraph nicht mehr nur durch die Kirche benutzt wird um harmlose Witzbolde wie Spruchtaxirentner Voß mit der ganzen Macht des Apparats zu verfolgen, sondern Leute wie Algermissen für seine, wie Frieder Otto Wolf vom HVD zurecht schreibt, „katholische Hasspredigt“ zur Rechenschaft zu ziehen, wird es sehr schnell eine von der Kirche gestützte Initiative zur Aufhebung des Paragraphen geben.

Also, wie sieht’s aus? Jemand von HVD oder GBS hier? Jemand vom Muslimverband, dem Zentralrat der Juden oder einer anderen, nichtchristlichen weltanschaulichen Vereinigung? Ihr könntet euch unseren – sehr weltlichen und garantiert nicht „zerstörerischen“ Dank sichern und den Bischof bei der Staatsanwaltschaft Hessen anzeigen.

Veröffentlicht unter Religion | 4 Kommentare

Hassmensch Martin Luther: Geifernd gegen Juden, Frauen, Bauern und … eigentlich gegen alle

Die evangelische Kirche feiert mal wieder den Reformator Martin Luther. Und das nicht etwa ein Jahr lang – nein, das wäre viel zu wenig für den großen Mann – sondern gleich mit einem ganzen Jahrzehnt, der sogenannten Luther-Dekade. Dabei wird seit 2008 in jedem Jahr eine andere Facette des Werks des bedeutenden Kirchenmannes gefeiert, bis dann 2017 als Höhepunkt der 500. Jahrestag der Reformation selbst begangen wird. An eher unangenehme Zitate zu Juden oder Frauen erinnert man sich vielleicht vage. Aber vielleicht waren das ja nur einzelne Fehltritte, oder sie wurden dem Kirchenlehrer Luther irgendwie in den Mund gelegt. Es bietet sich an, mal etwas genauer zu schauen, wen die evangelische Kirche in Deutschland da so ausgelassen feiert. Am besten, indem man ein paar Zitate sammelt und den Helden der Reformation so selbst zu Wort kommen lässt …

Martin Luther: Die Juden sind unser Unglück! Synagogen abbrennen!

„Die Juden sind ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes Ding, dass sie 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen…; Man sollte ihre Synagogen und Schulen mit Feuer anstecken, … unserem Herrn und der Christenheit zu Ehren, damit Gott sehe, dass wir Christen seien (…) ihre Häuser desgleichen zerbrechen und zerstören.“ (Martin Luther: Von den Juden und ihren Lügen, Tomos 8, S. 88ff)

„Wie es unmöglich ist, dass die Aglaster ihr Hüpfen und Getzen lässt, die Schlange ihr Stechen: so wenig lässt der Jüde von seinem Sinn, Christen umzubringen, wo er nur kann.“ (Martin Luther: Tischreden. Erlanger Ausgabe der Werke Luthers, Bd. 62, S. 375)

„Darum wisse Du, lieber Christ, und Zweifel nichts dran, dass Du, nähest nach dem Teufel, keinen bittern, giftigern, heftigern Feind habest, denn einen rechten Juden, der mit Ernst ein Jude sein will.“ (Martin Luther: Handbuch der Judenfrage, S. 182)

„Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich. Zum andern, dass man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre. Denn sie treiben eben dasselbige darin, was sie in ihren Schulen treiben …“ (Martin Luther: Handbuch der Judenfrage, S. 233-238)

Passend dazu hier nicht Luther, sondern der evangelisch-lutherische Landesbischof Martin Sasse aus Eisenach zur „Reichskristallnacht“: „Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen. Vom deutschen Volk wird … die Macht der Juden auf wirtschaftlichem Gebiet im neuen Deutschland endgültig gebrochen und damit der gottgesegnete Kampf des Führers zur völligen Befreiung unseres Volkes gekrönt.“

Martin Luther: Frauen sind Unkraut!

„Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.“ (Martin Luther: Werke. Weimarer Ausgabe, Bd 10/2, Weimar 1907, S. 296)

„Es ist ein arm Ding um ein Weib. Die größte Ehre, die das Weib hat, ist, dass wir allzumal durch die Weiber geboren werden.“ (Martin Luther: Von der Ehe, zit. nach Gesamtausgabe von Johann Georg Walch, Halle 1734, 22. Band, Kap. 43, §16)

„Die Ordnung fordert Zucht und eher, dass Weiber schweigen, wenn die Männer reden.“ (Martin Luther: Weimarer Ausgabe, VIII, S. 498, 12)

„Unkraut wächst schnell, darum wachsen Mädchen schneller als Jungen.“ (zitiert nach Arnulf Zitelmann, 1997, „Widerrufen kann ich nicht. Die Lebensgeschichte des Marthin Luther“, Beltz&Gelberg, S. 111)

„Eine Frau hat häuslich zu sein, das zeigt ihre Beschaffenheit an; Frauen haben nämlich einen breiten Podex und weite Hüften, daß sie sollen stille sitzen.“ (zitiert nach Arnulf Zitelmann, 1997, „Widerrufen kann ich nicht. Die Lebensgeschichte des Marthin Luther“, Beltz & Gelberg, S. 111)

Martin Luther: Tötet die Bauern!

„Steche, schlage, würge hie, wer da kann. Bleibst du darüber tot, wohl dir, einen seligeren Tod kannst du nimmer mehr erlangen“. (Luther über die aufständischen Bauern, Weimarer Ausgabe 18, S. 357 f)

„Drum soll hier erschlagen, würgen und stechen, heimlich oder öffentlich, wer da kann, und daran denken, daß nichts Giftigeres, Schädlicheres, Teuflischeres sein kann als ein aufrührerischer Mensch; (es ist mit ihm) so wie man einen tollen Hund totschlagen muß: schlägst du (ihn) nicht, so schlägt er dich und ein ganzes Land mit dir.“ (Martin Luther: Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern, zitiert nach Fromm, Erich (1985): „Über den Ungehorsam“, dtv München, S. 15)

Martin Luther: Wir brauchen Tyrannen!

„Es ist eine verdammte, verfluchte Sache mit dem tollen Pöbel. Niemand kann ihn so gut regieren wie die Tyrannen. Die sind der Knüppel, der dem Hund an den Hals gebunden wird. Könnten sie auf bessere Art zu regieren sein, würde Gott auch eine andere Ordnung über sie gesetzt haben als das Schwert und die Tyrannen. Das Schwert zeigt deutlich an, was für Kinder es unter sich hat, nämlich nichts als verdammte Schurken, wenn sie es zu tun wagten. “ (Martin Luther: Ob Kriegsleute in seligem Stande sein können, 1526)

Der Esel will Schläge haben, und der Pöbel will mit Gewalt regiert sein. Das wusste Gott wohl; drum gab er der Obrigkeit nicht einen Fuchsschwanz, sondern ein Schwert in die Hand. (Martin Luther: Wider die Bauern, 1525)

Martin Luther: Tötet den Papst!

„Der Papst ist der Teufel; könnte ich den Teufel umbringen, warum wollte ich´s nicht tun?“ (Martin Luther, Zwo harte ernstliche Schriften Doct. Martini an den Christlichen Leser, 1518, Tomos 1, Punkt II., S. 24 b)

„So wir Diebe mit Strang, Mörder mit Schwert, Ketzer mit Feuer strafen, warum greifen wir nicht viel mehr an diese schädlichen Lehrer des Verderbens als Päpste, Kardinäle, Bischöfe und das ganze Geschroürm (= Geschwür) der Römischen Sodoma mit allerlei Waffen und waschen unsere Hände in ihrem Blut …?“ (Martin Luther: Zwo harte ernstliche Schriften Doct. Martini an den Christlichen Leser, 1518, Tomos 1, Punkt II., S. 24)

Fazit: Luther war ein geifernder Hassmensch

Kurz: Der von der evangelischen Kirche in Deutschland ein ganzes Jahrzehnt lang eifrig befeierte Reformationsheld Martin Luther war ein bösartiger, hasserfüllter Mann, geifernd gegen Frauen, Juden, Bauern und einfache Leute. Der Hassprediger war sogar für damalige Verhältnisse reaktionär, stand zu Gewalt und Mord aufrufend auf Seiten des Adels und der Obrigkeit. Nur eine einzige Person hasste Luther noch viel mehr als alle anderen – und zwar den Papst!

Warum die ach so progressive evangelische Kirche diesen widerlichen Mann, der u.a. den Nazis als Stichwortgeber diente, nicht kritisch aufarbeitet – oder zumindest in altbekannter Manier unauffällig unter den Tisch kehrt – das bleibt völlig unklar. So eine abscheuliche Person über ein Jahrzehnt lang zu feiern … echt jetzt?

Die Mehrzahl der Zitate wurde zusammengetragen von www.projektwerkstatt.de.

Veröffentlicht unter Gewalt, Hass, Religion, Terror | Verschlagwortet mit , , , , , , | 24 Kommentare

Die Regeln des Spiels

Du bist Religionsgläubiger und willst mit uns über deine Religion und deine Glaubenssätze diskutieren? Gerne, solange du die folgenden Punkte beachtest:

  1. Kommunisten verfechten die Idee des Kommunismus, A-Kommunisten nicht. Analog dazu glauben Theisten an einen persönlichen Gott als Schöpfer der Universums. Atheismus ist A-Theismus, also einfach nur die Abwesenheit des Glaubens an irgendwelche Götter. Nicht-Tennis ist kein Sport, Nicht-Briefmarkensammeln kein Hobby. Weder sind Atheisten gläubig, noch ist Atheismus eine Religion.
  2. Eine Religion ist ein Komplex von Ideen und Annahmen, keine menschliche Eigenschaft wie Rasse, Geschlecht, sexuelle Orientierung oder Behinderung. Ideen und Annahmen kann, darf und sollte man kritisieren. Religion hat nicht mehr Respekt verdient als andere Ideenkomplexe, wie z.B. Kommunismus oder Star Wars.
  3. Da du als Verfechter einer Religion Behauptungen aufstellst und damit Aussagen über das Wesen der Welt machst, liegt die Beweislast bei dir.
  4. Das Wiederholen der immer gleichen Behauptungen ist kein Beleg. Deine inbrünstigen Gefühle gegenüber einer Behauptung sind keine Belege. Dass ganz viele Leute deine Idee teilen, ist kein Beleg. Ein Youtube-Video ist kein Beleg, eine Predigt auch nicht.

Soweit alles verstanden? Super, dann lass uns diskutieren.

Veröffentlicht unter Atheismus, Religion | Verschlagwortet mit , | 57 Kommentare

Das kosmologische Kalām-Argument für die Existenz Gottes

Das Kalām-Argument für die Existenz eines Gottes ist im Wesentlichen ein sprachlicher Trick, der die allzu offensichtlichen Fehler des klassischen kosmologischen Arguments verschleiern soll. Das kosmologische Argument geht so:

„Nichts ist von sich selbst verursacht. Alles Existierende hat eine Ursache. Dies führt zu einem Regress. Dieser Regress wird durch eine erste Ursache begrenzt, diese nennen wir Gott.“

Religionisten, die so argumentieren, werden meist schon durch ein einfaches „Woher weißt du das?“ aus dem Konzept gebracht. Es ist ja klar: So ein hochkomplexes, mächtiges Wesen wie ein Gott, wie ist das entstanden? Was ist seine Ursache? Der Gott, hören wir dann, sei ewig und ungeschaffen. Eben wurde aber noch vorausgesetzt, dass nichts ursachenlos existieren kann. Der ursachenlose Gott existiert also nicht. Das kosmologische Argument entpuppt sich als Zirkelschluss.

Um das Problem mit diesem infiniten Regress zumindest notdürftig zu stopfen (und dies ist nur eins von vielen Problemen mit dem kosmologischen Beweis), wurde das Kalām-Argument entwickelt:

(P1) Alles, was zu existieren beginnt, hat eine Ursache für seine Existenz.
(P2) Das Universum begann zu existieren.
(S1) Daher: Das Universum hat einen Ursache für seine Existenz, diese nennen wir Gott.

Darauf folgt in der Regel eine sehr lange, umständliche Begründung von P2, während P1 allenfalls als „trivial“ abgetan wird. Hm, soll mit dieser ausführlichen Beschäftigung etwa von P1 abgelenkt werden?

Ja, in der Tat. Die Religionisten werfen hier nämlich mehrere Bedeutungen des Begriffs „Ursache“ in einen Topf. In der alltäglichen Verwendung hat tatsächlich „alles“ eine Ursache oder einen Schöpfer: Bilder werden von einem Maler gemalt und Autos in einer Fabrik gebaut. Bei dieser Schöpfung oder Ursache handelt es sich aber lediglich um eine Umwandlung bestehenden Materials, eine creatio ex materia: Aus Leinwand und Pigment wird mithilfe eines Pinsels ein Bild, dieser Prozess ist seine Ursache, der Maler sein Schöpfer. Ebenso wird aus Metallerzen und Kohlenstoffen durch Prozesse wie Schmelzen oder Formen ein Auto.

Dieser ex materia Begriff “Ursache” ist jedoch völlig verschieden von der im zweiten Teil des Kalam-Arguments verwendeten Schöpfung ex nihilo, also der behaupteten Schöpfung des Universums aus dem Nichts, dem Nicht-Sein. Durch dieses Springen zwischen Bedeutungen soll der Eindruck erweckt werden, dass die Entstehung des Universums als creatio ex nihilo ebenso eine Ursache voraussetzt wie die einfache Umwandlung von Materie, die creatio ex materia.

Diese versteckt eingebrachte Behauptung ist aber komplett ohne Hinweise auf ihre Korrektheit: Tatsächlich weiß niemand, ob das Universum eine Ursache haben muss, denn niemand hat jemals so eine creatio ex nihilo beobachtet oder damit experimentiert. Es gibt solide Anzeichen dafür, dass man auch ohne externe Ursache auskommt: Kosmologen vermuten natürliche Raumfluktuationen, aus denen aus dem Nichts spontan und völlig ursachenlos Elementarteilchen entstehen, aus denen sich die Welt aufbaut.

Die Religionisten spielen also mit der Erwartung der Leser: Zuerst wird die intuitive Bedeutung des Begriffs „Ursache“ eingeführt, dann zur kosmologischen Bedeutung gewechselt und schließlich so getan, als ob beide Bedeutungen, also creatio ex nihilo und creatio ex materia, das gleiche meinen. Tun sie aber nicht. Ehrliche Religionisten müssten stattdessen versuchen nachzuweisen, dass auch so eine Schöpfung aus dem Nicht-Sein eine Ursache benötigt. Das tun sie aber nicht.

Und selbst, falls das irgendwann irgendwem irgendwie gelingen sollte: Die Bezeichnung einer irgendwie gearteten Ursache des Universums als „Gott“ ist völlig willkürlich. Der logische Sprung von der unpersönlichen Urkraft hin zu Bibel-Gott Jahwe mitsamt Bundeslade, Jesus und Marienwundern – dieser Sprung ist unendlich weit und bleibt völlig ohne jeden Beleg.

Falls sich jemand für einen aktuellen Überblick über den Stand der Forschung im Bereich Kosmologie und speziell für die Vakuumfluktuationen als Quellen der Materie interessiert, empfiehlt sich Lawrence Krauss‘ kurzes Buch „Ein Universum aus dem Nichts„.

Veröffentlicht unter Atheismus, Gottesbeweise, Jahwe, Religion | Verschlagwortet mit , , , , , | 55 Kommentare