MGEN-Podcast Folge 2016.09: Die Falltür ins Nichts

Willkommen zu unserem Podcast über Religion und andere Esoterik, zu gesellschaftlichen und politischen Themen aus atheistischer und humanistischer Sicht. Unsere Themen im September:

  • Bäume, die älter als die Welt sind? Unterwegs im Methusalem-Wald
  • Vertrauenswürdiger als Großbanken: Noch 36% der Deutschen vertrauen der Kirche
  • Sehet, wie sie rennen: Norwegens Staatskirche verliert 25.000 Mitglieder, nachdem eine Servicewebseite online gestellt wurde
  • In der Küche und auf dem Klo: Kath.net ist beleidigt, weil zu wenige Christen Mutter Teresa gegen „Hetzkritik“ verteidigen
  • Ugandas Ethik-Minister lässt einen „Schwulen-Detektor“ entwickeln, kann ihn dann aber nicht bezahlen
  • Kinderseelen zum Schnäppchenpreis: Gottesdienste in der Grundschule
  • Kontingenz, Resonanz, Spiritualität: Einfallstore für Religion oder Chancen für den Humanismus?
  • Atheismus als Falltür ins Nichts: Wir kommentieren Kommentare

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Heilige im Christentum

Wie Radio Vatikan berichtet, wird Mutter Teresa, die Gründerin des Ordens „Missionarinnen der Nächstenliebe“ am 4. September 2016 von Papst Franziskus heiliggesprochen. Es bietet sich bei der Gelegenheit an etwas näher nachzuschauen: Was sind denn eigentlich Heilige? Seit dem Amtsantritt von Papst Johannes Paul II. hat die Zahl der Heiligsprechungen ganz enorm zugenommen. Wen genau verehren die Katholiken denn da? Was versprechen sie sich von der Heiligenverehrung?

Die Wikipedia, die ja nicht gerade als religionskritisch bekannt ist, schreibt: „Als Heiliger wird ein Mensch bezeichnet, der als einer Gottheit besonders nahestehend beziehungsweise als in religiöser und ethischer Hinsicht vorbildlich angesehen wird.“ Kathpedia fügt hinzu: „Als Heiliger wird ein in religiöser Hinsicht vollkommener Mensch bezeichnet.“ Der Brockhaus definiert Heilige als „Menschen, die in besonderer Weise Vorbilder, Lehrer, Bekenner oder Märtyrer des Glaubens sind.“

Aha, „in religiöser und ethischer Hinsicht vorbildlich“, „religiös vollkommen“, „Vorbilder und Lehrer“ also! Das klingt auf den ersten Blick sehr rational und vernünftig. Ist aber geschummelt. Denn damit eine Person als heilig „erkannt“ wird, muss die Person mindestens zwei „nachgewiesene“ Wunder gewirkt haben. Die Person muss also nicht nur irgendwie vorbildlich, sondern ganz konkret (was auch immer das in diesem Zusammenhang heißt) auch wundertätig sein. Das wird gern hinter rhetorischem Gestrüpp versteckt, denn das ist der katholischen Kirche, die ja ganz besonderen Wert auf ihren „rationalen Glauben“ legt, dann doch eher peinlich.

Ein Wunder, wir erinnern uns, kann definiert werden als das zeitweilige Aussetzen der Naturgesetze durch eine Gottheit zugunsten eines Bittstellers – das kann im Christentum nur Gott selbst.

Bevor Papst Wojtyla im Jahr 2014 heilig gesprochen wurde, begab sich die katholische Kirche auf die Suche nach von ihm ausgelösten Wundern. Offiziell anerkannt wurden die folgenden: Die französische Ordensschwester Marie Simon-Pierre, Mitglied des katholischen Ordens “Kleine Schwestern der Katholischen Mütterschaft” (kein Witz!), litt an Lähmungserscheinungen der linken Hand und des linken Beins, die ein Arzt als Symptome der Parkinson’schen Krankheit diagnostizierte. Als bekannt wurde, dass der von den Kleinen Schwestern hochverehrte Johannes Paul II. selig gesprochen werden sollte, und man deshalb auf der Suche nach einem Wunder sei, begannen die Schwestern ganz doll zu dem verstorbenen Papst zu beten. Und siehe da: Die Lähmung verschwand, herbei gerufene Ärzte fanden keine Spuren einer Parkinson-Erkrankung.

Der Costaricanerin Floribeth Mora Diaz, die ebenfalls unter üblen Lähmungen gelitten haben soll, ist Papst Wojtyla am Tag seiner Seligsprechung im Traum erschienen; „steh auf und hab keine Angst mehr“ habe er zu ihr gesagt. In Folge dessen hätten sich ihre Lähmungen zurück gebildet. Die Frau wirkt fit, von Lähmungserscheinungen ist in der Tat nichts zu sehen. In der völlig unkritischen Berichterstattung der Tagesschau behauptet sie: „So etwas Außergewöhnliches kann nur ein Wunder sein“. Ihr katholisch-gläubiger Hausarzt sieht das genau so.

Die einfachste Erklärungen sind hier natürlich keine vollbrachten Wunder, sondern  schlichte Fehldiagnosen: Ein Arzt kann psychosomatisch bedingte Lähmungen durchaus ehrlich für Parkinson gehalten haben. Natürlich finden die nach der “Heilung” herbei gerufenen Ärzte dann keine Spuren der Krankheit. Möglicherweise haben die begeisterten Anhänger ja auch etwas geschummelt, um ihrem Idol zum “verdienten” Seligen-Status zu verhelfen. Als Belohnung für ihre Dienste wurde Floribeth aus Costa Rica zur Heiligsprechung des Ex-Papstes nach Rom eingeladen, was sicherlich einer der schönsten Tage in ihrem Leben war.

In solchen Fällen wird sehr oft von Heilungen von Lähmungserscheinungen berichtet. Dazu stellt sich die Frage: Warum heilt Gott Jahwe eigentlich nie Amputierte? Über Nacht einen neuen Arm wachsen zu lassen, das sollte doch für ein allmächtiges, allgütiges Wesen ebenso einfach machbar sein wie das Heilen von Parkinson. Hat er dazu schlichtweg keine Lust? Bitten die betroffenen Personen ihn nicht inständig genug darum? Das wäre kaum zu glauben. Oder liegt es vielleicht eher daran, dass bei fehlenden Gliedmaßen wohl kaum Fehldiagnosen möglich sind?

Jetzt stellt sich natürlich die Frage nach dem Wirkmechanismus: Mal angenommen, dass Wunder wirklich real sind, und dass wie von der Kirche behauptet nur Gott selbst die Naturgesetze aussetzen kann. Damit jemand wie Papst Wojtyla Wunder auslösen kann, muss der Heilige zwar tot, aber irgendwie bei Bewusstsein sein. Der tote Papst Wojtyla liest also die Gedanken der Menschen (besonders gut gelingt das offenbar, wenn sie vor seinen Knochen oder einer Glaskapsel mit seinem Blut beten), nimmt die an ihn addressierten Gebete an und spricht bei Gott vor, der dann die Naturgesetze suspendiert und so das Wunder geschehen lässt. 

Meine ehrlich ratlose Frage: Wie stellen wundergläubige Katholiken sich das vor? Gibt es eine himmlische Bürokratie? Sitzt der tote Papst Wojtyla in seinem Büro in einem himmlischen Bürokomplex? Liest er Gebetsfaxe von Bittstellern? Und wenn ihm eins gefällt, läuft er dann damit über den Flur zum Chef und fragt „Können wir da etwas tun?“

Von Monotheismus kann jedenfalls nicht mehr die Rede sein. Hätten wir eine Zeitmaschine um damit einen Senator aus dem alten Rom in unsere Zeit zu holen, würde der die katholischen „Heiligen“ ganz selbstverständlich als Götter erkennen: „Ihr habt ja auch ganz viele Götter, genau wie wir.“ Und das ist ja auch (haha!) kein Wunder: Die römische Reichskirche – die heutige römisch-katholische Kirche – hat ja wesentliche Teile ihrer Lehre von ihren polytheistischen Vorgängerreligionen übernommen. Die wundertätigen römisch-katholischen Heilige sind deutlich „göttlicher“ als z.B. der vergöttlichte römische Kaiser, der als Verkörperung der Romanitas, des römischen Reichsgedankens, verehrt wurde. Das war der, wir erinnern uns, vor dessen Standbild sich die frühen Christen geweigert haben ein paar Gewürze zu opfern, in der Hoffnung deswegen vom Staat verurteilt und von der beeindruckten Gemeinde als Märtyrer anerkannt zu werden. Heute verehren die Christen ihre heiligen Nebengötter mit viel Inbrunst.

Die Wikipedia schreibt „Der Begriff des Heiligen ist religionswissenschaftlich bisher nicht befriedigend definiert.“ Das ist sehr höflich umschrieben.

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MGEN-Podcast Folge 2016.08: Ich dachte die mögen das!

Der nicht verurlaubte Teil des MGEN-Teams hat gepodcastet (oder heißt es podgecastet?), unter anderem zu folgenden Themen:

  • Ermittelt: Auch in Evangelistan gebären Jungfrauen Götter
  • Neue Erkenntnis der katholischen Kirche: In Wahrheit diskriminieren bösartige Homosexuelle unschuldige Christen
  • Ingrid Matthäus-Maier sitzt für atheistisch-humanistische Organisationen im WDR-Rundfunkrat
  • Priester missbraucht 20 Kinder: „Ich hatte den Eindruck, dass sie es mochten!“
  • Ausweispapiere für die Hohlwelt: Die Keltisch-Druidische Glaubensgemeinschaft
  • Der militante Atheismus und die Moral: Wir kommentieren Kommentare
  • Das mittlere Management: Heilige im Christentum
  • Nicht so fesch wie Darth Vader, aber genauso böse: Mutter Teresa wird heilig gesprochen

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PS – Wir haben uns nach der Aufnahme dieser Folge alle in den Urlaub verabschiedet. Es kann daher etwas länger dauern, bis Kommentare freigeschaltet werden. Entschuldigt bitte.

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Der mathematische Gottesbeweis

Vor einer Weile bin ich über Ulrich Kritzners offenbar selbst gebastelten „Mathematischen Gottesbeweis“ gestolpert. Zu Herrn Kritzner weiß ich nichts, außer, dass er ab und an fragwürdige Essays zur Zweiweltenlehre (a.k.a. „Wissenschaft kann keine Aussagen über Religion treffen“) und recht zähe Predigttexte veröffentlicht, Unglauben für „Horrorblödsinn“ hält und dazu Kritiker schon mal als „kleines, bitteres, selbstgerechtes Würstchen“ bezeichnet. Nun ja.

Kommen wir zur Sache:

(1) Dieses Universum folgt beobachtbar mathematischen Regeln

(2) Aus (1) folgt, daß das Universum ein mathematisches oder
numerisches System ist

(3) Jedes mathematische System braucht mindestens einen Definitions- und Wertebereich. Den Definitionsbereich stellt die Raumzeit dar, den Wertebereich Materie, Energie und Felder.

(4) Definitions- und Wertebereich sowie mathematische Abhängigkeiten müssen formuliert werden

(5) Für das Formulieren mathematischer Ausdrücke braucht es Intelligenz

(6) Für das Berechnen mathematischer Ausdrücke braucht es Intelligenz

(7) Aus (2) bis (6) folgt, daß dieses Universum eine planvoll handelnde Intelligenz, allgemein als Gott bezeichnet, voraussetzt.

Der Beweisgang scheitert schon mit (1): Nein, das Universum folgt nicht auf geheimnisvolle Weise den Regeln der Mathematik, sondern – umgekehrt – die Regeln der Mathematik wurden von Menschen formuliert um das Universum systematisch zu beschreiben. Sonnenblumen wachsen nicht gemäß der Fibonaccifolge, um dieser „Regel“ zu folgen, sondern die mathematische Regel beschreibt eben das Wachsen dieser Sonnenblumen. Das Volumen eines Planeten wurde nicht so eingerichtet, damit es dem Radius und der dritten Potenz von Pi folgt, sondern die Volumenformeln wurden von Menschen formuliert um diese natürlichen Zusammenhänge zu beschreiben. Umgekehrt wird ein Schuh daraus, Herr Kritzner!

Der Rest ist wie Domino: Aus dem Versagen von (1) folgt auch das Versagen von (2), die Punkte (3) und (4) sind damit unnötig (und inhaltlich sowieso eher zweifelhaft), (5) und (6) sind ebenfalls uninteressant, bleiben völlig unbelegte Behauptungen und sind nebenbei gesagt auch falsch: Computer berechnen mathematische Ausdrücke auch ohne Intelligenz.

Mit dem Wegbrechen von (1) und (2) – und dem Enttarnen von (3) bis (6) als Unsinn oder bestenfalls als überflüssig – ist auch der Schluss (7) hinfällig, der Beweisansatz ist gescheitert. Fraktal gescheitert, könnte man sagen.

Das Würstchen hätte ich gern mit Pommes und Ketchup, Herr Kritzner.

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MGEN-Podcast Folge 16.07: Warum gibt’s dann noch Affen?

Das MGEN-Team hat gepodcastet, unter anderem zu den folgenden Themen:

  • Sehr praktisch: Glockengebimmel und Muezzinruf als Handy-App
  • Kirchen enttäuscht: (Erstmal) kein Gottesbezug in Schleswig-Holstein
  • Danke schön und auf Wiedersehen: Kirchenaustritte 2015
  • Das moralische Viertelstündchen: Moral und Ethik – Was ist das, was soll das?
  • Es folgt ein Gottesbeweis: Das teleologische Argument
  • Mehr drin als man denkt: Kreationisten in Deutschland

Links zu den Themen:

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Kirchenaustritte 2015

Es gibt neue Zahlen zu Kirchenaustritten und -mitgliedschaften, kirchenaustritt.de hat sie gesammelt und aufbereitet. Demnach haben im Jahr 2015 ca. 400.000 Deutsche die beiden Großkirchen verlassen, bei der EKD waren es ca. 210.000, bei der RKK ca. 182.000. Es sind noch 46.033.733 Personen kirchlich organisiert, das sind 56,2% der Bundesbürger. Der Austrittsrekord von 2014 konnte demnach nicht gebrochen werden, die Austritte sind allerdings auch ohne Tebartz-Effekt noch auf dem zweithöchsten Niveau seit der Austrittswelle in den Jahren nach der Wiedervereinigung.

Es sieht so aus, als ob die Daumenregel, dass die Kirchen jedes Jahr ein halbes Prozent der Mitglieder als Steuervieh verlieren, weiter gilt. Wir dürfen also hoffen, dass um 2028 herum erstmals weniger als die Hälfte der Menschen kirchlich organisiert sind. In einer Demokratie sollte das eigentlich eine beachtenswerte Marke sein.

Ein guter Teil der Austritte 2014 und 2015 dürfte dem neuen Verfahren zur Erhebung der Kapitalertragssteuer geschuldet sein: Seit Januar 2015 wird die auf Kapitalerträge fällige Kirchensteuer direkt von den Banken an die Finanzämter abgeführt, die Steuerpflichtigen müss(t)en sich nicht mehr eigenverantwortlich darum kümmern. De facto wurde also eine Lücke geschlossen, die Steuerhinterziehung zum Nachteil der Kirchen ermöglichte.

Für mich stellt sich nun die folgende Frage: Was müssen das bloß für Menschen sein? Diese Leute sind grundsätzlich bereit aus der Kirche auszutreten, sind also ganz offensichtlich nicht um ihr Seelenheil oder ihr ewiges Leben nach dem Tod besorgt. Als aber 2010/2011 öffentlich wurde, dass insbesondere die katholische Kirche über Jahrzehnte hinweg Massenvergewaltigungen an Kindern ermöglicht und systematisch verschleiert, hat das diese Leute nicht weiter interessiert, sie sind brav Mitglied geblieben. Jetzt aber, da sie gezwungen werden ihr Kapitaleinkommen gemäß der für alle gültigen Regeln zu versteuern, treten sie in Scharen aus. „Absolut überlegene Moral“ und so. „Werte und Gemeinschaftsgefühl,“ nicht wahr? Nee, ist klar.

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Die systematische Abwertung der Frau im Christentum

Ab und an liest man tatsächlich, dass Jesus nicht nur im Alleingang die Nächstenliebe erfunden habe, sondern gleich dazu noch die Menschenrechte, und dass das Christentum quasi nebenbei auch die Frauen befreit habe. Ob bei den so Argumentierenden Dreistheit oder Dummheit am Werk ist, bleibt oft unklar.

Dass Frauen und Männer gleichwertig sind, das ist im christlichen Europa erst seit wenigen Jahrzehten überhaupt ein Thema. Bis vor ein oder zwei Generationen galt, dass in einer Ehe der Mann automatisch „Haushaltsvorstand“ war, und dass in der Gesellschaft allgemein ganz selbstverständlich die Männer das Sagen hatten – die Älteren werden sich erinnern. Dieses Geschlechterverhältnis ergab sich schließlich direkt aus der Bibel: In der Schöpfungsgeschichte wird die Frau erst nach dem Mann, und dann auch noch nicht eigenständig, sondern aus dessen Rippe geschaffen. Später ist die Frau dann dafür verantwortlich, dass die Menschheit aus dem Paradies geworfen wurde und – je nachdem, welche Christen man fragt – mit der Erbsünde auch dafür verantwortlich, dass unsere Leben endlich sind, dass alle Menschen sterben müssen und dann vom Gott ewig in der Hölle gefoltert werden. Kein Wunder, dass man solchen Menschen die Autoschlüssel und die Hausratsversicherung lieber nicht anvertraut.

Auch im Neuen Testament hält sich der angebliche „Frauenbefreier“ Jesus mit belastbaren Aussagen zum Thema zurück – offenbar war diese Sache für ihn dann doch nicht allzu wichtig. Das würde gut passen, denn für Rabbi Jeschua, falls es ihn denn gab, war gar nichts Weltliches wichtig. Seine an seine jüdischen Glaubensgenossen gerichtete Botschaft, da sind sich wissenschaftlich arbeitende Neutestamentler einig, war „Das Ende der Welt steht unmittelbar bevor, und dann wird Gott Jahwe kommen und auf der Erde herrschen! Folgt mir, denn in dieses Reich Gottes kommt ihr nur durch mich!“

Paulus von Tarsus, der eigentliche Erfinder des Christentums, war mit seinen Anweisungen an die christlichen Gemeinden allerdings sehr deutlich (1 Kor 11):

Ich lasse euch aber wissen, dass Christus das Haupt eines jeden Mannes ist; der Mann aber ist das Haupt der Frau; Gott aber ist das Haupt Christi.

Der Mann aber soll das Haupt nicht bedecken, denn er ist Gottes Bild und Abglanz; die Frau aber ist des Mannes Abglanz. Denn der Mann stammt nicht von der Frau, sondern die Frau von dem Mann. Und der Mann ist nicht geschaffen um der Frau willen, sondern die Frau um des Mannes willen.

Im Paulus zugeschriebenen Brief an die Epheser (Eph 5):

Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist, die er als seinen Leib erlöst hat. Aber wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern unterordnen in allen Dingen.

Und weiter (1 Tim 2):

Eine Frau lerne in der Stille mit aller Unterordnung. Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre, auch nicht, dass sie über den Mann Herr sei, sondern sie sei still. Denn Adam wurde zuerst gemacht, danach Eva. Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber hat sich zur Übertretung verführen lassen.

Dass im Mittelalter, als das Christentum Europa für flockige 1.000 Jahre im eisernen Griff hatte, die Frauen den Männern gleichberechtigt waren, möchte wohl niemand behaupten. Obwohl es doch damals, als das Christentum sich über lange Zeit ohne Wenn und Aber durchsetzen konnte, eigentlich ideale Zustände hätten herrschen müssen. Inbesondere auch hinsichtlich der Menschen- und Frauenrechte. Merkwürdig, oder?

Wie dem auch sei, auf das Mittelalter folgte die Renaissance, abgewürgt von der Reformation und den daraufhin ausbrechenden Dreissigjährigen Krieg. Und, hat die Reformation der feministischen Sache weiter geholfen? Nun, zumindest der deutsche Chefreformator Martin Luther war in mittlerweile bester christlicher Tradition ein ausgewiesener Frauenfeind:

Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.

Es ist ein arm Ding um ein Weib. Die größte Ehre, die das Weib hat, ist, dass wir allzumal durch die Weiber geboren werden.

Die Ordnung fordert Zucht und eher, dass Weiber schweigen, wenn die Männer reden.

Wenn also weder die Autoren des Alten Testaments (a.k.a. „Gott“), noch Jesus, noch Paulus, noch Luther die Abwertung der Frauen beendet haben, wer hat denn dann die Frauen befreit? Das ist erst passiert, als die Frauen Schleier und Kopftuch ab-, die Bibel weggelegt, und dafür das Heft selbst in die Hand genommen haben, und zwar im Rahmen der Aufklärung. Zwei Jahre nach der zuerst nur auf Männer zugeschnittenen Deklaration der Menschenrechte (nicht durch Jesus, sondern durch die französische Nationalversammlung) forderte Olympe de Gouges mit ihrer Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin im Jahr 1791 dieselben Rechte und Pflichten für Frauen ein. Der Weg war weit, fast zweihundert Jahre lang bremsten die in der christlichen Tradition verhafteten europäischen Gesellschaften den Fortschritt so gut wie es ging aus. In der Schweiz wurde das Frauenwahlrecht sogar erst 1971 eingeführt. Mittlerweile sieht es langsam, ganz langsam so aus, als würde die Religion in dieser Sache aufgeben: Viele Protestanten erkennen mittlerweile Männer und Frauen als gleichwertig an. Der aktuelle Streit um die Nicht-Zulassung weiblicher Diakoninnen zeigt zusammen mit der Noch-Nicht-Einmal-Diskussion um das rein männlich besetzte Priesteramt, dass es in der römisch-katholischen Kirche mit Gleichberechtigung noch nicht allzu weit her ist.

Kein im Geiste der Aufklärung denkender, humanistischer Mensch würde Frauen den Männern als nachrangig betrachten. Viele Religiöse tun das auf Basis ihrer Heiligen Schriften aber heute noch.

Die beschriebenen Bibelstellen wurden zusammengetragen von Heinz-Werner Kubitza für sein sehr schönes Buch „Der Dogmenwahn – Scheinprobleme der Theologie“.

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MGEN-Podcast Folge 16.06: Das hat alles nichts mit Religion zu tun!

Das MGEN-Team hat gepodcastet, unter anderem zu den folgenden Themen:

  • Katholische Bischöfe hetzen, ein Muslim macht ernst: Das Attentat von Orlando
  • Kreuze im Gerichtssaal: Österreich denkt nach
  • Papst wird gefeiert: Für das Vertuschen von Kindesmissbrauch „können“ katholische Bischöfe in Zukunft  „zum Rücktritt aufgerufen“ werden
  • Rote Karte: Papst hält die meisten kirchlich geschlossenen Ehen für ungültig
  • Die Nonne und der Bürgermeister: Kirchenprivilegien in den Medien
  • Es folgt ein Gottesbeweis: Die kosmologischen Argumente
  • Papst Franz und Kurienkardinal Robert Sarah geraten ins Hyperventilieren zum Thema Genderforschung; wir wundern uns, aber nur begrenzt

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Über „Militante Atheisten“

Sämtliche mir persönlich bekannten Atheisten sind zugleich Humanisten und bemerkenswert friedlich und besonnen. Daher wundere ich mich immer etwas, wenn in der Presse oder anderswo von den „militanten Atheisten“ die Rede ist, die es in ihrem Wahn irgendwie kaum erwarten können der Menschheit ihre perfide Ideologie aufzuzwingen. Als Beispiel werden dabei immer wieder Leute wie Richard Dawkins, Michael Schmidt-Salomon oder Ayaan Hirsi Ali genannt – alles meinem Empfinden nach sehr rationale und friedliche Menschen. A-Theismus ist – wir erinnern uns – die Abwesenheit von Glaube an irgendwelche Götter. Was soll daran ideologisch sein? Und vor allem: Wie kann daraus Militanz entstehen?

Um die Frage letztgültig zu klären, was genau unter „Militanz“ eigentlich zu verstehen ist, wenden wir uns an die unumstößliche Autorität des 21. Jahrhunderts, die Wikipedia:

„Militanz ist eine kriegerische Haltung, ein aggressives Auftreten oder eine physische oder verbale Gewaltbereitschaft“

Hm, eine kriegerische Haltung und Gewaltbereitschaft als Kennzeichen von Militanz also. Das sähe im Fall einiger üblicherweise des „militanten Atheismus“ bezichtigten Personen dann etwa so aus wie in den folgenden Szenarien:

  • Der britische Buchautor und Evolutionsbiologe Richard Dawkins schnallt sich eine Maschinenpistole um, schreit laut „Für Darwin!“ und rottet mit systematischen Massakern im Namen Gottes und der Zehn Gebote die Bevölkerung ganzer Landstriche aus – in etwa so, wie die Kämpfer von Joseph Konys Lord’s Resistance Army das in Zentralafrika tun.
Ein Bartaffe

Zum Vergleich: Ein echter Bartaffe

  • Die niederländisch/amerikanische Menschenrechtsaktivistin Ayaan Hirsi Ali ruft „Für die Frauenrechte!“ und stürzt Dutzende Homosexuelle von hohen Gebäuden in den Tod – so wie die Falschen Bartaffen von der ISIS das vorgemacht haben.
  • Der deutsche Philosoph und Sprecher der Giordano Bruno Stiftung Michael Schmidt-Salomon schreit laut „Im Namen des Humanismus!“ und schießt mit halbautomatischen Waffen und einer Pump Gun für Jesus und zur Verteidigung des Abendlandes Dutzende von Jugendlichen nieder – wie das der christliche Terrorist (*) Anders Breivik in Norwegen getan hat.

Nein, wenn man etwas darüber nachdenkt, sind solche Szenarien nicht besonders glaubwürdig. Kriegerische Haltung und Gewaltbereitschaft – das entspricht eher nicht den Menschen, die von Religionisten des „militanten Atheismus“ bezichtigt werden.

Doch Wikipedia weiß auch hier Rat:

„Manchmal wird der Begriff auch verwendet, um eine Person mit stark verfestigter Meinung zu titulieren, zum Beispiel bei den Ausdrücken „militanter Christ“ oder „militanter Atheist“. Dabei steht Militanz für bestimmte philosophische, religiöse oder andere Theorien und Programme, die sich des innewohnenden Gewaltpotenzials bedienen oder dieses schüren.“

Okay, dann also „Theorien und Programme, die sich des innewohnenden Gewaltpotentials bedienen“. Mal schauen, wie sieht es denn mit der Glaubwürdigkeit der folgenden, militant-atheistischen Szenarien aus?

  • Die Hamburger Buchautorin und Skeptikerin Alexa Waschkau folgt ihrem Wahlspruch „Immer schön skeptisch bleiben!“, setzt sich ins Fernsehen und behauptet, dass die Opfer des Germanwings-Massenmordes an ihrem Tod selbst schuld seien – so wie das TV-Pastor Wolfgang Wegert getan hat.
  • Der atheistische Podcaster und Informatik-Professor Christian Schindelhauer stellt sich an ein Podium und fordert vor vollbesetztem Haus die Todesstrafe für Homosexuelle – so wie es der katholische Bischof Vitus Huonder in Fulda vorgemacht hat.

Hm, nein, auch diese Szenarien wirken wenig glaubwürdig, die Definition von „Militanz“ passt ganz offensichtlich nicht zu den beschriebenen Leuten. Möglicherweise meinen die erzürnten Religionisten ja doch etwas anderes, wenn sie von „militanten Atheisten“ reden, irgendwie im übertragenen Sinne?

Ja, das tun sie. Unter „militanten Atheisten“ verstehen sie einfach Menschen, die ihnen lästig sind, die ihnen „aufmüpfig“ vorkommen.

Sie meinen damit Menschen, die „sowas führt zu sowas“ sagen und dabei auf Hass-Bischof Huonder und die Mörder von der ISIS zeigen. Menschen, die nicht brav, bescheiden und vor allem still hinnehmen, dass es in Deutschland keine Trennung von Staat und Kirche gibt, sondern de facto zwei Staatskirchen, dass Homosexuelle in Deutschland weiterhin als Menschen zweiter Klasse behandelt werden, dass Bischöfe gerichtsbestätigt Hass predigen dürfen und als Staatsbeamte dafür auch noch vom Steuerzahler bezahlt werden (Grundgehalt für Erzbischöfe ca. 11.000 Euro, für Bischöfe ca. 8.000 Euro im Monat), dass Frauen nach einer Vergewaltigung von katholisch geführten, aber von der Allgemeinheit bezahlten Krankenhäusern abgewiesen werden, dass Kindergärtnerinnen gekündigt wird, weil sei ihre Freundin heiraten wollen, Ärzten, die zum zweiten Mal eine Ehe geschlossen haben, oder einfach nur Leuten, deren „Verbrechen“ darin besteht standesamtlich heiraten zu wollen, und auf eine kirchliche Trauung zu verzichten.

Als „militante Atheisten“ werden Menschen bezeichnet, die nicht die Klappe halten, wenn  immer und immer wieder neue Vergewaltigungen von Priestern an Kindern systematisch vertuscht werden sollen, die auf den Text des Grundgesetzes hinweisen, wenn mal wieder eine halbe Milliarde Steuermittel an die Kirchen verschoben werden, wenn eine bankrotte, zu 70% atheistische Stadt wie Leipzig mal eben eine Million für einen Katholikentag locker macht, wenn Frauen in Religionen systematisch abgewertet, wenn Kinder systematisch zu Opfern von Genitalverstümmelungen werden, wenn mal wieder Homosexuelle mit Bleistangen tot geschlagen, oder wenn säkulare Blogger mit Macheten zerhackt werden. Mit der ach so ehrenwerten Religion hat das dann natürlich alles nichts zu tun – jaja, ist klar!

Kurz gesagt: Als „militanten Atheisten“ bezeichnen Religionisten Menschen, die nicht zu allem „Ja und Amen“ sagen, die sich gegen Ungerechtigkeiten wehren und Unsinn widersprechen. Die eben nicht respektvoll – und vor allem schweigend – auf den Boden schauen. Vor solchen „militanten“ Menschen haben Religiöse Angst. Wenn man nämlich genauer nachfragt, dann bleibt von den religiösen Lehren und Begründungen absolut nichts mehr übrig. Dann wird für alle Zuhörenden klar, dass die Religiösen völlig ohne Argumente da stehen.

Leute, wenn das die Definition von „militanter Atheist“ ist, dann bin ich gern einer. Und ihr solltet das auch sein.

(*) Wird gern übersehen: „At the age of 15 I chose to be baptized and confirmed in the Norwegian State Church,“ schreibt Breivik. „I consider myself to be 100 percent Christian.“ – „If he did what he has alleged to have done, Anders Breivik is a Christian terrorist,“ Boston University religion scholar Stephen Prothero wrote on CNN.com.

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MGEN-Podcast Folge 16.05: Brennende Herzen und Brennende Haare

Das MGEN-Team hat gepodcastet, unter anderem zu den folgenden Themen:

  • Der von Pfarrer Ricardo Salazar für den 16. Mai 2016 prophezeite Weltuntergang musste leider ausfallen, der dritte Weltkrieg beginnt dann aber ganz sicher im Juni
  • Die Linke in Sachsen will Staat und Kirche trennen und wird dafür ausgelacht
  • Neues aus Österreich: Mädchen (8 Jahre) fängt in der Kirche Feuer
  • Die Uni Bochum will für 1,6 Mio. Euro erforschen, ob Theologie eine Wissenschaft ist
  • Jeder sechste Deutsche glaubt an das Wirken des Heiligen Geistes
  • Darf man Martin Luther feiern? Wir finden: nein, Margot Käßmann findet: ja
  • Im Saarbrücker Amtsgericht werden die Kreuze abgehängt, der Trierer Bischof Ackermann findet das kulturlos, wir finden das gut
  • Glockengebimmel und Muezzinruf: Total unterschiedlich?
  • Es folgt ein Gottesbeweis: Der ontologische Gottesbeweis
  • Radio Vatikan: Der Papst wünscht sich, dass junge Leute „ihr Leben verbrennen“
  • Gerichtsbestätigt: Als Bischof darf man die „Todesstrafe für Homosexuelle“ fordern, die Homosexuellen haben sich darüber nicht zu beschweren

Die Folge lässt sich auch bei iTunes oder direkt bei Soundcloud anhören und dort auch als mp3 herunterladen. Falls ihr mögt, bewertet dort doch die Folge. Fragen oder Anmerkungen könnt ihr unter diesem Post in den Kommentaren hinterlassen oder per EMail an mgenblog@gmx.de auf den Weg bringen.

 

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