Zwischenstand bei den Gottesbeweisen: 0 – 20

Seit etwa zweieinhalb Jahren schauen wir uns im Rahmen dieses Blogs Argumente für die Existenz des jüdisch-christlich-islamischen Bibel-Gottes Jahwe an, wie sie von Theisten immer wieder vorgebracht werden. So ein Beweisgang besteht in der Regel aus einer Reihe von Annahmen und daraus hergeleiteten logischen Schlüssen. Am Ende steht dann meist ein “Und daraus folgt: Die Gottheit Jahwe existiert!”

Damit ein Beweis stimmt, müssen naheliegenderweise sowohl die Annahmen als auch die logischen Herleitungen korrekt sein. Sind die Annahmen unzutreffend oder die Schlüsse unlogisch, ist der Beweis falsch. Das bedeutet dann natürlich noch lange nicht, dass das Gegenteil gelten muss, also der jeweilige Gott ganz sicher nicht existiert – lediglich der Beweis für die Existenz ist im Einzelfall gescheitert.

Bei den betrachteten Ansätzen zeigen sich immer wieder dieselben logischen Fehler (oder Fallen?) Oft wird die Existenz einer Gottheit trickreich formuliert in den Annahmen eingebracht – und dann am Ende triumphierend geschlussfolgert! Sehr schön klar wird das beim ontologischen Beweis. Etwas vereinfacht:

(A1) Der Gott ist das Wesen mit der perfekten Kombination von Eigenschaften.
(A2) Ein Wesen ohne die Eigenschaft “Existenz” ist nicht perfekt.
(S) Der Gott hat die Eigenschaft “Existenz”, existiert also.

Derart vom rhetorischen Gestrüpp befreit wird klar, dass (A1) die Existenz einer Gottheit bereits versteckt voraus setzt. Ein ehrliche Formulierung müsste lauten:

(A1) Der Gott existiert. Er ist das Wesen mit der perfekten Kombination von Eigenschaften.

Dass daraus dann “Der Gott existiert!” folgert, wird niemanden überraschen.

Ein zweiter üblicher Logikfehler ist der Sprung von “der Gott existiert” zu “darum ist meine Religion richtig!” Die bekannten Gottesbeweise versuchen lediglich die Existenz irgend eines göttlichen Wesens zu beweisen. Der logische Sprung zu “das ist Jahwe, der Gott des Christentums, das daher stimmt!” ist völlig willkürlich und erfolgt ohne jede Begründung. Mit genau der gleichen Berechtigung könnte man zu Krishna springen, zu Zeus oder Papa Schlumpf. Fragt man hier nach, hört man oft die eher unbefriedigende Antwort “Das steht in der Bibel, an deren Wahrheit glaube ich ganz fest.”

Von den bislang angeschauten Beweisen für die Existenz von Göttern war kein einziger korrekt. Hier sind sie im einzelnen:

Also haben wir (je nach Zählung, einiges wiederholt sich) 20 bis 25 der bekanntesten und meist verwendeten Gottesbeweise angeschaut – bislang war kein einziger schlüssig. Im Gegenteil: Wir haben einige durchaus solide Ansätze (hier und hier) gezeigt, die beweisen, dass zumindest die Gottheit Jahwe nicht wie behauptet existieren kann.

In der Sammlung fehlen noch eine Reihe von Argumenten, wie zum Beispiel das Transzendentale Argument für Gott (TAG) und das Kalam-Argument, eine etwas verschwurbelte Version des kosmologischen Beweises. Daneben verdienen auch noch die in den USA aktuell als chic geltenden Präsuppositionisten eine nähere Betrachtung. Es bleibt also spannend – wer weiß, vielleicht ist ja doch noch ein gültiger Beweis für die Existenz (zumindest irgend einer) Gottheit dabei …

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Die Evolution beisst zurück

Fast schon verzweifelt suchen kreationistische Christen nach Argumenten, die die Evolution widerlegen und die Lehre von der Schöpfung der Welt durch Gott Jahwe beweisen sollen. Weil echte Beweise – oder auch nur vage Hinweise – in dieser Richtung rar sind, versuchen sie das Publikum durch “geschickte” Rhetorik zu überzeugen. Die vermeintliche Wunderwaffe in diesem epischen Kampf, die “40 Fragen an die Evolutionisten” des Kreationisten Kent Hovind, waren ja bereits Thema in diesem Blog.

Ein Gastbeitrag von Carsten Grün

Ich habe es mir tatsächlich angetan und mir die Fragen alle angesehen. Keine Angst, ich werde den teilweise hahnebüchenen Unsinn hier gewiss nicht einzeln auseinander nehmen. Manche der Fragen sind an sich schon unsinnig, und in anderen befinden sich schlicht falsche Behauptungen. Ein Beispiel sei mir hier gestattet:

34. Warum ist der Jupiter Mond ‘Ganymede’ immer noch heiß wenn er doch nach Milliarden von Jahren abgekühlt und erstarrt sein sollte?

Das ist schlicht falsch, denn Ganymed ist in der Tat ein Eismond mit einem erstarrten Kern und einer mehreren hundert Kilometer dicken Eisschicht an seiner Oberfläche.

Doch genug dazu.

Ich kam auf die Idee, meinerseits ein paar Fragen zusammenzustellen, welche man Kreationisten stellen könnte. Die ein oder andere stellte ich bereits bei Diskussionen und war über die Antworten natürlich kein bisschen überrascht. Schließlich hat der Klerus mit all seinen Erscheinungsformen sehr viel Erfahrung darin, nicht überprüfbare Argumente aus der Mitra zu zaubern. Und diese werden von den Gläubigen immer brav nachgebetet.

Raumfähre Kreationismus antwortet nicht

Bei meinen “30 Fragen an die Kreationisten” sind auch ein paar dabei, die ein Wissenschaftler nicht ernst nehmen würde, die aber einen Kreationisten in Verlegenheit bringen dürften:

1. Warum sind die Sinneszellen der Netzhaut im Auge nach hinten gerichtet, und wurden nicht so erschaffen, dass sie nach vorne in Richtung des einfallenden Lichtes zeigen?

2. Warum wird das Gesicht während der embryonalen Entwicklung des Menschen aus drei Teilen zusammengefügt, so wie es z.B. bei Fischen seit Jahrmillionen ebenfalls geschieht?

3. Warum führt der Kehlkopfnerv der Giraffe vom Gehirn zuerst den langen Hals hinunter, um das Herz herum und dann wieder hinauf zum Kehlkopf?

4. Warum besitzt das Pferd oberhalb der Hufe rudimentäre Zehen?

5. Warum gibt es Meerestiere, die tausend Meter tief tauchen, aber trotzdem Luft atmen müssen?

6. Warum bekommen wir eine Gänsehaut, wenn gar kein Fell mehr vorhanden ist, das wir aufrichten könnten?

7. Wozu haben wir sinnlose Organteile, wie zum Beispiel den Blinddarm?

8. Wieso sind bei allen Männern die Rippen komplett vorhanden, wenn doch die eine, aus der Eva erschaffen wurde, fehlen müsste?

9. Warum ist die Erde nachweislich nicht der Mittelpunkt des Universums, sondern nur ein kleiner Planet im äußeren Drittel unserer Galaxie, welche ebenfalls nur ein Staubkorn im Universum darstellt?

Stellt die schwarze Robe auf die Probe

10. Zu welchem Zweck wurde das grausame Pockenvirus erschaffen, das wir als angebliche “Schöpfung Gottes” ausgerottet haben?

11. Warum besitzt der Wal im Körperinneren deutliche Überreste von Hinterbeinen, die vollkommen nutzlos sind?

12. Wenn es die Arche Noah gab, warum sind nach der Sintflut alle Beuteltiere ausgerechnet in Australien ausgestiegen?

13. Wenn das Universum erst 6000 Jahre alt ist, warum datieren wir dann sein Alter aufgrund unserer wissenschaftlichen Erkenntnisse ausgerechnet auf 13,7 Mrd Jahre, und nicht auf einen anderen Zeitraum?

14. Warum bestätigen wir viele unsererer Theorien ständig selbst durch Experimente und Beobachtungen, und warum kommen wir immer weiter, wenn das alles nur ein Irrtum sein soll?

15. Warum lässt der Erschaffer dieses 6000 Jahre alten Universums es zu, dass die Frau plötzlich aufbegehrt und gleiche Rechte fordert, obwohl sie genau wie das Tier laut Bibel ein Untertan des Mannes sein soll? (Sorry, aber das steht dort wirklich: Gen 3.16, Eph 5.22, 1 Timotheus 2.11-12, Titus 2.5)

16. Wenn die Evolution und die Datierungen der Fossilien nur ein Täuschungsmanöver des Schöpfers sind, warum finden wir dann eben nicht die zahllosen “Zwischenformen”, die die Täuschung perfekt machen würden und die uns in Sicherheit wiegen würden?

17. Wozu sollte uns ein Schöpfer immer wieder vor neue wissenschaftliche Fragen stellen und unseren Glauben selbst mit Fossilien untergraben, wenn die Wahrheit nur 6000 Jahre alt ist?

18. Warum hat Gott den Menschen mit einem solch umfangreichen “Erkenntnisapparat” ausgestattet, wenn er schon vor 6000 Jahren “sah, dass es gut war”?

19. Aus welchem Grund nennt uns Gott “die einzige nach seinem Ebenbild erschaffene Schöpfung”, wenn er uns dabei offensichtlich im Unklaren lässt, ob es noch anderswo im Universum intelligentes Leben gibt?

Was die Pfaffen nicht raffen

20. Wenn es so offensichtlich ist, dass Gott die Welt vor 6000 Jahren um 4 Uhr nachmittags erschaffen hat, wozu muss er dann hunderttausende Menschen dazu berufen, uns davon zu überzeugen? Wären wir als seine Geschöpfe nicht automatisch davon überzeugt und würden wir nicht alle Fossilien automatisch in Frage stellen?

21. Warum können wir messen, dass sich das Licht im Vakuum mit 300.000 km/s fortbewegt, obwohl diese Tatsache jeglicher Lehre vom 6000 Jahre alten Universum widerspricht?

22. Warum werden diejenigen, die für alle sichtbar Böses tun, nicht von Gott bestraft, sondern von uns?

23. Warum entdecken wir immer mehr Naturgesetze, die Gottes Existenz immer unwahrscheinlicher machen?

24. Warum können wir die Vakuumlichtgeschwindigkeit niemals erreichen oder überschreiten, worin liegt der Sinn einer solchen Grenze in einem 6000 Jahre alten Universum?

25. Warum hat Gott manche Pinguine homosexuell werden lassen, um den Nachwuchs bei Verlust des Weibchens zu schützen, während er dieses Verhalten beim Menschen verurteilt?

26. Gott hat die Bewohner von Babylon angeblich dafür bestraft, einen hohen Turm gebaut zu haben, um dem Himmel näher zu sein. Heute werden Türme gebaut, die zehnmal höher sind als der Turmbau zu Babel. Warum wird dafür niemand bestraft?

27. Warum zeigt Gott seine Wunder immer nur in weinenden Marienstatuen aus totem Holz, aber niemals dadurch, dass er ein kleines Kind vom Krebs heilt? Warum lässt Gott niemals amputierte Gliedmaßen nachwachsen – egal wie verzweifelt die Menschen zu ihm beten?

28. Warum soll das Universum ausgerechnet 6000 Jahre alt sein, wenn dieses Alter für so viele Wissenschaftler so extrem falsch ist? Warum sollte Gott Wert darauf legen, eine so offensichtliche Täuschung zu schaffen, die so leicht zu durchschauen ist?

29. Wir haben ein 6000 Jahre altes Universum, in dem gemäß der Aufzeichnungen seit mindestens 4000 Jahren ständig Krieg zwischen Menschen herrscht. Ist das Gottes Wille? Oder hat der Teufel schon seit langem die Oberhand?

30. Der Haifisch war mit all seinen Arten schon immer da, wenn die Theorie des 6000 Jahre alten Universums stimmt. Da hatte Gott eine Menge Variationen zu schaffen. Heute rottet der Mensch eine Art nach der anderen aus. Wieso lässt Gott das zu, ohne seine Schöpfung zu schützen und einzugreifen?

Die Wissenschaft liefert ständig neue Antworten. Sie macht dabei natürlich auch Fehler, aber dann geht sie einen Schritt zurück und korrigiert sich. Das funktioniert seit Jahrtausenden und hat es unter anderem auch mir ermöglicht, das hier zu schreiben. Nur der Glaube steht seit 2000 Jahren irgendwie still hinter seiner Mauer aus Dogmen.

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Dümmer geht’s nicht: Die “40 Fragen an die Evolutionisten”

Patriot University, Colorado Springs (Quelle: Wikipedia)

Als knallharte Killerargumente gegen die gottlose Evolutionslehre werden in evangelikalen Kreisen die “40 Fragen an die Evolutionisten” gefeiert, die vom US-amerikanischen Kreationisten “Dr.” Kent Hovind gesammelt wurden. Das “Dr.” steht hier in Anführungszeichen, da Herr Hovind seinen Titel in einem vierwöchigen Studium an der “Patriot University” erworben hat (siehe Foto). Die “Doktorarbeit” ist verschwunden, irgendwie ist zufällig kein Exemplar mehr auffindbar. Herr Hovind selbst äußert sich zu dieser Sache nicht – was auch etwas schwierig wäre, da er zur Zeit wegen 58 Fällen von Steuerbetrug, Betrug und Konspiration für zehn Jahre im Gefängnis sitzt.

Aber lassen wir ab von unseren ad hominem-Attacken gegen den vom bösen Staat arg gebeutelten Prediger (Christenverfolgung!!), und kommen wir zurück zu den 40 Fragen. Sie sollen beweisen, dass der “Evolutionismus” unrecht hat, dass also die Erde nicht 4,5 Millarden Jahre alt ist, und dass die Vielfalt des Lebens nicht durch natürliche Selektion entstanden ist. Stattdessen zeigt das Nachdenken über die Fragen für Herrn Hovind und seine kreationistischen Anhänger glasklar, dass die Welt vor etwa 6000 Jahren von Bibel-Gott Jahwe geschaffen wurde (und zwar – kein Scherz! – laut einschlägiger Experten am 22. Oktober 4004 v.d.Z., kurz vor dem Abendessen). Hier eine Auswahl:

In den Textbüchern unserer Kinder wird oft der Stammbaum der Evolution abgebildet. Warum hat dieser Baum keinen Stamm und Äste?

Wenn das Sonnensystem aus dem Urknall entwickelt hat, warum drehen sich mindestens drei Planeten rückwärts?

Warum ist die Materie nicht gleichmäßig wie bei einer Explosion im Raum verteilt, sondern unregelmäßig?

Woher kommt der Raum für das Universum? Wo hinein breitet es sich also aus?

Wenn die Gesteinsschichten wirklich verschiedene Zeitepochen repräsentieren, warum gibt es dann keine Zeichen von Erosion zwischen den einzelnen Schichten?

Warum sollte sich eine Pflanze bzw. ein Tier fortpflanzen wollen, wenn dies doch zu mehr Konkurrenz bzgl. der Nahrung führen würde?

Ist es nicht möglich, daß Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Tieren vielmehr auf einen gemeinsamen Schöpfer als auf einen gemeinsamen Vorfahren hinweisen?

 Ist es seriöse Wissenschaft zu glauben, daß Wasserstoff sich in Menschen entwickelt hat?

Und schließlich, sicher das beste Argument von allen:

Warum haben wir keine größeren Wüsten wenn doch die Wüsten jedes Jahr wachsen?

Tja, die Wüsten wachsen und drei Planeten drehen sich rückwärts. Nehmt das, ihr teufelsgläubigen Evolutionisten!!

(Quelle: Twitter, mit Dank an @littlewisehen)

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Der Papst verteilt Sandwiches

Der Papst, so wurde mir erzählt, der sei ein richtig toller Mensch. Heimlich, so sei in der Presse zu lesen, verlasse er nachts den Vatikan und verteile Sandwiches an die Obdachlosen Roms. Die berichtende Person strahlt, die Umstehenden nicken – was für ein toller Mensch!

Mal ehrlich: Es ist schon erstaunlich, wie stark die kirchlich-mediale Hirnwäsche auch bei gebildeten und skeptischen Personen wirkt. Angenommen ich wache morgen früh auf und bin das unangefochtene Oberhaupt der reichsten Organisation der Welt, der dreifach gekrönte König eines Staates, ohne Parlament, ohne Opposition, ohne aufmüpfiges Volk – also Diktator auf Lebenszeit. Ich habe eine eigene Bank, goldene Schätze, Konten und Güter überall auf der Welt. Und mal weiter angenommen, dass ich Armut und Elend wirklich doof finde und sie ehrlich bekämpfen will.

Und anstatt 10% des RKK-Vermögens flüssig zu machen und damit Hunger und Armut in der Welt für Generationen, möglicherweile für immer, auszulöschen – verteile ich ein paar Dutzend Sandwiches an Obdachlose? Heimlich? Nachts? Und dafür werde ich auch noch gefeiert?

Was mir völlig unklar bleibt: Denken die Leute überhaupt nicht mehr kritisch mit, wenn sie sowas lesen? Wie kann man so einen Quatsch denn bloß ernst nehmen?

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Hallelujah: Schlüssiger Gottesbeweis gefunden!

Nach 2.000 Jahren des Suchens, Betrügens und Lügens haben die Theisten endlich einen schlüssigen Beweis für die Existenz ihres Gottes gefunden. Hier ist er:

(P1) Entweder es gibt Gott oder es gibt keine runden Kreise.
(P2) Wenn alle Kreise runde Ecken haben, dann geschieht ein Wunder.
(P3) Es geschieht ein Wunder.
(K) Also: Es gibt Gott.

Ich muss zugeben: ich bin von der tiefgründigen Weisheit und Spiritualität des Beweisgangs begeistert – und ab sofort natürlich auch selbst inbrünstiger Theist. Die zweifelnden Kommentare unter dem zitierten Artikel sind allesamt kleinkrämerische Mäkelei und haben hässliche Ohren.

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Gottesbeweis per Teufel

Eigentlich hatte ich die Hoffnung schon aufgeben von Gläubigen nicht immer wieder nur dieselben Platitüden als Argument für die Korrektheit ihrer Religion zu hören. Dieser “Gottesbeweis per Teufel” war daher durchaus überraschend:

Eines Tages lernte ich auf einer Geburtstagsfeier jemanden kennen, der für mein Verständnis außerordentliche mathematische Fähigkeiten besaß, die ich mir mit natürlichen Dingen nicht erklären konnte. Im Laufe des Gesprächs sind wir auf das Thema Glauben gekommen. Nach recht absonderlichen Ansichten, die ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht gekannt hatte, endete er mit dem Satz: “Mein oberster Ziel ist es, so zu werden wie Gott”. Ich erkannte aufgrund seiner Ansichten, dass er seine übernatürlichen Fähigkeiten vom Gegenspieler Gottes haben musste, denn genau mit diesem Versprechen, nämlich so zu sein wie Gott, verführte Satan Eva im Paradies. Wenn es aber diesen Gegenspieler Gottes wirklich gibt, so muss es ja Gott auch geben. Und so fing ich an, die Bibel zu studieren. Ich erkannte, dass es wirklich einen Gott im Himmel gibt, dem man vertrauen kann und der sich durch die Bibel uns Menschen offenbart.

Der Erzähler erkannte also an seinem Gesprächspartner “außerordentliche mathematische Fähigkeiten”, die er sich “mit natürlichen Dingen nicht erklären konnte”. Daher, so kommt er zum Schluss, müssen ganz offensichtlich übernatürliche Mächte am Werk gewesen sein. Das ist ein fast abziehbildhaftes Argument mit dem Unwissen, eines in religiösen Kreisen weit verbreiteten logischen Fehlers: “Mir fällt gerade keine begründete Erklärung für ein Phänomen ein, daher darf ich jetzt behaupten, was ich will. Ich sage: Es muss Magie gewesen sein!” Üblicherweise folgt nun der Sprung “Und diese magische Macht war der Gott, der daher existieren muss. Voilà!”

Der Erzähler koppelt das Argument mit dem Unwissen mit einem Bandenstoß über die Bibel: “Genau mit diesem Versprechen, nämlich so zu sein wie Gott, verführte Satan Eva im Paradies”. Der übliche Bogen wird also erweitert: “Mir fällt gerade keine begründete Erklärung für ein Phänomen ein, ich darf also annehmen, dass es Magie war! Ausserdem ist die Person gemäß Bibel theologisch verdächtig, muss also vom Teufel beeinflusst sein. Wenn der Teufel existiert, dann aber gemäß Bibel auch dessen Schöpfer, Gott Jahwe. Voilà!” – Wieso er die Bibel überhaupt als beweiskräftig ansieht, darüber hat er wohl nicht so recht nachgedacht. Wieso nicht den Koran, die vedischen Bücher oder Herr der Ringe? Da gibt es ja auch jeweils Schurken, die die Menschen mit großer Macht verführen wollen. Doch wohl nur, weil er schon als Kind auf die Bibel gedrillt wurde.

Fazit: Die Erzählung ist bei genauerer Betrachtung lediglich eine Argumentation mit dem Unwissen, variiert mit etwas Bibel-Gewinke. Sie kann daher in keiner Weise überzeugen. Kein halbwegs rational denkender Mensch würde auf solche Argumente hin an eine Behauptung wie die Existenz eines allmächtigen Schöpferwesens glauben.

Und zurück zu unserem frisch Bekehrten: Dass ein in Taschenspielertricks bewanderter Gesprächspartner den braven Erzähler in beschwipstem Zustand vielleicht einfach nur ärgern wollte, darauf kommt er nicht.

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Der Gottesbeweis von Gödel

Alle paar Jahre entdecken die Medien den Gottesbeweis des Mathematikers Kurt Gödel: “Forscher beweisen Gottes Existenz am Computer“, “Mathematiker bestätigen Gottesbeweis“, “Gottesbeweis: Gott existert!“, “Computerprogramm bestätigt Gödels Gottesbeweis“. Nach einigen Tagen stürmischen Feierns nimmt die Begeisterung dann aber stark ab und man lässt die Geschichte unauffällig fallen. Offenbar lassen sich die Journalisten in dieser Zeit erklären, was es sich mit dem automatischen Nachvollziehen von formaler Logik auf sich hat. Bis dann, ein paar Jahre später, die nächste Praktikantengeneration aufgeregt über Gödels Notizen stolpert.

Die Besonderheit von Gödels Ansatz liegt in der Formulierung des üblichen ontologischen Beweisversuchs in der von ihm entwickelten mathematischen Sprache der Modallogik (siehe Abbildung), die die Schritte des Arguments für Computerprogramme nachvollziehbar macht. Das Ganze ist offenbar beliebt als Aufgabe für Studenten, was Journalisten dann ab und an mitbekommen.

Gödels Gottesbeweis

In seiner ganzen Pracht: Gödels Gottesbeweis (Quelle: heise.de)

Inhaltlich verreckt Gödels Argumentation schon bei Annahme A1: „Wenn man jede mögliche Eigenschaft gemeinsam mit ihrer Negation betrachtet, so ist genau eine von beiden positiv”. Was “positiv” in diesem Kontext bedeuten soll, wird nicht erklärt. Nehmen wir das Eigenschaftspaar “Das Auto ist blau”/”Das Auto ist nicht blau”: Welche dieser Aussagen soll denn nun positiv sein, welche nicht? Was passiert, wenn das Paar “Das Auto ist gelb”/”Das Auto ist nicht gelb” hinzu kommt? Wie löst man diesen Widerspruch auf? Und wenn sich schon solche einfachen Dinge nicht klären lassen, wie ist es dann mit dem Klassiker “Ich bin ein eifersüchtiger Gott”/”Ich bin kein eifersüchtiger Gott”? Da der Gott der Bibel sich selbst als eifersüchtig bezeichnet, muss das wohl die positive Eigenschaft sein. Oder doch irgendwie nicht? Lügt er? Ist Lügen deshalb eine positive Eigenschaft? – Ohne Klarstellung, was “positiv” in dem jeweiligen Rahmen bedeuten soll, bleibt die Festlegung willkürlich und ist daher wertlos.

Dazu kommt dann der übliche Fehler aller ontologischen Beweise, hier in D1: “Ein gottgleiches Wesen besitzt alle positiven Eigenschaften”, anderswo immer wieder formuliert als “Gott ist der höchste Gedanke”. Hier wird die versteckte Annahme der Existenz von Göttern in den Beweisgang eingebracht, begründet wird das nicht. Und, klar, wenn ich das Göttliche schon in die Argumentation einfüttere, kommt am Ende natürlich das Göttliche dabei heraus. Ein Zirkelschluss.

Die Frage eines klugen Kommentators zu einem anderen Post zeigt noch ein weiteres Problem der ontologischen Beweise auf: “Wie kann ein Wesen, das angeblich alle positiven Eigenschaften auf sich vereint, auch negative Eigenschaften hervorbringen? Da gibt es doch mindestens eine schlechte Eigenschaft, nämlich die, eine imperfekte und zuweilen grausame Welt geschaffen zu haben.” Auch darauf haben Theisten keine Antwort, winken allenfalls lustlos mit dem “Gott hat den Menschen den freien Willen gegeben!!”-Fähnchen.

Was hat sich der Autor nur dabei gedacht?

Kurt Gödel war ein genialer Mathematiker, der seinen “Beweis” als mentales Manöver seiner Modallogik gesehen hat und nicht als ernsthaften theologischen Ansatz. Er wollte damit zeigen, so erinnern sich seine Freunde und Kollegen, dass man mit der von ihm geschaffenen Sprache der Logik durch geschickte Wahl der Annahmen so gut wie jede Behauptung beweisen kann.

Gödel hatte die Formulierung schon 1941 niedergeschrieben, dann aber 30 Jahre lang wohlweislich nicht publiziert. Er war ein guter Freund Albert Einsteins, der ja – obwohl er selbst kein Theist war – schon Zeit seines Lebens und trotz seiner Gegenwehr von Religionisten als Kronzeuge für die Existenz des Bibel-Gotts in Beschlag genommen wurde. Offenbar wollte Gödel verhindern, dass sein Name ähnlich missbraucht würde. Erst 1970, als Gödel wegen zunehmender Paranoia schon unter schweren Psychopharmaka stand, wurden seine Notizen veröffentlicht. Es ist schade, dass er bei vielen Leuten für dieses alberne Ding in Erinnerung bleibt.

Fazit: Auch Gödels Gottesbeweis scheitert. Während die formale Logik insofern korrekt ist, dass ein Computerprogramm sie nachvollziehen kann, lassen die im Beweis enthaltenen Annahmen arg zu wünschen übrig. Haltbar sind weder die Annahme, dass von allen Aussage/Negation-Paaren genau eins “positiv” sein soll, noch die implizite Annahme, dass das Göttliche existiere und komplett “positiv” besetzt sei. Diese Annahmen kann ein Computer aber nicht als falsch identifizieren, dazu fehlt ihm das Weltwissen.

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