Ich glaube nicht an die Wissenschaft

Wenn ich Leuten sage, dass ich nicht an Gott glaube oder glaube, dass es keinen Gott gibt, höre ich als Antwort oft: „Du glaubst halt an die Wissenschaft. Das ist ja auch nur ein Glaube/eine Religion.“ Ich finde, dass das nicht stimmt und möchte darlegen, warum ich finde, dass man an die Wissenschaft gar nicht glauben kann.

Die Leute, die behaupten, dass Wissenschaft wäre einfach nur eins von vielen Glaubenssystemen oder eine von vielen Weltanschauungen wäre, an die man halt glaube, implizieren, dass die Wissenschaft ein einziges und festes Bild der Welt zeichnet, an das man dann glaubt. Dagegen sprechen drei Punkte:

  1. Wissenschaft stellt den aktuell gültigen Stand der menschlichen Erkenntnis über die Welt dar, das aktuell verfügbare Wissen der Menschen. (Außerdem gehört zur „Wissenschaft an und für sich“ noch viel mehr dazu, z.B. ein System von Methoden usw.) Man kann anzweifeln, ob die Fakten stimmen, ob die Methoden legitim sind. Aber dann bewegt man sich schon selbst auf wissenschaftlichem Terrain.
  2. Wissenschaft stellt Vorschläge für ein Weltbild zur Verfügung, das mit diesem Erkenntnisstand funktionieren kann. Da sich das Wissen ständig ändert, ändern sich regelmäßig auch die Weltbilder, die die Wissenschaft zur Verfügung stellt. Z.B. war das Weltbild, das Newton zur Verfügung stellte, ein völlig anderes als das zuvor herrschende. Es wurde von Einsteins Weltbild abgelöst, das wiederum fundamental anders war.
  3. Wissenschaft ist also u.a. die Bereitschaft, sein Weltbild zu wechseln und an die menschlichen Erkenntnisse anzupassen. Wissenschaft ist auch ein Aufruf zur Diskussion, zur Kritik an den selbst gemachten Erkenntnissen durch andere, zur Überprüfung der eigenen Schlussfolgerungen. Religionen sind das Gegenteil eines Aufrufs zur Diskussion: Sie beharren auf den immer gleichen Dogmen. Ihre Grundfesten sind in Stein gemauert, nicht für Kritik gedacht, unanzweifelbar — außer, man möchte exkommuniziert werden.

Man kann Behauptungen aufstellen und sie mit nichts als einem alten Buch verteidigen. Oder man kann Behauptungen zur Diskussion stellen, die auf aktuellen Erkenntnissen vieler Einzelner beruhen, die sich ständig gegenseitig überprüfen. Man kann zwar glauben, dass Erkenntnisse fehlerhaft sind oder vermeintliche Fakten falsch sind.

Aber kann man tatsächlich nicht glauben, dass es eine Summe von Erkenntnissen und Wissen gibt, zu denen Menschen gelangt sind?

Ich finde: nein. Man kann nicht an die Wissenschaft glauben oder nicht glauben. Man kann die Bereitschaft haben, sein Weltbild zu ändern, wenn sich neue Erkenntnisse ergeben. Oder man kann diese Bereitschaft nicht haben.

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Wer ist Christ?

Woran erkennt man eigentlich Christen? An welchen Glaubenssätzen oder Handlungsweisen kann man festmachen, ob jemand zu dieser Religionsgemeinschaft gehört oder nicht? Wie kann man Christen von „Irr-“ oder „Falschgläubigen“ unterscheiden? Dazu muss es doch eindeutige Unterscheidungsmerkmale geben, oder?

In der letzten Folge unseres Podcasts hatten wir uns ein wenig darüber lustig gemacht, wie wenige „echte Christen“ es gibt. Wir haben frech behauptet, dass man als „echter“ Christ …

… an den dreifaltigen Gott glauben muss, an die Sechs-Tage-Schöpfung, die Jungfrauengeburt, Himmel und Hölle als physische Orte, und sich ernsthaft an alle biblischen Gebote des christlichen Gottes halten muss, Troddel an die Jacke machen, immer einen Spaten dabei haben und alle Ehebrecher, Blutwurstesser und Astrologinnen im Namen des allgütigen Gottes sofort totschlagen – und währenddessen noch jederzeit vollkommen barmherzig zu sein hat.

Nur zur Klarstellung: So kann man natürlich nicht ernsthaft argumentieren, denn sonst sitzt man dem Kein Wahrer Schotte-Fehlschluss auf. Als Atheist bekommt man den Schotten oft im Kontext einer Reductio ad Hitlerum um die Ohren gehauen: “Der Hitler war kein Christ sondern Atheist, genau wie du!” – “Hitler war sein Leben lang Katholik.” – “Ach was, er war kein wahrer Christ! Er hat doch so viele schreckliche Dinge getan.”

Die Frage aber bleibt: Woran erkennt man denn nun einen Christen? Es gibt Hunderte von aktiven christlichen Konfessionen, dazu Tausende bereits ausgestorbene Glaubensrichtungen. Die Lehren sind grundverschieden und schließen sich gegenseitig aus: Viele glauben an die Existenz eines Gottes, manche an zwei, andere an drei. Der Bibelwissenschaftler Bart Ehrman schreibt in seinem Buch Lost Christianities von frühen christlichen Konfessionen, die an zwölf oder 365 verschiedene Götter glaubten. War Jesus ein Mensch oder ein Gottoder vielleicht beides zugleich? Man streitet erbittert. War er physisch in Galiläa unterwegs oder eine zeitlos-mythische Gestalt? Und wie rettet Jesus denn nun die Christen? Muss man durch gute Taten glänzen, durch Mission an Heiden oder Juden – oder hilft das alles nichts: Ein Christ muss nur ganz fest Jesus‘ Menschenopfer als Ausgleich für die eigenen Sünden akzeptieren und schon ist das ewige Leben sicher. Muss man vielleicht sonntags im Kreis zu sitzen und zu Gitarrenmusik „Danke für meine Arbeitsstelle“ singen? Oder reicht sogar getauft werden schon aus? Muss man überhaupt gerettet werden? Und wenn ja, wovor? Von der ewigen Feuerfolter in der Hölle? Vor dem Tod generell? Oder vor dem schlichten „Getrenntsein von Gott“?

Quer durch die Geschichte streiten die Konfessionen verbittert, sprechen sich gegenseitig das Christsein ab, und massakrieren sich (und andere) im Namen ihres allgütigen und liebenden Gottes. Für Außenstehende wirkt das alles verwirrend, undurchsichtig und auch komplett beliebig, die Stimmung wird angesichts all der Todesopfer auch nicht besser.

Ich sehe zwei Möglichkeiten zu beurteilen, ob ein Mensch Christ ist oder nicht:

  • Ein Christ ist jemand, der sich selbst als Christ bezeichnet. Das wäre wohl ein soziologischer Ansatz, in etwa entsprechend dem -buh!- genderwissenschaftlichen Grundsatz „Eine Person teilt der Gesellschaft ihr soziales Geschlecht mit, die Gesellschaft oktroyiert das soziale Geschlecht nicht der Person auf.“ Für Außenstehende mit wenig Ambitionen zu fortgeschrittener Hermeneutik ist dies sicherlich der einfachste Ansatz: Jaja, du bist Christ, nächstes Thema!
  • Ein Christ ist jemand, der Jesus in irgendeiner Form als seinen Retter ansieht. Dieser Ansatz nimmt zumindest einen minimalen theologischen Grundkonsens an und dürfte damit eine ganze Reihe von Religionisten ausschließen – möglicherweise sogar die Mehrheit der Mitglieder der EKD.

Beide Beurteilungsweisen dürften vielen Christen nicht wirklich schmecken. Sind sie nicht ziemlich beliebig, bleiben dabei nicht auch die Mitglieder der Konfession X an Bord, die ich so gar nicht mag? – Ja, nun, stimmt. Eure Religion ist halt enorm breit gestreut und kann sich kaum auf gemeinsame Inhalte einigen. Aber bitte deswegen nicht gleich wieder einen Glaubenskrieg anfangen!

Vermischte Anfragen 2015: Der Teufel und die Hamster-Pornos

„War Einstein Christ?“ (Nein) – „Gibt es Beweise für die Evolution?“ (Ja) – „Existiert das Übernatürliche?“ (Die Frage ist falsch gestellt) – Jeden Tag geben Menschen Anfragen in Google ein und landen dann bei uns. WordPress sammelt die Anfragen und listet sie schön übersichtlich auf. Auf die meisten dieser Fragen finden sich zahlreiche Antworten überall im Netz, und eben auch bei MGEN. Einige sind aber spezieller, Antworten sind da eher dünn gesäät. Darum hier als MGEN-Leserservice exklusive Antworten auf sehr spezielle Suchanfragen aus dem Jahr 2015:

wieso seid ihr atheisten? – Ganz klar, weil wir sauer auf Gott sind. Als Kinder haben wir ganz doll für ein Pony gebetet, das Gott uns aber nie geschenkt hat. Wir vermuten daher, dass Gott uns hasst, weil wir Atheisten sind.

wofuer hat gott den tornado geschaffen? – Gott hat die Tornados geschaffen, um Ihnen seine allumfängliche Liebe zu demonstrieren. Ebenso wie Tsunamis, Erdbeben, Hurricans und lustige Krankheiten wir Krebs, Pocken und Ebola. naturkatastrophen, erdbeben, terror, das gehts doch immer schon gegeben – Sehen Sie, das ist der Beweis.

welche Übersetzung benutzen Johannes und jesus? – Jesus und Johannes, die ja viel Umgang mit der römischen Besatzungsmacht pflegten, hatten im Alltag immer den Kleinen Stowasser dabei.

existiert der teufel? – Ja. Der Teufel liegt, wie allgemein bekannt ist, im Detail. Das „Detâil“ ist ein Zweieinhalb-Sterne-Hotel auf Gran Canaria, in dessen Pool-Bereich sich der Teufel für gewöhnlich aufhält. Die Zimmer sind nicht sonderlich luxuriös, doch das Fruehstücksbuffet ist für den Preis ganz okay und die  Margaritas sind süffig. Gerade richtig für Urlauber mit beschränktem Budget oder überwinternde Rentner.

Ist Jahwe Programmierer?

warum stimmt die evolutionstheorie nicht? – Die Evolution ist, wie allgemein bekannt, „bloß eine Theorie“ und daher grundsätzlich nicht weiter ernstzunehmen. Ähnlich übrigens wie die Gravitationstheorie und die Keimtheorie, alles Mumpitz dieser arroganten, Gott hassenden Wissenschaftler. Besonders lächerlich ist, dass diese Darwinisten tatsächlich glauben, dass dass „ein Hund zu einem Adler werden wird, […] wenn er oft genug versucht über Klippen zu springen“, oder aus purem „Zufall viele Menschen en[t]standen sind die [z]ufällig alle ziemlich identisch waren„. Lä-cher-lich! Die sogenannten Wissenschaften wie Medizin, Botanik, Geologie, Land- und Forstwirtschaftskunde, Zoologie und Biochemie, die die Evolutionstheorie täglich anwenden, sind alle falsch! Diese irrgeleiteten Darwinisten schaffen es „nicht mal nur deutsche oder nur englische Begriffe zu verwenden„!! Da sieht man’s mal wieder!!!

gedicht du sagst gott ist nicht real – Nee, da müssen Sie schon selbst ran.

ist jahwe programmierer? – Ja, es ist wahr: Bibel-Gott Jahwe ist hauptberuflich Anwendungsprogrammier bei Yahoo und hat als Hobbyprojekt das Universum in Javascript programmiert. Das erklärt natürlich auch, warum die Welt so supergut funktioniert.

nach der bibel wurde thyros nie wieder aufgebaut, stimmt das? – Nope, Tyros ist eine Stadt im Libanon mit etwa 100.000 Einwohnern. Die Bibel prophezeit, dass König Nebukadnezar von Babylon die Stadt einnehmen und dem Erdboden gleich machen würde. Nach einer langen Belagerung (während der die entsprechenden Passagen wohl geschrieben wurden) verhandelten die Bewohner eine einigiermaßen friedliche Übergabe und akzeptierten die babylonische Oberhoheit. Danach ließ sich die etwas peinliche, gescheiterte „Prophezeiung“ offenbar nicht mehr aus der Welt schaffen.

Gibt es Beweise?

halten sie die schlussfolgerungen pascals hinsichtlich der annahme eines gottes für plausibel? – Nein.

ist jahwe kult? – Ja. Spätestens, seit Jahwe seinen Auftritt beim Eurovision Song Contest 2007 weinend abgebrochen und sich zum Alkoholentzug in ein bayrisches Kloster zurück gezogen hat, genießt Jahwe in Deutschland Kultstatus. Seines aktuelles Album „Am Rande des Wahns“ inklusive der Duet-Single „Für dich teil ich das Meer“ mit Thomas Anders wurde von den Kritikern zerrissen, verkauft sich aber wie geschnitten Mana.

gibt es beweise fuer uebernatuerliche wesen? – Ja sicher. Krishna, Allah, Jahwe, Gaia, Zeus, Istar, Odin, Anansi, Isis und Osiris, Baal, etc, all diese übernatürlichen Wesen sind selbstverständlich total real. Fragen Sie mal ihre jeweiligen Priester.

hamster porno sehen wo muß ich drauf drücken? – Uhm, … jetzt weiß ich auch nicht weiter. Wir wünschen all unseren Leserinnen und Lesern eine schöne Weihnachszeit und einen guten Rutsch ins Jahr 2016.

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Darauf wissen wir leider auch keine Antwort

Der Papst verteilt Sandwiches

Der Papst, so wurde mir erzählt, der sei ein richtig toller Mensch. Heimlich, so sei in der Presse zu lesen, verlasse er nachts den Vatikan und verteile Sandwiches an die Obdachlosen Roms. Die berichtende Person strahlt, die Umstehenden nicken – was für ein toller Mensch!

Mal ehrlich: Es ist schon erstaunlich, wie stark die kirchlich-mediale Hirnwäsche auch bei gebildeten und skeptischen Personen wirkt. Angenommen ich wache morgen früh auf und bin das unangefochtene Oberhaupt der reichsten Organisation der Welt, der dreifach gekrönte König eines Staates, ohne Parlament, ohne Opposition, ohne aufmüpfiges Volk – also Diktator auf Lebenszeit. Ich habe eine eigene Bank, goldene Schätze, Konten und Güter überall auf der Welt. Und mal weiter angenommen, dass ich Armut und Elend wirklich doof finde und sie ehrlich bekämpfen will.

Und anstatt 10% des RKK-Vermögens flüssig zu machen und damit Hunger und Armut in der Welt für Generationen, möglicherweile für immer, auszulöschen – verteile ich ein paar Dutzend Sandwiches an Obdachlose? Heimlich? Nachts? Und dafür werde ich auch noch gefeiert?

Was mir völlig unklar bleibt: Denken die Leute überhaupt nicht mehr kritisch mit, wenn sie sowas lesen? Wie kann man so einen Quatsch denn bloß ernst nehmen?