MGEN-Podcast 36: Neues Format; Hörer beschimpfen Podcaster, Sonderedition Judentum

Willkommen zu Man Glaubt Es Nicht!, dem Podcast über Religion und andere Esoterik, zu gesellschaftlichen und politischen Themen aus atheistischer und humanistischer Sicht. Die aktuelle Folge findet ihr weiter unten in diesem Artikel, per RSS, Spotify, iTunes oder SoundCloud.

Wir haben beschlossen in Zukunft vom starren Show-Format abzusehen und die Hauptsegmente – in der Regel wöchentlich – einzeln zu veröffentlichen. Gebt Bescheid, wie es euch gefällt.

Unser Thema in dieser Episode:

  • Einleitung: Es möge ein neues Format geben
  • Hörer beschimpfen Podcaster, Sonderedition Judentum: Christentum doch nicht antisemitisch; Österreichische Namen; Thesen zu den Seevölkern; Befördern jüdische Geschichten Antisemitismus?

Fragen oder Anmerkungen, Themenvorschläge oder Beschimpfungen bitte unter diesem Artikel in den Kommentaren hinterlassen oder an mgenblog@gmx.de. Falls ihr mögt, bewertet unseren Podcast doch bei iTunes und abonniert ihn bei

Wie überzeuge ich kritische Menschen davon, dass eine Prophezeiung stimmt?

Die Menschheit ist in Gefahr! Wir leben in der Endzeit! Gottes Zorn wird uns alle zermalmen! Bald kommt die Entrückung, das Weltende, die Wiederkunft Christi! Und das alles wird glasklar und für jeden lesbar vorhergesagt von den Propheten der Bibel, doch — irgendwie glaubt es einem niemand. Voll blöd.

Also, was muss ich tun, um einen kritischen Geist davon zu überzeugen, dass eine biblische Prophezeiung wirklich und tatsächlich eingetroffen ist? — Und zwar nicht nur eine einzige, sondern so viele, dass zweifelsfrei klar wird, dass die zotteligen Propheten von Gott Jahwe tatsächlich selbst in die Welt geschickt wurden um eine höhere Wahrheit zu verkünden?

Dazu brauchen wir drei Schritte:

  1. Zitieren der Prophezeiung inklusive ihres Kontexts,
  2. Nachprüfbares Darstellen des Ereignisses, das man für das Eintreffen der Prophezeiung hält, und
  3. Erläutern, wieso man das Ereignis zwingend als Eintreffen der Prophezeiung wertet.

Um nicht gleich zu Anfang zu scheitern, sollte man dabei dringend beachten, welche Ansprüche an eine Behauptung gestellt werden, damit sie überhaupt erstmal als gültige Prophezeiung gelten kann. Die Behauptung muss:

  • zutreffend sein („Schwarz ist rot und plus ist minus“ ist keine Prophezeiung),
  • sie muss vor dem betreffenden Ereignis gemacht werden („Gestern hatte ich üble Kopfschmerzen“ auch nicht),
  • das Ereignis muss außergewöhnlich sein („Morgen früh wird die Sonne aufgehen“ ebenfalls nicht),
  • sie muss exakt sein („Du wirst einen hochgewachsenen Fremden treffen,“ nope), und
  • die Prophezeiung darf das Ereignis nicht selbst auslösen („Kellner, ich prophezeie eine Pizza!“).
  • Um das Zutreffen einer Prophezeiung beurteilen zu können, muss die Erfüllung zudem beobachtbar sein: Falls wir nicht beurteilen können, ob das prophezeite Ereignis eingetroffen ist oder nicht, bleibt die Aussage eine bloße Behauptung.

Ein schlechtes Beispiel

Hier eine Behauptung, die wirklich niemanden von dem Eintreffen einer Prophezeiung überzeugt:

Das baldige Kommen des „Mals des Tieres“ RFID Chip in der rechten Hand oder in der Stirn zum Bezahlen

Hierbei sind alle drei Schritte missraten:

  1. Wir erfahren nicht, wie der Text der Prophezeiung lautet und wie deren Kontext aussieht. Spricht die Bibel (oder sind es doch der Koran oder der Herr der Ringe?) tatsächlich von RFID-Chips? Oder ist die Formulierung vielleicht doch eher vage und könnte etwas ganz anderes bedeuten? Werden auch andere Spitzentechnologien erwähnt?
  2. Das Ereignis, das die Prophezeiung erfüllen soll, ist gar kein Ereignis, sondern das „baldige Kommen“ eines vermuteten Ereignisses — also pure Spekulation. Mit etwas gutem Willen könnte man den Hinweis auf das baldige Kommen auch als weitere Prophezeiung ansehen; dann würde hier die eine Prophezeiung durch eine andere Prophezeiung erfüllt. Egal: Das Ereignis ist nicht geschehen, ist also nicht beobachtbar, und reisst damit die oben aufgestellten Bedingungen für eine gültige Prophezeiung. Überzeugend? Nope.
  3. Der argumentative Bogen, wieso „das baldige Kommen“ von RFID-Chips die Vorhersage über das „Zeichen des Tieres“ erfüllt, fehlt völlig. Da die Bibel selbst nicht von RFID-Chips spricht (Überraschung!), ist der Zusammenhang ohne Weiteres nicht ersichtlich — auch wenn es für den aufgeregten Jesus-Jünger vielleicht auf den ersten Blick so scheinen mag. Also: Wieso meinen die Bibelautoren mit ihrem „Und es [das böse Teufelstier] bewirkt, daß allen … ein Malzeichen gegeben wird auf ihre rechte Hand oder auf ihre Stirn“ das Einpflanzen von RFID-Chips unter die Haut?

Ein besseres Beispiel

Nun kann man das Ganze auch — zumindest auf den ersten Blick — geschickter anstellen. Zum Beispiel so:

„Darum, so spricht Gott: Siehe, ich komme über dich, Tyrus, und will viele Völker gegen dich heraufführen, wie das Meer seine Wellen heraufführt! Und sie werden die Mauern von Tyrus zerstören und ihre Türme niederreißen; und ich will das Erdreich von ihr wegfegen und sie zu einem kahlen Felsen machen; zu einem Ort, wo man die Fischernetze ausspannt, soll sie werden inmitten des Meeres.” (Hesekiel 26, 3-5)

Nun ist die Stadt Tyros tatsächlich von Alexander dem Großen zerstört worden und wurde nie wieder aufgebaut. In der Tat kann man dort heutzutage Fischer sehen, die auf den alten Grundmauern ihre Netze trocken. Exakt so wurde es von Hesekiel vorhergesagt; die Prophezeiung ist daher offensichtlich erfüllt.

Viel besser, oder? Skeptische Geister können sich vom Inhalt der Prophezeiung überzeugen, im Zweifel in der angegebenen Quelle nachschauen, dann den geschilderten Sachverhalt prüfen, und sich schließlich davon überzeugen lassen, dass der Sachverhalt tatsächlich die Prophezeiung erfüllt. So ist ein wichtiger Schritt gemacht um kritische Menschen davon zu überzeugen, dass eine Prophezeiung tatsächlich eingetroffen ist.

Aber, Moment … wenn hier wirklich Tyros, exakt wie vorhergesagt, zerstört wurde und heutzutage nur ein kahler Felsen ist, ist dann vielleicht doch etwas dran an den biblischen Prophezeiungen …? Nun?

35 Gottesbeweise geprüft: Alle falsch!

Im Laufe von vier Jahren haben wir in diesem Blog 35 angebliche Beweise für die Existenz von Göttern, insbesondere für die Existenz des jüdisch-christlich-islamischen Bibel-Gotts Jahwe, näher betrachtet. Diese Argumente werden von Theisten immer wieder vorgebracht um die Korrektheit ihres Glaubens und ihrer Religion zu beweisen. Auf Basis dieser „Beweise“ sehen die Religionisten sich als Hüter ewiger Wahrheiten und Wahrer der „Gesetze Gottes“, die sie nicht nur selbst befolgen, sondern auch – mit struktureller Gewalt über Normen und Gesetze, oder im Zweifel auch mit Macheten und Sprengstoffgürteln – der gesamten Gesellschaft aufdrücken wollen.

Diese „Beweise“ sind jedoch Illusion, kein einziges Argument ist schlüssig. Es gibt im Gegenteil durchaus solide Ansätze (hier und hier), die beweisen, dass zumindest Bibel-Gott Jahwe nicht wie behauptet existieren kann, die abrahamitischen Religionen also ohne jede Faktenbasis sind.

Eigentlich ist dazu alles gesagt. Die religiösen Argumente wiederholen sich, und mit ihnen die dahinter stehenden unwahren Behauptungen und logischen Fehler. Lohnt sich die Mühe auch noch einen vierzigsten und fünfzigsten „Beweisgang“ anzuschauen?

Hier sind die betrachteten Gottesbeweise im einzelnen, lose geordnet nach Typ des zentralen Arguments:

Tausende erfüllte Prophezeiungen in der Bibel: Der Beweis der Korrektheit des Christentums von Werner Gitt

Endlich ist es sicher: Das Christentum stimmt! Das behauptet zumindest der bekannte Kreationist Werner Gitt, der die Korrektheit der christlichen Lehren im Rahmen eines prophetisch-mathematischen Gottesbeweis bewiesen haben will. Werner Gitt ist einer der wenigen Kreationisten mit einer wissenschaftlichen Ausbildung und war vor seiner Pensionierung Ingenieur und Fachbereichsleiter bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt. Bei fundamentalistischen Christen ist er Posterboy und gilt als Beweis für die Vereinbarkeit von Wissenschaft und Schöpfungslehre.

Im Gegensatz zu vielen anderen will Werner Gitt mit seinem Argument nicht bloß die Existenz irgendeines unendlich fernen Gottes beweisen, sondern ganz konkret die Korrektheit des Christentums. Dazu hat er sich die Bibel genau angeschaut und 3268 erfüllte, „historisch belegbare“ Prophezeiungen gezählt. Für jede einzelne dieser Prophezeiungen setzt er die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch ohne das Eingreifen eines Gottes erfüllt worden wäre, auf großzügige p=0,5. Die Wahrscheinlichkeit, dass sämtliche Voraussagen ohne das Eingreifen eines Gottes erfüllt wären, läge demnach bei w = 1,7 * 10-984 . Das ist verdammt unwahrscheinlich. Also schließt Werner Gitt: Ein göttliches Wesen muss eingegriffen haben. Und da nicht irgendwelche allgemeinen Prophezeiungen erfüllt wurden, sondern speziell die christlichen, muss hier ganz eindeutig Bibel-Gott Jahwe aktiv gewesen sein, der daher also existieren muss. Voilà!

Wie üblich lohnt es sich zu Beginn einer Betrachtung die verwendeten Begriffe zu klären. Damit eine Aussage oder Behauptung als gültige Prophezeiung gewertet werden kann, muss sie eine Reihe von Kriterien erfüllen: Sie muss zutreffend sein („Schwarz ist rot und plus ist minus“ ist keine Prophezeiung), sie muss vor dem betreffenden Ereignis gemacht werden („Gestern hatte ich üble Kopfschmerzen“ ist keine Prophezeiung), das Ereignis muss außergewöhnlich sein („Morgen früh wird die Sonne aufgehen“ ist keine Prophezeiung), sie muss exakt sein („Du wirst einen hochgewachsenen Fremden treffen“ auch nicht), und die Prophezeiung darf das Ereignis nicht selbst auslösen („Kellner, ich prophezeie eine Pizza!“ ist kein Wunder). Um das Zutreffen einer Prophezeiung beurteilen zu können, muss die Erfüllung zudem beobachtbar sein: Falls wir nicht beurteilen können, ob das prophezeite Ereignis eintrifft oder nicht, bleibt die Aussage eine bloße Behauptung.

Schauen wir uns nun die von Werner Gitt vorgebrachten Beispiele für „historisch belegbare“ erfüllte Prophezeiungen näher an.

Die Jesus-Prophezeiungen

Werner Gitt zählt eine lange Liste von Prophezeiungen über das Auftreten Jesu auf: sein Geburtsort, seine Abstammungslinie, seine göttlich/menschliche Natur, Details seines Wirkens, der Grund seiner Sendung, der Verrat gegen 30 Silberlinge, etc. Interessanterweise lässt Gitt die Prophezeiung der Jungfrauengeburt aus – nun ja, vielleicht ist ihm diese auf einem simplen Übersetzungsfehler beruhende „Vorhersage“ dann doch zu doof.

Natürlich hat diese Art „Erfüllung“ in einem Text keinerlei Beweiskraft für göttliche Eingriffe. Viel einfacher ist die Erklärung, dass die Autoren der vier in die Bibel aufgenommen Evangelien sich ihre Geschichten ganz bewusst so zurecht gebogen haben, dass ihre Jesus-Figur als Erfüller (der ihnen natürlich bekannten) alttestamentarischen Prophezeiungen dasteht. So lassen sich einige der uns heute etwas absonderlich erscheinenden Geschichten erklären: Um eine Weissagung (siehe Micha 5) über den Geburtsort des zukünftigen Messias der Juden zu erfüllen, musste die Geburt des Jesus von Nazareth mit Hilfe einer an den Haaren herbei gezogenen Volkszählungsgeschichte nach Bethlehem verlegt werden, dort lässt man dann den Herodes ein – erstaunlicherweise von keinem Chronisten erwähntes – Massaker an Kleinkindern ausführen (vage vorhergesagt in Jeremia 31). Jesus selbst schickt später seine Jünger los um einen Esel zu besorgen, damit er wie von Sacharja (Kapitel 9) geweissagt auf dem Tier in die Stadt reiten konnte.

Die Erfüllung der Jesus-Prophezeiungen ist also nicht beobachtbar, sondern bleibt bloße Behauptung durch die Autoren des Neuen Testaments. Ähnlich glaubwürdig wäre z.B. wenn im ersten Band der Harry Potter-Geschichten „Prophezeiungen“ gemacht werden, die dann im zweiten Band „erfüllt“ würden. Auch hier wird kaum jemand an das reale Eingreifen eines Gottes denken.

Die „historischen“ Prophezeiungen

Werner Gitt beschreibt dazu eine Reihe biblischer Prophezeiungen, die, wie er schreibt „historisch belegbar sind“. Los geht’s:

Von einigen mächtigen Völkern (z. B. Hethiter, Amoriter, Kanaaniter) der damaligen Zeit wird vorausgesagt, dass sie untergehen werden (2. Mose 23,23➝5. Mose 7,1).

Der Bibeltext erwähnt sogar noch einige weitere „mächtige“ Völker: Perisiter, Hiwiter und Jebusiter (und ruft, nebenbei gesagt, zum Völkermord an ihnen auf). Und, schon mal von den ach so mächtigen Jebusitern gehört? Nein? Wikipedia schreibt „Die Wissenschaft weiß weder durch archäologische noch durch außerbiblische Zeugnisse Näheres über dieses Volk.“ Ähnlich bei den Hiwitern: Hier bleibt die Frage eines Diskutanten „Gibt es historische Belege außerhalb der Bibel für die Existenz dieses Volkes?“ seit neun Jahren unbeantwortet. Im besten Fall handelt es sich um Dörfler oder Nachbarstämme der Israeliten, im schlechtesten Fall um bloße Erfindungen zum Auspolstern des eigenen Heldenmythos. Diesen für ihn eher peinlichen Teil des Bibelverses lässt Herr Gitt einfach weg.

Für die Existenz der Hethiter, Amoriter und Kanaaniter gibt es allerdings Belege: Die Amoriter waren ein semitischer Stamm am Euphrat des dritten und zweiten Jahrtausends. Das hethitische Königreich in Zentralanatolien ist im 12. Jahrhundert v.d.Z. untergegangen, danach hielten sich einige Kleinkönigreiche noch für einige Generationen, bevor sie von den Assyrern erobert wurden. Auch die kanaanitischen Stadtstaaten im Palästina des 13. Jahrhundert wurden im Laufe der Zeit nach und nach von Nachbarn erobert, ihre Bewohner gingen in den Nachbarvölkern auf.

Kleinere Staaten sind also im Laufe der Jahrhunderte erobert worden oder untergegangen, die betreffenden Stämme sind mit anderen verschmolzen. Was soll daran außergewöhnlich sein? Und – vielleicht wichtiger – woher wollen wir wissen, dass die Vohersagungen tatsächlich vor dem „Untergang“ der betreffenden „mächtigen Völker“ gemacht wurden? Die entsprechenden Bücher Mose haben ihre endgültige Form schließlich erst deutlich später, wahrscheinlich während des 6./5. Jahrhunderts v.d.Z., bekommen. Die Bibel selbst beschreibt, wie eine Schriftrolle im Tempel nachträglich „gefunden“, als Wort Gottes „erkannt“ und als 5. Buch Mose (Deuteronomium) zu den bereits vorhandenen vier Gesetzbüchern gelegt wurde. Ein eindeutiges Werk Gottes? Naja. Ist es nicht zumindest möglich, dass die Priester der Israeliten, trotz ihres angeblich allmächtigen Gottes entführt und unterdrückt von den Babyloniern, hier ihre eigene Heldensaga etwas ausschmücken wollten?

Von anderen Stämmen haben wir wie beschrieben außerhalb der Prophezeiung selbst nie etwas gehört, können also auch nichts zu ihrer Gültigkeit sagen. Den Satz „Und Gott sprach damals: Die Dhsdakjasrkjsdfkjsfd werden vernichtet werden und ihr werdet nie wieder von ihnen hören!“ wird ja wohl auch kaum jemand als gültige Prophezeiung durchgehen lassen.

Von einer Mythengestalt aus dem kaananitischen Pantheon wissen wir allerdings ganz sicher, dass sie es bis in die Gegenwart geschafft hat: Der stets missgelaunte kanaanitische Vulkan- und Wettergott Jahwe wird immer noch verehrt – wenn auch in veränderter Gestalt.

Und von anderen Völkern heisst es ebenso klar, dass sie bis zum Ende der Tage existieren werden: Israel (2. Chronik 9,8; Jes. 45,17), Ägypten (Jesaja 19,21–25)

Was soll man dazu sagen? Ob diese Voraussage zutrifft oder nicht, werden wir erst dann wissen, wenn das „Ende der Tage“ vorbei ist. Eine mögliche Erfüllung bleibt daher unbeobachtbar, die Behauptung kann nicht als erfüllte Prophezeiung gewertet werden.

Die Aufeinanderfolge der Weltreiche der Babylonier, Perser, Alexanders des Grossen und der Römer werden im Voraus in ihrer Art und ihrem Ende in Daniel 2,30–49 beschrieben. Die Prophetie geschah zu einer Zeit, als das babylonische Reich Nebukadnezars den Höhepunkt seiner Macht erreicht hatte.

Die Bibel beschreibt hier also präzise und im Voraus das Aufeinanderfolgen und den anschließenden Untergang von vier genau bezeichneten Weltreichen. Beeindruckend, oder? Das Problem ist nur: Das steht da nicht. Stattdessen wird eine Szene geschildert, in der der selbsternannte Prophet Daniel dem babylonischen König einen Traum deutet: Der König träumt von einem Standbild aus allerlei Materialien, das von einem Stein getroffen umfällt und auseinander bricht. Daniel deutet dies als das Aufeinanderfolgen vierer Reiche: Das erste sei aus Gold, das zweite aus Silber, das dritte aus Eisen und das vierte aus Ton. Die Prophezeiung erfüllt ihren Zweck, der König ist beeindruckt. Wir aber nicht, denn der Text gibt die Identifizierung dieser behaupteten silbernen, eisernen und tönernen Reiche mit Alexanders Feldzügen oder dem Römerreich in keiner Weise her.

Handelt Gitt hier noch in gutem Glauben oder lügt er bewusst? Es bleibt unklar.

Übrigens steht dort auch, dass noch vor dem Untergang des vierten Reiches, also laut Gitt des römischen, das ewige Reich Gottes auf der Erde errichtet werden wird: „Aber zur Zeit solcher Königreiche wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird“. Dieses Gottesreich auf Erden muss ich bislang irgendwie übersehen haben. Gitt schreibt in seinem Artikel übrigens, „dass nie eine biblische Weissagung durch historische oder wissenschaftliche Tatsachen widerlegt worden ist.“ Ignoranz oder eine weitere Lüge?

Die in Hesekiel 26,3–21 vorausgesagten sechs Gerichte haben sich über Jahrhunderte hinweg präzise erfüllt.

Werner Gitt bezieht sich hier auf die altbekannte Prophezeiung zum Untergang von Tyros im heutigen Libanon: „Siehe, ich will über Tyrus kommen lassen Nebukadnezar, den König zu Babel … Er wird mit Sturmböcken deine Mauern zerstoßen und deine Türme mit seinen Werkzeugen umreißen.“ Und weiter: „Ich will einen kahlen Felsen aus dir machen; du sollst ein Ort werden, wo man die Fischernetze ausspannt, und du sollst nicht wieder aufgebaut werden.”

Im von mir zitierten Teil (Gitt überspringt ihn großmütig) findet sich die exakte Vorhersage, wer denn die Stadt zerstören werde, nämlich „Nebukadnezar, König von Babel“. Nun hat dieser Nebukadnezar Tyros zwar belagert, aber nicht zerstört, und schon gar nicht zu einem „kahlen Felsen“ gemacht. Stattdessen haben sich die Bewohner nach einer langen Belagerung im Jahr 568 v.d.Z. ergeben und dann die babylonische Herrschaft akzeptiert.  Mal schauen, was Google Maps dazu sagt, wenn man „Tyros, Libanon“ eingibt …

Clipboard01Hm, nach „kahlen Felsen“ und „nicht wieder aufgebaut“ sieht das nicht aus. Wikipedia spricht von aktuell über 100.000 Einwohnern. Auch die Behauptung, dass Tyros auf die beschriebene Art und Weise untergehen und nie wieder aufgebaut würde, ist also offensichtlich unzutreffend. Gitts Behauptung, dass „nie eine biblische Weissagung durch historische oder wissenschaftliche Tatsachen widerlegt worden“ sei, erscheint immer absurder.

Fazit: Null zutreffende Prophezeiungen, null Beweise für den Bibel-Gott

Werner Gitt gibt in seinem Artikel 14 Beispiele für „eingetroffene Prophezeiungen“, die er für besonders überzeugend hält. Keine einzige hält einer näheren Betrachtung stand. Die Wahrscheinlichkeit, dass zu dieser „Leistung“ das Eingreifen eines Gottes notwendig ist, dürfte bei null liegen. Gitts prophetisch-mathematischer Gottesbeweis für die Korrektheit des Christentum ist gescheitert.

Ausschnitt aus MGEN-Podcast Folge 2017.01:

Die systematische Abwertung der Frau im Christentum

Ab und an liest man tatsächlich, dass Jesus nicht nur im Alleingang die Nächstenliebe erfunden habe, sondern gleich dazu noch die Menschenrechte, und dass das Christentum quasi nebenbei auch die Frauen befreit habe. Ob bei den so Argumentierenden Dreistheit oder Dummheit am Werk ist, bleibt oft unklar.

Dass Frauen und Männer gleichwertig sind, das ist im christlichen Europa erst seit wenigen Jahrzehten überhaupt ein Thema. Bis vor ein oder zwei Generationen galt, dass in einer Ehe der Mann automatisch „Haushaltsvorstand“ war, und dass in der Gesellschaft allgemein ganz selbstverständlich die Männer das Sagen hatten – die Älteren werden sich erinnern. Dieses Geschlechterverhältnis ergab sich schließlich direkt aus der Bibel: In der Schöpfungsgeschichte wird die Frau erst nach dem Mann, und dann auch noch nicht eigenständig, sondern aus dessen Rippe geschaffen. Später ist die Frau dann dafür verantwortlich, dass die Menschheit aus dem Paradies geworfen wurde und – je nachdem, welche Christen man fragt – mit der Erbsünde auch dafür verantwortlich, dass unsere Leben endlich sind, dass alle Menschen sterben müssen und dann vom Gott ewig in der Hölle gefoltert werden. Kein Wunder, dass man solchen Menschen die Autoschlüssel und die Hausratsversicherung lieber nicht anvertraut.

Auch im Neuen Testament hält sich der angebliche „Frauenbefreier“ Jesus mit belastbaren Aussagen zum Thema zurück – offenbar war diese Sache für ihn dann doch nicht allzu wichtig. Das würde gut passen, denn für Rabbi Jeschua, falls es ihn denn gab, war gar nichts Weltliches wichtig. Seine an seine jüdischen Glaubensgenossen gerichtete Botschaft, da sind sich wissenschaftlich arbeitende Neutestamentler einig, war „Das Ende der Welt steht unmittelbar bevor, und dann wird Gott Jahwe kommen und auf der Erde herrschen! Folgt mir, denn in dieses Reich Gottes kommt ihr nur durch mich!“

Paulus von Tarsus, der eigentliche Erfinder des Christentums, war mit seinen Anweisungen an die christlichen Gemeinden allerdings sehr deutlich (1 Kor 11):

Ich lasse euch aber wissen, dass Christus das Haupt eines jeden Mannes ist; der Mann aber ist das Haupt der Frau; Gott aber ist das Haupt Christi.

Der Mann aber soll das Haupt nicht bedecken, denn er ist Gottes Bild und Abglanz; die Frau aber ist des Mannes Abglanz. Denn der Mann stammt nicht von der Frau, sondern die Frau von dem Mann. Und der Mann ist nicht geschaffen um der Frau willen, sondern die Frau um des Mannes willen.

Im Paulus zugeschriebenen Brief an die Epheser (Eph 5):

Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist, die er als seinen Leib erlöst hat. Aber wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern unterordnen in allen Dingen.

Und weiter (1 Tim 2):

Eine Frau lerne in der Stille mit aller Unterordnung. Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre, auch nicht, dass sie über den Mann Herr sei, sondern sie sei still. Denn Adam wurde zuerst gemacht, danach Eva. Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber hat sich zur Übertretung verführen lassen.

Dass im Mittelalter, als das Christentum Europa für flockige 1.000 Jahre im eisernen Griff hatte, die Frauen den Männern gleichberechtigt waren, möchte wohl niemand behaupten. Obwohl es doch damals, als das Christentum sich über lange Zeit ohne Wenn und Aber durchsetzen konnte, eigentlich ideale Zustände hätten herrschen müssen. Inbesondere auch hinsichtlich der Menschen- und Frauenrechte. Merkwürdig, oder?

Wie dem auch sei, auf das Mittelalter folgte die Renaissance, abgewürgt von der Reformation und den daraufhin ausbrechenden Dreissigjährigen Krieg. Und, hat die Reformation der feministischen Sache weiter geholfen? Nun, zumindest der deutsche Chefreformator Martin Luther war in mittlerweile bester christlicher Tradition ein ausgewiesener Frauenfeind:

Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.

Es ist ein arm Ding um ein Weib. Die größte Ehre, die das Weib hat, ist, dass wir allzumal durch die Weiber geboren werden.

Die Ordnung fordert Zucht und eher, dass Weiber schweigen, wenn die Männer reden.

Wenn also weder die Autoren des Alten Testaments (a.k.a. „Gott“), noch Jesus, noch Paulus, noch Luther die Abwertung der Frauen beendet haben, wer hat denn dann die Frauen befreit? Das ist erst passiert, als die Frauen Schleier und Kopftuch ab-, die Bibel weggelegt, und dafür das Heft selbst in die Hand genommen haben, und zwar im Rahmen der Aufklärung. Zwei Jahre nach der zuerst nur auf Männer zugeschnittenen Deklaration der Menschenrechte (nicht durch Jesus, sondern durch die französische Nationalversammlung) forderte Olympe de Gouges mit ihrer Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin im Jahr 1791 dieselben Rechte und Pflichten für Frauen ein. Der Weg war weit, fast zweihundert Jahre lang bremsten die in der christlichen Tradition verhafteten europäischen Gesellschaften den Fortschritt so gut wie es ging aus. In der Schweiz wurde das Frauenwahlrecht sogar erst 1971 eingeführt. Mittlerweile sieht es langsam, ganz langsam so aus, als würde die Religion in dieser Sache aufgeben: Viele Protestanten erkennen mittlerweile Männer und Frauen als gleichwertig an. Der aktuelle Streit um die Nicht-Zulassung weiblicher Diakoninnen zeigt zusammen mit der Noch-Nicht-Einmal-Diskussion um das rein männlich besetzte Priesteramt, dass es in der römisch-katholischen Kirche mit Gleichberechtigung noch nicht allzu weit her ist.

Kein im Geiste der Aufklärung denkender, humanistischer Mensch würde Frauen den Männern als nachrangig betrachten. Viele Religiöse tun das auf Basis ihrer Heiligen Schriften aber heute noch.

Die beschriebenen Bibelstellen wurden zusammengetragen von Heinz-Werner Kubitza für sein sehr schönes Buch „Der Dogmenwahn – Scheinprobleme der Theologie“.

Dümmer geht’s nicht: Die „40 Fragen an die Evolutionisten“

Patriot University, Colorado Springs (Quelle: Wikipedia)

Als knallharte Killerargumente gegen die gottlose Evolutionslehre werden in evangelikalen Kreisen die „40 Fragen an die Evolutionisten“ gefeiert, die vom US-amerikanischen Kreationisten „Dr.“ Kent Hovind gesammelt wurden. Das „Dr.“ steht hier in Anführungszeichen, da Herr Hovind seinen Titel in einem vierwöchigen Studium an der „Patriot University“ erworben hat (siehe Foto). Die „Doktorarbeit“ ist verschwunden, irgendwie ist zufällig kein Exemplar mehr auffindbar. Herr Hovind selbst äußert sich zu dieser Sache nicht – was auch etwas schwierig wäre, da er zur Zeit wegen 58 Fällen von Steuerbetrug, Betrug und Konspiration für zehn Jahre im Gefängnis sitzt.

Aber lassen wir ab von unseren ad hominem-Attacken gegen den vom bösen Staat arg gebeutelten Prediger (Christenverfolgung!!), und kommen wir zurück zu den 40 Fragen. Sie sollen beweisen, dass der „Evolutionismus“ unrecht hat, dass also die Erde nicht 4,5 Millarden Jahre alt ist, und dass die Vielfalt des Lebens nicht durch natürliche Selektion entstanden ist. Stattdessen zeigt das Nachdenken über die Fragen für Herrn Hovind und seine kreationistischen Anhänger glasklar, dass die Welt vor etwa 6000 Jahren von Bibel-Gott Jahwe geschaffen wurde (und zwar – kein Scherz! – laut einschlägiger Experten am 22. Oktober 4004 v.d.Z., kurz vor dem Abendessen). Hier eine Auswahl:

In den Textbüchern unserer Kinder wird oft der Stammbaum der Evolution abgebildet. Warum hat dieser Baum keinen Stamm und Äste?

Wenn das Sonnensystem aus dem Urknall entwickelt hat, warum drehen sich mindestens drei Planeten rückwärts?

Warum ist die Materie nicht gleichmäßig wie bei einer Explosion im Raum verteilt, sondern unregelmäßig?

Woher kommt der Raum für das Universum? Wo hinein breitet es sich also aus?

Wenn die Gesteinsschichten wirklich verschiedene Zeitepochen repräsentieren, warum gibt es dann keine Zeichen von Erosion zwischen den einzelnen Schichten?

Warum sollte sich eine Pflanze bzw. ein Tier fortpflanzen wollen, wenn dies doch zu mehr Konkurrenz bzgl. der Nahrung führen würde?

Ist es nicht möglich, daß Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Tieren vielmehr auf einen gemeinsamen Schöpfer als auf einen gemeinsamen Vorfahren hinweisen?

 Ist es seriöse Wissenschaft zu glauben, daß Wasserstoff sich in Menschen entwickelt hat?

Und schließlich, sicher das beste Argument von allen:

Warum haben wir keine größeren Wüsten wenn doch die Wüsten jedes Jahr wachsen?

Tja, die Wüsten wachsen und drei Planeten drehen sich rückwärts. Nehmt das, ihr teufelsgläubigen Evolutionisten!!

(Quelle: Twitter, mit Dank an @littlewisehen)

Euer Gott kann uns gar nix!

Liebe Atheisten und andere Jahwe-Ungläubige,

von höchster Stelle haben wir bei MGEN soeben die Versicherung erhalten, dass die meisten von uns gegen die Macht der wilden Bibel-Gottheit Jahwe immun sind, und wir uns daher nicht vor Blitz, Donner und ewiger Höllenfolter zu fürchten brauchen. Denn (Richter 1.19):

Und der HERR war mit Juda, und er nahm das Gebirge in Besitz. Aber die Bewohner der Ebene waren nicht zu vertreiben, weil sie eiserne Wagen hatten.

Zumindest diejenigen von uns, vor deren Haus ein eiserner Wagen steht, sei es VW, Opel oder ein Japaner, sind also vor dem Zorn des Gottes sicher. Und die anderen können sich bestimmt beim Herannahen der Apokalypse noch schnell ein Mietauto sichern.

Videotipp: The God Who Wasn’t There

Eine Stunde Zeit? Dann schnell die Popcornmaschine angeworfen, auf dem Sofa niedergelassen und „The God Who Wasn’t There“ angeschaut.

Der US-amerikanische Dokumentationsfilm (englisch, ca. 60 Minuten) von Brian Flemming untersucht, ob der bejubelte Jesus von den Ur-Christen als realer Mensch im historischen Palästina angesehen wurde, oder ob sie ihn vielmehr als eine mythische Gestalt verstanden – wie etwa Dionysos, Herkules, Horus und andere Göttersohne. Die Behauptung, Jesus sei ein real existierender Mensch gewesen, der in Palästina um die Zeitenwende gelebt habe, sei erst viel später im Rahmen einer systematischen Umdeutung der Legende entstanden. Der Apostel Paul, der maßgeblich für die Verbreitung des Christentums über die Grenzen Palästinas gewesen sei, habe Jesus noch eindeutig als mystische Gestalt wahrgenommen – die von Flemming vorgebrachten Stellen aus den Apostenbriefen hierzu sind durchaus beeindruckend.

Flemming wundert sich darüber, dass viele Christen zwar die vermeintlichen Kernglaubenssätze kennen, aber über Ursprung und Verbreitung ihrer Religion kaum etwas wissen. Er kritisiert sowohl das „moderate Christentum“, dessen Glaubenssätze mit der Bibel kaum mehr zu rechtfertigen seien (hier fallen Parallelen zu den deutschen Durchschnittsprotestanten auf, die sich die ihrer Meinung nach maßgeblichen Bibelstellen nach gusto zusammen suchen und anderswo auf der Welt kaum als Christen erkannt werden dürften), als auch die fundamentalistischen Vertreter, deren Weltsicht beherrscht wird von Blutdurst, Folter, Höllendrohungen und Menschenopfern. Über die diversen Folterskandale US-amerikanischer Machart wird sich nach dem Anschauen des Films kaum mehr jemand wundern.

Fazit: Ein unterhaltsamer Film über die Ursprünge des Christentums und deren systematisches Verbiegen durch heutige Christen. Wer Religulous“ mochte, dem wird auch „The God Who Wasn’t There“ gefallen.

 

Zum Beweis der Nichtexistenz des Bibel-Gottes

Immer wieder hört man leider auch von Atheisten die Mär „Die Existenz des christlichen Gottes lässt sich nicht widerlegen“. Die Argumentation geht davon aus, dass die Nichtexistenz einer Entität grundsätzlich nicht zu beweisen sei – Weiteres Beschäftigen mit der Sache sei daher zwangsläufig fruchtlos und somit überflüssig.

Nichtexistenz kann aber auf zwei Arten bewiesen werden: Erstens empirisch und zweitens analytisch. Nichtexistenz empirisch zu beweisen ist sehr viel schwieriger als ein Beweis der Existenz – um schon die Nichtexistenz einer Bohnenkonserve in meinem Haus zu beweisen, müsste ich alle zumindest dosengroßen Verstecke gleichzeitig unter die Lupe nehmen und jeweils Dosenfreiheit zeigen. Zu einem erfolgreichen Existenzbeweis müsste ich lediglich eine Konservendose auf den Tisch stellen – fertig!

Der analytische Weg kann hier helfen. Zuerst auf abstrakter Ebene: Wer behauptet, dass eine Entität E existiert, der behauptet zugleich, dass deren Existenz möglich ist. Wir finden also eine Hypothese der folgenden Form:

Hypothese: „Die Existenz einer Entität E ist möglich. Definition: E hat die Eigenschaften A1, A2, …, An.“

Wenn man nun zeigen kann, dass die konstituierenden Eigenschaften A1, A2, etc. sich gegenseitig (oder bereits sicher bekannten Fakten) widersprechen, muss die Hypothese zurückgewiesen werden. „Konstituierend“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Entität ohne diese Eigenschaft nicht denkbar ist. So wird ein Stuhl ohne die Eigenschaft „hat Sitzfläche“ zur Stehhilfe, eine Einhorn ohne Horn und Jungfrauengesimsel zum Pferd, etc.

Doch zurück zur Hypothese: Sie bleibt durch einen Widerspruchsbeweis nicht bloß unbewiesen, sondern ist nun erwiesenermaßen falsch: E kann also nicht existieren. Man kann daher unter Umständen die Unmöglichkeit der Existenz einer Entität beweisen – und damit zugleich ihre reale Existenz auszuschließen.

Kann eine Form zugleich Kreis und Quadrat sein? – Nope!

Falls zum Beispiel jemand erzählt „Ich habe eine gezeichnete Form gesehen, die zugleich ein Quadrat und ein Kreis ist“, so verbirgt sich dahinter die Behauptung „Die Existenz einer Form ist möglich, die zugleich Kreis und Quadrat ist.“ – Die Definitionen von Kreis („null Ecken“) und Quadrat („vier Ecken“) widersprechen sich aber; so eine Form kann nicht existieren, die betreffende Person kann sie also auch nicht gesehen haben (das Menschenrecht auf Einbildung sei hier unbenommen).

Die Argumentation, dass der von Christen, Juden und Moslems verehrte Bibel-Gott Jahwe nicht existieren kann, ist supersimpel, wird immer wieder vorgebracht und ist von Religionisten nie auch nur im Ansatz widerlegt worden. Jahwe wird als allmächtiger Schöpfer der Welt beschrieben, der jeden einzelnen Menschen liebt und unendlich gütig ist. Hier verbirgt sich also folgende Hypothese:

„Die Existenz des Jahwe ist möglich. Jahwes definierende Eigenschaften sind: allgütig, allmächig, Schöpfer des Universums.“

Schon jetzt wird klar, dass sich die definierenden Eigenschaften widersprechen: Allein in Deutschland (Teil des von Jahwe geschaffenen Universums) erkranken jedes Jahr fast 2.000 Kinder an Krebs. In den betroffenen Familien entsteht unendliches, reales Leid, das sich weder wegdefinieren noch irgendwie auf den freien Willen der Beteiligten (der argumentative Notausgang der Theologen) zurück führen lässt. Wenn Jahwe nun allmächtig wäre, würde er in seiner unendlichen Güte und Liebe dieses Leid einfach so und ohne weitere Schwierigkeiten aufheben – tut er aber nicht. Die Entität kann also nicht allmächtig sein – oder wahlweise nicht allgütig.

Kann der Schöpfer des Universums zugleich allmächtig und allgütig sein? – Nope!

Wenn aber zumindest eine diese Eigenschaften wegfällt, dann ist Jahwe nicht mehr der Gott, auf dem die genannten Religionen aufbauen; übrig bleibt entweder eine Art gütiger Naturgeist oder der Gott der Deisten, der das Universum geschaffen und sich dann von den Menschen abgewandt hat. Mit dem Gott der Christen, Juden und Moslems hat diese Entität dann jedenfalls nichts mehr zu tun.

Fazit: Die Nichtexistenz einer Sache ist deutlich schwieriger zu beweisen als ihre Existenz. Wenn sich die Definition einer Sache jedoch selbst (oder bekannten Tatsachen) widerspricht, kann die definierte Entität nicht existieren. So ist es auch bei der Definition des Bibel-Gotts: Ganz offensichtlich ist keine für das Universum „zuständige“ Entität gleichzeitig allmächtig und allgütig. So eine Entität existiert nicht, der Gott der Christen ist widerlegt.

Dieser Blogpost entstand aus einer – letztlich erfolglos gebliebenen – Twitter-Diskussion zwischen dem von mir sehr geschätzten Skeptiker und Journalisten Sebastian Bartoscheck (@BartoCast) und mir (@MGENBlog).

Vermischte Anfragen: „Sind in der Bibel Uhren verboten?“

Viele Leute erreichen MGEN über Suchanfragen, die von WordPress.com brav mitgeschrieben und den Admins übersichtlich angezeigt werden: Täglich geben neugierige Menschen „Gottesbeweis mit DNA“, „Gott ist allmächtig“ oder „War Einstein religiös?“ bei Google ein und landen dann bei uns. Erstaunlich häufig findet sich auch die charmante Kombi „Kirchenfeinde Atheisten“.

Die meisten dieser Standardfragen werden in den Weiten des Internets ausführlich beantwortet; auf viele eher seltsame Suchanfragen finden die Ratsuchenden jedoch weder bei uns noch anderswo befriedigende Anworten. Um mit diesem Mißstand aufzuräumen, haben wir beschlossen eine Reihe ungewöhnlicher Suchanfragen aus dem Jahr 2013 zu bündeln und zu beantworten. Los geht’s!

warum sind im gefängnis bananen verboten?Diese Frage lässt sich wohl am besten mit dem Text einer anderen Suchanfrage beantworten: banane oberfläche rutschfest

warum hat gott wahle erschaffen? – Die armen Viecher sind enorm clever, aber verirren sich ständig, krepieren an Traumstränden und werden für etwas so Absurdes wie Lebertran abgeschlachtet. Ein allgütiger Gott hätte so etwas nie zugelassen. Gott hat also die Wale erschaffen um von seiner eigenen Existenz abzulenken.

gibt es atheisten in texas? – Ja, zum Beispiel in der Atheist Community of Austin, die sehr gute Podcasts wie The Non Prophets oder Godless Bitches anbietet, dazu die wöchentliche Fernsehshow The Atheist Experience, bei der sich anrufende Religionisten regelmäßig zum Affen machen.

grundgesetz, was gefällt dir? – Da diese Frage offensichtlich rhetorischer Natur ist, soll sie in der Sache unbeantwortet bleiben.

„Sind in der Bibel Uhren verboten?“

wo gibt es nackte jünglinge? – Nach kurzer Beratung zu Ihrer wahrscheinlichen Motivationslage empfehlen wir ein Besuch im Berliner Berghain oder in der Münchener Sauna Deutsche Eiche.

sind in der bibel uhren verboten? – Ja, insbesondere Handywecker mit aufdringlichem Klingelton, von denen das ganze Haus an Samstagen um halb sieben geweckt wird.

hat jesus ofter gelebt? – Da es offenbar zwei oder drei historische Vorbilder für die Geschichten über Jesus gibt, könnte man interpretieren: Ja, es gab wahrscheinlich mehrere Jesusse. Oder eben auch gar keine. Sollte Gott seine Söhne zur Übersicht alphabetisch benannt haben, gibt es sogar mindestens zehn Jesusse: Asus, Besus, Cesus, …

glaubt papst benedikt nicht an gott? – Da er sich ausführlich mit Theologie und der Entstehungsgeschichte des Christentums beschäftigt hat, wahrscheinlich nicht, nein.

warum kennen sich die meisten nicht mit ihrer religion aus? – Siehe oben; wer sich mit den Grundlagen und der Entstehungsgeschichte einer Religion beschäftigt, glaubt ziemlich schnell nicht mehr an an die alten Geschichten.

wie behauptet man sich gegenüber einem atheisten? – Man gibt ihm ein Bier aus. Dann ist er glücklich.

er hat maria bis nach bethehem getragen und ist nicht so dumm wie man meint – Dem kann man nur zustimmen. Vielleicht.

glaubt justin bieber ganz fest an gott? – Ja, Justin Bieber ist ein guter Christ. Sie können daher Ihrem Kind ganz beruhigt den Genuss seiner Musik erlauben.

„Warum hat man das was man nicht will?

sind esoteriker mit satan im bunde ohne es zu wissen? – Die entscheidende Frage ist doch eher, ob Satan davon weiß.

das christentum ist allen anderen religionen überlegen – Aufgeklärte Toleranz war schon immer ein Markenzeichen aller Religionen. Hierzu passt auch dieses schöne Statement: alla ist und bleuibt allmachtig!

wie lebt man mit einem mann der nicht glaubt? – Man gibt ihm ab und zu ein Bier aus. Möglicherweise von derselben Person stammt auch die skeptische Frage mal schauen = nein beim mann?

was kann man nicht wenn man an maria glaubt? – Wenn man an Maria glaubt, kann man nicht gleichzeitig nicht an Maria glauben. Obwohl – geübte Christen schaffen wahrscheinlich auch das.

welche religionen haben beweise dafür dass ihre religion richtig ist und nicht nur durch glauben allein besteht? – Fragen Sie mal die Priester. Sie werden feststellen: Alle haben Beweise! Das ist ja eben der Witz an Religionen.

esoterik warum hat man das was man nicht will? – Sollten Sie eine belastbare Antwort auf diese Frage finden, melden Sie sich bitte bei uns. Wir wären sehr dankbar.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern schöne Feiertage und einen guten Start ins Jahr 2014. Diesen Post beenden wir mit der folgenden, absolut nachvollziehbaren Aussage: blöde religionen atheisten islamisten juden christen!