MGEN-Podcast Folge 35: Die 615 Gebote Gottes (Sonderfolge Judentum, Teil 3)

Willkommen zu Man Glaubt Es Nicht!, dem Podcast über Religion und andere Esoterik, zu gesellschaftlichen und politischen Themen aus atheistischer und humanistischer Sicht. Die aktuelle Folge findet ihr weiter unten in diesem Artikel, per RSS, Spotify, iTunes oder SoundCloud.

In dieser Folge setzen wir zum dritten (zweieinhalbten?) Mal die Kippa auf und beschäftigen uns mit verschiedenen Aspekten des Judentums. Unsere Themen:

  • (0m31s) Christentum als Ursprung und Hort des Antisemitismus: Die ersten 2000 Jahre
    (Reinhold Schlotz, „Von Golgatha nach Auschwitz. Die Mitverantwortung des Christentums für den Holocaust“ 125 S., Alibri Verlag)
  • (56m42s) Alles anders, alles neu? Antisemitismus im 21. Jahrhundert

Fragen oder Anmerkungen, Themenvorschläge oder Beschimpfungen bitte unter diesem Artikel in den Kommentaren hinterlassen oder an mgenblog@gmx.de. Falls ihr mögt, bewertet unseren Podcast doch bei iTunes und abonniert ihn bei

Und hier noch das Segment „Christentum als Ursprung und Hort des Antisemitismus“ einzeln:

 

MGEN-Podcast Folge 34: Die 614 Gebote Gottes (Sonderfolge Judentum, Teil 2)

Willkommen zu Man Glaubt Es Nicht!, dem Podcast über Religion und andere Esoterik, zu gesellschaftlichen und politischen Themen aus atheistischer und humanistischer Sicht. Die aktuelle Folge findet ihr weiter unten in diesem Artikel, per RSS, Spotify, iTunes oder SoundCloud.

In dieser Folge setzen wir zum zweiten Mal die Kippa auf und beschäftigen uns mit verschiedenen Aspekten des Judentums. Unsere Themen:

  • (03’52“) Das Bühnenbild: Der Untergang der Bronzezeit-Zivilisation
  • (17’01“) Hörer beschimpfen Podcaster, Sonderedition
  • (21’22“) … in a galaxy far away: Die Ursprünge des Judentums – Heilsgeschichte
  • (48’19“) … in a galaxy far away: Die Ursprünge des Judentums – Archäologie

Fragen oder Anmerkungen, Themenvorschläge oder Beschimpfungen bitte unter diesem Artikel in den Kommentaren hinterlassen oder an mgenblog@gmx.de. Falls ihr mögt, bewertet unseren Podcast doch bei iTunes und abonniert ihn bei

MGEN-Podcast Folge 33: Die 613 Gebote Gottes (Sonderfolge Judentum, Teil 1)

Willkommen zu Man Glaubt Es Nicht!, dem Podcast über Religion und andere Esoterik, zu gesellschaftlichen und politischen Themen aus atheistischer und humanistischer Sicht. Die aktuelle Folge findet ihr weiter unten in diesem Artikel, per RSS, Spotify, iTunes oder SoundCloud.

In dieser Folge beschäftigen wir uns mit verschiedenen Aspekten des Judentums. Unsere Themen:

  • 02m51s: Das Judentum heute: Ethnische Gruppen und die fünf Zweige
  • 23m42s: Nächstes Jahr in Jerusalem: Was ist Zionismus?
  • 45m25s: Die Quellen: Tora, Tanach und Talmud
  • 1h02m58s: Unorthodox von Deborah Feldman: Eine Frau steigt aus
  • 1h36m51s: Die Schwester der Nichte der Tochter: Die 613 Gebote Gottes

Fragen oder Anmerkungen, Themenvorschläge oder Beschimpfungen bitte unter diesem Artikel in den Kommentaren hinterlassen oder an mgenblog@gmx.de. Falls ihr mögt, bewertet unseren Podcast doch bei iTunes und abonniert ihn bei

„Was wirst du Gott sagen, falls doch wahr ist was in der Bibel steht?“

Der  Kommentator Grave Keeper stellte auf dem MGEN-Youtube-Kanal die folgende Frage:

„Nur so hypothetisch genommen: Was wirst du GOTT sagen, wenn doch wahr ist was in der Bibel steht? Denn jeder von uns muss mal sterben — und wenn es einen GOTT gibt, dann lebt jeder Mensch gefährlich auf der Erde, wenn er meint dass es ihn nicht gibt.“ (Hier die vollständige und unkorrigierte Version)

Da muss ich nicht lange nachdenken, denn Bibelgott Jahwe würde ich gern mal ein paar Fragen stellen: „Dear Sir or Madam, schämen Sie sich eigentlich überhaupt nicht? Wie können Sie zulassen, dass allein in Deutschland jedes Jahr 2000 kleine Kinder an Krebs erkranken? Wie können Sie quer durch die Geschichte Millionen und Abermillionen Menschen an Polio verrecken lassen oder an Typhus? Wieso müssen zigtausendfach kleine Kinder ertragen von Ihren Priestern systematisch vergewaltigt zu werden? Wie konnten Sie im Jahr 2004 den Weihnachtstsunami schicken und innerhalb von ein paar Stunden eine Viertelmillion Menschen ersäufen? Sie sind der größte Massenschlächter der Weltgeschichte.

Nein, nein, reden Sie sich nicht raus! Als allmächtiger Schöpfer des Universums sind Sie für das Wohlergehen Ihrer Kreaturen verantwortlich! … Der freie Wille? Wieso zählt nur der freie Wille der Pädopriester und nicht der Wille der verzweifelten Kinder? Wieso dürfen tyrannische Nazis sich frei zum Massenmord entscheiden, aber deren Opfer nicht entscheiden in Frieden zu leben? Und welche Rolle soll der freie Wille spielen bei Naturkatastrophen oder Infektionskrankheiten?

Der einzige, der dabei frei entscheiden konnte, das waren ja wohl Sie. Und Sie haben sich entschieden Ihren Kreaturen massenhaftes und systematisches Leid anzutun. Als allmächtiger Weltenschöpfer hätten Sie all dieses Leid, das Dahinsiechen und das Morden mit einem einzigen Fingerschnippen einfach so verhindern können. Haben Sie aber nicht. Stattdessen haben Sie sich zurück gelehnt und alles mitangesehen. Ihre Gleichgültigkeit und Ihre Arroganz kennen offenbar keinerlei Grenzen. Sie bezeichnen sich als allgütig, aber Sie sind ein brutaler Folterer. Sie haben den Begriff Gerechtigkeit so lange verdreht, bis er mit Willkür synoym ist. Widerlich. Schämen Sie sich!“

Okay, Grave Keeper, beantwortet das deine Frage hinreichend? Da das Gottesbild der Bibel in sich widersprüchlich ist — und damit logisch ausgeschlossen ist, dass Gott Jahwe existiert — wird diese Konversation niemals stattfinden. Eigentlich fast schade.

Zum Abschluss habe ich auch eine Frage an dich, Grave Keeper: Was wirst du sagen, wenn du nach deinem Tod vor Lord Krishna stehst? Der wäre nämlich ziemlich sauer auf dich, weil du dein Leben lang einem falschen Götzen gefolgt bist. Und das, obwohl doch klar ersichtlich war, dass der Hinduismus die einzig wahre Religion ist — eine Milliarde Hindus haben das schließlich auch verstanden. Aber vielleicht wirst du ja auch nicht vor Krishna stehen, sondern vor Zeus oder Odin, oder Allah, oder Baal, oder Isis und Osiris, Anuk, Marduk, Tlaloc, Chaac oder einer traurig den Kopf schüttelnden Inkarnation des Buddha. Was wirst du sagen, wenn Mithra dich zur ewigen Feuerfolter verurteilt, weil du die wahren Göttern geleugnet und stattdessen ein Phantom verehrt hast? Angesichts all dieser schlecht gelaunten Göttergestalten, lebst du als Jahwe-Anhänger nicht ziemlich gefährlich?

Ich bin gespannt auf deine Antwort.

35 Gottesbeweise geprüft: Alle falsch!

Im Laufe von vier Jahren haben wir in diesem Blog 35 angebliche Beweise für die Existenz von Göttern, insbesondere für die Existenz des jüdisch-christlich-islamischen Bibel-Gotts Jahwe, näher betrachtet. Diese Argumente werden von Theisten immer wieder vorgebracht um die Korrektheit ihres Glaubens und ihrer Religion zu beweisen. Auf Basis dieser „Beweise“ sehen die Religionisten sich als Hüter ewiger Wahrheiten und Wahrer der „Gesetze Gottes“, die sie nicht nur selbst befolgen, sondern auch – mit struktureller Gewalt über Normen und Gesetze, oder im Zweifel auch mit Macheten und Sprengstoffgürteln – der gesamten Gesellschaft aufdrücken wollen.

Diese „Beweise“ sind jedoch Illusion, kein einziges Argument ist schlüssig. Es gibt im Gegenteil durchaus solide Ansätze (hier und hier), die beweisen, dass zumindest Bibel-Gott Jahwe nicht wie behauptet existieren kann, die abrahamitischen Religionen also ohne jede Faktenbasis sind.

Eigentlich ist dazu alles gesagt. Die religiösen Argumente wiederholen sich, und mit ihnen die dahinter stehenden unwahren Behauptungen und logischen Fehler. Lohnt sich die Mühe auch noch einen vierzigsten und fünfzigsten „Beweisgang“ anzuschauen?

Hier sind die betrachteten Gottesbeweise im einzelnen, lose geordnet nach Typ des zentralen Arguments:

MGEN-Podcast Folge 2017.01: 1,7 × 10^-984

Willkommen zu unserem Podcast über Religion und andere Esoterik, zu gesellschaftlichen und politischen Themen aus atheistischer und humanistischer Sicht. Die Tonqualität ist diesmal nicht so gut geworden, entschuldigt bitte. Unsere Themen im Januar 2017:

  • Gehackt von Putin: Heute kein Bodycount des Friedens
  • Was ist Gott? Die Süddeutsche Zeitung fragt, Horst Seehofer antwortet
  • Schwangerschaftsabbrüche und Krankenhäuser in kirchlicher Trägerschaft
  • Vornehmstes Ziel der Erziehung: Gottesfurcht in den deutschen Verfassungen
    (Ausführliche Liste siehe hier)
  • Das Atheistische Quartett: Angst vor der Wahrheit von Paul Boghossian – Sind Wahrheiten wirklich wahr oder kann sich jeder seine eigenen Fakten backen?
  • Spaß mit der Bibel: Oberkreationist Werner Gitt beweist die Korrektheit des Christentums mithilfe der „3268 erfüllten Prophezeiungen“ der Bibel

Der RSS-Feed für den Podcast findet sich hier. Die Folge lässt sich auch bei iTunes oder direkt bei Soundcloud anhören und auch als mp3 herunterladen. Fragen oder Anmerkungen könnt ihr unter diesem Post in den Kommentaren hinterlassen oder per EMail an mgenblog@gmx.de auf den Weg bringen. Falls ihr mögt, bewertet unseren Podcast doch bei iTunes.

Best of Suchanfragen 2016: Luther und die Hamsterpornos

Hier in der geheimen MGEN-Zentrale sind wir daran gewöhnt, kluge Fragen von Leserinnen und Lesern, und seit diesem Jahr auch von Hörerinnen und Hörern zu beantworten. Viele dieser Fragen trudeln ein per Kommentarfunktion, per Twitter oder bei unserem Youtube-Kanal, manchmal auch als EMail. Die weitaus meisten Anfragen kommen jedoch per Suchmaschine: 15,906 Mal haben ratsuchende Leute im Jahr 2016 Suchbegriffe bei Google und Konsorten eingegeben und sind dann auf den MGEN-Seiten gelandet. Häufig sind das dann Fragen wie „gibt es übernatürliches?“, „war albert einstein christ?“ und – erstaunlich oft und für uns ohne jeden erkennbaren Bezug – „wo ist hamster porno?“

Manche Fragen wurden im vergangenen Jahr aber auch nur ein einziges Mal gestellt. Da wir vermuten, dass die Ratsuchenden auf diese sehr seltenen Fragen anderswo möglicherweise keine befriedigenden Antworten gefunden haben, und daher quasi aus Verzweiflung die MGEN-Seiten angesurft haben, wollen wir im Folgenden einige dieser einmaligen Suchanfragen exklusiv beantworten.

hat gott name in dna geschrieben? – Nein, das ist ein weit verbreitetes Mißverständnis: Gott hat seinen (geheimen) Namen nicht in die menschliche DNA geschrieben. Stattdessen finden Sie ihn verschlüsselt in der Zahl Pi. Das ist ein recht offensichtliches Versteck, denn immerhin ist Pi die wichtigste Zahl überhaupt. Dort finden Sie übrigens auch die Telephonnummer der MGEN-Zentrale, womit bewiesen wäre, dass wir Gott sind. Rufen Sie doch mal an, wenn Sie mögen.

läst gott uns leiden um uns zu eziehen? – Kann sein, dann ist er aber ein Sausack und verdient keinerlei Verehrung. Es existiert ganz offensichtlich keine allmächtige und allgüte Entität, die sich für das Universum zuständig fühlt.

wieso glaube ich dass ich übernatürliche kräfte habe? Möglicherweise, weil Sie wirklich übernatürliche Kräfte besitzen. Das ist nicht so ungewöhnlich, wie Sie vielleicht denken. Ich selbst kann zum Beispiel durch die Zeit reisen. Allerdings nur mit einer konstanten Geschwindigkeit und auch nur in die Zukunft. Aber immerhin.

wieso verstehe ich die prophezeiungen der bibel nicht?

in welcher religion darf man rauchen? – Fast alle großen Religionen haben eine lange und schöne Tradition des gemeinschaftlichen Rauchens, die inbesondere auch Un- oder Falschgläubige einschließt: Im Christentum raucht man auf dem Scheiterhaufen, im Islam raucht man in Folge von Selbstmordattentaten, bei den Buddhisten gibt es die schöne Tradition des Selbstanzündens aus Protest gegen Schlechtbehandeltwerden. Wenn ein Jainist dagegen es einem so richtig zeigen will, dann hungert er sich selbst zu Tode – hier ist also nicht klar, ob Rauchen gern gesehen ist. Für’s Judentum sind mir keine einschlägigen Regeln bekannt, allerdings wurde in alten Zeiten durchaus auf Altären gezündelt. Im Hinduismus gibt es zumindest Räucherstäbchen.

kann mann heut zu tage mit übernatürlichen kräften geboren werden? – Ja, kann man, das ist erwiesen. Ich selbst bin zum Beispiel in bestimmten Situationen hellsichtig. Ich kann Ihnen daher prophezeien, dass die nächste Suchanfrage wieder von Hamsterpornos handeln wird.

gibt es deutsche hamsterpornos? – Es ist sehr schwierig geworden deutschsprachige Hamster zu finden, die bereit sind für die in der Branche üblichen Stundensätze in entsprechenden Filmen mitzuspielen. Man greift daher zumeist auf tschechische Hamster zurück und synchronisiert die Dialoge nachträglich.

sind die zehn gebote vom aegyptischen totenbuch abgeschrieben? – Urteilen Sie selbst: „Ich habe kein Unrecht gegen Menschen begangen. Ich habe keinen Gott gelästert. Ich habe nicht getötet. Ich habe niemandem ein Leid zugefügt. Ich habe keine Unzucht getrieben. Ich habe nicht gestohlen. Ich war nicht habgierig. Ich habe nicht die Unwahrheit gesagt. (Totenbuch, Sprüche 125)“ Bevor Sie jetzt ob Ihrer neuen Entdeckung in Jubelschreie ausbrechen, überlegen Sie mal, ob überhaupt eine funktionierende Gesellschaft denkbar ist, in der Mord, Diebstahl und Meineid nicht sanktioniert werden.

was ist theodisse? – Ja, das „The O“ war in der Tat eine Diskothek in Köln. Aber das ist schon sehr lange her.

glaubt man heute noch an den teleologischer gottesbeweis? – Nein. Teleologisches Denken setzt voraus, dass alle Dynamik in der Welt auf ein ganz bestimmtes Ziel hin gerichtet ist, dass alles Leben von einem gemeinsamen Willen beseelt ist. Das ist aber ganz offensichtlich nicht so, daher spielen teleologische Argumente außerhalb von Kindergärten und sehr enger kreationistischer Kreise heute keine Rolle mehr. Beobachten Sie’s mal: Wenn kleine Kinder spielen, dann sehen sie alles in der Welt als beseelt an: Teddybären, Puppen, Autos, etc. Alles um sie herum agiert und reagiert und hat einen eigenen Willen. In der Regel wächst man aus dieser teleologischen Weltsicht spätestens bis zur Einschulung heraus. Kreationisten allerdings nicht.

ist man noch christ wenn man pornosüchtig ist?

wie töte ich übernatürliches? – Wenn Sie sich bereits in den Kopf gesetzt haben irgendwas oder irgendwen töten zu wollen, dann empfehle ich Ihnen, das auf dem Wege des Gebets zu erledigen. Beten Sie ganz doll und konzentriert, am besten mindestens zwölf Stunden am Tag. Wenn Sie sich lang genug intensiv mit dem Gebet beschäftigen, wird das eigentliche Problem ganz sicher neutralisiert.

kann man beweisen dass das bewusstsein ewig existiert? – Nein, das kann man nicht, weil es das nicht tut. Der Krawalltheologe Robert Spaemann hat’s jahrzehntelang probiert, hat nicht funktioniert.

mag luther juden muslime frauen? – Wie Sie sicher aus dem Geschichtsunterricht wissen, gab es zu Luthers Zeiten weder Muslime noch Frauen. Juden gab es damals natürlich schon, aber nur in Amerika. Da Martin Luther ein großer USA-Fan war, mochte er also sehr wahrscheinlich auch Juden.

So viel zu den einmaligen Suchanfragen des Jahres 2016. Bleibt noch, uns bei unseren Leserinnen und Lesern zu bedanken und allen eine schöne Weihnachtszeit, einen guten Rutsch und ein frohes neues Jahr 2017 zu wünschen. Es kann eigentlich nur besser werden. Zum Abschluss noch eine Suchanfrage, die uns sehr aus dem Herzen spricht und das Jahr 2016 gut zusammenfasst: überall religiöse dummheiten bescheuerte atheisten!

Das kosmologische Kalām-Argument für die Existenz Gottes

Das Kalām-Argument für die Existenz eines Gottes ist im Wesentlichen ein sprachlicher Trick, der die allzu offensichtlichen Fehler des klassischen kosmologischen Arguments verschleiern soll. Das kosmologische Argument geht so:

„Nichts ist von sich selbst verursacht. Alles Existierende hat eine Ursache. Dies führt zu einem Regress. Dieser Regress wird durch eine erste Ursache begrenzt, diese nennen wir Gott.“

Religionisten, die so argumentieren, werden meist schon durch ein einfaches „Woher weißt du das?“ aus dem Konzept gebracht. Es ist ja klar: So ein hochkomplexes, mächtiges Wesen wie ein Gott, wie ist das entstanden? Was ist seine Ursache? Der Gott, hören wir dann, sei ewig und ungeschaffen. Eben wurde aber noch vorausgesetzt, dass nichts ursachenlos existieren kann. Der ursachenlose Gott existiert also nicht. Das kosmologische Argument entpuppt sich als Zirkelschluss.

Um das Problem mit diesem infiniten Regress zumindest notdürftig zu stopfen (und dies ist nur eins von vielen Problemen mit dem kosmologischen Beweis), wurde das Kalām-Argument entwickelt:

(P1) Alles, was zu existieren beginnt, hat eine Ursache für seine Existenz.
(P2) Das Universum begann zu existieren.
(S1) Daher: Das Universum hat einen Ursache für seine Existenz, diese nennen wir Gott.

Darauf folgt in der Regel eine sehr lange, umständliche Begründung von P2, während P1 allenfalls als „trivial“ abgetan wird. Hm, soll mit dieser ausführlichen Beschäftigung etwa von P1 abgelenkt werden?

Ja, in der Tat. Die Religionisten werfen hier nämlich mehrere Bedeutungen des Begriffs „Ursache“ in einen Topf. In der alltäglichen Verwendung hat tatsächlich „alles“ eine Ursache oder einen Schöpfer: Bilder werden von einem Maler gemalt und Autos in einer Fabrik gebaut. Bei dieser Schöpfung oder Ursache handelt es sich aber lediglich um eine Umwandlung bestehenden Materials, eine creatio ex materia: Aus Leinwand und Pigment wird mithilfe eines Pinsels ein Bild, dieser Prozess ist seine Ursache, der Maler sein Schöpfer. Ebenso wird aus Metallerzen und Kohlenstoffen durch Prozesse wie Schmelzen oder Formen ein Auto.

Dieser ex materia Begriff “Ursache” ist jedoch völlig verschieden von der im zweiten Teil des Kalam-Arguments verwendeten Schöpfung ex nihilo, also der behaupteten Schöpfung des Universums aus dem Nichts, dem Nicht-Sein. Durch dieses Springen zwischen Bedeutungen soll der Eindruck erweckt werden, dass die Entstehung des Universums als creatio ex nihilo ebenso eine Ursache voraussetzt wie die einfache Umwandlung von Materie, die creatio ex materia.

Diese versteckt eingebrachte Behauptung ist aber komplett ohne Hinweise auf ihre Korrektheit: Tatsächlich weiß niemand, ob das Universum eine Ursache haben muss, denn niemand hat jemals so eine creatio ex nihilo beobachtet oder damit experimentiert. Es gibt solide Anzeichen dafür, dass man auch ohne externe Ursache auskommt: Kosmologen vermuten natürliche Raumfluktuationen, aus denen aus dem Nichts spontan und völlig ursachenlos Elementarteilchen entstehen, aus denen sich die Welt aufbaut.

Die Religionisten spielen also mit der Erwartung der Leser: Zuerst wird die intuitive Bedeutung des Begriffs „Ursache“ eingeführt, dann zur kosmologischen Bedeutung gewechselt und schließlich so getan, als ob beide Bedeutungen, also creatio ex nihilo und creatio ex materia, das gleiche meinen. Tun sie aber nicht. Ehrliche Religionisten müssten stattdessen versuchen nachzuweisen, dass auch so eine Schöpfung aus dem Nicht-Sein eine Ursache benötigt. Das tun sie aber nicht.

Und selbst, falls das irgendwann irgendwem irgendwie gelingen sollte: Die Bezeichnung einer irgendwie gearteten Ursache des Universums als „Gott“ ist völlig willkürlich. Der logische Sprung von der unpersönlichen Urkraft hin zu Bibel-Gott Jahwe mitsamt Bundeslade, Jesus und Marienwundern – dieser Sprung ist unendlich weit und bleibt völlig ohne jeden Beleg.

Falls sich jemand für einen aktuellen Überblick über den Stand der Forschung im Bereich Kosmologie und speziell für die Vakuumfluktuationen als Quellen der Materie interessiert, empfiehlt sich Lawrence Krauss‘ kurzes Buch „Ein Universum aus dem Nichts„.

Zwischenstand bei den Gottesbeweisen: 0 – 20

Seit etwa zweieinhalb Jahren schauen wir uns im Rahmen dieses Blogs Argumente für die Existenz des jüdisch-christlich-islamischen Bibel-Gottes Jahwe an, wie sie von Theisten immer wieder vorgebracht werden. So ein Beweisgang besteht in der Regel aus einer Reihe von Annahmen und daraus hergeleiteten logischen Schlüssen. Am Ende steht dann meist ein „Und daraus folgt: Die Gottheit Jahwe existiert!“

Damit ein Beweis stimmt, müssen naheliegenderweise sowohl die Annahmen als auch die logischen Herleitungen korrekt sein. Sind die Annahmen unzutreffend oder die Schlüsse unlogisch, ist der Beweis falsch. Das bedeutet dann natürlich noch lange nicht, dass das Gegenteil gelten muss, also der jeweilige Gott ganz sicher nicht existiert – lediglich der Beweis für die Existenz ist im Einzelfall gescheitert.

Bei den betrachteten Ansätzen zeigen sich immer wieder dieselben logischen Fehler (oder Fallen?) Oft wird die Existenz einer Gottheit trickreich formuliert in den Annahmen eingebracht – und dann am Ende triumphierend geschlussfolgert! Sehr schön klar wird das beim ontologischen Beweis. Etwas vereinfacht:

(A1) Der Gott ist das Wesen mit der perfekten Kombination von Eigenschaften.
(A2) Ein Wesen ohne die Eigenschaft „Existenz“ ist nicht perfekt.
(S) Der Gott hat die Eigenschaft „Existenz“, existiert also.

Derart vom rhetorischen Gestrüpp befreit wird klar, dass (A1) die Existenz einer Gottheit bereits versteckt voraus setzt. Ein ehrliche Formulierung müsste lauten:

(A1) Der Gott existiert. Er ist das Wesen mit der perfekten Kombination von Eigenschaften.

Dass daraus dann „Der Gott existiert!“ folgert, wird niemanden überraschen.

Ein zweiter üblicher Logikfehler ist der Sprung von „der Gott existiert“ zu „darum ist meine Religion richtig!“ Die bekannten Gottesbeweise versuchen lediglich die Existenz irgend eines göttlichen Wesens zu beweisen. Der logische Sprung zu „das ist Jahwe, der Gott des Christentums, das daher stimmt!“ ist völlig willkürlich und erfolgt ohne jede Begründung. Mit genau der gleichen Berechtigung könnte man zu Krishna springen, zu Zeus oder Papa Schlumpf. Fragt man hier nach, hört man oft die eher unbefriedigende Antwort “Das steht in der Bibel, an deren Wahrheit glaube ich ganz fest.”

Von den bislang angeschauten Beweisen für die Existenz von Göttern war kein einziger korrekt. Hier sind sie im einzelnen:

Also haben wir (je nach Zählung, einiges wiederholt sich) 20 bis 25 der bekanntesten und meist verwendeten Gottesbeweise angeschaut – bislang war kein einziger schlüssig. Im Gegenteil: Wir haben einige durchaus solide Ansätze (hier und hier) gezeigt, die beweisen, dass zumindest die Gottheit Jahwe nicht wie behauptet existieren kann.

In der Sammlung fehlen noch eine Reihe von Argumenten, wie zum Beispiel das Transzendentale Argument für Gott (TAG) und das Kalam-Argument, eine etwas verschwurbelte Version des kosmologischen Beweises. Daneben verdienen auch noch die in den USA aktuell als chic geltenden Präsuppositionisten eine nähere Betrachtung. Es bleibt also spannend – wer weiß, vielleicht ist ja doch noch ein gültiger Beweis für die Existenz (zumindest irgend einer) Gottheit dabei …

Hallelujah: Schlüssiger Gottesbeweis gefunden!

Nach 2.000 Jahren des Suchens, Betrügens und Lügens haben die Theisten endlich einen schlüssigen Beweis für die Existenz ihres Gottes gefunden. Hier ist er:

(P1) Entweder es gibt Gott oder es gibt keine runden Kreise.
(P2) Wenn alle Kreise runde Ecken haben, dann geschieht ein Wunder.
(P3) Es geschieht ein Wunder.
(K) Also: Es gibt Gott.

Ich muss zugeben: ich bin von der tiefgründigen Weisheit und Spiritualität des Beweisgangs begeistert – und ab sofort natürlich auch selbst inbrünstiger Theist. Die zweifelnden Kommentare unter dem zitierten Artikel sind allesamt kleinkrämerische Mäkelei und haben hässliche Ohren.