Über die DITIB – Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion

Viele Menschen sehen es sehr kritisch: Eine zahlenmäßig bedeutende religiöse Gemeinschaft in Deutschland untersteht dem mehr oder minder direkten Einfluss einer ausländischen Macht, einer Diktatur sogar, die nicht nur im eigenen Staat, sondern auch anderswo Einfluss auf Gewissen, Moralvorstellungen und privateste Lebensentscheidungen der Gläubigen nehmen möchte. Die inneren Verhältnisse sind weder demokratisch noch transparent, insbesondere wird die Funktionärselite aus dem Ausland ernannt und nicht etwa von den Mitgliedern gewählt. Die Organisation unterhält Gebets- und Unterrichtsstätten und trägt in großem Rahmen soziale und kulturelle Angebote. Tarnt sich hier eine Organisation als soziale Einrichtung, obwohl es  den streng hierarchisch organisierten Hauptamtlichen eigentlich nur um das Durchdrücken der eigenen Glaubenssätze geht und um Einfluss auf Politik und Gesellschaft im Gastland?

Einerseit gibt man sich butterweich, schließt Staatsverträge und streicht gern staatliche Förderungen ein, andererseits lehnt man aber jeden mäßigenden Einfluss auf die eigene, im Kern totalitäre Ideologie ab. Dazu kommt, dass Frauen in vielen Bereichen immer noch als nachrangig angesehen werden, und Homosexualität vielen Predigern noch als schwere Sünde gilt.

Es stimmt, in den letzten Jahren wird verstärkt Wert gelegt auf Integrationsbereitschaft, religiös motivierte Gewalt wird verurteilt — eine erfreuliche Entwicklung. Andererseits gibt es ein ausgesprochen fragwürdiges Verhältnis zur eigenen Historie: Im Bereich Antisemitismus z.B. ist man immer noch nicht bereit Verantwortung für eigene, weitreichende Verfehlungen zu übernehmen.

Denkt man genauer darüber nach, wird klar: Es sind ganz schön krasse Sonderrechte, die sich eine religiöse Organisation herausnimmt — und das, obwohl dieser Laden in Deutschland nur eine Minderheit der Bevölkerung vertritt. Es stellt sich die Frage, ob wir als aufgeklärte Menschen dies in Zukunft weiterhin unwidersprochen hinnehmen sollten. Ich bin daher der Meinung, dass Deutschland als freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat den Einfluss und die Sonderrechte der Römisch-Katholischen Kirche systematisch zurückschneiden sollte.

MGEN-Podcast Folge 2017.07: Viel zu schwierig!

Willkommen zu unserem Man Glaubt Es Nicht!-Podcast über Religion und andere Esoterik, zu gesellschaftlichen und politischen Themen aus atheistischer und humanistischer Sicht. Unsere Themen im Juli 2017:

  • Kinder verdummen: Türkei streicht die Evolution aus dem Lehrplan
  • Hilfe, wir islamisieren uns schleichend: Zwar nur 5% Muslime in Deutschland, trotzdem Grund zur Panik?
  • Hilfe, wir reformieren den Islam zu Tode: Die Frauenrechtlerin und Juristin Seyran Ateş gründet in Berlin die liberale Ibn Rushd-Goethe-Moschee
  • Verdacht auf Kindesmissbrauch: Vatikan-Finanzchef George Pell legt Amt nieder
  • Der Christliche Mega-Pflaumensturz of Doom: Hasskommentare zur Ehe für alle
  • Das heitere Definitionsstündchen: Theismus, Atheismus und Antitheismus
  • Hörer beschimpfen Podcaster: Keine Ahnung von der Materie, aber Leute als dumm abstempeln

Der RSS-Feed für den Podcast findet sich hier. Die Folge lässt sich auch bei iTunes oder direkt bei Soundcloud anhören und auch als mp3 herunterladen. Fragen oder Anmerkungen könnt ihr unter diesem Post in den Kommentaren hinterlassen oder per EMail an mgenblog@gmx.de auf den Weg bringen. Falls ihr mögt, bewertet unseren Podcast doch bei iTunes.

Ein Jahr Bodycount des Friedens: 2.644 Tote und 3.105 Verletzte durch religiös motivierte Gewalt

Als Reaktion auf die islamistischen Attentate im Frühsommer 2016, insbesondere in Orlando, Nizza und Istanbul, haben wir im MGEN-Podcast damit begonnen Opfer von religiös motivierter Gewalt zu zählen. Seit dem Beginn unserer Zählung mit dem Massenmord im Nachtclub Pulse in Orlando, Florida am 12. Juni 2016 bis einschließlich dem Selbstmordanschlag der Taliban auf eine Polizeistation in Gardez, Afghanistan am 18. Juni 2017 kommen wir auf einen Bodycount des Friedens von 2.644 Todesopfern und 3.105 Verletzten durch religiös motivierte Gewalt.

Zu viele um auf einzelne Attentate detailliert eingehen — aber zumindet durch das Aufzählen der jeweiligen Opferzahlen in unseren Podcast-Folgen wollten wir den Finger an die Hutkrempe legen und die für Religion ermordeten Menschen ein letztes Mal grüßen. Die Zahlen sollten eine Motivation für alle Menschenfreunde sein sich gegen den hasserfüllten Wahn der Religion und für aufgeklärte Rationalität einzusetzen.

Wir haben zugegebenermaßen sehr oberflächlich gezählt: Manchmal haben wir ein paar Tage lang nicht nachgeschaut, und falls es ein Attentat nicht auf die Titel der Nachrichtenseiten geschafft hat, haben wir es im Zweifel übersehen. Und selbst dann wurde bei großen Massakern mit vielen Todesopfern über die Zahl der Verletzten gar nicht erst berichtet. Der Bodycount des Friedens ist also deutlich geringer als die tatsächlichen Opferzahlen.

Das Institut für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) in Tel Aviv ist wissenschaftlich vorgegangen und hat im Rahmen seiner Terror und Gewalt-Studie festgestellt, dass das Jahr 2016 die bislang höchste Opferzahl bei Selbstmordattentaten aufweist: Im Jahr 2016 kamen  5.650 Menschen bei solchen Aktionen ums Leben, 9.480 wurden verletzt. In 2015 wurden 4.330 Menschen bei 452 Anschlägen ermordet, 8.800 erlitten Verletzungen. 

Bei all den vielen Todesopfern wirkt das immer und immer wieder vorgebrachte Argument der Gläubigen wie zynischer Hohn: Die Religion ist eine Kraft des Guten in der Welt. Sie gibt uns Halt und macht uns froh.

Der Bodycount des Friedens 12. Juni 2016 — 18. Juni 2017

Orlando am 12. Juni 2016 (49 Tote und 50 Verletzte), Istanbul (36 Tote und 147 Verletzte), Bagdad (250 Tote und ungezählte Verletzte), Nizza (84 Tote und 300 Verletzte), Wuerzburg (5 Verletzte), Kabul (81 Tote und 230 Verletzte), Bagdad, 14 Tote und 30 Verletzte (24. Juli), Ansbach, 15 Verletzte (24. Juli) Rouen, 1 Toter, 1 Schwerverletzte (26. Juli), kurdische Stadt Kamischli, 56 Tote und 160+ Verletzte (27. Juli), 2 Verletzte in Charleroi (6. Aug), 70 Tote, 200+ Verletzte in Quetta, Pakistan (8. August), 9 Verletzte in St. Cloud, Minnesota (17.09.), 29 Verletzte in New York (17.09.),  gescheiterte Attentate in Seaside Park, New Jersey (17.09.) und Elizabeth, New Jersey (18.09.), 5 Tote in Burlington, Washington State (24.09.), 1 Toter in Amman, Jordanien, 2 Verletzte in Brüssel (5.10.), 29 Tote, 20+ Verletzte in Atmah, Syrien (6.10.), 5 Verletzte in Istanbul (6.10.), 2 Tote und 4 Verletzte in Jerusalem (9.10.), ein Mann totgeprügelt weil er an eine Kirche gepinkelt hat in Freiburg (21.10.), 3 Tote bei Geisteraustreibung in Myanmar (23.10.), 27 bis 55 Tote in Bagdad (15.10.), 3 Tote und 8 Verletzte in Gaziantep, Türkei (16.10.), 46 Tote und 133 Verletzte in Kirkuk, Irak (21.10.),  284 Männer und Jungen in Mossul (23.10.), 60+ Tote in Quetta, Pakistan (24.10.), 12 Tote in Mandera, Kenia (25.10.), 26 Leute entführt und umgebracht, Ghor, Afghanistan (26.10.), 230 Ermordete in Mossul, Irak (28.10.), 29 Verletzte bei einem Taliban-Attentat gegen das deutsche Konsultat in Masar-i-Scharif, Afghanistan (10.11.), 45 Tote und Dutzende Verletzte bei einem Attentat auf einen Sufi-Schrein in Khuzdar, Pakistan (12.11.), 30 Tote und 45 Verletzte bei Attentat auf Hochzeitsfeier in Falludscha, Irak (17.11.), 100+ Tote bei IS-Attentat auf Pilger in Hilla, Irak (24.11.), 11 Verletzte bei Angriff mit einem Schlachtermesser auf Ohio State University in Columbus, Ohio (28.11.), 30 Tote und Dutzende Verletzte in Madagali, Nigeria (Boko Haram, 8.12.), gescheitertes Attentat in Rotterdam, „Isis flag, Kalashnikov and explosives“ (9.12.), 30 Menschen getötet und 48 verletzt in Mogadischu, Somalia (11.12.), 25 Tote und 49+ Verletzte in Kairo, Ägypten (11.12.), 9 Tote und 27 Verletzte in Kerak in Jordanien (18.12.), 49 Tote und mehrere Dutzend Verletzten (18.12.) Aden, Afghanistan, 3 Verletzte beim Attentat auf eine Moschee in Zürich (19.12.), 12 Tote und 50 Verletzte in Berlin (19.12.), 11 Tote und Dutzende Verletzte über Weihnachtstage in Bagdad, Irak, 28 Tote und Dutzende Verletzte in Bagdad, Irak (31.12.), 39 Tote und 69 Verletzte bei einem Anschlag auf einen Nachtclub in Istanbul, (31.12.), 32 Tote und 60+ Verletzte in Bagdad (2.1.), Tote und 19 Verletzte bei Attentat auf Moschee in Quebec (29.1.), 1 Verletzter beim Angriff in Paris, Frankreich (3.2.), 11 Tote und 60 Verletzte in Lahore, Pakistan (13.2.), 83 Tote und 250 Verletzte in Sehwan, Pakistan (16.2.), 45 Tote und 49 Verletzte in Bagdad, Irak (16.2.), 35 Tote und 40+ Verletzte in Mogadischu, Somalia, Verdacht: Shebab-Miliz (19.02.), 42+ Tote in Al-Bab, Syrien (24.2.), ca. 40 Tote in Homs, Syrien (25.2.), 1 Mann umgebracht auf den Philippinen von der radikalislamistischen Terrorgruppe Abu Sayyaf (26.2.), mind. 16 Tote und 44 Verletzte bei Taliban-Attentaten in Kabul, Afghanistan (1.3.), 30 Tote und Dutzende Verletzte in Kabul, Afghanistan (8.3.), 46 Tote und 120 Verletzte in Damaskus, Syrien, bei Attentaten auf schiitische Pilger, zwei Transgender Leute totgeprügelt (in Polizeigewahrsam) in Saudi-Arabien (Bericht am 15.3.), ein Verletzter bei einem Attentat auf Polizisten und Soldaten am Flughafen Orly in Paris, Frankreich (18.03.), 4 Tote und 40 Verletzte in London, UK (22.3.), gescheiterter Anschlag in Antwerpen, Belgien (23.3.) 20 Tote und vier Verletzte bei Attentat auf Sufi-Schrein, Punjab, Pakistan (2.4., “Haupttäter habe erklärt, die Opfer seien nach ihrer Folterung „spirituell gereinigt“ worden”), 3 Leute totgeschlagen (in Polizeigewahrsam) und 100-200 “verschwunden” in Tschetschenien wg. “des Verdachts nicht traditioneller sexueller Orientierung” (3.4.), 5 Tote und 14 Verletzte in Stockholm, Schweden (7.4.), 34 Tote und mind. 60 Verletzte bei Bombenanschlägen auf Kirchen in Tanta und Alexandria, Ägypten (9.4.), 1 Toter und 3 Verletzte bei IS-Attentat auf das Katharinenkloster, Agypten (19.4.), 3 Tote in Frenso, Californien (19.4.), 1 Toter und 2 Verletzte in Paris, Frankreich (20.4.), Taliban: 140 Tote und 160 Verletzte bei Angriff auf Militärmoschee in Masar-i-Scharif, Afghanistan (22.4.), 37 Tote bei IS-Selbstmordanschlag auf Flüchtlingslager in Hasakeh, Syrien (2.5.), eine Frau auf Scheiterhaufen verbrannt worden um Teufel auszutreiben durch christlichen Priester, Nicaragua (Bericht am 3.5., Tat schon im Feb), 25 Tote und 35 Verletzte in Belutschistan, Pakistan (12.5.), islamistischer Neonazi bringt zwei christliche Neonazifreunde um, weil er “wütend über deren antiislamische Vorurteile” ist, Tampa, Florida (19.5.), 22 Tote und 59 Verletzte bei Nagelbombenanschlag auf Popkonzert für Kinder in Manchester, UK (22.5.), 26 Tote und 25 Verletzte bei einem Attentat auf einen Bus mit koptischen Christen in der Nähe von Kairo, Ägypten (25.5.), 2 Tote und 1 Verletzter bei Messerattacke auf “muslimisch aussehende Frauen” in Portland, Oregon (26.5.), ein kleiner Junge gestorben, weil Eltern systematisch Antibiotika verweigert haben und stattdessen Homöopathiekügelchen gegeben haben, Cagli, Italien (28.5.), 27 Tote und mind. 100 Verletzte bei Bombenattentat in Bagdad, Irak (30.5.), 90 Tote und 463 Verletzte bei einem Selbstmordanschlag der Taliban in Kabul, Afghanistan (31.5.), 20 Tote und 119 Verletzte bei drei Selbstmordanschlägen auf die Trauerfeiern der Opfer vom letzten Anschlag, Kabul, Afghanistan (3.6.), 7 Tote und 48 Verletzte bei Angriffen auf ausgehende Leute am Samstagabend in London, England (3.6.), 1 Toter und 4 Verletzte bei einer Geiselnahme in Melbourne, Australien (5.6.), ein Verletzter bei einem Angriff mit einem Hammer, Paris, Frankreich (6.6.), 20+ Tote und 35+ Verletzte bei Attentat der Terrormiliz al Shabaab in Mogadischu, Somalia (14.6.), 4 Tote und 8 Verletzte bei Angriff auf eine schiitische Moschee in Kabul, Afghanistan (15.6.), 20 Tote und 8 Verletzte bei einem Selbstmordanschlag der Taliban in Gardez, Afghanistan (18.6.).

Insgesamt ergibt sich ein Bodycount des Friedens von 2.644 Toten und 3.105 Verletzten durch religiös motivierte Gewalt.

 

35 Gottesbeweise geprüft: Alle falsch!

Im Laufe von vier Jahren haben wir in diesem Blog 35 angebliche Beweise für die Existenz von Göttern, insbesondere für die Existenz des jüdisch-christlich-islamischen Bibel-Gotts Jahwe, näher betrachtet. Diese Argumente werden von Theisten immer wieder vorgebracht um die Korrektheit ihres Glaubens und ihrer Religion zu beweisen. Auf Basis dieser „Beweise“ sehen die Religionisten sich als Hüter ewiger Wahrheiten und Wahrer der „Gesetze Gottes“, die sie nicht nur selbst befolgen, sondern auch – mit struktureller Gewalt über Normen und Gesetze, oder im Zweifel auch mit Macheten und Sprengstoffgürteln – der gesamten Gesellschaft aufdrücken wollen.

Diese „Beweise“ sind jedoch Illusion, kein einziges Argument ist schlüssig. Es gibt im Gegenteil durchaus solide Ansätze (hier und hier), die beweisen, dass zumindest Bibel-Gott Jahwe nicht wie behauptet existieren kann, die abrahamitischen Religionen also ohne jede Faktenbasis sind.

Eigentlich ist dazu alles gesagt. Die religiösen Argumente wiederholen sich, und mit ihnen die dahinter stehenden unwahren Behauptungen und logischen Fehler. Lohnt sich die Mühe auch noch einen vierzigsten und fünfzigsten „Beweisgang“ anzuschauen?

Hier sind die betrachteten Gottesbeweise im einzelnen, lose geordnet nach Typ des zentralen Arguments:

MGEN-Podcast Folge 2016.12: Reden mit Algermissen

Willkommen zu unserem Podcast über Religion und andere Esoterik, zu gesellschaftlichen und politischen Themen aus atheistischer und humanistischer Sicht. Unsere Themen im Dezember 2016:

  • Abtreibungskompromiss aufgekündigt: Keine Schwangerschaftsabbrüche mehr im Landkreis Schaumburg
  • Auf keinen Fall anzeigen: Vergewaltigungsopfer in Dubai wegen des Verbrechens Außerehelicher Sex verhaftet
  • Spaßverbotsgesetz: Kleiner Sieg des Bund für Geistesfreiheit vor Gericht, schrilles Weltuntergangsgekreisch in christlichen Medien
  • Zu heiß gebadet? Bischof Algermissen verbietet Umsetzung des hessischen Sexualkunde-Lehrplans
  • Aldi erklärt die Welt, heute: Weihnachten
  • Und überhaupt: Dürfen Atheisten Weihnachten feiern?
  • Das Atheistische Quartett: Heute ohne Frans de Waal und seine Bonobos
  • Hörer beschimpfen Podcaster: Der Islam und andere Kleinigkeiten

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Zur Anzahl der Muslime in Deutschland und Europa

statista_pegida_islamisierungBei Statista findet sich eine repräsentative Umfrage aus dem Jahr 2016 mit der Frage „Sind Sie wie das Bündnis Pegida der Ansicht, dass Deutschland zunehmend islamisiert wird?“ – 34% der Befragten beantworteten diese Frage mit Ja, 57% mit Nein. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung fürchtet also von muslimischen Einwanderern mehr oder minder überwältigt zu werden. Zeit, sich die Zahlen anzuschauen.

Weltweit gibt es ca. 1,6 Mrd. Muslime, das sind 20,1% der Weltbevölkerung (diese Zahl ist schon etwas älter, von 2004). Auf dem Gebiet der EU leben etwa 16 Mio. Muslime, bei insgesamt 500 Mio. Einwohnern also ein Prozentsatz von 3,2%. Selbst wenn man hier großzügig aufrundet und von 20 Mio. Muslimen in der EU ausginge, bliebe es bei nur 4%. In Deutschland leben 2016 etwa 4-4,5 Mio. Muslime, bei 82 Mio. Einwohnern also um die 5%. Die Schwierigkeit dabei: Da es im Islam keine Verbände analog zu den christlichen Großkirchen gibt, also keine zentralen Mitgliedszahlen abgerufen werden können, mussten sich die Statistiker hier eine Methode ausdenken, wen genau sie als Muslim erfassen und wen nicht. Im schlimmsten Fall wurden z.B. auch türkischstämmige Atheisten wegen ihrer Herkunft pauschal als Muslime mitgezählt. Anderswo wird deshalb auch von nur 2,8 Millionen Muslimen in Deutschland gesprochen, also ca. 3,4%. Hier werden atheistische Menschen aus muslimisch geprägten Herkunftsländern explizit heraus gerechnet.

Deutschlands Muslime gehören folgenden Konfessionen an:

  • 2,640,000 Sunniten
  • 500,000 Alleviten
  • 225,000 Imamiten und Schiiten
  • 70,000 Alaviten
  • 35,000 Ahmadiyya
  • 1,900 Ismailiten

Andere Umfragen belegen, dass diese Zahlen von nicht-muslimischen Einwohnern offenbar systematisch überschätzt werden. Der Tagesspiegel berichtet über eine Umfrage in Deutschland: „Von den Befragten …  glaubt sogar etwas weniger als ein Drittel, es gebe über 10 Millionen Muslime in Deutschland.“ Der ORF berichtet über eine Umfragen in einer Reihe von Ländern, in denen Muslime eine Minderheit bilden: „Im Durchschnitt schätzten die Befragten den muslimischen Bevölkerungsanteil auf 16 Prozent, während er tatsächlich nur drei Prozent beträgt.“ Laut fowid wird der Prozentsatz der Muslime in Deutschland im Schnitt auf das Vierfache des tatsächlichen Wertes geschätzt (21 anstatt 5%).

Warum mag das so sein? Warum fühlen sich so viele Leute bedroht durch alles Fremde? Woher kommt diese Angst, woher der Hass auf Anders- und Falschgläubige? Ist das derselbe Hass, der auch anderen Minderheiten traditionell entgegenschlägt, wie Homosexuellen oder Juden?

Nehmen wir für einen Moment an, wie das noch nicht einmal die Panik verbreitenden Abendlandretter tun, dass von heute an jedes einzelne Jahr eine zusätzliche Million Muslime nach Deutschland einwandern würden. Das ist in der Geschichte der Republik bislang exakt ein einziges Mal passiert, in einer extremen Ausnahmesituation, in 2015. Egal: Angenommen, es käme jedes Jahr ohne Ausnahme ein Million Menschen hinzu, die alle Muslime wären und auch alle für immer in Deutschland blieben. Dann gäbe es eine muslimische Bevölkerungsmehrheit in frühestens 70 Jahren, also etwa um das Jahr 2085 herum. Selbst unter solch absurden Annahmen gibt es also zur Panik vor der Überwältigung durch Falschgläubige wenig Gründe.

Fazit: Bei nüchterner Betrachtung bleibt für Alarmismus und Panik wenig Raum. Bei unter 4% Muslime in der EU und etwa 5% in Deutschland sind steile Thesen von der angeblichen Islamisierung eindeutig Unsinn. Wichtig ist aber trotzdem, dass vernünftige Menschen analysieren, welche realen Probleme es im Zusammenleben gibt, und wie so viel Angst und Hass auf Andersgläubige entstehen konnte. Wir wissen, dass Angst zu Hass führt, und Hass zu Gewalt. Wenn wir vermeiden wollen, dass sich die Geschichte wiederholt, dürfen wir Humanisten das Thema nicht den Schreihälsen und Hassmenschen überlassen.

Hier ein Ausschnitt aus dem MGEN-Podcast Folge 2016.11 zum Thema:

MGEN-Islamcast Folge 2016.11: Auf dem Tempelberg nachts um halb eins

Willkommen zu unserem Podcast über Religion und andere Esoterik, zu gesellschaftlichen und politischen Themen aus atheistischer und humanistischer Sicht. Die halal Themen unserer Islam-Sonderfolge im November 2016:

  • Der Bodycount der ungläubigen Kreuzzügler
  • Iran: Oberster Koranvorleser vor Gericht wegen Kindesmissbrauchs, droht mit Enthüllungen zu systematischem und massenhaftem Kindesmissbrauch
  • Islamisten verhindern Impfungen und Ausrottung von Kinderlähmung
  • Muslime in Deutschland, Europa und der Welt: Wer, wo und -falls ja- wie viele?
  • Muslimische Mehrheitsgesellschaften – Was geht da ab?
  • Neue Religion? Welche neue Religion? Die Frühzeit des Islam
  • Hörer beschimpfen Podcaster: Humanistische Kindererziehung und Kritik zur Ausrichtung des Podcasts; außerdem lernen wir, dass Atheismus unwissenschaftlich ist
  • Jungfrauen? Welche Jungfrauen? Der Koran und seine Sprache

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Die ungewöhnliche Karriere des Bibel-Gotts Jahwe

Die Menschen haben im Laufe der Geschichte Tausende von Göttern nach ihrem Ebenbild geschaffen. Ab und zu wundert man sich, dass sich ausgerechnet die Kulte des äußert unangenehmen Bibel-Gotts Jahwe so sehr durchsetzen konnten. Jahwe wird beschrieben als eifersüchtig und jähzornig, worauf er sich stolz beruft. Er gilt als frauenhassend, kinderhassend, fremdenhassend, schwulenhassend, lesbenhassend; er befürwortet ausdrücklich Völkermord, Sklaverei und Folter. Er hetzt wahllos gegen Nachbarstämme, Astrologen und sogar gegen Leute, die Dachgärten auf die falsche Weise anlegen. Seine Gesetze reichen in alle Lebensbereiche, sie sind unmöglich hart und in sich widersprüchlich; von seinen ratlosen Anhängern fordert er, falls sie seine ewige Höllenfolter vermeiden wollen, Tier- und Menschenopfer; er opfert laut Neuem Testament sogar irgendwie sich selbst an sich selbst. Genau genommen mag Jahwe also eigentlich nur einige alte Männer. Kein großes Rätsel, aus welcher demographischen Gruppe sich seine Priesterkaste traditionell zusammensetzt.

Wenn es schon Religion im Allgemeinen und Monotheismus im Speziellen sein musste, hätten wir nicht bei Apollon, dem Gott der Lyrik und des Frühlings oder bei der friedlichen Erdgöttin Gaia landen können? Klar, andere Götter wie der ägyptischen oder der sumerisch/babylonische Pantheon oder auch die hinduistischen Götter wurden und werden deutlich länger verehrt als Jahwe in seinen Verkleidungen, ob als „JHWH“, „Gott“ oder als „Allah“. Trotzdem, die Frage bleibt: Warum sind die ollen Geschichten über ihn so erfolgreich?

Die Quellenlage ist naturgemäß etwas dürftig, aber es sieht so aus, also ob Jahwe seine Karriere als einer von vielen Göttern der Kanaaniter begann, wahrscheinlich als Vulkan- oder Kriegsgott. Er wurde zum israelitischen Stammesgott erhoben, wurde dann, wohl zu Zeiten des babylonischen Exils, vom Haupt- zum ausschließlichen Gott des Stamms, und später von den Christen und Moslems übernommen (die dann wiederum die Juden, die ja genau genommen nichts dafür können, seit zweitausend Jahren mit Hass und Verfolgung überziehen).

Gewalt und Eifersucht: Kulturelle Evolutionsvorteile

Neben einer gehörigen Portion Zufall (wir hätten auch bei Osiris oder Mithra enden können) würde ich zwei entscheidende Faktoren für die erstaunliche Karriere dieses Fieslings ausmachen:

Erstens begünstigen die zugeschriebenen Eigenschaften Jähzorn, Eifersucht und Gewalttätigkeit die Jahwe-Kulte im Rahmen der soziokulturellen Evolutionsmechanismen: Vor die Wahl gestellt z.B. zwischen Marquod, dem sanftmütigen Gott des Tanzes und der Heilung und dem eifersüchtig tobenden Jahwe, entschieden sich viele Kanaaniter schlichtweg aus Angst eher für die Verehrung von Jahwe – Marquod und seine Kollegen hatten ja ausdrücklich kein Problem mit der Verehrung anderer Götter. Jahwe aber schon, und er wurde leicht gewalttätig. Im Laufe der Generationen wurde so die Jahwe-Gefolgschaft größer, die der anderen Götterfiguren kleiner.

Den gleichen Vorteil hatte Jahwe später als zart schaumgebremster, christlicher Gott im römischen Reich: Während die traditionelle römische Religion integrativ war und Platz für viele altbekannte, neue oder exotische Götterkulte bot, fiel der Jahwe-Kult durch seine Ausschließlichkeit (negativ) auf. Und klar, es erscheint attraktiver einem Gott zu folgen, der mittlerweile mit dem ewigen Leben lockte, und tösend mit der Verfolgung von Ungläubigen droht: „Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation“. Den anderen Göttern war es ja schließlich egal, und etwas Vergleichbares zu bieten hatten sie auch nichts.

Endlich Staatsreligion: Das Imperium schlägt zurück

Und zweitens: Das antike Christentum des ersten und zweiten Jahrhunderts hatte in seiner Mischung aus pharisäischem Judentum, Gnostizismus und Mysterienkulten wenig mit dem zu tun, was wir heute als christlichen Kanon betrachten. Im vierten Jahrhundert wurde das Christentum von Seiten des römischen Kaiserhofes, also von oben herab, systematisch umgebaut und für seinen ausersehenen Zweck tauglich gemacht: Das Reich durch eine neue, strahlkräftige Staatsreligion zu einen, die zerfallenden Kräfte zu erneuern und in der Hand der Kaiser zu bündeln. Das so zum geistigen Arm des Staates umgebastelte Christentum hatte nun nichts mehr zu tun mit seinen Ursprüngen als ein politischer Zweig des Judentums, der sich in der damals verbreiteten Endzeitstimmung gegen die als drückend empfundene römische Besatzung wehrte. Als Staatsreligion eines Weltreichs hatte es die geballte Macht des Imperiums hinter sich. Damit war es dann natürlich ein Leichtes, den neuen Kult durchzusetzen.

Als die Kaiser dann irgendwann Rom in Richtung Ravenna verließen und schließlich ganz verschwanden, wandten sich die Menschen an die verbliebene Respektsperson: Den Bischof von Rom, der von nun an die römische Reichsidee, die Romanitas, verkörperte. Auch heute noch nennen sich die Päpste „Pontifex Maximus“ – ein Titel, den schon Gaius Julius Cäsar als Oberpriester des römischen Götterkults trug.

Warum nicht stattdessen die Göttin der Liebe?

Schaut euch doch in der Welt um: Christentum und der später davon abgespaltene Islam haben auch heute noch Eigenschaften von Staatsreligionen, und auch den praktischen Anspruch solche zu sein. Sobald ihre Anhänger sicher im Sattel sitzen, geht es den Rechten der religiösen Minderheiten an den Kragen.

Liebe Religionisten, wenn ihr schon vor Übermenschen buckeln müsst, hättet ihr euer Weltbild nicht auf Venus, der antiken Göttin der Liebe, aufbauen können? Oder auf Schamasch, dem babylonischen Gott der Gerechtigkeit? Oooder könntet ihr nicht zumindest damit aufhören, eure merkwürdingen Vorstellungen von Moral und der „rechten Lebensweise“ mit Gewalt in die Menschen um euch herum hineinprügeln zu wollen?

Fertig?

2014 war kein gutes Jahr und 2015 hat ziemlich schlecht angefangen. Eigentlich dachten wir ja, wir wären mit dem Blog fertig. Vor zwei Jahren hatten wir begonnen, die üblichen Argumente von religiösen Leuten etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, quasi aus Notwehr gegen deren gesellschaftliche Übermacht. Zuerst waren wir dabei ziemlich entspannt unterwegs und haben im Laufe der Zeit festgestellt, dass keiner der immer wieder vorgebrachten Gottesbeweise irgendwie schlüssig ist, dass der Bibel-Gott Jahwe auf keinen Fall existieren kann, und dass eigentlich auch niemand so recht erklären kann, was so ein Gott denn eigentlich sein soll. Wir haben über den Schwachsinn der Esoteriker gestaunt, über die Angstmacherei der Priester und die Wunder– und Prophezeiungsgläubigkeit der Laien.

Nichts davon erhebt den Anspruch neu oder originell zu sein – die meisten religionistischen Argumente sind schon seit Jahrhunderten widerlegt. Trotzdem werden sie immer. und. immer. wieder. wiederholt. Die Leute werden regelrecht damit zugeballert. In mehr als einem Sinn. Es geht ja schließlich um einiges: insbesondere um die eigenen Pfründe.

Für eine Weile dachten wir hier um unseren Küchentisch versammelt wirklich, dass wir fertig wären. Unsere Artikel waren veröffentlicht und werden auch ohne weiteres Zutun gefunden: Existiert Gott? (Nein.) War Einstein religiös? (Nein.) Stimmt die Bibel? (Nein.) Gibt es Wunder? (Nein.) sind die häufigsten Anfragen.

Eigentlich war alles gesagt.

Aber dann kam uns die Nachrichtenlage dazwischen, und von der anfänglichen Entspanntheit war nicht mehr viel übrig: Im Osten der Republik marschieren die christlichen, alltagsrassistischen Abendlandretter tumb im Kreis und hetzen gegen Muslime, in Frankreich greifen muslimische Bekloppte zur Knarre und ermorden Witzemacher (Witzemacher!); alle sind sie vereint im Hass auf alles, was sie für jüdisch halten. Was diese Bekloppten wollen ist klar: einen Kulturkrieg. Einen Krieg zwischen Morgenland und Abendland, Muslimen und Christen, Europa und Afrika, Nord und Süd, was auch immer. Im Namen und in direktem Auftrag ihrer eingebildeten Götter.

Leute, wir müssen verdammt aufpassen, dass sie den nicht bekommen!

2014 war kein gutes Jahr und 2015 hat ziemlich schlecht angefangen. Das kann so nicht weiter gehen! Wir dürfen das Feld nicht den Spinnern überlassen, die aus Hass und Angst handeln und dabei immer mehr Hass und Angst erzeugen. Und die, wenn ihnen keine Argumente mehr einfallen, anfangen zu schießen, zu bomben, oder – sobald sie irgendwo in der Mehrheit sind – ihre Ziele durch strukturelle Gewalt durchzusetzen.

Wir sind nicht fertig. Wir müssen weiter machen. Wir alle.

Sollte man den Leute nicht ihren „harmlosen Glauben“ lassen?

Als Betreiber eines religionskritischen Blogs hört man ab und an die Fragen „Sollte man religiösen Leuten nicht ihren harmlosen Glauben lassen? Sollte man ihnen nicht lediglich klar machen, dass sie keine allgemeingültigen Normen oder Gesetze auf Basis ihrer Religion durchsetzen sollten? Aus Respekt vor anders- oder nichtreligiösen Mitmenschen, und weil man ja schließlich nicht weiß, welche Ansichten richtig und falsch sind? Wenn diese Regeln nur für die Anhänger einer Religion selbst gelten, ist doch alles gut.“

Pluralismus und Humanismus: Die Grundwerte jeder modernen Gesellschaft

Der wohlmeinende Fragesteller vertritt hier implizit die Grundlagen einer pluralistischen Gesellschaft („Jeder kann seine Meinung vertreten, da niemand weiß, wer letztgültig Recht hat“) und des säkularen Humanismus („Wir müssen unsere Taten letztendlich vor anderen Menschen rechtfertigen, nicht vor einer transzendenten Wesenheit oder einem abstrakten Prinzip wie Ehre oder Vaterland“).

Die meisten MGEN-Lesen werden das komplett unterschreiben und sind vielleicht ebenso überzeugt, dass auf dieser Basis ein Handlungsrahmen für das alltägliche Leben aufgebaut werden kann und sollte. Wenn man diesen Rahmen geeignet einsetzt, führen die genannten Konzepte zu Regeln des Zusammenlebens, die individuelles Leid minimieren, gesellschaftlichen Wohlstand maximieren und die Entfaltung der Persönlichkeiten der Mitglieder ermöglichen.

Gläubigkeit ist die Antithese des Humanismus

Soweit, so gut. Anders sieht die Sache jedoch aus, wenn ein Mensch fest davon ausgeht, dass er in Besitz einer Reihe von absoluten Wahrheiten sei. Nämlich:

a. Ein allmächtiger Schöpfergott existiert, der
b. seinen Willen den Menschen offenbart hat, sie entsprechend belohnt oder bestraft, und
c. allein eine Kaste von Priestern kann diesen Willen zutreffend interpretieren.

Der Blick auf die geschilderten Ideale ändert sich nun komplett: Die Schicksale aller Menschen – ob rechtgläubig oder nicht – sind dem Willen dieses Gottes unterworfen. Pluralismus ist nicht nur nicht mehr notwendig (man weiß ja, wer Recht hat und wer nicht), sondern sogar schädlich: Wenn einzelne Menschen seinem bekundeten Willen zuwiderhandeln, wird der Gott sauer und bestraft alle Menschen.

Wenn man die Glaubenssätze a, b und c also akzeptiert, muss man in letzter Konsequenz die Idee der pluralistischen Gesellschaft radikal ablehnen und sich stattdessen für eine theokratische Gesellschaft einsetzen. Es geht ja immerhin um Entscheidendes: Bei nachlassendem Glaubenseifer ist das ewige Leben im Paradies in Gefahr!

Absolute Wahrheiten sind die Feinde des Pluralismus

Ebenso ist es mit dem weltlichen Humanismus: Die „Wahrheiten“ a, b und c vorausgesetzt, gilt die Verantwortung für unser Handeln eben nicht mehr den anderen Ameisen, sondern dem allmächtigen, allsehenden Gott, der uns als Handlungsanweisung eine absolute, in heiligen Schriften offenbarte Moral vorgegeben hat. Falls sich einzelne Leute aus Unglauben nicht daran halten, besteht wieder die Gefahr, dass sie göttlichen Zorn hervor rufen, der auch auf alle anderen Menschen Auswirkungen hat. Um Leid zum minimieren und den Wohlstand zu maximieren, muss man logischerweise nun eine Gesellschaft errichten, die komplett auf den ausgelegten Willen des Gottes abstellt – also wieder eine Theokratie.

Es kommt immer aufs Gleiche heraus: Eine Religion, die in einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft eine handlungsfähige Mehrheit erreicht, wird diese gegen die Grundlagen dieser Gesellschaft einsetzen.

Wie setzt man sich nun am besten für die beschriebenen Ideale des Pluralismus und des Humanismus, und damit gegen die Verfechter einer Theokratie ein? – Unser Ansatz ist, dass wir einzelnen Menschen zeigen wollen, dass die Thesen a, b und c unwahr sind und so mithelfen, das Entstehen religiöser Mehrheiten zu verhindern.

Darin begründen sich die Ziele von MGEN

Dass sich tiefgläubige Hassmenschen mit Argumenten nicht überzeugen lassen, ist klar. Zielgruppe unseres Blogs sind daher Menschen, die ab und an in einer Küchenrunde mit Kirchenmitgliedern diskutieren und dafür etwas argumentatives Futter brauchen. Die Argumente der Religionisten sind immer dieselben, und sie sind immer extrem dünn. Wenn man sie schonmal gehört hat und die Argumente pro und contra kennt, lässt man sich nicht mehr von Scheinargumenten blenden. Und im besten Fall denken dann milde interessierte Zuhörer „Hm, klingt plausibel. Wahrscheinlich hat der nette Pfarrer uns Kindern damals einfach Unsinn erzählt.“

Nochmal kurz: Es geht in unserem Blog darum, den Gegnern des Pluralismus die leichtgläubigen Unterstützer zu nehmen, und so die Möglichkeit, ihre Dogmen als Normen und Gesetze durchzusetzen. Damit Frauen in Not Hilfe in der Apotheke und im Krankenhaus bekommen, damit Homosexuelle eben nicht mehr (als Sünder) im Ehe- und Steuerrecht bestraft werden müssen und damit an kleinen Kindern keine Genitalverstümmelung mehr durchgeführt wird. Ist dieser Wunsch in so absurdem Grade vermessen?