MGEN-Podcast 87: Gender-Alarm beim Synodalen Weg – Wenn der Todes* zwischen Theologen landet

Dürfen ausschließlich Männer katholische Priester sein, weil Jesus ja schließlich auch ein Mann war? Zwei Teilnehmerinnen des Synodalen Wegs halten das für ein eher schwaches Argument, der Theologe Helmut Hoping schreibt im FAZ-Artikel „Ein Gottessohn, der nicht Mann sein soll“ wütend gegen die beiden an und holt dazu den Hexenhammer -äh- Genderhammer aus dem christlichen Werkzeugkasten. Till stellt den Artikel vor und bietet so eine gute Gelegenheit, sich den Verlauf des in Zeitlupe scheiternden Synodalen Wegs und die archaischen Grundlagen der Erlösungstheologie etwas genauer anzuschauen.

Fragen oder Anmerkungen, Themenvorschläge oder Beschimpfungen bitte unter diesem Artikel in den Kommentaren hinterlassen oder an mgenblog@gmx.de. Falls ihr mögt, bewertet uns bei Apple Podcasts.

6 Gedanken zu „MGEN-Podcast 87: Gender-Alarm beim Synodalen Weg – Wenn der Todes* zwischen Theologen landet

  1. Das Argument ist, dass Jesus genauso gut eine Frau HÄTTE SEIN KÖNNEN. Um es Mathematisch auszudrücken: Die Bibel ist isomorph zu einer Bibel‘ mit einer Gottes-Tochter. Insofern ist jede daraus folgerbare semantische (=> jede objektive) Aussage für Frauen und Männer logisch äquivalent.
    Jesus Männlichkeit ist daher kein gültiges Argument gegen Frauen-Weihe. Als Logiker bin ich geradezu begeistert davon, wie haltbar diese Argumentation ist. Und das sogar obwohl Jesus nie existiert hat – einfach mit der Bibel als Axiomensystem.

    Was Hoping sagt bedeutet so gesehen, dass Frauen inhärent ungeeignet sind, Gottes Kinder zu sein. Dass der allmächtige Gott also unfähig wäre, eine Tochter zu zeugen. Gott persönlich wäre also nicht in der Lage, Frauen gleichwertig mit Männern zu machen. Sexistischer geht’s kaum.

    Das Argument ist im Übrigen sowieso blanke Heuchelei. Jesus hatte auch schwarze Haare und einen Bart – Warum dürfen trotzdem blonde, glattrasierte, unbeschnittene Männer geweiht werden? Daran stören sich diese Misogyne kein bisschen!

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      • Da in dem speziellen Fall beliebige Aussagen herleitbar sind, sind insbesondere auch die gleichen Aussagen für Männer und Frauen herleitbar. Aber auch wenn wir beliebige – auch konsistente – Teilmengen der Bibel als Axiomensystem nehmen, bleibt das so, weil ja auch keine Teilmenge der Bibel Jesus Männlichkeit zwingend erfordert.

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  2. Bei Min. 10 heißt es, Judith Butler würde immer als teuflische Figur dargestellt, als böse, die den Männern die Eier abreißt usw.

    Gegen solche Dämonisierungen ist natürlich leicht zu polemisieren, aber ist das wirklich so, oder macht Ihr Euch die Sache hier nicht ein wenig einfach? Mir kommt das wie ein Strohmannargument vor, um nicht selbst Position beziehen zu müssen.

    Um Minute 15 heißt es dann, wenn Ihr das Thema Gender- oder Geschlechterforschung ansprecht, dass dann viele Leute das üble Zittern bekommen und sie sich in die Tastatur entleeren.

    Hier im Blog bekomme ich ja die meisten Postings mit und beobachte dergleichen nicht – außer Ihr würdet meine Beiträge derart verhöhnen, aber wenn Ihr denen inhaltlich etwas entgegenzusetzen hättet, dann würdet Ihr das doch sicher tun, so als der Aufklärung und der Ratio verpflichtete Wesen, oder nicht?

    Kommen die Kommentare bei Apple-Podcast oder bei Soundcloud – gibt es da eine Kommentarfunktion?

    Ich stelle mich natürlich weder auf die Seite orthodoxer Theologen, noch auf die von Gendertheologen, aber die Positionen von Judith Butler zu verteidigen ohne sie zu kennen, nur weil ein orthodoxer Katholik sie angreift, ist so, als würde man Stalin verteidigen, weil er von Hitler angegriffen wurde. OK – derartige Vergleichseskalationen sind selten hilfreich. Also bleiben wir doch konkret!

    Es gibt hier einen Interessenkonflikt: Frauen wollen in der RKK Priester werden und dürfen es nicht. Und ein Teil der Katholiken will, dass Frauen das dürfen. Nicht alle wollen es selbst werden. Wäre ich noch in der Kirche und an deren Wohlergehen interessiert, dann wäre ich auch dafür. Die Argumente, die dagegen sprechen, sind dürftig und herbeigeknittelt. Sie sind in den letzten 30, 40 Jahren auch nicht besser geworden.
    Hätten die Orthodoxen ein gutes Argument, dann hätte es auch schon mal jemand geäußert, der die sprachliche Kompetenz gehabt hätte, es verständlich zu artikulieren. Wenn der Punkt so wichtig ist – wieso haben sie noch niemanden gefunden, etwas, das zumindest auf den ersten Blick plausibel wirkt, zu finden? Spielt sich das alles nur im Unbewussten ab, auf der Ebene religiöser Gefühle?

    Daraus folgt aber nicht, dass Unterschiede zwischen Männern und Frauen auf biologischer Ebene unbeachtlich und in der Hauptsache sozial konstruiert sind. Diese Behauptung ist so grotesk evidenzwidrig, dass es einen Atheisten schüttelt. Mag sein, dass das aus Eurer Warte wie ein übles Zittern aussieht.

    Im Tierreich ist die Zweigeschlechtlichkeit das prävalente Merkmal der Fortpflanzung überhaupt und massiv älter als der Mensch und als Primaten. Die körperlich offensichtliche Unterschiede zwischen Männlein und Weiblein sind so zahlreich, dass es bizarr wäre, wenn sich das auf körperliche Unterschiede beschränken würde, und nicht auf Psyche und Kultur abfärben würde.

    Sicher – die konkreten Geschlechtsrollen werden sozial vermittelt, aber sie basieren auf einem biologischen Programm und sind nicht willkürlich verfügbar. Die Versuche, diese Unterschiede überall zu leugnen und zu bekämpfen (undoing gender) gehen mit enormen Kollateralschäden einher. Ein komplexes System wie unsere Kultur soll, basierend auf primitiven und, wenn man ehrlich ist, erwiesenermaßen falschen Annahmen verändert werden, obwohl wir massenhaft Erfahrungen damit haben, wie Eingriffe in komplexe Systeme, die wir kaum verstanden haben, unerwartete und unerfreuliche Folgen haben.

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  3. Pingback: "Gender(-irr?)sinn" - Das Wort zum Wort zum Sonntag - AWQ

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