MGEN-Podcast 2018.01/02: Nix mit Fahrrad

Willkommen zu unserem Man Glaubt Es Nicht!-Podcast über Religion und andere Esoterik, zu gesellschaftlichen und politischen Themen aus atheistischer und humanistischer Sicht.

Die aktuelle Folge findet ihr per: RSSiTunesSoundcloud

Unsere Themen:

Jesus Nummer 1, Eureka Springs, Arkansas

  • Der Religionswissenschaftler Horst Junginger ist neuer Professor für Religionskritik in Leipzig und fällt durch absurde Äußerungen auf
  • Vatikan-Portier dealt mit Kokain und Kinderpornos, verweigert die Aussage über Kunden
  • Anwohner klagt gegen Moschee und bekommt Recht: „Der Gesang stellt Allah über unseren Gott. Das kann ich als Christ nicht akzeptieren.“
  • Exkurs: Der Satanische Tempel
  • Statistik des Monats: „Umvolkung“ durch Muslime fällt bis auf Weiteres aus
  • Reisebericht Eureka Springs, Ozark Mountains: Vom Tag, an dem Oliver Jesus gefunden hat
  • Exkurs: Dinosaur Valley, Texas
  • Definitionsstündchen: „Religion“
  • Hörer beschimpfen Podcaster: Kiva.org und Unsterblichkeit trotz Erschießungsbefehl

Fragen oder Anmerkungen bitte unter diesem Artikel in den Kommentaren hinterlassen oder an mgenblog@gmx.de. Falls ihr mögt, bewertet unseren Podcast doch bei iTunes.

Wer ist Christ?

Woran erkennt man eigentlich Christen? An welchen Glaubenssätzen oder Handlungsweisen kann man festmachen, ob jemand zu dieser Religionsgemeinschaft gehört oder nicht? Wie kann man Christen von „Irr-“ oder „Falschgläubigen“ unterscheiden? Dazu muss es doch eindeutige Unterscheidungsmerkmale geben, oder?

In der letzten Folge unseres Podcasts hatten wir uns ein wenig darüber lustig gemacht, wie wenige „echte Christen“ es gibt. Wir haben frech behauptet, dass man als „echter“ Christ …

… an den dreifaltigen Gott glauben muss, an die Sechs-Tage-Schöpfung, die Jungfrauengeburt, Himmel und Hölle als physische Orte, und sich ernsthaft an alle biblischen Gebote des christlichen Gottes halten muss, Troddel an die Jacke machen, immer einen Spaten dabei haben und alle Ehebrecher, Blutwurstesser und Astrologinnen im Namen des allgütigen Gottes sofort totschlagen – und währenddessen noch jederzeit vollkommen barmherzig zu sein hat.

Nur zur Klarstellung: So kann man natürlich nicht ernsthaft argumentieren, denn sonst sitzt man dem Kein Wahrer Schotte-Fehlschluss auf. Als Atheist bekommt man den Schotten oft im Kontext einer Reductio ad Hitlerum um die Ohren gehauen: “Der Hitler war kein Christ sondern Atheist, genau wie du!” – “Hitler war sein Leben lang Katholik.” – “Ach was, er war kein wahrer Christ! Er hat doch so viele schreckliche Dinge getan.”

Die Frage aber bleibt: Woran erkennt man denn nun einen Christen? Es gibt Hunderte von aktiven christlichen Konfessionen, dazu Tausende bereits ausgestorbene Glaubensrichtungen. Die Lehren sind grundverschieden und schließen sich gegenseitig aus: Viele glauben an die Existenz eines Gottes, manche an zwei, andere an drei. Der Bibelwissenschaftler Bart Ehrman schreibt in seinem Buch Lost Christianities von frühen christlichen Konfessionen, die an zwölf oder 365 verschiedene Götter glaubten. War Jesus ein Mensch oder ein Gottoder vielleicht beides zugleich? Man streitet erbittert. War er physisch in Galiläa unterwegs oder eine zeitlos-mythische Gestalt? Und wie rettet Jesus denn nun die Christen? Muss man durch gute Taten glänzen, durch Mission an Heiden oder Juden – oder hilft das alles nichts: Ein Christ muss nur ganz fest Jesus‘ Menschenopfer als Ausgleich für die eigenen Sünden akzeptieren und schon ist das ewige Leben sicher. Muss man vielleicht sonntags im Kreis zu sitzen und zu Gitarrenmusik „Danke für meine Arbeitsstelle“ singen? Oder reicht sogar getauft werden schon aus? Muss man überhaupt gerettet werden? Und wenn ja, wovor? Von der ewigen Feuerfolter in der Hölle? Vor dem Tod generell? Oder vor dem schlichten „Getrenntsein von Gott“?

Quer durch die Geschichte streiten die Konfessionen verbittert, sprechen sich gegenseitig das Christsein ab, und massakrieren sich (und andere) im Namen ihres allgütigen und liebenden Gottes. Für Außenstehende wirkt das alles verwirrend, undurchsichtig und auch komplett beliebig, die Stimmung wird angesichts all der Todesopfer auch nicht besser.

Ich sehe zwei Möglichkeiten zu beurteilen, ob ein Mensch Christ ist oder nicht:

  • Ein Christ ist jemand, der sich selbst als Christ bezeichnet. Das wäre wohl ein soziologischer Ansatz, in etwa entsprechend dem -buh!- genderwissenschaftlichen Grundsatz „Eine Person teilt der Gesellschaft ihr soziales Geschlecht mit, die Gesellschaft oktroyiert das soziale Geschlecht nicht der Person auf.“ Für Außenstehende mit wenig Ambitionen zu fortgeschrittener Hermeneutik ist dies sicherlich der einfachste Ansatz: Jaja, du bist Christ, nächstes Thema!
  • Ein Christ ist jemand, der Jesus in irgendeiner Form als seinen Retter ansieht. Dieser Ansatz nimmt zumindest einen minimalen theologischen Grundkonsens an und dürfte damit eine ganze Reihe von Religionisten ausschließen – möglicherweise sogar die Mehrheit der Mitglieder der EKD.

Beide Beurteilungsweisen dürften vielen Christen nicht wirklich schmecken. Sind sie nicht ziemlich beliebig, bleiben dabei nicht auch die Mitglieder der Konfession X an Bord, die ich so gar nicht mag? – Ja, nun, stimmt. Eure Religion ist halt enorm breit gestreut und kann sich kaum auf gemeinsame Inhalte einigen. Aber bitte deswegen nicht gleich wieder einen Glaubenskrieg anfangen!

Heilige im Christentum

Wie Radio Vatikan berichtet, wird Mutter Teresa, die Gründerin des Ordens „Missionarinnen der Nächstenliebe“ am 4. September 2016 von Papst Franziskus heiliggesprochen. Es bietet sich bei der Gelegenheit an etwas näher nachzuschauen: Was sind denn eigentlich Heilige? Seit dem Amtsantritt von Papst Johannes Paul II. hat die Zahl der Heiligsprechungen ganz enorm zugenommen. Wen genau verehren die Katholiken denn da? Was versprechen sie sich von der Heiligenverehrung?

Die Wikipedia, die ja nicht gerade als religionskritisch bekannt ist, schreibt: „Als Heiliger wird ein Mensch bezeichnet, der als einer Gottheit besonders nahestehend beziehungsweise als in religiöser und ethischer Hinsicht vorbildlich angesehen wird.“ Kathpedia fügt hinzu: „Als Heiliger wird ein in religiöser Hinsicht vollkommener Mensch bezeichnet.“ Der Brockhaus definiert Heilige als „Menschen, die in besonderer Weise Vorbilder, Lehrer, Bekenner oder Märtyrer des Glaubens sind.“

Aha, „in religiöser und ethischer Hinsicht vorbildlich“, „religiös vollkommen“, „Vorbilder und Lehrer“ also! Das klingt auf den ersten Blick sehr rational und vernünftig. Ist aber geschummelt. Denn damit eine Person als heilig „erkannt“ wird, muss die Person mindestens zwei „nachgewiesene“ Wunder gewirkt haben. Die Person muss also nicht nur irgendwie vorbildlich, sondern ganz konkret (was auch immer das in diesem Zusammenhang heißt) auch wundertätig sein. Das wird gern hinter rhetorischem Gestrüpp versteckt, denn das ist der katholischen Kirche, die ja ganz besonderen Wert auf ihren „rationalen Glauben“ legt, dann doch eher peinlich.

Ein Wunder, wir erinnern uns, kann definiert werden als das zeitweilige Aussetzen der Naturgesetze durch eine Gottheit zugunsten eines Bittstellers – das kann im Christentum nur Gott selbst.

Bevor Papst Wojtyla im Jahr 2014 heilig gesprochen wurde, begab sich die katholische Kirche auf die Suche nach von ihm ausgelösten Wundern. Offiziell anerkannt wurden die folgenden: Die französische Ordensschwester Marie Simon-Pierre, Mitglied des katholischen Ordens “Kleine Schwestern der Katholischen Mütterschaft” (kein Witz!), litt an Lähmungserscheinungen der linken Hand und des linken Beins, die ein Arzt als Symptome der Parkinson’schen Krankheit diagnostizierte. Als bekannt wurde, dass der von den Kleinen Schwestern hochverehrte Johannes Paul II. selig gesprochen werden sollte, und man deshalb auf der Suche nach einem Wunder sei, begannen die Schwestern ganz doll zu dem verstorbenen Papst zu beten. Und siehe da: Die Lähmung verschwand, herbei gerufene Ärzte fanden keine Spuren einer Parkinson-Erkrankung.

Der Costaricanerin Floribeth Mora Diaz, die ebenfalls unter üblen Lähmungen gelitten haben soll, ist Papst Wojtyla am Tag seiner Seligsprechung im Traum erschienen; „steh auf und hab keine Angst mehr“ habe er zu ihr gesagt. In Folge dessen hätten sich ihre Lähmungen zurück gebildet. Die Frau wirkt fit, von Lähmungserscheinungen ist in der Tat nichts zu sehen. In der völlig unkritischen Berichterstattung der Tagesschau behauptet sie: „So etwas Außergewöhnliches kann nur ein Wunder sein“. Ihr katholisch-gläubiger Hausarzt sieht das genau so.

Die einfachste Erklärungen sind hier natürlich keine vollbrachten Wunder, sondern  schlichte Fehldiagnosen: Ein Arzt kann psychosomatisch bedingte Lähmungen durchaus ehrlich für Parkinson gehalten haben. Natürlich finden die nach der “Heilung” herbei gerufenen Ärzte dann keine Spuren der Krankheit. Möglicherweise haben die begeisterten Anhänger ja auch etwas geschummelt, um ihrem Idol zum “verdienten” Seligen-Status zu verhelfen. Als Belohnung für ihre Dienste wurde Floribeth aus Costa Rica zur Heiligsprechung des Ex-Papstes nach Rom eingeladen, was sicherlich einer der schönsten Tage in ihrem Leben war.

In solchen Fällen wird sehr oft von Heilungen von Lähmungserscheinungen berichtet. Dazu stellt sich die Frage: Warum heilt Gott Jahwe eigentlich nie Amputierte? Über Nacht einen neuen Arm wachsen zu lassen, das sollte doch für ein allmächtiges, allgütiges Wesen ebenso einfach machbar sein wie das Heilen von Parkinson. Hat er dazu schlichtweg keine Lust? Bitten die betroffenen Personen ihn nicht inständig genug darum? Das wäre kaum zu glauben. Oder liegt es vielleicht eher daran, dass bei fehlenden Gliedmaßen wohl kaum Fehldiagnosen möglich sind?

Jetzt stellt sich natürlich die Frage nach dem Wirkmechanismus: Mal angenommen, dass Wunder wirklich real sind, und dass wie von der Kirche behauptet nur Gott selbst die Naturgesetze aussetzen kann. Damit jemand wie Papst Wojtyla Wunder auslösen kann, muss der Heilige zwar tot, aber irgendwie bei Bewusstsein sein. Der tote Papst Wojtyla liest also die Gedanken der Menschen (besonders gut gelingt das offenbar, wenn sie vor seinen Knochen oder einer Glaskapsel mit seinem Blut beten), nimmt die an ihn addressierten Gebete an und spricht bei Gott vor, der dann die Naturgesetze suspendiert und so das Wunder geschehen lässt. 

Meine ehrlich ratlose Frage: Wie stellen wundergläubige Katholiken sich das vor? Gibt es eine himmlische Bürokratie? Sitzt der tote Papst Wojtyla in seinem Büro in einem himmlischen Bürokomplex? Liest er Gebetsfaxe von Bittstellern? Und wenn ihm eins gefällt, läuft er dann damit über den Flur zum Chef und fragt „Können wir da etwas tun?“

Von Monotheismus kann jedenfalls nicht mehr die Rede sein. Hätten wir eine Zeitmaschine um damit einen Senator aus dem alten Rom in unsere Zeit zu holen, würde der die katholischen „Heiligen“ ganz selbstverständlich als Götter erkennen: „Ihr habt ja auch ganz viele Götter, genau wie wir.“ Und das ist ja auch (haha!) kein Wunder: Die römische Reichskirche – die heutige römisch-katholische Kirche – hat ja wesentliche Teile ihrer Lehre von ihren polytheistischen Vorgängerreligionen übernommen. Die wundertätigen römisch-katholischen Heilige sind deutlich „göttlicher“ als z.B. der vergöttlichte römische Kaiser, der als Verkörperung der Romanitas, des römischen Reichsgedankens, verehrt wurde. Das war der, wir erinnern uns, vor dessen Standbild sich die frühen Christen geweigert haben ein paar Gewürze zu opfern, in der Hoffnung deswegen vom Staat verurteilt und von der beeindruckten Gemeinde als Märtyrer anerkannt zu werden. Heute verehren die Christen ihre heiligen Nebengötter mit viel Inbrunst.

Die Wikipedia schreibt „Der Begriff des Heiligen ist religionswissenschaftlich bisher nicht befriedigend definiert.“ Das ist sehr höflich umschrieben.

Die systematische Abwertung der Frau im Christentum

Ab und an liest man tatsächlich, dass Jesus nicht nur im Alleingang die Nächstenliebe erfunden habe, sondern gleich dazu noch die Menschenrechte, und dass das Christentum quasi nebenbei auch die Frauen befreit habe. Ob bei den so Argumentierenden Dreistheit oder Dummheit am Werk ist, bleibt oft unklar.

Dass Frauen und Männer gleichwertig sind, das ist im christlichen Europa erst seit wenigen Jahrzehten überhaupt ein Thema. Bis vor ein oder zwei Generationen galt, dass in einer Ehe der Mann automatisch „Haushaltsvorstand“ war, und dass in der Gesellschaft allgemein ganz selbstverständlich die Männer das Sagen hatten – die Älteren werden sich erinnern. Dieses Geschlechterverhältnis ergab sich schließlich direkt aus der Bibel: In der Schöpfungsgeschichte wird die Frau erst nach dem Mann, und dann auch noch nicht eigenständig, sondern aus dessen Rippe geschaffen. Später ist die Frau dann dafür verantwortlich, dass die Menschheit aus dem Paradies geworfen wurde und – je nachdem, welche Christen man fragt – mit der Erbsünde auch dafür verantwortlich, dass unsere Leben endlich sind, dass alle Menschen sterben müssen und dann vom Gott ewig in der Hölle gefoltert werden. Kein Wunder, dass man solchen Menschen die Autoschlüssel und die Hausratsversicherung lieber nicht anvertraut.

Auch im Neuen Testament hält sich der angebliche „Frauenbefreier“ Jesus mit belastbaren Aussagen zum Thema zurück – offenbar war diese Sache für ihn dann doch nicht allzu wichtig. Das würde gut passen, denn für Rabbi Jeschua, falls es ihn denn gab, war gar nichts Weltliches wichtig. Seine an seine jüdischen Glaubensgenossen gerichtete Botschaft, da sind sich wissenschaftlich arbeitende Neutestamentler einig, war „Das Ende der Welt steht unmittelbar bevor, und dann wird Gott Jahwe kommen und auf der Erde herrschen! Folgt mir, denn in dieses Reich Gottes kommt ihr nur durch mich!“

Paulus von Tarsus, der eigentliche Erfinder des Christentums, war mit seinen Anweisungen an die christlichen Gemeinden allerdings sehr deutlich (1 Kor 11):

Ich lasse euch aber wissen, dass Christus das Haupt eines jeden Mannes ist; der Mann aber ist das Haupt der Frau; Gott aber ist das Haupt Christi.

Der Mann aber soll das Haupt nicht bedecken, denn er ist Gottes Bild und Abglanz; die Frau aber ist des Mannes Abglanz. Denn der Mann stammt nicht von der Frau, sondern die Frau von dem Mann. Und der Mann ist nicht geschaffen um der Frau willen, sondern die Frau um des Mannes willen.

Im Paulus zugeschriebenen Brief an die Epheser (Eph 5):

Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist, die er als seinen Leib erlöst hat. Aber wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern unterordnen in allen Dingen.

Und weiter (1 Tim 2):

Eine Frau lerne in der Stille mit aller Unterordnung. Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre, auch nicht, dass sie über den Mann Herr sei, sondern sie sei still. Denn Adam wurde zuerst gemacht, danach Eva. Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber hat sich zur Übertretung verführen lassen.

Dass im Mittelalter, als das Christentum Europa für flockige 1.000 Jahre im eisernen Griff hatte, die Frauen den Männern gleichberechtigt waren, möchte wohl niemand behaupten. Obwohl es doch damals, als das Christentum sich über lange Zeit ohne Wenn und Aber durchsetzen konnte, eigentlich ideale Zustände hätten herrschen müssen. Inbesondere auch hinsichtlich der Menschen- und Frauenrechte. Merkwürdig, oder?

Wie dem auch sei, auf das Mittelalter folgte die Renaissance, abgewürgt von der Reformation und den daraufhin ausbrechenden Dreissigjährigen Krieg. Und, hat die Reformation der feministischen Sache weiter geholfen? Nun, zumindest der deutsche Chefreformator Martin Luther war in mittlerweile bester christlicher Tradition ein ausgewiesener Frauenfeind:

Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.

Es ist ein arm Ding um ein Weib. Die größte Ehre, die das Weib hat, ist, dass wir allzumal durch die Weiber geboren werden.

Die Ordnung fordert Zucht und eher, dass Weiber schweigen, wenn die Männer reden.

Wenn also weder die Autoren des Alten Testaments (a.k.a. „Gott“), noch Jesus, noch Paulus, noch Luther die Abwertung der Frauen beendet haben, wer hat denn dann die Frauen befreit? Das ist erst passiert, als die Frauen Schleier und Kopftuch ab-, die Bibel weggelegt, und dafür das Heft selbst in die Hand genommen haben, und zwar im Rahmen der Aufklärung. Zwei Jahre nach der zuerst nur auf Männer zugeschnittenen Deklaration der Menschenrechte (nicht durch Jesus, sondern durch die französische Nationalversammlung) forderte Olympe de Gouges mit ihrer Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin im Jahr 1791 dieselben Rechte und Pflichten für Frauen ein. Der Weg war weit, fast zweihundert Jahre lang bremsten die in der christlichen Tradition verhafteten europäischen Gesellschaften den Fortschritt so gut wie es ging aus. In der Schweiz wurde das Frauenwahlrecht sogar erst 1971 eingeführt. Mittlerweile sieht es langsam, ganz langsam so aus, als würde die Religion in dieser Sache aufgeben: Viele Protestanten erkennen mittlerweile Männer und Frauen als gleichwertig an. Der aktuelle Streit um die Nicht-Zulassung weiblicher Diakoninnen zeigt zusammen mit der Noch-Nicht-Einmal-Diskussion um das rein männlich besetzte Priesteramt, dass es in der römisch-katholischen Kirche mit Gleichberechtigung noch nicht allzu weit her ist.

Kein im Geiste der Aufklärung denkender, humanistischer Mensch würde Frauen den Männern als nachrangig betrachten. Viele Religiöse tun das auf Basis ihrer Heiligen Schriften aber heute noch.

Die beschriebenen Bibelstellen wurden zusammengetragen von Heinz-Werner Kubitza für sein sehr schönes Buch „Der Dogmenwahn – Scheinprobleme der Theologie“.

Die Evolution und ihre Theorie

Man muss es klar sagen: Kreationismus, also die Idee, dass die Welt mitsamt all ihrer Bewohner vor ca. 6000 Jahren quasi fix und fertig in sieben Tagen von Gott Jahwe geschaffen worden ist, ist eine der albernsten Ausprägungen aller religiöser Vorstellungen. Die Kreationisten haben als Hauptfeinde den gesunden Menschenverstand, sämtliche Wissenschaften und da insbesondere die Evolutionsbiologie ausgemacht. Im Kampf gegen diese „Irrlehren“ werden ganz offensichtliche Tatsachen ausgeblendet, verdrängt, verleugnet; es wird geschimpft, geschrieen und gedroht. Die Evolution muss auf diese Religionisten extrem bedrohlich wirken.

If Americans come from Europeans, why are there still Europeans?

If Americans come from Europeans, why are there still Europeans?

Die Argumente der Kreationisten sind dabei stets von erstaunlicher – hm – Schlichtheit: „Wenn die Menschen von Affen abstammen, wieso gibt es dann noch Affen?“ – „Die Welt ist so schön, sie muss einfach geschaffen worden sein!“ (siehe Photos, der Rest der Bilderserie findet sich bei Buzzfeed)

Solch ein Level naiver Dummheit lässt sich nur dann halten, wenn man die Leute bewusst schlecht informiert, also anlügt. Absurd sind daher auch die von Predigern eingeimpften Vorstellungen, was die Evolution denn eigentlich sei. Nein, liebe Kreationisten, die Evolution sagt nicht, dass “ein Hund zu einem Adler werden wird, […] wenn er oft genug versucht über Klippen zu springen”,  oder dass bei der Entstehung der ersten Menschen aus purem “Zufall viele Menschen en[t]standen sind die [z]ufällig alle ziemlich identisch waren“. Oder auch der beliebte Klassiker: Die „Wahrscheinlichkeit, dass der Mensch eine zufällige Laune der Natur ist, ist so hoch als ob ein Wirbelsturm über einen Schrottplatz fegen würde und die Schrottteile zu einer startbereiten Boeing 747 zusammenfügen würde.“

Ist das noch Dummheit oder schon Dreistheit? Egal, es ist zum Haare raufen! Evolution ist ja eben nicht willkürlicher Zufall, sondern die ungelenkte Anpassung an die Umwelt. Damit Evolution funktioniert, sind lediglich zwei Voraussetzungen nötig:

1. Lebewesen werden mit erblichen, aber variierenden Merkmalen geboren, z.B. mehr oder weniger schreckhaft, lange oder kurze Beine, viele oder wenige Haare.

2. Einige dieser Variationen sind in der jeweiligen Umwelt günstiger als andere. So haben in einer Savanne mit Raubtieren z.B. schreckhafte Tiere mit langen Beinen einen Überlebensvorteil gegenüber ihren gemütlichen Kollegen. Sie können sich öfter fortpflanzen und geben so die Merkmale weiter.

Das ist alles. Wer diese beiden Punkte vernünftig und zutreffend findet, akzeptiert damit die Evolution. Mehr ist da nicht, der Rest folgt automatisch. Evolution ist ein Fakt. Liebe Religionisten, gewöhnt euch dran.

Findest du auch Krebs, Pocken und Ebola "amazing"? So wie auch Tsunamis, Erdbeben und Hurricanes als Zeichen göttlicher Liebe?

Besonders „amazing“ sind Krebs, Pocken, Ebola, Tsunamis, Erdbeben und Hurricanes als Beweis allgütiger, göttlicher Liebe.

Intelligent Design: „Evolution ist ja bloß eine Theorie!“

Neben der faktisch vorhandenen Evolution gibt es auch noch die Evolutionstheorie. Eine wissenschaftliche Theorie ist ein gut funktionierendes Modell, das Aspekte der Welt erklärt und Vorhersagen zu deren Verhalten macht. Die Evolutionstheorie beschreibt das Ineinandergreifen der biochemischen Mechanismen der Evolution, die Prozesse der natürlichen Auslese und den historischen Ablauf der Entstehung der Arten.

Ein direktes Analogon zum Verhältnis Evolution/Evolutionstheorie ist die Gravitation/Gravitationstherie: Gravitation ist ein Fakt – Durch Leugnen wird man auch nicht leichter. Die Gravitationstheorie („Zwei Massen ziehen sich antiproportional zum Quadrat ihrer Entfernung an, weil …“) erklärt nun die Zusammenhänge hinter diesem Phänomen, so dass z.B. Flugbahnen vorhergesagt werden können. Ein weiteres Fakten- und Theoriepaar sind Krankheiten/Keimtheorie. Die Keimtheorie der Krankheiten erklärt, wie Krankheiten von Bakterien und Viren verursacht werden. Sie war lange sehr umstritten: Man ging damals mit kirchlichem Segen davon aus, dass wahlweise Dämonen oder ein „Ungleichgewicht der Körpersäfte“ Krankheiten verursachen.

Intelligent Falling: „Gravitation ist ja bloß eine Theorie!“

Alle diese Theorien haben eins gemeinsam: Sie stehen nicht nur in irgendwelchen Lehrbüchern, sondern werden täglich überall auf der Welt angewandt, und zwar in so verschiedenen Feldern wie Baustatik, Bierbrauen, Botanik, Chemie, Flugzeugbau, Landwirtschaft, Medizin, Physik, Tennis und Zoologie. Falls also jemand eine alternative Idee vorschlagen möchte, z.B. Kreationismus, die Dämonentheorie der Krankheiten oder die Intelligent Falling-These („Gravitation ist ein Hoax, Engel drücken alle Dinge ständig auf die Erde!!“), der müsste auch plausibel erklären, warum diese Wissenschafts- und Technikfelder so funktionieren, wie sie funktionieren. Kreationismus lehnt aber nicht nur die Evolutionstheorie ab, sondern auch die beobachteten Fakten der Evolution. Als Alternative behaupten die Kreationisten „Es war Magie! Ein Gott hat das alles magisch herbei gezaubert!!“ – Woher sie das wissen? Na, das haben sie in ihrem Zauberbuch gelesen.

Während in den USA Kreationisten meist mit dem stramm rechten Teil der Spektrums verbunden sind, denken in Deutschland auch alternative Kuschelprotestanten darüber nach, ob „Evolutionstheorie und Schöpfungtheorie“ nicht doch irgendwie auf eine Stufe gestellt werden können. Die Antwort ist natürlich: Nein. Die Evolution ist ein beobachteter Fakt, während die „Schöpfungstheorie“ keine Theorie ist, sondern lediglich eine zweitausend Jahre alte Geschichte.

Warum also ziehen so viele Religionisten in einen wütenden Kreuzzug gegen die Evolution und ihre Theorie, und halten gegen jeden Sinn und Verstand an ihren Kreationismus-Ideen fest? Ich schätze, Richard Dawkins hat recht: Da die Vielfalt des Lebens auf der Welt durch die Mechanismen der Evolution einfach und elegant erklärt wird, fällt auch das letzte der klassischen Argumente für die Existenz eines Gottes – das teleologische Argument – weg. Da die ontologischen und kosmologischen Argumente ganz offensichtlich Unsinn sind, gibt es seit Darwins augenöffnender Entdeckung keinerlei Grund mehr, noch an den Bibelgott Jahwe zu glauben.

Als Bonus nun noch eine islamische Tiefgaragenversion des Kreationismus. Anderswo ist man offenbar auch nicht schlauer.

Dass ein hochkomplexes Wesen wie ein Gott zufällig aus dem Nichts entsteht, ist in etwa so wahrscheinlich wie das Entstehen einer flugfähigen Boeing 747 durch einem Tornado auf einem Schrottplatz – Unmöglich!

Die Evolution beisst zurück

Fast schon verzweifelt suchen kreationistische Christen nach Argumenten, die die Evolution widerlegen und die Lehre von der Schöpfung der Welt durch Gott Jahwe beweisen sollen. Weil echte Beweise – oder auch nur vage Hinweise – in dieser Richtung rar sind, versuchen sie das Publikum durch „geschickte“ Rhetorik zu überzeugen. Die vermeintliche Wunderwaffe in diesem epischen Kampf, die „40 Fragen an die Evolutionisten“ des Kreationisten Kent Hovind, waren ja bereits Thema in diesem Blog.

Ein Gastbeitrag von Carsten Grün

Ich habe es mir tatsächlich angetan und mir die Fragen alle angesehen. Keine Angst, ich werde den teilweise hahnebüchenen Unsinn hier gewiss nicht einzeln auseinander nehmen. Manche der Fragen sind an sich schon unsinnig, und in anderen befinden sich schlicht falsche Behauptungen. Ein Beispiel sei mir hier gestattet:

34. Warum ist der Jupiter Mond ‘Ganymede’ immer noch heiß wenn er doch nach Milliarden von Jahren abgekühlt und erstarrt sein sollte?

Das ist schlicht falsch, denn Ganymed ist in der Tat ein Eismond mit einem erstarrten Kern und einer mehreren hundert Kilometer dicken Eisschicht an seiner Oberfläche.

Doch genug dazu.

Ich kam auf die Idee, meinerseits ein paar Fragen zusammenzustellen, welche man Kreationisten stellen könnte. Die ein oder andere stellte ich bereits bei Diskussionen und war über die Antworten natürlich kein bisschen überrascht. Schließlich hat der Klerus mit all seinen Erscheinungsformen sehr viel Erfahrung darin, nicht überprüfbare Argumente aus der Mitra zu zaubern. Und diese werden von den Gläubigen immer brav nachgebetet.

Raumfähre Kreationismus antwortet nicht

Bei meinen „30 Fragen an die Kreationisten“ sind auch ein paar dabei, die ein Wissenschaftler nicht ernst nehmen würde, die aber einen Kreationisten in Verlegenheit bringen dürften:

1. Warum sind die Sinneszellen der Netzhaut im Auge nach hinten gerichtet, und wurden nicht so erschaffen, dass sie nach vorne in Richtung des einfallenden Lichtes zeigen?

2. Warum wird das Gesicht während der embryonalen Entwicklung des Menschen aus drei Teilen zusammengefügt, so wie es z.B. bei Fischen seit Jahrmillionen ebenfalls geschieht?

3. Warum führt der Kehlkopfnerv der Giraffe vom Gehirn zuerst den langen Hals hinunter, um das Herz herum und dann wieder hinauf zum Kehlkopf?

4. Warum besitzt das Pferd oberhalb der Hufe rudimentäre Zehen?

5. Warum gibt es Meerestiere, die tausend Meter tief tauchen, aber trotzdem Luft atmen müssen?

6. Warum bekommen wir eine Gänsehaut, wenn gar kein Fell mehr vorhanden ist, das wir aufrichten könnten?

7. Wozu haben wir sinnlose Organteile, wie zum Beispiel den Blinddarm?

8. Wieso sind bei allen Männern die Rippen komplett vorhanden, wenn doch die eine, aus der Eva erschaffen wurde, fehlen müsste?

9. Warum ist die Erde nachweislich nicht der Mittelpunkt des Universums, sondern nur ein kleiner Planet im äußeren Drittel unserer Galaxie, welche ebenfalls nur ein Staubkorn im Universum darstellt?

Stellt die schwarze Robe auf die Probe

10. Zu welchem Zweck wurde das grausame Pockenvirus erschaffen, das wir als angebliche „Schöpfung Gottes“ ausgerottet haben?

11. Warum besitzt der Wal im Körperinneren deutliche Überreste von Hinterbeinen, die vollkommen nutzlos sind?

12. Wenn es die Arche Noah gab, warum sind nach der Sintflut alle Beuteltiere ausgerechnet in Australien ausgestiegen?

13. Wenn das Universum erst 6000 Jahre alt ist, warum datieren wir dann sein Alter aufgrund unserer wissenschaftlichen Erkenntnisse ausgerechnet auf 13,7 Mrd Jahre, und nicht auf einen anderen Zeitraum?

14. Warum bestätigen wir viele unsererer Theorien ständig selbst durch Experimente und Beobachtungen, und warum kommen wir immer weiter, wenn das alles nur ein Irrtum sein soll?

15. Warum lässt der Erschaffer dieses 6000 Jahre alten Universums es zu, dass die Frau plötzlich aufbegehrt und gleiche Rechte fordert, obwohl sie genau wie das Tier laut Bibel ein Untertan des Mannes sein soll? (Sorry, aber das steht dort wirklich: Gen 3.16, Eph 5.22, 1 Timotheus 2.11-12, Titus 2.5)

16. Wenn die Evolution und die Datierungen der Fossilien nur ein Täuschungsmanöver des Schöpfers sind, warum finden wir dann eben nicht die zahllosen „Zwischenformen“, die die Täuschung perfekt machen würden und die uns in Sicherheit wiegen würden?

17. Wozu sollte uns ein Schöpfer immer wieder vor neue wissenschaftliche Fragen stellen und unseren Glauben selbst mit Fossilien untergraben, wenn die Wahrheit nur 6000 Jahre alt ist?

18. Warum hat Gott den Menschen mit einem solch umfangreichen „Erkenntnisapparat“ ausgestattet, wenn er schon vor 6000 Jahren „sah, dass es gut war“?

19. Aus welchem Grund nennt uns Gott „die einzige nach seinem Ebenbild erschaffene Schöpfung“, wenn er uns dabei offensichtlich im Unklaren lässt, ob es noch anderswo im Universum intelligentes Leben gibt?

Was die Pfaffen nicht raffen

20. Wenn es so offensichtlich ist, dass Gott die Welt vor 6000 Jahren um 4 Uhr nachmittags erschaffen hat, wozu muss er dann hunderttausende Menschen dazu berufen, uns davon zu überzeugen? Wären wir als seine Geschöpfe nicht automatisch davon überzeugt und würden wir nicht alle Fossilien automatisch in Frage stellen?

21. Warum können wir messen, dass sich das Licht im Vakuum mit 300.000 km/s fortbewegt, obwohl diese Tatsache jeglicher Lehre vom 6000 Jahre alten Universum widerspricht?

22. Warum werden diejenigen, die für alle sichtbar Böses tun, nicht von Gott bestraft, sondern von uns?

23. Warum entdecken wir immer mehr Naturgesetze, die Gottes Existenz immer unwahrscheinlicher machen?

24. Warum können wir die Vakuumlichtgeschwindigkeit niemals erreichen oder überschreiten, worin liegt der Sinn einer solchen Grenze in einem 6000 Jahre alten Universum?

25. Warum hat Gott manche Pinguine homosexuell werden lassen, um den Nachwuchs bei Verlust des Weibchens zu schützen, während er dieses Verhalten beim Menschen verurteilt?

26. Gott hat die Bewohner von Babylon angeblich dafür bestraft, einen hohen Turm gebaut zu haben, um dem Himmel näher zu sein. Heute werden Türme gebaut, die zehnmal höher sind als der Turmbau zu Babel. Warum wird dafür niemand bestraft?

27. Warum zeigt Gott seine Wunder immer nur in weinenden Marienstatuen aus totem Holz, aber niemals dadurch, dass er ein kleines Kind vom Krebs heilt? Warum lässt Gott niemals amputierte Gliedmaßen nachwachsen – egal wie verzweifelt die Menschen zu ihm beten?

28. Warum soll das Universum ausgerechnet 6000 Jahre alt sein, wenn dieses Alter für so viele Wissenschaftler so extrem falsch ist? Warum sollte Gott Wert darauf legen, eine so offensichtliche Täuschung zu schaffen, die so leicht zu durchschauen ist?

29. Wir haben ein 6000 Jahre altes Universum, in dem gemäß der Aufzeichnungen seit mindestens 4000 Jahren ständig Krieg zwischen Menschen herrscht. Ist das Gottes Wille? Oder hat der Teufel schon seit langem die Oberhand?

30. Der Haifisch war mit all seinen Arten schon immer da, wenn die Theorie des 6000 Jahre alten Universums stimmt. Da hatte Gott eine Menge Variationen zu schaffen. Heute rottet der Mensch eine Art nach der anderen aus. Wieso lässt Gott das zu, ohne seine Schöpfung zu schützen und einzugreifen?

Die Wissenschaft liefert ständig neue Antworten. Sie macht dabei natürlich auch Fehler, aber dann geht sie einen Schritt zurück und korrigiert sich. Das funktioniert seit Jahrtausenden und hat es unter anderem auch mir ermöglicht, das hier zu schreiben. Nur der Glaube steht seit 2000 Jahren irgendwie still hinter seiner Mauer aus Dogmen.

Der Unsinn von der Unmöglichkeit von Nichtexistenzbeweisen

Immer wieder die gleiche Nummer: „Nichtexistenz ist nicht beweisbar!„, „Ein Nichtexistenzbeweis ist naturwissenschaftlich nicht möglich!„, „Die Nicht-Existenz von etwas ist nicht beweisbar!“ Weise nicken die Küchentischphilosophen und klopfen sich gegenseitig auf die Schulter.

Inhaltlich ist das natürlich Unsinn: Nichtexistenz lässt sich sehr wohl beweisen. Zum Beispiel durch Widerspruchsbeweise, also einfach durch Zeigen, dass die Elemente einer Existenzbehauptung einander oder bekannten Tatsachen widersprechen.

Beispiele gefällig? Okay:

Es existiert keine Primzahl, die durch vier teilbar ist.

Es existiert keine zweidimensionale Form, die zugleich Rechteck und Kreis ist.

Mal schauen: Eine Primzahl ist definiert als eine natürliche Zahl, die nur durch eins und sich selbst teilbar ist. Ein durch vier teilbare Zahl ist aber eben auch durch vier (und durch zwei) teilbar. So eine Zahl kann also nicht existieren. Ebenso beim Kreis/Rechteck: Die Definitionen der beiden Figuren widersprechen sich, so eine Form kann also nicht existieren.

Behauptungen widersprechen dem Weltwissen oder sich selbst

Die bisherigen Beweise der Nichtexistenz arbeiten allein durch Betrachten von Inkonsistenzen der Behauptungen. Wieder andere benutzen Weltwissen:

Es existiert keine belgische Stadt namens Fffffsdafnjkqfenwqkljingen.

Es existiert kein zweiter Erdmond.

Die Begriffe Belgien und Stadt sind definiert, es gibt Postleitzahlenverzeichnisse,  Katasterämter, Satellitenbilder. Nachschlagen zeigt uns: Die Stadt existiert nicht. Was den zweiten Mond angeht: Wenn man Mond (sehr unwissenschaftlich) als riesiges, felsiges Trabantendings im Orbit um einen Planeten definiert, dann kann neben unserem bekannten Erdmond kein zweiter existieren. Zum einen müsste erstmal festgestellt werden, ob man so ein Dings bislang überhaupt hätte übersehen können. Zum anderen: Die Auswirkungen seiner Gravitation wären mess- und erfahrbar. Die Messungen zeigen aber, dass es genau einen Erdmond gibt – für einen zweiten ist kein Platz.

Die Nichtexistenz von Nichtexistenzbeweisen

Die Behauptung vieler Küchenphilosophen, die grundsätzliche Nichtexistenz von Nichtexistenzbeweisen beweisen zu können, ist also offensichtlich falsch. Warum wird das trotzdem immer wieder behauptet? Nun, es ist für Religionisten und andere Esoteriker natürlich äußerst praktisch ihre jeweilige Lieblingsthese als grundsätzlich unwiderlegbar darzustellen.  Dabei ist egal, ob das nun die Existenz einer bestimmten Gottheit, das Vorhandensein knallbunter (unsichtbarer) UFOs in der Erdumlaufbahn, Chemtrails oder eine sinistre Geheimursache für AIDS-Erkrankungen ist.

Genau wie oben beschrieben lässt sich übrigens die folgende Aussage beweisen: „Es existiert kein allmächtiger, allgütiger Schöpfer des Universums.“ Aber dazu ein andermal mehr …

Zur Nichtreduzierbaren Komplexität des menschlichen Auges

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Es ist überhaupt kein Wunder, dass viele Religionisten den Evolutionsunterricht so stark hassen und bekämpfen. Man muss es klar sagen: Hat man die natürlichen Mechanismen von Selektion und Mutation erstmal verstanden, erklärt sich die Vielfalt des Lebens quasi von selbst. Damit fällt dann auch das letzte klassische Argument weg, dass zur Erklärung der Welt irgendwie das magische Eingreifen einer Gottheit notwendig sei.

Als absolut sicheres Killerargument zum Widerlegen der Evolutionstheorie gilt dabei insbesondere in evangelikalen Kreisen die „Nichtreduzierbare Komplexität“. Dieses immer und immer und immer und immer wieder vorgebrachte Bauernfängerargument klingt dann oft so:

Wußtest Du, daß die zentrale Behauptung der Evolutionstheorie lautet, daß sich in der natürlichen Auslese stets nur diejenigen Eigenschaften durchsetzen, die beim Überleben nützlich sind? Doch sind sämtliche Organe unseres Körpers nur dann nützlich, wenn sie funktionieren und vollständig sind. Wem nützt ein unvollständiges Auge?

Gemäß dieses „tollen“ Arguments steht dann dann nach Ansicht der Religionisten natürlich fest, dass die Evolutionslehre falsch sein muss, und daher unmittelbar folgend der Kreationismus (also die Idee, dass die Erde vor 6.000 Jahren quasi fix und fertig in sieben Tagen geschaffen worden sei) wahr sein muss.

Okay, um nun nicht in elende Detailbeschreibungen auszubrechen hier eine wirklich schöne Übersichtsgrafik aus der deutschen Wikipedia. Die einzelnen Phasen der allmählichen, 200 Millionen Jahre währenden Evolution des Wirbeltierauges zeigen sehr schön, dass Komplexität eben doch „reduzierbar“ ist. Die ganze Zeit über war der jeweilige Zustand der „Augen“ zum Überleben nützlich. Die einzelnen Phasen werden wiefolgt beschrieben:

Evolutionsstufen des Säugetierauges (Quelle)

(a) Lichtempfindliche Pigmentflecken ermöglichen es primitiven Tieren, hell und dunkel zu unterscheiden. Ein fassbarer Vorteil: Sobald ein Wesen einen vorbei huschenden Schatten wahrnimmt, kann es in Deckung gehen.

(b) Durch einfache pigmentierte Vertiefungen kann ein Wesen die Richtung, aus der Licht scheint, wahrnehmen.

(c) Aus diesen Mulden bilden sich dann Augenbecher. Durch den „Camera obscura“-Effekt können die Wesen Bilder erkennen.

(d) Schon fast da: Ein Linsenauge bündelt Licht so, dass auf der Netzhaut ein scharfes Bild entsteht.

Und schließlich: (e) Das „fertige“ Wirbeltierauge.

Ob ein Wikipediaautor der fernen Zukunft das Diagramm wohl noch um die Stufen (f) bis (z) erweitern muss?

Edit: Richard Dawkins fasst den Prozess sehr anschaulich zusammen, und wird von einem sehr sehr dummen Christen nicht verstanden.

Biologen mögen mir bitte die krassen Vereinfachungen in diesem Artikel verzeihen.

Zehn Jahre Fliegendes Spaghettimonster – Was tun?

Das Fliegende Spaghettimonster (englisch Flying Spaghetti Monster, kurz: FSM) ist die Gottheit einer im Juni 2005 vom US-amerikanischen Physiker Bobby Henderson begründeten Religionsparodie. Ihre Anhänger bezeichnen sich selbst als Pastafari oder Pastapiraten.

Dies ist ein Gastbeitrag des begeisterten Pastaverehrers Mr. MIR. Wer Lust hat mit ihm an einer (virtuellen) Jubiläumsfeier teilzunehmen, möge sich bitte hier eintragen.

Ramen, liebe Schwestern, Brüder und Piraten!

Seit nun schon neun Jahren haben wir eine neue Weltreligion zur Verfügung. Nächstes Jahr im Juni ist unser zehnjähriges FSM-Piratenbestandsjubiläum 🙂 Hiermit rufe ich alle deutschsprachigen Pastapiraten auf, angemessene Feierlichkeiten zu begehen! Vergesst nicht, insbesondere im Jubiläumsmonat Juni 2015 die drei wöchentlichen Feiertage Freitag, Samstag und Sonntag auszunutzen, um z.B. Eure Kinder taufen zu lassen. Falls Ihr einen neuen Führerschein oder Perso beantragt, vergesst nicht, Euch für das Foto anständig zu kleiden! Auch im Berufsleben sind rituelle Regeln einzuhalten. Und befolgt auch im Sommer alle anderen pastafarianischen Rituale ein bisschen frommer.

Für die Feierlichkeiten könnten wir ja auch ein kleines Fachsymposium abhalten – zumindest online – um die bisherigen Entwicklungen unserer Religion zu reflektieren:

Wir sollten diese historischen und wissenschaftlichen Ergebnisse in einem Konferenzband sammeln und der Nachwelt erhalten. Es ist auch an der Zeit, unsere Piratengeschichte niederzuschreben! Wir sollten uns zusammenrotten und gemeinsam ein deutsches Nudelwiki machen. Das wäre doch toll, nicht? Ich habe vorsorglich die URL http://de.fsm.wikia.com eröffnet und warte auf Eure Ideen und Beiträge!

Aber vielleicht sollten wir auch die Uni Jena anmieten, und dort – wie andere Kreationisten auch – eine Party steigen lassen.

Ramen,

Mr_MIR@live.de

Videotipp: The God Who Wasn’t There

Eine Stunde Zeit? Dann schnell die Popcornmaschine angeworfen, auf dem Sofa niedergelassen und „The God Who Wasn’t There“ angeschaut.

Der US-amerikanische Dokumentationsfilm (englisch, ca. 60 Minuten) von Brian Flemming untersucht, ob der bejubelte Jesus von den Ur-Christen als realer Mensch im historischen Palästina angesehen wurde, oder ob sie ihn vielmehr als eine mythische Gestalt verstanden – wie etwa Dionysos, Herkules, Horus und andere Göttersohne. Die Behauptung, Jesus sei ein real existierender Mensch gewesen, der in Palästina um die Zeitenwende gelebt habe, sei erst viel später im Rahmen einer systematischen Umdeutung der Legende entstanden. Der Apostel Paul, der maßgeblich für die Verbreitung des Christentums über die Grenzen Palästinas gewesen sei, habe Jesus noch eindeutig als mystische Gestalt wahrgenommen – die von Flemming vorgebrachten Stellen aus den Apostenbriefen hierzu sind durchaus beeindruckend.

Flemming wundert sich darüber, dass viele Christen zwar die vermeintlichen Kernglaubenssätze kennen, aber über Ursprung und Verbreitung ihrer Religion kaum etwas wissen. Er kritisiert sowohl das „moderate Christentum“, dessen Glaubenssätze mit der Bibel kaum mehr zu rechtfertigen seien (hier fallen Parallelen zu den deutschen Durchschnittsprotestanten auf, die sich die ihrer Meinung nach maßgeblichen Bibelstellen nach gusto zusammen suchen und anderswo auf der Welt kaum als Christen erkannt werden dürften), als auch die fundamentalistischen Vertreter, deren Weltsicht beherrscht wird von Blutdurst, Folter, Höllendrohungen und Menschenopfern. Über die diversen Folterskandale US-amerikanischer Machart wird sich nach dem Anschauen des Films kaum mehr jemand wundern.

Fazit: Ein unterhaltsamer Film über die Ursprünge des Christentums und deren systematisches Verbiegen durch heutige Christen. Wer Religulous“ mochte, dem wird auch „The God Who Wasn’t There“ gefallen.