Zwischenstand bei den Gottesbeweisen: 0 – 20

Seit etwa zweieinhalb Jahren schauen wir uns im Rahmen dieses Blogs Argumente für die Existenz des jüdisch-christlich-islamischen Bibel-Gottes Jahwe an, wie sie von Theisten immer wieder vorgebracht werden. So ein Beweisgang besteht in der Regel aus einer Reihe von Annahmen und daraus hergeleiteten logischen Schlüssen. Am Ende steht dann meist ein „Und daraus folgt: Die Gottheit Jahwe existiert!“

Damit ein Beweis stimmt, müssen naheliegenderweise sowohl die Annahmen als auch die logischen Herleitungen korrekt sein. Sind die Annahmen unzutreffend oder die Schlüsse unlogisch, ist der Beweis falsch. Das bedeutet dann natürlich noch lange nicht, dass das Gegenteil gelten muss, also der jeweilige Gott ganz sicher nicht existiert – lediglich der Beweis für die Existenz ist im Einzelfall gescheitert.

Bei den betrachteten Ansätzen zeigen sich immer wieder dieselben logischen Fehler (oder Fallen?) Oft wird die Existenz einer Gottheit trickreich formuliert in den Annahmen eingebracht – und dann am Ende triumphierend geschlussfolgert! Sehr schön klar wird das beim ontologischen Beweis. Etwas vereinfacht:

(A1) Der Gott ist das Wesen mit der perfekten Kombination von Eigenschaften.
(A2) Ein Wesen ohne die Eigenschaft „Existenz“ ist nicht perfekt.
(S) Der Gott hat die Eigenschaft „Existenz“, existiert also.

Derart vom rhetorischen Gestrüpp befreit wird klar, dass (A1) die Existenz einer Gottheit bereits versteckt voraus setzt. Ein ehrliche Formulierung müsste lauten:

(A1) Der Gott existiert. Er ist das Wesen mit der perfekten Kombination von Eigenschaften.

Dass daraus dann „Der Gott existiert!“ folgert, wird niemanden überraschen.

Ein zweiter üblicher Logikfehler ist der Sprung von „der Gott existiert“ zu „darum ist meine Religion richtig!“ Die bekannten Gottesbeweise versuchen lediglich die Existenz irgend eines göttlichen Wesens zu beweisen. Der logische Sprung zu „das ist Jahwe, der Gott des Christentums, das daher stimmt!“ ist völlig willkürlich und erfolgt ohne jede Begründung. Mit genau der gleichen Berechtigung könnte man zu Krishna springen, zu Zeus oder Papa Schlumpf. Fragt man hier nach, hört man oft die eher unbefriedigende Antwort “Das steht in der Bibel, an deren Wahrheit glaube ich ganz fest.”

Von den bislang angeschauten Beweisen für die Existenz von Göttern war kein einziger korrekt. Hier sind sie im einzelnen:

Also haben wir (je nach Zählung, einiges wiederholt sich) 20 bis 25 der bekanntesten und meist verwendeten Gottesbeweise angeschaut – bislang war kein einziger schlüssig. Im Gegenteil: Wir haben einige durchaus solide Ansätze (hier und hier) gezeigt, die beweisen, dass zumindest die Gottheit Jahwe nicht wie behauptet existieren kann.

In der Sammlung fehlen noch eine Reihe von Argumenten, wie zum Beispiel das Transzendentale Argument für Gott (TAG) und das Kalam-Argument, eine etwas verschwurbelte Version des kosmologischen Beweises. Daneben verdienen auch noch die in den USA aktuell als chic geltenden Präsuppositionisten eine nähere Betrachtung. Es bleibt also spannend – wer weiß, vielleicht ist ja doch noch ein gültiger Beweis für die Existenz (zumindest irgend einer) Gottheit dabei …

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31 Antworten zu Zwischenstand bei den Gottesbeweisen: 0 – 20

  1. Holger Kneib schreibt:

    Hallo,

    darf ich diesen Beitrag bei facebook veröffentlichen?

    Danke

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  2. manglaubtesnicht schreibt:

    Es gibt immer wieder Leute, die ellenlange (und oft auch nur mäßig relevante) Texte aus dem Netz kopieren und hier im Blog als Kommentar einstellen wollen. Diese Texte veröffentliche ich nicht.

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  3. Carsten Grün schreibt:

    Leider wird die Diskussion mit der Zeit etwas langweilig, wenn immer wieder die Bibel als Beweis geführt wird. Allein die Tatsache, dass die Bibel von den Menschen geschrieben und damit auch in weiten Teilen dichterisch beeinflusst wurde, und durch Übersetzungen verfäscht, macht sie als Zeugnis weitgehend unbrauchbar.
    Selbst rein geschichtlich betrachtet, also ganz ohne spirituellen Anspruch, ist die Bibel inzwischen als höchst zweifelhaft entlarvt.
    Wenn ich sage, der hineininterpretierte Gott Jahwe ist ein rachsüchtiger, jähzorniger Gott, dann liege ich damit richtig. Wehe dem, der ihm nicht gehorcht und Sünde begeht!
    Das beweist die Bibel!
    Wenn ich aber sage, Jahwe ist ein gütiger, verzeihender Gott, der alle Sünden vergibt und jedem das Paradies verheißt, dann liege ich damit auch richtig.
    Das beweist die Bibel!

    Was soll man als vernunftbegabter Mensch da noch sagen?

    Gott ist der erste und reinste Gedanke, er beweist sich selbst durch das Denken in vollkommener Reinheit. Weil er der erste Gedanke ist, muss er existieren, um diesen Gedanken hervorbringen zu können. Woher komme ich?
    Gott beantwortet diese Frage schlicht durch sein Sein in dem ursprünglichen Gedanken.
    Also muss ich durch Gottes Wille sein.
    Wenn ich durch seinen Willen bin, muss er existieren, sonst wäre ich nicht.
    Und wenn ich mich ereifere, seine Existenz anzuzweifeln, dann sagt er: Wenn ich nicht existieren würde, kämst du niemals auf die Idee, mein Sein anzuzweifeln, da ich dich schuf. Allein deshalb muss ich existieren.
    Aber ein Beweis ist gegen den Glauben, und ohne den Glauben ist Gott nichts.

    Das ist ein ganz schönes Dilemma, in dem Jahwe da im 21.Jahrhundert gelandet ist.
    Wenn er bewiesen wird, eliminiert er sich selbst, da er nicht mehr geglaubt, sondern gewusst wird.
    Der Glaube war gut…aber das Wissen um die Welt macht Jahwe unmöglich.
    Denn logisch betrachten funktioniert die Welt auch ohne ihn…selbst wenn er existiert. Blöd, sowas.
    Dann macht es „Puff“ und er löst sich in einer Wolke aus Logik auf.

    Dieser Post entstand in liebevoller Erinnerung an Douglas Adams. Per Anhalter durch die Galaxis.

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  4. Sonja Thomaser schreibt:

    Es gibt viele mögliche Ansätze die verschiedenen „Gottesbeweise“ zu widerlegen. Der Griffigste ist für mich immer (wenn auch sehr philosophisch): Ein solches Argument funktioniert nur, wenn es mindestens einen über Gott urteilenden Intellekt gibt. Es muss somit mindestens ein Subjekt geben, das Gott denkt, was bedeutet, dass das Argument nicht ausschließlich ontologische All-Sätze enthält, sondern auch eine Existenz-Behauptung. Somit ist es kein wirklicher Beweis🙂

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    • manglaubtesnicht schreibt:

      Zusammengefasst: Hier behauptet eine Person, dass sie bei einem Spaziergang eine Wolkenformation gesehen habe, die den Namen „Jesus“ gebildet habe. Darum sei sie Christ.

      Das ist in etwa so beweiskräftig, als ob eine dritte Person von uns erwarten würde an die reale Existenz der sieben Zwerge zu glauben, weil sie behauptet den Disney-Film im Kino gesehen zu haben.

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  5. dongamillo schreibt:

    Hallo. Ich bin Christ und erlebe täglich wie sich im kleinen oder großen das Vertrauen auf Gott und sein Wort derBibel lohnt

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    • awmrkl schreibt:

      Jo.
      Und Anekdoten sind immer noch keine Daten.
      http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/01/04/anekdoten-sind-keine-daten-und-religion-ist-irrational/

      Und Du belügst Dich selbst, weil Du Dich selbst belügen willst.

      Siehe „Selektive Wahrnehmung“, „Wahrnehmungsfehler“ und „logische Fehlschlüsse“ – zB http://www.ratioblog.de/entry/fehlschluss-1-non-sequitur und die weiteren vielbemühten und dennoch falschen und fehlerhaften „Schlüsse“ …

      Bitte lesen, kapieren und erst dann wieder hier (oder anderswo) auftauchen – ach ja, auch sehr empfehlenswert speziell für behauptungsgeile Religiöse:
      http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/02/15/wie-man-seine-behauptungen-belegt-so-dass-man-ernst-genommen-wird/

      Nein, kein Dank nötig, das ist gerne geleistete Hilfe zur Selbsthilfe!

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      • dongamillo schreibt:

        Hallo „awmrkl “
        Ich habe einiges der empfohlenen Seiten gelesen, irgendwie trifft das aber wohl alles nicht so richtig zu.
        Mir fehlt die rhetorische Begabung auf die einzelnen Punkte einzugehen.
        Ich erlebe Gott seit über 30 Jahren und ich bin mir meiner Grenzen bewusst.
        Ich hätte es von mir aus nie so weit geschafft.
        Ich habe meine Entscheidung,nur noch auf göttliche Eingebungen zu hören nie bereut.
        Das heißt nicht dass ich immer Gottes Willen korrekt ausgeführt habe, das heißt nur dass Gott mich bis heute trotz meiner Fehler und Ungehorsamkeiten nicht fallen gelassen hat weil ich SEIN Kind bin.

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        • fakeraol schreibt:

          Ja, das kenne ich auch. Ich habe vor ein paar Jahren durch eine ziemlich schmerzhafte Geschichte mit einer Frau erfahren, daß es da etwas gibt, das ich in meinem bisherigen Leben nie wahrgenommen habe: das „Bauchgefühl“. Ich habe erfahren, daß es Situationen im Leben gibt, wo man mit Logik trotz großer Anstrengungen keine besseren Entscheidungen findet, als z.B. mit Münze werfen, wo aber dieses Bauchgefühl abseits aller Logik meist zu Entscheidungen führt, mit denen ich zufrieden bin (ich nenne es absichtlich nicht „richtige“ Entscheidungen).
          Das funktioniert ganz ohne externe Macht, ohne Gott oder fliegendes Spagettimonster.
          Ich könnte auch behaupten, daß es da eine Macht außerhalb von mir gibt, die mich leitet, aber die Wahrheit ist, daß es in mir ist, ich habe „Gott“ also in mir – ich bin „Gott“.😉

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          • dongamillo schreibt:

            Hallo „fakeraol“, dieses beschriebene Bauchgefühl hängt mit dem von Gott gegebenen Gewissen zusammen. Dieses Gewissen wird durch unsere Lebenshaltung, insbesondere unsere Beziehung zu Gott, geprägt. Es ist gut dass du dies nicht unbedingt als richtig siehst sondern nur einfach gut für dich. Wenn du mehr als nur DEINE momentane Zufriedenheit suchst lohnt es sich mehr nach GOTTES Meinung zu fragen.

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  6. dongamillo schreibt:

    Alles ganz ruhig hier!?🙂

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    • manglaubtesnicht schreibt:

      Falls du eine Party suchst:

      —> „Christlicher Partnerschafts-Dienst“ http://www.cpdienst.net/

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      • dongamillo schreibt:

        Ich bin glücklich verheiratet, (Gott sei Dank, wem denn sonst?)
        Ich schaue nicht auf Wolkenformationen, ich darf lernen auf Gottes Wort zu vertrauen.

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        • Jesus ist Sieger schreibt:

          An was glaubt ihr genau?
          Definiert das mal?

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          • dongamillo schreibt:

            Hallo „Jesus ist Sieger“
            Mein Zeugnis habe ich hier aufgeschrieben
            [https://dongamillo.wordpress.com/eine-seite/

            …aber mal so ganz aktuell würde ich es so beschreiben:
            Ich durfte erkennen dass ich so wie ich war nicht vor Gott bestehen konnte.
            Ich habe mich mit allem Gott, Jesus Christus anvertraut und bekam durch den heiligen Geist seine tiefe innere Bestätigung des Angenommenseins. Ich bin auf dem Weg, in aller Begrenztheit durch meine Schwächen aber auch in tiefer Geborgenheit über das alles hinaus. Er erfüllt mich mit einer intensiven Freude, Zufriedenheit, Ruhe in den alltäglichen Lebensfragen, ich fühle mich in diesem Leben überreich beschenkt. Das er weckt in mir eine tiefe Sehnsucht sein Reich zu bauen, Menschen zuretten, ihnen die frohe Botschaft mitzuteilen,Ihn zu bezeugen und in jedem Menschen Sehnsucht nach dem wirklichen Leben zuwecken.

            und du, wie geht es dir?

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            • manglaubtesnicht schreibt:

              Das er weckt in mir eine tiefe Sehnsucht sein Reich zu bauen, Menschen zuretten, ihnen die frohe Botschaft mitzuteilen,Ihn zu bezeugen und in jedem Menschen Sehnsucht nach dem wirklichen Leben zuwecken.

              Der religiöse Missionarsdrang mal wieder. Warum musst du denn deine Ideen unbedingt allen anderen aufdrücken? Siehst du nicht wohin das führt? Faschismus, IS, Taliban, Lord’s Resistance Army, etc?

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            • dongamillo schreibt:

              Hallo“manglaubtesnicht “
              >…Siehst du nicht wohin das führt? Faschismus, IS, Taliban, Lord’s Resistance Army, etc?

              Eben weil so viel religiöses Gedöns in der Welt ist finde ich es wichtig wirklich gute Botschaft zu verbreiten.

              Mein Gott wird in vielen religiösen Sekten diskriminiert und schlecht dargestellt.
              Mein absolutes Verständnis und meine Sympathie für jeden Atheist der dieses ganze religiöse Zinnober ablehnt.
              Das Problem ist nur dass damit oft das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird.
              Wer echtes Geld erkennt kann das Falschgeld am besten aussortieren.
              Als Christ lehne ich gewaltsame Missionierung ab.
              Wer sich aber vor meinem bescheidenen Zeugnis als Christ fürchtet und entsprechende Zensur übt muss sich weitere Fragen zu seiner Aufrichtigkeit gefallen lassen.
              zB.:
              >[https://blasphemieblog2.wordpress.com/2015/10/16/china-fuerchtet-sich-vor-christen/

              Bei AMB bin ich gesperrt weil ich „nicht dem Niveau entsprochen habe“

              Da hier meine Beiträge extra freigeschaltet werden möchte ich lieber gleich wissen wo ich hier dran bin und wie weit hier meine Äußerungen erlaubt werden.😉

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  7. Manuel schreibt:

    Der philosophische „Gottesbeweis“ kam noch nicht vor: http://klaus-wagn.de/Gottesbeweis.pdf

    Die Exisistenz eines Gottes oder der Glaube an die Existenz Gottes (oder an ein höheres Bewusstsein das über allen Religionen steht) haben überhaupt nichts zu tun mit den Zielen von MGEN (siehe „Über MGEN“).

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  8. dongamillo schreibt:

    Ich denke ein Beweis würde dir auch nicht helfen, jeder wiedergeborene Christ(nach Joh .1,12 oder Joh 3) ist ein Zeuge. Ob du ihm glaubst oder nicht ist deine persönliche Entscheidung . Wenn du anfängst IHN kennenlernen und vertrauen zu wollen wirst du ihn auch begegnen.

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    • Carsten Grün schreibt:

      Aha…Da bis jetzt keine wiedergeborenen Christen existieren, zumindest hat bisher keiner den Nachweis erbracht, liegt die Anzahl der Zeugen exakt bei null.
      Wer ist IHN? und warum sollte ich IHN vertrauen, BEVOR ich IHN begegne?

      Ich sollte doch jemandem zuerst einmal begegnen, bevor ich ihm vertraue. Andersrum wäre doch gegen christliche gepflogenheiten (laut Bibel).

      Nix für ungut, aber Blödsinn bleibt immer Blödsinn. Das ist ja das schöne, wenn man Blödsinn wissenschaftlich betrachtet.
      Es bleibt Blödsinn. Das ist eine Sache, die sicher ist und immer sicher bleiben wird.

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  9. dongamillo schreibt:

    Hallo „Carsten Grün“
    >>Aha…Da bis jetzt keine wiedergeborenen Christen existieren, zumindest hat bisher keiner den Nachweis erbracht, liegt die Anzahl der Zeugen exakt bei null….<<
    Jeder der sich Gott (nach Johannes 3, oder Joh 1,12+13)anvertraut hat und von Gott die Antwort bekommen hat ist "wiedergeboren".
    Ich kenne einige…

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