MGEN-Podcast 2018.06: Die Urmutter schlägt zurück

Willkommen zu unserem Man Glaubt Es Nicht!-Podcast über Religion und andere Esoterik, zu gesellschaftlichen und politischen Themen aus atheistischer und humanistischer Sicht. Die aktuelle Folge findet ihr per RSS, iTunes oder Soundcloud.

Unsere Themen:

  • 04m46s: Australische Kirche ruft zum Gesetzesbruch auf um Kinderschänder zu decken
  • 12m46s: Christen erleiden Kreischkrampf: ZDF info nennt christliche Terroristen “christliche Terroristen”
  • 24m24s: Die Biologie der Religionsentstehung von Ina Wunn, Teil 2
  • 48m54s: Gespräch mit Dittmar Steiner und Stefan Paintner von Säkulare Flüchtlingshilfe – Atheisten Helfen e.V.
  • 1h29m17s: Hörer beschimpfen Podcaster: Bedenkliche Podcasts und die Logik der Theodizee

Fragen oder Anmerkungen bitte unter diesem Artikel in den Kommentaren hinterlassen oder an mgenblog@gmx.de. Falls ihr mögt, bewertet unseren Podcast doch bei iTunes und abonniert ihn bei

Werbeanzeigen

MGEN-Podcast 2018.05: Sha-la-la-lahme Witze

Willkommen zu unserem Man Glaubt Es Nicht!-Podcast über Religion und andere Esoterik, zu gesellschaftlichen und politischen Themen aus atheistischer und humanistischer Sicht. Die aktuelle Folge findet ihr per RSS, iTunes oder Soundcloud.

Unsere Themen:

  • Atheist begeht live on air einen katastrophalen Rechenfehler und beweist so, dass das Christentum stimmt
  • Papst sauer: Es gibt nicht genug Nonnen!
  • Go go, Irland: Schwangerschaftsabbrüche sind nicht mehr kategorisch verboten
  • Kardinal Müller: Homophobie ist ein kommunistisches Konstrukt, möglichweise auch noch faschistisch!
  • Studie: Christen sind nationalistischer und ausländerfeindlicher als Atheisten
  • Definitionsstündchen: Theodizee und Leibniz‘ Rettungsversuche für den AAA-Gott
  • Hörer beschimpfen Podcaster: Skydaddies Erleuchtung und das Wesen der Theorie

Fragen oder Anmerkungen bitte unter diesem Artikel in den Kommentaren hinterlassen oder an mgenblog@gmx.de. Falls ihr mögt, bewertet unseren Podcast doch bei iTunes und abonniert ihn bei

MGEN-Podcast 2018.01/02: Nix mit Fahrrad

Willkommen zu unserem Man Glaubt Es Nicht!-Podcast über Religion und andere Esoterik, zu gesellschaftlichen und politischen Themen aus atheistischer und humanistischer Sicht.

Die aktuelle Folge findet ihr per: RSSiTunesSoundcloud

Unsere Themen:

Jesus Nummer 1, Eureka Springs, Arkansas

  • Der Religionswissenschaftler Horst Junginger ist neuer Professor für Religionskritik in Leipzig und fällt durch absurde Äußerungen auf
  • Vatikan-Portier dealt mit Kokain und Kinderpornos, verweigert die Aussage über Kunden
  • Anwohner klagt gegen Moschee und bekommt Recht: „Der Gesang stellt Allah über unseren Gott. Das kann ich als Christ nicht akzeptieren.“
  • Exkurs: Der Satanische Tempel
  • Statistik des Monats: „Umvolkung“ durch Muslime fällt bis auf Weiteres aus
  • Reisebericht Eureka Springs, Ozark Mountains: Vom Tag, an dem Oliver Jesus gefunden hat
  • Exkurs: Dinosaur Valley, Texas
  • Definitionsstündchen: „Religion“
  • Hörer beschimpfen Podcaster: Kiva.org und Unsterblichkeit trotz Erschießungsbefehl

Fragen oder Anmerkungen bitte unter diesem Artikel in den Kommentaren hinterlassen oder an mgenblog@gmx.de. Falls ihr mögt, bewertet unseren Podcast doch bei iTunes.

Über die DITIB – Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion

Viele Menschen sehen es sehr kritisch: Eine zahlenmäßig bedeutende religiöse Gemeinschaft in Deutschland untersteht dem mehr oder minder direkten Einfluss einer ausländischen Macht, einer Diktatur sogar, die nicht nur im eigenen Staat, sondern auch anderswo Einfluss auf Gewissen, Moralvorstellungen und privateste Lebensentscheidungen der Gläubigen nehmen möchte. Die inneren Verhältnisse sind weder demokratisch noch transparent, insbesondere wird die Funktionärselite aus dem Ausland ernannt und nicht etwa von den Mitgliedern gewählt. Die Organisation unterhält Gebets- und Unterrichtsstätten und trägt in großem Rahmen soziale und kulturelle Angebote. Tarnt sich hier eine Organisation als soziale Einrichtung, obwohl es  den streng hierarchisch organisierten Hauptamtlichen eigentlich nur um das Durchdrücken der eigenen Glaubenssätze geht und um Einfluss auf Politik und Gesellschaft im Gastland?

Einerseit gibt man sich butterweich, schließt Staatsverträge und streicht gern staatliche Förderungen ein, andererseits lehnt man aber jeden mäßigenden Einfluss auf die eigene, im Kern totalitäre Ideologie ab. Dazu kommt, dass Frauen in vielen Bereichen immer noch als nachrangig angesehen werden, und Homosexualität vielen Predigern noch als schwere Sünde gilt.

Es stimmt, in den letzten Jahren wird verstärkt Wert gelegt auf Integrationsbereitschaft, religiös motivierte Gewalt wird verurteilt — eine erfreuliche Entwicklung. Andererseits gibt es ein ausgesprochen fragwürdiges Verhältnis zur eigenen Historie: Im Bereich Antisemitismus z.B. ist man immer noch nicht bereit Verantwortung für eigene, weitreichende Verfehlungen zu übernehmen.

Denkt man genauer darüber nach, wird klar: Es sind ganz schön krasse Sonderrechte, die sich eine religiöse Organisation herausnimmt — und das, obwohl dieser Laden in Deutschland nur eine Minderheit der Bevölkerung vertritt. Es stellt sich die Frage, ob wir als aufgeklärte Menschen dies in Zukunft weiterhin unwidersprochen hinnehmen sollten. Ich bin daher der Meinung, dass Deutschland als freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat den Einfluss und die Sonderrechte der Römisch-Katholischen Kirche systematisch zurückschneiden sollte.

Ein Jahr Bodycount des Friedens: 2.644 Tote und 3.105 Verletzte durch religiös motivierte Gewalt

Als Reaktion auf die islamistischen Attentate im Frühsommer 2016, insbesondere in Orlando, Nizza und Istanbul, haben wir im MGEN-Podcast damit begonnen Opfer von religiös motivierter Gewalt zu zählen. Seit dem Beginn unserer Zählung mit dem Massenmord im Nachtclub Pulse in Orlando, Florida am 12. Juni 2016 bis einschließlich dem Selbstmordanschlag der Taliban auf eine Polizeistation in Gardez, Afghanistan am 18. Juni 2017 kommen wir auf einen Bodycount des Friedens von 2.644 Todesopfern und 3.105 Verletzten durch religiös motivierte Gewalt.

Zu viele um auf einzelne Attentate detailliert eingehen — aber zumindet durch das Aufzählen der jeweiligen Opferzahlen in unseren Podcast-Folgen wollten wir den Finger an die Hutkrempe legen und die für Religion ermordeten Menschen ein letztes Mal grüßen. Die Zahlen sollten eine Motivation für alle Menschenfreunde sein sich gegen den hasserfüllten Wahn der Religion und für aufgeklärte Rationalität einzusetzen.

Wir haben zugegebenermaßen sehr oberflächlich gezählt: Manchmal haben wir ein paar Tage lang nicht nachgeschaut, und falls es ein Attentat nicht auf die Titel der Nachrichtenseiten geschafft hat, haben wir es im Zweifel übersehen. Und selbst dann wurde bei großen Massakern mit vielen Todesopfern über die Zahl der Verletzten gar nicht erst berichtet. Der Bodycount des Friedens ist also deutlich geringer als die tatsächlichen Opferzahlen.

Das Institut für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) in Tel Aviv ist wissenschaftlich vorgegangen und hat im Rahmen seiner Terror und Gewalt-Studie festgestellt, dass das Jahr 2016 die bislang höchste Opferzahl bei Selbstmordattentaten aufweist: Im Jahr 2016 kamen  5.650 Menschen bei solchen Aktionen ums Leben, 9.480 wurden verletzt. In 2015 wurden 4.330 Menschen bei 452 Anschlägen ermordet, 8.800 erlitten Verletzungen. 

Bei all den vielen Todesopfern wirkt das immer und immer wieder vorgebrachte Argument der Gläubigen wie zynischer Hohn: Die Religion ist eine Kraft des Guten in der Welt. Sie gibt uns Halt und macht uns froh.

Der Bodycount des Friedens 12. Juni 2016 — 18. Juni 2017

Orlando am 12. Juni 2016 (49 Tote und 50 Verletzte), Istanbul (36 Tote und 147 Verletzte), Bagdad (250 Tote und ungezählte Verletzte), Nizza (84 Tote und 300 Verletzte), Wuerzburg (5 Verletzte), Kabul (81 Tote und 230 Verletzte), Bagdad, 14 Tote und 30 Verletzte (24. Juli), Ansbach, 15 Verletzte (24. Juli) Rouen, 1 Toter, 1 Schwerverletzte (26. Juli), kurdische Stadt Kamischli, 56 Tote und 160+ Verletzte (27. Juli), 2 Verletzte in Charleroi (6. Aug), 70 Tote, 200+ Verletzte in Quetta, Pakistan (8. August), 9 Verletzte in St. Cloud, Minnesota (17.09.), 29 Verletzte in New York (17.09.),  gescheiterte Attentate in Seaside Park, New Jersey (17.09.) und Elizabeth, New Jersey (18.09.), 5 Tote in Burlington, Washington State (24.09.), 1 Toter in Amman, Jordanien, 2 Verletzte in Brüssel (5.10.), 29 Tote, 20+ Verletzte in Atmah, Syrien (6.10.), 5 Verletzte in Istanbul (6.10.), 2 Tote und 4 Verletzte in Jerusalem (9.10.), ein Mann totgeprügelt weil er an eine Kirche gepinkelt hat in Freiburg (21.10.), 3 Tote bei Geisteraustreibung in Myanmar (23.10.), 27 bis 55 Tote in Bagdad (15.10.), 3 Tote und 8 Verletzte in Gaziantep, Türkei (16.10.), 46 Tote und 133 Verletzte in Kirkuk, Irak (21.10.),  284 Männer und Jungen in Mossul (23.10.), 60+ Tote in Quetta, Pakistan (24.10.), 12 Tote in Mandera, Kenia (25.10.), 26 Leute entführt und umgebracht, Ghor, Afghanistan (26.10.), 230 Ermordete in Mossul, Irak (28.10.), 29 Verletzte bei einem Taliban-Attentat gegen das deutsche Konsultat in Masar-i-Scharif, Afghanistan (10.11.), 45 Tote und Dutzende Verletzte bei einem Attentat auf einen Sufi-Schrein in Khuzdar, Pakistan (12.11.), 30 Tote und 45 Verletzte bei Attentat auf Hochzeitsfeier in Falludscha, Irak (17.11.), 100+ Tote bei IS-Attentat auf Pilger in Hilla, Irak (24.11.), 11 Verletzte bei Angriff mit einem Schlachtermesser auf Ohio State University in Columbus, Ohio (28.11.), 30 Tote und Dutzende Verletzte in Madagali, Nigeria (Boko Haram, 8.12.), gescheitertes Attentat in Rotterdam, „Isis flag, Kalashnikov and explosives“ (9.12.), 30 Menschen getötet und 48 verletzt in Mogadischu, Somalia (11.12.), 25 Tote und 49+ Verletzte in Kairo, Ägypten (11.12.), 9 Tote und 27 Verletzte in Kerak in Jordanien (18.12.), 49 Tote und mehrere Dutzend Verletzten (18.12.) Aden, Afghanistan, 3 Verletzte beim Attentat auf eine Moschee in Zürich (19.12.), 12 Tote und 50 Verletzte in Berlin (19.12.), 11 Tote und Dutzende Verletzte über Weihnachtstage in Bagdad, Irak, 28 Tote und Dutzende Verletzte in Bagdad, Irak (31.12.), 39 Tote und 69 Verletzte bei einem Anschlag auf einen Nachtclub in Istanbul, (31.12.), 32 Tote und 60+ Verletzte in Bagdad (2.1.), Tote und 19 Verletzte bei Attentat auf Moschee in Quebec (29.1.), 1 Verletzter beim Angriff in Paris, Frankreich (3.2.), 11 Tote und 60 Verletzte in Lahore, Pakistan (13.2.), 83 Tote und 250 Verletzte in Sehwan, Pakistan (16.2.), 45 Tote und 49 Verletzte in Bagdad, Irak (16.2.), 35 Tote und 40+ Verletzte in Mogadischu, Somalia, Verdacht: Shebab-Miliz (19.02.), 42+ Tote in Al-Bab, Syrien (24.2.), ca. 40 Tote in Homs, Syrien (25.2.), 1 Mann umgebracht auf den Philippinen von der radikalislamistischen Terrorgruppe Abu Sayyaf (26.2.), mind. 16 Tote und 44 Verletzte bei Taliban-Attentaten in Kabul, Afghanistan (1.3.), 30 Tote und Dutzende Verletzte in Kabul, Afghanistan (8.3.), 46 Tote und 120 Verletzte in Damaskus, Syrien, bei Attentaten auf schiitische Pilger, zwei Transgender Leute totgeprügelt (in Polizeigewahrsam) in Saudi-Arabien (Bericht am 15.3.), ein Verletzter bei einem Attentat auf Polizisten und Soldaten am Flughafen Orly in Paris, Frankreich (18.03.), 4 Tote und 40 Verletzte in London, UK (22.3.), gescheiterter Anschlag in Antwerpen, Belgien (23.3.) 20 Tote und vier Verletzte bei Attentat auf Sufi-Schrein, Punjab, Pakistan (2.4., “Haupttäter habe erklärt, die Opfer seien nach ihrer Folterung „spirituell gereinigt“ worden”), 3 Leute totgeschlagen (in Polizeigewahrsam) und 100-200 “verschwunden” in Tschetschenien wg. “des Verdachts nicht traditioneller sexueller Orientierung” (3.4.), 5 Tote und 14 Verletzte in Stockholm, Schweden (7.4.), 34 Tote und mind. 60 Verletzte bei Bombenanschlägen auf Kirchen in Tanta und Alexandria, Ägypten (9.4.), 1 Toter und 3 Verletzte bei IS-Attentat auf das Katharinenkloster, Agypten (19.4.), 3 Tote in Frenso, Californien (19.4.), 1 Toter und 2 Verletzte in Paris, Frankreich (20.4.), Taliban: 140 Tote und 160 Verletzte bei Angriff auf Militärmoschee in Masar-i-Scharif, Afghanistan (22.4.), 37 Tote bei IS-Selbstmordanschlag auf Flüchtlingslager in Hasakeh, Syrien (2.5.), eine Frau auf Scheiterhaufen verbrannt worden um Teufel auszutreiben durch christlichen Priester, Nicaragua (Bericht am 3.5., Tat schon im Feb), 25 Tote und 35 Verletzte in Belutschistan, Pakistan (12.5.), islamistischer Neonazi bringt zwei christliche Neonazifreunde um, weil er “wütend über deren antiislamische Vorurteile” ist, Tampa, Florida (19.5.), 22 Tote und 59 Verletzte bei Nagelbombenanschlag auf Popkonzert für Kinder in Manchester, UK (22.5.), 26 Tote und 25 Verletzte bei einem Attentat auf einen Bus mit koptischen Christen in der Nähe von Kairo, Ägypten (25.5.), 2 Tote und 1 Verletzter bei Messerattacke auf “muslimisch aussehende Frauen” in Portland, Oregon (26.5.), ein kleiner Junge gestorben, weil Eltern systematisch Antibiotika verweigert haben und stattdessen Homöopathiekügelchen gegeben haben, Cagli, Italien (28.5.), 27 Tote und mind. 100 Verletzte bei Bombenattentat in Bagdad, Irak (30.5.), 90 Tote und 463 Verletzte bei einem Selbstmordanschlag der Taliban in Kabul, Afghanistan (31.5.), 20 Tote und 119 Verletzte bei drei Selbstmordanschlägen auf die Trauerfeiern der Opfer vom letzten Anschlag, Kabul, Afghanistan (3.6.), 7 Tote und 48 Verletzte bei Angriffen auf ausgehende Leute am Samstagabend in London, England (3.6.), 1 Toter und 4 Verletzte bei einer Geiselnahme in Melbourne, Australien (5.6.), ein Verletzter bei einem Angriff mit einem Hammer, Paris, Frankreich (6.6.), 20+ Tote und 35+ Verletzte bei Attentat der Terrormiliz al Shabaab in Mogadischu, Somalia (14.6.), 4 Tote und 8 Verletzte bei Angriff auf eine schiitische Moschee in Kabul, Afghanistan (15.6.), 20 Tote und 8 Verletzte bei einem Selbstmordanschlag der Taliban in Gardez, Afghanistan (18.6.).

Insgesamt ergibt sich ein Bodycount des Friedens von 2.644 Toten und 3.105 Verletzten durch religiös motivierte Gewalt.

 

Zur Anzahl der Muslime in Deutschland und Europa

statista_pegida_islamisierungBei Statista findet sich eine repräsentative Umfrage aus dem Jahr 2016 mit der Frage „Sind Sie wie das Bündnis Pegida der Ansicht, dass Deutschland zunehmend islamisiert wird?“ – 34% der Befragten beantworteten diese Frage mit Ja, 57% mit Nein. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung fürchtet also von muslimischen Einwanderern mehr oder minder überwältigt zu werden. Zeit, sich die Zahlen anzuschauen.

Weltweit gibt es ca. 1,6 Mrd. Muslime, das sind 20,1% der Weltbevölkerung (diese Zahl ist schon etwas älter, von 2004). Auf dem Gebiet der EU leben etwa 16 Mio. Muslime, bei insgesamt 500 Mio. Einwohnern also ein Prozentsatz von 3,2%. Selbst wenn man hier großzügig aufrundet und von 20 Mio. Muslimen in der EU ausginge, bliebe es bei nur 4%. In Deutschland leben 2016 etwa 4-4,5 Mio. Muslime, bei 82 Mio. Einwohnern also um die 5%. Die Schwierigkeit dabei: Da es im Islam keine Verbände analog zu den christlichen Großkirchen gibt, also keine zentralen Mitgliedszahlen abgerufen werden können, mussten sich die Statistiker hier eine Methode ausdenken, wen genau sie als Muslim erfassen und wen nicht. Im schlimmsten Fall wurden z.B. auch türkischstämmige Atheisten wegen ihrer Herkunft pauschal als Muslime mitgezählt. Anderswo wird deshalb auch von nur 2,8 Millionen Muslimen in Deutschland gesprochen, also ca. 3,4%. Hier werden atheistische Menschen aus muslimisch geprägten Herkunftsländern explizit heraus gerechnet.

Deutschlands Muslime gehören folgenden Konfessionen an:

  • 2,640,000 Sunniten
  • 500,000 Alleviten
  • 225,000 Imamiten und Schiiten
  • 70,000 Alaviten
  • 35,000 Ahmadiyya
  • 1,900 Ismailiten

Andere Umfragen belegen, dass diese Zahlen von nicht-muslimischen Einwohnern offenbar systematisch überschätzt werden. Der Tagesspiegel berichtet über eine Umfrage in Deutschland: „Von den Befragten …  glaubt sogar etwas weniger als ein Drittel, es gebe über 10 Millionen Muslime in Deutschland.“ Der ORF berichtet über eine Umfragen in einer Reihe von Ländern, in denen Muslime eine Minderheit bilden: „Im Durchschnitt schätzten die Befragten den muslimischen Bevölkerungsanteil auf 16 Prozent, während er tatsächlich nur drei Prozent beträgt.“ Laut fowid wird der Prozentsatz der Muslime in Deutschland im Schnitt auf das Vierfache des tatsächlichen Wertes geschätzt (21 anstatt 5%).

Warum mag das so sein? Warum fühlen sich so viele Leute bedroht durch alles Fremde? Woher kommt diese Angst, woher der Hass auf Anders- und Falschgläubige? Ist das derselbe Hass, der auch anderen Minderheiten traditionell entgegenschlägt, wie Homosexuellen oder Juden?

Nehmen wir für einen Moment an, wie das noch nicht einmal die Panik verbreitenden Abendlandretter tun, dass von heute an jedes einzelne Jahr eine zusätzliche Million Muslime nach Deutschland einwandern würden. Das ist in der Geschichte der Republik bislang exakt ein einziges Mal passiert, in einer extremen Ausnahmesituation, in 2015. Egal: Angenommen, es käme jedes Jahr ohne Ausnahme ein Million Menschen hinzu, die alle Muslime wären und auch alle für immer in Deutschland blieben. Dann gäbe es eine muslimische Bevölkerungsmehrheit in frühestens 70 Jahren, also etwa um das Jahr 2085 herum. Selbst unter solch absurden Annahmen gibt es also zur Panik vor der Überwältigung durch Falschgläubige wenig Gründe.

Fazit: Bei nüchterner Betrachtung bleibt für Alarmismus und Panik wenig Raum. Bei unter 4% Muslime in der EU und etwa 5% in Deutschland sind steile Thesen von der angeblichen Islamisierung eindeutig Unsinn. Wichtig ist aber trotzdem, dass vernünftige Menschen analysieren, welche realen Probleme es im Zusammenleben gibt, und wie so viel Angst und Hass auf Andersgläubige entstehen konnte. Wir wissen, dass Angst zu Hass führt, und Hass zu Gewalt. Wenn wir vermeiden wollen, dass sich die Geschichte wiederholt, dürfen wir Humanisten das Thema nicht den Schreihälsen und Hassmenschen überlassen.

Hier ein Ausschnitt aus dem MGEN-Podcast Folge 2016.11 zum Thema:

MGEN-Islamcast Folge 2016.11: Auf dem Tempelberg nachts um halb eins

Willkommen zu unserem Podcast über Religion und andere Esoterik, zu gesellschaftlichen und politischen Themen aus atheistischer und humanistischer Sicht. Die halal Themen unserer Islam-Sonderfolge im November 2016:

  • Der Bodycount der ungläubigen Kreuzzügler
  • Iran: Oberster Koranvorleser vor Gericht wegen Kindesmissbrauchs, droht mit Enthüllungen zu systematischem und massenhaftem Kindesmissbrauch
  • Islamisten verhindern Impfungen und Ausrottung von Kinderlähmung
  • Muslime in Deutschland, Europa und der Welt: Wer, wo und -falls ja- wie viele?
  • Muslimische Mehrheitsgesellschaften – Was geht da ab?
  • Neue Religion? Welche neue Religion? Die Frühzeit des Islam
  • Hörer beschimpfen Podcaster: Humanistische Kindererziehung und Kritik zur Ausrichtung des Podcasts; außerdem lernen wir, dass Atheismus unwissenschaftlich ist
  • Jungfrauen? Welche Jungfrauen? Der Koran und seine Sprache

Der RSS-Feed für den Podcast findet sich hier. Die Folge lässt sich auch bei iTunes oder direkt bei Soundcloud anhören und auch als mp3 herunterladen. Falls ihr mögt, bewertet unseren Podcast doch bei iTunes. Fragen oder Anmerkungen könnt ihr unter diesem Post in den Kommentaren hinterlassen oder per EMail an mgenblog@gmx.de auf den Weg bringen.

MGEN-Podcast Folge 16.07: Warum gibt’s dann noch Affen?

Das MGEN-Team hat gepodcastet, unter anderem zu den folgenden Themen:

  • Sehr praktisch: Glockengebimmel und Muezzinruf als Handy-App
  • Kirchen enttäuscht: (Erstmal) kein Gottesbezug in Schleswig-Holstein
  • Danke schön und auf Wiedersehen: Kirchenaustritte 2015
  • Das moralische Viertelstündchen: Moral und Ethik – Was ist das, was soll das?
  • Es folgt ein Gottesbeweis: Das teleologische Argument
  • Mehr drin als man denkt: Kreationisten in Deutschland

Links zu den Themen:

Der RSS-Feed für den Podcast findet sich hier. Die Folge lässt sich auch bei iTunes oder direkt bei Soundcloud anhören und auch als mp3 herunterladen. Falls ihr mögt, bewertet unseren Podcast doch dort. Fragen oder Anmerkungen könnt ihr unter diesem Post in den Kommentaren hinterlassen oder per EMail an mgenblog@gmx.de auf den Weg bringen.

Die Evolution und ihre Theorie

Man muss es klar sagen: Kreationismus, also die Idee, dass die Welt mitsamt all ihrer Bewohner vor ca. 6000 Jahren quasi fix und fertig in sieben Tagen von Gott Jahwe geschaffen worden ist, ist eine der albernsten Ausprägungen aller religiöser Vorstellungen. Die Kreationisten haben als Hauptfeinde den gesunden Menschenverstand, sämtliche Wissenschaften und da insbesondere die Evolutionsbiologie ausgemacht. Im Kampf gegen diese „Irrlehren“ werden ganz offensichtliche Tatsachen ausgeblendet, verdrängt, verleugnet; es wird geschimpft, geschrieen und gedroht. Die Evolution muss auf diese Religionisten extrem bedrohlich wirken.

If Americans come from Europeans, why are there still Europeans?

If Americans come from Europeans, why are there still Europeans?

Die Argumente der Kreationisten sind dabei stets von erstaunlicher – hm – Schlichtheit: „Wenn die Menschen von Affen abstammen, wieso gibt es dann noch Affen?“ – „Die Welt ist so schön, sie muss einfach geschaffen worden sein!“ (siehe Photos, der Rest der Bilderserie findet sich bei Buzzfeed)

Solch ein Level naiver Dummheit lässt sich nur dann halten, wenn man die Leute bewusst schlecht informiert, also anlügt. Absurd sind daher auch die von Predigern eingeimpften Vorstellungen, was die Evolution denn eigentlich sei. Nein, liebe Kreationisten, die Evolution sagt nicht, dass “ein Hund zu einem Adler werden wird, […] wenn er oft genug versucht über Klippen zu springen”,  oder dass bei der Entstehung der ersten Menschen aus purem “Zufall viele Menschen en[t]standen sind die [z]ufällig alle ziemlich identisch waren“. Oder auch der beliebte Klassiker: Die „Wahrscheinlichkeit, dass der Mensch eine zufällige Laune der Natur ist, ist so hoch als ob ein Wirbelsturm über einen Schrottplatz fegen würde und die Schrottteile zu einer startbereiten Boeing 747 zusammenfügen würde.“

Ist das noch Dummheit oder schon Dreistheit? Egal, es ist zum Haare raufen! Evolution ist ja eben nicht willkürlicher Zufall, sondern die ungelenkte Anpassung an die Umwelt. Damit Evolution funktioniert, sind lediglich zwei Voraussetzungen nötig:

1. Lebewesen werden mit erblichen, aber variierenden Merkmalen geboren, z.B. mehr oder weniger schreckhaft, lange oder kurze Beine, viele oder wenige Haare.

2. Einige dieser Variationen sind in der jeweiligen Umwelt günstiger als andere. So haben in einer Savanne mit Raubtieren z.B. schreckhafte Tiere mit langen Beinen einen Überlebensvorteil gegenüber ihren gemütlichen Kollegen. Sie können sich öfter fortpflanzen und geben so die Merkmale weiter.

Das ist alles. Wer diese beiden Punkte vernünftig und zutreffend findet, akzeptiert damit die Evolution. Mehr ist da nicht, der Rest folgt automatisch. Evolution ist ein Fakt. Liebe Religionisten, gewöhnt euch dran.

Findest du auch Krebs, Pocken und Ebola "amazing"? So wie auch Tsunamis, Erdbeben und Hurricanes als Zeichen göttlicher Liebe?

Besonders „amazing“ sind Krebs, Pocken, Ebola, Tsunamis, Erdbeben und Hurricanes als Beweis allgütiger, göttlicher Liebe.

Intelligent Design: „Evolution ist ja bloß eine Theorie!“

Neben der faktisch vorhandenen Evolution gibt es auch noch die Evolutionstheorie. Eine wissenschaftliche Theorie ist ein gut funktionierendes Modell, das Aspekte der Welt erklärt und Vorhersagen zu deren Verhalten macht. Die Evolutionstheorie beschreibt das Ineinandergreifen der biochemischen Mechanismen der Evolution, die Prozesse der natürlichen Auslese und den historischen Ablauf der Entstehung der Arten.

Ein direktes Analogon zum Verhältnis Evolution/Evolutionstheorie ist die Gravitation/Gravitationstherie: Gravitation ist ein Fakt – Durch Leugnen wird man auch nicht leichter. Die Gravitationstheorie („Zwei Massen ziehen sich antiproportional zum Quadrat ihrer Entfernung an, weil …“) erklärt nun die Zusammenhänge hinter diesem Phänomen, so dass z.B. Flugbahnen vorhergesagt werden können. Ein weiteres Fakten- und Theoriepaar sind Krankheiten/Keimtheorie. Die Keimtheorie der Krankheiten erklärt, wie Krankheiten von Bakterien und Viren verursacht werden. Sie war lange sehr umstritten: Man ging damals mit kirchlichem Segen davon aus, dass wahlweise Dämonen oder ein „Ungleichgewicht der Körpersäfte“ Krankheiten verursachen.

Intelligent Falling: „Gravitation ist ja bloß eine Theorie!“

Alle diese Theorien haben eins gemeinsam: Sie stehen nicht nur in irgendwelchen Lehrbüchern, sondern werden täglich überall auf der Welt angewandt, und zwar in so verschiedenen Feldern wie Baustatik, Bierbrauen, Botanik, Chemie, Flugzeugbau, Landwirtschaft, Medizin, Physik, Tennis und Zoologie. Falls also jemand eine alternative Idee vorschlagen möchte, z.B. Kreationismus, die Dämonentheorie der Krankheiten oder die Intelligent Falling-These („Gravitation ist ein Hoax, Engel drücken alle Dinge ständig auf die Erde!!“), der müsste auch plausibel erklären, warum diese Wissenschafts- und Technikfelder so funktionieren, wie sie funktionieren. Kreationismus lehnt aber nicht nur die Evolutionstheorie ab, sondern auch die beobachteten Fakten der Evolution. Als Alternative behaupten die Kreationisten „Es war Magie! Ein Gott hat das alles magisch herbei gezaubert!!“ – Woher sie das wissen? Na, das haben sie in ihrem Zauberbuch gelesen.

Während in den USA Kreationisten meist mit dem stramm rechten Teil der Spektrums verbunden sind, denken in Deutschland auch alternative Kuschelprotestanten darüber nach, ob „Evolutionstheorie und Schöpfungtheorie“ nicht doch irgendwie auf eine Stufe gestellt werden können. Die Antwort ist natürlich: Nein. Die Evolution ist ein beobachteter Fakt, während die „Schöpfungstheorie“ keine Theorie ist, sondern lediglich eine zweitausend Jahre alte Geschichte.

Warum also ziehen so viele Religionisten in einen wütenden Kreuzzug gegen die Evolution und ihre Theorie, und halten gegen jeden Sinn und Verstand an ihren Kreationismus-Ideen fest? Ich schätze, Richard Dawkins hat recht: Da die Vielfalt des Lebens auf der Welt durch die Mechanismen der Evolution einfach und elegant erklärt wird, fällt auch das letzte der klassischen Argumente für die Existenz eines Gottes – das teleologische Argument – weg. Da die ontologischen und kosmologischen Argumente ganz offensichtlich Unsinn sind, gibt es seit Darwins augenöffnender Entdeckung keinerlei Grund mehr, noch an den Bibelgott Jahwe zu glauben.

Als Bonus nun noch eine islamische Tiefgaragenversion des Kreationismus. Anderswo ist man offenbar auch nicht schlauer.

Dass ein hochkomplexes Wesen wie ein Gott zufällig aus dem Nichts entsteht, ist in etwa so wahrscheinlich wie das Entstehen einer flugfähigen Boeing 747 durch einem Tornado auf einem Schrottplatz – Unmöglich!

Zwischenstand bei den Gottesbeweisen: 0 – 20

Seit etwa zweieinhalb Jahren schauen wir uns im Rahmen dieses Blogs Argumente für die Existenz des jüdisch-christlich-islamischen Bibel-Gottes Jahwe an, wie sie von Theisten immer wieder vorgebracht werden. So ein Beweisgang besteht in der Regel aus einer Reihe von Annahmen und daraus hergeleiteten logischen Schlüssen. Am Ende steht dann meist ein „Und daraus folgt: Die Gottheit Jahwe existiert!“

Damit ein Beweis stimmt, müssen naheliegenderweise sowohl die Annahmen als auch die logischen Herleitungen korrekt sein. Sind die Annahmen unzutreffend oder die Schlüsse unlogisch, ist der Beweis falsch. Das bedeutet dann natürlich noch lange nicht, dass das Gegenteil gelten muss, also der jeweilige Gott ganz sicher nicht existiert – lediglich der Beweis für die Existenz ist im Einzelfall gescheitert.

Bei den betrachteten Ansätzen zeigen sich immer wieder dieselben logischen Fehler (oder Fallen?) Oft wird die Existenz einer Gottheit trickreich formuliert in den Annahmen eingebracht – und dann am Ende triumphierend geschlussfolgert! Sehr schön klar wird das beim ontologischen Beweis. Etwas vereinfacht:

(A1) Der Gott ist das Wesen mit der perfekten Kombination von Eigenschaften.
(A2) Ein Wesen ohne die Eigenschaft „Existenz“ ist nicht perfekt.
(S) Der Gott hat die Eigenschaft „Existenz“, existiert also.

Derart vom rhetorischen Gestrüpp befreit wird klar, dass (A1) die Existenz einer Gottheit bereits versteckt voraus setzt. Ein ehrliche Formulierung müsste lauten:

(A1) Der Gott existiert. Er ist das Wesen mit der perfekten Kombination von Eigenschaften.

Dass daraus dann „Der Gott existiert!“ folgert, wird niemanden überraschen.

Ein zweiter üblicher Logikfehler ist der Sprung von „der Gott existiert“ zu „darum ist meine Religion richtig!“ Die bekannten Gottesbeweise versuchen lediglich die Existenz irgend eines göttlichen Wesens zu beweisen. Der logische Sprung zu „das ist Jahwe, der Gott des Christentums, das daher stimmt!“ ist völlig willkürlich und erfolgt ohne jede Begründung. Mit genau der gleichen Berechtigung könnte man zu Krishna springen, zu Zeus oder Papa Schlumpf. Fragt man hier nach, hört man oft die eher unbefriedigende Antwort “Das steht in der Bibel, an deren Wahrheit glaube ich ganz fest.”

Von den bislang angeschauten Beweisen für die Existenz von Göttern war kein einziger korrekt. Hier sind sie im einzelnen:

Also haben wir (je nach Zählung, einiges wiederholt sich) 20 bis 25 der bekanntesten und meist verwendeten Gottesbeweise angeschaut – bislang war kein einziger schlüssig. Im Gegenteil: Wir haben einige durchaus solide Ansätze (hier und hier) gezeigt, die beweisen, dass zumindest die Gottheit Jahwe nicht wie behauptet existieren kann.

In der Sammlung fehlen noch eine Reihe von Argumenten, wie zum Beispiel das Transzendentale Argument für Gott (TAG) und das Kalam-Argument, eine etwas verschwurbelte Version des kosmologischen Beweises. Daneben verdienen auch noch die in den USA aktuell als chic geltenden Präsuppositionisten eine nähere Betrachtung. Es bleibt also spannend – wer weiß, vielleicht ist ja doch noch ein gültiger Beweis für die Existenz (zumindest irgend einer) Gottheit dabei …