Euer Gott kann uns gar nix!

Liebe Atheisten und andere Jahwe-Ungläubige,

von höchster Stelle haben wir bei MGEN soeben die Versicherung erhalten, dass die meisten von uns gegen die Macht der wilden Bibel-Gottheit Jahwe immun sind, und wir uns daher nicht vor Blitz, Donner und ewiger Höllenfolter zu fürchten brauchen. Denn (Richter 1.19):

Und der HERR war mit Juda, und er nahm das Gebirge in Besitz. Aber die Bewohner der Ebene waren nicht zu vertreiben, weil sie eiserne Wagen hatten.

Zumindest diejenigen von uns, vor deren Haus ein eiserner Wagen steht, sei es VW, Opel oder ein Japaner, sind also vor dem Zorn des Gottes sicher. Und die anderen können sich bestimmt beim Herannahen der Apokalypse noch schnell ein Mietauto sichern.

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Über “Tausende von Prophezeiungen in der Bibel”

Ab und zu macht die Diskussion mit Religionisten richtig Spaß, manchmal lernt man sogar noch etwas dabei. So schrieb vor einer Weile der Kommentator “Der Kritische” von der

… Tatsache, dass sich tausende Prophezeiungen der Bibel erfüllt haben …

“Schon wieder einer”, dachte ich, schrieb zurück “Nenne drei!” und hielt die Sache für erledigt. Aber nein! Am nächsten Tag fand sich folgende Antwort:

Gerne!

Oh, wie erfreulich! Der Kommentator hatte sich wirklich die Mühe gemacht, die drei für ihn überzeugendsten Prophezeiungen der Bibel zusammen zu suchen. Auch hier sei ihm nochmals gedankt dafür, und für seine Bereitschaft sich auf die skeptischen Fragen Ungläubiger einzulassen. Seine Argumente werden in diesem Post etwas verkürzt dargelegt, sie können hier komplett nachgelesen werden.

Eine gültige Prophezeiung muss eine Reihe von Kriterien erfüllen: U. a.  muss sie zutreffend sein, sie muss vor dem betreffenden Ereignis gemacht werden, das Ereignis muss außergewöhnlich sein (“Morgen früh wird die Sonne aufgehen” ist keine Prophezeiung), sie muss exakt sein (“Du wirst einen hochgewachsenen Fremden treffen” auch nicht), und die Prophezeiung darf das Ereignis nicht selbst auslösen (“Kellner, ich prophezeie eine Pizza!” – “Hier, bitte!” – “Ein Wunder, ein Wunder!!”)

Mal schauen, was von den Lieblingsprophezeiungen von “Der Kritische” übrig bleibt, wenn man diese Kriterien und etwas Geschichtsbuchwissen anwendet.

Erste Prophezeiung: Die Zerstörung der Stadt Tyrus

Er beginnt mit einem recht langen Zitat zur Zerstörung der antiken Stadt Tyros, das hier – man wird sehen, warum – vollständig wiedergegeben wird:

“3 darum, so spricht GOTT, der Herr: Siehe, ich komme über dich, Tyrus, und will viele Völker gegen dich heraufführen, wie das Meer seine Wellen heraufführt! 4 Und sie werden die Mauern von Tyrus zerstören und ihre Türme niederreißen; und ich will das Erdreich von ihr wegfegen und sie zu einem kahlen Felsen machen; 5 zu einem Ort, wo man die Fischernetze ausspannt, soll sie werden inmitten des Meeres. Ich habe es gesagt, spricht GOTT, der Herr, sie soll den Völkern zur Beute werden! [...] 12 Und sie werden deinen Reichtum rauben und deine Handelsgüter plündern; sie werden deine Mauern niederreißen und deine Lusthäuser zerstören; sie werden deine Steine, dein Holz und deinen Schutt ins Wasser werfen. 13 So will ich dem Lärm deiner Lieder ein Ende machen, und dein Saitenspiel soll künftig nicht mehr gehört werden. 14 Ich will einen kahlen Felsen aus dir machen; du sollst ein Ort werden, wo man die Fischernetze ausspannt, und du sollst nicht wieder aufgebaut werden.” (Hesekiel 26, 3-14)

Tyrus wurde zerstört, aber die Trümmer blieben zunächst liegen. Erst ca 250 Jahre später wollte Alexander der Große eine naheliegende Inselstadt einnehmen. Da seine Flotte allerdings nicht dafür ausreichte, warf er die Stadttrümmer von Tyrus ins Wasser und erbaute somit eine Brücke zur Inselstadt. Die Stadt Tyrus wurde nie wieder aufgebaut, und noch heute trocknen die Fischer ihre Netze auf den Felsen.

“Noch heute trocknen die Fischer ihre Netze auf den Felsen” – Beeindruckend, oder? Mal schauen, was Google Maps dazu sagt, wenn man “Tyros, Libanon” eingibt.

 

Hm, nach “nie wieder aufgebaut” sieht das nicht aus. Wikipedia spricht von aktuell über 100.000 Einwohnern. Also weiter!

Interessant ist die Stelle, an der “Der Kritische” mit Auslassungszeichen von Vers 5 zu Vers 12 springt. Im ausgelassenen Teil findet sich nämlich die exakte Vorhersage, wer denn die Stadt zerstören werde, nämlich “Nebukadnezar, König von Babel”. Nun hat dieser Nebukadnezar Tyros zwar belagert, aber nicht zerstört, und schon gar nicht zu einem “kahlen Felsen” gemacht. Stattdessen haben sich die Bewohner nach einer langen Belagerung im Jahr 568 v. Chr. ergeben und dann die babylonische Herrschaft akzeptiert.

Zweite Prophezeiung: Die babylonische Gefangenschaft

Als zweites Argument führt “Der Kritische” die Vorhersage der babylonischen Gefangenschaft ins Feld:

Gott redet durch Mose zu den Israeliten und sagt ihnen, was geschehen wird wenn sie Gott nicht gehorchen würden: “Deine Söhne und deine Töchter werden einem anderen Volk gegeben werden, und deine Augen müssen es ansehen und den ganzen Tag nach ihnen schmachten, aber deine Hand wird machtlos sein. [...]“

Die Juden wurden 617-607 v. Chr. nach Babylon ins Exil geführt.

Korrekt. Das Buch Deuteronomium, aus dem diese Prophezeiungen stammen, wurde allerdings erst nach dieser Zeit, nämlich im 6. Jahrhundert, “gefunden” und dann nachträglich zu den anderen vier Büchern Mose hinzugefügt (siehe 2 Könige 16). Es handelt sich also eher nicht um einen übernatürlichen Eingriff, sondern um ein Vaticinium ex eventu, eine nachträgliche “Vorhersage” bereits bekannter Ereignisse.

Auch über die anschließende Rückführung Israels gibt es Prophetien: [Es folgen sehr ausführliche Zitate aus 5 Mose 30 und Jeremia 31]

Die Rückkehr Israels geschah im Laufe des 20. Jahrhunderts; der Staat Israel wurde 1948 neugegründet.

Nein, nein, Sie können nicht beides haben! Entweder die Weissagung betrifft das babylonische Exil und die anschließende Rückkehr nach Palästina oder sie bezieht sich auf die Staatswerdung Israels 1948. Oder hat Ihr Gott vielleicht beide Ereignisse mit einer Prophezeiung abgeräumt? – Besonders exakt wäre das jedenfalls nicht.

Dritte Prophezeiung: Krieg! Überall Krieg!

Die dritte Prophezeiung bezieht sich laut “Der Kritische” auf unsere heutige Zeit und ist daher ganz besonders brisant:

”Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören; habt Acht, erschreckt nicht; denn dies alles muss geschehen; aber es ist noch nicht das Ende. Denn ein Heidenvolk wird sich gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere; und es werden hier und dort Hungersnöte, Seuchen und Erdbeben geschehen. [...]“

Man muss sich nur mal die Nachrichten ansehen um dies bestätigen zu können.

Diese Sache wird besonders von evangelikalen Christen immer wieder als Beweis für das unmittelbare Bevorstehen der Apokalypse ausgepackt. Warum, das ist mir um ehrlich zu sein ein Rätsel. Denn, so traurig es auch ist: Zu welcher Zeit gab es denn keine “Kriege und Kriegsgerüchte”? Gab es irgendwann mal eine Zeit, zu der die Menschen nicht durch “Hungersnöte, Seuchen und Erdbeben” geplagt wurden? Nein, als Beweis, dass der Prophet speziell die Umstände unserer Zeit vorhergesehen hat, taugen diese Zeilen sicher nicht.

Ein Nachwort des Kommentators

Nachdem er nun die drei überzeugendsten Prophezeiungen der Bibel aufgezählt hat, schließt “Der Kritische” mit folgenden Worten:

Wer meint, die Prophezeiungen seien erst nach ihrer Erfüllung aufgeschrieben worden, der irrt. So wurden 1947 Bibelhandschriften gefunden, die nach übereinstimmendem Urteil mehrerer Forscher auf die Zeit vor Christi Geburt datiert werden. Eine Schrift davon, die Jesaja-Rolle, enthält eine Menge Prophetien über Jesus Christus.

Hier denkt der Kommentator immerhin schon in die richtige Richtung: Bei den Prophezeiungen könnte ja geschummelt worden sein. Offenbar kommt er jedoch nicht auf die Idee, dass die Autoren des Neuen Testaments die Schriften Jesajas und anderer “Propheten” natürlich kannten, und Schlüsselereignisse in ihren Geschichten so drehten, dass sie auf das staunende Publikum wie die Erfüllung uralter Vorhersagen wirkten.

Aus dieser Perspektive werden einige der absurden Schlenker der Evangelien plötzlich klar.  Darunter ist z.B. die Frage, warum Jesus von Nazareth mit dem Hilfskonstrukt einer Volkszählung, zu der es in den Chroniken des straff organisierten römischen Reiches keinerlei Aufzeichnungen gibt, und deren einer Auftraggeber (Herodes der Große)  zur angegebenen Zeit bereits tot war, der andere (Publius Sulpicius Quirinius) noch nicht im Amt, unbedingt nach Bethlehem gezerrt werden musste (Prophezeiung in Micha 5.1, der Messias stamme aus Bethlehem). Die von Jesaja (7.14) prophezeite und von Matthäus abgefeierte Jungfrauengeburt ist im besten Fall ein Übersetzungsfehler (parthenos sowohl “Jungfrau” als auch einfach “junge Frau”), im schlechtesten eine dreiste Täuschung. Fast schon unnötig zu sagen, dass es auch zu dem von Jeremia vorhergesagten und angeblich vom (bereits toten) Herodes befohlenen Massenmord an Kleinkindern in Bethlehem keinerlei Aufzeichnungen gibt.

Auch im späteren Verlauf der Geschichte wird nicht gerade respektvoll mit der Wahrheit umgegangen: So gibt der göttliche Jesus selbst den Jüngern den Auftrag, ihm zu seiner Ankunft in Jerusalem einen Esel -uhm- “auszuleihen”, weil er damit (nach eigener Aussage) eine Reihe von Prophezeiungungen (u.a. Zacharias 9.9) erfüllen will.

Fazit: Null Prophezeiungen

Nach etwas näherer Betrachtung bleibt von den drei wichtigsten und beeindruckendsten Prophezeiungen der Bibel nicht mehr viel übrig: 1. Die Stadt Tyros wurde von Nebukadnezar nicht zerstört und auch nicht für immer verödet; 2. die Prophezeiungen zur bablyonischen Gefangenschaft wurden erst gemacht, als diese schon lange bekannt war; und 3. die Vorhersage von “Kriegen und Kriegsgerüchten” ist so allgemein, dass sie irgendwie immer stimmt. Kann man davon ausgehen, dass sich all die “tausende Prophezeiungen der Bibel” bei näherer Betrachtung dergestalt in Luft auflösen?

Erstaunlich ist, mit welcher Bereitschaft gläubige Menschen diese fadenscheinigen Behauptungen der Priester und Propheten als Wahrheiten akzeptieren. Wenn sich ein Sachverhalt entweder durch einen übernatürlichen Eingriff eines Gottes in den Lauf der Welt oder auch durch eine – ach so menschliche – kleine Schwindelei erklären lässt, wieso setzt man dann anscheinend zielsicher auf die so absurd unwahrscheinliche Variante? – Es bleibt unverständlich.

“Ein Wunder! Ein Wunder!”:

  • “Die Wahrscheinlichkeit zur Erfüllung aller Voraussagen ist damit gleich Null, d. h. der Zufall scheidet als Erklärungsversuch aus” (Web)
  • “Tausende von Prophezeiungen der Bibel sind eingetroffen und bestätigen deutlich Gottes Wort”(Web)
  • “Der Geburtsort von Christus (Messias) wurde vorhergesagt …” (Web)
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“Gott kann nix dafür, der Teufel ist an allem schuld!”

Jedes Mal, wenn irgendwo auf der Welt eine Katastrophe passiert, kommen die Christen ins Schwitzen: Da sie ihren Gott als allmächtigen, allgütigen Schöpfer des Universums feiern, lassen sich Naturkatastrophen, Flugzeugabstürze oder Epidemien ohne wüstes Verbiegen der Tatsachen nicht mit den Kernsätzen ihrer Religion in Einklang bringen. Denn wenn er alle Menschen unendlich liebt, warum verhindert der Gott dann die Erdbeben nicht einfach? Das sollte für ein allmächtiges Wesen doch ein Klacks sein. Und schließlich ist er als Schöpfer des Universums ja für die in ihm stattfindenden Katastrophen verantwortlich.

Viele Religionisten haben in dieser Sache nach der ersten Verteidigungslinie nichts mehr zu bieten: “Unser Gott hat den Menschen den freien Willen gegeben!!” – “Was hat ein Erdbeben mit freiem Willen zu tun?” – “Hm.”

“Ehebruch, Pornosucht? – Der Teufel ist schuld!”

Doch zum Glück haben einige Christen dolle nachgedacht und wissen Rat. So zum Beispiel der Hobbyapologet Nane Jürgensen, der uns auf einer seiner zahlreichen lukrativen Internetseiten informiert: “Ist Gott verantwortlich für Stürme, Erdbeben, Naturkatastrophen? Nein.” Der Prediger berät uns weiter: “Unser Problem ist nicht Gott. Unser Problem ist der Teufel”! – “Wenn Naturkatastrophen, Erdbeben oder Stürme von Gott kämen, dann hat Jesus, Gottes eigener Sohn, gegen seinen Vater gearbeitet, als er dem Sturm Einhalt gebot?” Nane hält diese Idee für völlig absurd und ist sich seiner Sache sicher: Der Teufel muss hinter diesen Katastrophen stecken. Und für den Fall, dass einzelne Ratsuchende noch nicht überzeugt sind, fügt er noch weitere Beispiele hinzu:

“Wenn ich Porno-WebSites aufrufe, kann ich nicht Gott Vorwürfe machen, daß er schuld sei, wenn meine Ehe wegen meiner Pornosucht kaputt geht. Wenn ich Ehebruch begehe, kann ich Gott nicht Vorwürfe machen; er hat nicht meine Klamotten ausgezogen und mich zu der Frau ins Bett gelegt. Das war ich immer selber.
Letztendlich ist der Teufel schuld. Aber Gott nicht.”

“Letzendlich” ist also “der Teufel schuld”. Sicher, das kann man so sehen. Ob Herr Jürgensen wohl jemals auf die Idee gekommen ist, dass sein Gott als Schöpfer des Universums natürlich auch für Existenz und Charakter des Teufels verantwortlich ist? So ganz letztendlich?

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Videotipp: The God Who Wasn’t There

Eine Stunde Zeit? Dann schnell die Popcornmaschine angeworfen, auf dem Sofa niedergelassen und “The God Who Wasn’t There” angeschaut.

Der US-amerikanische Dokumentationsfilm (englisch, ca. 60 Minuten) von Brian Flemming untersucht, ob der bejubelte Jesus von den Ur-Christen als realer Mensch im historischen Palästina angesehen wurde, oder ob sie ihn vielmehr als eine mythische Gestalt verstanden – wie etwa Dionysos, Herkules, Horus und andere Göttersohne. Die Behauptung, Jesus sei ein real existierender Mensch gewesen, der in Palästina um die Zeitenwende gelebt habe, sei erst viel später im Rahmen einer systematischen Umdeutung der Legende entstanden. Der Apostel Paul, der maßgeblich für die Verbreitung des Christentums über die Grenzen Palästinas gewesen sei, habe Jesus noch eindeutig als mystische Gestalt wahrgenommen – die von Flemming vorgebrachten Stellen aus den Apostenbriefen hierzu sind durchaus beeindruckend.

Flemming wundert sich darüber, dass viele Christen zwar die vermeintlichen Kernglaubenssätze kennen, aber über Ursprung und Verbreitung ihrer Religion kaum etwas wissen. Er kritisiert sowohl das “moderate Christentum”, dessen Glaubenssätze mit der Bibel kaum mehr zu rechtfertigen seien (hier fallen Parallelen zu den deutschen Durchschnittsprotestanten auf, die sich die ihrer Meinung nach maßgeblichen Bibelstellen nach gusto zusammen suchen und anderswo auf der Welt kaum als Christen erkannt werden dürften), als auch die fundamentalistischen Vertreter, deren Weltsicht beherrscht wird von Blutdurst, Folter, Höllendrohungen und Menschenopfern. Über die diversen Folterskandale US-amerikanischer Machart wird sich nach dem Anschauen des Films kaum mehr jemand wundern.

Fazit: Ein unterhaltsamer Film über die Ursprünge des Christentums und deren systematisches Verbiegen durch heutige Christen. Wer Religulous” mochte, dem wird auch “The God Who Wasn’t There” gefallen.

 

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Keine Gottesfurcht mehr: Petition will Gottesbezüge aus Landesverfassung streichen

Vor einer Weile hatten wir beschrieben, welche teils absurden Sonderrechte die deutschen Landesverfassungen den Kirchen und Religionsgemeinschaften einräumen. Die Großkirchen versuchen auf diesem Wege den Durchgriff auf Kinder und Jugendliche, um so ihre eigene Existenz langfristig zu sichern. Sie verteidigen diese Sonderrechte natürlich mit Zähnen und Klauen, übersehen aber gern das klare Gebot zur Trennung von Staat und Kirche, das schon seit 1919 in der jeweils gültigen deutschen Verfassung besteht.

Eine Initiative aus Rheinland-Pfalz hat sich zum Ziel gesetzt, mit diesen antiaufklärerischen Gesetzen aufzuräumen und die Gottesbezüge aus der Landesverfassung und aus dem Grundgesetz der Bundesrepublik zu streichen. Besonders “hübsch” sind die folgenden Passagen aus der Landesverfassung:

Artikel 29: Die öffentlichen Grund-, Haupt- und Sonderschulen sind christliche Gemeinschaftsschulen.

Artikel 33: Die Schule hat die Jugend zur Gottesfurcht [...] zu erziehen.

Artikel 41: Die Kirchen sind anerkannte Einrichtungen für die Wahrung und Festigung der religiösen und sittlichen Grundlagen des menschlichen Lebens.

Wer nun keine Lust hat in Furcht zu leben, die Erziehung seiner Kinder nicht an eine religiöse Organisation abtreten möchte und auch als Quelle seiner sittlichen Werte keine Kirchen benötigt, möge eine Unterstützung der Petition erwägen.

===> Hier geht’s lang!

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Zum Beweis der Nichtexistenz des Bibel-Gottes

Immer wieder hört man leider auch von Atheisten die Mär “Die Existenz des christlichen Gottes lässt sich nicht widerlegen”. Die Argumentation geht davon aus, dass die Nichtexistenz einer Entität grundsätzlich nicht zu beweisen sei – Weiteres Beschäftigen mit der Sache sei daher zwangsläufig fruchtlos und somit überflüssig.

Nichtexistenz kann aber auf zwei Arten bewiesen werden: Erstens empirisch und zweitens analytisch. Nichtexistenz empirisch zu beweisen ist sehr viel schwieriger als ein Beweis der Existenz – um schon die Nichtexistenz einer Bohnenkonserve in meinem Haus zu beweisen, müsste ich alle zumindest dosengroßen Verstecke gleichzeitig unter die Lupe nehmen und jeweils Dosenfreiheit zeigen. Zu einem erfolgreichen Existenzbeweis müsste ich lediglich eine Konservendose auf den Tisch stellen – fertig!

Der analytische Weg kann hier helfen. Zuerst auf abstrakter Ebene: Wer behauptet, dass eine Entität E existiert, der behauptet zugleich, dass deren Existenz möglich ist. Wir finden also eine Hypothese der folgenden Form:

Hypothese: “Die Existenz einer Entität E ist möglich. Definition: E hat die Eigenschaften A1, A2, …, An.”

Wenn man nun zeigen kann, dass die konstituierenden Eigenschaften A1, A2, etc. sich gegenseitig (oder bereits sicher bekannten Fakten) widersprechen, muss die Hypothese zurückgewiesen werden. “Konstituierend” bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Entität ohne diese Eigenschaft nicht denkbar ist. So wird ein Stuhl ohne die Eigenschaft “hat Sitzfläche” zur Stehhilfe, eine Einhorn ohne Horn und Jungfrauengesimsel zum Pferd, etc.

Doch zurück zur Hypothese: Sie bleibt durch einen Widerspruchsbeweis nicht bloß unbewiesen, sondern ist nun erwiesenermaßen falsch: E kann also nicht existieren. Man kann daher unter Umständen die Unmöglichkeit der Existenz einer Entität beweisen – und damit zugleich ihre reale Existenz auszuschließen.

Kann eine Form zugleich Kreis und Quadrat sein? – Nope!

Falls zum Beispiel jemand erzählt “Ich habe eine gezeichnete Form gesehen, die zugleich ein Quadrat und ein Kreis ist”, so verbirgt sich dahinter die Behauptung “Die Existenz einer Form ist möglich, die zugleich Kreis und Quadrat ist.” – Die Definitionen von Kreis (“null Ecken”) und Quadrat (“vier Ecken”) widersprechen sich aber; so eine Form kann nicht existieren, die betreffende Person kann sie also auch nicht gesehen haben (das Menschenrecht auf Einbildung sei hier unbenommen).

Die Argumentation, dass der von Christen, Juden und Moslems verehrte Bibel-Gott Jahwe nicht existieren kann, ist supersimpel, wird immer wieder vorgebracht und ist von Religionisten nie auch nur im Ansatz widerlegt worden. Jahwe wird als allmächtiger Schöpfer der Welt beschrieben, der jeden einzelnen Menschen liebt und unendlich gütig ist. Hier verbirgt sich also folgende Hypothese:

“Die Existenz des Jahwe ist möglich. Jahwes definierende Eigenschaften sind: allgütig, allmächig, Schöpfer des Universums.”

Schon jetzt wird klar, dass sich die definierenden Eigenschaften widersprechen: Allein in Deutschland (Teil des von Jahwe geschaffenen Universums) erkranken jedes Jahr fast 2.000 Kinder an Krebs. In den betroffenen Familien entsteht unendliches, reales Leid, das sich weder wegdefinieren noch irgendwie auf den freien Willen der Beteiligten (der argumentative Notausgang der Theologen) zurück führen lässt. Wenn Jahwe nun allmächtig wäre, würde er in seiner unendlichen Güte und Liebe dieses Leid einfach so und ohne weitere Schwierigkeiten aufheben – tut er aber nicht. Die Entität kann also nicht allmächtig sein – oder wahlweise nicht allgütig.

Kann der Schöpfer des Universums zugleich allmächtig und allgütig sein? – Nope!

Wenn aber zumindest eine diese Eigenschaften wegfällt, dann ist Jahwe nicht mehr der Gott, auf dem die genannten Religionen aufbauen; übrig bleibt entweder eine Art gütiger Naturgeist oder der Gott der Deisten, der das Universum geschaffen und sich dann von den Menschen abgewandt hat. Mit dem Gott der Christen, Juden und Moslems hat diese Entität dann jedenfalls nichts mehr zu tun.

Fazit: Die Nichtexistenz einer Sache ist deutlich schwieriger zu beweisen als ihre Existenz. Wenn sich die Definition einer Sache jedoch selbst (oder bekannten Tatsachen) widerspricht, kann die definierte Entität nicht existieren. So ist es auch bei der Definition des Bibel-Gotts: Ganz offensichtlich ist keine für das Universum “zuständige” Entität gleichzeitig allmächtig und allgütig. So eine Entität existiert nicht, der Gott der Christen ist widerlegt.

Dieser Blogpost entstand aus einer – letztlich erfolglos gebliebenen – Twitter-Diskussion zwischen dem von mir sehr geschätzten Skeptiker und Journalisten Sebastian Bartoscheck (@BartoCast) und mir (@MGENBlog).

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Best of 2013 – Jehova! Jehova!

Zu jedem Jahresende das gleiche Spiel: Jahresrückblicke, wohin man schaut. Ob Günther Jauch oder die Bäckerblume – alle blicken sie mehr oder minder wehmütig auf das vergehende Jahr zurück. Und da Angriff bekanntermaßen die beste Verteidigung gegen nervenden Unsinn ist, haben wir bei MGEN beschlossen, ebenfalls einen Rückblick auf zwölf Monate Blogtätigkeit zu basteln. Hier also unser Best of 2013 …

Gottesbeweise: Null Hinweise auf die Existenz des Bibel-Gottes!

Wir sind Anfang des Jahres mit dem Vorhaben gestartet, uns einige “Gottesbeweise” näher anzuschauen, wie sie von Religionisten immer wieder als Rechtfertigung für ihre Sonderrechte in Staat und Gesellschaft vorgebracht werden. Hauptsächlich ging es da um unser eigenes Verständnis der Argumentationen – die Begriffe “ontologischer Beweis”, “kosmologischer Beweis” und “teleologischer Beweis” sind ja recht ehrfurchtgebietend. Schon bei oberflächlicher Betrachtung wurde jedoch klar, dass die Argumente für die Existenz eines Bibel-Gottes unglaublich dünn sind, auf falschen Annahmen oder unsinnigen Schlussfolgerungen beruhen. Kein einziger der Beweise ergibt Sinn.

Hier die meistgelesenen Blogposts zum Thema:

  • Sämtliche bekannten Gottesbeweise: Gescheitert! – Hier stellen wir die bekanntesten Gottesbeweise vor und zeigen nach und nach, dass kein einziger von ihnen einer kritischen Betrachtung stand hält.
  • Wunder als Beweis für die Existenz Gottes – Wunder gibt es immer wieder? Viele Leserinnen und Leser sind mit uns der Meinung: Nein, so ein göttliches Aussetzen der Naturgesetze wurde nie nachgewiesen; sämtliche vorgebrachten “Wunder” lassen sich sehr leicht ohne göttliche Eingriffe erklären.
  • Das Bananen-Argument für die Existenz Gottes – Die Banane als Gottesbeweis? Diese Argumentation eines US-Predigers schwappt in Wellen durch Facebook; viele Leserinnen und Leser wundern sich mit uns über den seltsamen Beweisversuch.
  • Öfter mal was Neues: Gottesbeweis per Thermodynamik - Das Zerlegen dieses Versuchs, mit Begriffen aus der Physik einen Gott herbei zu definieren, hat im Blog einen empörten Kommentarsturm ausgelöst.
  • Der DNA-Beweis für die Existenz Gottes – “DNA ist ein Code, Code setzt einen Programmierer voraus, dieser Programmierer ist Gott!!” – Uhm, nein?
  • Der 747-Beweis für die Existenz Gottes – Ein beliebter Versuch, die Evolution zu diskreditieren, ist das 747-Argument. Er funktioniert nicht. Und wieso aus dem Widerlegen der Evolution die Behauptung “Es gibt Jahwe, die Bibel hat recht, das Christentum stimmt!!” folgen soll, bleibt auch völlig offen.

Grundlagen von Religion und Esoterik: Null Hinweise auf Korrektheit!

Nachdem nun klar war, dass die einzelnen Gottesbeweise nichts taugen, haben wir uns näher mit einigen Grundlagen der Religionen beschäftigt. Hier die meistgelesenen Artikel diesem Bereich:

  • Kann man kategorisch beweisen, dass es keinen Gott gibt? – Die Frage ist gut, muss aber mit einem eher unbefriedigenden “unbekannt” beantwortet werden. Das liegt nicht an tiefschürfend wissenschaftlich/philosophischen Gründen – sondern einfach daran, dass keine schlüssige Definition existiert, was so ein Gott eigentlich sein soll.
  • “Gott ist allmächtig, allwissend und allgütig!” – Nope, dieser Gott existiert nicht! – Während es für Götter allgemein keine sinnvollen Definitionen gibt, ist für konkrete Gottesbilder, wie den Bibel-Gott Jahwe, sonnenklar: So ein Wesen kann nicht existieren. Gäbe es einen allmächtigen, allgütigen Gott, sähe die Welt sehr anders aus.
  • Über Kampfbegriffe und Gottesbilder – Viele Theisten wollen zwar unbedingt über ihre jeweilige Religion diskutieren, kennen aber die entsprechenden Grundbegriffe nicht. Daher hier kurze Erläuterungen zu den Konzepten Theismus, Deismus, Pantheismus, Atheismus, etc.
  • Existiert das Übernatürliche? – Noch ein Blogpost, der Protestwellen aus der Esoterikecke ausgelöst hat. Kurz: Nein, etwas Übernatürliches existiert nicht. Sobald ein Phänomen beobachtet und eingeordnet wird, erweitert es unser Verständnis des Universums und wird somit natürlich.

Politik: Null Zahlreiche Sonderrechte für Kirchen und Religionen!

Weit oben in den Charts stehen auch einige der eher politischen Blogbeiträge:

  • Landesverfassung: “Ehrfurcht vor Gott … ist vornehmstes Ziel der Erziehung” - In einem Googlemarathon haben wir eine Reihe von kirchlichen Sonderrechten und religiösen Absurditäten aufgetan, die in Deutschland Verfassungsrang genießen. Die erstaunten Leserinnen und Leser teilten den Artikel exzessiv auf Facebook.
  • Bundestag stimmt für weitere “Staatsleistungen” – 480 Mio. Euro zahlt der Staat jedes Jahr an die Großkirchen. Nein nein, das sind nicht die Kirchensteuern, dieses Geld gibt’s obendrauf. Warum? Die Argumentation ist kompliziert, basiert auf angeblichen Verträgen aus dem Dreissigjährigen Krieg und lautet komprimiert “Weil das schon immer so war!!” – Die Leserinnen und Leser teilten a. unsere Empörung und b. den Link, so dass der Artikel zu unserem meistgelesenen Blogpost wurde.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern noch schöne Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr. Yeah, 2014!

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