Heilige im Christentum

Wie Radio Vatikan berichtet, wird Mutter Teresa, die Gründerin des Ordens „Missionarinnen der Nächstenliebe“ am 4. September 2016 von Papst Franziskus heiliggesprochen. Es bietet sich bei der Gelegenheit an etwas näher nachzuschauen: Was sind denn eigentlich Heilige? Seit dem Amtsantritt von Papst Johannes Paul II. hat die Zahl der Heiligsprechungen ganz enorm zugenommen. Wen genau verehren die Katholiken denn da? Was versprechen sie sich von der Heiligenverehrung?

Die Wikipedia, die ja nicht gerade als religionskritisch bekannt ist, schreibt: „Als Heiliger wird ein Mensch bezeichnet, der als einer Gottheit besonders nahestehend beziehungsweise als in religiöser und ethischer Hinsicht vorbildlich angesehen wird.“ Kathpedia fügt hinzu: „Als Heiliger wird ein in religiöser Hinsicht vollkommener Mensch bezeichnet.“ Der Brockhaus definiert Heilige als „Menschen, die in besonderer Weise Vorbilder, Lehrer, Bekenner oder Märtyrer des Glaubens sind.“

Aha, „in religiöser und ethischer Hinsicht vorbildlich“, „religiös vollkommen“, „Vorbilder und Lehrer“ also! Das klingt auf den ersten Blick sehr rational und vernünftig. Ist aber geschummelt. Denn damit eine Person als heilig „erkannt“ wird, muss die Person mindestens zwei „nachgewiesene“ Wunder gewirkt haben. Die Person muss also nicht nur irgendwie vorbildlich, sondern ganz konkret (was auch immer das in diesem Zusammenhang heißt) auch wundertätig sein. Das wird gern hinter rhetorischem Gestrüpp versteckt, denn das ist der katholischen Kirche, die ja ganz besonderen Wert auf ihren „rationalen Glauben“ legt, dann doch eher peinlich.

Ein Wunder, wir erinnern uns, kann definiert werden als das zeitweilige Aussetzen der Naturgesetze durch eine Gottheit zugunsten eines Bittstellers – das kann im Christentum nur Gott selbst.

Bevor Papst Wojtyla im Jahr 2014 heilig gesprochen wurde, begab sich die katholische Kirche auf die Suche nach von ihm ausgelösten Wundern. Offiziell anerkannt wurden die folgenden: Die französische Ordensschwester Marie Simon-Pierre, Mitglied des katholischen Ordens “Kleine Schwestern der Katholischen Mütterschaft” (kein Witz!), litt an Lähmungserscheinungen der linken Hand und des linken Beins, die ein Arzt als Symptome der Parkinson’schen Krankheit diagnostizierte. Als bekannt wurde, dass der von den Kleinen Schwestern hochverehrte Johannes Paul II. selig gesprochen werden sollte, und man deshalb auf der Suche nach einem Wunder sei, begannen die Schwestern ganz doll zu dem verstorbenen Papst zu beten. Und siehe da: Die Lähmung verschwand, herbei gerufene Ärzte fanden keine Spuren einer Parkinson-Erkrankung.

Der Costaricanerin Floribeth Mora Diaz, die ebenfalls unter üblen Lähmungen gelitten haben soll, ist Papst Wojtyla am Tag seiner Seligsprechung im Traum erschienen; „steh auf und hab keine Angst mehr“ habe er zu ihr gesagt. In Folge dessen hätten sich ihre Lähmungen zurück gebildet. Die Frau wirkt fit, von Lähmungserscheinungen ist in der Tat nichts zu sehen. In der völlig unkritischen Berichterstattung der Tagesschau behauptet sie: „So etwas Außergewöhnliches kann nur ein Wunder sein“. Ihr katholisch-gläubiger Hausarzt sieht das genau so.

Die einfachste Erklärungen sind hier natürlich keine vollbrachten Wunder, sondern  schlichte Fehldiagnosen: Ein Arzt kann psychosomatisch bedingte Lähmungen durchaus ehrlich für Parkinson gehalten haben. Natürlich finden die nach der “Heilung” herbei gerufenen Ärzte dann keine Spuren der Krankheit. Möglicherweise haben die begeisterten Anhänger ja auch etwas geschummelt, um ihrem Idol zum “verdienten” Seligen-Status zu verhelfen. Als Belohnung für ihre Dienste wurde Floribeth aus Costa Rica zur Heiligsprechung des Ex-Papstes nach Rom eingeladen, was sicherlich einer der schönsten Tage in ihrem Leben war.

In solchen Fällen wird sehr oft von Heilungen von Lähmungserscheinungen berichtet. Dazu stellt sich die Frage: Warum heilt Gott Jahwe eigentlich nie Amputierte? Über Nacht einen neuen Arm wachsen zu lassen, das sollte doch für ein allmächtiges, allgütiges Wesen ebenso einfach machbar sein wie das Heilen von Parkinson. Hat er dazu schlichtweg keine Lust? Bitten die betroffenen Personen ihn nicht inständig genug darum? Das wäre kaum zu glauben. Oder liegt es vielleicht eher daran, dass bei fehlenden Gliedmaßen wohl kaum Fehldiagnosen möglich sind?

Jetzt stellt sich natürlich die Frage nach dem Wirkmechanismus: Mal angenommen, dass Wunder wirklich real sind, und dass wie von der Kirche behauptet nur Gott selbst die Naturgesetze aussetzen kann. Damit jemand wie Papst Wojtyla Wunder auslösen kann, muss der Heilige zwar tot, aber irgendwie bei Bewusstsein sein. Der tote Papst Wojtyla liest also die Gedanken der Menschen (besonders gut gelingt das offenbar, wenn sie vor seinen Knochen oder einer Glaskapsel mit seinem Blut beten), nimmt die an ihn addressierten Gebete an und spricht bei Gott vor, der dann die Naturgesetze suspendiert und so das Wunder geschehen lässt. 

Meine ehrlich ratlose Frage: Wie stellen wundergläubige Katholiken sich das vor? Gibt es eine himmlische Bürokratie? Sitzt der tote Papst Wojtyla in seinem Büro in einem himmlischen Bürokomplex? Liest er Gebetsfaxe von Bittstellern? Und wenn ihm eins gefällt, läuft er dann damit über den Flur zum Chef und fragt „Können wir da etwas tun?“

Von Monotheismus kann jedenfalls nicht mehr die Rede sein. Hätten wir eine Zeitmaschine um damit einen Senator aus dem alten Rom in unsere Zeit zu holen, würde der die katholischen „Heiligen“ ganz selbstverständlich als Götter erkennen: „Ihr habt ja auch ganz viele Götter, genau wie wir.“ Und das ist ja auch (haha!) kein Wunder: Die römische Reichskirche – die heutige römisch-katholische Kirche – hat ja wesentliche Teile ihrer Lehre von ihren polytheistischen Vorgängerreligionen übernommen. Die wundertätigen römisch-katholischen Heilige sind deutlich „göttlicher“ als z.B. der vergöttlichte römische Kaiser, der als Verkörperung der Romanitas, des römischen Reichsgedankens, verehrt wurde. Das war der, wir erinnern uns, vor dessen Standbild sich die frühen Christen geweigert haben ein paar Gewürze zu opfern, in der Hoffnung deswegen vom Staat verurteilt und von der beeindruckten Gemeinde als Märtyrer anerkannt zu werden. Heute verehren die Christen ihre heiligen Nebengötter mit viel Inbrunst.

Die Wikipedia schreibt „Der Begriff des Heiligen ist religionswissenschaftlich bisher nicht befriedigend definiert.“ Das ist sehr höflich umschrieben.

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Vermischte Anfragen: „Sind in der Bibel Uhren verboten?“

Viele Leute erreichen MGEN über Suchanfragen, die von WordPress.com brav mitgeschrieben und den Admins übersichtlich angezeigt werden: Täglich geben neugierige Menschen „Gottesbeweis mit DNA“, „Gott ist allmächtig“ oder „War Einstein religiös?“ bei Google ein und landen dann bei uns. Erstaunlich häufig findet sich auch die charmante Kombi „Kirchenfeinde Atheisten“.

Die meisten dieser Standardfragen werden in den Weiten des Internets ausführlich beantwortet; auf viele eher seltsame Suchanfragen finden die Ratsuchenden jedoch weder bei uns noch anderswo befriedigende Anworten. Um mit diesem Mißstand aufzuräumen, haben wir beschlossen eine Reihe ungewöhnlicher Suchanfragen aus dem Jahr 2013 zu bündeln und zu beantworten. Los geht’s!

warum sind im gefängnis bananen verboten?Diese Frage lässt sich wohl am besten mit dem Text einer anderen Suchanfrage beantworten: banane oberfläche rutschfest

warum hat gott wahle erschaffen? – Die armen Viecher sind enorm clever, aber verirren sich ständig, krepieren an Traumstränden und werden für etwas so Absurdes wie Lebertran abgeschlachtet. Ein allgütiger Gott hätte so etwas nie zugelassen. Gott hat also die Wale erschaffen um von seiner eigenen Existenz abzulenken.

gibt es atheisten in texas? – Ja, zum Beispiel in der Atheist Community of Austin, die sehr gute Podcasts wie The Non Prophets oder Godless Bitches anbietet, dazu die wöchentliche Fernsehshow The Atheist Experience, bei der sich anrufende Religionisten regelmäßig zum Affen machen.

grundgesetz, was gefällt dir? – Da diese Frage offensichtlich rhetorischer Natur ist, soll sie in der Sache unbeantwortet bleiben.

„Sind in der Bibel Uhren verboten?“

wo gibt es nackte jünglinge? – Nach kurzer Beratung zu Ihrer wahrscheinlichen Motivationslage empfehlen wir ein Besuch im Berliner Berghain oder in der Münchener Sauna Deutsche Eiche.

sind in der bibel uhren verboten? – Ja, insbesondere Handywecker mit aufdringlichem Klingelton, von denen das ganze Haus an Samstagen um halb sieben geweckt wird.

hat jesus ofter gelebt? – Da es offenbar zwei oder drei historische Vorbilder für die Geschichten über Jesus gibt, könnte man interpretieren: Ja, es gab wahrscheinlich mehrere Jesusse. Oder eben auch gar keine. Sollte Gott seine Söhne zur Übersicht alphabetisch benannt haben, gibt es sogar mindestens zehn Jesusse: Asus, Besus, Cesus, …

glaubt papst benedikt nicht an gott? – Da er sich ausführlich mit Theologie und der Entstehungsgeschichte des Christentums beschäftigt hat, wahrscheinlich nicht, nein.

warum kennen sich die meisten nicht mit ihrer religion aus? – Siehe oben; wer sich mit den Grundlagen und der Entstehungsgeschichte einer Religion beschäftigt, glaubt ziemlich schnell nicht mehr an an die alten Geschichten.

wie behauptet man sich gegenüber einem atheisten? – Man gibt ihm ein Bier aus. Dann ist er glücklich.

er hat maria bis nach bethehem getragen und ist nicht so dumm wie man meint – Dem kann man nur zustimmen. Vielleicht.

glaubt justin bieber ganz fest an gott? – Ja, Justin Bieber ist ein guter Christ. Sie können daher Ihrem Kind ganz beruhigt den Genuss seiner Musik erlauben.

„Warum hat man das was man nicht will?

sind esoteriker mit satan im bunde ohne es zu wissen? – Die entscheidende Frage ist doch eher, ob Satan davon weiß.

das christentum ist allen anderen religionen überlegen – Aufgeklärte Toleranz war schon immer ein Markenzeichen aller Religionen. Hierzu passt auch dieses schöne Statement: alla ist und bleuibt allmachtig!

wie lebt man mit einem mann der nicht glaubt? – Man gibt ihm ab und zu ein Bier aus. Möglicherweise von derselben Person stammt auch die skeptische Frage mal schauen = nein beim mann?

was kann man nicht wenn man an maria glaubt? – Wenn man an Maria glaubt, kann man nicht gleichzeitig nicht an Maria glauben. Obwohl – geübte Christen schaffen wahrscheinlich auch das.

welche religionen haben beweise dafür dass ihre religion richtig ist und nicht nur durch glauben allein besteht? – Fragen Sie mal die Priester. Sie werden feststellen: Alle haben Beweise! Das ist ja eben der Witz an Religionen.

esoterik warum hat man das was man nicht will? – Sollten Sie eine belastbare Antwort auf diese Frage finden, melden Sie sich bitte bei uns. Wir wären sehr dankbar.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern schöne Feiertage und einen guten Start ins Jahr 2014. Diesen Post beenden wir mit der folgenden, absolut nachvollziehbaren Aussage: blöde religionen atheisten islamisten juden christen!

Der Körper-Seele-Dualismus: Keine Seele, keine Kekse

Die Sinnhaftigkeit des Christentums (und anderer Religionen wie des Islams oder des Buddhismus) steht und fällt mit dem Körper-Seele-Dualismus, also der Annahme, dass ein wesentlicher, geistiger Teil des Menschen den Tod des Körpers überlebt. Ohne diese Seele gibt es kein Leben nach dem Tod, also kein jüngstes Gericht, also keine Angst vor der ewigen Feuerfolter in der Hölle, also keine Notwendigkeit einer Erlösung von dieser Folter, also keine Notwendigkeit für einen Erlöser, also keinen Christus, also kein Christentum, also keine Kirche, und damit auch keine Pfründe für die Kirchenoberen. Oder, aus Sicht der Priester: Keine Seele, keine Kekse.

Für die Existenzberechtigung der Priesterschaft ist die Aufrechterhaltung der Idee eines Körper-Seele-Dualismus also von extrem hoher Bedeutung. Seelen sind praktischerweise unsichtbar, unmessbar, und daher ist die Annahme ihrer Existenz auch so gut wie unwiderlegbar. Dies bedeutet aber gleichzeitig, dass es über die bloße Behauptung hinaus auch keinerlei Hinweise auf ihre Existenz geben kann. Im Gegenteil: Sämtliche Beobachtungen und Versuche (mit Sterbenden, Schlaganfallpatienten, Unfallopfern, etc.) deuten ganz klar darauf hin, dass das Bewusstsein und die Persönlichkeit eines Menschen emergente Eigenschaften seines Gehirns sind, also eine Art übergeordnetes Muster, das sich durch das elektrische und biochemische Zusammenwirken der Gehirnzellen bildet. Funktioniert das Gehirn nicht mehr, weil es z.B. aus Sauerstoffmangel stirbt, existiert auch der Geist nicht mehr. Dies stimmt auch für einzelne Hirnregionen: Erkrankt bei einem Patienten der präfrontale Cortex, kann sich die Persönlichkeit stark ändern, obwohl die betroffenen Eigenschaften klassischerweise der ewigen Seele zugeordnet werden. Oder, kurz: Für eine unsterbliche Seele ist kein Platz.

Natürlich kann man trotzdem weiter die Existenz einer Seele behaupten – insbesondere, wenn für die Behauptenden so viel auf dem Spiel steht. Hinweise auf ihre reale Existenz gibt es aber nicht. Und daher auch keine Gründe an sie zu glauben.

Kann man kategorisch beweisen, dass es keinen Gott gibt?

Ab und an hört man die zweifelnde Frage „Kannst du denn kategorisch ausschließen, dass es einen Gott gibt? Ist das nicht doch möglich?“ Die Antwort dazu ist: Ich weiß nicht, ob man die Existenz eines Gottes generell ausschließen kann. Und zwar aus einem einfachen Grund: Es gibt keine konsistente Definition des Begriffes „Gott“, die irgendwie zu unserem Universum passt.

„Unser Gott ist unendliche Liebe!“ – Ach so?

Man kann in der Tat nicht beweisen, dass es keinerlei Gott gibt. Das liegt allerdings nicht an irgend welchen philosophischen Gründen, sondern schlicht daran, dass die Vertreter des Gottesglaubens die Definition ständig ändern. Das ist auch gar kein Wunder (no pun intended!), denn es gibt ja offensichtlich keine reale Entität, die von der Definition zutreffend beschrieben werden muss.

Will man z.B. einen Stuhl beschreiben, muss die Definition einigermaßen zu den möglichen Varianten des „Sitzmöbels für eine Person“ passen. Entfernt man sich zu weit davon, kommt irgendwann jemand, zeigt auf einen konkreten Stuhl und sagt „Was du beschreibst, ist kein Stuhl!“ – Redet man dagegen über eine reine Idee ohne jeden Anker in der realen Welt, lassen sich ihr natürlich beliebige Eigenschaften zuschreiben, die auch ständig wechseln können: „Mein Gott ist das Alpha und das Omega!“, „Mein Gott ist eine höhere Macht, er ist unendlich, unergründlich und unsichtbar!“,  „Mein Gott ist unendliche Liebe!“ – Was soll man denn mit solchen Definition anfangen?

Wenn man einer Entität aber keinerlei feste Eigenschaften zuschreibt, die sie irgendwie mit dem Universum in Beziehung setzen, dann lassen sich natürlich auch keine weiter gehende Aussagen zu ihr treffen – insbesondere auch nicht über die Möglichkeit oder Unmöglichkeit ihrer Existenz.

„Unser Gott ist das Alpha und das Omega!“ – Hatte ich mir gleich gedacht!

Um ein konkretes Glaubenssystem zu errichten, müssen die Priester ihren Gott allerdings mit ein paar Eigenschaften ausstatten: Warum man ihn überhaupt verehren sollte, was er den ganzen Tag so macht und wie sein Wille ist. Hieraus entsteht eine rudimentäre Definition, deren innere Logik und Plausibilität man gegen die Realität testen kann. Und jedes Mal, wenn man das tut, stellt sich heraus: Die Definition widerspricht sich selbst oder der Realität – die beschriebene Entität kann nicht existieren.

„Unser Gott ist allmächtig und allgütig!“ – Nein, das sicher nicht!

Jahwe, der Gott der Juden, Christen und Moslems z.B. existiert ganz sicher nicht: Er wird als allmächtiger Weltenschöpfer beschrieben, der jeden einzelnen Menschen liebt und unendlich gütig ist. Wenn man sich nun aber in der Welt umschaut, ist von einer allgütigen Macht absolut nichts zu sehen. Auch der argumentative Notausgang „Gott respektiert den freien Willen!!“ funktioniert bei näherer Betrachtung nicht: Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr fast 2.000 Kinder an Krebs. In den betroffenen Familien entsteht unendliches, reales Leid, das sich weder wegdefinieren noch irgendwie auf den freien Willen der Beteiligten zurück führen lässt. Nein, wenn man unbedingt an einem allmächtigen Gott festhalten will, dann interessiert er sich keinen Deut für die Menschen.

Die Priester flüchten sich an diesem Punkt meist in die Platitüde „Die Wege des Herrn sind unergründlich!“ – Auch das ergibt keinen Sinn: Entweder die „Wege des Herrn“ – also seine Motive und die Grundsätze seines Handelns – sind prinzipiell ergründlich oder unergründlich. Sind sie ergründlich, dann können wir sie betrachten und stellen schnell fest, dass die Behauptungen der Religionen unwahr sind: Gott ist offensichtlich nicht allgütig. Sind sie aber unergründlich, dann kennt niemand Gottes Motive und seinen Willen – insbesondere auch nicht die Priester. Da der offenbarte Wille die Grundlage jeder Religion ist, sind auch in diesem Fall die Religionisten im Unrecht.

Wie man es dreht und wendet, die Aussagen der Religionen sind falsch: Der Gott der Bibel passt nicht in unsere Welt.

Lässt sich zumindest die Allmacht „retten“?

Selbst wenn man die Eigenschaft „allgütig“ weg lässt: Auch sonst ist von den Aktivitäten eines (all)mächtigen Wesens verdächtig wenig zu sehen. Weder wachen wir morgens auf und finden über München einen sechs Kilometer hohen gotischen Bogen vor, noch stapfen die in der Bibel erwähnten Riesen durch die Straßen. Marienerscheinungen bleiben seit Jahrhunderten gelangweilten Teenager-Mädchen in abgelegenen Bergdörfern vorbehalten; Frankreich, Großbritannien und Neuseeland führen die Gleichberechtigung für Homosexuelle ein – Aber dort gibt es deutlich weniger Überflutungen als Ausdruck des Zorn Gottes als im christlich verkniffenen Deutschland. Ausnahme in Frankreich: Ausgerechnet Lourdes steht im Sommer 2013 tagelang komplett unter Wasser.

Fazit: Ich weiß nicht, ob es sich kategorisch ausschließen lässt, dass irgend eine Art von Gott existieren könnte – Und zwar deshalb, weil bislang nie jemand konsistent definieren konnte, was das eigentlich sein soll. Sobald eine Gottesvorstellung aber konkret wird, hat sie sich bis dato jedes Mal als falsch erwiesen.

„Wir Christen sind allen anderen moralisch überlegen, denn wir haben die Zehn Gebote!“ – Ähm, nein!

Die angebliche ethisch-moralische Überlegenheit der Zehn Gebote wird immer wieder als Rechtfertigung für den Einfluss der Religion auf die moderne Gesellschaft heran gezogen. Kaum jemand macht sich jedoch die Mühe, den Bibeltext in Exodus 20 und Deuteronomium 5 anzuschauen – dann bleibt von der angeblichen Überlegenheit nämlich nicht mehr viel übrig. Um der Übersichtlichkeit willen leicht gekürzt findet sich Folgendes:

1. Vorstellung: Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.

2. Alleinstellung: Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.

3. Bilderverbot: Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.

4. Sippenhaft: Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation; bei denen, die mich lieben und auf meine Gebote achten, erweise ich Tausenden meine Huld.

5. Missbrauchsverbot: Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht.

6. Sabbat: Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, an ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Rind, dein Esel und dein ganzes Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat. Dein Sklave und deine Sklavin sollen sich ausruhen wie du.

7. Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt.

8. Du sollst nicht morden.

9. Du sollst nicht die Ehe brechen.

10. Du sollst nicht stehlen.

11. Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.

12. Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen. Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, seinem Rind oder seinem Esel oder nach irgendetwas, das deinem Nächsten gehört.

Die zwölf Zehn Gebote

Als erstes bemerkt der Leser verwundert, dass die Zehn Gebote keine zehn Gebote sind, sondern vom Aufbau und Inhalt her eigentlich zwölf. Katholiken und Lutheraner haben später durch neues Nummerieren wohl versucht, die peinlichen Stellen etwas weniger zu betonen. In den ersten fünf unserer zwölf Zehn Gebote beschäftigt sich Jahwe in erster Linie mit sich selbst: Es identifiziert sich als Befreier der Juden, pocht auf seine Alleinstellung, bezeichnet sich als eifersüchtig, droht mit Verfolgung von Enkeln und Großenkeln von Atheisten und anderer Falschgläubigen und warnt vor falschen Priestern (also dem Missbrauch seines Namens). Bislang ist von moralischer Überlegenheit nicht viel zu spüren – Also weiter!

Das Sabbat-Gebot ist in der Tat eine Grundlage unserer Gesellschaft und in seiner verlängerten Form als Wochenende heiß geliebt. Interessant ist, dass die Kirchen dieses Gebot während des größten Teils ihrer Existenz ignoriert haben, hier war lediglich der Kirchgang Pflicht. Erst im 19. Jahrhundert kamen – auf Druck der Gewerkschaften – Gesetze zur Einrichtung eines arbeitsfreien Tages pro Woche auf.

Frauen und Esel: Das Eigentum der Männer

Dann folgt der bekannteste Teil, auf dessen angebliche Einmaligkeit und Vorbildhaftigkeit immer wieder eingegangen wird: Die Eltern sind zu ehren (wenn auch mit einer etwas vagen Begründung), andere Gläubige dürfen nicht ermordet oder bestohlen werden, die Ehe darf nicht gebrochen, und Meineide nicht geschworen werden. Zum Schluss wird das Diebstahlverbot bekräftigt, wobei die Frau des Gläubigen zwischen dem Rest seines Eigentums wie Rindern und Eseln eingeordnet wird.

Kein Mord, kein Diebstahl: In jeder denkbaren Gesellschaft zentral – Ob religiös oder nicht

Die zentralen Aussagen dieser Passage (Eltern ehren, nicht morden, nicht stehlen, nicht lügen) sind in der Tat Elemente unseres moralischen Systems. Sie sind aber in keiner Weise originell oder neu oder einmalig: Ganz abgesehen davon, dass keine Gesellschaft – egal welcher religiösen Ausrichtung – denkbar ist, in der ohne Ahndung gemordet und gestohlen werden darf, sind diese Regeln ganz offensichtlich aus dem deutlich älteren ägyptischen Totenbuch (Kapitel 125) abgeschrieben. Darüber hinaus hat fast jede Gesellschaft vor oder unabhängig vom Judenchristentum ein ähnliches System entwickelt – meist in Form der deutlich besser formulierten Goldenen Regel, wie sie u.a. Konfuzius, Buddha, Homer oder Kant aufstellen.

Sklaverei bekommt göttlichen Segen

Nebenbei: Sowohl im sechsten als auch im zwölften Gebot wird wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass der Angesprochene Sklavenhalter sei. Sklaverei wird also – wenn auch an dieser Stelle eher implizit – gutgeheißen. Weiterhin sind die Verbote reichlich selektiv: Die Vergewaltigung von Frauen und Kindern ist z.B. nicht verboten.

Fazit: Die 10G sind weder toll noch irgendwie besonders

Also: Die Zehn Gebote sind eine Sammlung aus kruder Selbstrechtfertigung eines eifersüchtigen und jähzornigen Gottes und schemenhafter, bronzezeitlichen Rechtsnormen. Sie sind keinesfalls einzigartig oder auch nur besonders treffend formuliert. Moralisch sind sie auch eher fragwürdig: Sie drohen Abweichlern mit Sippenhaft, Sklaverei wird gut geheißen, und Frauen auf eine Ebene mit Vieh gestellt; Vergewaltigung und Völkermord wurden irgendwie vergessen. Konfuzius hatte um die gleiche Zeit eine deutlich knackigere Formulierung gefunden: “Was du selbst nicht wünschst, das tue auch anderen nicht an.”

Es war einmal … Die Glaubensinhalte des Christentums

Die christliche Religion erzählt zusammen gefasst folgende Geschichte: Jahwe, ein übernatürliches und übermenschliches Wesen, schafft das Universum und alle Lebewesen. Die Menschen sind als Krone der Schöpfung die Lieblingsgeschöpfe Jahwes. Er liebt sie so sehr, dass er ihnen 613 Gesetze gibt, die so streng und zueinander widersprüchlich sind, dass niemand sie einhalten kann. Daher sind die Menschen zu ewigen Qualen in den Feuern der Hölle verurteilt.

Gott opfert er sich selbst an sich selbst

Jahwe bastelt ein Schlupfloch aus diesem Dilemma: Er will die Menschen vor den von ihm selbst festgelegten Konsequenzen des Nichteinhaltens der von ihm selbst aufgestellten Gesetze  bewahren, so dass sie nicht in die von ihm selbst geschaffene Hölle geraten. Darum sendet er einen Teil von sich selbst auf die Erde, und zwar in eine zurück gebliebene Provinz des römischen Imperiums. Dann opfert er sich selbst an sich selbst, um so selbst für das Nichteinhalten der von ihm selbst gemachten Gesetze zu büßen. Dieses Opfer besteht darin, dass dieser Teil von ihm drei Tage lang leidet, dann zum Himmel empor fährt und bis zum Ende aller Zeiten den Himmel und die Erde in Glorie regiert.

Statt Sanftheit, Klugheit, Nächstenliebe, Staunen oder Wissbegier: Blinder Glaube!

Es gibt für die Menschen jedoch einen Catch: Um in Genuss des Schlupflochs zu kommen, verlangt Jahwe von allen denkbaren Tugenden wie Sanftheit, Klugheit, Nächstenliebe, Staunen oder Wissbegier nur und ausschließlich eine einzige: Blinden Glauben an die oben beschriebene Geschichte. Alle anderen Untaten (wie Massenmord, Reihenvergewaltigungen, Kindesmissbrauch) werden verziehen und nicht weiter geahndet. Nur der blinde Glaube zählt, die Gläubigen werden mit leiblicher Unsterblichkeit belohnt. Falschgläubige werden weiter mit ewiger Folter in der Hölle gequält.

Diese Geschichte wird seit 2000 Jahren von Religionisten als Grundlage ihres Handelns und ihrer Werte angesehen und durch Gesetze und Verhaltensnormen der gesamten Gesellschaft aufgezwungen.