Wunder über Wunder! Katholische Kirche erkennt 70. Heilungswunder in Lourdes an

Kaum zu fassen, aber wahr! Schon wieder eine wundersame Heilung im Marienwallfahrtsort Lourdes: Der zuständige Bischof berichtet froh, dass die 79-jährige Ordensfrau Bernadette Moriau von einer langjährigen Lähmung geheilt worden sei.

Wie so oft betrifft das angebliche Wunder also vermeintliche Lähmungserscheinungen. Beim letzten Mal wurde die Italienerin Danila Castelli laut des Bischofs „von gefährlichen Bluthochdruck-Anfällen“ geheilt — Also kaum exakt diagnosierbare oder von psychosomatischen Symptomen abgrenzbare Beschwerden. Wieso lässt Gott Jahwe eigentlich nie amputierte Gliedmaßen nachwachsen? Es ist davon auszugehen, dass z.B. viele Landminenopfer innbrünstig Gott um Hilfe bitten. Trotzdem sind keinerlei Fälle von wundersamen Heilungen bei Amputationen bekannt. Hält der allgütige Gott die Betroffenen für seiner Hilfe unwürdig? Oder stehen die Religiösen etwa vor dem Problem, dass in diesen Fällen wohl kaum Fehldiagnosen möglich sind?

Was wäre, wenn man diese meist vagen Heilungsberichte als Fakt ansähe? Nach Lourdes pilgern jährlich etwa vier bis sechs Millionen Gläubige; allein die unterirdische Basilika fasst 25.000 Besucher auf einen Rutsch. Dem gegenüber stehen seit 1858 genau 70 „spontane Heilungen“. Die Quote ist mies! Insbesondere angesichts der Tatsache, dass die innbrünstig betenden Pilger unbedingt geheilt werden wollen, also jede zufällige gesundheitliche Besserung gern auf himmlischen Einfluss zurück führen dürften. Verteilt man die 70 Heilungen auch nur auf zehn – und nicht auf über 150 Jahre -, entspräche das einer Heilungsquote von 0,00014%. Ein Besuch auf dem Oktoberfest dürfte ähnlich heilsam sein.

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Wunderbeweis auf Video: Die tanzende Sonne von Divine Mercy Hills

Ein Wunder, ein Wunder!! Ein Regenbogen schießt aus einer Jesusstatue, die Sonne tanzt im Himmel, wechselt die Farbe, dreht sich wie ein Kreisel. Tausende begeisterte Zeugen beten, schluchzen und werfen sich verzückt zu Boden. Wundersame Heilungen. Blinde können wieder laufen, Lahme wieder sehen. Ewig nörgelnde Besserwisser wie der militante Atheist Richard Dawkins sind sprachlos angesichts eines solch überzeugenden Beweises für das Wirken Gottes.

Seit Jahren schon machen Berichte von den Divine Mercy Hills auf den Philipinen die Runde. Endlich ein endgültiger Beweis für die Wahrheit der katholischen Lehre, und das auch noch auf Video!

Oder doch nicht? Zeit, sich die immer wiederholten Behauptungen mal näher anzuschauen. Dazu muss man lediglich das knapp zehnminütige Video voller Schmalzmusik durchstehen, das als endgültiger Beweis für das Wunder gilt.

Leider ist das auch ziemlich schnell sehr ernüchternd. Man sieht in der Tat einen Regenbogen während einer Freiluftmesse. Der Filmemacher hat sich so hingestellt, dass die monumentale Jesusstatue im Vordergrund steht. Der Himmel ist teilweise bewölkt, einzelne Zuschauer tragen Regenschirme, also typisches Regenbogenwetter. Der Regenbogen selbst sieht zwar schön aus – was daran aber ein Wunder, also ein göttlicher Eingriff, sein soll, das bleibt völlig offen.

Die „tanzende Sonne“ selbst, die offenbar im Anschluss an die Messe erscheint, ist auch eher mittelaufregend: Man sieht einen typisch tropischen Sonnenuntergang hinter einer Hügelkette, wiederum sehr schön (oder auch, je nach Standpunkt, sehr kitschig). Der „Tanzeffekt“ im Video ist allerdings offensichtlich der hilflos hin und her fahrenden Blende der Kamera geschuldet (siehe Video, ab ca. 5:30). Der Filmemacher schwenkt dabei mit der Kamera herum zwischen der sehr hellen Sonne und dem eher dunklen Vordergrund. Die Automatik der Kamera versucht das Bild möglichst farbig und kontrastvoll zu halten und öffnet und schließt die Blende entsprechend. Darum erscheinen die Wolken um die Sonne herum immer wieder in Licht und Farben zu explodieren. Das Ganze lässt sich mit einer (möglichst billigen) Digitalkamera genau so nachstellen – völlig ohne göttlichen Eingriff.

Die Zuschauer im Vordergrund wirken auch bei weitem nicht so verzückt wie behauptet: Einige beten offenbar, die meisten schauen den Sonnenuntergang an, ein paar laufen hin und her oder hantieren mit ihren Handys oder Regenschirmen. Es wird höflich applaudiert, aber es wird nicht klar, ob dieser Applaus dem Sonnenuntergang gilt oder einer Rednerin, deren Lautsprecherstimme im Video zu hören ist.

Zu den behaupteten Heilungen lässt sich ohne belastbare Statistiken wenig sagen, die gibt es über den philippinischen Wundertourismus nicht. Wohl aber über die angeblichen Heilungswunder in Lourdes: Nach Lourdes pilgern jährlich etwa vier bis sechs Millionen Gläubige; allein die unterirdische Basilika fasst 25.000 Besucher auf einen Rutsch. Dem gegenüber stehen seit 1858 genau 69 „spontane Heilungen“. Als bislang letzte wurde die Italienerin Danila Castelli laut des zuständigen Bischofs „von gefährlichen Bluthochdruck-Anfällen“ geheilt. Oh, wow!

Aber selbst, wenn man diese eher vagen Berichte als Fakt ansieht: Die Quote ist mies! Insbesondere angesichts der Tatsache, dass die Pilger unbedingt geheilt werden wollen, also jede zufällige gesundheitliche Besserung gern auf himmlischen Einfluss zurück führen dürften. Verteilt man die 69 Heilungen auch nur auf zehn – und nicht auf über 150 Jahre -, entspräche das einer Heilungsquote von 0,00014%. Ein Besuch auf dem Oktoberfest dürfte ähnlich heilsam sein.

Auch von dieser christlich-katholischen Wunderbehauptung bleibt also wenig übrig: Ein Regenbogen und ein tropischer Sonnenuntergang reichen normal denkenden Menschen wohl kaum als Beweis für einen göttlichen Eingriff in den Lauf der Welt. Nein, dazu muss man schon sehr, sehr leichtgläubig sein. Oder eine bewusste Täuschungsabsicht verfolgen.

Bleibt noch zu sagen, dass Richard Dawkins zwar in das Video hinein geschnitten wurde, aber nicht etwa über das Mercy Hills-Wunder redet, sondern lediglich allgemein sagt, dass es doch schön wäre, wenn die Religiösen zur Abwechslung auch mal Beweise für ihre Behauptungen lieferten.

Wir können uns da nur anschließen.

Heiliger, toter Papst erschlägt Jugendlichen

Vor einer Weile wurde Ex-Papst Wojtyla durch Papst Franz heilig gesprochen. Das war laut Kirchenrecht möglich, da dem Ex-Papst zwei Wunder „nachgewiesen“ wurden, die von der katholischen Kirche weltweit abgefeiert wurden: Zwei Damen, die französische Ordensschwester Marie Simon-Pierre und die katholisch-gläubige Costaricanerin Floribeth Mora Diaz, wurden angeblich auf Bitte des toten Papstes an seinen Gott von Lähmungen geheilt. Papst Wojtyla, so werden wir informiert, ist demgemäß wohlauf und genießt sein zweites Leben an der Seite seines Gottes. Im Rahmen eines Berichtes schreibt „Die Presse“ von anderen Ereignissen, die sich zeitgleich zutrugen:

In denselben Minuten, in denen Floribeth Mora Diaz diesen Donnerstag von ihrer Heilung erzählt, melden italienische Agenturen, ein 21-jähriger Jugendleiter sei „vom Kreuz des Papstes erschlagen worden“. Der tonnenschwere, 30 Meter lange Stamm mit dem sechs Meter langen Korpus krachte in sich zusammen, als die Jugendgruppe darunter spielte. Das Kreuz stand auf einer Bergwiese in der Nähe des oberitalienischen Brescia und war zum Besuch von Johannes Paul II. 1998 aufgerichtet worden. Für Marco G., teilte die Polizei lapidar mit, sei jede Hilfe zu spät gekommen. Ein Wunder kam schon gleich gar nicht.

Erscheinungswunder: Die Heilige Jungfrau im Ginkgo-Baum

Erscheinungswunder sind immer wieder für einen Lacher gut: Ob Jesus auf einem Toastbrot erscheint oder ein Zaun die Umrisse der Heilige Jungfrau aufweist – ein augenzwinkernder Bericht in der Spätausgabe der Tagesschau ist gewiss. Aber nun mal Butter bei die Fische: Wie sieht’s denn nun aus mit diesen Erscheinungen, die insbesondere bei einfachen Gläubigen sehr beliebt sind, vom Vatikan aber eher misstrauisch beäugt werden? Handelt es sich nun um Beweise für die Existenz des Bibel-Gottes, wie viele Religionisten behaupten?

Vor einer Weile haben wir uns bereits Alltagswunder und Heilungswunder auf ihre Tauglichkeit als Gottesbeweise angeschaut. Dabei haben wir festgestellt, dass es für die jeweils angeführten Wunder sehr einfache Erklärungsansätze gibt, die völlig ohne übernatürliche Eingriffe auskommen. Aber wer weiß – vielleicht überzeugen die Erscheinungswunder ja durch eindeutig göttlichen Ursprung.

Gemäß der Beschreibungen der in der Regel katholischen Bebobachter gehen diese Erscheinungswunder im Allgemeinen so vonstatten: Irgendwer behauptet irgendwo, die Jungfrau Maria um ein Zeichen für ihre Existenz gebeten zu haben. Als Beweis für ihre Anwesenheit (außer einigen Auserwählten kann sie schließlich niemand sehen oder hören) lässt die Heilige Jungfrau auf diese dringende Bitte gemeinhin Bilder von sich selbst auf diversen Alltagsgegenständen entstehen.

Diese Geschichten werden natürlich immer erst erzählt, wenn die angeblichen Bilder bereits bekannt sind. Wäre diese Ereigniskette – wie behauptet – umgekehrt, wäre das Phänomen zumindest interessant und käme unserer Definition eines Wunders als „zeitweises Suspendieren der Naturgesetze durch eine Gottheit zu Gunsten eines Bittstellers“ schon etwas näher – schade nur, dass dies noch nie nachgewiesen wurde.

Allerdings müssen selbst die mariengläubigsten Menschen wohl zugeben, dass die „Wunderhaftigkeit“der üblichen Erscheinungen eher zu wünschen übrig lässt.

Die Heilige Jungfrau im Fenster: Kuala Lumpur

So wurde im siebten Stock eines Krankenhauses in Kuala Lumpur von Gläubigen ein Fleck auf einer Fensterscheibe als wundersame Erscheinung der Heiligen Jungfrau ausgemacht. Viel sagen kann man hierzu nicht: Der Fleck lässt sich mit etwas Phantasie als Umriss einer offenbar inkontinenten Frauenfigur in einem wehenden Umhang deuten – Wieso dies ausgerechnet die „Mutter Gottes“ darstellen soll, bleibt völlig offen.

Die Heilige Jungfrau als Fleck

Die Heilige Jungfrau als Fleck

Offenbar um die tausenden Schaulustigen von der Straße loszuwerden, wurde das Fenster vom Krankenhausmanagement an die katholische Kirche übergeben. Theologen sollen den Fleck auf seine Wunderhaltigkeit „testen“ – Wie auch immer das gehen soll.

Die Heilige Jungfrau im Ginkgo-Baum: New Jersey

Einen Fall ähnlichen Kalibers konnte man im Juli 2013 in der US-amerikanischen Stadt West New York bestaunen: Hier fand sich in einem Baum an der Hauptstraße  „plötzlich“ ein Astloch, das von Gläubigen als wundersame Erscheinung der Jungfrau Maria identifiziert wurde. Eine katholische Dame informiert uns, dass der Baum zu ihr gesprochen und „Ich bin die Jungfrau“ gesagt habe. Ah ja.

Die heilige Jungfrau im Gingko-Baum

Die Heilige Jungfrau im Gingko-Baum

Müssen hierzu viele Worte verloren werden? Einer von geschätzten 5.000 Milliarden Bäumen auf der Erde weist also ein Astloch auf, das einige Leute an die Form der üblichen Mariendarstellungen erinnert. Wer aus solchen Gründen von der Existenz eines allmächtigen Gottes überzeugt ist, muss wirklich enorm leichtgläubig sein.

Die Madonna im Strahlenkranze: Kairo

Ein dritter Fall: Angeblich von „Tausenden von Gläubigen“ wurde eine Marienerscheinung in Kairo gesehen. Ein Zeuge erklärt, dass er – vom koptischen Bischof telefonisch alarmiert – mit seiner Frau zur Kirche von Waraak eilte um das Ereignis zu bestaunen. Er berichtet: „Es war eine wunderbare Szene und Atmosphäre, die Gänsehaut bewirkte“. Und dann unternimmst der Zeuge etwas, was bei wundersamen Erscheinungen aller Art nur sehr selten passiert: Er nimmt sein Handy und filmt das vermeintliche Wunder.

Marienerscheinung in Kairo, Ägypten

Die Heilige Jungfrau in der Lampe

Das hätte er vielleicht besser nicht getan: Schaut man sich die Aufnahmen an, bleibt von der wundersamen Erscheinung wenig mehr übrig als eine grell strahlende Lampe. Diese in einschlägigen Kreisen natürlich zünftig abgefeierte „Erscheinung“ ist so dumm, dass sogar die eher hurrakatholischen Kommentatoren bei gloria.tv nicht wirklich an deren Echtheit glauben können: „Unverantwortliche Scharlatanerei, wenn nicht sogar bewusster Vertrauensmissbrauch naiver Gemüter“ – „[Es gibt] keine Aufnahmen von der Rückseite der Kirche.“ – „[E]s wäre schön, wenn diese Erscheinung echt und himmlisch wäre … aber das weiß bis jetzt niemand“.

Göttliches Zeichen? – Der verstorbene Präsident Chavez erscheint Arbeitern

Erscheinungswunder bleiben übrigens nicht nur dem Christentum vorbehalten, auch die politischen Religionen tragen ihren Teil zur Erheiterung der Ungläubigen bei. So wurde vor einer Weile aus Caracas berichtet, dass der verstorbene venezolanische Präsident Hugo Chavez Arbeitern erschienen sei. Bei näherem Hinsehen besteht das Wunder darin, dass sich auf der Wand eines U-Bahn-Tunnels vage Umrisse gebildet haben, die als Bild des charismatischen Führers, der von seinen politischen Erben zur quasi-heiligen Vaterfigur aufgebaut wird, wahrgenommen wurden.

Der (nur fast heilige) Präsident Chavez in der U-Bahn

Der (nur fast heilige) Präsident Chavez in der U-Bahn

Maria, Hugo oder Marsgesicht: Durchdrehende Mustererkennung im Gehirn

Fazit: Der Kern der beschriebenen Erscheinungswunder sind zufällige Flecke oder Muster, die von bereits wundergläubigen Leuten als Bestätigung für ihren Glauben gesehen werden. Dies sind jeweils Fälle von Pareidolie: Die menschlichen Gehirne sind Mustererkennungsmaschinen, darin sind sie richtig gut. Und manchmal erkennen sie auch dort Muster, wo gar keine sind. Die Geschichten erinnern stark an den Trubel in den 1970er Jahren um das vermeintliche Marsgesicht in der Cydonia Mensae.

Neben solchen zwar hysterisch aufgepumpten, aber wohl doch eher harmlosen Marienerscheinungen gibt es in Europa drei für den Wunderglauben wesentlich bedeutsamere Ziele des katholischen Massentourismus in Sachen Jungfrau: Dies sind die Orte Medjugorje, Fátima und Lourdes. Die diesen Orten zugeschriebenen wundersamen Erscheinungen werden wir in einem der nächsten Blogposts unter die Lupe nehmen.

  • „Ein Wunder! Ein Wunder!“ – Die Jungfrau im Ginko-Baum (krone.at)
  • „Ein Wunder! Ein Wunder!“ -Die Jungfrau im Fenster (Spiegel online)
  • „Ein Wunder! Ein Wunder!“ -Die Jungfrau in der Lampe (Gloria TV)
  • Der verstorbene Präsident Chavez erscheint Arbeitern in der U-Bahn (heise.de)
  • Skeptiker Michael Schmidt-Salomon berichtet vom Marientourismus im saarländischen Ort Marpingen (schmidt-salomon.de)

Wunder als Beweis für die Existenz Gottes

In religiösen Kreisen gilt der Gottesbeweis durch Wunder als unschlagbar: Wunder passieren ja ganz offenbar immer wieder, diese werden durch Jahwe getätigt, der daher existieren muss. Voilà!

Als wir Kinder waren, hat die (evangelische) Religionslehrerin uns eingetrichtert: „Wunder gibt es für jene Menschen, die an Wunder glauben.“ Das klingt erstmal total klug und kuschelig, ist aber Unsinn. Eine brauchbare Definition des Begriffs Wunder im religiösen Sinne ist ein „zeitweises Suspendieren der Naturgesetze durch eine Gottheit zu Gunsten eines Bittstellers“. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder es gibt diese Wunder, oder es gibt sie nicht. Wir wissen vielleicht nicht, welche der beiden Möglichkeiten zutrifft, aber eine muss es sein. Dass Wunder „für die, die dran glauben“ existieren und für andere Menschen nicht, ist unsinnig.

Wunder sind nachweisbar? – Es würde Nobelpreise regnen!

Folgendes sollte man sich klar machen: Sollte jemals wasserdicht und gemäß  wissenschaftlicher Methoden erwiesen werden, dass die Naturgesetze aufgehoben werden können – es würde Nobelpreise regnen. Die Templeton-Foundation bietet jährlich einen Preis von einer Million Britischer Pfund für Wissenschafter, die herausragende Entdeckungen zur „Bestärkung der spirituellen Dimension des Lebens“ machen. Mangels solcher Entdeckungen wird der Preis jedoch meist an Forscher vergeben, die irgendwie etwas Nettes über Religion sagen. Die James Randi-Stiftung bietet eine Million Dollar, die deutsche GWUP legt noch 10.000 Euro drauf – für Personen, die erfolgreich übernatürliche Phänomene demonstrieren können. Diese Preise wurden nie abgeholt. Forscher, die hier zumindest eine Möglichkeit sehen, müssten also höchstes Interesse an dem Nachweisen von Wundern haben. Jedoch: Keine Wunder, nichts Übernatürliches kam bislang zum Vorschein. Fehlanzeige!

Im Folgenden schauen wir uns typische Vertreter verschiedener Wunder-„Gattungen“ etwas näher an. Die Alltagswunder: Eine Person verliert einen Gegenstand, findet ihn wieder und teilt begeistert das ihr geschehene „Wunder“. Die Heilungswunder: Eine Ordensschwester wird als krank diagnostiziert, betet zum Papst Johannes Paul II. und wird später als geheilt diagnostiziert. In einem späteren Post widmen wir uns den Marienwundern: Sowohl Marienerscheinungen als auch durch die biblische Jungfrau gewirkte Wunder werden von Katholiken immer wieder als Beweis für die Wahrheit der katholischen Lehre und die Existenz Gottes angeführt.

Die Alltagswunder

Ein Großteil der kolportierten Wunder gleicht dem hier (Edit: Die Betreiberin hat den Post offenbar gelöscht) beschriebenen: Eine Dame geht mit ihrem Hund spazieren. Und dann der Schreck: „Kurz bevor wir wieder vor dem Haus ankamen, in dem ich wohne, dachte ich: ‚Wo ist mein Schlüssel?'“ Die Frau beginnt zu suchen und denkt sich „[V]ielleicht hab ich Gott sauer gemacht, weil ich vorab drüber nachgedacht hab, ob man Gott sauer machen kann und wie stinkig ich noch bin, wegen der ein oder anderen Situation in meinem Leben.“ Sie sucht hier, sie schaut dort, sie bittet ihren Gott um Hilfe, und dann fällt es ihr wieder ein: „Ich rannte nach oben. Tatsächlich. Der Schlüssel steckte. Außen an der Tür. Weil ich vorher einkaufen war und ihn nicht gleich wie immer innen eingesteckt habe, weil ich wusste, ich will gleich wieder raus.“ Die Schilderung schließt mit den Worten: „So schenkt das Leben uns Wunder immer und immer wieder und Zeichen. Manchmal dürfen wir – ich – sie beachten bevor wir leicht panisch losrennen“ und „Wunder und Zeichen gibt es. Hilfe ist da.“

Kurz: Eine Person verliert einen Gegenstand, findet den Gegenstand wieder und schließt „Das muss ein Wunder gewesen sein!“ – Erstaunlich ist daran nicht so sehr das angebliche Wunder, sondern dass viele Religionisten diesen naiven Unsinn offenbar erst nehmen. Verloren/gefunden, also eine vollkommen alltägliche Situation, soll von göttlichem Einfluss zeugen? Von einem Beweis kann man hier wohl kaum sprechen.

Die wundersame Heilung der Ordensschwester Marie

Weiter zu einem typischen Heilungswunder. Marie Simon-Pierre ist Mitglied des katholischen Ordens „Kleine Schwestern der Katholischen Mütterschaft“. Sie litt an Lähmungserscheinungen der linken Hand und des linken Beins, die ein Arzt offenbar als Symptome der Parkinson’schen Krankheit diagnostizierte. „Litt“? Ja, litt – Denn als bekannt wurde, dass der von den Kleinen Schwestern hochverehrte Johannes Paul II. selig gesprochen werden sollte und man auf der Suche nach einem Wunder sei, das diesen Schritt rechtfertigen würde, begannen die Schwestern ganz doll zu dem verstorbenen Papst zu beten. Und siehe da: Die Lähmung verschwand, herbei gerufene Ärzte fanden keine Spuren einer Parkinson-Erkrankung. Der Vatikan „bestätigte“ das Wunder, Johannes Paul konnte selig gesprochen werden.

Die einfachste Erklärung ist hier natürlich kein vollbrachtes Wunder, sondern eine schlichte Fehldiagnose: Der französische Provinzarzt kann psychosomatisch bedingte Lähmungen durchaus ehrlich für Parkinson gehalten haben. Natürlich finden die nach der „Heilung“ herbei gerufenen Ärzte dann keine Spuren der Krankheit. Möglicherweise haben die begeisterten Schwestern ja auch etwas geschummelt, um ihrem Idol zum „verdienten“ Seligen-Status zu verhelfen.

Völlig wunderfreie Erklärungsansätze gibt es also genug. Ist damit komplett ausgeschlossen, dass es sich um ein göttlichen Eingriff handelt? Nein – Es ist aber eben auch nicht bewiesen.

Zu den immer mal wieder kolportierten Gesundungswundern stellt sich die Frage, warum Jahwe offenbar nie Amputierte heilt? Über Nacht einen neuen Arm wachsen zu lassen, das sollte doch für ein allmächtiges, allgütiges Wesen ebenso einfach machbar sein wie das Heilen von Parkinson. Oder ist das Problem hier ganz profan, dass bei fehlenden Gliedmaßen wohl kaum eine Fehldiagnose möglich ist?

„Der Doktor hat mir eine Pille gegeben und mir ist eine neue Niere gewachsen!“

Bei den Alltagswundern und den Heilungswundern findet sich immer dasselbe Muster: Je näher man hinschaut, umso weniger bleibt vom übernatürlichen und unerklärbaren Phänomen übrig. Und auch, wenn sich nicht immer sofort eine Erklärung findet, heißt das ja noch lange nicht, dass es auch keine gibt. Die Aussage „Ich kann mir keine andere Erklärung vorstellen, es muss ein Wunder sein“ ist ein klassischer Fall der Argumentation mit dem Unwissen, eines bei Religionisten beliebten Fehlers.

Doch selbst, falls sich irgendwann wirklich übernatürliche Phänomene nachweisen lassen sollten:  Der Sprung von dort zu „Das war Jahwe, der Gott der Bibel“ ist – wie bereits anderswo beschrieben – willkürlich und kaum begründbar. Fragt man hier nach, wieso für die Religionisten nicht genauso das Spaghettimonster, Gottvater Jupiter oder Erich von Dänikens technisch überlegende Außerirdische als Verursacher der Wunder infrage kommen, hört man oft die eher unbefriedigende Antwort „Das steht in der Bibel, an deren Wahrheit glaube ich ganz fest.“

Wer „Ein Wunder! Ein Wunder!“ schreit, muss das auch belegen

Fazit: Entweder gibt es Wunder oder es gibt sie nicht. Die Personen, die die Existenz von solch außergewöhnlichen Phänomenen behaupten, müssen dafür auch Belege liefern – was für Wunder bislang nie gelungen ist. Alltäglichkeiten wie das „Schlüsselwunder“ kann man dabei wohl getrost vernachlässigen. Aber selbst wenn tatsächlich ab und an die Naturgesetze auf Bitte einzelner Menschen ausgesetzt werden sollten (Wie gesagt: null Belege!) – der gedankliche Sprung zu „Jahwe war’s!“ im Gegensatz zu „Shiva war’s!“ oder „Außerirdische waren’s!“ ist komplett willkürlich und nicht gerechtfertigt.

  • Schlüssel verloren, Schlüssel wiedergefunden: „Ein Wunder! Ein Wunder!“ (Blogpost)
  • Brille verloren, Brille wiedergefunden: „Ein Wunder! Ein Wunder!“ (Web)
  • Die Heilung der Marie Simon-Pierre: „Ein Wunder! Ein Wunder!“ (Wikipedia)
  • Die SZ zu Spontanheilungen – ganz ohne Wunder (Web)
  • Auch Ex-Papst Benedikt kann Heilungswunder (Web)
  • Eine gute Frage: „Why won’t god heal amputees?“ (Web)
  • Wunder gesichtet? Melden Sie sich bei der GWUP (gwup.net)