MGEN-Podcast Folge 2017.05/06: Unendlich wichtig — Der Gott der Atheisten

Willkommen zu unserem Man Glaubt Es Nicht!-Podcast über Religion und andere Esoterik, zu gesellschaftlichen und politischen Themen aus atheistischer und humanistischer Sicht. Im Mai haben wir keinen Aufnahmetermin auf die Kette bekommen, daher gibt’s diesmal eine Doppelfolge für Mai/Juni 2017. Kommt nicht wieder vor … es sei denn, doch. Unsere Themen:

  • Sechs Fäuste für ein Halleluja: Das MGEN-Team würdigt Pfingsten und die Dreieinigkeit
  • Ist Atheismus doch eine Religion? Münchener Aktivist will Befreiung von der Rundfunkgebühr
  • Erledigt sich von selbst: Bundesamt verschleppt 26 Anträge auf Sterbehilfe
  • Der Gott der Agnostiker: Udo di Fabio sieht „Defizit an Religiosität“
  • Gregor Gysi allwissend: „Jesus wäre heute Linke-Mitglied“
  • Total harmlos? Kind stirbt nach „weicher“ Homöopathie-Therapie
  • Schützt nicht vor Torheit: Vitus Huonder bleibt Churer Bischof bis 2019
  • Bedauerlicher Einzelfall: Priester der Piusbruderschaft wegen mehrfacher Vergewaltigung verurteilt
  • Bundespräsident Steinmeier findet „Gebete und Gottesdienst sind unendlich wichtig“
  • „Was können Frauen besser als Männer?“ Das MGEN-Team testet den Protestant-O-Maten
  • Statistik des Monat: Islamistische Attentäter sind stets behördenbekannt — Was läuft da schief?
  • Hörer beschimpfen Podcaster: Leidvermeidung im Quantenvakuum

Links: RSS-Feed, iTunes, Soundcloud. Fragen oder Anmerkungen gern als Kommentar unter diesem Post oder an mgenblog@gmx.de. Falls ihr mögt, bewertet unseren Podcast bei iTunes oder schickt einen Tweet.

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Über Kampfbegriffe und Gottesbilder

Immer mal wieder stößt man auf Religionisten, die zwar unbedingt über ihren Glauben diskutieren wollen, aber die grundlegenden Begriffe nicht kennen. Hier hilft dann entweder ein weiterer Gin & Tonic oder eine Übersicht der wichtigsten Gottesvorstellungen:

Der Theismus ist der Glaube an die Existenz eines allmächtigen Gottes, der das Universum geschaffen hat und aktiv in das Geschehen eingreift. Der Gott der Theisten hat eine Persönlichkeit und verfügt über einen Willen, den er den Menschen durch Schriften oder Propheten offenbart. Viele Theisten glauben, dass der theistische Gott sie persönlich liebt und die Gedanken aller Menschen liest. Also können Gläubige zu ihm beten und ihn darum bitten, die Naturgesetze kurz zu ihren Gunsten auszusetzen und so Wunder geschehen zu lassen.

Gläubige Juden, Christen und Muslime sind Theisten, sie glauben an die Existenz des allmächtigen, allwissenden und allgütigen Jahwe.

Der Gott des Deismus unterscheidet sich vom theistischen Konzept in erster Linie dadurch, dass er sich den Menschen nicht durch Schriften oder Propheten offenbart hat und nicht in das Geschehen im Universum eingreift. Er hat also das Universum erschaffen und sich dann abgewandt. Auf Basis des Deismus lässt sich daher keine Religion gründen.

Der Deismus als philosophische Strömung entstand im 17. Jahrhundert, als klar wurde, dass sich der Theismus nicht sinnvoll rechtfertigen lässt. Da die Menschen damals aber noch keine klaren Vorstellungen von den Ursprüngen des Kosmos hatten, nahmen sie an, dass ein einmaliger Eingriff eines Schöpfergotts notwendig gewesen sein müsse.

Pantheismus ist die Gleichsetzung von Gott und Natur. Der Aufbau und die Struktur des Universums, seine Gesetze und Mechanismen werden von den Pantheisten als göttlich angesehen. Dieses Staunen über die Schönheit und die Ordnung des Universums verbirgt sich auch hinter dem Begriff „Spinozas Gott“ (nach Baruch de Spinoza, einem rationalistischen Philosophen), auf den sich z.B. Albert Einstein ab und an bezog. Mit dem persönlichen Schöpfergott der Theisten und Deisten hat die Gottesvorstellung des Pantheismus nicht mehr gemein als den Namen.

Da der Begriff „Gott“ im Pantheismus keine über den Begiff „Universum“ hinausgehenden Eigenschaften hat, kann man ihn ohne jeden Verlust einfach weglassen. Pantheismus ist lediglich ein um vage sprirituelle Vorstellungen aufgepeppter Atheismus.

Der Atheismus ist als A-Theismus streng genommen lediglich eine Ablehnung der Behauptungen der Theisten, also des Glaubens an einen persönlichen, in die Welt eingreifenden Schöpfergott. Atheisten sind nicht unbedingt sicher, dass es den Gott der Theisten nicht geben könne, sie glauben nur nicht an seine Existenz. Da sich die deistische Gottesvorstellung in wesentlichen Zügen nicht vom Theismus unterscheidet, glauben  Atheisten in der Regel auch die Behauptungen der Deisten nicht.

Viele Atheisten begründen ihren Nicht-Glauben mit ihrer skeptischen Weltsicht: Sie prüfen die Behauptungen der Religionisten kritisch und kommen zum Ergebnis, dass diese sich selbst widersprechen oder nicht in die Welt um uns herum passen. Andere Atheisten verstehen einfach nicht, was die ganze Aufregung soll und glauben ohne tiefere Beschäftigung mit dem Thema nicht an die Existenz von Schlümpfen, Einhörnern oder Göttern.

Im weiteren Rahmen werden auch Leute als Atheisten bezeichnet, die nicht an eine bestimmte Gottheit glauben. So sind etwa Hindus atheistisch gegenüber Jahwe, und Christen atheistisch gegenüber Vishnu, Zeus oder Thor.

Antitheismus geht weiter als Atheismus und ist die Überzeugung, dass es den theistischen Gott nachweislich nicht gibt oder sogar nicht geben kann. Antitheisten sind immer auch Atheisten – umgekehrt ist das nicht unbedingt so.

Fazit: Die Theisten und Deisten glauben an einen allmächtigen Schöpfergott, die Pantheisten und Atheisten nicht. Die Antitheisten behaupten darüber hinaus sogar zu wissen, dass ganz sicher kein Schöpfergott existiert.