MGEN-Podcast Folge 2016.10: Im Weltkrieg um die Ehe

Willkommen zu unserem Podcast über Religion und andere Esoterik, zu gesellschaftlichen und politischen Themen aus atheistischer und humanistischer Sicht. Unsere Themen im Oktober 2016:

  • Das Böse ist immer und überall: Pastor verweigert Rundfunkbeitrag, weil er findet, dass Christen verunglimpft werden
  • Vorwärts marsch, Delirium: Rechte Christen für Gott und Vaterland
  • Gebt den Pfaffen Biowaffen: Franziskus ruft Weltkrieg um die Ehe aus
  • Eingesperrt g’hört er: Mexikanischer Pastor missbraucht 8-jähriges Mädchen und lässt als Strafe zwei Kästen Bier springen
  • Blöd in der Melone? 69% der Deutschen gegen Religionsunterricht
  • Wie eine Fata Morgana: Hörer beschimpfen Podcaster
  • Dem Siebten Himmel nah: Die „virtuelle Betgemeinschaft“ von amen.de
  • Mit Worten öd und schal: Christen dekonvertieren in drei Schritten

Der RSS-Feed für den Podcast findet sich hier. Die Folge lässt sich auch bei iTunes oder direkt bei Soundcloud anhören und auch als mp3 herunterladen. Falls ihr mögt, bewertet unseren Podcast doch bei iTunes. Fragen oder Anmerkungen könnt ihr unter diesem Post in den Kommentaren hinterlassen oder per EMail an mgenblog@gmx.de auf den Weg bringen.

MGEN-Podcast Folge 16.06: Das hat alles nichts mit Religion zu tun!

Das MGEN-Team hat gepodcastet, unter anderem zu den folgenden Themen:

  • Katholische Bischöfe hetzen, ein Muslim macht ernst: Das Attentat von Orlando
  • Kreuze im Gerichtssaal: Österreich denkt nach
  • Papst wird gefeiert: Für das Vertuschen von Kindesmissbrauch „können“ katholische Bischöfe in Zukunft  „zum Rücktritt aufgerufen“ werden
  • Rote Karte: Papst hält die meisten kirchlich geschlossenen Ehen für ungültig
  • Die Nonne und der Bürgermeister: Kirchenprivilegien in den Medien
  • Es folgt ein Gottesbeweis: Die kosmologischen Argumente
  • Papst Franz und Kurienkardinal Robert Sarah geraten ins Hyperventilieren zum Thema Genderforschung; wir wundern uns, aber nur begrenzt

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MGEN-Podcast Folge 16.05: Brennende Herzen und Brennende Haare

Das MGEN-Team hat gepodcastet, unter anderem zu den folgenden Themen:

  • Der von Pfarrer Ricardo Salazar für den 16. Mai 2016 prophezeite Weltuntergang musste leider ausfallen, der dritte Weltkrieg beginnt dann aber ganz sicher im Juni
  • Die Linke in Sachsen will Staat und Kirche trennen und wird dafür ausgelacht
  • Neues aus Österreich: Mädchen (8 Jahre) fängt in der Kirche Feuer
  • Die Uni Bochum will für 1,6 Mio. Euro erforschen, ob Theologie eine Wissenschaft ist
  • Jeder sechste Deutsche glaubt an das Wirken des Heiligen Geistes
  • Darf man Martin Luther feiern? Wir finden: nein, Margot Käßmann findet: ja
  • Im Saarbrücker Amtsgericht werden die Kreuze abgehängt, der Trierer Bischof Ackermann findet das kulturlos, wir finden das gut
  • Glockengebimmel und Muezzinruf: Total unterschiedlich?
  • Es folgt ein Gottesbeweis: Der ontologische Gottesbeweis
  • Radio Vatikan: Der Papst wünscht sich, dass junge Leute „ihr Leben verbrennen“
  • Gerichtsbestätigt: Als Bischof darf man die „Todesstrafe für Homosexuelle“ fordern, die Homosexuellen haben sich darüber nicht zu beschweren

Die Folge lässt sich auch bei iTunes oder direkt bei Soundcloud anhören und dort auch als mp3 herunterladen. Falls ihr mögt, bewertet dort doch die Folge. Fragen oder Anmerkungen könnt ihr unter diesem Post in den Kommentaren hinterlassen oder per EMail an mgenblog@gmx.de auf den Weg bringen.

 

Die Regeln des Spiels

Du bist Religionsgläubiger und willst mit uns über deine Religion und deine Glaubenssätze diskutieren? Gerne, solange du die folgenden Punkte beachtest:

  1. Kommunisten verfechten die Idee des Kommunismus, A-Kommunisten nicht. Analog dazu glauben Theisten an einen persönlichen Gott als Schöpfer der Universums. Atheismus ist A-Theismus, also einfach nur die Abwesenheit des Glaubens an irgendwelche Götter. Nicht-Tennis ist kein Sport, Nicht-Briefmarkensammeln kein Hobby. Weder sind Atheisten gläubig, noch ist Atheismus eine Religion.
  2. Eine Religion ist ein Komplex von Ideen und Annahmen, keine menschliche Eigenschaft wie Rasse, Geschlecht, sexuelle Orientierung oder Behinderung. Ideen und Annahmen kann, darf und sollte man kritisieren. Religion hat nicht mehr Respekt verdient als andere Ideenkomplexe, wie z.B. Kommunismus oder Star Wars.
  3. Da du als Verfechter einer Religion Behauptungen aufstellst und damit Aussagen über das Wesen der Welt machst, liegt die Beweislast bei dir.
  4. Das Wiederholen der immer gleichen Behauptungen ist kein Beleg. Deine inbrünstigen Gefühle gegenüber einer Behauptung sind keine Belege. Dass ganz viele Leute deine Idee teilen, ist kein Beleg. Ein Youtube-Video ist kein Beleg, eine Predigt auch nicht.

Soweit alles verstanden? Super, dann lass uns diskutieren.

Vermischte Anfragen 2015: Der Teufel und die Hamster-Pornos

„War Einstein Christ?“ (Nein) – „Gibt es Beweise für die Evolution?“ (Ja) – „Existiert das Übernatürliche?“ (Die Frage ist falsch gestellt) – Jeden Tag geben Menschen Anfragen in Google ein und landen dann bei uns. WordPress sammelt die Anfragen und listet sie schön übersichtlich auf. Auf die meisten dieser Fragen finden sich zahlreiche Antworten überall im Netz, und eben auch bei MGEN. Einige sind aber spezieller, Antworten sind da eher dünn gesäät. Darum hier als MGEN-Leserservice exklusive Antworten auf sehr spezielle Suchanfragen aus dem Jahr 2015:

wieso seid ihr atheisten? – Ganz klar, weil wir sauer auf Gott sind. Als Kinder haben wir ganz doll für ein Pony gebetet, das Gott uns aber nie geschenkt hat. Wir vermuten daher, dass Gott uns hasst, weil wir Atheisten sind.

wofuer hat gott den tornado geschaffen? – Gott hat die Tornados geschaffen, um Ihnen seine allumfängliche Liebe zu demonstrieren. Ebenso wie Tsunamis, Erdbeben, Hurricans und lustige Krankheiten wir Krebs, Pocken und Ebola. naturkatastrophen, erdbeben, terror, das gehts doch immer schon gegeben – Sehen Sie, das ist der Beweis.

welche Übersetzung benutzen Johannes und jesus? – Jesus und Johannes, die ja viel Umgang mit der römischen Besatzungsmacht pflegten, hatten im Alltag immer den Kleinen Stowasser dabei.

existiert der teufel? – Ja. Der Teufel liegt, wie allgemein bekannt ist, im Detail. Das „Detâil“ ist ein Zweieinhalb-Sterne-Hotel auf Gran Canaria, in dessen Pool-Bereich sich der Teufel für gewöhnlich aufhält. Die Zimmer sind nicht sonderlich luxuriös, doch das Fruehstücksbuffet ist für den Preis ganz okay und die  Margaritas sind süffig. Gerade richtig für Urlauber mit beschränktem Budget oder überwinternde Rentner.

Ist Jahwe Programmierer?

warum stimmt die evolutionstheorie nicht? – Die Evolution ist, wie allgemein bekannt, „bloß eine Theorie“ und daher grundsätzlich nicht weiter ernstzunehmen. Ähnlich übrigens wie die Gravitationstheorie und die Keimtheorie, alles Mumpitz dieser arroganten, Gott hassenden Wissenschaftler. Besonders lächerlich ist, dass diese Darwinisten tatsächlich glauben, dass dass „ein Hund zu einem Adler werden wird, […] wenn er oft genug versucht über Klippen zu springen“, oder aus purem „Zufall viele Menschen en[t]standen sind die [z]ufällig alle ziemlich identisch waren„. Lä-cher-lich! Die sogenannten Wissenschaften wie Medizin, Botanik, Geologie, Land- und Forstwirtschaftskunde, Zoologie und Biochemie, die die Evolutionstheorie täglich anwenden, sind alle falsch! Diese irrgeleiteten Darwinisten schaffen es „nicht mal nur deutsche oder nur englische Begriffe zu verwenden„!! Da sieht man’s mal wieder!!!

gedicht du sagst gott ist nicht real – Nee, da müssen Sie schon selbst ran.

ist jahwe programmierer? – Ja, es ist wahr: Bibel-Gott Jahwe ist hauptberuflich Anwendungsprogrammier bei Yahoo und hat als Hobbyprojekt das Universum in Javascript programmiert. Das erklärt natürlich auch, warum die Welt so supergut funktioniert.

nach der bibel wurde thyros nie wieder aufgebaut, stimmt das? – Nope, Tyros ist eine Stadt im Libanon mit etwa 100.000 Einwohnern. Die Bibel prophezeit, dass König Nebukadnezar von Babylon die Stadt einnehmen und dem Erdboden gleich machen würde. Nach einer langen Belagerung (während der die entsprechenden Passagen wohl geschrieben wurden) verhandelten die Bewohner eine einigiermaßen friedliche Übergabe und akzeptierten die babylonische Oberhoheit. Danach ließ sich die etwas peinliche, gescheiterte „Prophezeiung“ offenbar nicht mehr aus der Welt schaffen.

Gibt es Beweise?

halten sie die schlussfolgerungen pascals hinsichtlich der annahme eines gottes für plausibel? – Nein.

ist jahwe kult? – Ja. Spätestens, seit Jahwe seinen Auftritt beim Eurovision Song Contest 2007 weinend abgebrochen und sich zum Alkoholentzug in ein bayrisches Kloster zurück gezogen hat, genießt Jahwe in Deutschland Kultstatus. Seines aktuelles Album „Am Rande des Wahns“ inklusive der Duet-Single „Für dich teil ich das Meer“ mit Thomas Anders wurde von den Kritikern zerrissen, verkauft sich aber wie geschnitten Mana.

gibt es beweise fuer uebernatuerliche wesen? – Ja sicher. Krishna, Allah, Jahwe, Gaia, Zeus, Istar, Odin, Anansi, Isis und Osiris, Baal, etc, all diese übernatürlichen Wesen sind selbstverständlich total real. Fragen Sie mal ihre jeweiligen Priester.

hamster porno sehen wo muß ich drauf drücken? – Uhm, … jetzt weiß ich auch nicht weiter. Wir wünschen all unseren Leserinnen und Lesern eine schöne Weihnachszeit und einen guten Rutsch ins Jahr 2016.

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Darauf wissen wir leider auch keine Antwort

Zwischenstand bei den Gottesbeweisen: 0 – 20

Seit etwa zweieinhalb Jahren schauen wir uns im Rahmen dieses Blogs Argumente für die Existenz des jüdisch-christlich-islamischen Bibel-Gottes Jahwe an, wie sie von Theisten immer wieder vorgebracht werden. So ein Beweisgang besteht in der Regel aus einer Reihe von Annahmen und daraus hergeleiteten logischen Schlüssen. Am Ende steht dann meist ein „Und daraus folgt: Die Gottheit Jahwe existiert!“

Damit ein Beweis stimmt, müssen naheliegenderweise sowohl die Annahmen als auch die logischen Herleitungen korrekt sein. Sind die Annahmen unzutreffend oder die Schlüsse unlogisch, ist der Beweis falsch. Das bedeutet dann natürlich noch lange nicht, dass das Gegenteil gelten muss, also der jeweilige Gott ganz sicher nicht existiert – lediglich der Beweis für die Existenz ist im Einzelfall gescheitert.

Bei den betrachteten Ansätzen zeigen sich immer wieder dieselben logischen Fehler (oder Fallen?) Oft wird die Existenz einer Gottheit trickreich formuliert in den Annahmen eingebracht – und dann am Ende triumphierend geschlussfolgert! Sehr schön klar wird das beim ontologischen Beweis. Etwas vereinfacht:

(A1) Der Gott ist das Wesen mit der perfekten Kombination von Eigenschaften.
(A2) Ein Wesen ohne die Eigenschaft „Existenz“ ist nicht perfekt.
(S) Der Gott hat die Eigenschaft „Existenz“, existiert also.

Derart vom rhetorischen Gestrüpp befreit wird klar, dass (A1) die Existenz einer Gottheit bereits versteckt voraus setzt. Ein ehrliche Formulierung müsste lauten:

(A1) Der Gott existiert. Er ist das Wesen mit der perfekten Kombination von Eigenschaften.

Dass daraus dann „Der Gott existiert!“ folgert, wird niemanden überraschen.

Ein zweiter üblicher Logikfehler ist der Sprung von „der Gott existiert“ zu „darum ist meine Religion richtig!“ Die bekannten Gottesbeweise versuchen lediglich die Existenz irgend eines göttlichen Wesens zu beweisen. Der logische Sprung zu „das ist Jahwe, der Gott des Christentums, das daher stimmt!“ ist völlig willkürlich und erfolgt ohne jede Begründung. Mit genau der gleichen Berechtigung könnte man zu Krishna springen, zu Zeus oder Papa Schlumpf. Fragt man hier nach, hört man oft die eher unbefriedigende Antwort “Das steht in der Bibel, an deren Wahrheit glaube ich ganz fest.”

Von den bislang angeschauten Beweisen für die Existenz von Göttern war kein einziger korrekt. Hier sind sie im einzelnen:

Also haben wir (je nach Zählung, einiges wiederholt sich) 20 bis 25 der bekanntesten und meist verwendeten Gottesbeweise angeschaut – bislang war kein einziger schlüssig. Im Gegenteil: Wir haben einige durchaus solide Ansätze (hier und hier) gezeigt, die beweisen, dass zumindest die Gottheit Jahwe nicht wie behauptet existieren kann.

In der Sammlung fehlen noch eine Reihe von Argumenten, wie zum Beispiel das Transzendentale Argument für Gott (TAG) und das Kalam-Argument, eine etwas verschwurbelte Version des kosmologischen Beweises. Daneben verdienen auch noch die in den USA aktuell als chic geltenden Präsuppositionisten eine nähere Betrachtung. Es bleibt also spannend – wer weiß, vielleicht ist ja doch noch ein gültiger Beweis für die Existenz (zumindest irgend einer) Gottheit dabei …

Der Gottesbeweis von Gödel

Alle paar Jahre entdecken die Medien den Gottesbeweis des Mathematikers Kurt Gödel: „Forscher beweisen Gottes Existenz am Computer„, „Mathematiker bestätigen Gottesbeweis„, „Gottesbeweis: Gott existert!„, „Computerprogramm bestätigt Gödels Gottesbeweis„. Nach einigen Tagen stürmischen Feierns nimmt die Begeisterung dann aber stark ab und man lässt die Geschichte unauffällig fallen. Offenbar lassen sich die Journalisten in dieser Zeit erklären, was es sich mit dem automatischen Nachvollziehen von formaler Logik auf sich hat. Bis dann, ein paar Jahre später, die nächste Praktikantengeneration aufgeregt über Gödels Notizen stolpert.

Die Besonderheit von Gödels Ansatz liegt in der Formulierung des üblichen ontologischen Beweisversuchs in der von ihm entwickelten mathematischen Sprache der Modallogik (siehe Abbildung), die die Schritte des Arguments für Computerprogramme nachvollziehbar macht. Das Ganze ist offenbar beliebt als Aufgabe für Studenten, was Journalisten dann ab und an mitbekommen.

In seiner ganzen Pracht: Gödels Gottesbeweis (Quelle: heise.de)

Inhaltlich verreckt Gödels Argumentation schon bei Annahme A1: „Wenn man jede mögliche Eigenschaft gemeinsam mit ihrer Negation betrachtet, so ist genau eine von beiden positiv“. Was „positiv“ in diesem Kontext bedeuten soll, wird nicht erklärt. Nehmen wir das Eigenschaftspaar “Das Auto ist blau”/”Das Auto ist nicht blau”: Welche dieser Aussagen soll denn nun positiv sein, welche nicht? Was passiert, wenn das Paar „Das Auto ist gelb“/“Das Auto ist nicht gelb“ hinzu kommt? Wie löst man diesen Widerspruch auf? Und wenn sich schon solche einfachen Dinge nicht klären lassen, wie ist es dann mit dem Klassiker “Ich bin ein eifersüchtiger Gott”/”Ich bin kein eifersüchtiger Gott”? Da der Gott der Bibel sich selbst als eifersüchtig bezeichnet, muss das wohl die positive Eigenschaft sein. Oder doch irgendwie nicht? Lügt er? Ist Lügen deshalb eine positive Eigenschaft? – Ohne Klarstellung, was “positiv” in dem jeweiligen Rahmen bedeuten soll, bleibt die Festlegung willkürlich und ist daher wertlos.

Dazu kommt dann der übliche Fehler aller ontologischen Beweise, hier in D1: „Ein gottgleiches Wesen besitzt alle positiven Eigenschaften“, anderswo immer wieder formuliert als „Gott ist der höchste Gedanke“. Hier wird die versteckte Annahme der Existenz von Göttern in den Beweisgang eingebracht, begründet wird das nicht. Und, klar, wenn ich das Göttliche schon in die Argumentation einfüttere, kommt am Ende natürlich das Göttliche dabei heraus. Ein Zirkelschluss.

Die Frage eines klugen Kommentators zu einem anderen Post zeigt noch ein weiteres Problem der ontologischen Beweise auf: „Wie kann ein Wesen, das angeblich alle positiven Eigenschaften auf sich vereint, auch negative Eigenschaften hervorbringen? Da gibt es doch mindestens eine schlechte Eigenschaft, nämlich die, eine imperfekte und zuweilen grausame Welt geschaffen zu haben.“ Auch darauf haben Theisten keine Antwort, winken allenfalls lustlos mit dem „Gott hat den Menschen den freien Willen gegeben!!“-Fähnchen.

Was hat sich der Autor nur dabei gedacht?

Kurt Gödel war ein genialer Mathematiker, der seinen “Beweis” als mentales Manöver seiner Modallogik gesehen hat und nicht als ernsthaften theologischen Ansatz. Er wollte damit zeigen, so erinnern sich seine Freunde und Kollegen, dass man mit der von ihm geschaffenen Sprache der Logik durch geschickte Wahl der Annahmen so gut wie jede Behauptung beweisen kann.

Gödel hatte die Formulierung schon 1941 niedergeschrieben, dann aber 30 Jahre lang wohlweislich nicht publiziert. Er war ein guter Freund Albert Einsteins, der ja – obwohl er selbst kein Theist war – schon Zeit seines Lebens und trotz seiner Gegenwehr von Religionisten als Kronzeuge für die Existenz des Bibel-Gotts in Beschlag genommen wurde. Offenbar wollte Gödel verhindern, dass sein Name ähnlich missbraucht würde. Erst 1970, als Gödel wegen zunehmender Paranoia schon unter schweren Psychopharmaka stand, wurden seine Notizen veröffentlicht. Es ist schade, dass er bei vielen Leuten für dieses alberne Ding in Erinnerung bleibt.

Fazit: Auch Gödels Gottesbeweis scheitert. Während die formale Logik insofern korrekt ist, dass ein Computerprogramm sie nachvollziehen kann, lassen die im Beweis enthaltenen Annahmen arg zu wünschen übrig. Haltbar sind weder die Annahme, dass von allen Aussage/Negation-Paaren genau eins „positiv“ sein soll, noch die implizite Annahme, dass das Göttliche existiere und komplett „positiv“ besetzt sei. Diese Annahmen kann ein Computer aber nicht als falsch identifizieren, dazu fehlt ihm das Weltwissen.

Fertig?

2014 war kein gutes Jahr und 2015 hat ziemlich schlecht angefangen. Eigentlich dachten wir ja, wir wären mit dem Blog fertig. Vor zwei Jahren hatten wir begonnen, die üblichen Argumente von religiösen Leuten etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, quasi aus Notwehr gegen deren gesellschaftliche Übermacht. Zuerst waren wir dabei ziemlich entspannt unterwegs und haben im Laufe der Zeit festgestellt, dass keiner der immer wieder vorgebrachten Gottesbeweise irgendwie schlüssig ist, dass der Bibel-Gott Jahwe auf keinen Fall existieren kann, und dass eigentlich auch niemand so recht erklären kann, was so ein Gott denn eigentlich sein soll. Wir haben über den Schwachsinn der Esoteriker gestaunt, über die Angstmacherei der Priester und die Wunder– und Prophezeiungsgläubigkeit der Laien.

Nichts davon erhebt den Anspruch neu oder originell zu sein – die meisten religionistischen Argumente sind schon seit Jahrhunderten widerlegt. Trotzdem werden sie immer. und. immer. wieder. wiederholt. Die Leute werden regelrecht damit zugeballert. In mehr als einem Sinn. Es geht ja schließlich um einiges: insbesondere um die eigenen Pfründe.

Für eine Weile dachten wir hier um unseren Küchentisch versammelt wirklich, dass wir fertig wären. Unsere Artikel waren veröffentlicht und werden auch ohne weiteres Zutun gefunden: Existiert Gott? (Nein.) War Einstein religiös? (Nein.) Stimmt die Bibel? (Nein.) Gibt es Wunder? (Nein.) sind die häufigsten Anfragen.

Eigentlich war alles gesagt.

Aber dann kam uns die Nachrichtenlage dazwischen, und von der anfänglichen Entspanntheit war nicht mehr viel übrig: Im Osten der Republik marschieren die christlichen, alltagsrassistischen Abendlandretter tumb im Kreis und hetzen gegen Muslime, in Frankreich greifen muslimische Bekloppte zur Knarre und ermorden Witzemacher (Witzemacher!); alle sind sie vereint im Hass auf alles, was sie für jüdisch halten. Was diese Bekloppten wollen ist klar: einen Kulturkrieg. Einen Krieg zwischen Morgenland und Abendland, Muslimen und Christen, Europa und Afrika, Nord und Süd, was auch immer. Im Namen und in direktem Auftrag ihrer eingebildeten Götter.

Leute, wir müssen verdammt aufpassen, dass sie den nicht bekommen!

2014 war kein gutes Jahr und 2015 hat ziemlich schlecht angefangen. Das kann so nicht weiter gehen! Wir dürfen das Feld nicht den Spinnern überlassen, die aus Hass und Angst handeln und dabei immer mehr Hass und Angst erzeugen. Und die, wenn ihnen keine Argumente mehr einfallen, anfangen zu schießen, zu bomben, oder – sobald sie irgendwo in der Mehrheit sind – ihre Ziele durch strukturelle Gewalt durchzusetzen.

Wir sind nicht fertig. Wir müssen weiter machen. Wir alle.

Prophezeiungen als Beweise für die Existenz Gottes: „Jungfrau? Welche Jungfrau?“

Immer wieder wird behauptet, dass die Erfüllung zahlreicher Vorhersagen alttestamentarischer Propheten durch den neutestamentarischen Jesus ein eindeutiger Beweis für die Existenz Gottes sei: So viele Zufälle, so wird argumentiert, könne es gar nicht geben! Und in der Tat haben die Autoren der vier in die Bibel aufgenommen Evangelien sich alle Mühe gegeben, ihre Jesus-Figur als Erfüller (der ihnen natürlich bekannten) alttestamentarischen Prophezeiungen darzustellen. So lassen sich einige der uns heute etwas absonderlich erscheinenden Geschichten erklären: Um eine Weissagung (siehe Micha 5) über den Geburtsort des zukünftigen Messias der Juden zu erfüllen, musste die Geburt des Jesus von Nazareth mit Hilfe einer an den Haaren herbei gezogenen Volkszählungsgeschichte nach Bethlehem verlegt werden, dort lässt man dann den Herodes ein – erstaunlicherweise von keinem Chronisten erwähntes – Massaker an Kleinkindern ausführen (vage vorhergesagt in Jeremia 31). Jesus selbst schickt später seine Jünger los um einen Esel zu besorgen, damit er wie von Sacharja (Kapitel 9) geweissagt auf dem Tier in die Stadt reiten konnte.

Der Evangelist Matthäus informiert uns weiterhin, dass Jesus Mutter eine Jungfrau gewesen sei und verweist dann im Wortlaut auf die dadurch erfüllte Prophezeiung in Jesaja 7:

Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird schwanger werden und wird einen Sohn gebären, den sie Immanuel nennen wird.

Beeindruckend, oder? Zumindest, wenn man über den nicht ganz zutreffenden Namen „Immanuel“ (bedeutet etwa: Gott ist mit uns) hinweg sieht – auch Propheten können schließlich mal irren. Manchmal werden sie aber auch schlichtweg falsch übersetzt: So steht in jeder einigermaßen aktuellen Bibelausgabe die Fußnote, dass anstatt „Jungfrau“ im Original der Begriff für „die junge Frau, das Mädchen“ steht.  Weiterhin sind Matthäus die Zeiten durcheinander geraten, das Original spricht davon, dass die junge Frau bereits „schwanger ist“. Also reduziert sich die Vorhersage auf den Satz: „Die junge, bereits schwangere Frau wird einen Sohn gebären, den sie Immanuel nennen wird.“ – Vom Wunder einer durch Jesus erfüllten Prophezeiung ist jetzt schon nicht mehr allzu viel übrig.

„Jungfrau? Welche Jungfrau?“

Gibt man sich etwas Mühe und liest den Kontext des vielzitierten Satzes, ergibt sich folgende Geschichte: Der König Ahas wird von den Armeen zweier Rivalen bedroht. Der Seher Jesaja richtet dem König während einer Ratsversammlung von Jahwe aus, dass er den anstehenden Kampf gewinnen werde. Um seine Prophezeiung zu bekräftigen, beruft sich Jesaja wieder auf seinen Gott, zeigt auf eine anwesende, schwangere Frau und sagt: Diese Frau wird einen Sohn gebären und ihn Immanuel nennen. Wenn der Sohn alt genug ist um gut und böse zu unterscheiden, werden die Königreiche deiner Feinde untergegangen sein und öde liegen.

Offensichtlich bezog sich die Bemerkung Jesajas also keinesfalls auf das Auftreten eines Messias, sondern war eine rhetorische Figur in einer konkreten Situation, bei einer Weissagung zum Kriegsgeschick eines antiken Fürsten im Kampf gegen seine Feinde. Von einem Messias, dessen Mutter eine Jungfrau sein werde, ist nicht die Rede. Von einer Jungfrau ist überhaupt nicht die Rede. Hat Evangelist Matthäus hier versucht, seine Leser mit einer „gefälschten“ Prophezeiung übers Ohr zu hauen? Oder wusste er es selbst nicht besser? – Es bleibt unklar.

Wirklich erstaunlich ist, dass immer noch sehr viele Leute die Erfüllung der alttestamentatischen Prophezeiungen als Beweis für die Göttlichkeit der Jesus-Figur sehen: „Es kann kein Zufall sein, dass ein Mann all diese Prophezeiungen erfüllt! Statistisch unmöglich!! Nur Gott kann sowas bewirken!!!“ – Sind diese Leute wirklich nie auf die Idee gekommen, dass die Autoren der Evangelien die überlieferten Sprüche der jüdischen Propheten selbstverständlich kannten? Dass sie ihre Geschichten natürlich so zurecht gebogen haben, dass die alten Weissagungen erfüllt werden? Offenbar haben die Evangelisten die alten Bücher nach möglicherweise passend zu machenden Vorhersagen geradezu abgegrast – Dass dabei das eine oder andere Malheur passiert ist, ist wohl verständlich.

„Ein Wunder! Ein Wunder!“:

  • „Die Wahrscheinlichkeit zur Erfüllung aller Voraussagen ist damit gleich Null, d. h. der Zufall scheidet als Erklärungsversuch aus“ (Web)
  • „Tausende von Prophezeiungen der Bibel sind eingetroffen und bestätigen deutlich Gottes Wort“(Web)
  • „Der Geburtsort von Christus (Messias) wurde vorhergesagt …“ (Web)

Bibeltexte:

War Einstein religiös?

„Glaubte Einstein an Gott?“ – „War Einstein religiös?“ – Immer wieder geben Menschen diese Fragen in Suchmaschinen ein und landen dann u.a. bei MGEN. Warum interessieren sich so viele Leute für den großen Physiker und was er wohl zur Religion zu sagen hatte? Und vor allem: Wie stand er denn nun zur Religion? – Zeit, ein paar Zitate zu sammeln.

Zum Hintergrund: Albert Einstein wurde 1879 in Ulm geboren. Er ging in eine katholische Schule, seine Eltern waren säkulare Juden. Einstein wandte sich schon früh von der organisierten Religion ab und verließ die jüdische Gemeinde mit 17.

Einstein: „Die Bibel ist eine Sammlung primitiver Legenden“

Im April 1921 beantwortete Einstein auf die besorgte Frage eines New Yorker Rabbis, ob er denn auch an Gott glaube, auf die folgende Weise:

„Ich glaube an Spinozas Gott, der sich in der gesetzlichen Harmonie des Seienden offenbart, nicht an einen Gott, der sich mit dem Schicksal und den Handlungen der Menschen abgibt.“

Gott als „gesetzliche Harmonie des Seienden“ – Das entspricht genau dem Gottesbild der Pantheisten, die die Gesamtheit der Regeln und Gesetze des Universums als „Gott“ bezeichnen. Baruch de Spinoza (1632-1677) war einer der Wegbereiter dieser philosophischen Strömung – von seinen Zeitgenossen wurde er wüst als Apostat und Atheist beschimpft. Und völlig unrecht hatten seine Kritiker nicht: Da der Begriff „Gott“ für Pantheisen keine weitergehende Bedeutung hat als der Begriff „Universum“, kann man ihn genau so gut weglassen – Pantheisten sind de facto Atheisten, manchmal mit einem vage spirituellen Überbau. Ganz in diesem Sinne bestätigt Einstein ja auch, dass es seiner Ansicht nach keinen persönlichen Gott gibt, wie ihn die Theisten (also z.B. Juden, Christen und Moslems) vertreten.

Ein weiteres Einstein-Zitat passt gut zu einem Mann, der die Strukturen und Regeln des Universum mit fast kindlichem Staunen bewundert: Das berühmte „Gott würfelt nicht!“, das Einstein 1926 in einem Brief an einen Kollegen formuliert.

„Die Quantenmechanik ist sehr achtunggebietend. Aber eine innere Stimme sagt mir, daß das noch nicht der wahre Jakob ist. Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis des Alten bringt sie uns kaum näher. Jedenfalls bin ich überzeugt, daß der nicht würfelt.“

Einstein kann offenbar nicht so recht daran glauben, dass die von ihm bewunderten, klaren und eleganten Naturgesetze auf zufälligen Phänomenen beruhen sollen. Ob er damit recht behalten wird, darüber sind sich die Physiker bis heute nicht im Klaren.

Einstein: „Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott

Gegen Ende seines Lebens wird Einstein deutlicher. Damals hatten offenbar Religionisten bereits damit begonnen, ihn wegen seines missverstandenen (?) Zitats zu vereinnahmen, nach dem Motto „Der größte lebende Physiker bestätigt, dass Jahwe existiert“. 1954 stellt er dann klar:

„Es war natürlich eine Lüge, was Sie über meine religiösen Überzeugungen gelesen haben, eine Lüge, die systematisch wiederholt wird. Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott und ich habe dies niemals geleugnet, sondern habe es deutlich ausgesprochen. Falls es in mir etwas gibt, das man religiös nennen könnte, so ist es eine unbegrenzete Bewunderung der Struktur der Welt, so weit sie unsere Wissenschaft enthüllen kann.“

Einstein lehnt das theistische Gottesbild der Juden, Christen und Moslems also auch hier eindeutig ab. Weiter schreibt er:

„Das Wort Gott ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger, aber doch reichlich primitiver Legenden. […] Keine noch so feinsinnige Auslegung kann etwas daran ändern. Diese verfeinerten Auslegungen sind […] höchst mannigfaltig und haben so gut wie nichts mit dem Urtext zu schaffen.“

Fazit: Nein, Einstein glaubte eindeutig nicht an den Gott der Bibel, den Juden, Christen und Moslems verehren. Von der organisierten Religion hatte er sich schon als Jugendlicher losgesagt und kritisierte bis zum Ende seines Lebens deren „feinsinnige Auslegung“ der Bibel. Stattdessen bestaunte er ehrfürchtig die Komplexität und die Schönheit der Welt. Eigentlich ein sehr sympathischer Zug.

Einige Quellen:

  • Tagesspiegel: „Relativ ungläubig“ (tagesspiegel.de)
  • SZ: „Die Bibel ist eine Sammlung primitiver Legenden“ (sueddeutsche.de)
  • Humanistischer Pressedienst: „‚Primitiver Aberglaube‘: Einstein über Religion“ (hpd.de)