Ontologische Gottesbeweise oder: Besser geht’s nicht

Kurz gesagt wird mit dem ontologischen Argument versucht, Gottes Existenz herbei zu definieren. Aus der mittelalterlichen Weltsicht des 11. Jahrhunderts muss es einen gewissen Sinn gemacht haben, der heute kaum mehr nachvollziehbar ist. Trotzdem wird das Argument von Predigern ab und an herangezogen, dann aber meist versteckt durch dicke Schichten von verbaler Tarnfarbe. Hier also der von Anselm von Canterbury (1033–1109) aufgestellte “Beweis”:

  1. Gott ist das perfekte Wesen; es besitzt ausschließlich perfekte Eigenschaften.
  2. Eine dieser Eigenschaften ist Existenz, denn ohne diese Eigenschaft wäre es nicht ganz so perfekt.
  3. Gott existiert. Voilà!

Der Argumentierende setzt also voraus, dass sein Gott existiert und leitet daraus klarsichtig ab, dass sein Gott existiert. Nun ja, viele Worte muss man hierzu nicht verlieren.

Kuchen! Ich will Kuchen!

Angenehmerweise lässt sich das ontologische Argument als Hebel benutzten, um jedes mögliche Konzept in die Welt zu wünschen. So wird der größte und leckerste aller Kuchen nur dadurch noch besser, dass er existiert und vor mir auf dem Tisch steht. Voilà, der perfekte Kuchen ist soeben eingetroffen. Herkules ist zweifellos der großartigste Krieger aller Zeiten, und da ein existierender Krieger noch viel großartiger ist als ein nicht existierender, ist auch seine Existenz bewiesen.

Aus heutiger Sicht ist kaum zu fassen, dass auf Grundlage dieses “Argumentes” Kriege geführt und Menschen getötet wurden.

• Anselm von Canterbury nutzte als Erster das ontologische Argument: http://de.wikipedia.org/wiki/Anselm_von_Canterbury

• Der Prediger und Theologe William Lane Craig versucht sich auf Umwegen an dem ontologischen Argument, warnt aber vor möglichen „Missverständnissen“: http://www.youtube.com/watch?v=dr36HID62wM

• Scott Clifton von „Theoretical Bullshit“ zerlegt gemäß der Regeln der Kunst das ontologische Argument: http://www.youtube.com/watch?v=YLQ0DnUTyX8