Der 747-Beweis für die Existenz Gottes

In ihrer unendlichen Weisheit verbreiten Kreationisten den folgenden Gottesbeweis: „Die Evolution kann nicht real sein, denn Menschen und Tiere können unmöglich zufällig entstanden sein. Wenn sich komplexe Lebewesen zufällig aus einfachen Bausteinen gebildet hätten, dann wäre das so, als ob ein Sturm über einen Schrottplatz fegt und dabei aus dem Metallschrott zufällig eine Boeing 747 zusammen setzt. Es ist egal, wie viel Zeit dabei verstreicht – auch ein über Millionen von Jahren währender Sturm wird keinen Jumbojet aus einzelnen Schrauben zusammen setzen können. Das ist völlig undenkbar. Bei der Entstehung der Menschen und Tiere muss daher eine Intelligenz steuernd eingegriffen haben. Diese Intelligenz ist Jahwe, der daher existieren muss. Voilá!“

An dieser Argumentation sind verschiedene Punkte falsch. Zuerst mal ist Evolution nicht wie in der Analogie beschrieben ein zufälliges Durcheinanderwürfeln, sondern findet durch natürliche, sexuelle und (seit Bestehen der Ackerbaukulturen) auch künstliche Auslese von Individuen mit kleinen genetischen Variationen statt.  Populationen passen sich im Laufe vieler Generationen an ihre Umwelt an; die Umwelt wandelt sich, die Merkmale der Populationen wandeln sich mit. Haben komplexe Lebensformen in einer bestimmten Umwelt einen Überlebens- und Fortpflanzungvorteil, stehen die Chancen gut, dass sie sich im Laufe der Generationen gegen einfachere Wesen durchsetzen.

„Evolution ist ja bloß eine Theorie!“ – „Gravitation auch. Also schweb ab!“

Der Standardeinwand, das sei ja alles bloß Theorie und nie wirklich beobachtet worden, stimmt nicht: Um die kaum übersehbaren Unterschiede zwischen Hunderassen wie Chihuahuas, Pudeln und Dalmatinern entstehen zu lassen, haben die Mechanismen einer künstlichen Auslese von Tieren mit gewünschten genetischen Variationen (sprich: Züchtung) und wenige tausend Jahre Zeit ausgereicht. Als Gegenargument hört man oft, dass dies etwas völlig anderes sei, da Wölfe den verschiedenen Hunderassen „ähnlich“ seien und zudem nicht ausgestorben. Die Zielrichtung dieses Argumentes bleibt unklar: Die heutigen Menschen, Menschenaffen und Neandertaler sind sich auch „ähnlich“, ebenso Äpfel und Birnen als „apfelartige Rosengewächse“. Trotzdem ist es angeblich „undenkbar“, dass sie durch Evolution entstanden seien. Und wieso soll es im Rahmen der genetischen Vererbung eine Rolle spielen, ob eine Spezies ausgestorben ist oder nicht? Gehen die Religionisten davon aus, dass laut Evolutionstheorie bestimmte Merkmale jeweils nur einer Spezies gehören können, so wie ein Erbstück in einer Familie erst weitergereicht wird, wenn der bisherige Besitzer stirbt?

Aber selbst wenn man voraussetzt, dass die Gesetze der Evolution nicht vorhanden oder irgendwie missverstanden worden seien: Der Sprung von „Eine Intelligenz hat steuernd eingegriffen“ zu „Das war Jahwe, der Gott der Bibel“ ist unglaublich weit. Fragt man hier nach, wieso für die Religionisten nicht genauso Lord Krishna, das Spaghettimonster oder Erich von Dänikens technisch überlegende Außerirdische infrage kommen, hört man oft die eher unbefriedigende Antwort „Das steht in der Bibel, an deren Wahrheit glaube ich ganz fest.“ Von der versprochenen, zwingenden Logik des Gottesbeweises ist spätestens jetzt nichts mehr übrig.

Das anthropische Prinzip: Der Jumbo steht nun mal da

Als dritter Punkt (um in der windschiefen Analogie zu bleiben): Der Sturm ist vorbei, das Flugzeug steht nun mal auf den Schrottplatz. Auch wenn es „undenkbar“ erscheint, da steht es in seiner vollen Schönheit. Nun kann man entweder versuchen dieses Rätsel zu ergründen und die Ursachen und Umstände seines Erscheinen zu verstehen. Oder man streckt sofort die Waffen und argumentiert aus dem Unwissen, sagt also „Mir fällt gerade keine Erklärung ein, daher kann es auch keine geben. Das Phänomen muss eine übernatürliche Ursache haben.“ Ebenso wie Blitz und Donner, Dürre und Regen, Krankheiten, das tägliche Aufgehen der Sonne – alles bekanntermaßen verursacht und kontrolliert von Göttern. Jaja.

Gerade Religionisten wundern sich immer wieder, dass Menschen und Umwelt so gut zueinander passen und wie unwahrscheinlich es doch sei, dass die Menschen genau so sind, wie sie eben sind. Hier schlägt das anthropische Prinzip zu: Bei der Bewertung einer Beobachtung (wie den Eigenschaften der Welt oder der Menschen) muss die Existenz der Beobachter mit einbezogen werden. Gäbe es auf der Erde kein flüssiges Wasser, gäbe es auch uns nicht und wir würden uns nicht über unsere (Nicht-)Existenz wundern. Hätten wir anstatt von zehn Fingern vierunddreissig Tentakel, dann würden die Priester der Tentakelgötter predigen, wie arg unwahrscheinlich und außergewöhnlich das Entstehen solcher Lebensformen sei. Wären wir denkender Schleim in Kristallschalen: dito.

Douglas Adams‘ Pfützenparabel hatten wir bereits anderswo zitiert: Eines Morgens wacht eine intelligente Pfütze auf und wundert sich, wie arg unwahrscheinlich es ist, dass die Kuhle im Boden ausgerechnet eine Pfützenform hat. Ganz offensichtlich eine klare Botschaft der Pfützengötter.

Fazit: Die Menschen sind nicht durch zufälliges Durcheinanderwürfeln von Bauteilen entstanden. Die 747-Analogie funktioniert nicht. Die heute bestehenden, komplexen Lebenwesen haben sich in sehr kleinen Schritten und in sehr langen Zeiträumen aus weniger komplexen Wesen gebildet. Dabei spielte vor allem die Überlebensfähigkeit in der jeweiligen Umwelt eine Rolle – Wäre unsere Umwelt anders, wären wir auch anders. Und selbst wenn sich die Evolutionstheorie eines Tages als falsch heraus stellen sollte: Ein Beleg für die Wahrheit irgendwelcher religiösen Vorstellungen wäre das noch lange nicht.

„… als ob ein Wirbelsturm über einen Schrottplatz fegen würde … „

Oft glauben die Leserinnen und Leser nicht, dass Religionisten solch absurd klingenden Argumente wirklich einsetzen. Darum hier ein paar Beispiele:

  • „… die Wahrscheinlichkeit, dass der Mensch eine zufällige Laune der Natur ist, ist so hoch als ob ein Wirbelsturm über einen Schrottplatz fegen würde und die Schrottteile zu einer startbereiten Boeing 747 zusammenfügen würde … “ (Zeit online)
  • „Wir alle sind Beweise dafür DAS Gott existiert. … dass eine einzige Menschliche Zelle aus Zufall entstanden könnte so unwahrscheinlich ist wie wenn auf einem Schrottplatz ein Wirbelsturm kommt und den ganzen Schrott zusammenwirbelt und daraus eine Boeing 747 entsteht dann muss man doch zum Vernunft kommen“ (Allmystery.de)
  • „… , dass das zufällige Entstehen einer einzigen menschlichen Zelle dem Entstehen einer Boeing 747 durch einen über einen Schrottplatz wehenden Wirbelwind gleicht, durch den sich die Schrottteile zu einem abflugbereiten, hochmodernen Jumbo – Jet zusammenmontieren. Ist das möglich??? Kein vernünftiger Mensch würde eine solch irrationale Aussage jemals akzeptieren.“ (Blog Wahre Religion)
  • „… auf einem Schrottplatz lägen alle Einzelteile für eine Boing 747 und es fegte ein Tornado darüber, dann würde mit derselben Wahrscheinlichkeit hinterher ein Flugzeug dastehen, das startbereit ist . Das Ereignis ist so zu vernachlässigen, dass sich auch nichts daran ändert, wenn das ganze Universum voller Schrottplätze wäre!“ (Glauben Leben)
  • „… Und diese Flugzeug stand dort einfach herum … Mit allem drum und dran: Flügel, Motor und alles was dazu gehört … Schließlich glaubst du auch an denErbauer” des Flugzeuges ohne ihn gesehen zu haben … Was ich dir damit sagen will ist, dass du den Schöpfer des Universums nicht unbedingt sehen musst“ (Blog Dienerin Allahs)
  • „… Nämlich um die Frage, ob Du mir Folgendes glauben würdest: Ein Tornado fegt über einen Schrottplatz und hinterläßt aus den Schrottteilen eine Boeing 747. Wohl eher kaum. Und gerade das propagieren viele Wissenschaftler, und es glauben die Menschen, die Gott aus eben den Resultaten der Wissenschaft heraus verdammen.“ (Wer weiss was: Gott ist logisch)

Kann man kategorisch beweisen, dass es keinen Gott gibt?

Ab und an hört man die zweifelnde Frage „Kannst du denn kategorisch ausschließen, dass es einen Gott gibt? Ist das nicht doch möglich?“ Die Antwort dazu ist: Ich weiß nicht, ob man die Existenz eines Gottes generell ausschließen kann. Und zwar aus einem einfachen Grund: Es gibt keine konsistente Definition des Begriffes „Gott“, die irgendwie zu unserem Universum passt.

„Unser Gott ist unendliche Liebe!“ – Ach so?

Man kann in der Tat nicht beweisen, dass es keinerlei Gott gibt. Das liegt allerdings nicht an irgend welchen philosophischen Gründen, sondern schlicht daran, dass die Vertreter des Gottesglaubens die Definition ständig ändern. Das ist auch gar kein Wunder (no pun intended!), denn es gibt ja offensichtlich keine reale Entität, die von der Definition zutreffend beschrieben werden muss.

Will man z.B. einen Stuhl beschreiben, muss die Definition einigermaßen zu den möglichen Varianten des „Sitzmöbels für eine Person“ passen. Entfernt man sich zu weit davon, kommt irgendwann jemand, zeigt auf einen konkreten Stuhl und sagt „Was du beschreibst, ist kein Stuhl!“ – Redet man dagegen über eine reine Idee ohne jeden Anker in der realen Welt, lassen sich ihr natürlich beliebige Eigenschaften zuschreiben, die auch ständig wechseln können: „Mein Gott ist das Alpha und das Omega!“, „Mein Gott ist eine höhere Macht, er ist unendlich, unergründlich und unsichtbar!“,  „Mein Gott ist unendliche Liebe!“ – Was soll man denn mit solchen Definition anfangen?

Wenn man einer Entität aber keinerlei feste Eigenschaften zuschreibt, die sie irgendwie mit dem Universum in Beziehung setzen, dann lassen sich natürlich auch keine weiter gehende Aussagen zu ihr treffen – insbesondere auch nicht über die Möglichkeit oder Unmöglichkeit ihrer Existenz.

„Unser Gott ist das Alpha und das Omega!“ – Hatte ich mir gleich gedacht!

Um ein konkretes Glaubenssystem zu errichten, müssen die Priester ihren Gott allerdings mit ein paar Eigenschaften ausstatten: Warum man ihn überhaupt verehren sollte, was er den ganzen Tag so macht und wie sein Wille ist. Hieraus entsteht eine rudimentäre Definition, deren innere Logik und Plausibilität man gegen die Realität testen kann. Und jedes Mal, wenn man das tut, stellt sich heraus: Die Definition widerspricht sich selbst oder der Realität – die beschriebene Entität kann nicht existieren.

„Unser Gott ist allmächtig und allgütig!“ – Nein, das sicher nicht!

Jahwe, der Gott der Juden, Christen und Moslems z.B. existiert ganz sicher nicht: Er wird als allmächtiger Weltenschöpfer beschrieben, der jeden einzelnen Menschen liebt und unendlich gütig ist. Wenn man sich nun aber in der Welt umschaut, ist von einer allgütigen Macht absolut nichts zu sehen. Auch der argumentative Notausgang „Gott respektiert den freien Willen!!“ funktioniert bei näherer Betrachtung nicht: Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr fast 2.000 Kinder an Krebs. In den betroffenen Familien entsteht unendliches, reales Leid, das sich weder wegdefinieren noch irgendwie auf den freien Willen der Beteiligten zurück führen lässt. Nein, wenn man unbedingt an einem allmächtigen Gott festhalten will, dann interessiert er sich keinen Deut für die Menschen.

Die Priester flüchten sich an diesem Punkt meist in die Platitüde „Die Wege des Herrn sind unergründlich!“ – Auch das ergibt keinen Sinn: Entweder die „Wege des Herrn“ – also seine Motive und die Grundsätze seines Handelns – sind prinzipiell ergründlich oder unergründlich. Sind sie ergründlich, dann können wir sie betrachten und stellen schnell fest, dass die Behauptungen der Religionen unwahr sind: Gott ist offensichtlich nicht allgütig. Sind sie aber unergründlich, dann kennt niemand Gottes Motive und seinen Willen – insbesondere auch nicht die Priester. Da der offenbarte Wille die Grundlage jeder Religion ist, sind auch in diesem Fall die Religionisten im Unrecht.

Wie man es dreht und wendet, die Aussagen der Religionen sind falsch: Der Gott der Bibel passt nicht in unsere Welt.

Lässt sich zumindest die Allmacht „retten“?

Selbst wenn man die Eigenschaft „allgütig“ weg lässt: Auch sonst ist von den Aktivitäten eines (all)mächtigen Wesens verdächtig wenig zu sehen. Weder wachen wir morgens auf und finden über München einen sechs Kilometer hohen gotischen Bogen vor, noch stapfen die in der Bibel erwähnten Riesen durch die Straßen. Marienerscheinungen bleiben seit Jahrhunderten gelangweilten Teenager-Mädchen in abgelegenen Bergdörfern vorbehalten; Frankreich, Großbritannien und Neuseeland führen die Gleichberechtigung für Homosexuelle ein – Aber dort gibt es deutlich weniger Überflutungen als Ausdruck des Zorn Gottes als im christlich verkniffenen Deutschland. Ausnahme in Frankreich: Ausgerechnet Lourdes steht im Sommer 2013 tagelang komplett unter Wasser.

Fazit: Ich weiß nicht, ob es sich kategorisch ausschließen lässt, dass irgend eine Art von Gott existieren könnte – Und zwar deshalb, weil bislang nie jemand konsistent definieren konnte, was das eigentlich sein soll. Sobald eine Gottesvorstellung aber konkret wird, hat sie sich bis dato jedes Mal als falsch erwiesen.

Über Kampfbegriffe und Gottesbilder

Immer mal wieder stößt man auf Religionisten, die zwar unbedingt über ihren Glauben diskutieren wollen, aber die grundlegenden Begriffe nicht kennen. Hier hilft dann entweder ein weiterer Gin & Tonic oder eine Übersicht der wichtigsten Gottesvorstellungen:

Der Theismus ist der Glaube an die Existenz eines allmächtigen Gottes, der das Universum geschaffen hat und aktiv in das Geschehen eingreift. Der Gott der Theisten hat eine Persönlichkeit und verfügt über einen Willen, den er den Menschen durch Schriften oder Propheten offenbart. Viele Theisten glauben, dass der theistische Gott sie persönlich liebt und die Gedanken aller Menschen liest. Also können Gläubige zu ihm beten und ihn darum bitten, die Naturgesetze kurz zu ihren Gunsten auszusetzen und so Wunder geschehen zu lassen.

Gläubige Juden, Christen und Muslime sind Theisten, sie glauben an die Existenz des allmächtigen, allwissenden und allgütigen Jahwe.

Der Gott des Deismus unterscheidet sich vom theistischen Konzept in erster Linie dadurch, dass er sich den Menschen nicht durch Schriften oder Propheten offenbart hat und nicht in das Geschehen im Universum eingreift. Er hat also das Universum erschaffen und sich dann abgewandt. Auf Basis des Deismus lässt sich daher keine Religion gründen.

Der Deismus als philosophische Strömung entstand im 17. Jahrhundert, als klar wurde, dass sich der Theismus nicht sinnvoll rechtfertigen lässt. Da die Menschen damals aber noch keine klaren Vorstellungen von den Ursprüngen des Kosmos hatten, nahmen sie an, dass ein einmaliger Eingriff eines Schöpfergotts notwendig gewesen sein müsse.

Pantheismus ist die Gleichsetzung von Gott und Natur. Der Aufbau und die Struktur des Universums, seine Gesetze und Mechanismen werden von den Pantheisten als göttlich angesehen. Dieses Staunen über die Schönheit und die Ordnung des Universums verbirgt sich auch hinter dem Begriff „Spinozas Gott“ (nach Baruch de Spinoza, einem rationalistischen Philosophen), auf den sich z.B. Albert Einstein ab und an bezog. Mit dem persönlichen Schöpfergott der Theisten und Deisten hat die Gottesvorstellung des Pantheismus nicht mehr gemein als den Namen.

Da der Begriff „Gott“ im Pantheismus keine über den Begiff „Universum“ hinausgehenden Eigenschaften hat, kann man ihn ohne jeden Verlust einfach weglassen. Pantheismus ist lediglich ein um vage sprirituelle Vorstellungen aufgepeppter Atheismus.

Der Atheismus ist als A-Theismus streng genommen lediglich eine Ablehnung der Behauptungen der Theisten, also des Glaubens an einen persönlichen, in die Welt eingreifenden Schöpfergott. Atheisten sind nicht unbedingt sicher, dass es den Gott der Theisten nicht geben könne, sie glauben nur nicht an seine Existenz. Da sich die deistische Gottesvorstellung in wesentlichen Zügen nicht vom Theismus unterscheidet, glauben  Atheisten in der Regel auch die Behauptungen der Deisten nicht.

Viele Atheisten begründen ihren Nicht-Glauben mit ihrer skeptischen Weltsicht: Sie prüfen die Behauptungen der Religionisten kritisch und kommen zum Ergebnis, dass diese sich selbst widersprechen oder nicht in die Welt um uns herum passen. Andere Atheisten verstehen einfach nicht, was die ganze Aufregung soll und glauben ohne tiefere Beschäftigung mit dem Thema nicht an die Existenz von Schlümpfen, Einhörnern oder Göttern.

Im weiteren Rahmen werden auch Leute als Atheisten bezeichnet, die nicht an eine bestimmte Gottheit glauben. So sind etwa Hindus atheistisch gegenüber Jahwe, und Christen atheistisch gegenüber Vishnu, Zeus oder Thor.

Antitheismus geht weiter als Atheismus und ist die Überzeugung, dass es den theistischen Gott nachweislich nicht gibt oder sogar nicht geben kann. Antitheisten sind immer auch Atheisten – umgekehrt ist das nicht unbedingt so.

Fazit: Die Theisten und Deisten glauben an einen allmächtigen Schöpfergott, die Pantheisten und Atheisten nicht. Die Antitheisten behaupten darüber hinaus sogar zu wissen, dass ganz sicher kein Schöpfergott existiert.

Wenig Raum für Beinarbeit: Religionisten kämpfen um den AAA-Gott

Im letzten Blog-Post haben wir schlüssig gezeigt, dass die Vorstellung von einem allmächtigen, allwissenden und allgütigen (AAA-)Gott nicht mit der Welt, in der wir leben, kompatibel ist. Der Gott, wie er z.B. vom Christentum verehrt wird, kann also nicht existieren.

Das ist natürlich keine neue, ungewöhnliche oder irgendwie komplizierte Erkenntnis. Um ihr Konzept vom AAA-Gott doch noch irgendwie zu retten, haben sich die Religionisten daher eine Reihe von Argumenten ausgedacht (zusätzlich zu den rituellen Scheiterhaufen):

Abstreiten der Beobachtung: „Das stimmt ja alles gar nicht!!!“

Möglichkeit 1: Die Beobachtung abstreiten – Hier wird irgendwie versucht, schreckliche Dinge wie Krebs wegzudefinieren. Diese Dinge stoßen uns nicht wirklich zu, das erscheint uns nur so. Meist geht das dann so:

  • „Gott hat uns aus Grund X den freien Willen gegeben – wir können uns dazu entscheiden, Böses zu tun!“: Das kommt häufig, geht aber komplett am Thema vorbei: Babies entscheiden sich weder dafür Krebs zu bekommen, noch fügt ihnen irgend jemand die Krankheit willentlich zu.
  • „Gott bestraft euch für all eure Sünden!“: Welche schrecklichen „Sünden“ sollen das aus christlicher Sicht denn sein, die ein kleines Kind begangen haben soll? Dem Bruder den Lollie weg genommen? Den übergriffigen Priester bei den Eltern verpetzt? Oder waren es vielleicht die Eltern, die gesündigt haben, und nun durch ultrakrasses Leid bestraft werden sollen? – Egal! Ein Gott, der so handelt, kann auf keinen Fall allgütig sein!
  • „Das Böse existiert nicht wirklich, das ist die von euch verschuldete Abwesenheit Gottes!“: Die Argumentierenden gehen irgendwie davon aus, dass ihr Gott sich in den Schmollwinkel zurück gezogen habe, weil z.B. Frauen wählen und Auto fahren dürfen, und Homosexuelle in der Gesellschaft oft akzeptiert werden. Diese Variante des „Gott bestraft euch für eure Sünden!“ wird in letzter Zeit häufiger von evangelikalen Christen vorgebracht.
  • „Gott ist nicht schuld, das hat der Teufel gemacht!“: Und wer hat den Teufel geschaffen, sieht in seiner Allwissenheit all seine Taten und kann ihn mit seiner Allmacht jederzeit zur Räson bringen? – „Gott natürlich!“ – Der tut das aber nicht, ist also offensichtlich nicht allgütig! – „Hm.“
  • „Gott liebt uns und will uns prüfen!“: Hierzu muss man eigentlich wenig sagen – Mich macht immer wieder völlig ratlos, wie jemand so dermaßen zynisch argumentieren kann. Nur um irgendwie recht zu behalten, werden Eltern mit solchen Sätzen konfrontiert! – Natürlich gilt auch hier: Ein allmächtiger und allwissender Gott, der so handelt, ist extrem unmoralisch, und kann daher nicht allgütig sein.

Zusammengefasst kann man sagen: Die Ansätze, die Existenz des Bösen weg zu definieren, scheitern alle und sind verzweifelte Versuche, das Gott-Konzept gegen jeden gesunden Menschenverstand irgendwie zu halten.

Verleugnen der Folgerichtigkeit: „Dich hat doch der Teufel geschickt!!!“

Möglichkeit 2: Die Korrektheit der Argumentation abstreiten – Hier wird dann gern vage behauptet, der oben beschriebene Gedankengang sei auf nicht näher zu benennende Weise falsch. Dazu werden dann auch meist der Teufel oder Dämonen heran gekarrt: „Deine Argumentation ist so verbogen, so pervers! Ich kann mir schon denken, wer dir diese Gedanken eingegeben hat! Schäm dich!“ – Siehe oben: Gott hat nach christlicher Tradition den Teufel geschaffen, und da er allmächtig und allwissend ist, hat er auch die Verantwortung für dessen Taten.

Oft  werden  auch verbale Blendgranaten gezündet, gern in der Form einer Argumentation mit Autoritäten: „Schon der heilige Thomas Aquinus sagte dazu … bla bla, freier Wille, bla bla, Dämonen, bla bla …“ – Hierdurch geht der Argumentierende durch das Herbeikarren von Autoritäten der lästigen Pflicht aus dem Weg, inhaltliche Argumente für seine These vortragen zu müssen. Ist ja auch blöd, wenn man keine hat.

Fazit: Der Bibel-Gott kann nicht existieren

Wie man es auch dreht und wendet: Kein Wesen kann zugleich allmächtig, allwissend und allgütig sein. Die Definition widerspricht der realen Welt. Man kann also mit Sicherheit sagen: So ein Gott existiert nicht.

„Gott ist allmächtig, allwissend und allgütig!“ – Nope, dieser Gott existiert nicht!

Die meisten Religionisten behaupten, dass ihre Gottheit allmächtig, allwissend und allgütig sei. So ein Gott kann nicht existieren.

Um zu zeigen, dass dieser allmächtige, allwissende und allgütige (kurz: AAA-)Gott und die um uns herum bestehende Welt inkompatibel sind, betrachten wir folgende, ausgesprochen unerfreuliche Tatsache: Allein in Deutschland bekommen jedes Jahr ca. 1.800 kleine Kinder Krebs. Hierdurch entsteht in vielen Familien und deren Umfeld unendliches, reales, krasses Leid, das sich auch nicht irgendwie wegdefinieren lässt. Es ist nun an den Religionisten zu erklären, wie dieser Fakt in ihr AAA-Gott-Weltbild passt. Die Antwort ist: gar nicht!

Allgütig und allwissend? – Dann nicht allmächtig!

Nehmen wir für’s Erste an, der Gott sei allgütig und allwissend. Dann will er also immer und überall nur Gutes tun und sieht außerdem alles, was in der Welt vor sich geht. Trotzdem verhindert er nicht, dass die Kinder krank werden. Er kann ihnen offenbar nicht helfen. Wenn man also einem Gott also die Attribute allgütig und allwissend zuschreibt, kann er nicht zugleich allmächtig sein.

Allmächtig und allgütig? – Dann nicht allwissend!

Alternativ können wir auch annehmen, dass der Gott allmächtig und allgütig sei: er kann und will also helfen. Trotzdem, die Kinder werden immer noch krank. Die Attribute allmächtig und allgütig sind nur zu retten, wenn man den Gott nicht auch noch als allwissend beschreibt: Dann wäre er zwar grundsätzlich willens und fähig zu helfen, bemerkt aber die kranken Kinder nicht.

Allmächtig und allwissend? – Dann nicht allgütig!

Bleibt als dritte Möglichkeit anzunehmen, dass der Gott allmächtig und allwissend sei. Er sieht also, was vor sich geht, und könnte auch helfen, tut das aber nicht. Dann ist der Gott nicht allgütig, sondern im Gegenteil sehr, sehr unmoralisch. Ein Mensch, der ein Kind ohne zu helfen einfach sterben liesse, würde als Monster angesehen. Auch von dieser Seite ist der AAA-Gott ganz offensichtlich nicht zu retten.

Gäbe es den AAA-Gott, sähe die Welt anders aus!

Es wird also klar, dass die Welt um uns völlig anders aussehen müsste, wenn ein allmächtiges, allwissendes und allgütiges Wesen existierte: Insbesondere gäbe es dann all das Leid kranker Kinder nicht.

Das bedeutet natürlich nicht, dass nicht irgendwo im Universum irgend eine Form eines oder mehrerer „höherer Wesen“ existieren könnte. Aber die wichtigsten Eigenschaften des in der Bibel beschriebenen Gottes, also Jahwe, widersprechen den faktischen Eigenschaften der Welt. Den Bibelgott der Juden, Christen und Muslime kann es daher nicht geben.

Natürlich haben die (reflektierteren) Religionisten das Problem auch bemerkt, die Theologen nennen es vornehm das „Theodizee-Problem“. Im Laufe der letzten 1.600 Jahre wurden wahrsinnig komplexe Theoriegebilde gebaut um irgendwie um die Frage herum zu kommen „Wenn Gott allmächtig, allwissend und allgütig ist, wieso passieren dann so viele schreckliche Dinge? Wieso verhindert er das nicht?“ – Dabei ist die Antwort hierzu sehr einfach: „Euer Gott verhindert diese Dinge nicht, weil er nicht existiert. Er kann nicht existieren.“

Sämtliche bekannten Gottesbeweise: Gescheitert!

Organisierte Religionen begründen ihren Einfluss in der Gesellschaft damit, dass sie besondere Erkenntnisse über das Wesen und den Willen eines oder mehrerer Götter besitzen. Um einen zu ergründenden Willen zu haben, muss so ein Gott jedoch überhaupt erstmal existieren. Das haben auch die Vertreter der Religionen eingesehen, und so arbeiten seit etwa 2.500 Jahren viele der klügsten Vertreter jeder Generation daran, Hinweise für die tatsächliche Existenz jener Gottheit zu sammeln, die im Judentum als Jahwe bekannt ist und später von Christen und Moslems übernommen wurde.

Die klassischen Gottesbeweise: Null Hinweise

In einer Reihe von Blogposts haben wir uns die von den Religionisten im Laufe der Jahrtausende gesammelten „Gottesbeweise“ näher angeschaut. Wir hatten mit den drei klassischen Argumenten begonnen: Dem kosmologischen, dem teleologischen und dem ontologischen Gottesbeweis. Im Folgenden habe ich die Argumente kurz zusammen gefasst.

Der kosmologische Gottesbeweis: „Das Universum ist sehr komplex und ich behaupte mal, dass es nicht ewig sein kann. Da niemand weiß, wie es geschaffen worden ist, muss Jahwe am Werk gewesen sein, der daher existiert.  Jahwe selbst hat keinen Ursprung, er ist ewig.“ – Hier wird etwas sehr komplexes (das Universum) dadurch erklärt, dass man noch etwas viel komplexeres (einen Geist, der in der Lage ist ein Universum zu schaffen) voraussetzt. Zu dessen Ursprung sagt man nichts. Kurz gesagt: Das kosmologische Argument erklärt gar nichts.

Der teleologischen Gottesbeweis: „Wenn ich bestimmte Teile der Natur – z.B. Bananen – betrachte, erkenne ich intuitiv, dass sie von einem intelligenten Wesen zu einem bestimmten Zweck geschaffen sein müssen. Ich behaupte, dass dieses Wesen Jahwe ist, der daher existieren muss.“ – Hier werden aus dem breiten Spektrum der Natur einzelne Beispiele heraus gepickt, die „irgendwie künstlich“ und „zweckgebunden“ erscheinen. Das Argument beißt sich aber in den metaphorischen Schwanz: Geht man von einer bewussten Schöpfung aus, dann wurde die Natur komplett geschaffen. Die heraus gesuchten Beispiele sind dann im gleichen Maße zweckgebunden wie alle anderen. Dies ist ein Widerspruch zu der Annahme, dass der Beobachter einen bestimmte, in der Natur vorkommenden Gegenstand als künstlich wahrnehmen kann, andere jedoch nicht künstlich wirken. (Die Vielfalt der Natur wird übrigens durch die Mechanismen der natürlichen Auslese elegant und stimmig erklärt. Seit der Entdeckung der Gesetze der Evolution sind die teleologischen Beweise daher de facto erledigt.)

Der ontologische Gottesbeweis: „Wenn ich an Gott denke, denke ich mir das perfekte Wesen. Eines der Merkmale von Perfektion ist Existenz. Jahwe muss daher existieren.“ – Der Argumentierende setzt also voraus, dass sein Gott existiert und leitet daraus klarsichtig ab, dass sein Gott existiert. Na toll. Nur, weil man sich etwas ausdenken kann, muss das noch lange nicht tatsächlich existieren.

Moderne Gottesbeweise: Null Hinweise

Zusätzlich zu den klassischen „Beweisen“ haben wir noch den thermodynamischen Gottesbeweis betrachtet (verwendet physikalische Fachbegriffe falsch), die vier „unwiderlegbaren Argumente“ des Predigers Ray Comfort abgeklopft (und alle widerlegt), mehrere Arten von Schriftbeweisen vorgestellt (schlagen fehl), die moralischen Gottesbeweise angeschaut (versuchen es gar nicht erst) und sind auf die Pascalsche Wette eingegangen (die er verliert).

Update: Nachträglich kamen noch hinzu:

  • Der DNA-Beweis für die Existenz Gottes (Falsche Verwendung von Fachbegriffen)
  • Die „Signatur Gottes“ (siehe Kommentare)
  • Der 747-Beweis für die Existenz Gottes (Falsches Verständnis der Evolution)
  • Heilungs- und Alltagswunder als Beweis für die Existenz Gottes (1. Falsche Definitionen und 2. Keine Nachweise erbracht)
  • Biblische Prophezeiungen (und noch mehr davon) als Beweis für die Existenz Gottes (Nachträgliches Zurechtbiegen)
  • Erscheinungswunder als Beweis für die Existenz Gottes (Wasserflecken an einer Wand sind keine Beweise für göttliche Eingriffe, ihr Nüsse!!!)

Resultat: Null Hinweise für die Existenz eines Gottes

Trotz 2.500 Jahren des Suchens haben all diese „Gottesbeweise“ insgesamt null Hinweise für die Existenz eines Gottes erbracht. Macht, Reichtum und Deutungshoheit der organisierten Religionen stützen sich also auf ein reines Phantom.

In einem der folgenden Blogposts werden wir noch einen Schritt weiter gehen: Wir werden zeigen, dass der von den abrahamitischen Religionen verehrte Gott nicht existieren kann.

„Überall Mord und Totschlag!“ – Gläubigkeit als moralische Notwendigkeit

Schon dem Philosophen Immanuel Kant (1724-1804) war klar, dass die klassischen Gottesbeweise (also kosmologischer, teleologischer und ontologischer Beweis) nicht funktionieren. Stattdessen ging er davon aus, dass der Glaube an die Existenz eines allmächtigen, allwissenden Gottes moralisch notwendig sei. Das Argument hört man auch heutzutage im Gespräch mit Religionisten oft. Was ist damit gemeint?

Während in früheren Zeiten wohl die Angst bestand, einfache Leute könnten ohne Glauben an eine gottgegebene Gesellschaftsform die bestehende Ordnung (dass also Adel und Klerus sich auf Kosten von Bauern und Leibeigenen ein schönes Leben machten) in Frage stellen, argumentieren heutige Religionisten eher mit der Angst vor durch plötzlichen Atheismus entfesselten Verbrechern: „Wenn die Menschen keine Angst mehr vor einer Bestrafung durch Gott hätten, dann könnte ja jeder losgehen und rauben und morden, wie er lustig wäre!“

„Atheistische Horden ziehen mordend durch die Straßen …!“

Dieser Furcht liegt der Gedanke zugrunde, dass Menschen nur aus Angst vor Strafe moralisch handeln. Das ist jedoch ein Irrtum: Religiöse Menschen und Atheisten handeln aus denselben Gründen moralisch – Aus Mitgefühl und einem Sinn für Gerechtigkeit. Wir sind soziale Wesen, und wie andere soziale Wesen (z.B. Hunde) haben wir im Laufe der Evolution bestimmte Kernwerte entwickelt, die in unseren Gehirnen „fest verdrahtet“ und überall auf der Welt gleich sind: dazu gehört eine gewisse Empathie, und ein Wertlegen auf Loyalität und Gerechtigkeit.

Auf diesen, allen Menschen gemeinsamen Grundlagen entstehen moralische Systeme. Und zwar überall dort, wo Menschen für ihr Zusammenleben Regeln finden müssen. Denn wer ganz allein auf einer einsamen Insel lebt, braucht keine Moral; sie oder er kann nach Belieben handeln, es stört ja niemanden. Die Menschen bilden im Rahmen ihrer Gemeinschaft also von ganz allein moralische Systeme, sie werden im Laufe von Generationen gemeinschaftlich ausgehandelt, an die nächsten Generationen weiter gegeben und von diesen entsprechend der jeweiligen Lebensbedingungen angepasst.

Die Quelle der Moral sind nicht Götter, sondern menschliche Gesellschaften

Wie schon an andere Stelle geschrieben, ist so ein System den Einzelnen oft lästig und daher ohne Unrechtsbewusstsein kaum aufrecht zu erhalten. Für das Überleben eine Gruppe ist daher eine unter- oder halbbewusste Überwachungsinstanz ein deutlicher Evolutionsvorteil. Die gewissenlosen Egomanen im Nachbartal sind einfach ausgestorben.

Zusammenfassend: Der Wegfall einer religiösen Überzeugung ist für das ethische Verhalten von Menschen nicht entscheidend, da moralisches Handeln nicht aus Angst vor dem Zorn Gottes erwächst, sondern im Laufe der Evolution tief in den Menschen angelegt ist. Sicher, einige eher periphere Überzeugungen (z.B. „Kleinen Mädchen gehört die Klitoris abgeschnitten!“, „Lesben und Schwule sind sündig und dürfen nicht heiraten!“, „Menschen dunkler Hautfarbe sind hellen Menschen Untertan!“) halten sich lediglich durch religiöse Dogmen – Aber die würde doch niemand ernstlich vermissen, oder?

Ein praktischer Gegenbeweis

Wenn jemand keine Lust auf die Argumentiererei mit den Quellen der Moral hat, gibt es auch ganz praktische Gegenargumente: So sahen viele atheistische Menschen einstmals die Existenz eines Gottes als gegeben an – zumindest als Kinder. Und sie alle schaffen es mittlerweile problemlos, ohne Angst vor ewiger Höllenfolter zu leben; und das, ohne in Raserei zu verfallen und mordend und vergewaltigend durch die Straßen zu ziehen. Hierzu passt auch die hübsche Tatsache, dass sich etwa 16% der US-Amerikaner in Umfragen als nicht religiös bezeichnen, von den Gefängnis-Insassen jedoch nur 1%.

What would Jesus do?

„Hm. Aber trotzdem könnte,“ so entgegnet der wackere Religionist, „wenn die Atheisten Recht hätten, eine Person auf die Straße gehen und ein Dutzend Menschen erschießen, dann sich selbst – und würde überhaupt nicht für ihre Taten bestraft!“ – Das ist sicherlich richtig, das kann (wenn man den Tod nicht als Strafe ansieht) passieren. Aber: Wäre das christliche System wahr, dann könnte ein gläubiger Massenmörder göttliche Vergebung erlangen und würde mit ewiger Glückseligkeit im Himmel belohnt. Wäre das gerechter?

„Einstein glaubt aber auch an Gott!“ – Das Argumentieren mit Autoritäten

Ein weiteres Scheinargument, das u.a. von Religionisten häufig genutzt wird, ist die Argumentation mit Autoritäten, auf lateinisch Argumentum ad Verecundiam genannt.

Um eine These (z.B. „Jahwe existiert wirklich!“) zu stützen, zitiert der Argumentierende hier hoch angesehene  Personen, die auf dem fraglichen oder auch einem ganz anderen Feld als Autoritäten gelten. Da Argument klingt dann etwa so: „Die Meinung dieser Person hat sich in den Punkten A, B und C als richtig erwiesen – Daher muss sie auch in Punkt D recht haben! Voilà!“

Die Partei, die Partei, die hat immer Recht!

Eine von Religionisten häufig genutzte Autorität ist Albert Einstein: „Einstein war ein bedeutender Wissenschaftler, er hat die Physik quasi neu erfunden. Auch er hat an die Existenz Jahwes geglaubt, eine wissenschaftliche Weltsicht und Religiösität widersprechen sich also nicht, sondern ergänzen sich prima!“ – Der Religionist hofft nun, dass der Name Einstein so viel Respekt einflößt, dass sich der Zweifler beschämt verkriecht.

Die Argumentation ist selbstverständlich Quatsch und beweist gar nichts. Wenn eine Person für ein spezielles Wissensgebiet Experte ist, bedeutet das natürlich nicht, dass seine „Strahlkraft“ automatisch auch für alle anderen Gebiete gilt. Und selbst auf dem eigenen Fachgebiet muss die Autorität nicht immer Recht haben. Auch Experten können sich irren – und das tun sie häufig. Wer schon einmal mit etwas verwirrenden Symptomen zu mehreren Ärzten gegangen ist, weiss das: Auch die wohlmeinendsten Fachleute können einem nicht immer sofort weiterhelfen.

Insbesondere geht der Argumentierende durch das verbale Herbeikarren von Autoritäten der lästigen Pflicht aus dem Weg, inhaltliche Argumente für seine Thesen vortragen zu müssen. Ist ja auch blöd, wenn man keine hat. Wenn man also auf die Frage „Und wie begründest du diese Hypothese?“ die Antwort „Jesus meint das auch!“ bekommt, bleibt nur weiterzufragen „Bleib beim Thema! Wie begründest du deine Hypothese?“

Und was meinte Albert Einstein selbst dazu?

Insbesondere im Umgang mit Predigern sollte man zusätzlich noch sehr darauf achten, ob das angebliche (für die Mission des Priesters ja sehr praktische) Zitat überhaupt echt ist. So glaubte Einstein, der von Religionisten immer wieder als Kronzeuge genannt wird, in Wahrheit gar nicht an den aus der Bibel bekannten Gott: Er hatte sich schon früh vom Judentum gelöst und nannte den Jahwe-Glauben „wie alle anderen Religionen eine Incarnation des primitiven Aberglaubens“. Und an einer anderen Stelle: „Es war natürlich eine Lüge, was Sie über meine religiösen Überzeugungen gelesen haben, eine Lüge, die systematisch wiederholt wird. Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott und ich habe dies niemals geleugnet, sondern habe es deutlich ausgesprochen. Falls es in mir etwas gibt, das man religiös nennen könnte, so ist es eine unbegrenzte Bewunderung der Struktur der Welt, so weit sie unsere Wissenschaft enthüllen kann.“

Fazit: Argumente mit Autoritäten sind Blendgranaten!

Die Argumentation mit Autoritäten wird von Predigern und Theologen sehr häufig genutzt – Überraschend häufig, wenn man bedenkt, wie fadenscheinig und offensichtlich falsch dieser Gedankengang ist. Andererseits: Da es ja keinerlei stichhaltigen Hinweise auf die Wahrheit ihrer Lehren gibt, sind sie natürlich auf dererlei Blendgranaten angewiesen.

„Religionslosigkeit führt zu Diktatur! Wie bei Stalin! Oder in Nordkorea!“

Steht man Religionen offen kritisch gegenüber, bekommt man immer mal wieder um die Ohren gehauen, dass Religionsfreiheit nicht zu mehr, sondern zu weniger Freiheit führe. Denn: „Die stalinistische Sowjetunion und Nordkorea waren oder sind auch atheistische Staaten! Schau, was da alles Schreckliches passiert!“

Hm, daran gibt’s nichts zu deuteln! – Oder doch?

„Einmal wie immer!“: Herrscher nutzen Frömmigkeit und Unterordnung

Doch, gibt es: Die Sowjetunion war zwar nominell atheistisch, aber nicht religionslos. Stalin (der als junger Mann im Priesterseminar studiert hatte) und seine Kreaturen waren sich sehr wohl bewusst, welche Macht Frömmigkeit und Glaube über die Menschen haben. Das System der Sowjetunion enthielt daher verdächtig viele Kennzeichen einer organisierten Religion: Es gab als Gottesersatz einen Führerkult, ein Erlösungversprechen (zumindest für die Arbeiterklasse), über jeden Zweifel erhabene Schriften, eine Kaste von Personen, der die einzige Interpretation dieser Schriften zustand, vom „wahren Glauben“ abgefallene Personen wurden systematisch verfolgt und bestraft.

Kurz: Machtpolitiker nutzten den Hang zur Frömmigkeit der Menschen in der Sowjetunion aus und konstruierten eine Ersatzreligion inklusive Parteigläubigkeit und Führerkult. In der Soziologie ist dieses Verfahren zum Aufbau totalitärer Regime als „politische Religion“ bekannt.

Im totalitären Nordkorea ist die Situation ähnlich: Es gibt eine Trinität, deren Senior (Kim 1) zwar tot, aber dennoch der ewige Staatspräsident ist. Schon Kim 2 wurde kultisch verehrt und von der Staatsmacht als gottähnlicher Übermensch präsentiert, von dessen Geschick das Wohl und Wehe jedes einzelnen Koreaners abhing. Kim 3 wird systematisch als Wiedergänger von Kim 1 inszeniert. Und wer die von der Partei gepredigte Juche-Philosophie nicht als helig hinnimmt, sondern kritisch hinterfragt – Nun ja …

Die Kims haben eine Religion gegründet? – Ja klar, was denn sonst?

Aber kann man die Kims wirklich als Religionsstifter ansehen? Sind die Mechanismen die gleichen wie bei anderen Religionen? – Die Kims wirken ja immer etwas albern.

Das ist aus westlicher Sicht sicher richtig. Andererseits: Wäre das Christentum gestern erfunden worden, käme es uns auch allen gehörig albern vor: Ein allmächtiges und allwissendes Wesen schafft das gesamte Universum exklusiv für die Menschen, guckt sieben Milliaren Personen gleichzeitig in den Kopf und interessiert sich insbesondere dafür, wer wann mit wem Sex hat (und in welcher Stellung). Weil es sie so sehr liebt, gibt es den Menschen so strenge Gesetze, dass sie sie nicht einhalten können und opfert (anstatt die Gesetze aufzuheben) sich selbst an sich selbst. Jetzt muss man nur noch dran glauben und alles genau so machen, wie die Priesterkaste es vorschreibt – Wie praktisch!

Nordkorea und SU: Beispiel für das staatliche Verordnen einer Religion

Fazit: Als Beispiele dafür, wie schrecklich ein Staat ohne Religion ist, taugen Nordkorea und die ehemalige Sowjetunion nicht – denn sie haben ja eine politische Religion, auf denen ihre totalitären Regime aufbauen. Wenn überhaupt, dann sind die Beispiele dieser Länder weitere Datenpunkte in der Wolke, die zeigt, welche fiesen Konsequenzen das staatliche Verordnen eines Glaubenssystems hat.

„Ihr Atheisten seid immer so eingebildet!“ – Ein praxisnaher Vergleich

Die meisten Zeitungsartikel, in dem Atheisten zumindest erwähnt werden, bemühen die Attribute „arrogant“, „besserwisserisch“ oder „eingebildet“.

Man muss es klar sagen: Auf die Erkenntis, dass es den Jahwe nicht gibt, muss sich wirklich niemand etwas einbilden. Das ist die einfachste und folgerichtigste Sache der Welt – Lediglich die in der Kindheit eingeprägten Scheuklappen halten viele Menschen davon ab hier klar zu sehen.

Trotzdem, vielleicht sind Atheisten ja doch irgendwie arroganter oder eingebildeter als Religionisten. Um dieser Hypothese nachzugehen, haben wir von MGENblog ein exklusives Interview mit einer Religionistin, Frau Christina X.P. Christ, und einem Atheisten, Herrn Reiner Unglaub, geführt. Hier ihre Antworten:

Frage: Was meinen Sie, wie ist das Universum entstanden?

A: Das wissen wir nicht genau. Es gibt ein paar gute Theorien – aber letztendliche Gewissheit werden wir wohl nie haben.

C: Oh, das ist einfach! Gott hat das Universum exklusiv für uns Menschen geschaffen, und zwar in sieben Tagen. Steht alles in Genesis – Was soll die Frage?

Frage: Welche Rolle spielen die Menschen in der Welt?

A: Das Universum besteht aus ca. 1.000.000.000.000 Galaxien, es ist 13,7 Milliarden Jahre alt. Die Erde ist im Vergleich unglaublich winzig und immerhin schon 4,5 Milliarden Jahre alt. Menschen gibt es erst seit ca. 200.000 Jahre, wir sitzen auf diesem winzigen Planeten fest – Welche große Rolle sollen wir da schon spielen? Wir unterscheiden uns hauptsächlich durch den Aufbau unseres Großhirns von den anderen Bewohnern der Erde. Sonst sind wir ziemlich durchschnittliche Säugetiere. Wenn daraus irgend etwas folgt, dann eine gewisse Verantwortung für die anderen Wesen, mit denen wir leben.

C: Der allmächtige Gott hat uns nach seinem Ebenbild geschaffen, wir sind die Krone der Schöpfung. „Gehet hin und vermehret euch“, hat er zu uns gesagt. Außerdem sind wir beauftragt uns die gesamte Schöpfung untertan zu machen. Gott liebt jeden einzelnen von uns persönlich und interessiert sich so sehr für uns, dass er permanent die Gedanken jedes Menschen liest. Gott hat deshalb auch seinen Sohn für uns umgebracht. Wenn wir ihn um etwas bitten, hebt er oft kurzfristig die Naturgesetze zu unseren Gunsten auf.

Frage: Und zum Schluss – Was passiert mit Menschen, die Ihren (Un)glauben nicht teilen?

A: Wie, was soll denn mit denen passieren? Die Frage versteh ich nicht.

C: Nicht-christliche Menschen verurteilen sich selbst zu ewigen Folterqualen in der Hölle. Unser allmächtiger Gott möchte das zwar nicht, muss das aber so machen. Deshalb warnen wir auch schon unsere kleinen Kinder davor.