Kindesmissbrauch durch die Kirche – Wie hoch sind die Opferzahlen wirklich?

Die Studie zum systematischen Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche, in Auftrag gegeben von der Deutschen Bischofskonferenz und nach ihren Weisungen durchgeführt von den Universitäten Münster, Heidelberg und Gießen, hat gezeigt, dass innerhalb der Kirche mindestens 1.670 Kleriker als Missbrauchsbeschuldigte aktenkundig wurden, und mindestens 3.677 Kinder und Jugendliche nach Lage der Akten zu Opfern wurden. Mindestens 4,4 Prozent aller Kleriker sollen im genannten Zeitraum Minderjährige sexuell missbraucht haben.

Schon bei dieser Zusammenfassung fällt auf, wie häufig das Wort „mindestens“ auftaucht. Und in der Tat schreiben auch die Forscher selbst, dass das Dunkelfeld des Kindesmissbrauchs vermutlich sehr groß sei und die wahren Zahlen erfahrungsgemäß „deutlich höher“ lägen. Die 3.677 Opfer sind also eine absolute Untergrenze — Wir wissen jetzt, dass es auf keinen Fall weniger sein können. Es bietet sich an ein paar Überlegungen anzustellen, wie hoch die reale Zahl der Opfer wohl sein könnte.

Hat sich die Kirche damals um Aufklärung bemüht?

Doch zuerst die Frage, wie die Kirche im Laufe der Jahre beim Bekanntwerden von Vorwürfen jeweils reagiert hat. Vielleicht wurde ja vorbildlich aufgeklärt, mit der Staatsanwaltschaft zusammengearbeitet und die Täter zügig und effektiv bestraft. In diesem Fall wäre die zu vermutende Fallzahl der von den Forschern festgestellten Mindestzahl schon recht nahe.

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Das Jahr 2013: Überall in der Welt religiös motivierte Gewalt

Wir schreiben das Jahr 2013. Jeden Tag werden überall in der Welt Menschen im Namen Gottes umgebracht oder gefoltert: In Haiti werden Dutzende von Frauen verbrannt, weil sie als Hexen gelten, die mit Satan im Bunde sind. In Pakistan werden Krankenschwestern und Ärzte ermordet, weil die von ihnen durchgeführten Impfungen gegen Kinderlähmung als antiislamisch beschimpft werden. In Uganda hetzt die Kirche gegen Homosexuelle, die dann auf Plakaten zur Fahndung ausgeschrieben und systematisch mit Macheten oder Bleistangen erschlagen werden. Katholische Kardinäle reisen durch die Welt und behaupten, dass Kondome winzige Löcher hätten und so AIDS übertrügen. In den USA meldet sich Alt-Präsident Bush (senior) damit zu Wort, dass Atheisten aus seiner Sicht keine Bürgerrechte genießen sollten.

Religiöse Gewalt auch in Deutschland und Europa

Im zivilisierten Mitteleuropa, wo die Religion vergleichsweise müde und schwach geworden ist, wird Genitalverstümmelung durch den deutschen Bundestag mit breiter Mehrheit vom Strafrecht ausgenommen, wenn sie im Namen bestimmter Gottheiten geschieht. In Deutschland bekommen Frauen in Not keine “Pille danach”, weil Politiker religiöse Bedenken haben. Aus den gleichen Gründen dürfen als Sünder geltende Homosexuelle keine Ehe führen und werden im Steuer- und Erbschaftsrecht bestraft.

Gewalt im Namen des Herren

Kurz gesagt: Religiöse Gewalt, sowohl in struktureller Form durch Gesetze und Verhaltensnormen, als auch sehr reell mit der Bleistange, existiert auch im beginnenden 21. Jahrhundert überall auf der Welt.

• In Haiti werden “Hexen” gejagt und ermordet: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/haiti-mehrere-menschen-als-hexer-gelyncht-a-732595.html

• In Pakistan werden Krankenschwestern und Ärzte ermordet: http://blog.psiram.com/2012/12/kinderlahmung-impfung-in-pakistan-ausgesetzt/

• In Saudi-Arabien werden im März 2013 Menschen gekreuzigt: http://www.guardian.co.uk/world/2013/mar/05/saudi-seven-crucifixion-armed-robbery?CMP=twt_gu

• Kirche hetzt gegen Homosexuelle in Uganda, die dann systematisch ermordet werden: http://www.fr-online.de/panorama/lynchmord–haengt-sie-auf—jagd-auf-homosexuelle-in-uganda,1472782,14840880.html

• Der für Familienfragen zuständige Kardinal in Rom, Alfonso Lopez de Trujillo behauptet, dass Kondome AIDS übertragen: http://www.spiegel.de/panorama/kampf-gegen-aids-papst-glaubt-an-kleine-loecher-in-kondomen-a-268908.html

• Genitalverstümmelung im Namen mancher Götter wird vom Strafrecht ausgenommen: http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/gesetz-zur-beschneidung-kinderaerzte-kritisieren-beschluss-a-861359.html

• Fast überall in Europa, nur nicht in Deutschland – Die “Pille danach”: http://www.zeit.de/2013/04/Pille-danach-Internet-DrEd