Sämtliche bekannten Gottesbeweise: Gescheitert!

Organisierte Religionen begründen ihren Einfluss in der Gesellschaft damit, dass sie besondere Erkenntnisse über das Wesen und den Willen eines oder mehrerer Götter besitzen. Um einen zu ergründenden Willen zu haben, muss so ein Gott jedoch überhaupt erstmal existieren. Das haben auch die Vertreter der Religionen eingesehen, und so arbeiten seit etwa 2.500 Jahren viele der klügsten Vertreter jeder Generation daran, Hinweise für die tatsächliche Existenz jener Gottheit zu sammeln, die im Judentum als Jahwe bekannt ist und später von Christen und Moslems übernommen wurde.

Die klassischen Gottesbeweise: Null Hinweise

In einer Reihe von Blogposts haben wir uns die von den Religionisten im Laufe der Jahrtausende gesammelten „Gottesbeweise“ näher angeschaut. Wir hatten mit den drei klassischen Argumenten begonnen: Dem kosmologischen, dem teleologischen und dem ontologischen Gottesbeweis. Im Folgenden habe ich die Argumente kurz zusammen gefasst.

Der kosmologische Gottesbeweis: „Das Universum ist sehr komplex und ich behaupte mal, dass es nicht ewig sein kann. Da niemand weiß, wie es geschaffen worden ist, muss Jahwe am Werk gewesen sein, der daher existiert.  Jahwe selbst hat keinen Ursprung, er ist ewig.“ – Hier wird etwas sehr komplexes (das Universum) dadurch erklärt, dass man noch etwas viel komplexeres (einen Geist, der in der Lage ist ein Universum zu schaffen) voraussetzt. Zu dessen Ursprung sagt man nichts. Kurz gesagt: Das kosmologische Argument erklärt gar nichts.

Der teleologischen Gottesbeweis: „Wenn ich bestimmte Teile der Natur – z.B. Bananen – betrachte, erkenne ich intuitiv, dass sie von einem intelligenten Wesen zu einem bestimmten Zweck geschaffen sein müssen. Ich behaupte, dass dieses Wesen Jahwe ist, der daher existieren muss.“ – Hier werden aus dem breiten Spektrum der Natur einzelne Beispiele heraus gepickt, die „irgendwie künstlich“ und „zweckgebunden“ erscheinen. Das Argument beißt sich aber in den metaphorischen Schwanz: Geht man von einer bewussten Schöpfung aus, dann wurde die Natur komplett geschaffen. Die heraus gesuchten Beispiele sind dann im gleichen Maße zweckgebunden wie alle anderen. Dies ist ein Widerspruch zu der Annahme, dass der Beobachter einen bestimmte, in der Natur vorkommenden Gegenstand als künstlich wahrnehmen kann, andere jedoch nicht künstlich wirken. (Die Vielfalt der Natur wird übrigens durch die Mechanismen der natürlichen Auslese elegant und stimmig erklärt. Seit der Entdeckung der Gesetze der Evolution sind die teleologischen Beweise daher de facto erledigt.)

Der ontologische Gottesbeweis: „Wenn ich an Gott denke, denke ich mir das perfekte Wesen. Eines der Merkmale von Perfektion ist Existenz. Jahwe muss daher existieren.“ – Der Argumentierende setzt also voraus, dass sein Gott existiert und leitet daraus klarsichtig ab, dass sein Gott existiert. Na toll. Nur, weil man sich etwas ausdenken kann, muss das noch lange nicht tatsächlich existieren.

Moderne Gottesbeweise: Null Hinweise

Zusätzlich zu den klassischen „Beweisen“ haben wir noch den thermodynamischen Gottesbeweis betrachtet (verwendet physikalische Fachbegriffe falsch), die vier „unwiderlegbaren Argumente“ des Predigers Ray Comfort abgeklopft (und alle widerlegt), mehrere Arten von Schriftbeweisen vorgestellt (schlagen fehl), die moralischen Gottesbeweise angeschaut (versuchen es gar nicht erst) und sind auf die Pascalsche Wette eingegangen (die er verliert).

Update: Nachträglich kamen noch hinzu:

  • Der DNA-Beweis für die Existenz Gottes (Falsche Verwendung von Fachbegriffen)
  • Die „Signatur Gottes“ (siehe Kommentare)
  • Der 747-Beweis für die Existenz Gottes (Falsches Verständnis der Evolution)
  • Heilungs- und Alltagswunder als Beweis für die Existenz Gottes (1. Falsche Definitionen und 2. Keine Nachweise erbracht)
  • Biblische Prophezeiungen (und noch mehr davon) als Beweis für die Existenz Gottes (Nachträgliches Zurechtbiegen)
  • Erscheinungswunder als Beweis für die Existenz Gottes (Wasserflecken an einer Wand sind keine Beweise für göttliche Eingriffe, ihr Nüsse!!!)

Resultat: Null Hinweise für die Existenz eines Gottes

Trotz 2.500 Jahren des Suchens haben all diese „Gottesbeweise“ insgesamt null Hinweise für die Existenz eines Gottes erbracht. Macht, Reichtum und Deutungshoheit der organisierten Religionen stützen sich also auf ein reines Phantom.

In einem der folgenden Blogposts werden wir noch einen Schritt weiter gehen: Wir werden zeigen, dass der von den abrahamitischen Religionen verehrte Gott nicht existieren kann.

„Ihr Atheisten seid immer so eingebildet!“ – Ein praxisnaher Vergleich

Die meisten Zeitungsartikel, in dem Atheisten zumindest erwähnt werden, bemühen die Attribute „arrogant“, „besserwisserisch“ oder „eingebildet“.

Man muss es klar sagen: Auf die Erkenntis, dass es den Jahwe nicht gibt, muss sich wirklich niemand etwas einbilden. Das ist die einfachste und folgerichtigste Sache der Welt – Lediglich die in der Kindheit eingeprägten Scheuklappen halten viele Menschen davon ab hier klar zu sehen.

Trotzdem, vielleicht sind Atheisten ja doch irgendwie arroganter oder eingebildeter als Religionisten. Um dieser Hypothese nachzugehen, haben wir von MGENblog ein exklusives Interview mit einer Religionistin, Frau Christina X.P. Christ, und einem Atheisten, Herrn Reiner Unglaub, geführt. Hier ihre Antworten:

Frage: Was meinen Sie, wie ist das Universum entstanden?

A: Das wissen wir nicht genau. Es gibt ein paar gute Theorien – aber letztendliche Gewissheit werden wir wohl nie haben.

C: Oh, das ist einfach! Gott hat das Universum exklusiv für uns Menschen geschaffen, und zwar in sieben Tagen. Steht alles in Genesis – Was soll die Frage?

Frage: Welche Rolle spielen die Menschen in der Welt?

A: Das Universum besteht aus ca. 1.000.000.000.000 Galaxien, es ist 13,7 Milliarden Jahre alt. Die Erde ist im Vergleich unglaublich winzig und immerhin schon 4,5 Milliarden Jahre alt. Menschen gibt es erst seit ca. 200.000 Jahre, wir sitzen auf diesem winzigen Planeten fest – Welche große Rolle sollen wir da schon spielen? Wir unterscheiden uns hauptsächlich durch den Aufbau unseres Großhirns von den anderen Bewohnern der Erde. Sonst sind wir ziemlich durchschnittliche Säugetiere. Wenn daraus irgend etwas folgt, dann eine gewisse Verantwortung für die anderen Wesen, mit denen wir leben.

C: Der allmächtige Gott hat uns nach seinem Ebenbild geschaffen, wir sind die Krone der Schöpfung. „Gehet hin und vermehret euch“, hat er zu uns gesagt. Außerdem sind wir beauftragt uns die gesamte Schöpfung untertan zu machen. Gott liebt jeden einzelnen von uns persönlich und interessiert sich so sehr für uns, dass er permanent die Gedanken jedes Menschen liest. Gott hat deshalb auch seinen Sohn für uns umgebracht. Wenn wir ihn um etwas bitten, hebt er oft kurzfristig die Naturgesetze zu unseren Gunsten auf.

Frage: Und zum Schluss – Was passiert mit Menschen, die Ihren (Un)glauben nicht teilen?

A: Wie, was soll denn mit denen passieren? Die Frage versteh ich nicht.

C: Nicht-christliche Menschen verurteilen sich selbst zu ewigen Folterqualen in der Hölle. Unser allmächtiger Gott möchte das zwar nicht, muss das aber so machen. Deshalb warnen wir auch schon unsere kleinen Kinder davor.

*Pling* … Sie haben Post!

Wir haben Fanpost bekommen. Da sie ein besonders schönes Beispiel von christlicher Toleranz und Nächstenliebe ist, wollen wir sie Ihnen nicht vorenthalten.

@BerHFreienstein: „Ich freue mich darüber, daß Sie einige meiner heiligen Texte verbreiten. Sie tun so, als sei die höhere Weisheit bei Euch Atheisten und Kirchenfeinden, als sei das, was Ihr meint, die absolute Wahrheit, und das, was wir Frommen meinen, die absolute Dummheit. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Der heutige Herrscher in Nordkorea z. B. ist ein Atheist und Kirchenfeind wie Ihr. Wer aber wollte leugnen, daß er ein gigantisches Arschloch ist?!

„Ihr Atheisten und Kirchenfeinde seid Abschaum der Menschheit und das Böse an sich!“

Ihr Atheisten und Kirchenfeinde seid nicht die besseren, sondern die viel schlechteren Menschen. Ihr seid Abschaum der Menschheit und das Böse an sich. Mit vollem Recht ist die Inquisition gegen solche Leute wie Euch blutig und feurig vorgegangen. Eure versauten, kirchenfeindlichen und blasphemischen Äußerungen mögen Euch in Eurem dreckigen Maul verfaulen. Ihr haltet Euch für Giganten der Vernunft, dabei seid Ihr blöde und hirnverbrannt wie nur was. Eure Dummheit kennt keine Grenzen, und Eure Glaubenslosigkeit wird nur noch durch Eure Charakterlosigkeit überboten. Ihr seid Scheusale von gigantischem Ausmaß, und Eure Widerlichkeit spottet jeder Beschreibung.

Eure erbärmlichen Hutzelansichten gebt Ihr als Maßstäbe der Wahrheit aus, dabei sind Eure Ansichten keinen Pfifferling wert. Eure Herrschaft ist eine verbrecherische Herrschaft, und es muß alles getan werden, um Euch vom Thron zu stürzen. Ihr seid es, die in der Welt das Sagen haben, aber es muß Euch das Maul gestopft werden. Ihr habt nichts zu sagen, aber Ihr redet ständig; von morgens bis abends schwafelt Ihr nur dummes eug daher. Seit Jahrhunderten vergiftet Ihr die Welt mit Eurem versauten, kirchenfeindlichen und atheistischen Geschwätz. Die geistige und materielle Umweltverschmutzung kommt von Euch.

„Nur Scheiße kommt aus Euren dreckigen Mäulern“

Nur Scheiße kommt aus Euren dreckigen Mäulern. In der Politik und in der Finanzwelt findet man fast immer nur Leute von Eurer Couleur und Eurem Ungeist. Ihr seid zum Kotzen! Über 100 Millionen Menschen sind von Kommunisten, also auch von Atheisten, ermordet worden, häufig genug bestialisch ermordet worden, bzw. sie sind eines vorzeitigen Todes gestorben wegen ihrer „Behandlung“ im Kommunismus, der eine fanatisch kirchenfeindliche und atheistische Ideologie war und ist. Dieser Kommunismus war erst im 19. Jahrhundert entstanden und hat also in noch nicht 2 Jahrhunderten mehr als 100 Millionen Menschen ermordet. Das sind viel mehr als in über 19 Jahrhunderten Christentum an Apostaten, Ketzern, Juden,  Christen und Katholiken zu erheben.

Überall „atheistische Poltiker, Banker, Finanzleute und Prominente“!!!

Die Kirchenfeinde und Atheisten haben sich vielmehr in die Schandecke zu stellen und bitterlich über ihre Schandtaten zu weinen. Unter dem chinesischen Herrscher Mao Zedong, auch so ein kirchenfeindliches, kommunistisches und atheistisches Arschloch, sind ca. 70 oder 80 Millionen oder sogar noch mehr Menschen ermordet worden. Die Herrschaft der Atheisten ist eine furchtbare, grausame, verbrecherische und terroristische Herrschaft. Sie muß weltweit zerstört werden. Überall sind kirchenfeindliche und atheistische Poltiker, Banker, Finanzleute und Prominente am Werk und Wirken. Sie bringen nichts Positives zustande, immer nur Krisen. Die Finanzkrise, die Wirtschaftskrise, die Eurokrise usw. sind ihr Werk.“

Das Baum-Argument für die Existenz Gottes

Von Religionisten werden oft Bäume als Beweis für die Existenz Gottes angeführt. Das geht dann etwa so: “Du glaubst nicht an Gott? Ja, aber … geh doch mal raus, und schau die Bäume an. All diese Bäume sind so schön!”

Wenn man diesen Appell an die Emotionen des Zuhörers in eine für eine Analyse greifbare Form bringt, kommt in etwa Folgendes dabei herum:

1. Jahwe hat alle sehr schönen Dinge in der Natur geschaffen.
2. Bäume sind sehr schön und existieren.
3. Aus 1. und 2. folgt: Jahwe hat die Bäume geschaffen.
4. Daher existiert Jahwe. Voilà!

Bäume sind zwar schön – Als Gottesbeweis jedoch nicht zu gebrauchen!

Schon in Schritt 1 findet sich ein Argumentum ad Ignorantiam: „Ich kann mir nicht vorstellen, wieso ich bestimmte Dinge als schön empfinde. Daher muss das Jahwe gemacht haben.“ – Das stimmt natürlich nicht. Nur weil zum aktuellen Zeitpunkt keine Erklärung für ein Phänomen bekannt ist (und einem auch gerade keine einfällt) heisst das nicht, dass es keine gibt. Insbesondere bedeutet das nicht, dass man sich in diesem Fall eine beliebige Erklärung ausdenken darf, die dann stimmen muss („Jahwe war’s!“, „Pappa Schlumpf war’s!“).

Für den Rest des Beweises ist dann klar: Wenn man zu Beginn (in 1.) schon davon ausgeht, dass das Universum – und damit die Bäume – von einer Gottheit geschaffen wurden, bekommt man natürlich auch genau das als Ergebnis des logischen Schlusses in 3. Das Baum-Argument enthält also neben dem Appell an die Emotionen und dem Argument aus der Unwissenheit auch noch einen Zirkelschluss und ist daher wertlos.

Die Konzeptpumpe: Ich hätte gerne … Heinzelmännchen!

Ein ähnlicher Mechanismus lässt sich nutzen, um beliebige Konzepte in die Welt zu wünschen (analog zum ontologischen Gottesbeweis). Beispiel: “Die Heinzelmännchen putzen Treppenhäuser. Mein Treppenhaus ist geputzt. Daher existieren Heinzelmännchen. Voilà!”

Religion hat auf jede Frage eine prompte Antwort – Der Feind der Neugier und des Staunens

Das Beobachten und Bestaunen der Natur ist offenbar tief in den Menschen verankert; es ist der Ursprung aller Neugier und daher u.a. auch der Wissenschaft und des Fortschritts. Jede Erklärung, jedes Stück Verstehen wirft wieder neue Fragen auf, das Weltbild erweitert und verändert sich. Umso trauriger ist es, dass Religionisten für jede Blume, jeden Kristall und jeden neu entdeckten Planeten sofort eine Erklärung haben (“Jahwe war’s, der Rest steht in der Bibel!”) und so das Staunen und die Neugier abtöten. Unter diesem Gesichtspunkt ist es überhaupt kein Wunder, dass der Fortschritt der Menschheit erst in Schwung kam, als die Religion (zumindest in Europa) relativ schwach und müde geworden war und die Heilige Inquisition ihren Schrecken verloren hatte.

„Wir Christen sind allen anderen moralisch überlegen, denn wir haben die Zehn Gebote!“ – Ähm, nein!

Die angebliche ethisch-moralische Überlegenheit der Zehn Gebote wird immer wieder als Rechtfertigung für den Einfluss der Religion auf die moderne Gesellschaft heran gezogen. Kaum jemand macht sich jedoch die Mühe, den Bibeltext in Exodus 20 und Deuteronomium 5 anzuschauen – dann bleibt von der angeblichen Überlegenheit nämlich nicht mehr viel übrig. Um der Übersichtlichkeit willen leicht gekürzt findet sich Folgendes:

1. Vorstellung: Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.

2. Alleinstellung: Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.

3. Bilderverbot: Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.

4. Sippenhaft: Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation; bei denen, die mich lieben und auf meine Gebote achten, erweise ich Tausenden meine Huld.

5. Missbrauchsverbot: Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht.

6. Sabbat: Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, an ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Rind, dein Esel und dein ganzes Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat. Dein Sklave und deine Sklavin sollen sich ausruhen wie du.

7. Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt.

8. Du sollst nicht morden.

9. Du sollst nicht die Ehe brechen.

10. Du sollst nicht stehlen.

11. Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.

12. Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen. Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, seinem Rind oder seinem Esel oder nach irgendetwas, das deinem Nächsten gehört.

Die zwölf Zehn Gebote

Als erstes bemerkt der Leser verwundert, dass die Zehn Gebote keine zehn Gebote sind, sondern vom Aufbau und Inhalt her eigentlich zwölf. Katholiken und Lutheraner haben später durch neues Nummerieren wohl versucht, die peinlichen Stellen etwas weniger zu betonen. In den ersten fünf unserer zwölf Zehn Gebote beschäftigt sich Jahwe in erster Linie mit sich selbst: Es identifiziert sich als Befreier der Juden, pocht auf seine Alleinstellung, bezeichnet sich als eifersüchtig, droht mit Verfolgung von Enkeln und Großenkeln von Atheisten und anderer Falschgläubigen und warnt vor falschen Priestern (also dem Missbrauch seines Namens). Bislang ist von moralischer Überlegenheit nicht viel zu spüren – Also weiter!

Das Sabbat-Gebot ist in der Tat eine Grundlage unserer Gesellschaft und in seiner verlängerten Form als Wochenende heiß geliebt. Interessant ist, dass die Kirchen dieses Gebot während des größten Teils ihrer Existenz ignoriert haben, hier war lediglich der Kirchgang Pflicht. Erst im 19. Jahrhundert kamen – auf Druck der Gewerkschaften – Gesetze zur Einrichtung eines arbeitsfreien Tages pro Woche auf.

Frauen und Esel: Das Eigentum der Männer

Dann folgt der bekannteste Teil, auf dessen angebliche Einmaligkeit und Vorbildhaftigkeit immer wieder eingegangen wird: Die Eltern sind zu ehren (wenn auch mit einer etwas vagen Begründung), andere Gläubige dürfen nicht ermordet oder bestohlen werden, die Ehe darf nicht gebrochen, und Meineide nicht geschworen werden. Zum Schluss wird das Diebstahlverbot bekräftigt, wobei die Frau des Gläubigen zwischen dem Rest seines Eigentums wie Rindern und Eseln eingeordnet wird.

Kein Mord, kein Diebstahl: In jeder denkbaren Gesellschaft zentral – Ob religiös oder nicht

Die zentralen Aussagen dieser Passage (Eltern ehren, nicht morden, nicht stehlen, nicht lügen) sind in der Tat Elemente unseres moralischen Systems. Sie sind aber in keiner Weise originell oder neu oder einmalig: Ganz abgesehen davon, dass keine Gesellschaft – egal welcher religiösen Ausrichtung – denkbar ist, in der ohne Ahndung gemordet und gestohlen werden darf, sind diese Regeln ganz offensichtlich aus dem deutlich älteren ägyptischen Totenbuch (Kapitel 125) abgeschrieben. Darüber hinaus hat fast jede Gesellschaft vor oder unabhängig vom Judenchristentum ein ähnliches System entwickelt – meist in Form der deutlich besser formulierten Goldenen Regel, wie sie u.a. Konfuzius, Buddha, Homer oder Kant aufstellen.

Sklaverei bekommt göttlichen Segen

Nebenbei: Sowohl im sechsten als auch im zwölften Gebot wird wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass der Angesprochene Sklavenhalter sei. Sklaverei wird also – wenn auch an dieser Stelle eher implizit – gutgeheißen. Weiterhin sind die Verbote reichlich selektiv: Die Vergewaltigung von Frauen und Kindern ist z.B. nicht verboten.

Fazit: Die 10G sind weder toll noch irgendwie besonders

Also: Die Zehn Gebote sind eine Sammlung aus kruder Selbstrechtfertigung eines eifersüchtigen und jähzornigen Gottes und schemenhafter, bronzezeitlichen Rechtsnormen. Sie sind keinesfalls einzigartig oder auch nur besonders treffend formuliert. Moralisch sind sie auch eher fragwürdig: Sie drohen Abweichlern mit Sippenhaft, Sklaverei wird gut geheißen, und Frauen auf eine Ebene mit Vieh gestellt; Vergewaltigung und Völkermord wurden irgendwie vergessen. Konfuzius hatte um die gleiche Zeit eine deutlich knackigere Formulierung gefunden: “Was du selbst nicht wünschst, das tue auch anderen nicht an.”

Es war einmal … Die Glaubensinhalte des Christentums

Die christliche Religion erzählt zusammen gefasst folgende Geschichte: Jahwe, ein übernatürliches und übermenschliches Wesen, schafft das Universum und alle Lebewesen. Die Menschen sind als Krone der Schöpfung die Lieblingsgeschöpfe Jahwes. Er liebt sie so sehr, dass er ihnen 613 Gesetze gibt, die so streng und zueinander widersprüchlich sind, dass niemand sie einhalten kann. Daher sind die Menschen zu ewigen Qualen in den Feuern der Hölle verurteilt.

Gott opfert er sich selbst an sich selbst

Jahwe bastelt ein Schlupfloch aus diesem Dilemma: Er will die Menschen vor den von ihm selbst festgelegten Konsequenzen des Nichteinhaltens der von ihm selbst aufgestellten Gesetze  bewahren, so dass sie nicht in die von ihm selbst geschaffene Hölle geraten. Darum sendet er einen Teil von sich selbst auf die Erde, und zwar in eine zurück gebliebene Provinz des römischen Imperiums. Dann opfert er sich selbst an sich selbst, um so selbst für das Nichteinhalten der von ihm selbst gemachten Gesetze zu büßen. Dieses Opfer besteht darin, dass dieser Teil von ihm drei Tage lang leidet, dann zum Himmel empor fährt und bis zum Ende aller Zeiten den Himmel und die Erde in Glorie regiert.

Statt Sanftheit, Klugheit, Nächstenliebe, Staunen oder Wissbegier: Blinder Glaube!

Es gibt für die Menschen jedoch einen Catch: Um in Genuss des Schlupflochs zu kommen, verlangt Jahwe von allen denkbaren Tugenden wie Sanftheit, Klugheit, Nächstenliebe, Staunen oder Wissbegier nur und ausschließlich eine einzige: Blinden Glauben an die oben beschriebene Geschichte. Alle anderen Untaten (wie Massenmord, Reihenvergewaltigungen, Kindesmissbrauch) werden verziehen und nicht weiter geahndet. Nur der blinde Glaube zählt, die Gläubigen werden mit leiblicher Unsterblichkeit belohnt. Falschgläubige werden weiter mit ewiger Folter in der Hölle gequält.

Diese Geschichte wird seit 2000 Jahren von Religionisten als Grundlage ihres Handelns und ihrer Werte angesehen und durch Gesetze und Verhaltensnormen der gesamten Gesellschaft aufgezwungen.