Der Gottesbeweis der „Vier Punkte“

Die Helden von „Campus für Christus„, des deutschsprachigen Zweiges des „Campus Cruisade for Christ“ (mit jährlichen Einnahmen von $519,000,000, den „Kreuzzug“ hat man bei der Übersetzung wohlweislich weggelassen), haben sich überlegt, wie man wohl die jüngere Generation an die Angel bekommen könnte. Mit ihrem „leidenschaftlichen und motivierten Team“ setzen sie sich dafür ein, dass auch Die Jugend (TM) in Kontakt kommt mit dem „wunderbaren himmlischen Vater, der sich nach jedem Menschen sehnt“. Durch extrem hartes Nachdenken sind die klügsten Köpfe der Organisation zu folgender (hier etwas gekürzten) Argumentationskette gekommen, die – fesch für’s Internet aufgemacht – auch wirklich jeden Jugendlichen davon überzeugen sollte, dass Jahwe wirklich in echt existiert, und dass das Christentum die einzige wahre Religion ist:

1. Gott liebt dich total! Seine Liebe ist grenzenlos und bedingungslos.

2. Wir suchen nach Sinn und Erfüllung, aber nicht bei Gott. Wir misstrauen ihm und missachten seine Regeln. Diesen Alleingang nennt die Bibel Sünde. Sünde verletzt unsere Beziehungen und zerstört unser Zusammenleben als Menschen.

3. [Gott] ist so weit gegangen, dass er in Jesus Christus Mensch wurde und sein Leben für uns hingab. An unserer Stelle nahm er am Kreuz die Konsequenz der Sünde auf sich.

4. Gott hat alles getan, um uns zu zeigen, wie sehr er uns liebt. Durch Jesus Christus bietet er uns erfülltes und ewiges Leben an. […] Wie entscheidest du dich?

Im Ernst: Mal davon abgesehen, dass diese „vier Punkte“ in keiner Weise zusammen hängen oder irgendwie eine Argumentationskette bilden. Ebenfalls davon abgesehen, dass die Bewegungschristen immer wieder auf den gleichen alten Behauptungen herumreiten und nie irgendwelche Belege liefern. Aber – glauben die wirklich, dass Jugendliche doof sind?

Zu 1: Okay, als wohlstandssatter Mitteleuropäer schafft man es vielleicht, an der Idee „Ein allmächtiges Wesen liebt mich“ irgendwie einleuchtend zu finden. Die Opfer von Naturkatastrophen, Krebs und anderen Krankheiten, ganz zu schweigen die unter all den (Religions-)kriegen, extremistischen Hasspredigern und Attentätern Leidenden liebt der Gott dann wohl doch nicht so sehr. Schließlich könnte der allmächtige Gott all diese Übel einfach so abstellen. Offenbar ist er zu beschäftigt.

Zu 2: Sowohl die „missachteten“ Regeln als auch die böse, böse „Sünde“ finden sich allein in der Bibel, also in einem alten Buch. Einem alten Buch, das im dritten/vierten Jahrhundert aus im Laufe von knapp tausend Jahren entstandenen Nomadenregeln, politischen Predigten, Lyriksammlungen und den Notizen von Berufspropheten zusammengestellt wurde. Wieso bitte sollte ausgerechtet dieses alte Buch für mein Leben so entscheidend sein? Wieso nicht der Koran, die Rigveda, die Edda, die Avesta oder die Sibyllinischen Bücher? Wieso nicht De Bello Gallico oder Die Buddenbrocks? Wieso sollten wir als Gesellschaft die Regeln für „unsere Beziehungen“ und „unser Zusammenleben als Menschen“ überhaupt nach so einer Loseblattsammlung ausrichten? Wieso nicht aufgeklärt und vorurteilsfrei öffentlich diskutieren und aus freiem Willen eine moderne Gesellschaft entwickeln?

Zu 3: Okay, nehmen wir mal kurz an, dass die Punkte 1 und 2 nicht völlig abwegig wären. Spätestens hier würde sich ein zufällig im Internet surfender Außerirdischer fragen, was denn bloß mit diesen Menschen los sei? Also: Der allmächtige, allwissende Gott schafft das Universum und die Menschen nach seinem Willen. Dann diktiert er diesen Willen einer Reihe von halbnomadischen Stammespriestern in die – äh – Feder, die in einer rückständigen Randprovinz des römischen Imperiums durch die Wüste ziehen. Die Menschen schauen sich diese in sich widersprüchlichen, in ihrer Härte unmöglich zu befolgenden Regeln an und verstehen sie nicht. Darum sind sie – gemäß der göttlichen Gesetze – zur ewigen Höllenfolter verdammt. Der Gott ist nun mit der von ihm geschaffenen Situation irgendwie unglücklich. Er könnten natürlich die Gesetze (oder die Wesen) einfach ändern. Aber er hat eine Idee: Er opfert sich  selbst an sich selbst – als Buße dafür, dass die von ihm selbst geschaffenen Wesen gegen die von ihm selbst geschaffenen Gesetze verstoßen. Jetzt mal ehrlich: Die Geschichte kann doch niemand ernst nehmen, oder?

Zu 4: Okay, wer das alles wirklich für wahr hält, sollte sich vielleicht wirklich besser in die Obhut einer autoritären Organisation begeben. Und auch am besten gleich fleißig spenden oder im wohlausgestatteten Webshop der Kreuzzugs-Christen einkaufen, damit die Spendensumme beim nächsten Mal dann gleich auf runde $520,000,000 springt.

Nächstenliebe in Aktion: „MGENBlog ist ein totales Wrack, ein abgehalfterter Typ!“

Die CDU hat Erika Steinbach, die BILD hat Franz Josef Wagner, der Spiegel immerhin Matthias Matussek: Schillernde Rechtsausleger, die munter durch erzreligiöse Gewässern schippern und das aussprechen, was ihre Gesinnungsgenossen nur zu denken wagen. Das Internet hat lediglich Freienstein, der von seinem Twitter-Account ellenlange Botschaften an Politiker wie Gregor Gysi (Linke), Helmut Schmidt (SPD) und Ali Utlu (Piraten) absetzt (weil „Kirchenfeinde“) und Fernsehsender wie „Kath-TV“ und „Bibel TV“ mit der Eloquenz eines wütenden Achtjährigen mit Beschimpfungen beglückt (weil nicht konservativ genug). Vor einigen Tagen waren wir von MGEN mal wieder dran. Hier sein Brief an uns hier in voller Schönheit.

„Das letzte, was @MGENBlog vorbringt, ist dies: Argumente“

Am 16.5.2013 schrieb @MGENBlog: Reductio ad Hitlerum oder: “Du bist #Atheist? Ah, dann bist du genau wie #Hitler!” – Uhm, nein, der war Katholik!“ Man kann nur entsetzt sein darüber, wie ungenau und auch bösartig @MGENBlog „argumentiert“. Man muß dieses Wort in Anführungszeichen setzen, denn das letzte, was @MGENBlog vorbringt, ist dies: Argumente. Es ist unglaublicher Quatsch, was er hier an Behauptungen, „Beweisen“ und zynischen Äußerungen vorträgt. Er hat von nichts eine Ahnung, mischt sich aber in alles ein. Es steht nun einmal fest, daß Stalin ein Atheist war. Seine Schandtaten und Verbrechen sind dem Atheismus voll anzulasten.

Stalin? – Sprachen wir nicht eben noch von Hitler? Aber egal, dann reden wir eben über Stalin: Stalin, der als erwachsener Mann wohl wirklich nicht an einen theistischen Gott geglaubt hat, lernte während seines Studiums im Priesterseminar von St. Petersburg die Mechanismen kennen, mit denen das Christentum seit seiner Neugründung durch die römischen Kaiser so überaus erfolgreich die Menschen manipuliert und beherrscht.

Und genau diese Mechanismen nutzten er und seine Bande dann zur Schaffung eines totalitären Regimes: Es gab einen Kult um den gottgleichen Führer, ein Erlösungsversprechen (für die Arbeiterklasse), über jeden Zweifel erhabene heilige Schriften und eine Kaste von Personen, der die einzige Interpretation dieser Schriften zustand. Vom “wahren Glauben” abgefallene Personen (also „Sünder“ und „Apostaten“) wurden systematisch verfolgt und mit enormer Härte bestraft.

Kurz: Die „Schandtaten und Verbrechen“ Stalins sind eben nicht „dem Atheismus anzulasten“. Machtpolitiker nutzten den Hang zur Frömmigkeit der Menschen in der Sowjetunion aus und konstruierten eine Ersatzreligion inklusive Parteigläubigkeit und Führerkult. Wenn Sie mir das nicht glauben, lieber Freienstein, dann fragen Sie den Soziologen ihres Vertrauens nach dem Begriff „politische Religion“.

Hitler: „Als „Reichskanzler“ war er kein Katholik!“

Das verbrecherische Wesen des Atheismus kann man an Stalin gut erkennen. Er ist ja auch nicht der einzige Atheist, der als Politiker und Herrscher ungeheure Verbrechen begangen hat. Man kann da eine lange Liste anführen. Und was Adolf Hitler betrifft, muß doch gesagt werden, daß er zwar als Katholik geboren und getauft wurde, daß er aber schon recht früh den katholischen Glauben aufgegeben hat. Als „Reichskanzler“ war er also kein Katholik, sondern das Gegenteil: ein Apostat.

Ich kann gut verstehen, dass Sie und andere Katholiken Hitler gern loswerden wollen – und die Verantwortung am liebsten auch gleich auf die bösen Ungläubigen abschieben. Die historischen Fakten sprechen allerdings komplett gegen diese Ansicht:

1. Hitler war sein Leben lang Katholik; weder ist er aus der Kirche ausgetreten noch ist er trotz aller Verbrechen von der Kirche exkommuniziert worden. Losgesagt hat er sich vom Katholikentum nie, weder öffentlich noch in den überlieferten Privatgesprächen.

2. Hitler bezeichnete sich selbst immer wieder als Christ und wandte sich öffentlich gegen Atheismus. Er sah sich offenbar als ausführendes Werkzeug Gottes, alles nachzulesen in erhalteter Privatkorrespondenz und zahlreichen Redetexten.

3. Etwa acht Wochen nach seiner Einsetzung als Reichskanzler begann Hitlers Regierung mit Verhandlungen mit der katholischen Kirche zum sog. “Reichskonkordat”, das der Kirche weitgehende Unabhängigkeit zusicherte. Bei der Besetzung Italiens durch die Wehrmacht wurde die Vatikanstadt folgerichtig verschont.

Hitler war also auch als Reichskanzler zumindest genau so sehr Christ wie die Mehrheit der Kirchenmitglieder, die getauft wurden, sich auf Gott und Christus berufen und ab und an zum Gottesdienst gehen. Ob er nicht doch vielleicht heimlich Pantheist, Esoteriker, Atheist oder was auch immer war, dürfte kaum nachzuweisen sein. Auch wenn insbesondere Christen wie Freienstein es immer mal wieder versuchen.

„Schlimme Äußerung: Hitler hat sich gegen die Transsubstantiation ausgesprochen!“

Von ihm und den übrigen „Nationalsozialisten“ sind schlimmste Äußerungen gegen das Christentum, gegen die katholische Kirche und gegen den katholischen Glauben bekannt. So hat sich Hitler z. B. einmal gegen die Lehre von der Transsubstantiation, der Wesensverwandlung in der heiligen Messe, ausgesprochen.

Hier setzt Freienstein ein im Zusammenhang Hitler/Christentum häufig auftauchendes Scheinargument ein, den Unechten Schotten. Normalerweise begründet der Argumentierende sein „Aber der Hitler war ja kein echter Christ!“ mit den Massenmorden und Kriegsverbrechen der Nazis. Freienstein hebt aber eine in seinen Augen offenbar deutlich infamere Untat hervor: Hitlers angebliches Zweifeln an der Transsubstantiation.

Dieses Dogma besagt, dass sich die Hostie (eine Art Keks) im Rahmen der katholischen Messe durch die Worte des Priesters physisch in den Leib Jesu verwandelt, und der Messwein zu seinem Blut wird – Das alles passiert laut Dogma real, nicht irgendwie in einem übertragenen Sinne. Diese „Körperteile“ werden dann von den Religionisten gegessen, die so die Erlösung von der ewigen Höllenfolter erlangen.

An diese recht bizarre Mischung aus schwarzer Magie und Kannibalismus (die um 1550 auf dem Konzil von Trient „entdeckt“ wurde) glaubt wohl auch innerhalb der katholischen Kirche kaum jemand, geschweige denn in irgendeiner anderen christlichen Gruppierung. Sollte sich Hitler wirklich ungläubig geäußert haben (Quellenangaben: Fehlanzeige), beweist das nur eins: Er war nicht völlig verblödet.

„MGENBlog ist ein totales Wrack, ein abgehalfterter Typ“

Hitler hat also viel mehr Ähnlichkeit mit @MGENBlog als mit uns Katholiken, er gehört viel mehr zu den Kirchenfeinden als zu uns Kirchlichen. Wenn @MGENBlog in dem erwähnten Tweet also Hitler einen Katholiken nennt, ist das eine ganz dreckige Verleumdung von uns Katholiken. @MGENBlog ist nicht an der Wahrheit interessiert, sondern er will nur gegen die hetzen, die ihm nicht gefallen und die seine erbärmliche Weltanschauung nicht teilen. Er ist ein totales Wrack, ein abgehalfterter Typ. Man kann ihn nicht ernstnehmen, auch wenn er nun seine finsteren Anhänger dazu aufrufen sollte, aus Rache mich nicht ernstzunehmen.

Sie „aus Rache“ nicht ernst nehmen? Sie können mir glauben, dazu muss ich meine „finsteren Anhänger“ nicht aufrufen. Darauf kommen die ganz von selbst.

Und was die „Verleumdung“ in der causa Hitler angeht: Wenn etwas aussieht wie ein Kühlschrank, brummt wie ein Kühlschrank, vom Hersteller ein Schild „Kühlschrank“ aufgeklebt bekommen hat und dazu noch Getränke schön kühl hält – dann spricht einiges dafür, dass es auch ein Kühlschrank ist.

„Hitler: Eine Ähnlichkeit mit @MGENBlog und den heutigen Kirchenfeinden und Atheisten ist unverkennbar

Es gibt zwischen uns keine Verbindung, auch nicht eine. Hitler hat es nicht bei Worten gegen das Christentum, gegen die katholische Kirche und gegen den katholischen Glauben bewenden lassen, sondern er ist auch mit Taten massiv gegen sie vorgegangen. Er hat z. B. die katholischen Jugendorganisationen verboten, theologische Fakultäten an den Universitäten aufgehoben, in der „nationalsozialistischen“ Wochenzeitschrift „Der Stürmer“ das katholische Priestertum und die katholische Priesterschaft in den Dreck ziehen lassen. Eine Ähnlichkeit mit @MGENBlog und den heutigen Kirchenfeinden und Atheisten ist unverkennbar.

Als die Trierer Kirchenzeitung „Paulinusblatt“ von den „Nazis“ verboten wurde, wurde diese Nachricht in einem „nationalsozialistischen“ Blatt folgendermaßen spöttisch verkündet: „Heute starb nach einem langen Leben die ehr- und tugendsame Jungfrau Pauline Blatt.“ Das ist wahrhaft Fleisch von Eurem Fleisch, Gebein von Eurem Gebein. Ihr Gottlosen redet heute genauso spöttisch, hinterhältig, ruchlos und gemein. Die „nationalsozialistische“ Kirchenfeindschaft und Eure Kirchenfeindschaft sind ein und dasselbe. Ewiger Fluch über Euch!

Hitler und die Kirche: „Das ist allein unsere Sache!

Es gibt von Euch Dummköpfen noch den Vorwurf, warum Hitler nicht exkommuniziert worden ist, wenn er doch so antikirchlich und gottlos gewesen ist. Dazu ist zu sagen, daß wir uns nicht von außen vorschreiben lassen, wie wir mit den Feinden der Kirche umzugehen haben. Das ist allein unsere Sache.

Nein, das ist nicht allein Ihre Sache. Nicht, solange Sie den größten Kriegsverbrechern aller Zeiten eine Heimat geben und gleichzeitig absolute moralische Überlegenheit beanspruchen. Die normative Gewalt dieser Kirche über die Gesellschaft muss gebrochen werden, im Namen des Pluralismus, der Demokratie und des Humanismus.

Weiterführende Links:

Wenig Raum für Beinarbeit: Religionisten kämpfen um den AAA-Gott

Im letzten Blog-Post haben wir schlüssig gezeigt, dass die Vorstellung von einem allmächtigen, allwissenden und allgütigen (AAA-)Gott nicht mit der Welt, in der wir leben, kompatibel ist. Der Gott, wie er z.B. vom Christentum verehrt wird, kann also nicht existieren.

Das ist natürlich keine neue, ungewöhnliche oder irgendwie komplizierte Erkenntnis. Um ihr Konzept vom AAA-Gott doch noch irgendwie zu retten, haben sich die Religionisten daher eine Reihe von Argumenten ausgedacht (zusätzlich zu den rituellen Scheiterhaufen):

Abstreiten der Beobachtung: „Das stimmt ja alles gar nicht!!!“

Möglichkeit 1: Die Beobachtung abstreiten – Hier wird irgendwie versucht, schreckliche Dinge wie Krebs wegzudefinieren. Diese Dinge stoßen uns nicht wirklich zu, das erscheint uns nur so. Meist geht das dann so:

  • „Gott hat uns aus Grund X den freien Willen gegeben – wir können uns dazu entscheiden, Böses zu tun!“: Das kommt häufig, geht aber komplett am Thema vorbei: Babies entscheiden sich weder dafür Krebs zu bekommen, noch fügt ihnen irgend jemand die Krankheit willentlich zu.
  • „Gott bestraft euch für all eure Sünden!“: Welche schrecklichen „Sünden“ sollen das aus christlicher Sicht denn sein, die ein kleines Kind begangen haben soll? Dem Bruder den Lollie weg genommen? Den übergriffigen Priester bei den Eltern verpetzt? Oder waren es vielleicht die Eltern, die gesündigt haben, und nun durch ultrakrasses Leid bestraft werden sollen? – Egal! Ein Gott, der so handelt, kann auf keinen Fall allgütig sein!
  • „Das Böse existiert nicht wirklich, das ist die von euch verschuldete Abwesenheit Gottes!“: Die Argumentierenden gehen irgendwie davon aus, dass ihr Gott sich in den Schmollwinkel zurück gezogen habe, weil z.B. Frauen wählen und Auto fahren dürfen, und Homosexuelle in der Gesellschaft oft akzeptiert werden. Diese Variante des „Gott bestraft euch für eure Sünden!“ wird in letzter Zeit häufiger von evangelikalen Christen vorgebracht.
  • „Gott ist nicht schuld, das hat der Teufel gemacht!“: Und wer hat den Teufel geschaffen, sieht in seiner Allwissenheit all seine Taten und kann ihn mit seiner Allmacht jederzeit zur Räson bringen? – „Gott natürlich!“ – Der tut das aber nicht, ist also offensichtlich nicht allgütig! – „Hm.“
  • „Gott liebt uns und will uns prüfen!“: Hierzu muss man eigentlich wenig sagen – Mich macht immer wieder völlig ratlos, wie jemand so dermaßen zynisch argumentieren kann. Nur um irgendwie recht zu behalten, werden Eltern mit solchen Sätzen konfrontiert! – Natürlich gilt auch hier: Ein allmächtiger und allwissender Gott, der so handelt, ist extrem unmoralisch, und kann daher nicht allgütig sein.

Zusammengefasst kann man sagen: Die Ansätze, die Existenz des Bösen weg zu definieren, scheitern alle und sind verzweifelte Versuche, das Gott-Konzept gegen jeden gesunden Menschenverstand irgendwie zu halten.

Verleugnen der Folgerichtigkeit: „Dich hat doch der Teufel geschickt!!!“

Möglichkeit 2: Die Korrektheit der Argumentation abstreiten – Hier wird dann gern vage behauptet, der oben beschriebene Gedankengang sei auf nicht näher zu benennende Weise falsch. Dazu werden dann auch meist der Teufel oder Dämonen heran gekarrt: „Deine Argumentation ist so verbogen, so pervers! Ich kann mir schon denken, wer dir diese Gedanken eingegeben hat! Schäm dich!“ – Siehe oben: Gott hat nach christlicher Tradition den Teufel geschaffen, und da er allmächtig und allwissend ist, hat er auch die Verantwortung für dessen Taten.

Oft  werden  auch verbale Blendgranaten gezündet, gern in der Form einer Argumentation mit Autoritäten: „Schon der heilige Thomas Aquinus sagte dazu … bla bla, freier Wille, bla bla, Dämonen, bla bla …“ – Hierdurch geht der Argumentierende durch das Herbeikarren von Autoritäten der lästigen Pflicht aus dem Weg, inhaltliche Argumente für seine These vortragen zu müssen. Ist ja auch blöd, wenn man keine hat.

Fazit: Der Bibel-Gott kann nicht existieren

Wie man es auch dreht und wendet: Kein Wesen kann zugleich allmächtig, allwissend und allgütig sein. Die Definition widerspricht der realen Welt. Man kann also mit Sicherheit sagen: So ein Gott existiert nicht.

„Gott ist allmächtig, allwissend und allgütig!“ – Nope, dieser Gott existiert nicht!

Die meisten Religionisten behaupten, dass ihre Gottheit allmächtig, allwissend und allgütig sei. So ein Gott kann nicht existieren.

Um zu zeigen, dass dieser allmächtige, allwissende und allgütige (kurz: AAA-)Gott und die um uns herum bestehende Welt inkompatibel sind, betrachten wir folgende, ausgesprochen unerfreuliche Tatsache: Allein in Deutschland bekommen jedes Jahr ca. 1.800 kleine Kinder Krebs. Hierdurch entsteht in vielen Familien und deren Umfeld unendliches, reales, krasses Leid, das sich auch nicht irgendwie wegdefinieren lässt. Es ist nun an den Religionisten zu erklären, wie dieser Fakt in ihr AAA-Gott-Weltbild passt. Die Antwort ist: gar nicht!

Allgütig und allwissend? – Dann nicht allmächtig!

Nehmen wir für’s Erste an, der Gott sei allgütig und allwissend. Dann will er also immer und überall nur Gutes tun und sieht außerdem alles, was in der Welt vor sich geht. Trotzdem verhindert er nicht, dass die Kinder krank werden. Er kann ihnen offenbar nicht helfen. Wenn man also einem Gott also die Attribute allgütig und allwissend zuschreibt, kann er nicht zugleich allmächtig sein.

Allmächtig und allgütig? – Dann nicht allwissend!

Alternativ können wir auch annehmen, dass der Gott allmächtig und allgütig sei: er kann und will also helfen. Trotzdem, die Kinder werden immer noch krank. Die Attribute allmächtig und allgütig sind nur zu retten, wenn man den Gott nicht auch noch als allwissend beschreibt: Dann wäre er zwar grundsätzlich willens und fähig zu helfen, bemerkt aber die kranken Kinder nicht.

Allmächtig und allwissend? – Dann nicht allgütig!

Bleibt als dritte Möglichkeit anzunehmen, dass der Gott allmächtig und allwissend sei. Er sieht also, was vor sich geht, und könnte auch helfen, tut das aber nicht. Dann ist der Gott nicht allgütig, sondern im Gegenteil sehr, sehr unmoralisch. Ein Mensch, der ein Kind ohne zu helfen einfach sterben liesse, würde als Monster angesehen. Auch von dieser Seite ist der AAA-Gott ganz offensichtlich nicht zu retten.

Gäbe es den AAA-Gott, sähe die Welt anders aus!

Es wird also klar, dass die Welt um uns völlig anders aussehen müsste, wenn ein allmächtiges, allwissendes und allgütiges Wesen existierte: Insbesondere gäbe es dann all das Leid kranker Kinder nicht.

Das bedeutet natürlich nicht, dass nicht irgendwo im Universum irgend eine Form eines oder mehrerer „höherer Wesen“ existieren könnte. Aber die wichtigsten Eigenschaften des in der Bibel beschriebenen Gottes, also Jahwe, widersprechen den faktischen Eigenschaften der Welt. Den Bibelgott der Juden, Christen und Muslime kann es daher nicht geben.

Natürlich haben die (reflektierteren) Religionisten das Problem auch bemerkt, die Theologen nennen es vornehm das „Theodizee-Problem“. Im Laufe der letzten 1.600 Jahre wurden wahrsinnig komplexe Theoriegebilde gebaut um irgendwie um die Frage herum zu kommen „Wenn Gott allmächtig, allwissend und allgütig ist, wieso passieren dann so viele schreckliche Dinge? Wieso verhindert er das nicht?“ – Dabei ist die Antwort hierzu sehr einfach: „Euer Gott verhindert diese Dinge nicht, weil er nicht existiert. Er kann nicht existieren.“

Sämtliche bekannten Gottesbeweise: Gescheitert!

Organisierte Religionen begründen ihren Einfluss in der Gesellschaft damit, dass sie besondere Erkenntnisse über das Wesen und den Willen eines oder mehrerer Götter besitzen. Um einen zu ergründenden Willen zu haben, muss so ein Gott jedoch überhaupt erstmal existieren. Das haben auch die Vertreter der Religionen eingesehen, und so arbeiten seit etwa 2.500 Jahren viele der klügsten Vertreter jeder Generation daran, Hinweise für die tatsächliche Existenz jener Gottheit zu sammeln, die im Judentum als Jahwe bekannt ist und später von Christen und Moslems übernommen wurde.

Die klassischen Gottesbeweise: Null Hinweise

In einer Reihe von Blogposts haben wir uns die von den Religionisten im Laufe der Jahrtausende gesammelten „Gottesbeweise“ näher angeschaut. Wir hatten mit den drei klassischen Argumenten begonnen: Dem kosmologischen, dem teleologischen und dem ontologischen Gottesbeweis. Im Folgenden habe ich die Argumente kurz zusammen gefasst.

Der kosmologische Gottesbeweis: „Das Universum ist sehr komplex und ich behaupte mal, dass es nicht ewig sein kann. Da niemand weiß, wie es geschaffen worden ist, muss Jahwe am Werk gewesen sein, der daher existiert.  Jahwe selbst hat keinen Ursprung, er ist ewig.“ – Hier wird etwas sehr komplexes (das Universum) dadurch erklärt, dass man noch etwas viel komplexeres (einen Geist, der in der Lage ist ein Universum zu schaffen) voraussetzt. Zu dessen Ursprung sagt man nichts. Kurz gesagt: Das kosmologische Argument erklärt gar nichts.

Der teleologischen Gottesbeweis: „Wenn ich bestimmte Teile der Natur – z.B. Bananen – betrachte, erkenne ich intuitiv, dass sie von einem intelligenten Wesen zu einem bestimmten Zweck geschaffen sein müssen. Ich behaupte, dass dieses Wesen Jahwe ist, der daher existieren muss.“ – Hier werden aus dem breiten Spektrum der Natur einzelne Beispiele heraus gepickt, die „irgendwie künstlich“ und „zweckgebunden“ erscheinen. Das Argument beißt sich aber in den metaphorischen Schwanz: Geht man von einer bewussten Schöpfung aus, dann wurde die Natur komplett geschaffen. Die heraus gesuchten Beispiele sind dann im gleichen Maße zweckgebunden wie alle anderen. Dies ist ein Widerspruch zu der Annahme, dass der Beobachter einen bestimmte, in der Natur vorkommenden Gegenstand als künstlich wahrnehmen kann, andere jedoch nicht künstlich wirken. (Die Vielfalt der Natur wird übrigens durch die Mechanismen der natürlichen Auslese elegant und stimmig erklärt. Seit der Entdeckung der Gesetze der Evolution sind die teleologischen Beweise daher de facto erledigt.)

Der ontologische Gottesbeweis: „Wenn ich an Gott denke, denke ich mir das perfekte Wesen. Eines der Merkmale von Perfektion ist Existenz. Jahwe muss daher existieren.“ – Der Argumentierende setzt also voraus, dass sein Gott existiert und leitet daraus klarsichtig ab, dass sein Gott existiert. Na toll. Nur, weil man sich etwas ausdenken kann, muss das noch lange nicht tatsächlich existieren.

Moderne Gottesbeweise: Null Hinweise

Zusätzlich zu den klassischen „Beweisen“ haben wir noch den thermodynamischen Gottesbeweis betrachtet (verwendet physikalische Fachbegriffe falsch), die vier „unwiderlegbaren Argumente“ des Predigers Ray Comfort abgeklopft (und alle widerlegt), mehrere Arten von Schriftbeweisen vorgestellt (schlagen fehl), die moralischen Gottesbeweise angeschaut (versuchen es gar nicht erst) und sind auf die Pascalsche Wette eingegangen (die er verliert).

Update: Nachträglich kamen noch hinzu:

  • Der DNA-Beweis für die Existenz Gottes (Falsche Verwendung von Fachbegriffen)
  • Die „Signatur Gottes“ (siehe Kommentare)
  • Der 747-Beweis für die Existenz Gottes (Falsches Verständnis der Evolution)
  • Heilungs- und Alltagswunder als Beweis für die Existenz Gottes (1. Falsche Definitionen und 2. Keine Nachweise erbracht)
  • Biblische Prophezeiungen (und noch mehr davon) als Beweis für die Existenz Gottes (Nachträgliches Zurechtbiegen)
  • Erscheinungswunder als Beweis für die Existenz Gottes (Wasserflecken an einer Wand sind keine Beweise für göttliche Eingriffe, ihr Nüsse!!!)

Resultat: Null Hinweise für die Existenz eines Gottes

Trotz 2.500 Jahren des Suchens haben all diese „Gottesbeweise“ insgesamt null Hinweise für die Existenz eines Gottes erbracht. Macht, Reichtum und Deutungshoheit der organisierten Religionen stützen sich also auf ein reines Phantom.

In einem der folgenden Blogposts werden wir noch einen Schritt weiter gehen: Wir werden zeigen, dass der von den abrahamitischen Religionen verehrte Gott nicht existieren kann.

„Überall Mord und Totschlag!“ – Gläubigkeit als moralische Notwendigkeit

Schon dem Philosophen Immanuel Kant (1724-1804) war klar, dass die klassischen Gottesbeweise (also kosmologischer, teleologischer und ontologischer Beweis) nicht funktionieren. Stattdessen ging er davon aus, dass der Glaube an die Existenz eines allmächtigen, allwissenden Gottes moralisch notwendig sei. Das Argument hört man auch heutzutage im Gespräch mit Religionisten oft. Was ist damit gemeint?

Während in früheren Zeiten wohl die Angst bestand, einfache Leute könnten ohne Glauben an eine gottgegebene Gesellschaftsform die bestehende Ordnung (dass also Adel und Klerus sich auf Kosten von Bauern und Leibeigenen ein schönes Leben machten) in Frage stellen, argumentieren heutige Religionisten eher mit der Angst vor durch plötzlichen Atheismus entfesselten Verbrechern: „Wenn die Menschen keine Angst mehr vor einer Bestrafung durch Gott hätten, dann könnte ja jeder losgehen und rauben und morden, wie er lustig wäre!“

„Atheistische Horden ziehen mordend durch die Straßen …!“

Dieser Furcht liegt der Gedanke zugrunde, dass Menschen nur aus Angst vor Strafe moralisch handeln. Das ist jedoch ein Irrtum: Religiöse Menschen und Atheisten handeln aus denselben Gründen moralisch – Aus Mitgefühl und einem Sinn für Gerechtigkeit. Wir sind soziale Wesen, und wie andere soziale Wesen (z.B. Hunde) haben wir im Laufe der Evolution bestimmte Kernwerte entwickelt, die in unseren Gehirnen „fest verdrahtet“ und überall auf der Welt gleich sind: dazu gehört eine gewisse Empathie, und ein Wertlegen auf Loyalität und Gerechtigkeit.

Auf diesen, allen Menschen gemeinsamen Grundlagen entstehen moralische Systeme. Und zwar überall dort, wo Menschen für ihr Zusammenleben Regeln finden müssen. Denn wer ganz allein auf einer einsamen Insel lebt, braucht keine Moral; sie oder er kann nach Belieben handeln, es stört ja niemanden. Die Menschen bilden im Rahmen ihrer Gemeinschaft also von ganz allein moralische Systeme, sie werden im Laufe von Generationen gemeinschaftlich ausgehandelt, an die nächsten Generationen weiter gegeben und von diesen entsprechend der jeweiligen Lebensbedingungen angepasst.

Die Quelle der Moral sind nicht Götter, sondern menschliche Gesellschaften

Wie schon an andere Stelle geschrieben, ist so ein System den Einzelnen oft lästig und daher ohne Unrechtsbewusstsein kaum aufrecht zu erhalten. Für das Überleben eine Gruppe ist daher eine unter- oder halbbewusste Überwachungsinstanz ein deutlicher Evolutionsvorteil. Die gewissenlosen Egomanen im Nachbartal sind einfach ausgestorben.

Zusammenfassend: Der Wegfall einer religiösen Überzeugung ist für das ethische Verhalten von Menschen nicht entscheidend, da moralisches Handeln nicht aus Angst vor dem Zorn Gottes erwächst, sondern im Laufe der Evolution tief in den Menschen angelegt ist. Sicher, einige eher periphere Überzeugungen (z.B. „Kleinen Mädchen gehört die Klitoris abgeschnitten!“, „Lesben und Schwule sind sündig und dürfen nicht heiraten!“, „Menschen dunkler Hautfarbe sind hellen Menschen Untertan!“) halten sich lediglich durch religiöse Dogmen – Aber die würde doch niemand ernstlich vermissen, oder?

Ein praktischer Gegenbeweis

Wenn jemand keine Lust auf die Argumentiererei mit den Quellen der Moral hat, gibt es auch ganz praktische Gegenargumente: So sahen viele atheistische Menschen einstmals die Existenz eines Gottes als gegeben an – zumindest als Kinder. Und sie alle schaffen es mittlerweile problemlos, ohne Angst vor ewiger Höllenfolter zu leben; und das, ohne in Raserei zu verfallen und mordend und vergewaltigend durch die Straßen zu ziehen. Hierzu passt auch die hübsche Tatsache, dass sich etwa 16% der US-Amerikaner in Umfragen als nicht religiös bezeichnen, von den Gefängnis-Insassen jedoch nur 1%.

What would Jesus do?

„Hm. Aber trotzdem könnte,“ so entgegnet der wackere Religionist, „wenn die Atheisten Recht hätten, eine Person auf die Straße gehen und ein Dutzend Menschen erschießen, dann sich selbst – und würde überhaupt nicht für ihre Taten bestraft!“ – Das ist sicherlich richtig, das kann (wenn man den Tod nicht als Strafe ansieht) passieren. Aber: Wäre das christliche System wahr, dann könnte ein gläubiger Massenmörder göttliche Vergebung erlangen und würde mit ewiger Glückseligkeit im Himmel belohnt. Wäre das gerechter?

„Einstein glaubt aber auch an Gott!“ – Das Argumentieren mit Autoritäten

Ein weiteres Scheinargument, das u.a. von Religionisten häufig genutzt wird, ist die Argumentation mit Autoritäten, auf lateinisch Argumentum ad Verecundiam genannt.

Um eine These (z.B. „Jahwe existiert wirklich!“) zu stützen, zitiert der Argumentierende hier hoch angesehene  Personen, die auf dem fraglichen oder auch einem ganz anderen Feld als Autoritäten gelten. Da Argument klingt dann etwa so: „Die Meinung dieser Person hat sich in den Punkten A, B und C als richtig erwiesen – Daher muss sie auch in Punkt D recht haben! Voilà!“

Die Partei, die Partei, die hat immer Recht!

Eine von Religionisten häufig genutzte Autorität ist Albert Einstein: „Einstein war ein bedeutender Wissenschaftler, er hat die Physik quasi neu erfunden. Auch er hat an die Existenz Jahwes geglaubt, eine wissenschaftliche Weltsicht und Religiösität widersprechen sich also nicht, sondern ergänzen sich prima!“ – Der Religionist hofft nun, dass der Name Einstein so viel Respekt einflößt, dass sich der Zweifler beschämt verkriecht.

Die Argumentation ist selbstverständlich Quatsch und beweist gar nichts. Wenn eine Person für ein spezielles Wissensgebiet Experte ist, bedeutet das natürlich nicht, dass seine „Strahlkraft“ automatisch auch für alle anderen Gebiete gilt. Und selbst auf dem eigenen Fachgebiet muss die Autorität nicht immer Recht haben. Auch Experten können sich irren – und das tun sie häufig. Wer schon einmal mit etwas verwirrenden Symptomen zu mehreren Ärzten gegangen ist, weiss das: Auch die wohlmeinendsten Fachleute können einem nicht immer sofort weiterhelfen.

Insbesondere geht der Argumentierende durch das verbale Herbeikarren von Autoritäten der lästigen Pflicht aus dem Weg, inhaltliche Argumente für seine Thesen vortragen zu müssen. Ist ja auch blöd, wenn man keine hat. Wenn man also auf die Frage „Und wie begründest du diese Hypothese?“ die Antwort „Jesus meint das auch!“ bekommt, bleibt nur weiterzufragen „Bleib beim Thema! Wie begründest du deine Hypothese?“

Und was meinte Albert Einstein selbst dazu?

Insbesondere im Umgang mit Predigern sollte man zusätzlich noch sehr darauf achten, ob das angebliche (für die Mission des Priesters ja sehr praktische) Zitat überhaupt echt ist. So glaubte Einstein, der von Religionisten immer wieder als Kronzeuge genannt wird, in Wahrheit gar nicht an den aus der Bibel bekannten Gott: Er hatte sich schon früh vom Judentum gelöst und nannte den Jahwe-Glauben „wie alle anderen Religionen eine Incarnation des primitiven Aberglaubens“. Und an einer anderen Stelle: „Es war natürlich eine Lüge, was Sie über meine religiösen Überzeugungen gelesen haben, eine Lüge, die systematisch wiederholt wird. Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott und ich habe dies niemals geleugnet, sondern habe es deutlich ausgesprochen. Falls es in mir etwas gibt, das man religiös nennen könnte, so ist es eine unbegrenzte Bewunderung der Struktur der Welt, so weit sie unsere Wissenschaft enthüllen kann.“

Fazit: Argumente mit Autoritäten sind Blendgranaten!

Die Argumentation mit Autoritäten wird von Predigern und Theologen sehr häufig genutzt – Überraschend häufig, wenn man bedenkt, wie fadenscheinig und offensichtlich falsch dieser Gedankengang ist. Andererseits: Da es ja keinerlei stichhaltigen Hinweise auf die Wahrheit ihrer Lehren gibt, sind sie natürlich auf dererlei Blendgranaten angewiesen.

„Ihr Atheisten seid immer so eingebildet!“ – Ein praxisnaher Vergleich

Die meisten Zeitungsartikel, in dem Atheisten zumindest erwähnt werden, bemühen die Attribute „arrogant“, „besserwisserisch“ oder „eingebildet“.

Man muss es klar sagen: Auf die Erkenntis, dass es den Jahwe nicht gibt, muss sich wirklich niemand etwas einbilden. Das ist die einfachste und folgerichtigste Sache der Welt – Lediglich die in der Kindheit eingeprägten Scheuklappen halten viele Menschen davon ab hier klar zu sehen.

Trotzdem, vielleicht sind Atheisten ja doch irgendwie arroganter oder eingebildeter als Religionisten. Um dieser Hypothese nachzugehen, haben wir von MGENblog ein exklusives Interview mit einer Religionistin, Frau Christina X.P. Christ, und einem Atheisten, Herrn Reiner Unglaub, geführt. Hier ihre Antworten:

Frage: Was meinen Sie, wie ist das Universum entstanden?

A: Das wissen wir nicht genau. Es gibt ein paar gute Theorien – aber letztendliche Gewissheit werden wir wohl nie haben.

C: Oh, das ist einfach! Gott hat das Universum exklusiv für uns Menschen geschaffen, und zwar in sieben Tagen. Steht alles in Genesis – Was soll die Frage?

Frage: Welche Rolle spielen die Menschen in der Welt?

A: Das Universum besteht aus ca. 1.000.000.000.000 Galaxien, es ist 13,7 Milliarden Jahre alt. Die Erde ist im Vergleich unglaublich winzig und immerhin schon 4,5 Milliarden Jahre alt. Menschen gibt es erst seit ca. 200.000 Jahre, wir sitzen auf diesem winzigen Planeten fest – Welche große Rolle sollen wir da schon spielen? Wir unterscheiden uns hauptsächlich durch den Aufbau unseres Großhirns von den anderen Bewohnern der Erde. Sonst sind wir ziemlich durchschnittliche Säugetiere. Wenn daraus irgend etwas folgt, dann eine gewisse Verantwortung für die anderen Wesen, mit denen wir leben.

C: Der allmächtige Gott hat uns nach seinem Ebenbild geschaffen, wir sind die Krone der Schöpfung. „Gehet hin und vermehret euch“, hat er zu uns gesagt. Außerdem sind wir beauftragt uns die gesamte Schöpfung untertan zu machen. Gott liebt jeden einzelnen von uns persönlich und interessiert sich so sehr für uns, dass er permanent die Gedanken jedes Menschen liest. Gott hat deshalb auch seinen Sohn für uns umgebracht. Wenn wir ihn um etwas bitten, hebt er oft kurzfristig die Naturgesetze zu unseren Gunsten auf.

Frage: Und zum Schluss – Was passiert mit Menschen, die Ihren (Un)glauben nicht teilen?

A: Wie, was soll denn mit denen passieren? Die Frage versteh ich nicht.

C: Nicht-christliche Menschen verurteilen sich selbst zu ewigen Folterqualen in der Hölle. Unser allmächtiger Gott möchte das zwar nicht, muss das aber so machen. Deshalb warnen wir auch schon unsere kleinen Kinder davor.

„Aber …. Was, denn du falsch liegst?“ – Warum Pascal seine Wette verliert

Outet man sich auf einer Party als Atheist, bekommt man mit absoluter Sicherheit eines der folgenden Argumente zu hören:

  • „Du bist Atheist? Dann bist du genau wie Hitler!“ und
  • „Aber …. Was, denn du falsch liegst?“

Zur Reductio ad Hitlerum haben wir schon anderswo etwas geschrieben (das Argument ist falsch, Hitler war Katholik und hat stets für sich in Anspruch genommen Gottes Werk zu tun), daher beschäftigen wir uns heute etwas mit dem zweiten Fall.

Die Frage ist natürlich eine etwas gequetschte Form der Pascalschen Wette. Der französische Mathematiker Blaise Pascal (1623-1662) ging davon aus, dass einem zwei Optionen offen stehen: Entweder man glaubt an den Gott oder eben nicht. Sollte es den Gott geben, und man glaubt an ihn, ist einem ein unendliches Leben im Himmel beschert. Sollte es den Gott geben, und man glaubt nicht an ihn, wird er stinkwütend und verdammt einen zu ewigen Folterqualen in der Hölle. Falls es keinen Gott gibt, bringt der Glauben einem nichts, schadet aber auch nicht. Nun argumentiert Pascal, dass man sich aus rationalen Gründen dafür entscheiden sollte an den Gott zu glauben, weil man so – Existenz hin oder her – keine Strafe riskiert und vielleicht sogar unendlich belohnt wird.

Ist euer Gott etwas doof? – Lässt er sich so leicht herein legen?

Die eine oder andere Form dieses Arguments bekommen Atheisten zu hören, seit die christliche Lehre im vierten Jahrhundert zur politischen Stabilisierung des römischen Reiches zusammen gestoppelt wurde. Seitdem ist es leider auch nicht sinnvoller geworden, verblüfft mit ihrer Scheinlogik allerdings ab und an noch arglose Personen.

Es gibt eine ganze Reihe von Gegenargumenten:

  • Wieso sollte der Gott nur und ausschließlich blinden Glauben verlangen, nicht aber deutlich sinnvollere Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Neugier, eine kritische Weltsicht oder Toleranz? – Aus Sicht des Christentums ist all das vernachlässigbar, entscheidend für Wohl und Wehe ist nur blinde Gläubigkeit – Wieso?
  • Woher nimmt die oder der Fragende die Sicherheit, dass die Drohungen „ewige Glücksseligkeit“ und „ewige Höllenfolter“ real und die einzigen Optionen sind? – Die jüdische Tradition z.B. bleibt hier relativ vage und sagt lediglich, dass man nach dem Tod „bei den Ahnen schläft“.
  • Pascal geht davon aus, dass man rational beschließen könne, etwas zu glauben oder eben nicht zu glauben. Aber ist das so? Lässt sich der blinden Glauben fordernde Gott auf diese Weise hereinlegen?
  • Weiter geht er davon aus, dass Glauben kostenfrei sei. Das stimmt aber sicher nicht: Der Glaube an die christlichen Dogmen wie die ständige Aufsicht und Bewertung durch den Gott und seine Priester, und die bei Fehlern drohende, ewige Höllenfolter führt ja nicht eben dazu, dass man ein angstfreies und unbeschwertes Leben führen kann.

Lord Krishna ist sauer!

Das wichtigste Argument ist jedoch die Gegenfrage „Und was, wenn du falsch liegst? – Was, wenn du nach einem Leben voller Kratzbuckelei vor Jahwe im Jenseits aufwachst, und Lord Krishna ist richtig sauer auf dich?“

Oder Balor, Odin, Ahriman, Zeus, Osiris, Inti, Padmapani oder Chu Jung? Was also, wenn die anderen Religionen Recht haben? – Anhänger des Christentums sind auch Atheisten, denn sie glauben explizit nur an Jahwe, nicht an die anderen ca. 3.000 bedeutenderen Gottheiten, die von den Menschen nach ihrem Ebenbild erschaffen wurden. Was wird aus Pascals Rechnung, wenn diese Religionen mit aufgenommen werden? Die eben noch so einfache Ja/Nein-Frage „Gott oder nicht Gott“ wird plötzlich zur Auswahl aus tausenden von möglichen Göttern. Und selbst, wenn es Jahwe und das Christentum seien soll: Von den geschätzten 10.000 verschiedenen Richtungen und Konfessionen des Christentums behauptet fast jede, sie sei die einzig von Jahwe unterstützte, die jeweils anderen seien alle auf gefährlichen Irrwegen.

Öfter mal was Neues: Gottesbeweis per Thermodynamik

In den letzten Jahren hört man von Kreationisten aus den USA ab und an das Argument, dass aus dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik die Existenz eines Gottes folge. Das Ganze ist ein wenig albern, aber der Vollständigkeit halber …

Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik besagt angewandt auf unseren Fall (*), dass ein kühler Gegenstand die in ihm enthaltene Restwärme nicht ohne weiteres auf einen daneben liegenden warmen Körper übertragen kann. Das Phänomen ist aus dem Alltag bekannt: Kippt man heißen Tee in eine kalte Tasse, wird der Tee etwas kälter und die Tasse etwas wärmer. Was gemäß der Thermodynamik nicht passiert, ist, dass die Tasse ultrakalt wird und der Tee zu kochen beginnt. Irgendwann, so die Konsequenz, sind alle beteiligten Objekte gleich warm.

Der Hitzetod des Universums

Auf das Universum übertragen, bedeutet das: Wenn alle Sonnen verbrannt sind, die Wirkung der Gravitations- und Rotationskräfte nachlässt, und die Galaxien immer weiter vom Punkt des Urknalls weg fliegen, verteilen sich Materie und Energie irgendwann völlig gleichmäßig im Raum. Es gibt keine Planeten mehr, keine Materiewolken, keine Energiefunken, nichts. Das Universum ist tot.

Einige Religionisten glauben nun, dass sich hiermit die Evolution widerlegen und somit die Existenz ihres Gottes beweisen ließe. Die Argumentation geht dabei etwa so: „Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik sagt, dass die Energie sich in geschlossenen Systemen im Laufe der Zeit gleichmäßig verteilt. Auf der Erde ist die Energie nicht gleich verteilt: Es gibt hoch entwickelte Lebewesen, die viel Energie benötigen, und energiearme Steine, die gar keine benötigen. Es gibt heiße Wüsten und die kalten Pole. Da das gleichmäßige Verteilen der Energie viel Zeit benötigt, kann die Erde noch nicht so alt sein. Sie ist daher jung. Wir haben die Bibel gelesen und sind auf ein Alter von 6.000 bis 10.000 Jahren gekommen. Diese Zeit reicht nicht für die Evolution, von der diese Eierköpfe immer reden. Die Evolutionstheorie ist somit widerlegt. Da es auf der Erde trotzdem sehr viele Wesen gibt, müssen diese auf anderem Wege entstanden sein. Sie wurden von Jahwe geschaffen, der daher existieren muss. Voilà!“

Aber nur in geschlossenen Systemen, du Dummie!

Der Teufel (no pun intended!) steckt hier wie immer im Detail: Der zweite Hauptsatz setzt nämlich ein geschlossenes System voraus, in dem es also keinen Einfluss von außen geben darf. Stellt man sich also die Tasse und den Tee isoliert und allein im Weltall vor, wird die Wärmeenergie in der Tat ziemlich schnell gleichmäßig verteilt. Stellt man jetzt aber einen Heizstrahler neben die Tasse, ändert sich die Situation: Eine Seite der Tasse wird etwas wärmer, die andere kühler. Nun wird die Erde bekanntermaßen von einem ziemlich großen Heizstrahler gewärmt, der sie ständig mit neuer Energie beliefert; sie dreht sich, eiert dabei leicht und zieht in unterschiedlichen Entfernungen an dem Strahler vorbei. Die Erde ist also nicht isoliert, und stellt daher aus Sicht der Thermodynamik kein geschlossenes System da. Der zweite Hauptsatz gilt für die Erde also nicht.  Der Gottesbeweis durch Thermodynamik ist daher gescheitert.

Übrigens: Falls man den so souverän mit Thermophysik hantierenden Religionisten ärgern möchte, kann man ihn fragen, wie denn der erste oder der dritte Hauptsatz der Thermodynamik lauten. Naja. Falls man in den USA ist und nicht schneller rennen kann als eine Gewehrkugel, vielleicht auch besser nicht.

(*) Physiker mögen mir a. bitte verzeihen oder b. eine bessere Formulierung vorschlagen.