MGEN-Podcast Folge 2017.05/06: Unendlich wichtig — Der Gott der Atheisten

Willkommen zu unserem Man Glaubt Es Nicht!-Podcast über Religion und andere Esoterik, zu gesellschaftlichen und politischen Themen aus atheistischer und humanistischer Sicht. Im Mai haben wir keinen Aufnahmetermin auf die Kette bekommen, daher gibt’s diesmal eine Doppelfolge für Mai/Juni 2017. Kommt nicht wieder vor … es sei denn, doch. Unsere Themen:

  • Sechs Fäuste für ein Halleluja: Das MGEN-Team würdigt Pfingsten und die Dreieinigkeit
  • Ist Atheismus doch eine Religion? Münchener Aktivist will Befreiung von der Rundfunkgebühr
  • Erledigt sich von selbst: Bundesamt verschleppt 26 Anträge auf Sterbehilfe
  • Der Gott der Agnostiker: Udo di Fabio sieht „Defizit an Religiosität“
  • Gregor Gysi allwissend: „Jesus wäre heute Linke-Mitglied“
  • Total harmlos? Kind stirbt nach „weicher“ Homöopathie-Therapie
  • Schützt nicht vor Torheit: Vitus Huonder bleibt Churer Bischof bis 2019
  • Bedauerlicher Einzelfall: Priester der Piusbruderschaft wegen mehrfacher Vergewaltigung verurteilt
  • Bundespräsident Steinmeier findet „Gebete und Gottesdienst sind unendlich wichtig“
  • „Was können Frauen besser als Männer?“ Das MGEN-Team testet den Protestant-O-Maten
  • Statistik des Monat: Islamistische Attentäter sind stets behördenbekannt — Was läuft da schief?
  • Hörer beschimpfen Podcaster: Leidvermeidung im Quantenvakuum

Links: RSS-Feed, iTunes, Soundcloud. Fragen oder Anmerkungen gern als Kommentar unter diesem Post oder an mgenblog@gmx.de. Falls ihr mögt, bewertet unseren Podcast bei iTunes oder schickt einen Tweet.

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MGEN-Podcast Folge 2017.04: Das Böse zerquetschen

Willkommen zu unserem Man Glaubt Es Nicht!-Podcast über Religion und andere Esoterik, zu gesellschaftlichen und politischen Themen aus atheistischer und humanistischer Sicht. Unsere Themen, gerade noch im April 2017:

  • Mit Gott auf unserer Seite: Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat einen Zehn-Punkte-Katalog für eine deutsche Leitkultur vorgelegt
  • Posttraumatische Belastungsstörung? US-Heeresminister Mark Green hat in der Bibel gelesen und will „Menschen, die falsche Dinge tun, zerquetschen.“
  • Kognitive Simplizität: Gründe, warum Menschen offensichtlich falsche Behauptungen in ihr Weltbild aufnehmen
  • Gott will keinen Flohmarkt! Detaillierte Verbotsgesetze für Sonn- und Feiertage am Beispiel NRW
  • Schämen sich nicht genug: Evangelische Kirche erleidet Pflaumensturz wegen homosexueller Lebenspartnerschaften in Sachsen-Anhalt
  • Statistik des Monats: Die Jugend von heute ist klüger als gedacht und fällt nicht mehr auf die ollen Kamellen rein
  • Wer bestimmt über meinen Tod: Kardinal Marx oder ich selbst? Sterbehilfe in Deutschland
  • Hörer beschimpfen Podcaster: Triebwerksausfall, Tunnelsysteme und die okkulte Musikindustrie
  • Ende mit Schrecken oder vorwärts mit Gebrüll: Die erste Staffel MGEN ist komplett

Der RSS-Feed für den Podcast findet sich hier. Die Folge lässt sich auch bei iTunes oder direkt bei Soundcloud anhören und auch als mp3 herunterladen. Fragen oder Anmerkungen könnt ihr unter diesem Post in den Kommentaren hinterlassen oder per EMail an mgenblog@gmx.de auf den Weg bringen. Falls ihr mögt, bewertet unseren Podcast doch bei iTunes.

MGEN-Podcast Folge 2016.12: Reden mit Algermissen

Willkommen zu unserem Podcast über Religion und andere Esoterik, zu gesellschaftlichen und politischen Themen aus atheistischer und humanistischer Sicht. Unsere Themen im Dezember 2016:

  • Abtreibungskompromiss aufgekündigt: Keine Schwangerschaftsabbrüche mehr im Landkreis Schaumburg
  • Auf keinen Fall anzeigen: Vergewaltigungsopfer in Dubai wegen des Verbrechens Außerehelicher Sex verhaftet
  • Spaßverbotsgesetz: Kleiner Sieg des Bund für Geistesfreiheit vor Gericht, schrilles Weltuntergangsgekreisch in christlichen Medien
  • Zu heiß gebadet? Bischof Algermissen verbietet Umsetzung des hessischen Sexualkunde-Lehrplans
  • Aldi erklärt die Welt, heute: Weihnachten
  • Und überhaupt: Dürfen Atheisten Weihnachten feiern?
  • Das Atheistische Quartett: Heute ohne Frans de Waal und seine Bonobos
  • Hörer beschimpfen Podcaster: Der Islam und andere Kleinigkeiten

Der RSS-Feed für den Podcast findet sich hier. Die Folge lässt sich auch bei iTunes oder direkt bei Soundcloud anhören und auch als mp3 herunterladen. Falls ihr mögt, bewertet unseren Podcast doch bei iTunes.

MGEN-Podcast Folge 16.05: Brennende Herzen und Brennende Haare

Das MGEN-Team hat gepodcastet, unter anderem zu den folgenden Themen:

  • Der von Pfarrer Ricardo Salazar für den 16. Mai 2016 prophezeite Weltuntergang musste leider ausfallen, der dritte Weltkrieg beginnt dann aber ganz sicher im Juni
  • Die Linke in Sachsen will Staat und Kirche trennen und wird dafür ausgelacht
  • Neues aus Österreich: Mädchen (8 Jahre) fängt in der Kirche Feuer
  • Die Uni Bochum will für 1,6 Mio. Euro erforschen, ob Theologie eine Wissenschaft ist
  • Jeder sechste Deutsche glaubt an das Wirken des Heiligen Geistes
  • Darf man Martin Luther feiern? Wir finden: nein, Margot Käßmann findet: ja
  • Im Saarbrücker Amtsgericht werden die Kreuze abgehängt, der Trierer Bischof Ackermann findet das kulturlos, wir finden das gut
  • Glockengebimmel und Muezzinruf: Total unterschiedlich?
  • Es folgt ein Gottesbeweis: Der ontologische Gottesbeweis
  • Radio Vatikan: Der Papst wünscht sich, dass junge Leute „ihr Leben verbrennen“
  • Gerichtsbestätigt: Als Bischof darf man die „Todesstrafe für Homosexuelle“ fordern, die Homosexuellen haben sich darüber nicht zu beschweren

Die Folge lässt sich auch bei iTunes oder direkt bei Soundcloud anhören und dort auch als mp3 herunterladen. Falls ihr mögt, bewertet dort doch die Folge. Fragen oder Anmerkungen könnt ihr unter diesem Post in den Kommentaren hinterlassen oder per EMail an mgenblog@gmx.de auf den Weg bringen.

 

Kirchenaustritt

Es gibt viele gute Gründe aus der Kirche auszutreten:

  • Man glaubt nicht mehr an die religiösen Dogmen,
  • man ist mit den Aussagen der Kirche, z.B. in gesellschaftlichen Fragen, nicht mehr einverstanden,
  • man möchte seine Kinder vor übergriffigen Priestern bewahren,
  • man ist gegen eine Vermengung von Staat und Kirche,
  • man möchte den Hasspredigern im Fernsehen nicht mehr die Stimme leihen, oder
  • man möchte einfach etwas Geld sparen.

Ein schlechtes Gewissen braucht dabei niemand zu haben, denn die Kirchensteuer wird zum größten Teil für die interne Verwaltung der Kirchenhierarchie verwendet. Soziale Einrichtungen tragen zwar oft kirchliche Namen, werden aber zum allergrößten Teil unabhängig von der Kirchensteuer vom Staat finanziert. Bischöfe werden als Spitzenbeamte ebenfalls zusätzlich zur Kirchensteuer direkt von den Bundesländern bezahlt. Obendrauf zahlen die Bundesländer noch ca. 500 Millionen Euro für die sog. Staatsleistungen, die von Kirchenlobbyisten mit angeblichen Verpflichtungen aus dem Umfeld des Dreissigjährigen Kriegs und der französischen Revolutionskriege begründet werden. Kohle hat die Kirche auch ohne die Extrasteuer noch genug.

In Deutschland ist man mit 14 Jahren religionsmündig, darf also ohne Zustimmung der Eltern aus der Kirche austreten. In den meisten Bundesländern muss man dazu persönlich zum örtlichen Amtsgericht oder Standesamt gehen, seinen Ausweis vorzeigen und eine Gebühr (meist zwischen 30 und 60 Euro) zahlen. Das Geld hat man natürlich schnell wieder drin, selbst wenn man nur sehr geringe Steuern zahlt.

Wie genau trete ich aus der Kirche aus? –> Hier!

Vorsicht: Die Austrittsbescheinigungen unbedingt umbewahren! Es gibt immer wieder Fälle, in denen die Kirchen nach einem Umzug in ein anderes Bundesland den Austritt ohne Beleg nicht anerkennen und über Jahre rückwirkend Kirchensteuer eintreiben lassen. Das kann also richtig teuer werden.

Ist in einer Ehe der eine Partner Mitglied einer Kirche, kann dem anderen Partner – obwohl er/sie nicht Mitglied ist – das „Besondere Kirchgeld“ in Rechnung gestellt werden. Besonders dreist ist dabei, dass die katholische Kirche, die ja immer wieder gegen Homosexuelle hetzt und ihre Gleichstellung  planmäßig hintertreibt, auch für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften das Besondere Kirchgeld eintreiben lässt. Wenn’s um Geld geht, spielen die religiösen Dogmen offenbar keine Rolle.

Also, Leute, falls ihr noch in einer Kirche seid: Mit eurer Mitgliedschaft gebt ihr den in den Talkshows geifernden Kirchenoberen eure Stimme. Solange ihr Mitglied bleibt, sprechen die auch in eurem Namen. Tretet jetzt aus!

Informationen zum Kirchenaustritt:

  • Nähere Informationen zum Kirchenaustritt in den einzelnen Kommunen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es hier.
  • Ein FAQ des Internationalen Bunds der Konfessionslosen findet sich hier.
  • Matthias „Skydaddy“ Krause bringt eine Menge Informationen zum Thema Kirchenaustritt und den wilden juristischen Manövern der Großkirchen in einer Folge des sehr empfehlenswerten Ketzer-Podcasts (hier).

64 Prozent der Deutschen: Glücklich ohne Gott

In einer repräsentativen TNS-Emnid-Umfrage hat der Humanistische Verband Deutschlands (HVD) unter anderem danach gefragt, ob die Deutschen ein „selbstbestimmtes Leben“ führen, das „frei ist von Religion und Glauben an einen Gott“. Und jetzt das Erfreuliche: 64 Prozent der Bundesbürger beantworten diese Frage mit „ja“ oder „eher ja“. Selbst innerhalb der Großkirchen geraten die Religiösen offenbar in die Minderheit.

Der HVD sieht sich selbst als Interessenvertretung religionsfreier Menschen, und wird dabei von einer respektablen Minderheit von 22 Prozent als valide Alternative zu den Großkirchen wahrgenommen, die die Befragten „als Mitglied, durch Spenden oder durch ehrenamtliche Tätigkeit“ unterstützen würden. Wenn man den gesellschaftlichen Druck durch die kirchliche Indoktrination bedenkt, ist das schon ziemlich gut. Dazu kommt, dass geistig unabhängige Menschen wohl generell eher unterdurchschnittliches Interesse an HVD-Zeremonien wie Namens- oder Jugendfeiern haben.

Wenn dieser erfreuliche Trend sich fortsetzt, wird es für die Kirchenoberen in Zukunft deutlich schwieriger werden, ihre normative Kontrolle über Staat und Gesellschaft zu rechtfertigen. Wer weiss, vielleicht wird die Bundesrepublik sogar irgendwann zu einem säkularen Staat, der sich nicht mehr in Glauben und Moral seiner Bürger einmischt …

Eine katholische Sicht des Grundgesetzes: „Ein antichristliches, gottloses, blasphemisches und satanisches Machwerk“

Auf unserer Facebookseite fand sich der Kommentar eines uns bereits bekannten Krawallkatholiken, den ich dem geneigten Publikum nicht vorenthalten möchte. Interessant ist, dass selbst solch grundlegende Menschen- und Bürgerrechte wie Presse- und Meinungsfreiheit für radikale Katholiken offenbar immer noch als „Todsünden und Blasphemien“ gelten. Nunja, innerhalb der christlichen Ideologie ist das sicherlich -irgendwie- folgerichtig. Schuld sind übrigens mal wieder die bösen Freimaurer (von denen einige nach schönster kreuz.net-Tradition sicherlich auch „nazisexuell“ sind).

Der Anfang des Texts ist semantisch arg konfus, offenbar hält der Autor uns für verbandelt mit dem evangelischen Theologen Thomas Schirrmacher. Dann geht’s zur Sache, der Kommentator teilt uns seine Meinung zum Grundgesetz mit:

Es gibt keine Menschenrechte, und die „Gewissensfreiheit“, die „Religionsfreiheit“, die „Redefreiheit“ und die „Pressefreiheit“ sind nach katholischer Lehre schwer verbrecherische Freiheiten, die an sich nicht gewährt werden dürfen. Niemand hat das Recht abzutreiben, künstliche empfängnisverhütende Mittel zu gebrauchen, blasphemische Bücher und pornographische Zeitschriften zu lesen und pornographische Filme zu sehen.

Rede-, Gewissensfreiheit, Pornofilme: „Schwer verbrecherische Freiheiten“

Darauf folgt etwas Geseiere über die wahren Päpste, nicht diese Weicheier wie Johannes Paul, Benedikt oder Franziskus. Dann geht’s weiter:

Das „Grundgesetz“ hat Lehren vorgetragen und Dinge vorgeschrieben, die den katholischen Lehren diametral entgegengesetzt sind. Jeder weiß, daß die katholische Kirche eine Kirche der Zensur ist. Aber das „Grundgesetz“ sagt: „Eine Zensur findet nicht statt.“ Das ist ein unverschämter Affront gegen die katholische Kirche. Das „Grundgesetz“ ist ein gegen die katholische Kirche gerichtetes Dokument. Es maßt sich ein Paramagisterium neben der katholischen Kirche an. Das „Grundgesetz“ erlaubt Dinge, die die katholische Kirche als Todsünden und Blasphemien verurteilt. Das „Grundgesetz“ ist damit ein schwer verbrecherisches, antimenschliches, antikatholisches, antichristliches, gottloses, blasphemisches und satanisches Machwerk.

„Jeder, der das Herz auf dem rechten Fleck hat, muß das ‚Grundgesetz‘ mit kahlem und unendlichem Haß hassen und in der Luft zerreißen“

Jeder, der das Herz auf dem rechten Fleck hat, muß das „Grundgesetz“ mit kahlem und unendlichem Haß hassen und in der Luft zerreißen. Die „Menschenrechte“ mit ihren verschiedenen „Freiheiten“ sind in den Logen der Freimaurerei erfunden worden. Das katholische Mittelalter kannte keine Menschenrechte. Die von der Freimaurerei durchsetzten „Regierungen“ haben diese abscheulichen und widerlichen „Freiheiten“ in den „Verfassungen“ der „Staaten“ verankert. Seitdem nehmen die Sünden überhand. Freimaurerisch gesinnte „Katholiken“ und „Progressisten“ haben sich mit Freimaurern und „Progressisten“ außerhalb der katholischen Kirche verbündet, um das „Zweite Vatikanische Konzil“ in ihrem Sinne umzumodeln. Was ihnen leider gelungen ist, wie wir rechtgläubigen Katholiken schmerzlich feststellen müssen. Daß Sie, Herr Schirrmacher, „Botschafter für Menschenrechte“ sind, macht Sie zu einem Agenten Satans.““

In diesem Sinne, liebe Co-„Agenten Satans“: MGEN ist zurück aus der Sommerpause.

  • Der vollständige Facebook-Kommentar (Facebook)
  • Was ist Sedisvakantismus? (Wikipedia)

Aktuelle Zahlen zu Staatsleistungen 2013

Die Humanistische Union hat aktuelle Zahlen zu den jährlichen Staatsleistungen an die großen Kirchen für die einzelnen Bundesländer gesammelt. Zur Erinnerung: Diese Staatsleistungen werden von Kirchenlobbyisten mit angeblichen Verpflichtungen aus dem Umfeld des Dreissigjährigen Kriegs und der französischen Revolutionskriege begründet. Ob damals wirklich Enteignungen stattfanden oder gemäß des damaligen Rechts korrekte politische Neugliederungen stattfanden, ist zumindest umstritten. Zentral ist, dass die jeweils gültige deutsche Verfassung seit 1919 eine Trennung von Staat und Kirche und eine Ablösung der Zahlungen befiehlt – dies wird jedoch seit fast hundert Jahren geflissentlich ignoriert.

Wie diesseits.de schreibt („Trauriges Jubiläum: 94 Jahre Verfassungsbruch„), zahlen die Bundesländer den großen Kirchen 2013 ingesamt 481,4 Millionen Euro an Staatsleistungen:

Obwohl die evangelische Kirche weniger Mitglieder hat (23,9 Millionen) als ihr katholisches Pendant (25,7 Millionen), erhält sie mehr Gelder. Insgesamt fließen in diesem Jahr fast 280 Millionen Euro von den Staatskonten in ihre Kassen. Die katholische Kirche erhält vom Staat 202 Millionen Euro. Den höchsten Betrag zahlt Baden Württemberg an die beiden Kirchen aus (108 Millionen Euro), der geringste Betrag fließt im Saarland (637.000 Euro).

Ein trauriger Rekord: Bei den Zahlungen pro Einwohner hat Rheinland-Pfalz ordentlich zugelegt und mit 13,06 Euro (2010: 12,06 Euro) den Spitzenreiter von 2010, Sachsen-Anhalt, überholt. In dem weitgehend religionsfreien Land zahlt jeder Einwohner -vom Baby bis zum Greis- 13,00 Euro an die Kirchen. Umgerechnet auf die Zahl der Kirchenmitglieder entspricht das Subventionen von 76,44 Euro je Protestant und 63,55 Euro je Katholik.

Dazu sollte man sich klar machen, was die Bundesländer als Gegenleistung für diese Zahlungen bekommen: Nämlich – nichts! Die Höhe der Zahlungen in den einzelnen Ländern ist im Wesentlichen vom Verhandlungsgeschick der Kirchenlobbyisten abhängig.

Zusammenfassend: Trotz eines klarem Verfassungsbefehl wird immer weiter gezahlt, weil die jeweiligen Landtagsmehrheiten das eben so wollen und es für religiös geboten halten. Wie man an der weitgehend begründungslosen Niederstimmung eines Antrags der Linken am 28. Juni 2013 im Bundestag sieht, gibt es bei den etablierten Parteien keinerlei Bereitschaft, sich mit dem Thema ehrlich auseinanderzusetzen.

Im Rahmen einer Artikelreihe dokumentieren wir Ursachen, Begründungen, aktuelle Entwicklungen und mögliche Auswege aus dem System Staatsleistungen.

Artikelreihe Staatsleistungen

Im Rahmen einer Artikelreihe dokumentieren wir Ursachen, Begründungen, aktuelle Entwicklungen und mögliche Auswege aus dem System Staatsleistungen.

Zur Erinnerung: Der deutsche Staat zahlt den beiden Großkirchen jährlich direkte Zuwendungen von etwa 480 Mio. Euro, die sogenannten Staatsleistungen. Die Staatsleistungen sind indirekte Folgen des Westfälischen Friedens von 1648 und des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 und werden von Kirchenlobbyisten immer wieder als zwingend gebotene „Entschädigungen“ für vermeintliche Verstaatlichungen von Kirchenbesitz verkauft. Dies stimmt jedoch nicht, die Staatsleistungen waren Ausgleichszahlungen auf Lebenszeit für diejenigen Fürstbischöfe, die bei der politischen Neugliederung des Deutschen Reiches leer ausgegangen waren. Mit dem Tod des letzten betroffenen Fürstbischofs hatten diese Staatsleistungen damit bereits im 19. Jahrhundert ihre Berechtigung verloren. Seit 1919 befiehlt die jeweils gültige deutsche Verfassung, die Staatsleistungen einzustellen. Seit 1919 wird dieser Verfassungsbefehl ignoriert.

In den folgenden Wochen werden u.a. Artikel zu folgenden Aspekten entstehen:

Je nach aktueller Entwicklung werden wir weitere Aspekte dokumentieren. Dieser Artikel wird dann entsprechend aktualisiert.

Staatsleistungen: Wer zahlt wieviel?

Nur wenige Leute wissen, dass der deutsche Staat den beiden Großkirchen jährlich direkte Zuwendungen von etwa 480 Mio. Euro zukommen lässt, die sogenannten Staatsleistungen. Die Zahlung ist Sache der Länder, die sehr unterschiedliche Beträge für angemessen halten. So zahlte z.B. allein das Land Baden-Württemberg im Jahr 2010 102,6 Mio. Euro an Steuergeldern an die Kirchen aus, das entspricht 9,55 Euro pro Einwohner – vom Säugling bis zum Greis. Die höchste Zahlung pro Einwohner leistet überraschenderweise das weitgehend religionsfreie Land Sachsen-Anhalt mit 12,19 Euro pro Person. Hier wird jeder Protestant mit 70,35 Euro, jeder Katholik im Land mit 59,52 Euro bezuschusst. Fast gleichauf bei der Zahlung pro Einwohner liegt Rheinland-Pfalz, dessen Steuerzahler jährlich 48,4 Mio. Euro, also 12,06 Euro pro Person, an die Großkirchen zahlen.

Seit 1919 befiehlt die jeweils gültige deutschen Verfassung die Einstellung dieser Staatsleistungen. Seit 1919 wird dieser Verfassungsbefehl ignoriert. Lediglich die hanseatischen Stadtstaaten Hamburg und Bremen zahlen nicht. In Hamburg soll die katholische Kirche bei der Neugründung des Erzbistums 1994 deswegen angeklopft, aber von Bürgermeister Voscherau eine Absage erhalten haben.

Die Staatsleistungen werden von Kirchenlobbyisten immer wieder als zwingend gebotene „Entschädigungen“ für vermeintliche Verstaatlichungen von Kirchenbesitz verkauft. Das stimmt jedoch nicht.

Staatsleistungen – Was ist das?

Als Folge der französischen Revolutionskriege wurde in den Jahren 1802-3 das Deutsche Reich politisch neu strukturiert. In diesem Rahmen wurden auch die Reichslehen der Fürstbischöfe wie damals üblich eingezogen und neu vergeben. Diese betroffenen Fürstbischöfe erhielten von ihren adeligen Standesgenossen ein Gehalt auf Lebenszeit zugesagt, die Staatsleistungen. Mit dem Tod des letzten betroffenen Fürstbischofs hatten diese Staatsleistungen damit bereits im 19. Jahrhundert ihre Berechtigung verloren. Trotzdem schaffen es Kirchenvertreter und die Kirchenlobby in den Parlamenten, zumeist mit Hinweis auf angebliche „illegale Enteignungen“ in geschickter Weise immer wieder, die Fortzahlung durchzusetzen.

Die Besitztümer der „Ortskirchen“, wie Kirchengebäude, Pfarrhäuser, wohltätige Einrichtungen, Ackerland, etc, blieben weiterhin kirchliches Eigentum. Ein Teil der Klöster wurde verstaatlicht. Da diese aber auch damals traditionell selbständig wirtschafteten, betraf diese Maßnahme die Gesamtkirche nicht.

Die Neuordnung war also aus damaliger Sicht politisch und juristisch vollkommen angemessen und im Wesentlichen die Folge verlorener Kriege. Die ab und an gehörte Analogie, die Staatsleistungen seien wie die „Miete für eine Wohnung“, greift nicht. Dieser Argumentation folgend könnten die Araber von Spanien eine „Miete“ für Andalusien verlangen, oder Deutschland von Frankreich für Elsass-Lothringen.

Bundesland Zahlungen 2010 Pro Einwohner
Baden‐Württemberg 102,6 Mio. Euro
 9,55 Euro
Bayern 87,2 Mio. Euro 6,97 Euro
Berlin 10,6 Mio. Euro 3,08 Euro
Brandenburg 11,3 Mio. Euro 4,52 Euro
Hessen 44,2 Mio. Euro 7,29 Euro
Mecklenburg-Vorpommern 11,1 Mio. Euro 6,71 Euro
Niedersachsen 39,1 Mio. Euro 4,93 Euro
Nordrhein-Westfalen 21,0 Mio. Euro 1,18 Euro
Rheinland-Pfalz 48,4 Mio. Euro 12,06 Euro
Saarland  0,7 Mio. Euro 0,69 Euro
Sachsen 22,9 Mio. Euro 5,48 Euro
Sachsen-Anhalt 28,7 Mio. Euro 12,19 Euro
Schleswig-Holstein 12,0 Mio. Euro 4,24 Euro
Thüringen 21,5 Mio. Euro 9,57 Euro

Quellen:

  • Frerk, Carsten: Staatsleistungen an die Kirchen, Teil 1 (Word-Dokument)
  • Offener Brief: Die Staatsleistungen für die Kirche (Word-Dokument)

Im Rahmen einer Artikelreihe dokumentieren wir Ursachen, Begründungen, aktuelle Entwicklungen und mögliche Auswege aus dem System Staatsleistungen.