MGEN-Podcast 2018.04: Die Schamweisende Urmutter

Willkommen zu unserem Man Glaubt Es Nicht!-Podcast über Religion und andere Esoterik, zu gesellschaftlichen und politischen Themen aus atheistischer und humanistischer Sicht.

Die aktuelle Folge findet ihr per: RSSiTunesSoundcloud

Unsere Themen:

  • 02m39s: Vatikan-Richter wg. Belästigung eines Jugendlichen sowie Besitz von Kinderpornos verurteilt
  • 08m00s: Moral? Welche Moral? Studie zu Gründen für Kirchenaustritte
  • 13m52s: Follow-Up: Oer-Erkenschwick wehrt sich gegen Urteil zum Muezzinruf-Verbot
  • 15m11s: Endlich abgehakt: In Schweringen flexen Unbekannte Hakenkreuz von Kirchenglocke
  • 21m13s: Gar nicht lustig? Drei Anzeigen gegen „ZDF heute Show“ vom 6. April 2018
  • 23m14s: EuGH: Kirchliche Arbeitgeber dürfen nicht bei jeder Stelle eine Religionszugehörigkeit fordern
  • 30m01s: MGEN quatscht: Gespräch mit Philipp Möller
  • 01h05m03s: Die Biologie der Religionsentstehung von Ina Wunn; Theorie zu den Anfängen der Religion

Fragen oder Anmerkungen bitte unter diesem Artikel in den Kommentaren hinterlassen oder an mgenblog@gmx.de. Falls ihr mögt, bewertet unseren Podcast doch bei iTunes und abonniert ihn bei

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Tausende erfüllte Prophezeiungen in der Bibel: Der Beweis der Korrektheit des Christentums von Werner Gitt

Endlich ist es sicher: Das Christentum stimmt! Das behauptet zumindest der bekannte Kreationist Werner Gitt, der die Korrektheit der christlichen Lehren im Rahmen eines prophetisch-mathematischen Gottesbeweis bewiesen haben will. Werner Gitt ist einer der wenigen Kreationisten mit einer wissenschaftlichen Ausbildung und war vor seiner Pensionierung Ingenieur und Fachbereichsleiter bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt. Bei fundamentalistischen Christen ist er Posterboy und gilt als Beweis für die Vereinbarkeit von Wissenschaft und Schöpfungslehre.

Im Gegensatz zu vielen anderen will Werner Gitt mit seinem Argument nicht bloß die Existenz irgendeines unendlich fernen Gottes beweisen, sondern ganz konkret die Korrektheit des Christentums. Dazu hat er sich die Bibel genau angeschaut und 3268 erfüllte, „historisch belegbare“ Prophezeiungen gezählt. Für jede einzelne dieser Prophezeiungen setzt er die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch ohne das Eingreifen eines Gottes erfüllt worden wäre, auf großzügige p=0,5. Die Wahrscheinlichkeit, dass sämtliche Voraussagen ohne das Eingreifen eines Gottes erfüllt wären, läge demnach bei w = 1,7 * 10-984 . Das ist verdammt unwahrscheinlich. Also schließt Werner Gitt: Ein göttliches Wesen muss eingegriffen haben. Und da nicht irgendwelche allgemeinen Prophezeiungen erfüllt wurden, sondern speziell die christlichen, muss hier ganz eindeutig Bibel-Gott Jahwe aktiv gewesen sein, der daher also existieren muss. Voilà!

Wie üblich lohnt es sich zu Beginn einer Betrachtung die verwendeten Begriffe zu klären. Damit eine Aussage oder Behauptung als gültige Prophezeiung gewertet werden kann, muss sie eine Reihe von Kriterien erfüllen: Sie muss zutreffend sein („Schwarz ist rot und plus ist minus“ ist keine Prophezeiung), sie muss vor dem betreffenden Ereignis gemacht werden („Gestern hatte ich üble Kopfschmerzen“ ist keine Prophezeiung), das Ereignis muss außergewöhnlich sein („Morgen früh wird die Sonne aufgehen“ ist keine Prophezeiung), sie muss exakt sein („Du wirst einen hochgewachsenen Fremden treffen“ auch nicht), und die Prophezeiung darf das Ereignis nicht selbst auslösen („Kellner, ich prophezeie eine Pizza!“ ist kein Wunder). Um das Zutreffen einer Prophezeiung beurteilen zu können, muss die Erfüllung zudem beobachtbar sein: Falls wir nicht beurteilen können, ob das prophezeite Ereignis eintrifft oder nicht, bleibt die Aussage eine bloße Behauptung.

Schauen wir uns nun die von Werner Gitt vorgebrachten Beispiele für „historisch belegbare“ erfüllte Prophezeiungen näher an.

Die Jesus-Prophezeiungen

Werner Gitt zählt eine lange Liste von Prophezeiungen über das Auftreten Jesu auf: sein Geburtsort, seine Abstammungslinie, seine göttlich/menschliche Natur, Details seines Wirkens, der Grund seiner Sendung, der Verrat gegen 30 Silberlinge, etc. Interessanterweise lässt Gitt die Prophezeiung der Jungfrauengeburt aus – nun ja, vielleicht ist ihm diese auf einem simplen Übersetzungsfehler beruhende „Vorhersage“ dann doch zu doof.

Natürlich hat diese Art „Erfüllung“ in einem Text keinerlei Beweiskraft für göttliche Eingriffe. Viel einfacher ist die Erklärung, dass die Autoren der vier in die Bibel aufgenommen Evangelien sich ihre Geschichten ganz bewusst so zurecht gebogen haben, dass ihre Jesus-Figur als Erfüller (der ihnen natürlich bekannten) alttestamentarischen Prophezeiungen dasteht. So lassen sich einige der uns heute etwas absonderlich erscheinenden Geschichten erklären: Um eine Weissagung (siehe Micha 5) über den Geburtsort des zukünftigen Messias der Juden zu erfüllen, musste die Geburt des Jesus von Nazareth mit Hilfe einer an den Haaren herbei gezogenen Volkszählungsgeschichte nach Bethlehem verlegt werden, dort lässt man dann den Herodes ein – erstaunlicherweise von keinem Chronisten erwähntes – Massaker an Kleinkindern ausführen (vage vorhergesagt in Jeremia 31). Jesus selbst schickt später seine Jünger los um einen Esel zu besorgen, damit er wie von Sacharja (Kapitel 9) geweissagt auf dem Tier in die Stadt reiten konnte.

Die Erfüllung der Jesus-Prophezeiungen ist also nicht beobachtbar, sondern bleibt bloße Behauptung durch die Autoren des Neuen Testaments. Ähnlich glaubwürdig wäre z.B. wenn im ersten Band der Harry Potter-Geschichten „Prophezeiungen“ gemacht werden, die dann im zweiten Band „erfüllt“ würden. Auch hier wird kaum jemand an das reale Eingreifen eines Gottes denken.

Die „historischen“ Prophezeiungen

Werner Gitt beschreibt dazu eine Reihe biblischer Prophezeiungen, die, wie er schreibt „historisch belegbar sind“. Los geht’s:

Von einigen mächtigen Völkern (z. B. Hethiter, Amoriter, Kanaaniter) der damaligen Zeit wird vorausgesagt, dass sie untergehen werden (2. Mose 23,23➝5. Mose 7,1).

Der Bibeltext erwähnt sogar noch einige weitere „mächtige“ Völker: Perisiter, Hiwiter und Jebusiter (und ruft, nebenbei gesagt, zum Völkermord an ihnen auf). Und, schon mal von den ach so mächtigen Jebusitern gehört? Nein? Wikipedia schreibt „Die Wissenschaft weiß weder durch archäologische noch durch außerbiblische Zeugnisse Näheres über dieses Volk.“ Ähnlich bei den Hiwitern: Hier bleibt die Frage eines Diskutanten „Gibt es historische Belege außerhalb der Bibel für die Existenz dieses Volkes?“ seit neun Jahren unbeantwortet. Im besten Fall handelt es sich um Dörfler oder Nachbarstämme der Israeliten, im schlechtesten Fall um bloße Erfindungen zum Auspolstern des eigenen Heldenmythos. Diesen für ihn eher peinlichen Teil des Bibelverses lässt Herr Gitt einfach weg.

Für die Existenz der Hethiter, Amoriter und Kanaaniter gibt es allerdings Belege: Die Amoriter waren ein semitischer Stamm am Euphrat des dritten und zweiten Jahrtausends. Das hethitische Königreich in Zentralanatolien ist im 12. Jahrhundert v.d.Z. untergegangen, danach hielten sich einige Kleinkönigreiche noch für einige Generationen, bevor sie von den Assyrern erobert wurden. Auch die kanaanitischen Stadtstaaten im Palästina des 13. Jahrhundert wurden im Laufe der Zeit nach und nach von Nachbarn erobert, ihre Bewohner gingen in den Nachbarvölkern auf.

Kleinere Staaten sind also im Laufe der Jahrhunderte erobert worden oder untergegangen, die betreffenden Stämme sind mit anderen verschmolzen. Was soll daran außergewöhnlich sein? Und – vielleicht wichtiger – woher wollen wir wissen, dass die Vohersagungen tatsächlich vor dem „Untergang“ der betreffenden „mächtigen Völker“ gemacht wurden? Die entsprechenden Bücher Mose haben ihre endgültige Form schließlich erst deutlich später, wahrscheinlich während des 6./5. Jahrhunderts v.d.Z., bekommen. Die Bibel selbst beschreibt, wie eine Schriftrolle im Tempel nachträglich „gefunden“, als Wort Gottes „erkannt“ und als 5. Buch Mose (Deuteronomium) zu den bereits vorhandenen vier Gesetzbüchern gelegt wurde. Ein eindeutiges Werk Gottes? Naja. Ist es nicht zumindest möglich, dass die Priester der Israeliten, trotz ihres angeblich allmächtigen Gottes entführt und unterdrückt von den Babyloniern, hier ihre eigene Heldensaga etwas ausschmücken wollten?

Von anderen Stämmen haben wir wie beschrieben außerhalb der Prophezeiung selbst nie etwas gehört, können also auch nichts zu ihrer Gültigkeit sagen. Den Satz „Und Gott sprach damals: Die Dhsdakjasrkjsdfkjsfd werden vernichtet werden und ihr werdet nie wieder von ihnen hören!“ wird ja wohl auch kaum jemand als gültige Prophezeiung durchgehen lassen.

Von einer Mythengestalt aus dem kaananitischen Pantheon wissen wir allerdings ganz sicher, dass sie es bis in die Gegenwart geschafft hat: Der stets missgelaunte kanaanitische Vulkan- und Wettergott Jahwe wird immer noch verehrt – wenn auch in veränderter Gestalt.

Und von anderen Völkern heisst es ebenso klar, dass sie bis zum Ende der Tage existieren werden: Israel (2. Chronik 9,8; Jes. 45,17), Ägypten (Jesaja 19,21–25)

Was soll man dazu sagen? Ob diese Voraussage zutrifft oder nicht, werden wir erst dann wissen, wenn das „Ende der Tage“ vorbei ist. Eine mögliche Erfüllung bleibt daher unbeobachtbar, die Behauptung kann nicht als erfüllte Prophezeiung gewertet werden.

Die Aufeinanderfolge der Weltreiche der Babylonier, Perser, Alexanders des Grossen und der Römer werden im Voraus in ihrer Art und ihrem Ende in Daniel 2,30–49 beschrieben. Die Prophetie geschah zu einer Zeit, als das babylonische Reich Nebukadnezars den Höhepunkt seiner Macht erreicht hatte.

Die Bibel beschreibt hier also präzise und im Voraus das Aufeinanderfolgen und den anschließenden Untergang von vier genau bezeichneten Weltreichen. Beeindruckend, oder? Das Problem ist nur: Das steht da nicht. Stattdessen wird eine Szene geschildert, in der der selbsternannte Prophet Daniel dem babylonischen König einen Traum deutet: Der König träumt von einem Standbild aus allerlei Materialien, das von einem Stein getroffen umfällt und auseinander bricht. Daniel deutet dies als das Aufeinanderfolgen vierer Reiche: Das erste sei aus Gold, das zweite aus Silber, das dritte aus Eisen und das vierte aus Ton. Die Prophezeiung erfüllt ihren Zweck, der König ist beeindruckt. Wir aber nicht, denn der Text gibt die Identifizierung dieser behaupteten silbernen, eisernen und tönernen Reiche mit Alexanders Feldzügen oder dem Römerreich in keiner Weise her.

Handelt Gitt hier noch in gutem Glauben oder lügt er bewusst? Es bleibt unklar.

Übrigens steht dort auch, dass noch vor dem Untergang des vierten Reiches, also laut Gitt des römischen, das ewige Reich Gottes auf der Erde errichtet werden wird: „Aber zur Zeit solcher Königreiche wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird“. Dieses Gottesreich auf Erden muss ich bislang irgendwie übersehen haben. Gitt schreibt in seinem Artikel übrigens, „dass nie eine biblische Weissagung durch historische oder wissenschaftliche Tatsachen widerlegt worden ist.“ Ignoranz oder eine weitere Lüge?

Die in Hesekiel 26,3–21 vorausgesagten sechs Gerichte haben sich über Jahrhunderte hinweg präzise erfüllt.

Werner Gitt bezieht sich hier auf die altbekannte Prophezeiung zum Untergang von Tyros im heutigen Libanon: „Siehe, ich will über Tyrus kommen lassen Nebukadnezar, den König zu Babel … Er wird mit Sturmböcken deine Mauern zerstoßen und deine Türme mit seinen Werkzeugen umreißen.“ Und weiter: „Ich will einen kahlen Felsen aus dir machen; du sollst ein Ort werden, wo man die Fischernetze ausspannt, und du sollst nicht wieder aufgebaut werden.”

Im von mir zitierten Teil (Gitt überspringt ihn großmütig) findet sich die exakte Vorhersage, wer denn die Stadt zerstören werde, nämlich „Nebukadnezar, König von Babel“. Nun hat dieser Nebukadnezar Tyros zwar belagert, aber nicht zerstört, und schon gar nicht zu einem „kahlen Felsen“ gemacht. Stattdessen haben sich die Bewohner nach einer langen Belagerung im Jahr 568 v.d.Z. ergeben und dann die babylonische Herrschaft akzeptiert.  Mal schauen, was Google Maps dazu sagt, wenn man „Tyros, Libanon“ eingibt …

Clipboard01Hm, nach „kahlen Felsen“ und „nicht wieder aufgebaut“ sieht das nicht aus. Wikipedia spricht von aktuell über 100.000 Einwohnern. Auch die Behauptung, dass Tyros auf die beschriebene Art und Weise untergehen und nie wieder aufgebaut würde, ist also offensichtlich unzutreffend. Gitts Behauptung, dass „nie eine biblische Weissagung durch historische oder wissenschaftliche Tatsachen widerlegt worden“ sei, erscheint immer absurder.

Fazit: Null zutreffende Prophezeiungen, null Beweise für den Bibel-Gott

Werner Gitt gibt in seinem Artikel 14 Beispiele für „eingetroffene Prophezeiungen“, die er für besonders überzeugend hält. Keine einzige hält einer näheren Betrachtung stand. Die Wahrscheinlichkeit, dass zu dieser „Leistung“ das Eingreifen eines Gottes notwendig ist, dürfte bei null liegen. Gitts prophetisch-mathematischer Gottesbeweis für die Korrektheit des Christentum ist gescheitert.

Ausschnitt aus MGEN-Podcast Folge 2017.01:

MGEN-Podcast Folge 2017.01: 1,7 × 10^-984

Willkommen zu unserem Podcast über Religion und andere Esoterik, zu gesellschaftlichen und politischen Themen aus atheistischer und humanistischer Sicht. Die Tonqualität ist diesmal nicht so gut geworden, entschuldigt bitte. Unsere Themen im Januar 2017:

  • Gehackt von Putin: Heute kein Bodycount des Friedens
  • Was ist Gott? Die Süddeutsche Zeitung fragt, Horst Seehofer antwortet
  • Schwangerschaftsabbrüche und Krankenhäuser in kirchlicher Trägerschaft
  • Vornehmstes Ziel der Erziehung: Gottesfurcht in den deutschen Verfassungen
    (Ausführliche Liste siehe hier)
  • Das Atheistische Quartett: Angst vor der Wahrheit von Paul Boghossian – Sind Wahrheiten wirklich wahr oder kann sich jeder seine eigenen Fakten backen?
  • Spaß mit der Bibel: Oberkreationist Werner Gitt beweist die Korrektheit des Christentums mithilfe der „3268 erfüllten Prophezeiungen“ der Bibel

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MGEN-Podcast Folge 16.07: Warum gibt’s dann noch Affen?

Das MGEN-Team hat gepodcastet, unter anderem zu den folgenden Themen:

  • Sehr praktisch: Glockengebimmel und Muezzinruf als Handy-App
  • Kirchen enttäuscht: (Erstmal) kein Gottesbezug in Schleswig-Holstein
  • Danke schön und auf Wiedersehen: Kirchenaustritte 2015
  • Das moralische Viertelstündchen: Moral und Ethik – Was ist das, was soll das?
  • Es folgt ein Gottesbeweis: Das teleologische Argument
  • Mehr drin als man denkt: Kreationisten in Deutschland

Links zu den Themen:

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Die Evolution und ihre Theorie

Man muss es klar sagen: Kreationismus, also die Idee, dass die Welt mitsamt all ihrer Bewohner vor ca. 6000 Jahren quasi fix und fertig in sieben Tagen von Gott Jahwe geschaffen worden ist, ist eine der albernsten Ausprägungen aller religiöser Vorstellungen. Die Kreationisten haben als Hauptfeinde den gesunden Menschenverstand, sämtliche Wissenschaften und da insbesondere die Evolutionsbiologie ausgemacht. Im Kampf gegen diese „Irrlehren“ werden ganz offensichtliche Tatsachen ausgeblendet, verdrängt, verleugnet; es wird geschimpft, geschrieen und gedroht. Die Evolution muss auf diese Religionisten extrem bedrohlich wirken.

If Americans come from Europeans, why are there still Europeans?

If Americans come from Europeans, why are there still Europeans?

Die Argumente der Kreationisten sind dabei stets von erstaunlicher – hm – Schlichtheit: „Wenn die Menschen von Affen abstammen, wieso gibt es dann noch Affen?“ – „Die Welt ist so schön, sie muss einfach geschaffen worden sein!“ (siehe Photos, der Rest der Bilderserie findet sich bei Buzzfeed)

Solch ein Level naiver Dummheit lässt sich nur dann halten, wenn man die Leute bewusst schlecht informiert, also anlügt. Absurd sind daher auch die von Predigern eingeimpften Vorstellungen, was die Evolution denn eigentlich sei. Nein, liebe Kreationisten, die Evolution sagt nicht, dass “ein Hund zu einem Adler werden wird, […] wenn er oft genug versucht über Klippen zu springen”,  oder dass bei der Entstehung der ersten Menschen aus purem “Zufall viele Menschen en[t]standen sind die [z]ufällig alle ziemlich identisch waren“. Oder auch der beliebte Klassiker: Die „Wahrscheinlichkeit, dass der Mensch eine zufällige Laune der Natur ist, ist so hoch als ob ein Wirbelsturm über einen Schrottplatz fegen würde und die Schrottteile zu einer startbereiten Boeing 747 zusammenfügen würde.“

Ist das noch Dummheit oder schon Dreistheit? Egal, es ist zum Haare raufen! Evolution ist ja eben nicht willkürlicher Zufall, sondern die ungelenkte Anpassung an die Umwelt. Damit Evolution funktioniert, sind lediglich zwei Voraussetzungen nötig:

1. Lebewesen werden mit erblichen, aber variierenden Merkmalen geboren, z.B. mehr oder weniger schreckhaft, lange oder kurze Beine, viele oder wenige Haare.

2. Einige dieser Variationen sind in der jeweiligen Umwelt günstiger als andere. So haben in einer Savanne mit Raubtieren z.B. schreckhafte Tiere mit langen Beinen einen Überlebensvorteil gegenüber ihren gemütlichen Kollegen. Sie können sich öfter fortpflanzen und geben so die Merkmale weiter.

Das ist alles. Wer diese beiden Punkte vernünftig und zutreffend findet, akzeptiert damit die Evolution. Mehr ist da nicht, der Rest folgt automatisch. Evolution ist ein Fakt. Liebe Religionisten, gewöhnt euch dran.

Findest du auch Krebs, Pocken und Ebola "amazing"? So wie auch Tsunamis, Erdbeben und Hurricanes als Zeichen göttlicher Liebe?

Besonders „amazing“ sind Krebs, Pocken, Ebola, Tsunamis, Erdbeben und Hurricanes als Beweis allgütiger, göttlicher Liebe.

Intelligent Design: „Evolution ist ja bloß eine Theorie!“

Neben der faktisch vorhandenen Evolution gibt es auch noch die Evolutionstheorie. Eine wissenschaftliche Theorie ist ein gut funktionierendes Modell, das Aspekte der Welt erklärt und Vorhersagen zu deren Verhalten macht. Die Evolutionstheorie beschreibt das Ineinandergreifen der biochemischen Mechanismen der Evolution, die Prozesse der natürlichen Auslese und den historischen Ablauf der Entstehung der Arten.

Ein direktes Analogon zum Verhältnis Evolution/Evolutionstheorie ist die Gravitation/Gravitationstherie: Gravitation ist ein Fakt – Durch Leugnen wird man auch nicht leichter. Die Gravitationstheorie („Zwei Massen ziehen sich antiproportional zum Quadrat ihrer Entfernung an, weil …“) erklärt nun die Zusammenhänge hinter diesem Phänomen, so dass z.B. Flugbahnen vorhergesagt werden können. Ein weiteres Fakten- und Theoriepaar sind Krankheiten/Keimtheorie. Die Keimtheorie der Krankheiten erklärt, wie Krankheiten von Bakterien und Viren verursacht werden. Sie war lange sehr umstritten: Man ging damals mit kirchlichem Segen davon aus, dass wahlweise Dämonen oder ein „Ungleichgewicht der Körpersäfte“ Krankheiten verursachen.

Intelligent Falling: „Gravitation ist ja bloß eine Theorie!“

Alle diese Theorien haben eins gemeinsam: Sie stehen nicht nur in irgendwelchen Lehrbüchern, sondern werden täglich überall auf der Welt angewandt, und zwar in so verschiedenen Feldern wie Baustatik, Bierbrauen, Botanik, Chemie, Flugzeugbau, Landwirtschaft, Medizin, Physik, Tennis und Zoologie. Falls also jemand eine alternative Idee vorschlagen möchte, z.B. Kreationismus, die Dämonentheorie der Krankheiten oder die Intelligent Falling-These („Gravitation ist ein Hoax, Engel drücken alle Dinge ständig auf die Erde!!“), der müsste auch plausibel erklären, warum diese Wissenschafts- und Technikfelder so funktionieren, wie sie funktionieren. Kreationismus lehnt aber nicht nur die Evolutionstheorie ab, sondern auch die beobachteten Fakten der Evolution. Als Alternative behaupten die Kreationisten „Es war Magie! Ein Gott hat das alles magisch herbei gezaubert!!“ – Woher sie das wissen? Na, das haben sie in ihrem Zauberbuch gelesen.

Während in den USA Kreationisten meist mit dem stramm rechten Teil der Spektrums verbunden sind, denken in Deutschland auch alternative Kuschelprotestanten darüber nach, ob „Evolutionstheorie und Schöpfungtheorie“ nicht doch irgendwie auf eine Stufe gestellt werden können. Die Antwort ist natürlich: Nein. Die Evolution ist ein beobachteter Fakt, während die „Schöpfungstheorie“ keine Theorie ist, sondern lediglich eine zweitausend Jahre alte Geschichte.

Warum also ziehen so viele Religionisten in einen wütenden Kreuzzug gegen die Evolution und ihre Theorie, und halten gegen jeden Sinn und Verstand an ihren Kreationismus-Ideen fest? Ich schätze, Richard Dawkins hat recht: Da die Vielfalt des Lebens auf der Welt durch die Mechanismen der Evolution einfach und elegant erklärt wird, fällt auch das letzte der klassischen Argumente für die Existenz eines Gottes – das teleologische Argument – weg. Da die ontologischen und kosmologischen Argumente ganz offensichtlich Unsinn sind, gibt es seit Darwins augenöffnender Entdeckung keinerlei Grund mehr, noch an den Bibelgott Jahwe zu glauben.

Als Bonus nun noch eine islamische Tiefgaragenversion des Kreationismus. Anderswo ist man offenbar auch nicht schlauer.

Dass ein hochkomplexes Wesen wie ein Gott zufällig aus dem Nichts entsteht, ist in etwa so wahrscheinlich wie das Entstehen einer flugfähigen Boeing 747 durch einem Tornado auf einem Schrottplatz – Unmöglich!

Die Evolution beisst zurück

Fast schon verzweifelt suchen kreationistische Christen nach Argumenten, die die Evolution widerlegen und die Lehre von der Schöpfung der Welt durch Gott Jahwe beweisen sollen. Weil echte Beweise – oder auch nur vage Hinweise – in dieser Richtung rar sind, versuchen sie das Publikum durch „geschickte“ Rhetorik zu überzeugen. Die vermeintliche Wunderwaffe in diesem epischen Kampf, die „40 Fragen an die Evolutionisten“ des Kreationisten Kent Hovind, waren ja bereits Thema in diesem Blog.

Ein Gastbeitrag von Carsten Grün

Ich habe es mir tatsächlich angetan und mir die Fragen alle angesehen. Keine Angst, ich werde den teilweise hahnebüchenen Unsinn hier gewiss nicht einzeln auseinander nehmen. Manche der Fragen sind an sich schon unsinnig, und in anderen befinden sich schlicht falsche Behauptungen. Ein Beispiel sei mir hier gestattet:

34. Warum ist der Jupiter Mond ‘Ganymede’ immer noch heiß wenn er doch nach Milliarden von Jahren abgekühlt und erstarrt sein sollte?

Das ist schlicht falsch, denn Ganymed ist in der Tat ein Eismond mit einem erstarrten Kern und einer mehreren hundert Kilometer dicken Eisschicht an seiner Oberfläche.

Doch genug dazu.

Ich kam auf die Idee, meinerseits ein paar Fragen zusammenzustellen, welche man Kreationisten stellen könnte. Die ein oder andere stellte ich bereits bei Diskussionen und war über die Antworten natürlich kein bisschen überrascht. Schließlich hat der Klerus mit all seinen Erscheinungsformen sehr viel Erfahrung darin, nicht überprüfbare Argumente aus der Mitra zu zaubern. Und diese werden von den Gläubigen immer brav nachgebetet.

Raumfähre Kreationismus antwortet nicht

Bei meinen „30 Fragen an die Kreationisten“ sind auch ein paar dabei, die ein Wissenschaftler nicht ernst nehmen würde, die aber einen Kreationisten in Verlegenheit bringen dürften:

1. Warum sind die Sinneszellen der Netzhaut im Auge nach hinten gerichtet, und wurden nicht so erschaffen, dass sie nach vorne in Richtung des einfallenden Lichtes zeigen?

2. Warum wird das Gesicht während der embryonalen Entwicklung des Menschen aus drei Teilen zusammengefügt, so wie es z.B. bei Fischen seit Jahrmillionen ebenfalls geschieht?

3. Warum führt der Kehlkopfnerv der Giraffe vom Gehirn zuerst den langen Hals hinunter, um das Herz herum und dann wieder hinauf zum Kehlkopf?

4. Warum besitzt das Pferd oberhalb der Hufe rudimentäre Zehen?

5. Warum gibt es Meerestiere, die tausend Meter tief tauchen, aber trotzdem Luft atmen müssen?

6. Warum bekommen wir eine Gänsehaut, wenn gar kein Fell mehr vorhanden ist, das wir aufrichten könnten?

7. Wozu haben wir sinnlose Organteile, wie zum Beispiel den Blinddarm?

8. Wieso sind bei allen Männern die Rippen komplett vorhanden, wenn doch die eine, aus der Eva erschaffen wurde, fehlen müsste?

9. Warum ist die Erde nachweislich nicht der Mittelpunkt des Universums, sondern nur ein kleiner Planet im äußeren Drittel unserer Galaxie, welche ebenfalls nur ein Staubkorn im Universum darstellt?

Stellt die schwarze Robe auf die Probe

10. Zu welchem Zweck wurde das grausame Pockenvirus erschaffen, das wir als angebliche „Schöpfung Gottes“ ausgerottet haben?

11. Warum besitzt der Wal im Körperinneren deutliche Überreste von Hinterbeinen, die vollkommen nutzlos sind?

12. Wenn es die Arche Noah gab, warum sind nach der Sintflut alle Beuteltiere ausgerechnet in Australien ausgestiegen?

13. Wenn das Universum erst 6000 Jahre alt ist, warum datieren wir dann sein Alter aufgrund unserer wissenschaftlichen Erkenntnisse ausgerechnet auf 13,7 Mrd Jahre, und nicht auf einen anderen Zeitraum?

14. Warum bestätigen wir viele unsererer Theorien ständig selbst durch Experimente und Beobachtungen, und warum kommen wir immer weiter, wenn das alles nur ein Irrtum sein soll?

15. Warum lässt der Erschaffer dieses 6000 Jahre alten Universums es zu, dass die Frau plötzlich aufbegehrt und gleiche Rechte fordert, obwohl sie genau wie das Tier laut Bibel ein Untertan des Mannes sein soll? (Sorry, aber das steht dort wirklich: Gen 3.16, Eph 5.22, 1 Timotheus 2.11-12, Titus 2.5)

16. Wenn die Evolution und die Datierungen der Fossilien nur ein Täuschungsmanöver des Schöpfers sind, warum finden wir dann eben nicht die zahllosen „Zwischenformen“, die die Täuschung perfekt machen würden und die uns in Sicherheit wiegen würden?

17. Wozu sollte uns ein Schöpfer immer wieder vor neue wissenschaftliche Fragen stellen und unseren Glauben selbst mit Fossilien untergraben, wenn die Wahrheit nur 6000 Jahre alt ist?

18. Warum hat Gott den Menschen mit einem solch umfangreichen „Erkenntnisapparat“ ausgestattet, wenn er schon vor 6000 Jahren „sah, dass es gut war“?

19. Aus welchem Grund nennt uns Gott „die einzige nach seinem Ebenbild erschaffene Schöpfung“, wenn er uns dabei offensichtlich im Unklaren lässt, ob es noch anderswo im Universum intelligentes Leben gibt?

Was die Pfaffen nicht raffen

20. Wenn es so offensichtlich ist, dass Gott die Welt vor 6000 Jahren um 4 Uhr nachmittags erschaffen hat, wozu muss er dann hunderttausende Menschen dazu berufen, uns davon zu überzeugen? Wären wir als seine Geschöpfe nicht automatisch davon überzeugt und würden wir nicht alle Fossilien automatisch in Frage stellen?

21. Warum können wir messen, dass sich das Licht im Vakuum mit 300.000 km/s fortbewegt, obwohl diese Tatsache jeglicher Lehre vom 6000 Jahre alten Universum widerspricht?

22. Warum werden diejenigen, die für alle sichtbar Böses tun, nicht von Gott bestraft, sondern von uns?

23. Warum entdecken wir immer mehr Naturgesetze, die Gottes Existenz immer unwahrscheinlicher machen?

24. Warum können wir die Vakuumlichtgeschwindigkeit niemals erreichen oder überschreiten, worin liegt der Sinn einer solchen Grenze in einem 6000 Jahre alten Universum?

25. Warum hat Gott manche Pinguine homosexuell werden lassen, um den Nachwuchs bei Verlust des Weibchens zu schützen, während er dieses Verhalten beim Menschen verurteilt?

26. Gott hat die Bewohner von Babylon angeblich dafür bestraft, einen hohen Turm gebaut zu haben, um dem Himmel näher zu sein. Heute werden Türme gebaut, die zehnmal höher sind als der Turmbau zu Babel. Warum wird dafür niemand bestraft?

27. Warum zeigt Gott seine Wunder immer nur in weinenden Marienstatuen aus totem Holz, aber niemals dadurch, dass er ein kleines Kind vom Krebs heilt? Warum lässt Gott niemals amputierte Gliedmaßen nachwachsen – egal wie verzweifelt die Menschen zu ihm beten?

28. Warum soll das Universum ausgerechnet 6000 Jahre alt sein, wenn dieses Alter für so viele Wissenschaftler so extrem falsch ist? Warum sollte Gott Wert darauf legen, eine so offensichtliche Täuschung zu schaffen, die so leicht zu durchschauen ist?

29. Wir haben ein 6000 Jahre altes Universum, in dem gemäß der Aufzeichnungen seit mindestens 4000 Jahren ständig Krieg zwischen Menschen herrscht. Ist das Gottes Wille? Oder hat der Teufel schon seit langem die Oberhand?

30. Der Haifisch war mit all seinen Arten schon immer da, wenn die Theorie des 6000 Jahre alten Universums stimmt. Da hatte Gott eine Menge Variationen zu schaffen. Heute rottet der Mensch eine Art nach der anderen aus. Wieso lässt Gott das zu, ohne seine Schöpfung zu schützen und einzugreifen?

Die Wissenschaft liefert ständig neue Antworten. Sie macht dabei natürlich auch Fehler, aber dann geht sie einen Schritt zurück und korrigiert sich. Das funktioniert seit Jahrtausenden und hat es unter anderem auch mir ermöglicht, das hier zu schreiben. Nur der Glaube steht seit 2000 Jahren irgendwie still hinter seiner Mauer aus Dogmen.

Dümmer geht’s nicht: Die „40 Fragen an die Evolutionisten“

Patriot University, Colorado Springs (Quelle: Wikipedia)

Als knallharte Killerargumente gegen die gottlose Evolutionslehre werden in evangelikalen Kreisen die „40 Fragen an die Evolutionisten“ gefeiert, die vom US-amerikanischen Kreationisten „Dr.“ Kent Hovind gesammelt wurden. Das „Dr.“ steht hier in Anführungszeichen, da Herr Hovind seinen Titel in einem vierwöchigen Studium an der „Patriot University“ erworben hat (siehe Foto). Die „Doktorarbeit“ ist verschwunden, irgendwie ist zufällig kein Exemplar mehr auffindbar. Herr Hovind selbst äußert sich zu dieser Sache nicht – was auch etwas schwierig wäre, da er zur Zeit wegen 58 Fällen von Steuerbetrug, Betrug und Konspiration für zehn Jahre im Gefängnis sitzt.

Aber lassen wir ab von unseren ad hominem-Attacken gegen den vom bösen Staat arg gebeutelten Prediger (Christenverfolgung!!), und kommen wir zurück zu den 40 Fragen. Sie sollen beweisen, dass der „Evolutionismus“ unrecht hat, dass also die Erde nicht 4,5 Millarden Jahre alt ist, und dass die Vielfalt des Lebens nicht durch natürliche Selektion entstanden ist. Stattdessen zeigt das Nachdenken über die Fragen für Herrn Hovind und seine kreationistischen Anhänger glasklar, dass die Welt vor etwa 6000 Jahren von Bibel-Gott Jahwe geschaffen wurde (und zwar – kein Scherz! – laut einschlägiger Experten am 22. Oktober 4004 v.d.Z., kurz vor dem Abendessen). Hier eine Auswahl:

In den Textbüchern unserer Kinder wird oft der Stammbaum der Evolution abgebildet. Warum hat dieser Baum keinen Stamm und Äste?

Wenn das Sonnensystem aus dem Urknall entwickelt hat, warum drehen sich mindestens drei Planeten rückwärts?

Warum ist die Materie nicht gleichmäßig wie bei einer Explosion im Raum verteilt, sondern unregelmäßig?

Woher kommt der Raum für das Universum? Wo hinein breitet es sich also aus?

Wenn die Gesteinsschichten wirklich verschiedene Zeitepochen repräsentieren, warum gibt es dann keine Zeichen von Erosion zwischen den einzelnen Schichten?

Warum sollte sich eine Pflanze bzw. ein Tier fortpflanzen wollen, wenn dies doch zu mehr Konkurrenz bzgl. der Nahrung führen würde?

Ist es nicht möglich, daß Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Tieren vielmehr auf einen gemeinsamen Schöpfer als auf einen gemeinsamen Vorfahren hinweisen?

 Ist es seriöse Wissenschaft zu glauben, daß Wasserstoff sich in Menschen entwickelt hat?

Und schließlich, sicher das beste Argument von allen:

Warum haben wir keine größeren Wüsten wenn doch die Wüsten jedes Jahr wachsen?

Tja, die Wüsten wachsen und drei Planeten drehen sich rückwärts. Nehmt das, ihr teufelsgläubigen Evolutionisten!!

(Quelle: Twitter, mit Dank an @littlewisehen)

Zur Nichtreduzierbaren Komplexität des menschlichen Auges

Video

Es ist überhaupt kein Wunder, dass viele Religionisten den Evolutionsunterricht so stark hassen und bekämpfen. Man muss es klar sagen: Hat man die natürlichen Mechanismen von Selektion und Mutation erstmal verstanden, erklärt sich die Vielfalt des Lebens quasi von selbst. Damit fällt dann auch das letzte klassische Argument weg, dass zur Erklärung der Welt irgendwie das magische Eingreifen einer Gottheit notwendig sei.

Als absolut sicheres Killerargument zum Widerlegen der Evolutionstheorie gilt dabei insbesondere in evangelikalen Kreisen die „Nichtreduzierbare Komplexität“. Dieses immer und immer und immer und immer wieder vorgebrachte Bauernfängerargument klingt dann oft so:

Wußtest Du, daß die zentrale Behauptung der Evolutionstheorie lautet, daß sich in der natürlichen Auslese stets nur diejenigen Eigenschaften durchsetzen, die beim Überleben nützlich sind? Doch sind sämtliche Organe unseres Körpers nur dann nützlich, wenn sie funktionieren und vollständig sind. Wem nützt ein unvollständiges Auge?

Gemäß dieses „tollen“ Arguments steht dann dann nach Ansicht der Religionisten natürlich fest, dass die Evolutionslehre falsch sein muss, und daher unmittelbar folgend der Kreationismus (also die Idee, dass die Erde vor 6.000 Jahren quasi fix und fertig in sieben Tagen geschaffen worden sei) wahr sein muss.

Okay, um nun nicht in elende Detailbeschreibungen auszubrechen hier eine wirklich schöne Übersichtsgrafik aus der deutschen Wikipedia. Die einzelnen Phasen der allmählichen, 200 Millionen Jahre währenden Evolution des Wirbeltierauges zeigen sehr schön, dass Komplexität eben doch „reduzierbar“ ist. Die ganze Zeit über war der jeweilige Zustand der „Augen“ zum Überleben nützlich. Die einzelnen Phasen werden wiefolgt beschrieben:

Evolutionsstufen des Säugetierauges (Quelle)

(a) Lichtempfindliche Pigmentflecken ermöglichen es primitiven Tieren, hell und dunkel zu unterscheiden. Ein fassbarer Vorteil: Sobald ein Wesen einen vorbei huschenden Schatten wahrnimmt, kann es in Deckung gehen.

(b) Durch einfache pigmentierte Vertiefungen kann ein Wesen die Richtung, aus der Licht scheint, wahrnehmen.

(c) Aus diesen Mulden bilden sich dann Augenbecher. Durch den „Camera obscura“-Effekt können die Wesen Bilder erkennen.

(d) Schon fast da: Ein Linsenauge bündelt Licht so, dass auf der Netzhaut ein scharfes Bild entsteht.

Und schließlich: (e) Das „fertige“ Wirbeltierauge.

Ob ein Wikipediaautor der fernen Zukunft das Diagramm wohl noch um die Stufen (f) bis (z) erweitern muss?

Edit: Richard Dawkins fasst den Prozess sehr anschaulich zusammen, und wird von einem sehr sehr dummen Christen nicht verstanden.

Biologen mögen mir bitte die krassen Vereinfachungen in diesem Artikel verzeihen.

Zehn Jahre Fliegendes Spaghettimonster – Was tun?

Das Fliegende Spaghettimonster (englisch Flying Spaghetti Monster, kurz: FSM) ist die Gottheit einer im Juni 2005 vom US-amerikanischen Physiker Bobby Henderson begründeten Religionsparodie. Ihre Anhänger bezeichnen sich selbst als Pastafari oder Pastapiraten.

Dies ist ein Gastbeitrag des begeisterten Pastaverehrers Mr. MIR. Wer Lust hat mit ihm an einer (virtuellen) Jubiläumsfeier teilzunehmen, möge sich bitte hier eintragen.

Ramen, liebe Schwestern, Brüder und Piraten!

Seit nun schon neun Jahren haben wir eine neue Weltreligion zur Verfügung. Nächstes Jahr im Juni ist unser zehnjähriges FSM-Piratenbestandsjubiläum 🙂 Hiermit rufe ich alle deutschsprachigen Pastapiraten auf, angemessene Feierlichkeiten zu begehen! Vergesst nicht, insbesondere im Jubiläumsmonat Juni 2015 die drei wöchentlichen Feiertage Freitag, Samstag und Sonntag auszunutzen, um z.B. Eure Kinder taufen zu lassen. Falls Ihr einen neuen Führerschein oder Perso beantragt, vergesst nicht, Euch für das Foto anständig zu kleiden! Auch im Berufsleben sind rituelle Regeln einzuhalten. Und befolgt auch im Sommer alle anderen pastafarianischen Rituale ein bisschen frommer.

Für die Feierlichkeiten könnten wir ja auch ein kleines Fachsymposium abhalten – zumindest online – um die bisherigen Entwicklungen unserer Religion zu reflektieren:

Wir sollten diese historischen und wissenschaftlichen Ergebnisse in einem Konferenzband sammeln und der Nachwelt erhalten. Es ist auch an der Zeit, unsere Piratengeschichte niederzuschreben! Wir sollten uns zusammenrotten und gemeinsam ein deutsches Nudelwiki machen. Das wäre doch toll, nicht? Ich habe vorsorglich die URL http://de.fsm.wikia.com eröffnet und warte auf Eure Ideen und Beiträge!

Aber vielleicht sollten wir auch die Uni Jena anmieten, und dort – wie andere Kreationisten auch – eine Party steigen lassen.

Ramen,

Mr_MIR@live.de

Best of 2013 – Jehova! Jehova!

Zu jedem Jahresende das gleiche Spiel: Jahresrückblicke, wohin man schaut. Ob Günther Jauch oder die Bäckerblume – alle blicken sie mehr oder minder wehmütig auf das vergehende Jahr zurück. Und da Angriff bekanntermaßen die beste Verteidigung gegen nervenden Unsinn ist, haben wir bei MGEN beschlossen, ebenfalls einen Rückblick auf zwölf Monate Blogtätigkeit zu basteln. Hier also unser Best of 2013 …

Gottesbeweise: Null Hinweise auf die Existenz des Bibel-Gottes!

Wir sind Anfang des Jahres mit dem Vorhaben gestartet, uns einige „Gottesbeweise“ näher anzuschauen, wie sie von Religionisten immer wieder als Rechtfertigung für ihre Sonderrechte in Staat und Gesellschaft vorgebracht werden. Hauptsächlich ging es da um unser eigenes Verständnis der Argumentationen – die Begriffe „ontologischer Beweis“, „kosmologischer Beweis“ und „teleologischer Beweis“ sind ja recht ehrfurchtgebietend. Schon bei oberflächlicher Betrachtung wurde jedoch klar, dass die Argumente für die Existenz eines Bibel-Gottes unglaublich dünn sind, auf falschen Annahmen oder unsinnigen Schlussfolgerungen beruhen. Kein einziger der Beweise ergibt Sinn.

Hier die meistgelesenen Blogposts zum Thema:

  • Sämtliche bekannten Gottesbeweise: Gescheitert! – Hier stellen wir die bekanntesten Gottesbeweise vor und zeigen nach und nach, dass kein einziger von ihnen einer kritischen Betrachtung stand hält.
  • Wunder als Beweis für die Existenz Gottes – Wunder gibt es immer wieder? Viele Leserinnen und Leser sind mit uns der Meinung: Nein, so ein göttliches Aussetzen der Naturgesetze wurde nie nachgewiesen; sämtliche vorgebrachten „Wunder“ lassen sich sehr leicht ohne göttliche Eingriffe erklären.
  • Das Bananen-Argument für die Existenz Gottes – Die Banane als Gottesbeweis? Diese Argumentation eines US-Predigers schwappt in Wellen durch Facebook; viele Leserinnen und Leser wundern sich mit uns über den seltsamen Beweisversuch.
  • Öfter mal was Neues: Gottesbeweis per Thermodynamik – Das Zerlegen dieses Versuchs, mit Begriffen aus der Physik einen Gott herbei zu definieren, hat im Blog einen empörten Kommentarsturm ausgelöst.
  • Der DNA-Beweis für die Existenz Gottes – „DNA ist ein Code, Code setzt einen Programmierer voraus, dieser Programmierer ist Gott!!“ – Uhm, nein?
  • Der 747-Beweis für die Existenz Gottes – Ein beliebter Versuch, die Evolution zu diskreditieren, ist das 747-Argument. Er funktioniert nicht. Und wieso aus dem Widerlegen der Evolution die Behauptung „Es gibt Jahwe, die Bibel hat recht, das Christentum stimmt!!“ folgen soll, bleibt auch völlig offen.

Grundlagen von Religion und Esoterik: Null Hinweise auf Korrektheit!

Nachdem nun klar war, dass die einzelnen Gottesbeweise nichts taugen, haben wir uns näher mit einigen Grundlagen der Religionen beschäftigt. Hier die meistgelesenen Artikel diesem Bereich:

  • Kann man kategorisch beweisen, dass es keinen Gott gibt? – Die Frage ist gut, muss aber mit einem eher unbefriedigenden „unbekannt“ beantwortet werden. Das liegt nicht an tiefschürfend wissenschaftlich/philosophischen Gründen – sondern einfach daran, dass keine schlüssige Definition existiert, was so ein Gott eigentlich sein soll.
  • “Gott ist allmächtig, allwissend und allgütig!” – Nope, dieser Gott existiert nicht! – Während es für Götter allgemein keine sinnvollen Definitionen gibt, ist für konkrete Gottesbilder, wie den Bibel-Gott Jahwe, sonnenklar: So ein Wesen kann nicht existieren. Gäbe es einen allmächtigen, allgütigen Gott, sähe die Welt sehr anders aus.
  • Über Kampfbegriffe und Gottesbilder – Viele Theisten wollen zwar unbedingt über ihre jeweilige Religion diskutieren, kennen aber die entsprechenden Grundbegriffe nicht. Daher hier kurze Erläuterungen zu den Konzepten Theismus, Deismus, Pantheismus, Atheismus, etc.
  • Existiert das Übernatürliche? – Noch ein Blogpost, der Protestwellen aus der Esoterikecke ausgelöst hat. Kurz: Nein, etwas Übernatürliches existiert nicht. Sobald ein Phänomen beobachtet und eingeordnet wird, erweitert es unser Verständnis des Universums und wird somit natürlich.

Politik: Null Zahlreiche Sonderrechte für Kirchen und Religionen!

Weit oben in den Charts stehen auch einige der eher politischen Blogbeiträge:

  • Landesverfassung: “Ehrfurcht vor Gott … ist vornehmstes Ziel der Erziehung” – In einem Googlemarathon haben wir eine Reihe von kirchlichen Sonderrechten und religiösen Absurditäten aufgetan, die in Deutschland Verfassungsrang genießen. Die erstaunten Leserinnen und Leser teilten den Artikel exzessiv auf Facebook.
  • Bundestag stimmt für weitere “Staatsleistungen” – 480 Mio. Euro zahlt der Staat jedes Jahr an die Großkirchen. Nein nein, das sind nicht die Kirchensteuern, dieses Geld gibt’s obendrauf. Warum? Die Argumentation ist kompliziert, basiert auf angeblichen Verträgen aus dem Dreissigjährigen Krieg und lautet komprimiert „Weil das schon immer so war!!“ – Die Leserinnen und Leser teilten a. unsere Empörung und b. den Link, so dass der Artikel zu unserem meistgelesenen Blogpost wurde.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern noch schöne Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr. Yeah, 2014!