Euer Gott kann uns gar nix!

Liebe Atheisten und andere Jahwe-Ungläubige,

von höchster Stelle haben wir bei MGEN soeben die Versicherung erhalten, dass die meisten von uns gegen die Macht der wilden Bibel-Gottheit Jahwe immun sind, und wir uns daher nicht vor Blitz, Donner und ewiger Höllenfolter zu fürchten brauchen. Denn (Richter 1.19):

Und der HERR war mit Juda, und er nahm das Gebirge in Besitz. Aber die Bewohner der Ebene waren nicht zu vertreiben, weil sie eiserne Wagen hatten.

Zumindest diejenigen von uns, vor deren Haus ein eiserner Wagen steht, sei es VW, Opel oder ein Japaner, sind also vor dem Zorn des Gottes sicher. Und die anderen können sich bestimmt beim Herannahen der Apokalypse noch schnell ein Mietauto sichern.

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Zum Beweis der Nichtexistenz des Bibel-Gottes

Immer wieder hört man leider auch von Atheisten die Mär „Die Existenz des christlichen Gottes lässt sich nicht widerlegen“. Die Argumentation geht davon aus, dass die Nichtexistenz einer Entität grundsätzlich nicht zu beweisen sei – Weiteres Beschäftigen mit der Sache sei daher zwangsläufig fruchtlos und somit überflüssig.

Nichtexistenz kann aber auf zwei Arten bewiesen werden: Erstens empirisch und zweitens analytisch. Nichtexistenz empirisch zu beweisen ist sehr viel schwieriger als ein Beweis der Existenz – um schon die Nichtexistenz einer Bohnenkonserve in meinem Haus zu beweisen, müsste ich alle zumindest dosengroßen Verstecke gleichzeitig unter die Lupe nehmen und jeweils Dosenfreiheit zeigen. Zu einem erfolgreichen Existenzbeweis müsste ich lediglich eine Konservendose auf den Tisch stellen – fertig!

Der analytische Weg kann hier helfen. Zuerst auf abstrakter Ebene: Wer behauptet, dass eine Entität E existiert, der behauptet zugleich, dass deren Existenz möglich ist. Wir finden also eine Hypothese der folgenden Form:

Hypothese: „Die Existenz einer Entität E ist möglich. Definition: E hat die Eigenschaften A1, A2, …, An.“

Wenn man nun zeigen kann, dass die konstituierenden Eigenschaften A1, A2, etc. sich gegenseitig (oder bereits sicher bekannten Fakten) widersprechen, muss die Hypothese zurückgewiesen werden. „Konstituierend“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Entität ohne diese Eigenschaft nicht denkbar ist. So wird ein Stuhl ohne die Eigenschaft „hat Sitzfläche“ zur Stehhilfe, eine Einhorn ohne Horn und Jungfrauengesimsel zum Pferd, etc.

Doch zurück zur Hypothese: Sie bleibt durch einen Widerspruchsbeweis nicht bloß unbewiesen, sondern ist nun erwiesenermaßen falsch: E kann also nicht existieren. Man kann daher unter Umständen die Unmöglichkeit der Existenz einer Entität beweisen – und damit zugleich ihre reale Existenz auszuschließen.

Kann eine Form zugleich Kreis und Quadrat sein? – Nope!

Falls zum Beispiel jemand erzählt „Ich habe eine gezeichnete Form gesehen, die zugleich ein Quadrat und ein Kreis ist“, so verbirgt sich dahinter die Behauptung „Die Existenz einer Form ist möglich, die zugleich Kreis und Quadrat ist.“ – Die Definitionen von Kreis („null Ecken“) und Quadrat („vier Ecken“) widersprechen sich aber; so eine Form kann nicht existieren, die betreffende Person kann sie also auch nicht gesehen haben (das Menschenrecht auf Einbildung sei hier unbenommen).

Die Argumentation, dass der von Christen, Juden und Moslems verehrte Bibel-Gott Jahwe nicht existieren kann, ist supersimpel, wird immer wieder vorgebracht und ist von Religionisten nie auch nur im Ansatz widerlegt worden. Jahwe wird als allmächtiger Schöpfer der Welt beschrieben, der jeden einzelnen Menschen liebt und unendlich gütig ist. Hier verbirgt sich also folgende Hypothese:

„Die Existenz des Jahwe ist möglich. Jahwes definierende Eigenschaften sind: allgütig, allmächig, Schöpfer des Universums.“

Schon jetzt wird klar, dass sich die definierenden Eigenschaften widersprechen: Allein in Deutschland (Teil des von Jahwe geschaffenen Universums) erkranken jedes Jahr fast 2.000 Kinder an Krebs. In den betroffenen Familien entsteht unendliches, reales Leid, das sich weder wegdefinieren noch irgendwie auf den freien Willen der Beteiligten (der argumentative Notausgang der Theologen) zurück führen lässt. Wenn Jahwe nun allmächtig wäre, würde er in seiner unendlichen Güte und Liebe dieses Leid einfach so und ohne weitere Schwierigkeiten aufheben – tut er aber nicht. Die Entität kann also nicht allmächtig sein – oder wahlweise nicht allgütig.

Kann der Schöpfer des Universums zugleich allmächtig und allgütig sein? – Nope!

Wenn aber zumindest eine diese Eigenschaften wegfällt, dann ist Jahwe nicht mehr der Gott, auf dem die genannten Religionen aufbauen; übrig bleibt entweder eine Art gütiger Naturgeist oder der Gott der Deisten, der das Universum geschaffen und sich dann von den Menschen abgewandt hat. Mit dem Gott der Christen, Juden und Moslems hat diese Entität dann jedenfalls nichts mehr zu tun.

Fazit: Die Nichtexistenz einer Sache ist deutlich schwieriger zu beweisen als ihre Existenz. Wenn sich die Definition einer Sache jedoch selbst (oder bekannten Tatsachen) widerspricht, kann die definierte Entität nicht existieren. So ist es auch bei der Definition des Bibel-Gotts: Ganz offensichtlich ist keine für das Universum „zuständige“ Entität gleichzeitig allmächtig und allgütig. So eine Entität existiert nicht, der Gott der Christen ist widerlegt.

Dieser Blogpost entstand aus einer – letztlich erfolglos gebliebenen – Twitter-Diskussion zwischen dem von mir sehr geschätzten Skeptiker und Journalisten Sebastian Bartoscheck (@BartoCast) und mir (@MGENBlog).

Best of 2013 – Jehova! Jehova!

Zu jedem Jahresende das gleiche Spiel: Jahresrückblicke, wohin man schaut. Ob Günther Jauch oder die Bäckerblume – alle blicken sie mehr oder minder wehmütig auf das vergehende Jahr zurück. Und da Angriff bekanntermaßen die beste Verteidigung gegen nervenden Unsinn ist, haben wir bei MGEN beschlossen, ebenfalls einen Rückblick auf zwölf Monate Blogtätigkeit zu basteln. Hier also unser Best of 2013 …

Gottesbeweise: Null Hinweise auf die Existenz des Bibel-Gottes!

Wir sind Anfang des Jahres mit dem Vorhaben gestartet, uns einige „Gottesbeweise“ näher anzuschauen, wie sie von Religionisten immer wieder als Rechtfertigung für ihre Sonderrechte in Staat und Gesellschaft vorgebracht werden. Hauptsächlich ging es da um unser eigenes Verständnis der Argumentationen – die Begriffe „ontologischer Beweis“, „kosmologischer Beweis“ und „teleologischer Beweis“ sind ja recht ehrfurchtgebietend. Schon bei oberflächlicher Betrachtung wurde jedoch klar, dass die Argumente für die Existenz eines Bibel-Gottes unglaublich dünn sind, auf falschen Annahmen oder unsinnigen Schlussfolgerungen beruhen. Kein einziger der Beweise ergibt Sinn.

Hier die meistgelesenen Blogposts zum Thema:

  • Sämtliche bekannten Gottesbeweise: Gescheitert! – Hier stellen wir die bekanntesten Gottesbeweise vor und zeigen nach und nach, dass kein einziger von ihnen einer kritischen Betrachtung stand hält.
  • Wunder als Beweis für die Existenz Gottes – Wunder gibt es immer wieder? Viele Leserinnen und Leser sind mit uns der Meinung: Nein, so ein göttliches Aussetzen der Naturgesetze wurde nie nachgewiesen; sämtliche vorgebrachten „Wunder“ lassen sich sehr leicht ohne göttliche Eingriffe erklären.
  • Das Bananen-Argument für die Existenz Gottes – Die Banane als Gottesbeweis? Diese Argumentation eines US-Predigers schwappt in Wellen durch Facebook; viele Leserinnen und Leser wundern sich mit uns über den seltsamen Beweisversuch.
  • Öfter mal was Neues: Gottesbeweis per Thermodynamik – Das Zerlegen dieses Versuchs, mit Begriffen aus der Physik einen Gott herbei zu definieren, hat im Blog einen empörten Kommentarsturm ausgelöst.
  • Der DNA-Beweis für die Existenz Gottes – „DNA ist ein Code, Code setzt einen Programmierer voraus, dieser Programmierer ist Gott!!“ – Uhm, nein?
  • Der 747-Beweis für die Existenz Gottes – Ein beliebter Versuch, die Evolution zu diskreditieren, ist das 747-Argument. Er funktioniert nicht. Und wieso aus dem Widerlegen der Evolution die Behauptung „Es gibt Jahwe, die Bibel hat recht, das Christentum stimmt!!“ folgen soll, bleibt auch völlig offen.

Grundlagen von Religion und Esoterik: Null Hinweise auf Korrektheit!

Nachdem nun klar war, dass die einzelnen Gottesbeweise nichts taugen, haben wir uns näher mit einigen Grundlagen der Religionen beschäftigt. Hier die meistgelesenen Artikel diesem Bereich:

  • Kann man kategorisch beweisen, dass es keinen Gott gibt? – Die Frage ist gut, muss aber mit einem eher unbefriedigenden „unbekannt“ beantwortet werden. Das liegt nicht an tiefschürfend wissenschaftlich/philosophischen Gründen – sondern einfach daran, dass keine schlüssige Definition existiert, was so ein Gott eigentlich sein soll.
  • “Gott ist allmächtig, allwissend und allgütig!” – Nope, dieser Gott existiert nicht! – Während es für Götter allgemein keine sinnvollen Definitionen gibt, ist für konkrete Gottesbilder, wie den Bibel-Gott Jahwe, sonnenklar: So ein Wesen kann nicht existieren. Gäbe es einen allmächtigen, allgütigen Gott, sähe die Welt sehr anders aus.
  • Über Kampfbegriffe und Gottesbilder – Viele Theisten wollen zwar unbedingt über ihre jeweilige Religion diskutieren, kennen aber die entsprechenden Grundbegriffe nicht. Daher hier kurze Erläuterungen zu den Konzepten Theismus, Deismus, Pantheismus, Atheismus, etc.
  • Existiert das Übernatürliche? – Noch ein Blogpost, der Protestwellen aus der Esoterikecke ausgelöst hat. Kurz: Nein, etwas Übernatürliches existiert nicht. Sobald ein Phänomen beobachtet und eingeordnet wird, erweitert es unser Verständnis des Universums und wird somit natürlich.

Politik: Null Zahlreiche Sonderrechte für Kirchen und Religionen!

Weit oben in den Charts stehen auch einige der eher politischen Blogbeiträge:

  • Landesverfassung: “Ehrfurcht vor Gott … ist vornehmstes Ziel der Erziehung” – In einem Googlemarathon haben wir eine Reihe von kirchlichen Sonderrechten und religiösen Absurditäten aufgetan, die in Deutschland Verfassungsrang genießen. Die erstaunten Leserinnen und Leser teilten den Artikel exzessiv auf Facebook.
  • Bundestag stimmt für weitere “Staatsleistungen” – 480 Mio. Euro zahlt der Staat jedes Jahr an die Großkirchen. Nein nein, das sind nicht die Kirchensteuern, dieses Geld gibt’s obendrauf. Warum? Die Argumentation ist kompliziert, basiert auf angeblichen Verträgen aus dem Dreissigjährigen Krieg und lautet komprimiert „Weil das schon immer so war!!“ – Die Leserinnen und Leser teilten a. unsere Empörung und b. den Link, so dass der Artikel zu unserem meistgelesenen Blogpost wurde.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern noch schöne Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr. Yeah, 2014!

War Einstein religiös?

„Glaubte Einstein an Gott?“ – „War Einstein religiös?“ – Immer wieder geben Menschen diese Fragen in Suchmaschinen ein und landen dann u.a. bei MGEN. Warum interessieren sich so viele Leute für den großen Physiker und was er wohl zur Religion zu sagen hatte? Und vor allem: Wie stand er denn nun zur Religion? – Zeit, ein paar Zitate zu sammeln.

Zum Hintergrund: Albert Einstein wurde 1879 in Ulm geboren. Er ging in eine katholische Schule, seine Eltern waren säkulare Juden. Einstein wandte sich schon früh von der organisierten Religion ab und verließ die jüdische Gemeinde mit 17.

Einstein: „Die Bibel ist eine Sammlung primitiver Legenden“

Im April 1921 beantwortete Einstein auf die besorgte Frage eines New Yorker Rabbis, ob er denn auch an Gott glaube, auf die folgende Weise:

„Ich glaube an Spinozas Gott, der sich in der gesetzlichen Harmonie des Seienden offenbart, nicht an einen Gott, der sich mit dem Schicksal und den Handlungen der Menschen abgibt.“

Gott als „gesetzliche Harmonie des Seienden“ – Das entspricht genau dem Gottesbild der Pantheisten, die die Gesamtheit der Regeln und Gesetze des Universums als „Gott“ bezeichnen. Baruch de Spinoza (1632-1677) war einer der Wegbereiter dieser philosophischen Strömung – von seinen Zeitgenossen wurde er wüst als Apostat und Atheist beschimpft. Und völlig unrecht hatten seine Kritiker nicht: Da der Begriff „Gott“ für Pantheisen keine weitergehende Bedeutung hat als der Begriff „Universum“, kann man ihn genau so gut weglassen – Pantheisten sind de facto Atheisten, manchmal mit einem vage spirituellen Überbau. Ganz in diesem Sinne bestätigt Einstein ja auch, dass es seiner Ansicht nach keinen persönlichen Gott gibt, wie ihn die Theisten (also z.B. Juden, Christen und Moslems) vertreten.

Ein weiteres Einstein-Zitat passt gut zu einem Mann, der die Strukturen und Regeln des Universum mit fast kindlichem Staunen bewundert: Das berühmte „Gott würfelt nicht!“, das Einstein 1926 in einem Brief an einen Kollegen formuliert.

„Die Quantenmechanik ist sehr achtunggebietend. Aber eine innere Stimme sagt mir, daß das noch nicht der wahre Jakob ist. Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis des Alten bringt sie uns kaum näher. Jedenfalls bin ich überzeugt, daß der nicht würfelt.“

Einstein kann offenbar nicht so recht daran glauben, dass die von ihm bewunderten, klaren und eleganten Naturgesetze auf zufälligen Phänomenen beruhen sollen. Ob er damit recht behalten wird, darüber sind sich die Physiker bis heute nicht im Klaren.

Einstein: „Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott

Gegen Ende seines Lebens wird Einstein deutlicher. Damals hatten offenbar Religionisten bereits damit begonnen, ihn wegen seines missverstandenen (?) Zitats zu vereinnahmen, nach dem Motto „Der größte lebende Physiker bestätigt, dass Jahwe existiert“. 1954 stellt er dann klar:

„Es war natürlich eine Lüge, was Sie über meine religiösen Überzeugungen gelesen haben, eine Lüge, die systematisch wiederholt wird. Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott und ich habe dies niemals geleugnet, sondern habe es deutlich ausgesprochen. Falls es in mir etwas gibt, das man religiös nennen könnte, so ist es eine unbegrenzete Bewunderung der Struktur der Welt, so weit sie unsere Wissenschaft enthüllen kann.“

Einstein lehnt das theistische Gottesbild der Juden, Christen und Moslems also auch hier eindeutig ab. Weiter schreibt er:

„Das Wort Gott ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger, aber doch reichlich primitiver Legenden. […] Keine noch so feinsinnige Auslegung kann etwas daran ändern. Diese verfeinerten Auslegungen sind […] höchst mannigfaltig und haben so gut wie nichts mit dem Urtext zu schaffen.“

Fazit: Nein, Einstein glaubte eindeutig nicht an den Gott der Bibel, den Juden, Christen und Moslems verehren. Von der organisierten Religion hatte er sich schon als Jugendlicher losgesagt und kritisierte bis zum Ende seines Lebens deren „feinsinnige Auslegung“ der Bibel. Stattdessen bestaunte er ehrfürchtig die Komplexität und die Schönheit der Welt. Eigentlich ein sehr sympathischer Zug.

Einige Quellen:

  • Tagesspiegel: „Relativ ungläubig“ (tagesspiegel.de)
  • SZ: „Die Bibel ist eine Sammlung primitiver Legenden“ (sueddeutsche.de)
  • Humanistischer Pressedienst: „‚Primitiver Aberglaube‘: Einstein über Religion“ (hpd.de)

Wunder als Beweis für die Existenz Gottes

In religiösen Kreisen gilt der Gottesbeweis durch Wunder als unschlagbar: Wunder passieren ja ganz offenbar immer wieder, diese werden durch Jahwe getätigt, der daher existieren muss. Voilà!

Als wir Kinder waren, hat die (evangelische) Religionslehrerin uns eingetrichtert: „Wunder gibt es für jene Menschen, die an Wunder glauben.“ Das klingt erstmal total klug und kuschelig, ist aber Unsinn. Eine brauchbare Definition des Begriffs Wunder im religiösen Sinne ist ein „zeitweises Suspendieren der Naturgesetze durch eine Gottheit zu Gunsten eines Bittstellers“. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder es gibt diese Wunder, oder es gibt sie nicht. Wir wissen vielleicht nicht, welche der beiden Möglichkeiten zutrifft, aber eine muss es sein. Dass Wunder „für die, die dran glauben“ existieren und für andere Menschen nicht, ist unsinnig.

Wunder sind nachweisbar? – Es würde Nobelpreise regnen!

Folgendes sollte man sich klar machen: Sollte jemals wasserdicht und gemäß  wissenschaftlicher Methoden erwiesen werden, dass die Naturgesetze aufgehoben werden können – es würde Nobelpreise regnen. Die Templeton-Foundation bietet jährlich einen Preis von einer Million Britischer Pfund für Wissenschafter, die herausragende Entdeckungen zur „Bestärkung der spirituellen Dimension des Lebens“ machen. Mangels solcher Entdeckungen wird der Preis jedoch meist an Forscher vergeben, die irgendwie etwas Nettes über Religion sagen. Die James Randi-Stiftung bietet eine Million Dollar, die deutsche GWUP legt noch 10.000 Euro drauf – für Personen, die erfolgreich übernatürliche Phänomene demonstrieren können. Diese Preise wurden nie abgeholt. Forscher, die hier zumindest eine Möglichkeit sehen, müssten also höchstes Interesse an dem Nachweisen von Wundern haben. Jedoch: Keine Wunder, nichts Übernatürliches kam bislang zum Vorschein. Fehlanzeige!

Im Folgenden schauen wir uns typische Vertreter verschiedener Wunder-„Gattungen“ etwas näher an. Die Alltagswunder: Eine Person verliert einen Gegenstand, findet ihn wieder und teilt begeistert das ihr geschehene „Wunder“. Die Heilungswunder: Eine Ordensschwester wird als krank diagnostiziert, betet zum Papst Johannes Paul II. und wird später als geheilt diagnostiziert. In einem späteren Post widmen wir uns den Marienwundern: Sowohl Marienerscheinungen als auch durch die biblische Jungfrau gewirkte Wunder werden von Katholiken immer wieder als Beweis für die Wahrheit der katholischen Lehre und die Existenz Gottes angeführt.

Die Alltagswunder

Ein Großteil der kolportierten Wunder gleicht dem hier (Edit: Die Betreiberin hat den Post offenbar gelöscht) beschriebenen: Eine Dame geht mit ihrem Hund spazieren. Und dann der Schreck: „Kurz bevor wir wieder vor dem Haus ankamen, in dem ich wohne, dachte ich: ‚Wo ist mein Schlüssel?'“ Die Frau beginnt zu suchen und denkt sich „[V]ielleicht hab ich Gott sauer gemacht, weil ich vorab drüber nachgedacht hab, ob man Gott sauer machen kann und wie stinkig ich noch bin, wegen der ein oder anderen Situation in meinem Leben.“ Sie sucht hier, sie schaut dort, sie bittet ihren Gott um Hilfe, und dann fällt es ihr wieder ein: „Ich rannte nach oben. Tatsächlich. Der Schlüssel steckte. Außen an der Tür. Weil ich vorher einkaufen war und ihn nicht gleich wie immer innen eingesteckt habe, weil ich wusste, ich will gleich wieder raus.“ Die Schilderung schließt mit den Worten: „So schenkt das Leben uns Wunder immer und immer wieder und Zeichen. Manchmal dürfen wir – ich – sie beachten bevor wir leicht panisch losrennen“ und „Wunder und Zeichen gibt es. Hilfe ist da.“

Kurz: Eine Person verliert einen Gegenstand, findet den Gegenstand wieder und schließt „Das muss ein Wunder gewesen sein!“ – Erstaunlich ist daran nicht so sehr das angebliche Wunder, sondern dass viele Religionisten diesen naiven Unsinn offenbar erst nehmen. Verloren/gefunden, also eine vollkommen alltägliche Situation, soll von göttlichem Einfluss zeugen? Von einem Beweis kann man hier wohl kaum sprechen.

Die wundersame Heilung der Ordensschwester Marie

Weiter zu einem typischen Heilungswunder. Marie Simon-Pierre ist Mitglied des katholischen Ordens „Kleine Schwestern der Katholischen Mütterschaft“. Sie litt an Lähmungserscheinungen der linken Hand und des linken Beins, die ein Arzt offenbar als Symptome der Parkinson’schen Krankheit diagnostizierte. „Litt“? Ja, litt – Denn als bekannt wurde, dass der von den Kleinen Schwestern hochverehrte Johannes Paul II. selig gesprochen werden sollte und man auf der Suche nach einem Wunder sei, das diesen Schritt rechtfertigen würde, begannen die Schwestern ganz doll zu dem verstorbenen Papst zu beten. Und siehe da: Die Lähmung verschwand, herbei gerufene Ärzte fanden keine Spuren einer Parkinson-Erkrankung. Der Vatikan „bestätigte“ das Wunder, Johannes Paul konnte selig gesprochen werden.

Die einfachste Erklärung ist hier natürlich kein vollbrachtes Wunder, sondern eine schlichte Fehldiagnose: Der französische Provinzarzt kann psychosomatisch bedingte Lähmungen durchaus ehrlich für Parkinson gehalten haben. Natürlich finden die nach der „Heilung“ herbei gerufenen Ärzte dann keine Spuren der Krankheit. Möglicherweise haben die begeisterten Schwestern ja auch etwas geschummelt, um ihrem Idol zum „verdienten“ Seligen-Status zu verhelfen.

Völlig wunderfreie Erklärungsansätze gibt es also genug. Ist damit komplett ausgeschlossen, dass es sich um ein göttlichen Eingriff handelt? Nein – Es ist aber eben auch nicht bewiesen.

Zu den immer mal wieder kolportierten Gesundungswundern stellt sich die Frage, warum Jahwe offenbar nie Amputierte heilt? Über Nacht einen neuen Arm wachsen zu lassen, das sollte doch für ein allmächtiges, allgütiges Wesen ebenso einfach machbar sein wie das Heilen von Parkinson. Oder ist das Problem hier ganz profan, dass bei fehlenden Gliedmaßen wohl kaum eine Fehldiagnose möglich ist?

„Der Doktor hat mir eine Pille gegeben und mir ist eine neue Niere gewachsen!“

Bei den Alltagswundern und den Heilungswundern findet sich immer dasselbe Muster: Je näher man hinschaut, umso weniger bleibt vom übernatürlichen und unerklärbaren Phänomen übrig. Und auch, wenn sich nicht immer sofort eine Erklärung findet, heißt das ja noch lange nicht, dass es auch keine gibt. Die Aussage „Ich kann mir keine andere Erklärung vorstellen, es muss ein Wunder sein“ ist ein klassischer Fall der Argumentation mit dem Unwissen, eines bei Religionisten beliebten Fehlers.

Doch selbst, falls sich irgendwann wirklich übernatürliche Phänomene nachweisen lassen sollten:  Der Sprung von dort zu „Das war Jahwe, der Gott der Bibel“ ist – wie bereits anderswo beschrieben – willkürlich und kaum begründbar. Fragt man hier nach, wieso für die Religionisten nicht genauso das Spaghettimonster, Gottvater Jupiter oder Erich von Dänikens technisch überlegende Außerirdische als Verursacher der Wunder infrage kommen, hört man oft die eher unbefriedigende Antwort „Das steht in der Bibel, an deren Wahrheit glaube ich ganz fest.“

Wer „Ein Wunder! Ein Wunder!“ schreit, muss das auch belegen

Fazit: Entweder gibt es Wunder oder es gibt sie nicht. Die Personen, die die Existenz von solch außergewöhnlichen Phänomenen behaupten, müssen dafür auch Belege liefern – was für Wunder bislang nie gelungen ist. Alltäglichkeiten wie das „Schlüsselwunder“ kann man dabei wohl getrost vernachlässigen. Aber selbst wenn tatsächlich ab und an die Naturgesetze auf Bitte einzelner Menschen ausgesetzt werden sollten (Wie gesagt: null Belege!) – der gedankliche Sprung zu „Jahwe war’s!“ im Gegensatz zu „Shiva war’s!“ oder „Außerirdische waren’s!“ ist komplett willkürlich und nicht gerechtfertigt.

  • Schlüssel verloren, Schlüssel wiedergefunden: „Ein Wunder! Ein Wunder!“ (Blogpost)
  • Brille verloren, Brille wiedergefunden: „Ein Wunder! Ein Wunder!“ (Web)
  • Die Heilung der Marie Simon-Pierre: „Ein Wunder! Ein Wunder!“ (Wikipedia)
  • Die SZ zu Spontanheilungen – ganz ohne Wunder (Web)
  • Auch Ex-Papst Benedikt kann Heilungswunder (Web)
  • Eine gute Frage: „Why won’t god heal amputees?“ (Web)
  • Wunder gesichtet? Melden Sie sich bei der GWUP (gwup.net)

Der 747-Beweis für die Existenz Gottes

In ihrer unendlichen Weisheit verbreiten Kreationisten den folgenden Gottesbeweis: „Die Evolution kann nicht real sein, denn Menschen und Tiere können unmöglich zufällig entstanden sein. Wenn sich komplexe Lebewesen zufällig aus einfachen Bausteinen gebildet hätten, dann wäre das so, als ob ein Sturm über einen Schrottplatz fegt und dabei aus dem Metallschrott zufällig eine Boeing 747 zusammen setzt. Es ist egal, wie viel Zeit dabei verstreicht – auch ein über Millionen von Jahren währender Sturm wird keinen Jumbojet aus einzelnen Schrauben zusammen setzen können. Das ist völlig undenkbar. Bei der Entstehung der Menschen und Tiere muss daher eine Intelligenz steuernd eingegriffen haben. Diese Intelligenz ist Jahwe, der daher existieren muss. Voilá!“

An dieser Argumentation sind verschiedene Punkte falsch. Zuerst mal ist Evolution nicht wie in der Analogie beschrieben ein zufälliges Durcheinanderwürfeln, sondern findet durch natürliche, sexuelle und (seit Bestehen der Ackerbaukulturen) auch künstliche Auslese von Individuen mit kleinen genetischen Variationen statt.  Populationen passen sich im Laufe vieler Generationen an ihre Umwelt an; die Umwelt wandelt sich, die Merkmale der Populationen wandeln sich mit. Haben komplexe Lebensformen in einer bestimmten Umwelt einen Überlebens- und Fortpflanzungvorteil, stehen die Chancen gut, dass sie sich im Laufe der Generationen gegen einfachere Wesen durchsetzen.

„Evolution ist ja bloß eine Theorie!“ – „Gravitation auch. Also schweb ab!“

Der Standardeinwand, das sei ja alles bloß Theorie und nie wirklich beobachtet worden, stimmt nicht: Um die kaum übersehbaren Unterschiede zwischen Hunderassen wie Chihuahuas, Pudeln und Dalmatinern entstehen zu lassen, haben die Mechanismen einer künstlichen Auslese von Tieren mit gewünschten genetischen Variationen (sprich: Züchtung) und wenige tausend Jahre Zeit ausgereicht. Als Gegenargument hört man oft, dass dies etwas völlig anderes sei, da Wölfe den verschiedenen Hunderassen „ähnlich“ seien und zudem nicht ausgestorben. Die Zielrichtung dieses Argumentes bleibt unklar: Die heutigen Menschen, Menschenaffen und Neandertaler sind sich auch „ähnlich“, ebenso Äpfel und Birnen als „apfelartige Rosengewächse“. Trotzdem ist es angeblich „undenkbar“, dass sie durch Evolution entstanden seien. Und wieso soll es im Rahmen der genetischen Vererbung eine Rolle spielen, ob eine Spezies ausgestorben ist oder nicht? Gehen die Religionisten davon aus, dass laut Evolutionstheorie bestimmte Merkmale jeweils nur einer Spezies gehören können, so wie ein Erbstück in einer Familie erst weitergereicht wird, wenn der bisherige Besitzer stirbt?

Aber selbst wenn man voraussetzt, dass die Gesetze der Evolution nicht vorhanden oder irgendwie missverstanden worden seien: Der Sprung von „Eine Intelligenz hat steuernd eingegriffen“ zu „Das war Jahwe, der Gott der Bibel“ ist unglaublich weit. Fragt man hier nach, wieso für die Religionisten nicht genauso Lord Krishna, das Spaghettimonster oder Erich von Dänikens technisch überlegende Außerirdische infrage kommen, hört man oft die eher unbefriedigende Antwort „Das steht in der Bibel, an deren Wahrheit glaube ich ganz fest.“ Von der versprochenen, zwingenden Logik des Gottesbeweises ist spätestens jetzt nichts mehr übrig.

Das anthropische Prinzip: Der Jumbo steht nun mal da

Als dritter Punkt (um in der windschiefen Analogie zu bleiben): Der Sturm ist vorbei, das Flugzeug steht nun mal auf den Schrottplatz. Auch wenn es „undenkbar“ erscheint, da steht es in seiner vollen Schönheit. Nun kann man entweder versuchen dieses Rätsel zu ergründen und die Ursachen und Umstände seines Erscheinen zu verstehen. Oder man streckt sofort die Waffen und argumentiert aus dem Unwissen, sagt also „Mir fällt gerade keine Erklärung ein, daher kann es auch keine geben. Das Phänomen muss eine übernatürliche Ursache haben.“ Ebenso wie Blitz und Donner, Dürre und Regen, Krankheiten, das tägliche Aufgehen der Sonne – alles bekanntermaßen verursacht und kontrolliert von Göttern. Jaja.

Gerade Religionisten wundern sich immer wieder, dass Menschen und Umwelt so gut zueinander passen und wie unwahrscheinlich es doch sei, dass die Menschen genau so sind, wie sie eben sind. Hier schlägt das anthropische Prinzip zu: Bei der Bewertung einer Beobachtung (wie den Eigenschaften der Welt oder der Menschen) muss die Existenz der Beobachter mit einbezogen werden. Gäbe es auf der Erde kein flüssiges Wasser, gäbe es auch uns nicht und wir würden uns nicht über unsere (Nicht-)Existenz wundern. Hätten wir anstatt von zehn Fingern vierunddreissig Tentakel, dann würden die Priester der Tentakelgötter predigen, wie arg unwahrscheinlich und außergewöhnlich das Entstehen solcher Lebensformen sei. Wären wir denkender Schleim in Kristallschalen: dito.

Douglas Adams‘ Pfützenparabel hatten wir bereits anderswo zitiert: Eines Morgens wacht eine intelligente Pfütze auf und wundert sich, wie arg unwahrscheinlich es ist, dass die Kuhle im Boden ausgerechnet eine Pfützenform hat. Ganz offensichtlich eine klare Botschaft der Pfützengötter.

Fazit: Die Menschen sind nicht durch zufälliges Durcheinanderwürfeln von Bauteilen entstanden. Die 747-Analogie funktioniert nicht. Die heute bestehenden, komplexen Lebenwesen haben sich in sehr kleinen Schritten und in sehr langen Zeiträumen aus weniger komplexen Wesen gebildet. Dabei spielte vor allem die Überlebensfähigkeit in der jeweiligen Umwelt eine Rolle – Wäre unsere Umwelt anders, wären wir auch anders. Und selbst wenn sich die Evolutionstheorie eines Tages als falsch heraus stellen sollte: Ein Beleg für die Wahrheit irgendwelcher religiösen Vorstellungen wäre das noch lange nicht.

„… als ob ein Wirbelsturm über einen Schrottplatz fegen würde … „

Oft glauben die Leserinnen und Leser nicht, dass Religionisten solch absurd klingenden Argumente wirklich einsetzen. Darum hier ein paar Beispiele:

  • „… die Wahrscheinlichkeit, dass der Mensch eine zufällige Laune der Natur ist, ist so hoch als ob ein Wirbelsturm über einen Schrottplatz fegen würde und die Schrottteile zu einer startbereiten Boeing 747 zusammenfügen würde … “ (Zeit online)
  • „Wir alle sind Beweise dafür DAS Gott existiert. … dass eine einzige Menschliche Zelle aus Zufall entstanden könnte so unwahrscheinlich ist wie wenn auf einem Schrottplatz ein Wirbelsturm kommt und den ganzen Schrott zusammenwirbelt und daraus eine Boeing 747 entsteht dann muss man doch zum Vernunft kommen“ (Allmystery.de)
  • „… , dass das zufällige Entstehen einer einzigen menschlichen Zelle dem Entstehen einer Boeing 747 durch einen über einen Schrottplatz wehenden Wirbelwind gleicht, durch den sich die Schrottteile zu einem abflugbereiten, hochmodernen Jumbo – Jet zusammenmontieren. Ist das möglich??? Kein vernünftiger Mensch würde eine solch irrationale Aussage jemals akzeptieren.“ (Blog Wahre Religion)
  • „… auf einem Schrottplatz lägen alle Einzelteile für eine Boing 747 und es fegte ein Tornado darüber, dann würde mit derselben Wahrscheinlichkeit hinterher ein Flugzeug dastehen, das startbereit ist . Das Ereignis ist so zu vernachlässigen, dass sich auch nichts daran ändert, wenn das ganze Universum voller Schrottplätze wäre!“ (Glauben Leben)
  • „… Und diese Flugzeug stand dort einfach herum … Mit allem drum und dran: Flügel, Motor und alles was dazu gehört … Schließlich glaubst du auch an denErbauer” des Flugzeuges ohne ihn gesehen zu haben … Was ich dir damit sagen will ist, dass du den Schöpfer des Universums nicht unbedingt sehen musst“ (Blog Dienerin Allahs)
  • „… Nämlich um die Frage, ob Du mir Folgendes glauben würdest: Ein Tornado fegt über einen Schrottplatz und hinterläßt aus den Schrottteilen eine Boeing 747. Wohl eher kaum. Und gerade das propagieren viele Wissenschaftler, und es glauben die Menschen, die Gott aus eben den Resultaten der Wissenschaft heraus verdammen.“ (Wer weiss was: Gott ist logisch)

Kann man kategorisch beweisen, dass es keinen Gott gibt?

Ab und an hört man die zweifelnde Frage „Kannst du denn kategorisch ausschließen, dass es einen Gott gibt? Ist das nicht doch möglich?“ Die Antwort dazu ist: Ich weiß nicht, ob man die Existenz eines Gottes generell ausschließen kann. Und zwar aus einem einfachen Grund: Es gibt keine konsistente Definition des Begriffes „Gott“, die irgendwie zu unserem Universum passt.

„Unser Gott ist unendliche Liebe!“ – Ach so?

Man kann in der Tat nicht beweisen, dass es keinerlei Gott gibt. Das liegt allerdings nicht an irgend welchen philosophischen Gründen, sondern schlicht daran, dass die Vertreter des Gottesglaubens die Definition ständig ändern. Das ist auch gar kein Wunder (no pun intended!), denn es gibt ja offensichtlich keine reale Entität, die von der Definition zutreffend beschrieben werden muss.

Will man z.B. einen Stuhl beschreiben, muss die Definition einigermaßen zu den möglichen Varianten des „Sitzmöbels für eine Person“ passen. Entfernt man sich zu weit davon, kommt irgendwann jemand, zeigt auf einen konkreten Stuhl und sagt „Was du beschreibst, ist kein Stuhl!“ – Redet man dagegen über eine reine Idee ohne jeden Anker in der realen Welt, lassen sich ihr natürlich beliebige Eigenschaften zuschreiben, die auch ständig wechseln können: „Mein Gott ist das Alpha und das Omega!“, „Mein Gott ist eine höhere Macht, er ist unendlich, unergründlich und unsichtbar!“,  „Mein Gott ist unendliche Liebe!“ – Was soll man denn mit solchen Definition anfangen?

Wenn man einer Entität aber keinerlei feste Eigenschaften zuschreibt, die sie irgendwie mit dem Universum in Beziehung setzen, dann lassen sich natürlich auch keine weiter gehende Aussagen zu ihr treffen – insbesondere auch nicht über die Möglichkeit oder Unmöglichkeit ihrer Existenz.

„Unser Gott ist das Alpha und das Omega!“ – Hatte ich mir gleich gedacht!

Um ein konkretes Glaubenssystem zu errichten, müssen die Priester ihren Gott allerdings mit ein paar Eigenschaften ausstatten: Warum man ihn überhaupt verehren sollte, was er den ganzen Tag so macht und wie sein Wille ist. Hieraus entsteht eine rudimentäre Definition, deren innere Logik und Plausibilität man gegen die Realität testen kann. Und jedes Mal, wenn man das tut, stellt sich heraus: Die Definition widerspricht sich selbst oder der Realität – die beschriebene Entität kann nicht existieren.

„Unser Gott ist allmächtig und allgütig!“ – Nein, das sicher nicht!

Jahwe, der Gott der Juden, Christen und Moslems z.B. existiert ganz sicher nicht: Er wird als allmächtiger Weltenschöpfer beschrieben, der jeden einzelnen Menschen liebt und unendlich gütig ist. Wenn man sich nun aber in der Welt umschaut, ist von einer allgütigen Macht absolut nichts zu sehen. Auch der argumentative Notausgang „Gott respektiert den freien Willen!!“ funktioniert bei näherer Betrachtung nicht: Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr fast 2.000 Kinder an Krebs. In den betroffenen Familien entsteht unendliches, reales Leid, das sich weder wegdefinieren noch irgendwie auf den freien Willen der Beteiligten zurück führen lässt. Nein, wenn man unbedingt an einem allmächtigen Gott festhalten will, dann interessiert er sich keinen Deut für die Menschen.

Die Priester flüchten sich an diesem Punkt meist in die Platitüde „Die Wege des Herrn sind unergründlich!“ – Auch das ergibt keinen Sinn: Entweder die „Wege des Herrn“ – also seine Motive und die Grundsätze seines Handelns – sind prinzipiell ergründlich oder unergründlich. Sind sie ergründlich, dann können wir sie betrachten und stellen schnell fest, dass die Behauptungen der Religionen unwahr sind: Gott ist offensichtlich nicht allgütig. Sind sie aber unergründlich, dann kennt niemand Gottes Motive und seinen Willen – insbesondere auch nicht die Priester. Da der offenbarte Wille die Grundlage jeder Religion ist, sind auch in diesem Fall die Religionisten im Unrecht.

Wie man es dreht und wendet, die Aussagen der Religionen sind falsch: Der Gott der Bibel passt nicht in unsere Welt.

Lässt sich zumindest die Allmacht „retten“?

Selbst wenn man die Eigenschaft „allgütig“ weg lässt: Auch sonst ist von den Aktivitäten eines (all)mächtigen Wesens verdächtig wenig zu sehen. Weder wachen wir morgens auf und finden über München einen sechs Kilometer hohen gotischen Bogen vor, noch stapfen die in der Bibel erwähnten Riesen durch die Straßen. Marienerscheinungen bleiben seit Jahrhunderten gelangweilten Teenager-Mädchen in abgelegenen Bergdörfern vorbehalten; Frankreich, Großbritannien und Neuseeland führen die Gleichberechtigung für Homosexuelle ein – Aber dort gibt es deutlich weniger Überflutungen als Ausdruck des Zorn Gottes als im christlich verkniffenen Deutschland. Ausnahme in Frankreich: Ausgerechnet Lourdes steht im Sommer 2013 tagelang komplett unter Wasser.

Fazit: Ich weiß nicht, ob es sich kategorisch ausschließen lässt, dass irgend eine Art von Gott existieren könnte – Und zwar deshalb, weil bislang nie jemand konsistent definieren konnte, was das eigentlich sein soll. Sobald eine Gottesvorstellung aber konkret wird, hat sie sich bis dato jedes Mal als falsch erwiesen.

Über Kampfbegriffe und Gottesbilder

Immer mal wieder stößt man auf Religionisten, die zwar unbedingt über ihren Glauben diskutieren wollen, aber die grundlegenden Begriffe nicht kennen. Hier hilft dann entweder ein weiterer Gin & Tonic oder eine Übersicht der wichtigsten Gottesvorstellungen:

Der Theismus ist der Glaube an die Existenz eines allmächtigen Gottes, der das Universum geschaffen hat und aktiv in das Geschehen eingreift. Der Gott der Theisten hat eine Persönlichkeit und verfügt über einen Willen, den er den Menschen durch Schriften oder Propheten offenbart. Viele Theisten glauben, dass der theistische Gott sie persönlich liebt und die Gedanken aller Menschen liest. Also können Gläubige zu ihm beten und ihn darum bitten, die Naturgesetze kurz zu ihren Gunsten auszusetzen und so Wunder geschehen zu lassen.

Gläubige Juden, Christen und Muslime sind Theisten, sie glauben an die Existenz des allmächtigen, allwissenden und allgütigen Jahwe.

Der Gott des Deismus unterscheidet sich vom theistischen Konzept in erster Linie dadurch, dass er sich den Menschen nicht durch Schriften oder Propheten offenbart hat und nicht in das Geschehen im Universum eingreift. Er hat also das Universum erschaffen und sich dann abgewandt. Auf Basis des Deismus lässt sich daher keine Religion gründen.

Der Deismus als philosophische Strömung entstand im 17. Jahrhundert, als klar wurde, dass sich der Theismus nicht sinnvoll rechtfertigen lässt. Da die Menschen damals aber noch keine klaren Vorstellungen von den Ursprüngen des Kosmos hatten, nahmen sie an, dass ein einmaliger Eingriff eines Schöpfergotts notwendig gewesen sein müsse.

Pantheismus ist die Gleichsetzung von Gott und Natur. Der Aufbau und die Struktur des Universums, seine Gesetze und Mechanismen werden von den Pantheisten als göttlich angesehen. Dieses Staunen über die Schönheit und die Ordnung des Universums verbirgt sich auch hinter dem Begriff „Spinozas Gott“ (nach Baruch de Spinoza, einem rationalistischen Philosophen), auf den sich z.B. Albert Einstein ab und an bezog. Mit dem persönlichen Schöpfergott der Theisten und Deisten hat die Gottesvorstellung des Pantheismus nicht mehr gemein als den Namen.

Da der Begriff „Gott“ im Pantheismus keine über den Begiff „Universum“ hinausgehenden Eigenschaften hat, kann man ihn ohne jeden Verlust einfach weglassen. Pantheismus ist lediglich ein um vage sprirituelle Vorstellungen aufgepeppter Atheismus.

Der Atheismus ist als A-Theismus streng genommen lediglich eine Ablehnung der Behauptungen der Theisten, also des Glaubens an einen persönlichen, in die Welt eingreifenden Schöpfergott. Atheisten sind nicht unbedingt sicher, dass es den Gott der Theisten nicht geben könne, sie glauben nur nicht an seine Existenz. Da sich die deistische Gottesvorstellung in wesentlichen Zügen nicht vom Theismus unterscheidet, glauben  Atheisten in der Regel auch die Behauptungen der Deisten nicht.

Viele Atheisten begründen ihren Nicht-Glauben mit ihrer skeptischen Weltsicht: Sie prüfen die Behauptungen der Religionisten kritisch und kommen zum Ergebnis, dass diese sich selbst widersprechen oder nicht in die Welt um uns herum passen. Andere Atheisten verstehen einfach nicht, was die ganze Aufregung soll und glauben ohne tiefere Beschäftigung mit dem Thema nicht an die Existenz von Schlümpfen, Einhörnern oder Göttern.

Im weiteren Rahmen werden auch Leute als Atheisten bezeichnet, die nicht an eine bestimmte Gottheit glauben. So sind etwa Hindus atheistisch gegenüber Jahwe, und Christen atheistisch gegenüber Vishnu, Zeus oder Thor.

Antitheismus geht weiter als Atheismus und ist die Überzeugung, dass es den theistischen Gott nachweislich nicht gibt oder sogar nicht geben kann. Antitheisten sind immer auch Atheisten – umgekehrt ist das nicht unbedingt so.

Fazit: Die Theisten und Deisten glauben an einen allmächtigen Schöpfergott, die Pantheisten und Atheisten nicht. Die Antitheisten behaupten darüber hinaus sogar zu wissen, dass ganz sicher kein Schöpfergott existiert.

Wenig Raum für Beinarbeit: Religionisten kämpfen um den AAA-Gott

Im letzten Blog-Post haben wir schlüssig gezeigt, dass die Vorstellung von einem allmächtigen, allwissenden und allgütigen (AAA-)Gott nicht mit der Welt, in der wir leben, kompatibel ist. Der Gott, wie er z.B. vom Christentum verehrt wird, kann also nicht existieren.

Das ist natürlich keine neue, ungewöhnliche oder irgendwie komplizierte Erkenntnis. Um ihr Konzept vom AAA-Gott doch noch irgendwie zu retten, haben sich die Religionisten daher eine Reihe von Argumenten ausgedacht (zusätzlich zu den rituellen Scheiterhaufen):

Abstreiten der Beobachtung: „Das stimmt ja alles gar nicht!!!“

Möglichkeit 1: Die Beobachtung abstreiten – Hier wird irgendwie versucht, schreckliche Dinge wie Krebs wegzudefinieren. Diese Dinge stoßen uns nicht wirklich zu, das erscheint uns nur so. Meist geht das dann so:

  • „Gott hat uns aus Grund X den freien Willen gegeben – wir können uns dazu entscheiden, Böses zu tun!“: Das kommt häufig, geht aber komplett am Thema vorbei: Babies entscheiden sich weder dafür Krebs zu bekommen, noch fügt ihnen irgend jemand die Krankheit willentlich zu.
  • „Gott bestraft euch für all eure Sünden!“: Welche schrecklichen „Sünden“ sollen das aus christlicher Sicht denn sein, die ein kleines Kind begangen haben soll? Dem Bruder den Lollie weg genommen? Den übergriffigen Priester bei den Eltern verpetzt? Oder waren es vielleicht die Eltern, die gesündigt haben, und nun durch ultrakrasses Leid bestraft werden sollen? – Egal! Ein Gott, der so handelt, kann auf keinen Fall allgütig sein!
  • „Das Böse existiert nicht wirklich, das ist die von euch verschuldete Abwesenheit Gottes!“: Die Argumentierenden gehen irgendwie davon aus, dass ihr Gott sich in den Schmollwinkel zurück gezogen habe, weil z.B. Frauen wählen und Auto fahren dürfen, und Homosexuelle in der Gesellschaft oft akzeptiert werden. Diese Variante des „Gott bestraft euch für eure Sünden!“ wird in letzter Zeit häufiger von evangelikalen Christen vorgebracht.
  • „Gott ist nicht schuld, das hat der Teufel gemacht!“: Und wer hat den Teufel geschaffen, sieht in seiner Allwissenheit all seine Taten und kann ihn mit seiner Allmacht jederzeit zur Räson bringen? – „Gott natürlich!“ – Der tut das aber nicht, ist also offensichtlich nicht allgütig! – „Hm.“
  • „Gott liebt uns und will uns prüfen!“: Hierzu muss man eigentlich wenig sagen – Mich macht immer wieder völlig ratlos, wie jemand so dermaßen zynisch argumentieren kann. Nur um irgendwie recht zu behalten, werden Eltern mit solchen Sätzen konfrontiert! – Natürlich gilt auch hier: Ein allmächtiger und allwissender Gott, der so handelt, ist extrem unmoralisch, und kann daher nicht allgütig sein.

Zusammengefasst kann man sagen: Die Ansätze, die Existenz des Bösen weg zu definieren, scheitern alle und sind verzweifelte Versuche, das Gott-Konzept gegen jeden gesunden Menschenverstand irgendwie zu halten.

Verleugnen der Folgerichtigkeit: „Dich hat doch der Teufel geschickt!!!“

Möglichkeit 2: Die Korrektheit der Argumentation abstreiten – Hier wird dann gern vage behauptet, der oben beschriebene Gedankengang sei auf nicht näher zu benennende Weise falsch. Dazu werden dann auch meist der Teufel oder Dämonen heran gekarrt: „Deine Argumentation ist so verbogen, so pervers! Ich kann mir schon denken, wer dir diese Gedanken eingegeben hat! Schäm dich!“ – Siehe oben: Gott hat nach christlicher Tradition den Teufel geschaffen, und da er allmächtig und allwissend ist, hat er auch die Verantwortung für dessen Taten.

Oft  werden  auch verbale Blendgranaten gezündet, gern in der Form einer Argumentation mit Autoritäten: „Schon der heilige Thomas Aquinus sagte dazu … bla bla, freier Wille, bla bla, Dämonen, bla bla …“ – Hierdurch geht der Argumentierende durch das Herbeikarren von Autoritäten der lästigen Pflicht aus dem Weg, inhaltliche Argumente für seine These vortragen zu müssen. Ist ja auch blöd, wenn man keine hat.

Fazit: Der Bibel-Gott kann nicht existieren

Wie man es auch dreht und wendet: Kein Wesen kann zugleich allmächtig, allwissend und allgütig sein. Die Definition widerspricht der realen Welt. Man kann also mit Sicherheit sagen: So ein Gott existiert nicht.

„Gott ist allmächtig, allwissend und allgütig!“ – Nope, dieser Gott existiert nicht!

Die meisten Religionisten behaupten, dass ihre Gottheit allmächtig, allwissend und allgütig sei. So ein Gott kann nicht existieren.

Um zu zeigen, dass dieser allmächtige, allwissende und allgütige (kurz: AAA-)Gott und die um uns herum bestehende Welt inkompatibel sind, betrachten wir folgende, ausgesprochen unerfreuliche Tatsache: Allein in Deutschland bekommen jedes Jahr ca. 1.800 kleine Kinder Krebs. Hierdurch entsteht in vielen Familien und deren Umfeld unendliches, reales, krasses Leid, das sich auch nicht irgendwie wegdefinieren lässt. Es ist nun an den Religionisten zu erklären, wie dieser Fakt in ihr AAA-Gott-Weltbild passt. Die Antwort ist: gar nicht!

Allgütig und allwissend? – Dann nicht allmächtig!

Nehmen wir für’s Erste an, der Gott sei allgütig und allwissend. Dann will er also immer und überall nur Gutes tun und sieht außerdem alles, was in der Welt vor sich geht. Trotzdem verhindert er nicht, dass die Kinder krank werden. Er kann ihnen offenbar nicht helfen. Wenn man also einem Gott also die Attribute allgütig und allwissend zuschreibt, kann er nicht zugleich allmächtig sein.

Allmächtig und allgütig? – Dann nicht allwissend!

Alternativ können wir auch annehmen, dass der Gott allmächtig und allgütig sei: er kann und will also helfen. Trotzdem, die Kinder werden immer noch krank. Die Attribute allmächtig und allgütig sind nur zu retten, wenn man den Gott nicht auch noch als allwissend beschreibt: Dann wäre er zwar grundsätzlich willens und fähig zu helfen, bemerkt aber die kranken Kinder nicht.

Allmächtig und allwissend? – Dann nicht allgütig!

Bleibt als dritte Möglichkeit anzunehmen, dass der Gott allmächtig und allwissend sei. Er sieht also, was vor sich geht, und könnte auch helfen, tut das aber nicht. Dann ist der Gott nicht allgütig, sondern im Gegenteil sehr, sehr unmoralisch. Ein Mensch, der ein Kind ohne zu helfen einfach sterben liesse, würde als Monster angesehen. Auch von dieser Seite ist der AAA-Gott ganz offensichtlich nicht zu retten.

Gäbe es den AAA-Gott, sähe die Welt anders aus!

Es wird also klar, dass die Welt um uns völlig anders aussehen müsste, wenn ein allmächtiges, allwissendes und allgütiges Wesen existierte: Insbesondere gäbe es dann all das Leid kranker Kinder nicht.

Das bedeutet natürlich nicht, dass nicht irgendwo im Universum irgend eine Form eines oder mehrerer „höherer Wesen“ existieren könnte. Aber die wichtigsten Eigenschaften des in der Bibel beschriebenen Gottes, also Jahwe, widersprechen den faktischen Eigenschaften der Welt. Den Bibelgott der Juden, Christen und Muslime kann es daher nicht geben.

Natürlich haben die (reflektierteren) Religionisten das Problem auch bemerkt, die Theologen nennen es vornehm das „Theodizee-Problem“. Im Laufe der letzten 1.600 Jahre wurden wahrsinnig komplexe Theoriegebilde gebaut um irgendwie um die Frage herum zu kommen „Wenn Gott allmächtig, allwissend und allgütig ist, wieso passieren dann so viele schreckliche Dinge? Wieso verhindert er das nicht?“ – Dabei ist die Antwort hierzu sehr einfach: „Euer Gott verhindert diese Dinge nicht, weil er nicht existiert. Er kann nicht existieren.“