MGEN 131: Die Unterscheidung der Geister

Manchmal denkt man einfach so vor sich hin und hat eine Idee, stimmt’s? „Nein“ sagt der Papst und mit ihm die katholischen Bischöfe und der Jesuiten-Orden. Ideen können zwar von der denkenden Person selbst stammen, aber genauso gut von Gott — oder dem Teufel. Um auszuschließen, dass der böse Geist Entscheidungen von Papst und Bischöfen beeinflusst, hat der Jesuiten-Orden ein todsicheres Verfahren zur Gedankenanalyse entwickelt: Die „Unterscheidung der Geister“.

Oliver hat sich durch seitenweise theologisches Geschwafel gewühlt, stellt uns das Jesuiten-Verfahren vor und findet Beispiele für seine Anwendung. Es stellt sich heraus: Ja, die Kirchenfürsten glauben wirklich, dass ihre Ideen und Gedanken von Gott und Teufel stammen, und treffen Entscheidungen zur Zukunft der Kirche und ihres Riesenvermögens auf Basis der „Unterscheidung der Geister“.

MGEN-Youtube-Titeltafel-Folge-131Fragen oder Anmerkungen, Themenvorschläge oder Beschimpfungen bitte unter diesem Artikel in den Kommentaren hinterlassen oder an mgenblog@gmx.de. Falls ihr mögt, bewertet uns bei Apple Podcasts oder bei Spotify.

Werbung

13 Gedanken zu „MGEN 131: Die Unterscheidung der Geister

  1. Dieses Verfahren von Loyola die eigenen Gedanken oder Ideen zu bewerten erscheinen heute tatsächlich plump und sehr basic, also grundlegend.
    Mich erinnert es an das Buch von Norbert Elias „Über den Prozess der Zivilisation“.
    Darin geht es u.a. um „eine zunehmende Selbstkontrolle (auch: Affektkontrolle, Selbstdisziplin), das heißt, zwischen spontanem emotionalem Impuls und tatsächlicher Handlung tritt immer mehr ein Zurückhalten dieses Impulses und ein Überdenken der (Rück)Wirkungen des eigenen Handelns.“
    Ich will Loyola jetzt nicht zu einem Akteur der Zivilisierung erklären, sondern möchte eher behaupten, dass er als Kind seiner Zeit Möglichkeiten der Affektkontrolle formuliert hat.

    Gefällt 1 Person

    • Hey, danke für deinen Kommentar. Mich wundert nicht so sehr, dass Loyola vor Jahrhunderten aus seiner beschränkten Weltsicht heraus Überlegungen angestellt hat, wie man teuflische von göttlichen Einflüssen trennen kann — erstaunlich ist für mich eher, dass der Papst und sein Klerus offenbar bis heute auf dieser Basis fundamentale Entscheidungen treffen. Aber Till hatte schon Recht: Wenn man wirklich glaubt, dass Gott und Teufel in der Welt aktiv sind und eine Art Stellvertreterkrieg um die Kirche führen, dann ist die „Unterscheidung der Geister“ wohl nur konsequent.

      Gefällt 1 Person

  2. Ja, ich denke, dass Loyola ein Kind seiner Zeit war, nicht fortschrittlicher oder reifer in seiner Entscheidungsfindungsmethoden. Aber vermutlich auch nicht dümmer oder unfähiger.
    Ich teile dein Erstaunen darüber, dass man diesen Quark heute noch als vorbildlich empfindet.
    Es ist ungefähr so, als wenn die astronomischen Kenntnisse der Jesuiten aus dem 17Jhd., die damals auf der Höhe ihrer Zeit waren, heute noch als maßgebend betrachtet würden.

    Gefällt 1 Person

  3. Bis ca. Minute 10:
    Prüft die Geister, genau! Als Christ habe ich mich entschieden Jesus Christus zu folgen. Das gefällt dem Widersacher nicht und darum versucht er uns vom Weg abzubringen. Wunderbarerweise habt ihr schon ein sehr gutes Zitat aus der Bibel von Johannes gebracht worin die Gefahr der Irreführung bewusst gemacht wird, 1.Johannes 4,1

    Gefällt 1 Person

    • „Die Gedanken kommen von Gott, vom Teufel .. “

      Welch ein haarsträubender Unsinn. Es gibt weder Götter noch Teufel.
      Dieser Stumpfsinn dient religiös verklärten Menschen lediglich dazu, die Schuld für derlei „teuflische“ Gedanken ganz bequem von sich zu weisen.. Dieses Verhalten ist durch und durch Ekelhaft und typisch für Religiöse.

      Sehen wir ja derzeit sehr gut an den Missbrauchsfällen – es wird versucht, den Opfern die Schuld zu geben: Das Kind hat den Priester verführt / der Bub ist doch eh Schwul, das schadet ihm ja nichts – im Gegenteil, er wollte es so, ein / Ich (erwachsener Priester) habe meine Hand in der Hose des Kindes gehabt, aber ich war nicht dran schuld .. der Teufel hat meine Hand geführt usw. oder es wird versucht, die Schuld auf andere zu übertragen (Die Hippi-Generation und ihre sexuelle Freiheit ist dran schuld) usw. oder es wird (wie so oft) so getan, als habe man davon „nichts gewusst“.

      Es läuft aber immer auf das eine hinaus:
      Schuld waren/sind immer die anderen aber nie der Klerus und schon gar nicht die Kirche.

      Religiöse sind ekelhaft, widerwärtig und verachtenswert.

      Gefällt 1 Person

  4. Absurd….
    Das ist das Erste was mir dabei einfällt.
    Ich bin davon überzeugt das ein Arzt bei solchen Aussagen, ohne dieses christliche Geschwurbel, dringend zu starken Psychopharmaka raten würde!

    Gefällt 2 Personen

  5. Im Prinzip nur: Was ist das beste für mich und
    Was schadet meiner Umgebung am wenigsten.
    Der Gedanke an Götter, andere Geister, Teufel und Dämonen kommt mir nicht einmal im Traum.
    Dazu muss ich erst Deine Beiträge lesen, lieber Andreas

    Gefällt 2 Personen

  6. Durch Unterscheidung der Geister habe ich festgestellt, dass Homosexuelle heiraten dürfen, dass Frauen, Viri Probati und auch Homosexuelle Priester werden dürfen, dass Atheisten und Anhänger jeder Religion in den Himmel kommen können (je nach Verhalten, nicht nach Glauben) und dass Laien die Messe halten und Beichten abnehmen dürfen.
    Was bei der Unterscheidung der Geister herauskommt – d.h. was die „Wahrheit Gottes“ ist! – ist also subjektiv und kann von keinem einzelnen Gott stammen.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..