MGEN-Podcast 77: Mittwinter oder Weihnachten?

Die gute Nachricht: Das Jahr 2020 ist fast um. Aber eine gemeinsame Herausforderung bleibt noch: Weihnachten. Viele Atheist:innen wollen feiern, manche müssen feiern, andere wollen nicht feiern, einige wollen, dass niemand feiert. Die Kirche verkündet, dass sie die Feiertage erfunden habe, und einzelne Christ:innen großmäulern, dass jüdische, muslimische und atheistische Menschen gefälligst an Weihnachten arbeiten gehen sollten.

Oliver hat sich angeschaut, wie das Lichterfest am Mittwinter ausgehend von einem Fehler im Kalendersystem über die Jahrhunderte zum heute bekannten Weihnachten wurde – und zeigt anhand von germanischen Bräuchen Wege auf, ein winterliches Familienfest ganz ohne Kirche und Christentum zu feiern.

Fragen oder Anmerkungen, Themenvorschläge oder Beschimpfungen bitte unter diesem Artikel in den Kommentaren hinterlassen oder an mgenblog@gmx.de. Falls ihr mögt, bewertet uns bei Apple Podcasts.

14 Gedanken zu „MGEN-Podcast 77: Mittwinter oder Weihnachten?

  1. Eine tolle Begrüßung wieder einmal.

    Mal offtopic, bitte nicht als Beleidigung verstehen:

    Trotz das es das Wesen eines Podcasts ist, dass man euch drei nicht vor Augen hat, kommt man ja nicht umhin, sich irgendetwas visuelles vorzustellen.

    Seit einiger Zeit, wenn ich den Podcast höre, stelle ich mir (oder stellt sich mein Gehirn sich) komischerweise immer vor, wie Pittiplatsch, Schnatterinchen und Moppi, bekannt aus dem Sandmännchen, zusammen sitzen und sich über Religion unterhalten.
    Vor allem durch die Stimmfarbe definiert, ist dabei Till der eher quietschige Pittiplatsch, Martina ist Schnatterinchen und Oliver der basslastige (und etwas zynische) Moppi.

    Wie gesagt bitte nicht böse nehmen. Sonstige Parallelen bestehen natürlich nur in den besten Charaktereigenschaften 🙂
    Ich hab mich nur gefragt ob es anderen Hörer:innen ähnlich geht (also ob sie sich auch beim hören irgendetwas bildlich vorstellen)?

    In dem Sinne ein frohes Julfest

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  2. Zum Kalender noch 2-3 Schnipsel:

    Das Oktoberfest, welches im September stattfindet – zumindest startet es da und reicht nur wenig in den Oktober rein – ist nicht vor der Kalenderreform gegründet worden, sondern Jahrzehnte nach der Gründung vorverlegt worden, wegen des besseren Wetters im September, aber die Oktoberrevolution vom 7. Nov. 1917 geht darauf zurück, dass die Russen die gregorianische Kalenderreform nicht mitgemacht hatten.

    Die Position von Heiligabend ist auch interessant in Bezug auf den jüdischen Ritus der Vorhautverstümmelung, der 8 Tage nach der Geburt vorzunehmen ist. 24 + 8 = 32; da es einen 32. Dezember nicht gibt, fällt der Tag so ganz ungezwungen auf Neujahr. Ein Hinweis darauf, dass das Christentum eigentlich ein Judentum ist, das mit den römischen Sitten kompatibel gemacht wurde: Schweinefleisch darf gegessen werden, Sonntag als Feiertag der Woche, Beschneidung ist nicht obligatorisch u.v.m. Im christlichen Kalender spielt die Beschneidung eine untergeordnete Rolle. Es gibt eine kl. Erwähnung in der Bibel (Lukas 2).

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  3. Hallo Leute,
    wenn man über eine Folge meckert, weil man sie daneben findet (Antisemitismus in der Sprache), muss man euch auch für eine besonders gelungene Folge loben.
    Deshalb jetzt: Dickes Lob für die gut aufbereitete Info über die Wintersonnwende, Weihnachten und die Kalenderentwicklung.
    Dazu noch einige Zusatzinformationen:
    Das römische Jahr begann mit kalendae martiis (1. März) und endete mit pridie kalendae martiis (28./29. Februar). Seit 153 v.u.Z. begann die Amtszeit der Magistrate (also das Amtsjahr) mit kalendae januariis (1. Januar) und endete mit pridie kalendae januariis (31. Dezember). Aber das Jahr wurde immer noch ab 1. März gezählt.
    Erst Caesar verlegte im Zuge seiner Kalenderreform 46 v.u.Z. den Beginn des Jahres auf den Beginn des Amtsjahres. Kalendae war übrigens das einzige Wort im Lateinischen, wofür die Römer den Buchstaben K benutzten. Es kommt aus dem Griechischen und bedeutet dort „ausrufen, verkünden“. Jeder kalendae (Monatserste) wurde vom Pontifex Maximus (ursprünglich der oberste Wächter des römischen Götterkults, späterer Titel der Päpste) festgestellt und verkündet. Weil das nicht so klappte, wie es sollte, sah sich Gaius Iulius zu seiner Kalenderreform genötigt, die dann immerhin bis 1582 Bestand hatte, als Gregor XIII die Tage vom 5. bis 14. Oktober wegfallen ließ, weil sich inzwischen zu viele Schalttage angesammelt hatten.Seitdem wird nach der bekannten Schaltjahresregel verfahren. Die stimmt aber auch nur bis kurz nach 4300 u.Z. Wann es soweit ist, läßt sich heute noch nicht sagen, weil die Länge des Tropischen Jahres nicht konstant ist und der Zeitpunkt deshlb nicht genau im Voraus berechnet werden kann.

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  4. Bevor ich mir den Podcast anhöre, eine kleine Anmerkung zu eurem Einleitungstext. Der erste Absatz lautet wie folgt:

    „Die gute Nachricht: Das Jahr 2020 ist fast um. Aber eine gemeinsame Herausforderung bleibt noch: Weihnachten. Viele Atheist:innen wollen feiern, manche müssen feiern, andere wollen nicht feiern, einige wollen, dass niemand feiert. Die Kirche verkündet, dass sie die Feiertage erfunden habe, und einzelne Christen großmäulern, dass Nicht-Christen wie Juden, Muslime und Atheisten gefälligst an Weihnachten arbeiten gehen sollten.“

    Wenn schon „Atheist:innen“, dann bitte den ganzen Absatz gendern:

    „Die gute Nachricht: Das Jahr 2020 ist fast um. Aber eine gemeinsame Herausforderung bleibt noch: Weihnachten. Viele Atheist:innen wollen feiern, manche müssen feiern, andere wollen nicht feiern, einige wollen, dass niemand feiert. Die Kirche verkündet, dass sie die Feiertage erfunden habe, und einzelne Christ:innen großmäulern, dass Nicht-Christ:innen wie Jüd:innen, Muslim:innen und Atheist:innen gefälligst an Weihnachten arbeiten gehen sollten.“

    Oder ihr lasst die frauendiskriminierende -in-Endung weg, wo die Bezeichnung keinen geschlechtsspezifischen Charakter hat. Es geht ja um „mitmeinen“ und das erreicht man nicht durch getrennt erwähnen. Vor allem vor dem Hintergrund der diversen Geschlechterempfindungen. Wir sollten uns da am Englischen ein Beispiel nehmen und nicht dem Beispiel folgen, wie es uns die Bibel schon vorträgt: Gott schuf dem Mann eine Männin als Gehilfin. Die Frau als Anhängsel des Mannes? Bitte nicht im Leben und nicht in der Sprache.

    So, und jetzt höre ich mir den Podcast an…

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      • Das ist nicht diskriminierungsfrei, sondern nur schwachsinnig.

        Wenn Frauen extra hervorgehoben werden, dann müssen auch Männer extra hervorgehoben werden. Männer sind bei „Atheisten“ nämlich nicht mehr mitgemeint als Frauen. Männer könnt Ihr aber leicht sichtbar machen, in dem Ihr schreibt: „Atheistinnen und männliche Atheisten“. Oder umgekehrt. Am besten jedesmal die Reihenfolge umkehren, damit niemand auf die Idee kommt, die Reihenfolge solle eine Bevorzugung ausdrücken.

        Oder einfach „Atheisten“ schreiben. Das Wort „Atheist“ ist zwar männlich, aber das Bezeichnete nicht. So wenig wie der Löffel männlich ist oder die Gabel weiblich.

        Die Rede vom mitgemeint sein, oft „nur mitgemeint“, soll die Fehlinterpretation stützen, dass es Haupt- und Nebengemeinte gäbe, was sich im Geschlecht ausdrückt. Das ist aber Quark. Auch Männer sind nur mitgemeint.

        Näheres zum Geschlecht in der dt. Sprache findet man bei belleslettes, „Der oder das Blog?“

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        • Absolute Zustimmung zu user unknown! Nur weil irgendwelche Reichsbedenkenträger/innen am liebsten „Liebe Gästinnen und Gäste“ formulieren möchten, bleibt das Ganze trotzdem eine unbeholfene Krücke. Unsere Sprache läßt sich wegen der geschlechtsspezifischen Endungen nun mal nicht so mir-nichts-dir-nichts gendern, ohne sich dabei die Unterhose mit der Beißzange anzuziehen.
          Falls das mal gelingen sollte, dann in einem jahrzehntelangen Gewöhnungsprozess. Also: Cool down, folks, cool down

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          • Ja. Dass es selbst unter einfleischten Genderern alle 1-2 Jahre irgendeine neue Mode gibt (nun also den Binnen-Doppelpunkt), zeigt doch auch eindeutig, wie unbrauchbar die ganzen Alternativen zum generischen Maskulinum letztlich sind.

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            • Ich habe neulich den Link zu einem EMMA-Artikel bekommen. Ein wichtiger Text, aber kaum noch zu entziffern. Da waren Gender-Varianten drin, die ich dreimal lesen musste, bis ich den Sinn verstanden habe. So macht Lesen keinen Spaß. Ich werde die nächsten zehn Jahre keine EMMA-Artikel mehr lesen. Meine Güte!

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          • Ja. Dass es selbst unter eingefleischten Genderern alle 1-2 irgendeine neune Mode (nun also den Binnen-Doppelpunkt) gibt, zeigt doch auch deutlich, wie unbrauchbar diese ganzen Alternativen zum generischen Maskulinum in der Praxis sind.

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  5. Pingback: Wintersonnenwende und Weihnachten | Religion und Gesellschaft

  6. Von Kalenderfragen und Genderdebatte abgelenkt, habe ich ganz vergessen meinen konstruktiven Beitrag zu verfassen – für Stammleser/-hörer sicher nicht neu – wie man Weihnachten säkular umbenennen kann. Ich nenne das Fest das Große Wintermarzipanfest. Marzipanbrot grenzt es vom großen Frühlingsmarzipanfest ab, wo Marzipaneier gereicht werden.

    Die Herkunft des Festnamens bedarf wohl sonst keiner weiteren Erläuterung. 😉

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  7. Super Folge, auch wenn ich sie leider erst etwas spät zu hören bekommen habe – ich habe mir auch schon mal überlegt, ob ich in meiner Abteilung zum Weihnachtsfest einen kurzen Vortrag über die Ursprünge des Festes halte – wenn ich es wirklich umsetze, werde ich Eure Podcastfolge noch einmal konsultieren!

    Was ich auch spannend finde (in Ergänzung zu Eurem Podcast), ist die Folge von Seth Andrews zum Thema: https://www.youtube.com/watch?v=k8NOWw7sj5A. Hier geht er u.a. auch auf ein paar Details der Bräuche in Bezug auf Odin ein…

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