MGEN-Podcast 59: Digitale Ethik

Martina hat sich Ideen zu einer spezifischen Ethik für das Digitale Zeitalter angeschaut, und zwar insbesondere anhand des Buches „Digitale Ethik: ein Wertesystem für das 21. Jahrhundert“ von Sarah Spiekermann.

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8 Gedanken zu „MGEN-Podcast 59: Digitale Ethik

  1. Ich muss jetzt mal das selbstfahrende Auto ein Stück weit vor Oliver verteidigen. Ich bin zwar grundsätzlich deiner Meinung, dass das vermutlich noch lange dauern wird, bis das wirklich in fast jeder Situation zuverlässig funktioniert und viele im öffentlichen Diskurs viel zu naiv sind, wenn sie behaupten, dass das jetzt unmittelbar vor der Tür stehen würd – aber besonders die Tesla-Autopiloten funktionieren in vielen Situationen schon recht gut und können im Prinzip schon in vielen Situationen autonom fahren. Insbesondere sind sie was Reaktionsschnelligkeit und Präzision angeht dem menschlichen Fahrer schon überlegen, es gibt auf YouTube zahlreiche Videos wo Teslas potentiell schwere Unfälle verhindert haben, noch bevor der Fahrer die Gefahr überhaupt bemerkt hatte. Das wie gesagt nur in speziellen Situationen wie auf der Autobahn, aber trotzdem. Der Vergleich mit dem Führerschein, den jeder noch so dumme Mensch bekommt, ist ein Bisschen unfair – ich wette mit dir, dass es heute schon möglich wäre, einen Tesla so zu programmieren, dass er eine Führerscheinprüfung besteht – natürlich hat man an ein solches System aber höhere Ansprüche als bloß das einmalige bestehen einer Führerscheinprüfung.
    Wie gesagt, bin grundsätzlich eh deiner Meinung, die sind von „allgemeiner“ Intelligenz und Autonomie noch weit entfernt, ich fand nur, dass Du diese Maschinen als etwas dümmlicher dargestellt hast, als sie es verdient haben 🙂

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  2. Ich glaube, da.muss sich jemamd nochmal mit Tesla auseinandersetzen. Die Autos können schon einiges. Autonom auf der Autobahn, inklusive Überholen kann der Tesla super. Das Auto überholt nicht 100% selbständig, es fragt den Fahrer, ob man überholen möchte. Man muss nur auf Ja drücken. Den Rest macht er wieder selber. Tesla kann im Moment mehr als es darf. Ich bin mir sicher, dass viele Landstraßen auch gehen würden. Viele bremst der Staat auch aus. Aber auch aus verständlichen Gründen. Das Auto gerät in einen Unfall. Wer ist Schuld? Wer haftet? Fahrer? Oder der Konzern wegen mangelhafter programmierung? Das sind Fragen, die geklärt werden müssen.
    Ich glaube nicht, dass in 2 Jahren Autos auf dem Markt sind, die komplett alleine fahren. Aber würde mich nicht wirklich wundern, wenn mein Sohn in 14 Jahren keinen Führerschein mehr bräuchte.

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    • „Das Auto gerät in einen Unfall. Wer ist Schuld? Wer haftet? Fahrer? Oder der Konzern wegen mangelhafter programmierung? Das sind Fragen, die geklärt werden müssen.“

      Das sind Fragen, die nie geklärt werden können. Natürlich gibt es den sogenannten „technischen Defekt“, der unfallverursachend ist. Dann haftet unter Umständen der Hersteller. Aber was, wenn die Wartung nicht ausreichend war? Wenn der TÜV geschlampt hatte? Eine Restschuld bleibt immer beim Fahrer.

      Und hier kommt der für mich eigentliche Konflikt: Was macht es mit einem „Automitfahrer“, dessen autonomes Auto einen Unfall baut, z. B. weil ein elektronischer Defekt auftrat? Weil die Programmierung einen Bug hatte, der mit dieser spezifischen Situation nicht klar kam? Wo nur menschliche Intuition geholfen hätten?

      Es gab ja schon tödliche Unfälle mit Roboterautos. Was macht das mit dem „Automitfahrer“? Ich meine psychologisch, nicht rechtlich oder finanziell. Käme er damit klar, dass er am Steuer sitzend einen Unfall hätte verhindern können? Würde er den Tag nicht verfluchen, an dem er es zuließ, sich von einem Roboter kutschieren zu lassen?

      Und mehr noch: Warum finden wir es eigentlich so geil, immer mehr unserem Leben zuzuschauen? Ist unser Leben neben dem Leben wirklich so interessant? Es gibt sicher Menschen, die würden – befreit von Alltagsaufgaben – produktiver werden. Aber ehrlich: Wie viele wären das? 10 %? Oder eher 5 %?

      Man stelle sich vor, der digitale Alptraum würde Realität. Wir leben in einem autonomen Haus, das alle Funktionen selbsttätig regelt. Eine vom Haus (das den Kühlschrankinhalt kennt und weiß, was seine Bewohner brauchen) ferngesteuerte Drohne kauft ein und sortiert automatisch den Einkauf weg. Ein Robokoch bereitet das Essen vor. Eine Playlist nach dem Geschmack der Hausbewohner wird automatisch abgespielt, Lichtstimmungen und Temperaturen werden autonom geregelt.

      Ich könnte das endlos fortsetzen, während der Robotrasenmäher den Vorgarten mäht und der Saugrobot den Teppich saugt. Eine Frage drängt sich bei diesen Gedanken immer wieder auf: Wozu braucht es dann noch Menschen? Wäre die digitale neue Welt nicht ohne Menschen noch einfacher zu handeln? Sicher, die 5 – 10 %, die mit der gewonnenen Freizeit etwas Sinnvolles anfangen können, wären begeistert. Doch der Durchschnittsmensch, der seinen Tagesablauf über seine Alltagsaufgaben strukturiert, müsste sich vorkommen wie ein Tier im Zoo – nur, dass er keine Besucher hat.

      Ich denke deshalb, dass der Mensch irgendwann sein Leben wieder in die eigenen Hände nehmen will und nicht bloß zugucken, wie schön rund alles ohne sein Zutun funktioniert…

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      • Es wird ja aber auch niemand gezwungen seine Lieblingshobbys wie z.B.: kochen staubsaugen oder rasen mähen aufzugeben. Wenn jemand gerne rasen mäht wird er das auch weiterhin tun, trotz des Mähroboter Angebotes. Ich für meinen Teil kann auf staubsaugen und rasen mähen leicht verzichten.

        Darum gibt es hier bald einen Mähroboter und einen Saugroboter. Für den einen mag sinnvolle Freizeitnutzung darin bestehen ein gutes Buch zu lesen. Andere sehen in sinnvoller Freizeitgestaltung im dreckigen Unterhemd mit einem Bier in der Hand Netflix zu schauen. Was man selber für Sinnvoll hält gilt nicht unbedingt für alle anderen.

        Und was wirklich produktiv ist darüber kann man auch streiten.
        In der Hängematte liegen kann wesentlich produktiver sein als z.B.: Hello Kitty Schmink Sets für Dreijährige herzustellen. Leute die Landminen herstellen könnte man sogar als kontraproduktiv bezeichnen. Vielleicht stellen manche sogar Landminen in Form von Hello Kitty Schmink Sets her und freuen sich ihrer Produktivität. ~Ein Beuteltier

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        • Du hast leider nicht ganz verstanden, was mein Punkt ist.

          Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Erleichterungen des Lebens werden gern schnell in den Alltag integriert. Das machen Tiere ganz genauso. Und wir sind ja Tiere.

          Natürlich gewöhnt man sich schnell an Annehmlichkeiten, doch eigene Fähigkeiten erlahmen, werden sogar als unwichtig/altmodisch angesehen.

          Man kann das Thema „Schreiben“ herauspicken. Früher gab es Handschrift. Das wurde sogar in der Schule benotet. Dann kam die Schreibmaschine. Geht doch auch. Dann der Computer – geht noch besser. Immer weiter verbesserte Rechtschreibkontrolle, Grammatikkontrolle, Syntaxkontrolle, KI-Textbausteine etc. pp. …

          Zu was hat das geführt? Wehe, wenn der Strom ausfällt. Eigenständiges Schreiben auf Papier wird heute sogar oft in Schulen als entbehrlich angesehen. Kinder sollen Tippen lernen. Und in Zukunft? Spracheingabe… Wie weit ist der Weg, bis KI meine Gedanken produziert, bis ich völlig von jedem geistigen Prozess ausgenommen bin. Auf die 5 % – 10 % Ausnahmen brauche ich hier nicht ständig eingehen.

          Natürlich könnte jeder weiterhin Texte mit der Hand schreiben oder mit Hammer und Meißel in Steinplatten hauen. Aber wer täte das, wenn wir uns erst an das Bequeme gewöhnt haben?

          Selbstverständlich könnten wir ohne E-Motor Fahrrad fahren. Wir könnten den Rasen von Hand mähen und die Sahne mit dem Schneebesen aufschäumen. Wir könnten auch Bücher lesen und nicht bloß hören. Aber ist das nicht alles viel anstrengender. Und irgendwann viel zu anstrengend?

          Dabei opfern wir bedenkenlos unsere Umwelt, weil man z. B. in den SUV bequemer einsteigen kann. Dass der 16 mal mehr Feinstaub produziert als ein normaler Pkw, wen interessiert’s? Convenience Food belastet mehr die Umwelt, ist aber einfach zu kochen. Wer macht das denn noch selber?

          Es fehlt hier der Platz, um das ganze Leben abzubilden, daher schließe ich mit meinem Verständnis von Fortschritt:

          Technik sollte immer nicht vorhandene Fähigkeiten ermöglichen. Ich habe vor ca. 40 Jahren eine Motion Control Kamera entwickelt. Ich bin Filmproduzent und wollte den Bereich der Filmtricks verbessern. Bis dato war die Bewegungsfreiheit im Trickbereich sehr limitiert. Ich wollte eine Kamera, die um neun Achsen auf den 1/100-stel Millimeter und das 1/100-stel Grad genau gesteuert werden konnte. Dazu wäre kein Mensch in der Lage gewesen. Vor allem, wenn diese Bewegungen präzise reproduziert werden sollen.

          Das Ergebnis war eine computergesteuerte Filmkamera, mit der ich alle Arten von Special Effects produzieren konnte. Eine dramatische Erweiterungen menschlicher Fähigkeiten. Diese Art von Fortschritt finde ich gut und richtig.

          Doch ein „Fortschritt“, der uns von unserem Menschsein fortschreitet, der unsere natürlichen oder erlernbaren Fähigkeiten ersetzt – und dabei unnötig viel Strom konsumiert – schadet, weil wir in eine Abhängigkeit zur Technik geraten. Wenn meine Motion Control-Anlage nichts geworden wäre, was soll’s? Dann hätten wir uns mit dem Möglichen begnügen müssen.

          Ich möchte nicht eines Tages in einer denkbaren Alptraumwelt erwachen, in der mich mein autonomes Haus anfährt, ich solle für mehr Strom sorgen – und sonst nichts. Ich möchte das Heft meiner Existenz so lange es geht selbst in Händen halten. Ansonsten ersetzen wir den alten „Gott“, von dem wir uns einst abhängig wähnten, durch den schönen neuen Digitalgott, der uns sagt, wie wir zu leben haben.

          Und glaube mir: Das geht schneller, als wir ahnen, denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier…

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  3. Ich finde auch, dass das größtenteils einfach normale Ethik ist – angewendet auf die digitale Welt. Der Rewe (um das Beispiel aufzugreifen) sammelt auch analog – über Treuepunkte o.Ä. – Adressen von Kunden um dort Target-Marketing zu machen und einmalige Kunden in Stammkunden zu konvertieren. Das ist im Prinzip das Gleiche.

    Auch vor der Digitalisierung haben Geschäfte Zahlen erfasst und verarbeitet – eben von Hand. Die Digitalisierung hat das lediglich beschleunigt. Ebenso hat der Umstieg von Kutschen auf Autos die Geschäfte beschleunigt. Hat da jemand Bücher darüber geschrieben, dass wir jetzt eine spezielle Auto-Ethik brauchen?

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