MGEN-Podcast 45: Kirchenasyl – Gleiches Recht für alle, mehr Recht für die Kirche

Darf man sich über geltendes Recht hinweg setzen? Die Süddeutsche Zeitung meint: Die Kirche ja, Schüler nein. Till ärgert sich über ungleiche ethische Standards gegenüber Kirchenasyl und „Fridays for Future“.

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14 Gedanken zu „MGEN-Podcast 45: Kirchenasyl – Gleiches Recht für alle, mehr Recht für die Kirche

  1. Seit Jahren gibt es offenbar unter kirchennahem Medien (speziell beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk) eine Kampagne für das Kirchenasyl, die Süddeutsche scheint sich hier einzureihen. Vermutlich macht sich die Kirche die Faulheit der Journalisten zunutze und präsentiert denen fast fertige Stories und Interviewpartner.

    Schön, dass Ihr auf den den kirchlichen Größenwahn hinweist.

    Der Philosoph Andreas Edmüller hatte schon 2017 im Ketzerpodcast darauf hingewiesen, dass es sich beim Kirchenasyl letztlich um zivilen Ungehorsam handelt. Kann man machen – dann muss man aber auch die Konsequenzen in Kauf nehmen.

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    • Ich bin so frei und wechsle vom Inhaltlichen zum Methodischen:

      „Vermutlich macht sich die Kirche die Faulheit der Journalisten zunutze und präsentiert denen fast fertige Stories und Interviewpartner.“

      Ich sehe das auch so — und sie macht das sehr gut. Wir Atheisten/Humanisten sollten dererlei Opportunitäten viel stärker nutzen; von der Kirche lernen heißt hier siegen lernen. Wir sollten als Bewegung deutlich kampagnenfähiger werden.

      Eure Idee zum geballten Nachfragen nach Nichtmitgliedschaftsbescheinigungen geht genau in diese Richtung. Die müssten wir medial ausschlachten, um Aufmerksamkeit auf die Machenschaften der Staatkirchebehörde zu lenken. Bin überzeugt, dass die meisten Leute nichts davon wissen.

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  2. Moin! Der erste Text zu FFF ist ein Kommentar, d. h. er gibt die persönliche Ansicht des Autors wider und nicht die Einstellung der SZ. Das ändert im Grunde nichts an der Kritik am zweiten Text, nur sind die Texte daher im Grunde nicht vergleichbar, denke ich.

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  3. Dem Podcast von Andreas Edmüller ist absolut zuzustimmen. Warum er allerdings meint, dass wer aus der „rot-grünen Ecke“ kommt, damit Probleme haben sollte, muss sein Geheimnis bleiben. Möglicherweise ist es seiner niederbayrischen Herkunft geschuldet, dass er in jedem Rot-grünen die Inkarnation des Gottseibeiuns sieht – kurz, Schuld sind die niederbayrischen Gene eben oder eine reflexhafte Abwehrreaktion aus Furcht vor dem Unbekannten. Der Rest ist ganz vernünftig.

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  4. wenn jeder denkt die Gesetze nach belieben einzuhalten oder eben nicht, dann können wir den Rechtsstaat auch gleich durch einen Gottesstaat ersetzen.

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  5. Der eine glaubt an Gott, der andere eben nicht… Tut es dem einen weh, dass der andere anders denkt/glaubt? Nein. Ich finde, dass Gläubige meist offener auf Nicht-Gläubiger zugehen, während umgekehrt sehr viel Hass und Vorurteile vorherrschen.

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    • Es geht doch – logisch betrachtet – nicht um „anders denken/glauben“. Wie kann denn in einer Welt ein „Gott“ einmal existieren und einmal nicht existieren? Gleichzeitig! Es kann doch nur so sein, dass es einen „Gott“ entweder gibt oder nicht gibt.

      Zur Offenheit: Wer verbissen die Existenz seines Gottes verteidigt, ist immer der Gläubige. Warum sollte ich die Nichtexistenz eines „Gottes“ mit Hass verteidigen? Das ist mir doch völlig egal. Es gibt halt keinen „Gott“ und gut ist. Mir ist sogar egal, wenn jemand in seiner Wahnvorstellung verhaftet bleibt. Das tangiert mich doch nicht. Ich habe etwas aktiv dagegen, wenn Menschen glauben im Staat mitreden zu können, WEIL die an einen „Gott“ glauben. Und dass sie Steuergelder abzweigen, Privilegien in Anspruch nehmen, die niemand sonst bekommt.

      An dem Tag, an dem es keinerlei Verquickung zwischen Staat und Kirche mehr gibt, ist mir der Schwachsinn vom „lieben Gott“ egal…

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      • @Bernd Kammermeier,

        „Mir ist sogar egal, wenn jemand in seiner Wahnvorstellung verhaftet bleibt. Das tangiert mich doch nicht. “

        Ich denke, so ganz egal kann einem das nicht sein,da auch außerhalb von Staat und Kirche Gläubige immer wieder unangenhem auffallen, weil sie versuchen, mit ihrem Gott zu missionieren und dabei friedliche Menschen belästigen.

        Und wenn man sich anschaut, welchen Zwängen viele Menschen in „frommen“ Gegebenden nicht nur unseres Landes ausgesetzt sind, dann hört es, zumindest für mich, mit dem Egalsein auch schon auf.

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        • Holger, ich gebe zwei Dinge zum Überdenken:

          1. Was heißt denn „hört es, zumindest für mich, mit dem Egalsein auch schon auf“? Wie setzt du das um? Gedankenpolizei? Gesinnungsschnüffelei? Die fördert eher den Widerspruch und treibt unsichere Menschen in die Arme der Verführer. Wir müssen Art. 5 GG ernst nehmen und jeden jeden Blödsinn glauben lassen. Wir dürfen aber – und das meine ich unter anderem – verhindern, dass Kinder in öffentlichen Einrichtungen zu dem Blödsinn erzogen werden.

          2. Bestimmte Formen der Missionierung können rechtsstaatlich unterbunden werden, wenn erst die Verquickung beendet ist. Alles was nervt (Telefonwerbung, unangekündigte Hausbesuche, Einwurfwerbung) kann heute persönlich unterbunden werden. Warum nicht ein Schild an die Tür – direkt unter „Werbung verboten“ -: „Missionieren und religiöses Betteln verboten“?

          In meiner Welt gäbe es keine kostenlosen Werbesendungen für Kirchen im TV. Du glaubst doch nicht, dass die normale Schaltungskosten für das „Wort zum Sonntag“ berappen würden. Oder für Sonntagsgottesdienste. Das machen die Sender nur, weil sie verpflichtet sind und weil es nicht viel kostet. Diese Sendungen wird es nicht mehr geben. Verbieten will ich sie aber auch nicht. Sportarten – auch exotische – werden ja auch übertragen. Aber das wird der Markt regeln.

          In meiner Welt gibt es keine Indoktrination durch Kitas, Schulen oder Universitäten. Ausbildung zum Theologen wäre reine Privatsache der Kirchen. Theologen hätten sich aus Beratungsgremien, bei denen sie keine Fachkompetenz mitbringen, zurückzuziehen.

          Selbstverständlich würden sich die Kirchen um ihre Mitgliederbeiträge selbst kümmern müssen und staatliche Subventionen gäbe es nicht mehr. Auch für Gerichtsprozesse müssten sie die normalen Gebühren bezahlen und fortan gäbe es keine Steuerbefreiung mehr. Ihre Sommerfeste können sie auch vollständig selbst finanzieren.

          Wenn diese Maßnahmen erst einmal umgesetzt sind, dann sollten wir Gläubigen freundlich begegnen und sie als das betrachten, was sie sind: Exoten, deren Spezies im Aussterben begriffen ist. Vielleicht sind wir die Letzten, die sie noch lebend zu Gesicht bekamen…

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          • Lieber Bernd, DEINE „INDOCTRINATION“ ist auch nur eine Frage der Erkenntnis. Viele Politiker sagen zB „Ich sehe das Problem nicht….“ Na und? Das heißt noch lange nicht daß es keine Probleme gibt! Oder? Genauso ist es mit unseren verborgenen Gott. Nicht jeder kann ihn erkennen….

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            • Wie? Der Allmächtige, Allwissende und Allgütige ist so unscheinbar, dass ich ihn nicht mal erkennen KANN? Selbst, wenn ich es wollte? Dann kann es mit seinen Fähigkeiten ja nicht weit her sein? Oder ist er ein Gott für die ausgewählte Elite?
              Und warum dann das Ganze?
              Also, mit Vatersohnundheiligergeist hat dein Gott aber gar nichts mehr zu tun, oder?

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            • Natürlich ist gerade in Zeiten des Internets die Gefahr, in einer Filterblase zu leben, größer geworden. Doch ich wurde in einer Welt erwachsen, in der man noch auf Bibliotheken angewiesen war und Allgemeinwissen. Ich als neugieriger Mensch habe mich durch Bücher gefressen, bin in Museen, habe mit Fachleuten kommuniziert.

              Ich bin heute weitgehend immun gegen die Gefahr einer Filterblase. Da ich nie religiös erzogen wurde, sondern die Vielfalt der Realität kennenlernen durfte, bin ich weder indoktriniert, noch lebe ich in einer Filterblase. Zumindest im Rahmen dessen, was ein Mensch zu leisten imstande ist.

              Du willst in deiner Filterblase leben, weil du es dir dort gemütlich gemacht hast. Du willst dein bisheriges Leben auch durch neue Erkenntnis nicht infrage stellen.

              Wenn du Politiker anführst, die „Probleme nicht sehen“, dann muss ich das ein wenig korrigieren: Natürlich sind diese Probleme (welche auch immer) bekannt. Nur hat ein Politiker eine gänzlich andere Aufgabe, als ein Lobbyist (und auch Klimaaktivisten z. B. sind in gewissem Sinne Lobbyisten, denn sie wollen, dass ihre Interessen umgesetzt werden, koste es was es wolle). Politiker – die sich leider allzu oft von schädlichen Lobbyisten (ver)leiten lassen – sollten das große Ganz im Auge haben. Das ist nicht einfach. Fähige Politiker kriegen das besser hin, als unfähige (leider die Mehrheit).

              Doch abgesehen davon: Die Probleme, die du anführst, existieren real. Es gibt Experten, die sie benennen und beweisen können, unabhängig davon, ob Politiker sie erkennen oder nicht. Doch deinen lächerlichen Monstergott hier in diesen Kontext zu stellen, zeugt von deiner unlauteren Art und deiner tiefschürfenden Indoktrination:

              „Genauso ist es mit unseren verborgenen Gott. Nicht jeder kann ihn erkennen….“

              Nein, so ist es eben nicht. Im Gegensatz zu den Problemen der Welt weiß von deinem Monstergott niemand etwas. Er ist nicht verborgen, sondern nicht existent. Und nicht jeder kann ihn erkennen, sondern niemand. Die, die sich das einbilden, leiden an Wahnvorstellungen. Aber durch deine Selbstimmunisierung wirst du das nicht wahrhaben wollen. Irgendein blöder Bibelspruch wird dir schon den rechten Weg in die Zwangsvorstellung weisen.

              Wie von mir geschrieben: Ich lasse dir ja deine Schnapsidee, solange du selbst nicht darunter leidest. Aber ich will in der realen Welt nichts davon sehen. Ich ertrage eher, wenn aus Versehen ein paar Sekunden die Lindenstraße auf unserem Fernseher läuft, als weiterhin von einer Ideologie belästigt zu werden, die mehr Unheil über die Menschheit brachte, als sonst eine Ideologie…

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  6. Hier stellt sich die Frage, ob man nicht die Schülervertretungen als „Gewerkschaft“ sehen müsste, da es ja an Schulen keine Gewerkschaften gibt und müsste sich somit die Frage stellen, in wie fern die Schülervertretungen zu #FFF aufriefen. Generell bin ich aber der Meinung, dass SchülerInnen sehr wohl ein Recht aufs Streiken haben sollen. Demokratische Beteiligung muss in einer aufgeklärten Gesellschaft Teil des Bildungsauftrags sein.

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    • Streiken in der Schule kann auch mit Schulschwänzen übersetzt werden. Wenn letzteres zu oft vorkommt, dann werden die Behörden aktiv. Wir haben nämlich in Deutschland eine Schulpflicht, allerdings keine Arbeitspflicht. Arbeiter dürfen also – bei entsprechendem Anlass und gewerkschaftlich organisiert – streiken – allerdings nur, wenn es um die eigenen Belange (Lohn, Arbeitsbedingungen, problematische Konkurrenten) geht. Schüler dürfen und müssen lernen, weil nur gebildete Menschen imstande sind, die Zukunft unseres Landes sicherzustellen. Auch was Umweltschutz, Umbau der Energiewirtschaft, Neukonzeption der Mobilität etc. betrifft.

      Daher gibt es diesen Bildungsauftrag, der die Bildung der Schüler umfasst. Natürlich dürfen und sollen Schüler auch politisch sein, aber in ihrer Freizeit. Das wäre für FfF auch eine Option gewesen, aber dies wäre weit weniger publikumswirksam ausgefallen – sprich kontrovers -, als ein „Schulstreik“. Da dieser de jure verboten ist, waren entsprechende Medienberichte vorprogrammiert. Das hat Ingmar Rentzhog präzise kalkuliert. Als Medien- und Marketingprofi war ihm bewusst, dass nur kontroverse Aktionen im juristisch dunkelgrauen Bereich zu Medieninteresse führen. Dieser Plan ging voll auf…

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