Martin Luther und die Schnullernazis

Endlich ist es da, das 500. Reformationsjubiläum, das Lutherjahr, Höhepunkt der Lutherdekade, ausgerufen von der Evangelischen Kirche in Deutschland, und bezahlt vom Steuerzahler mit einer flockigen Viertelmilliarde Euro. Überall wird er gefeiert, der „Star des ersten Medienzeitalters“, „Menschenfreund“ und  „Sprachgenie“ Martin Luther, ganz volkstümlich und inklusive Luther-Socken und Luther-Playmobilfiguren. Moment mal! — War Luther nicht ein widerlicher Antisemit, ein Frauenhasser, der vor der Obrigkeit buckelte und einfache Leute beschimpfte? Wissen viele Leute vielleicht gar nicht, wen sie da so frenetisch feiern? Für MGEN war diese Frage schon vor Monaten Anlass dazu Aussagen von Luther selbst zu sammeln, die er Zeit seines Lebens über Juden, Frauen, Behinderte und einfache Leute gemacht hatte. Zu dem entsprechenden Blogpost trudelten im Laufe der Zeit etwa 130 Kommentare ein.  Die Hälfte dieser Kommentare haben wir allerdings nicht freigeschaltet. Wieso?

Nun, der MGEN-Artikel mit Luthers Aussagen hat eine ganz besondere Gruppe Menschen angelockt: die Schnullernazis. Schnullernazis, das sind jene Rechtsradikale, die zwar ihre faschistischen Vorbilder bewundern, aber selbst das mit dem Dumpf-im-Kreis-Marschieren irgendwie nicht so recht auf die Kette bekommen, und daher in Mamas Keller sitzen und aus Frust hysterische Internetkommentare in den PC tippen. Diese Kommentare, in denen Luther gefeiert und seinen hasserfüllten Thesen zugestimmt wird, sind zum größten Teil so widerlich, dass wir sie nicht auf unserer Internetseite sehen wollten.

Hassprediger Martin Luther

Aber fangen wir am besten vorn an: Waren Martin Luthers Aussagen tatsächlich so schlimm, war er wirklich ein Hassprediger, hatte er nicht vielleicht einfach ab und an mal schlechte Laune, oder waren seine Aussagen irgendwie blöde Ausrutscher und für seine Zeit ganz normal?

Nun, Luther nannte jüdische Menschen „ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes Ding, dass sie 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind.“ Er forderte über die Jahre immer wieder, „man sollte ihre Synagogen und Schulen mit Feuer anstecken, … unserem Herrn und der Christenheit zu Ehren, damit Gott sehe, dass wir Christen seien“ und „ihre Häuser desgleichen zerbrechen und zerstören.“ Er warf „dem Juden“ vor Christen zu ermorden „wo er nur kann.“ Er warnt die Christen seiner Zeit, dass sie „keinen bittern, giftigern, heftigern Feind [hätten], als einen rechten Juden.“

Und wieder:

„Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich. Zum andern, dass man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre.“

Diese Aussprüche sind nicht etwa „bedauerliche Ausrutscher“, im privaten Kreis oder mit einem Humpen Wein zu viel intus. Luthers antisemitische Hetzschriften sind so umfangreich, dass die ins moderne Deutsch übersetze Studienausgabe (mitherausgegeben von den MGEN-Foristen Bernd Kammermeier und Karl-Heinz Büchner) in mehreren Bänden erscheinen muss. Luther hat ausführlich, öffentlich und über Jahrzehnte hinweg immer wieder gegen Juden gehetzt.

Weniger bekannt ist Luthers Hetze gegen die aufständischen Bauern, die sich in ihrer Not nach diversen Hungerwintern gegen die Knebelsteuern der Landesherren erhoben. Luther agitierte in Büchern und Pamphleten gegen die Aufständischen, die die Einhaltung grundlegender Menschenrechte forderten. Er hatte keinerlei Verständnis für die Nöte einfacher Leute, sondern war komplett auf der Seite der Obrigkeit, deren Privilegien er als gottgegeben ansah. Die Bauern, so Luther, mussten allesamt niedergemetzelt werden:

„Drum soll hier erschlagen, würgen und stechen, heimlich oder öffentlich, wer da kann, und daran denken, daß nichts Giftigeres, Schädlicheres, Teuflischeres sein kann als ein aufrührerischer Mensch.“

Luther war zu dieser Zeit bereits bekannt und einflussreich, seine Worte hatten Gewicht. Tja, so war er wirklich, der große Reformator und Menschenfreund.

Muss man noch extra erwähnen, dass die (echten) Nazis Luther super fanden? — Schließlich hatte er ja beträchtliche ideologische Vorarbeit für die eigenen antisemitischen Pläne geleistet. Exemplarisch hier der evangelisch-lutherische Landesbischof Martin Sasse aus Eisenach zur „Reichskristallnacht“:

„Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen. Vom deutschen Volk wird … die Macht der Juden auf wirtschaftlichem Gebiet im neuen Deutschland endgültig gebrochen und damit der gottgesegnete Kampf des Führers zur völligen Befreiung unseres Volkes gekrönt.“

Zur gerne verleugneten Täterschaft der evangelischen Kirche empfehle ich das Buch „Jedermann sein Untertan — Deutscher Protestantismus im 20. Jahrhundert“ vom Historiker Dr. Karsten Krampitz.

Neonazis feiern Luther

Okay, Luther war also wirklich ein Hassprediger, ein Vordenker für die Faschisten, der im „Dritten Reich“ ausführlich gefeiert wurde. Wie äußern sich die Schnullernazis zu ihm?

„Luther war ein großartiger Mann. Heute bräuchten wir ihn – als Prediger gegen alles Linke, Zerstörende. […] Lieber noch die Ayatollahs als die linken Satanspäpste.“

In einem anderen Kommentar sehnt sich ein Schnullernazi einen weiteren Hassprediger herbei:

„Einen Luther bräuchten wir heute wieder: gegen Linke, Femastasen-Weiber und ausländische Invasoren.“

Nicht nur Luthers Antisemitismus, sondern auch sein Frauenbild wird geteilt, es werden sogar biologische Ursachen für deren vermeintliche Unterlegenheit ermittelt:

„frauen sind halt OHNE EIER GEBOREN, wobei man sich in dieser Situation schon eher einen ‚SAUDI-ARABISCHEN‘ Umgang mit Frauen wünscht, niemals das weibliche Geschlecht an irgendwelchen Machtpositionen zu setzen.“

Zuerst trudelten diese Hasskommentare nur vereinzelt ein, manche davon haben wir sogar exemplarisch unter dem Beitrag stehengelassen. Nachdem der Post im Kommentarbereich der Hetzpostille „Junge Freiheit“ verlinkt wurde, war die Welle des Hasses jedoch nicht mehr bewältigen. Dazu kam, dass einige Schnullernazis bemerkten, dass MGEN ein humanistischer Blog ist. Das mag er nicht, der Nazi:

„Der einzige Unterschied zwischen einem sog. Humanisten und einem Satanisten besteht bekanntermaßen darin, daß der Satanist weiß, für wen er arbeitet.“

Vom Humanismus im Speziellen kommt man auf „die Linken“ im Allgemeinen:

„Eine humanistische Welt haben wir schon – da der Linke die absolute Macht hat, aber absolut böse ist, sieht sie absolut danach aus – falls Sie mich verstehen.“

Nein, verstehen wir nicht. Aber keine Sorge, andere Schnullernazis erklären es gern:

„Links ist alles Egalitäre, Minderheitentümelnde, alle Rechte ohne Pflichten kurz: die Ermächtigung der Wertlosen, also der Verbrecher (durch lachhafte Strafen), der Frauen (des nachweislich dümmeren, körperlich und ethisch-moralisch minderwertigeren Geschlechtes), der Migranten (oder besser Invasoren, so daß man Linke als Verräter bezeichnen sollte) und und und.“

Oder, kurz: „Rechts ist richtig, links ist falsch. Linke zerstören, Rechte schaffen und erhalten.“ Und dann noch: „Und daß sich der Linke dabei noch toll vorkommt, beweist nur, daß er eine total böse, satanische, verderbte Lebensform ist, zu deren Vernichtung jedes Kampfmittel recht sein muß.“

Einige Schnullernazis geben sich betont belesen und intellektuell:

„Nur Menschen die die Geschichte nicht wahrhaft kennen und schon garnicht die jüdische Geschichte urteilt so leichtfertig über Luther oder auch Probleme des 20. Jahrhundert.“

„Martin Luther hatte eine Liebe zum Deutschen Volk und hat daher die Menschen und Christen vor den Machenschaften der Juden gewarnt. Aus dem Kontext geht hervor das er vor allem die Machtjuden meinte, die ganze Völker mit der Zinzknechtschaft belegten indem sie die Herschenden manipulierten.“

Eigentlich, so erfahren wir, war gar nicht das Deutsche Reich schuld am Ausbruch der Weltkriege, sondern „dä Jodn sälbo“:

„Ich empfehle jedem mal die Balfour-Deklarationen zu studieren, da wird klar wer für den 1. Weltkrieg und den ca. 15 Millionen Toten verantwortlich ist.“

Es folgen weitere antisemitische Verschwörungstheorien:

„Desweiteren hört und schaut Euch die Rede von Benjamin H. Freedman 1961 in Washington an. Freedman war jüdischer Geschäftsmann und Diplomat und bei allen Verhandlungen auch als man in Frankreich Deutschland zerfleddert.“

Jaja, so sind ’se, die Juden. „Da fängt man an zu verstehen warum Germanen unterschiedlich denken und empfinden!!!“

Zum Glück, beschließen die Neonazis, wird sich das Problem von selbst lösen:

„Die gesamte politische Linke wird eines Tages selbst in dem Feuer verbrennen, das sie entzündet hat, und alle, die das Strafgericht überleben, werden lebenslang Zwangsarbeit leisten müssen, um die Schäden wiedergutzumachen, die sie angerichtet haben.“

Falls (was selten vorkommt) ein Schnullernazi den Blogpost zurecht als Kritik am Vorbild Luther erkennt, scheut man auch vor (grammatikalisch fragwürdigen) Morddrohungen nicht zurück:

„Passen Sie bloß auf, wenn ich Sie mit einem rostigen Doseldeckel entmanne, nachdem ich seine Kinder vor seinen Augen erschossen habe.“

Nicht schön, aber immerhin fantasievoll. Und weiter ein Neonazi-Klassiker: „Vernichtet sie alle, Linke und Ausländer gleichermaßen.“

Nix gelernt: Christen feiern Martin Luther

Okay, so weit, so schlecht. Nazis sind halt, wie man weiß, scheiße. Da erwartet man eigentlich nichts anderes als das Teilen von Luthers Thesen. Deutlich erschreckender ist es, dass auch Durchschnittschristen Martin Luther immer wieder verteidigen.

„Jeder Mensch ist Sündhaft! Aber ist zu umgekehrt unf hat dadurch viel für mit den 95 Thesen getan!“

„Der Apostel Paulus war auch ein sehr gefährlicher Mann! Dennoch hat er durch den viele Bücher im geschrieben!“

Irgendwie alles nicht so schlimm, oder? Andere Christen weisen darauf hin, dass das bißchen Antisemitismus doch im Großen und Ganzen gesehen vernachlässigbar war:

„Verstehe sie nicht! Sie sind ein ignorant. Also weiter so? ‚Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt.‘ Können ja Vorsitzender der Ablassorganisation werden.“

Aha. Ich muss zugeben, dass mir die Dichotomie „Entweder Judenhasser oder Katholik — Dann lieber Judenhasser!“ nicht ganz einleuchtet. Muss sie aber auch nicht, bin ja kein Christ. Über die Anhänger dieser Religion lernen wir mehr:

„Die lesen in der und informieren sich darüber! Wo wären wir heute, hätte nicht übersetzt?“

Dann hätte sie eben jemand anders übersetzt, du Nasenbär.

Auch Margot Käßmann, Luther-Botschafterin der EKD, arbeitet heftig an der Relativierung von Luthers Hasspredigten:

„Gleichzeitig will ich mal sagen, dass, wenn alles, was Männer heutzutage beim Stammtisch oder im Bierzelt sagen, 500 Jahre später zitiert wird, käme auch nicht sehr viel Schönes raus.“

Die „Männer am Stammtisch“ werden aber auch nicht quer durch die Medien und mit 250 Millionen Euro Steuermitteln jahrelang gefeiert, Frau Käßmann. Sehen Sie den Unterschied wirklich nicht?

Und zum Abschluss noch ein Klassiker des Abschüttelns unangenehmer Tatsachen:

„Prüfet alles und das Gute behaltet!😉“

Es war schließlich nicht alles schlecht damals, nicht wahr?

In die Tasche lügen: Evangelische Kirche feiert Martin Luther

Das, liebe evangelische Kirche, sind die Leute, die ihr anzieht, indem ihr den Hassprediger Martin Luther feiert. Und euch das auch noch vom Steuerzahler finanzieren lasst. Es reicht schließlich nicht aus, als Christ Luther einfach nur zu feiern – nein, alle anderen müssen unbedingt auch mitfeiern!

Liebe evangelische Christen, eine Bitte: Behauptet jetzt bitte nicht wieder, ihr hättet von nichts gewusst. Das glaubt euch nämlich wirklich niemand mehr.

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22 Antworten zu Martin Luther und die Schnullernazis

  1. awmrkl schreibt:

    Danke für diese „schöne“ Zusammenstellung!

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  2. dongamillo schreibt:

    Darum sage ich nach der Bibel
    1Thess 5,21 Prüft aber alles und das Gute behaltet.
    Ich bin froh um die deutsche Bibel und seine Entdeckung der Gnade (Turmzimmer)
    http://www.christliche-autoren.de/luther.html
    Bin ich der einzige Mensch auf Erden der auch manchmal in sich selbst Teile von dem „bösen Luther“ entdeckt?
    😉

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    • manglaubtesnicht schreibt:

      Ich kann nur für mich selbst sprechen: Ich bin kein Antisemit, hasse keine Frauen und fordere nicht dazu auf Bauern tot zu schlagen. Oder irgend jemand anderen.

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    • Bernd Kammermeier schreibt:

      Bin ich der einzige Mensch auf Erden der auch manchmal in sich selbst Teile von dem „bösen Luther“ entdeckt?

      Welche Teile? Säufst du regelmäßig Unmassen an Bier und Wein? Frisst du wie ein Scheunendrescher? Beleidigst du deine Mitmenschen? Bist du extrem intolerant? Kannst du andere Meinungen nicht leiden? Findest du Juden auch beschissen? Findest du, das der Talmud die Scheiße im Arsch einer Sau ist (Wittenberger Judensau), hältst du den Koran für ein Buch, das man im Klo findet?

      Welche dieser Punkte, die allesamt auf Luther zutrafen, entdeckst du bei dir? Nur wegen dieser und ein paar weiterer muss Luther abgelehnt werden. Es geht nicht um menschliche Schwächen, die tatsächlich jeder Mensch hat und wegen derer niemand vorschnell verurteilt werden sollte.

      Andreas, so wie ich dir hier kennenlernen durfte, bist du ein viel besserer Mensch, als es Luther je war. „Doktor“ Brigic passt eher in die Kategorie des Egomanen, in die Luther gehört. Luther hasste aus tiefstem Herzen und begründete diesen Hass mit seiner Bibel, der er zur Legitimierung seines Hasses besonders judenfeindlich übersetzte. Dieser Größenwahn treibt nur wenige Menschen an. Aber die wenigstens gründen oder spalten Religionen. Die allermeisten sind doch eher friedlich, so wie du…

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      • dongamillo schreibt:

        „“““……Die allermeisten sind doch eher friedlich, so wie du…“““““
        Ich habe aber auch keinen Kampf unter Lebensgefahr mit dem Papsttum und all seinen Schergen aufgenommen,….
        Ich habe keine Bibel übersetzt, …..
        Ich musste die von ihm offiziell neu entdeckte Gnade nicht so mühsam erkämpfen….
        ….
        aber ich strebe nach den Taten die der Herr für mich vorbereitet hat nach Eph. 2,10.
        Jelidi Andreas

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        • Bernd Kammermeier schreibt:

          Ich habe aber auch keinen Kampf unter Lebensgefahr mit dem Papsttum und all seinen Schergen aufgenommen,….

          Zum einen war das „Papsttum“ damals das gesamte Christentum – und dem scheinst du ja nicht so fern zu stehen. Alle diese Vertreter der römischen Kirche hatten – genau wie du – ihre aus der Bibel abgeleiteten Gründe, das Christentum und ihren Glauben so zu sehen, wie sie es sahen.

          Zum anderen war die Lebensgefahr für Luther sehr klein. Er stand unter dem Schutz Friedrichs des Weisen und hatte entsprechende Zusicherungen, dass ihm nichts passiert. Seine „Entführung“ auf die Wartburg war ein abgekartetes Spiel, mit dem er aus der Schusslinie gezogen wurde. Wäre es anders gewesen, wäre Luthers Ende – wie Jan Hus – auf dem Scheiterhaufen gewesen. Offiziell wurde er ja überall gesucht und war durch Karl V. geächtet.

          Außerdem ist dies keine positive Charaktereigenschaft, sondern Luther passte einfach ins politische Anforderungsprofil der damaligen kursächsischen Adligen.

          Ich habe keine Bibel übersetzt, …..

          Hättest du sie genauso verfälscht übersetzt, wie Luther? Er hat das AT fast vollständig auf „Jesus“ hin verfälscht, um damit zu beweisen, dass das AT nur einer Art „Vorrede“ des NT sei. Es gibt zu diesem Themenkomplex sehr gute Quellen. Noch längst wurden nicht alle „Bezüge“ auf Jesus in den heutigen Fassungen gelöscht.

          Auch diese Leistung Luthers (die vor ihm bereits etliche besser vollbrachten) ist also erstens weder neu noch originell und zweitens sogar schlecht, weil falsch. Sie diente der Untermauerung seines Judenhasses. Würden bei dir ähnliche Gründe vorliegen, falls du die Bibel sinnentstellend übersetzen wolltest, dann würde ich darüber genauso urteilen, wie bei Luther.

          Ich musste die von ihm offiziell neu entdeckte Gnade nicht so mühsam erkämpfen….

          Die Gnade wurde von ihm nicht neu entdeckt, sondern erfunden. Gerade wenn man sich 1529 (die Marburger Gespräche) und den vorausgehenden und nachfolgenden Konflikt der Züricher Reformatoren (Calvin, Zwingli und Bullinger) mit den Wittenberger Reformatoren anschaut, dann stellt man fest, wie am grünen Tisch bestimmte Aspekte der Gnadentheologie, Abendmahlslehre, Himmelfahrt etc. festgelegt wurden.

          Nicht viel anders, als heute bei Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU, FDP und Grünen. „Gib du mir die 200.000 als Flüchtlingsgrenze, dann gebe ich dir den atmenden Deckel…“ Wenn du wüsstest, wie die Dogmen und Lehren der Kirche in Kuhhändeln festgelegt wurden, damit die Beteiligten sich nicht zu sehr an die Gurgel gingen, dann würdest du jeden Katechismus mit anderen Augen sehen. Da ist nichts „Heiliges“ dran, da hat kein „heiliger“ Geist mitgewirkt. Das waren reine Machtinteressen, die da gegeneinander ausgekegelt wurden.

          Gerade Luther ist dabei mit harten Bandagen und recht skrupellos gegen seine reformatorischen Mitbrüder vorgegangen. Im 3. Band unserer Reihe über Luthers judenfeindliche Schriften haben wir einen solchen Briefwechsel exemplarisch übertragen und erstmals in heutigem Deutsch herausgegeben. Der Band wird in wenigen Wochen im Handel sein. Da kannst du echt was darüber lernen, wie Religion erfunden und ausgehandelt wird. Kleriker sind Geschäftsleute, die leere Schachteln mit der Aufschrift „Gott“ gewinnbringend verkaufen. Nichts sonst…

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      • dongamillo schreibt:

        Und hier mein kleines Erlebnis von heute:
        Wir, meine Frau und ich, hatten heute bewusst auf den Godi verzichtet um Zeit miteinander zu verbringen…wir machten einen schönen Spaziergang um in Ruhe, nach der Wahl, miteinander zu reden. Meine Frau hatte ihr Handy noch an und so erreichte uns ein Anruf von einer “Schwester im Herrn”, ihr ging es schlecht und sie konnte ihren Mann nicht im Godi anrufen…. So drehten wir um und ich fuhr schnell zur Gemeinde….. Ich sehe solche Erlebnisse als Führung Gottes, normalerweise wären wir auch in den Godi gegangen.
        Gott hat viele Möglichkeiten uns zu gebrauchen um den Menschen Gutes zu tun, wenn wir offen für sein „Reden“ sind.

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        • Bernd Kammermeier schreibt:

          Ich sehe solche Erlebnisse als Führung Gottes, normalerweise wären wir auch in den Godi gegangen.

          Das ist wieder so eine typische Äußerung, die zeigt, dass du über das Thema „Gott“ gar nicht wirklich nachdenkst. Du glaubst nur nach, was andere vorgeglaubt haben.

          Oder war „Gott“ heute vielleicht verhindert? Schwächelte seine Allwissenheit oder seine Allmacht? Die Allwissenheit offenbar nicht, denn er hat dich ja „geführt“. Aber seine Allmacht hat schwer gelitten. Sonst hätte der „Herr im Hirn“ der „Schwester im Herrn“ ja problemlos selbst helfen können.

          Tat er aber nicht. Er verleitete euch lieber – um seine Machtlosigkeit zu kaschieren – wählen zu gehen (die Partei der bibeltreuen Christen?), dann vor der Kirche scharf abzubiegen, um zu spazieren. Dann zauberte er der „Schwester im Herrn“ ein Telefon in die Hand – und euch ein Handy in die Tasche -, damit die „Schwester im Herrn“ – den Physikern sei Dank – euch anrufen konnte. Dann sah „Gott“ von Wolke Sieben aus zu, wie ihr euch zu der „Schwester im Herrn“ begab (wobei ihr euren schönen Spaziergang abbrechen musstet und euch in die Gefahren des Straßenverkehrs begabt), um das – menschlich unvollständig – zu tun, was „Gott“ selbst offenbar nicht (mehr?) kann. Oder er hat einfach keinen Bock mehr zum Helfen und lässt das seine doofen Schäfchen erledigen.

          Nett geht anders…

          Gefällt 2 Personen

  3. Bernd Kammermeier schreibt:

    Das ist ein sehr guter und wichtiger Beitrag zur Luther-Debatte, die in der Öffentlich leider gar keine Luther-Debatte ist, weil die Marketinggewalt der EKD alles Kritische wegbügelt. Denn wenn Luther mit Mitteln der Öffentlichen Hand und großem Kirchentags- und Marketing-Tamtam gefeiert wird (wenn auch nicht ganz so erfolgreich, wie erhofft, weshalb jeder Teilnehmer an Luther-Veranstaltungen mit ca. 900,00 € aus allgemeinen Steuergeldern subventioniert wurde!), dann hat dies auch das Signal, dass Luther im Prinzip ganz okay war. Also auch seine Hasspredigten.

    Den auf diese Weise salonfähig gemachten Volksverhetzer nutzen dann die anderen Möchtegern-Volksverhetzer von der NPD, um ihren Schnullernazi-Freaks zu verdeutlichen, dass sie auf der richtigen politischen Seite stünden. Der „Riese“ (A. Hitler) Luther hat begründet (für Nazis ist egal, woraus; Christen freuen sich darüber, dass er es aus der selbst verfälschten Bibel tat), warum Juden, Muslime, Frauen, Aufständische, Behinderte, „Hexen“ etc. Scheiße sind. Das ist das Gefährliche an dieser Lutherdekade, dass eindeutig rassistisches und menschenverachtendes Gedanken“gut“ wieder gesellschaftsfähig gemacht wurde – wenn auch nur indirekt, denn ich mag der heutigen EKD derartige Gedanken nicht unterstellen.

    Es ist diese Zwickmühle, in der die EKD steckt. Sie leidet heftig unter Mitgliederschwund und hat nur ein bekanntes Zugpferd, nämlich Luther. Mit Jesus Christ Superstar kann man heute niemanden mehr hinter dem Ofen zurück in die Kirche locken. Nach dem ZDF-Ranking von 2003 schnitt Luther als zweitbeliebtester Deutscher ab. Das ist ein Pfund für jede Werbeagentur. Daher die Lutherdekade, das Luther-Jahr, der Luther-Hype etc. Als Gegenwind durch die Aufklärer kam – zu denen ich mich ganz bescheiden zählen möchte – schwenkte das Marketing um und versuchte uns die Lutherdekade als „Reformationsdekade“ zu verkaufen. Zu spät! Luther prangt schon von jedem Logo, sein Name steht in fetten Buchstaben darunter. Der 31.10.1517 ist ein Lutherdatum (angebl. Thesenanschlag) und kein Reformationsdatum, denn die begann spätestens 100 Jahre zuvor mit Jan Hus. Auch die Bibelübersetzung wurde vorher (z.B. durch Zwingli in Zürich) geleistet. Luthers Bibelübersetzung, die von ihm nachweislich judenfeindlich verfälscht wurde, wurde nur deswegen erfolgreicher (und verbreitete die sächsische Kanzleisprache als neues Deutsch), weil Hans Lufft ein äußerst erfolgreicher Wittenberger Verleger war, der 400 Auflagen der Luther-Bibel publizierte.

    Aber selbst eine von Anfang an als Reformationsdekade angelegte Feierorgie wäre zu kritisieren gewesen, denn die erste unmittelbare Folge dieser de facto Kirchenspaltung war der 30-jährige Krieg mit Millionen Toten. Der Luther’sche Fundamentalismus hat sich sowieso nur wenige Jahrzehnte gehalten und ist heute theologisch total überholt. Luther hatte eine völlig andere Kirche im Auge, als sie heute durch die EKD (eine Organisation, die Luther zutiefst abgelehnt hätte) propagiert und repräsentiert wird. Das wenige Gute, dass sich durch die Kirchenspaltung ergab, war größtenteils zufälliges Nebenprodukt, denn Luther selbst wollte nicht, dass zwei Meinung nebeneinander koexistieren konnten (Protestantismus und Katholizismus), sondern er wollte, dass nur noch SEINE Meinung gelten sollte. Daher der erbitterte und hasserfüllte Kampf gegen die „Papisten“ (Papstanhänger). Sogar reformatorische Mitbrüder, die in Teilen anderer Meinung waren als er, bekämpfte er unflätig.

    Die Lutherdekade hat diesen Hass wieder bedenkenswert gemacht und die Reaktionen der Schnullernazis zeigt, dass die Gefahr nicht gebannt ist, indem Käßmann und Konsorten den Hassprediger marginalisieren…

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  4. John schreibt:

    Recht habt ihr & danke dafür.

    Kennt ihr http://www.martin-luther-2017.de ?

    Gruss

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  5. Pingback: Martin Luther und die Schnullernazis | Religion und Gesellschaft

  6. Pingback: Psiram » Psirama – Der Psiram-Wochenrückblick (KW41, 2017)

  7. Pingback: Hassmensch Martin Luther: Geifernd gegen Juden, Frauen, Bauern und … eigentlich gegen alle | Man Glaubt Es Nicht!

  8. manglaubtesnicht schreibt:

    Der Blog „Das Narrenschiff“ hat sich mit diesem Beitrag auseinander gesetzt:
    http://narrenschiffsbruecke.blogspot.de/2017/10/christentum-und-faschismus.html?m=1

    Gefällt mir

  9. Pingback: Zum abschluss des „lutherjahres“ | Schwerdtfegr (beta)

  10. Cadtyseino schreibt:

    Luther war einer von vielen christlichen Kriminellen.

    Meiner Meinung nach war dieser Mann paranoid.Er hat bald in vielen Dingen den Teufel gesehen.
    Luther forderte die Todesstrafe für „Zauberer und Hexen.“
    Luther wurde schon als Kind frommer Eltern im Glauben an Dämonen und Geister erzogen.
    Der Begriff Teufel und Teufelswahn ist durch Luther in die Neuzeit getragen worden.
    Er empfahl:“Den Kindern soll man die Teufelsgefahren im frühen Alter fürchten lehren.“
    Als Kind meinte er ,habe man die Welt voller Rumpel und Poltergeister gewähnt ,die man für die Seelen verstorbener hielt.
    1525 schreibt er :“wisse man durch das Evangelium ,daß es nicht Menschenseelen ,sondern eitel böse Teufel sind.“
    Männliche Hexen nennt er Zauberer ,weibliche Wettermacherin oder Teufelshure.
    So sagte auch der „große Reformator“:
    Gemeinlich ist es der Weiber Natur ,daß sie Zauberei und Aberglaubens treiben.“
    Er behauptete:“Das wybisch Geschlecht ,habe ein ähnliches Verhältnis zum Teufel wie die Priester zu Gott.“
    Damit trägt Luther mit dazu bei ,daß Frauen zu Brandopfern werden.
    Schon 1516/17 predigt er in der
    Wittenberger Stadtkirche gegen Zauberer und Hexen.
    Der Reformator Luther kennt eine Menge Hexenschäden.
    Vom Wettermachen über Diebstähle von
    Milch ,Eier und Butter ,über „der Kuh ins Ohr blasen und sprechen auch Gottes heilige Worte dazu“ ,bis hin zu körperlichen Ruin…
    Nach Vorstellung Luthers können Hexen nicht nur geistig verblenden ,sie können auch erblinden lassen ,können durch Fernzauber wirken ,Feldfrüchte verderben ,das Vieh töten..

    1526 verlangt Luther zum ersten mal die Tötung von „Hexen“ und verlangt dies bis an sein Lebensende.
    Luther hat immer wieder gegen Zauberer und Hexen gesprochen und geschrieben ,in den nicht unbeträchtlich verbreiteten Dekalogspredigten ,dem Betbüchlein ,in der Kirchenpostille ,dem Galater und Genesiskommentar ,vor allem aber auch in seinen sehr populären Tischreden.

    Unter Berufung auf Luther wurde ein sächsisch deutsches Strafrecht geschaffen ,dem Tausende zum Opfer fielen.

    Die Infos inklusive Quellen stammen aus dem Werk von Karl Heinz Deschner :Die Kriminalgeschichte des Christentums.

    Es wäre an der Zeit ,daß unsere Gesellschaft begreift ,daß eine Wurzel des Übels in unseren Religeonen zu finden ist.

    So lange Kinder schon im frühen Alter mit den „schönen“ Seiten der christlichen Lehre konfrontiert werden ,und Schulen dies vertiefen, Eltern ihre unmündingen Kinder taufen lassen ,ist es um die Zukunft schlecht bestellt.

    Gefällt 2 Personen

  11. Kusai schreibt:

    Die sog. Schnullernazis werden es verkraften können, von einer zweibeinigen Null wie Ihnen bepöbelt zu werden, denn selbst der bösartigste Nazi steht geistig und moralisch himmelweit über einem durchschnittlichen Linken.

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    • Bernd Kammermeier schreibt:

      Auf diesen Kommentar kann ich gerade leider nicht gebührend antworten – ich habe noch nicht genug gefressen…

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