Zur Anzahl der Muslime in Deutschland und Europa

statista_pegida_islamisierungBei Statista findet sich eine repräsentative Umfrage aus dem Jahr 2016 mit der Frage „Sind Sie wie das Bündnis Pegida der Ansicht, dass Deutschland zunehmend islamisiert wird?“ – 34% der Befragten beantworteten diese Frage mit Ja, 57% mit Nein. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung fürchtet also von muslimischen Einwanderern mehr oder minder überwältigt zu werden. Zeit, sich die Zahlen anzuschauen.

Weltweit gibt es ca. 1,6 Mrd. Muslime, das sind 20,1% der Weltbevölkerung (diese Zahl ist schon etwas älter, von 2004). Auf dem Gebiet der EU leben etwa 16 Mio. Muslime, bei insgesamt 500 Mio. Einwohnern also ein Prozentsatz von 3,2%. Selbst wenn man hier großzügig aufrundet und von 20 Mio. Muslimen in der EU ausginge, bliebe es bei nur 4%. In Deutschland leben 2016 etwa 4-4,5 Mio. Muslime, bei 82 Mio. Einwohnern also um die 5%. Die Schwierigkeit dabei: Da es im Islam keine Verbände analog zu den christlichen Großkirchen gibt, also keine zentralen Mitgliedszahlen abgerufen werden können, mussten sich die Statistiker hier eine Methode ausdenken, wen genau sie als Muslim erfassen und wen nicht. Im schlimmsten Fall wurden z.B. auch türkischstämmige Atheisten wegen ihrer Herkunft pauschal als Muslime mitgezählt. Anderswo wird deshalb auch von nur 2,8 Millionen Muslimen in Deutschland gesprochen, also ca. 3,4%. Hier werden atheistische Menschen aus muslimisch geprägten Herkunftsländern explizit heraus gerechnet.

Deutschlands Muslime gehören folgenden Konfessionen an:

  • 2,640,000 Sunniten
  • 500,000 Alleviten
  • 225,000 Imamiten und Schiiten
  • 70,000 Alaviten
  • 35,000 Ahmadiyya
  • 1,900 Ismailiten

Andere Umfragen belegen, dass diese Zahlen von nicht-muslimischen Einwohnern offenbar systematisch überschätzt werden. Der Tagesspiegel berichtet über eine Umfrage in Deutschland: „Von den Befragten …  glaubt sogar etwas weniger als ein Drittel, es gebe über 10 Millionen Muslime in Deutschland.“ Der ORF berichtet über eine Umfragen in einer Reihe von Ländern, in denen Muslime eine Minderheit bilden: „Im Durchschnitt schätzten die Befragten den muslimischen Bevölkerungsanteil auf 16 Prozent, während er tatsächlich nur drei Prozent beträgt.“ Laut fowid wird der Prozentsatz der Muslime in Deutschland im Schnitt auf das Vierfache des tatsächlichen Wertes geschätzt (21 anstatt 5%).

Warum mag das so sein? Warum fühlen sich so viele Leute bedroht durch alles Fremde? Woher kommt diese Angst, woher der Hass auf Anders- und Falschgläubige? Ist das derselbe Hass, der auch anderen Minderheiten traditionell entgegenschlägt, wie Homosexuellen oder Juden?

Nehmen wir für einen Moment an, wie das noch nicht einmal die Panik verbreitenden Abendlandretter tun, dass von heute an jedes einzelne Jahr eine zusätzliche Million Muslime nach Deutschland einwandern würden. Das ist in der Geschichte der Republik bislang exakt ein einziges Mal passiert, in einer extremen Ausnahmesituation, in 2015. Egal: Angenommen, es käme jedes Jahr ohne Ausnahme ein Million Menschen hinzu, die alle Muslime wären und auch alle für immer in Deutschland blieben. Dann gäbe es eine muslimische Bevölkerungsmehrheit in frühestens 70 Jahren, also etwa um das Jahr 2085 herum. Selbst unter solch absurden Annahmen gibt es also zur Panik vor der Überwältigung durch Falschgläubige wenig Gründe.

Fazit: Bei nüchterner Betrachtung bleibt für Alarmismus und Panik wenig Raum. Bei unter 4% Muslime in der EU und etwa 5% in Deutschland sind steile Thesen von der angeblichen Islamisierung eindeutig Unsinn. Wichtig ist aber trotzdem, dass vernünftige Menschen analysieren, welche realen Probleme es im Zusammenleben gibt, und wie so viel Angst und Hass auf Andersgläubige entstehen konnte. Wir wissen, dass Angst zu Hass führt, und Hass zu Gewalt. Wenn wir vermeiden wollen, dass sich die Geschichte wiederholt, dürfen wir Humanisten das Thema nicht den Schreihälsen und Hassmenschen überlassen.

Hier ein Ausschnitt aus dem MGEN-Podcast Folge 2016.11 zum Thema:

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21 Antworten zu Zur Anzahl der Muslime in Deutschland und Europa

  1. Joachim Clauß schreibt:

    zu:

    „Warum mag das so sein? Warum fühlen sich so viele Leute bedroht durch alles Fremde? Woher kommt diese Angst, woher der Hass auf Anders- und Falschgläubige? Ist das derselbe Hass, der auch anderen Minderheiten traditionell entgegenschlägt, wie Homosexuellen oder Juden?“

    Wieso fragt ihr so „seltsam“ Ihr wisst doch ganz genau, wie sehr die Welt inzwischen immer mehr medial verblödet.. Ich muss darauf auch nicht mehr ein gehen, wer nix wissen will, der braucht sich auch nicht zu beschweren

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  2. Uwe Lehnert schreibt:

    Ich muss der Schlussfolgerung am Ende des Kommentars eindeutig widersprechen. Nur ein paar Anmerkungen, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

    Nicht die Anzahl von Menschen, die eine Gesellschaft bedrohen könnte, ist maßgebend. Es ist die Position, die sie in den politischen und gesellschaftlichen Institutionen einnehmen, ihre durch eine Ideologie gestützte Zielstrebigkeit und Aggressivität, ferner die Unterstützung durch maßgebende Kräfte innerhalb der Aufnahmegesellschaft. Es ist nicht zuletzt die Gleichgültigkeit und Ignoranz der Verantwortlichen und großer Teile der Bevölkerung gegenüber den tatsächlichen Bedrohungen, die zur Gefahr wird. Ein Beispiel für die Verharmlosung des Einflusses islamistischer Kräfte auf unsere Gesellschaft ist die Organisation DITIB, die seit Jahren und bis heute nachweislich personell, finanziell und weisungsmäßig durch die Religionsbehörde in Ankara gesteuert wird. In den derzeit rund 900 Moscheen, die ihr unterstellt sind, wird eine Ideologie verbreitet, die wenig oder gar nicht mit unseren gesellschaftlichen Grundsätzen übereinstimmt. Die Finanzierung anderer gegen unsere Verfassung gerichteter Organisationen ist ein weiteres Beispiel für nur bedingt verfolgte verfassungswidrige Aktivitäten (schon allein aufgrund fehlender personeller Ausstattung!) und erfolgt ebenfalls nachweislich aus muslimischen Staaten, vor allem Saudi Arabien.

    Länder wie Frankreich, Großbritannien, Belgien oder Deutschland mit einer Millionenbevölkerung werden durch eine extrem kleine Anzahl von Terroristen in ihrem täglichen Leben massiv beeinträchtigt. Tausende von Personenschützer wachen u.a. über Politiker, Schriftsteller, Künstler, Kabarettisten, weil diese sich islamkritisch geäußert haben, das heißt von ihrem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch gemacht haben. In absehbarer Zeit werden wir in Gerichten Richterinnen mit Kopftuch zu akzeptieren und damit hinzunehmen haben, dass das Prinzip zumindest formaler Unabhängigkeit eines Gerichts keine Gültigkeit mehr hat. Gleiches werden wir für Lehrerinnen zu erwarten haben. (Das Argument, dass die Kirchen in Deutschland ähnliche Sonderrechte beanspruchen, zieht nicht. Diese sind nach dem Geist des Grundgesetzes ebenso verfassungswidrig und zu verbieten.) Viele Umfragen zeigen (siehe z.B. die umfangreichen Untersuchungen des Wissenschaftszentrum Berlin!), dass die Mehrheit der zugewanderten Muslime die Gesetze und Vorschriften ihrer Religion über die staatlichen und verfassungsmäßig begründeten Normen setzt.

    Die Bedrohung durch den Islam geht derzeit wesentlich von Parallelgesellschaften aus, die es in Europa inzwischen in großer Anzahl gibt. Dort findet ein gesellschaftliches Leben statt, das mit den Prinzipien einer offenen Gesellschaft kaum noch etwas gemeinsam hat. Die Versuche – und hier bieten Großbritannien und Belgien alarmierende Beispiele – Menschen aus diesen sich isolierenden Bereichen für das Lebensmodell einer aufgeklärten Gesellschaft zu interessieren, also zu integrieren, können als gescheitert betrachtet werden. Wie der Alltag von Deutschen durch muslimische Zuwanderer bereits heute dominiert wird, zeigen beispielhaft Schulen in den sog. sozialen Brennpunkten mit einer großen Anzahl muslimischer Schüler. Diese Schulen fallen leistungsmäßig signifikant ab, ihre Vermittlung in den Arbeitsmarkt scheitert ganz oft an fehlenden Deutschkenntnissen und fehlendem Hauptschulabschluss. Deutsche Schüler bilden heute in vielen dieser Klassen die »Ausländer«.

    Wie gesagt – nur ein paar Anmerkungen. Eine systematische Aufarbeitung dieser Problematik würde ein Bild ergeben, das in Bezug auf den Fortbestand einer offenen Gesellschaft, in der humanistische Werte wie Säkularität, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte Bedeutung haben, Anlass zu viel größerer Besorgnis böte.

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    • Bernd Kammermeier schreibt:

      Lieber Uwe Lehnert,

      ich stimme Ihren Ausführungen zu. Sicher ist es so – was, wie ich vermute, der Tenor des Podcasts ist -, dass „der Westen“ nicht islamisch unterwandert wird, weil die schiere Zahl der Muslime zu gering ist. Jedoch ist auch Unterwanderung meiner Einschätzung nach nicht das zentrale Problem. Es ist in der Tat der politische Anspruch, der mit dem Islam transportiert wird.

      Dieser wird einerseits durch Lobbyverbände vorangetrieben, aber auch – ohne Erfolg – auf dem Weg des Terrorismus. Der Terrorismus ist letztlich eher nervend und ängstigend, weil er die offene Gesellschaft ein wenig verschlossener macht. Wirkliche Effekte wird er nicht erzielen, gar in Europa ein Kalifat errichten, was vollständig aussichtslos ist. Auch die große Mehrheit der Muslime produziert keine unmittelbare Gefahr, weil die sich in ihre Parallelgesellschaften zurückgezogen haben.

      Die größte Gefahr geht in der Tat von der Lobbyarbeit aus. Hand in Hand mit christlichen Kirchen bemüht man sich um den Ausbau religiöser Sonderrechte, die den politischen Islam als „normal“ erscheinen lassen. Doch ich bleibe Optimist: In den vergangenen Monaten beobachte ich eine deutliche Zunahme des Begriffs „politischer Islam“ im öffentlichen Diskurs. Dieser wurde von maßgeblichen Politikern als Ursache des Problems mit dem Islam identifiziert. Die Zusammenarbeit mit der Ditib wird zunehmend eingeschränkt.

      Natürlich ist es noch ein weiter Weg, bis Gegenmaßnahmen gegen den politischen Islam ergriffen werden, die den Einfluss des islamischen Auslandes begrenzen, bis Moscheegemeinden demokratischen Prinzipien folgen und auch der Islam endlich Privatsache wird. Dann muss noch die Erkenntnis umgesetzt werden, dass die genitale Zwangsverstümmelung von Knaben ein Verbrechen ist und dass islamische Bekleidungsvorschriften Frauen (und Männer mit Bärten etc.) in lebende Reklametafeln für den politischen, menschenversachtenden Islam verwandeln.

      Die offene Gesellschaft ist per Definition unislamisch, weil sie keine Geschlechterapartheit duldet, keine Speisesonderregelungen etc. Doch dies 1:1 umzusetzen wird zwangsläufig im Namen der Gerechtigkeit dazu führen, dass auch alle anderen Religionsgemeinschaften ihre Privilegien verlieren und zu normalen Vereinen mit spleeniger Vereinssatzung werden. Religion ist Privatsache. Mich interessiert die Religionszugehörigkeit eines Mitmenschen nicht die Bohne. Doch wenn dieser sich Sachen herausnimmt, die in einer offenen Gesellschaft keinen Platz haben dürfen, dann fühle ich mich zu Widerstand aufgerufen.

      Die schiere Zahl der Muslime ist dabei nicht das Problem. Es sind – wie gesagt – die Lobbyverbände, die erfolgreich jede Integration verhindern und gerne wachsende Parallelgesellschaften haben wollen. Es geht hier ums Geld, denn nur autarke Moscheegemeinden können nach innen ausreichend großen sozialen Druck ausüben, damit der Geldfluss nicht versiegt, mit dem z.B. im Ausland Moscheen gebaut werden.

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  3. Uwe Lehnert schreibt:

    Lieber Bernd Kammermeier, er freut mich, dass wir grundsätzlich übereinstimmen in der Bewertung der von »Man glaubt es nicht« aufgeworfenen Problematik. Sie sind eine deutliche Spur optimistischer, als ich es bin. Ich hoffe, ich irre mich, und Sie haben Recht!

    Ich habe an anderer Stelle meine diesbezügliche Skepsis so begründet:

    »Wollen und können wir uns den Herausforderungen, denen wir jetzt schon und zukünftig erst recht ausgesetzt sein werden, überhaupt noch stellen? Denn wir haben mehrere Feinde, die uns lähmen, einer uns feindlich gesinnten Ideologie Widerstand zu leisten, die scheinheilig in einem religiösen Gewand daher kommt, wenn sie nicht gar offen als Gewalt sich zeigt.

    Die Repräsentanten der christlichen Kirchen (und weite Teile der ihnen ergebenen Politiker) wehren jede essentielle Kritik am Islam ab. Ahnen sie doch, dass eine substantielle Auseinandersetzung mit dieser Religion letztlich auch ihre Glaubenslehre treffen würde. Die Kirchen sehen vielmehr in einer weiteren betont gelebten Glaubenslehre eine willkommene Aufwertung der Religion in unserer Gesellschaft und bestätigende Rechtfertigung ihrer Privilegien. Darüber hinaus eine Verstärkung der Front gegen die verachteten, zumindest unerwünschten Säkularen und Humanisten.

    Der zweite Feind, der unsere Abwehrkräfte erlahmen lässt, ist die Saturiertheit einer Gesellschaft, die ihre Freiheiten und Rechte wie selbstverständlich in Anspruch nimmt, aber nicht mehr ernsthaft bereit ist, sich für ihre Bewahrung einzusetzen. Kritik am Islam im Sinne einer philosophischen und sachlichen Auseinandersetzung, wie sie über Jahrzehnte und bis heute am Christentum selbstverständlich ist, wird vielfach böswillig als Fremdenfeindlichkeit gebrandmarkt und einer politisch »rechten« und rechtsextremen Ecke zugeordnet. Die Diskussion aktueller und tatsächlicher Probleme mit Zugewanderten wird oft genug scheinheilig als »durchsichtige Instrumentalisierung« abgewiesen. Man registriere nur mal, wie überwiegend ablehnend gut begründete Thesen z.B. von Hamed Abdel-Samad oder Necla Kelek von unseren Verharmlosern und Kulturrelativisten behandelt werden.

    Aber es gibt weitere verdeckte Komplizenschaften mit einer Ideologie, die so mancher politischen oder politisch agierenden Gruppierung in die eigene Strategie passt. Sozialisten und die Repräsentanten der Muslime vereint der Hass auf »den Westen«, auf den Kapitalismus und auf die USA. Darüber hinaus sehen die Vertreter der Partei die LINKEN in den hier sozial und ökonomisch scheiternden Muslimen vermutlich das ihnen inzwischen abhanden gekommene Proletariat, das ihnen dereinst wieder zur Macht verhelfen könnte. Unsere grünen Sozialromantiker sehnen sich immer noch nach der bunten multikulturellen, sich selbst formierenden Gesellschaft, ohne den damit einhergehenden Verlust an Aufklärung und Rationalität sehen zu wollen.

    Die Gesellschaften Europas haben möglicherweise den Höhepunkt ihrer Entwicklung erreicht oder schon überschritten. Der Widerstand aus der politischen Mitte gegenüber einer aggressiven politisch-religiösen Ideologie ist jedenfalls von bemerkenswerter Kraftlosigkeit. Mir fällt dazu oft der Titel eines geschichtsphilosophischen Buches von Oswald Spengler ein, der seinerzeit schon menetekelhaft in die Zukunft wies.«

    Lieber Bernd Kammermeier, Sie schreiben: »Auch die große Mehrheit der Muslime produziert keine unmittelbare Gefahr, weil die sich in ihre Parallelgesellschaften zurückgezogen haben.« Aber wie würde diese Mehrheit reagieren, wenn diese überwiegend konservativ bis erzkonservativ Gläubigen eine politisch-gesellschaftliche Chance sehen, ihre Vorstellungen eines islamisch geprägten Staates zu realisieren, jedenfalls einen signifikanten Schritt in diese Richtung vorzunehmen? Zum Beispiel bei politischen Unruhen in unserem Land oder durch Gründung einer eigenen islamischen Partei?

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    • Bernd Kammermeier schreibt:

      Lieber Herr Lehnert,

      Sie beschreiben eine richtig erkannte Gefahr:

      „Lieber Bernd Kammermeier, Sie schreiben: »Auch die große Mehrheit der Muslime produziert keine unmittelbare Gefahr, weil die sich in ihre Parallelgesellschaften zurückgezogen haben.« Aber wie würde diese Mehrheit reagieren, wenn diese überwiegend konservativ bis erzkonservativ Gläubigen eine politisch-gesellschaftliche Chance sehen, ihre Vorstellungen eines islamisch geprägten Staates zu realisieren, jedenfalls einen signifikanten Schritt in diese Richtung vorzunehmen? Zum Beispiel bei politischen Unruhen in unserem Land oder durch Gründung einer eigenen islamischen Partei?“

      Dass die erzkonservativen Kreise, also die Islam-Verbände, diese Chance suchen – durch Anbiederung, aber auch durch offene Konfrontation mit moderaten Muslimen (z.B. Sven Kalisch oder Mouhanad Khorchide) – ist doch offensichtlich. Und dass der Terminus „politischer Islam“ den eigentlichen Islam meint (Eroberer wie Mohamed waren kaum an Spirituellem interessiert) wissen heute die Experten und vielleicht lassen morgen auch unsere führenden Politiker diese Erkenntnis an sich heran. Es ist auch sonnenklar – und wurde u. a. von Wolfgang Bosbach so dargestellt -, dass die muslimischen Verbände sich vergleichsweise wachsweich äußern, WEIL sie im Westen eine verschwindende Minderheit darstellen. Alles das ist ja nicht ernsthaft zu bestreiten.

      Nur spiele ich jetzt mal den „Ernstfall“ durch: Muslime kämen – wie der verrückte 16-Jährige gerade – auf die gottgefällige Idee, in Deutschland oder Europa ein Kalifat zu errichten. Mit zusammengebündelten Krachern und 70 Nadeln. Wie ernst müsste man das nehmen? Terrorismus ist immer schlimm – und immer erfolglos. Die RAF scheiterte, weil die Bevölkerung gar nicht „befreit“ werden wollte und eine „islamische Revolution“ á la Khomeini würde bei uns auf genau Null Gegenliebe stoßen. Daran würde sich nicht mal der türkische Gemüsehändler aus seinem Getto beteiligen. Deshalb finde ich Terrorismus widerlich und ärgerlich, habe aber keine wirkliche Angst davor. Denn statistisch gesehen müsste ich dann auch Angst vor der Überquerung einer Straße haben. Das klingt zynisch den Opfern derartiger Anschläge gegenüber, aber so sind die nackten Zahlen.

      Bedrohlicher ist die allmähliche Anpassung der Mehrheitsgesellschaft an muslimische Extrawürste (aber bitte nur Rind!). Hier gilt es sorgfältig abzuwägen zwischen dem Zulassen folkloristischer Eigenarten und der Propaganda für eine faschistoide Ideologie. Doch auch hier bin ich grundsätzlich optimistisch: Auch wenn sich die Politik noch schwer damit tut, beginnt ein langsames Umdenken. Um hier ein wenig Beschleunigung hineinzutragen müsste noch mehr Aufklärung á la Hamed Abdel-Samad, Arzu Toker oder Mina Ahadi erfolgen, die ich alle persönlich kennengelernt habe und an deren positiven Zielen ich keine Zweifel hege.

      Doch – ich widerhole mich – müssten parallel zu diesem Prozess die Privilegien der anderen Religionsgemeinschaften zurückgefahren werden. Und da liegt die eigentliche Krux bei den „C“-Parteien, die das ihrer Klientel nicht verkaufen können. Selbst die SPD und DIE GRÜNEN sind inzwischen derart religionsverseucht, dass ich das wirksame Korrektiv in der deutschen Parteienlandschaft nicht erkennen kann. Trotzdem: Ich bin verhalten optimistisch, dass man einen Weg finden wird, Religion ins Private abzudrängen. Unser beider Arbeit im öffentlichen Bereich mag ein kleiner Teil dazu sein, aber viele kleine Teile ergeben ein großes Teil. Und viele sind aufgerufen, sich an dieser Aufklärung um der Freiheit und offenen Gesellschaft Willen zu beteiligen. Packen wir’s an…

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  4. Abu Abbas schreibt:

    Umfragen? Ernsthaft?

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  5. Timo Brandhofer schreibt:

    Diese Art von „Furcht“ ist gar nicht so ungewöhnlich. Menschen tragen von vornerein eindeutige Präferenzen für die eigene Gruppe in sich und deutliche Ablehnung der Personen, Ideen sowie Sitten und Gebräuche, die von den Sitten und Gebräuchen der eigenen Gruppe abweichen. Die meist an physischen Merkmalen (vor allem Hautfarbe) getroffene Unterscheidung leitet sich soziologisch aus diesen Unterschieden negative Konsequenzen für die sozialen Verhaltensweisen, die moralischen und intellektuellen Kompetenzen ab, woraus eine grundsätzliche Ablehnung von Andersartigkeit resultiert. Sowas ist auch gut in Gruppen der eigenen Hautfarbe zu erkennen, wenn diese andere soziale Muster und Gebräuche pflegen. Siehe beispielsweise das Verhalten von rivalisierenden Fangruppen, die sich in leichter Ablehnung bis hin zu tiefen Hass ausdrücken kann. Es ist leider so, dass Toleranz und Weltoffenheit mühsam erlernt und „antrainiert“ werden müssen. Je grösser die Unterschiede zur eigenen sozialen/moralischen Kategorie sind, umso andersartiger wirkt es auf Menschen. Und Andersartigkeit wird mit einer Bedrohnung der eigenen Kategorie interpretiert, welches einen automatischen Selbst- und Gruppenschutzmechanismus auslöst.

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  6. manglaubtesnicht schreibt:

    Der Blog „Wissen bloggt“ hat sich kritisch mit unserem Artikel auseinandergesetzt:

    „Die Gebutrenrate ist höher, wo die Mädchen früh verheiratet werden und früh Kinder kriegen, und wo das noch durch falsche Anreize gefördert wird (siehe Flüchtlingskrise offenbart Schwachstellen des Sozialstaates). Die deutsche Geburtenrate ist durch den Einfluss der Ausländer nach oben gegangen, von 1,3 auf 1,5 Kinder pro Frau. Dieser Unterschied von 0,2 hört sich nicht nach viel an, aber er beschreibt eine Zunahme von 15% der Geburten allein durch Ausländer.

    Der Anteil der Muslime bzw. von Ausländern oder Deutschen mit Migrationshintergrund wird viel stärker steigen, als mgen glaubt. Die gefühlten Zahlen von 16% Muslimen sind für die jungen Altersgruppen sogar noch untertrieben.“

    http://www.wissenbloggt.de/?p=36316

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    • manglaubtesnicht schreibt:

      Neben einigen kleineren Fehlern würfelt „Wissen bloggt“ in seiner Argumentation die Begriffe Migranten und Muslime durcheinander („Migranten sind immer Muslime“) und kommt daher zu komplett anderen Zahlen. Ich zitiere aus dem Migrationsbericht:

      „Am Ende des Jahres 2014 stellten Staatsangehörige aus der Türkei mit 1,53 Millionen Personen die größte ausländische Personengruppe in Deutschland. Dies entsprach einem Anteil von einem Fünftel (18,7%) an allen ausländischen Staatsangehörigen (vgl. Abbildung 7-8 und Tabelle 7-11 im Anhang). Die Zahl der türkischen Staatsangehörigen sank damit im Vergleich zum Vorjahr um etwa 23.000 Personen. Bereits in den Vorjahren war jeweils ein Rückgang der türkischen Staatsangehörigen zu verzeichnen. Die zweitgrößte Nationalitäten gruppe bildeten die polnischen Staatsangehörigen mit 0,67 Millionen Personen (8,3%), vor Personen aus Italien mit 0,57 Millionen Staatsangehörigen (7,0 %). Zu den weiteren quantitativ bedeutsamen Nationalitätengruppen zählen Staatsangehörige aus Rumänien mit 355.000 Personen (4,4%) und Griechenland (330.000 Personen; 4,0%)“

      Ein signifikanter Anteil der Ausländer in Deutschland ist also nicht muslimisch. Dazu kommt, dass natürlich nicht alle Muslime Ausländer sind. Trotzdem werden diese Begriffe von „Wissen bloggt“ aber als synonym gewertet. „Wissen bloggt“s Schlüsse werden daher von den Zahlen nicht gestützt.

      Diese Auswertung (allerdings von 2015) kommt auf eine Mehrheit von nicht-muslimischen Ausländern in Deutschland: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1221/umfrage/anzahl-der-auslaender-in-deutschland-nach-herkunftsland/

      http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/Migrationsberichte/migrationsbericht-2014.pdf;jsessionid=EB4EC6DE577ECD3AC402A8FCFAA54F73.1_cid294?__blob=publicationFile

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  7. ........ schreibt:

    Die Lage in der islamischen Welt wird sich dramatisch verändern, weil sich die Welt dramatisch verändern wird. Der Islam wird weiterhin auf Terror setzen und den ganzen Westen in 20 Jahren erobern. Den Rest kann man sich dann leicht ausmahlen. Im Kampf der Kulturen, zuerst wird der Islam die „judeo-christliche Kultur“ durch Terror und Verrat zerstören, dann wird die ganze Welt in Flamen aufgehen, bevor der ANTICHRIST, im Endkampf zwischen Gut und Böse, besiegt wird.

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    • dongamillo schreibt:

      Ich denke der Islam wird ein bester Vorwand sein ALLE Religionen zu verbieten, damit auch christliche gläubige Menschen zu diskriminieren und einen allgemeinen Atheismus zu proklamieren. MGEN kann sich (erstmal)auf die Zukunft freuen…..
      😉

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      • manglaubtesnicht schreibt:

        Gibt es irgendwelche Anzeichen dafür, dass irgendjemand irgendwelche Religionen verbieten will?

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        • dongamillo schreibt:

          Abgesehen davon, dass ich auch gegen JEDE RELIGION(als menschliches Zinnober) bin, das wirst du gewahr wenn du klar EINE Meinung hast, dann kommen die meisten mit so rumgeeiere wie : ….das kann man doch gar nicht so genau wissen…. usw.
          Wer kann denn noch unterscheiden zwischen islamischen und christlichen Fundamentalismus?
          Meiner Erfahrung nach wird man dann auch als „Bombenleger“ betrachtet!
          Als Buddhist möchte man wie Buddha sein, als Moslem möchte man wie Mohammed sein, und als Christ…..?
          Wo, in welchen Situationen hat Gott/Jesus gewaltsam gehandelt(lt. Bibel)?

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        • dongamillo schreibt:

          Auch die Äußerung von Frau Professorin Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann, die heute in denDLF-Nachrichten zitiert wurde, geht in diese Richtung. Sie spricht sich gegen jede Form von religiösen Fundamentalismus aus, damit ist jeder ehrliche Christ geächtet!

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  8. dongamillo schreibt:

    Wörtlich zitiert aus elf 18 Uhr Nachrichten (..sie )unterstrich dass der Kampf gegen Fundamentalismus eine Gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei!

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  9. Carsten schreibt:

    Ist es denn immer noch so schwer?
    Nach allem, was 2016 passiert ist?

    Haben jetzt alle die Augen geschlossen, aus Angst, ihre Rosa-Einhorn-Welt wäre in Gefahr?

    Nahezu alle Vorfälle im vergangenen Jahr passierten aufgrund von Fehl- und Aberglauben.
    Und aufgrund von „legitimem“ Glauben.

    Da gibt es die „Lügenpresse“-Schreier, die ihre Informationen aus dem Lügen-Pool Facebook beziehen, genau dort wo die dicksten und gemeinsten Lügen einfach so reingeschrieben werden dürfen. Und die schreien „Lügenpresse“.

    Geht es noch?

    Im Vergleich ist die Anzahl der Moslems in Deutschland verschwindend gering, und die allermeisten davon haben alles andere im Sinn, als Deutschland zu islamisieren.
    Die wollen bloß arbeiten und ein vernünftiges Leben fürhren.

    So wie wir alle.

    Sämtliche AfD-Anhänger, sämtliche möchtegern-Nazis und „besorgte Bürger“ hatten das Glück, in ein wohlhabendes Land geboren zu sein, und mussten nur wenig für das eigene Überleben tun.
    Die meisten davon leisten erstaunlich wenig für unser Land.
    Die hatten nie die Sorge, das Essen für den nächsten Tag besorgen zu müssen, sind gewindelt worden und haben einen Bierbauch.

    Wer glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid? Ihr hattet Glück. Wärt ihr in Afrika geboren worden, dann hättet ihr nicht mal den Stoff, um eure Protest-Transparente mit pseudopolitischem Schwachsinn zu beschmieren.

    Und ausgerechnet ihr habt jetzt Angst vor dem Islam….wenn es nicht so traurig wäre, müsste man sich über euch Islam-Angsthasen schier totlachen.

    Ihr habt Angst um „Euer Land“?
    Das ist nicht euer Land, dieses Land wurde von euren Vorfahren gebaut, ihr habt nichts dazu beigetragen. Ihr seid bloß die Made, die in den Speck hinein geboren wurde.

    Und ausgerechnet ihr geht auf die Straße. Euch fehlt Demut, ihr seid Dumm und nicht fähig, ein Land voran zu bringen.
    Das allein wäre kein Problem, daran könntet ihr was ändern.

    Aber ihr weigert euch, zu lernen und werdet euch den Ast absägen, auf dem ihr sitzt. Ihr habt das verdient.

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  10. Carsten schreibt:

    (Das ist natürlich kein Angriff auf Kommentatoren, es ist ein ganz allgemeiner Angriff auf Vollidioten in aller Welt. Danke.)

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