Wissenschaft und Religion – Alles Glaubenssache?

Immer wieder hört man von Religionisten, dass, egal ob Wissenschaft oder Religion, alles irgendwie Glaube sei. Dieses Mantra wird so oft wiederholt, dass es mich mittlerweile ernsthaft langweilt. Ausserdem ist es falsch.

Wissenschaftliche Modelle – alle Naturwissenschaft hat ja Modellcharakter – machen Aussagen über die Natur. Stellt sich heraus, dass diese Aussagen falsch sind, werden neue Modelle konstruiert. Im Laufe vieler Iterationen sind so Modelle entstanden, die (obwohl sie Mängel haben) in vielen wissenschaftlichen Bereichen die Natur sehr gut beschreiben. Diese wissenschaftlichen Modelle machen Vorhersagen über das Verhalten der Natur, die sich mit Experimenten oder Beobachtungen prüfen lassen. Sie sorgen so dafür, dass wir Autos fahren können, dass Medikamente entwickelt werden können oder dass es das Internet gibt. Kurz: Sie funktionieren. Das ist keine Glaubenssache, so funktioniert Wissenschaft.

Die Religion jedoch, die ist Glaubenssache. Sie macht zwar auch Aussagen, z.B. im Rahmen von “Offenbarungen” wie der Bibel, den Veden, den Sibyllinischen Büchern, etc. Das sind aber i.d.R. keine Modelle, denn sie erklären die Natur nicht. Stattdessen sind es Behauptungen, die ohne Belege hingenommen, also geglaubt werden müssen. Und sollte doch mal eine nachprüfbare Aussage mit Modellcharakter dabei sein, hat sich sich meist jetzt schon als falsch erwiesen: Nein, Krankheiten werden nicht von Dämonen verursacht, es gibt keine Glaskuppel über der (flachen) Erde, das Ende der Welt ist immer noch nicht gekommen, niemand kann Menschen gesund beten. Nein, Senfkörner sind nicht die kleinsten Samen überhaupt und Hasen keine Wiederkäuer. Entweder der jeweilige Gott hat sich vertan oder sein Bodenpersonal hat es falsch aufgeschrieben. Egal: Die Offenbarung ist ganz offenbar (“evident”, könnte man sagen) nicht korrekt.

Bitte, liebe Religionisten, werft Wissenschaft und Religion nicht in einen Topf. Religion ist in der Tat Glaubenssache – wo sie prüfbare Aussagen macht, sind diese in der Regel falsch. Wissenschaft ist eine Methode zur Erforschung der Welt um uns. Sie hat einen unschlagbaren Vorteil: Sie funktioniert!

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4 Antworten zu Wissenschaft und Religion – Alles Glaubenssache?

  1. Uwe Lehnert schreibt:

    Ich möchte der Aussage dieses Beitrags ausdrücklich beipflichten und verweise auf einen Beitrag im Berliner Tagesspiegel, wo ich den Gegensatz von Glauben und Vernunft noch ausführlicher begründe und u.a. mich mit dem vom Fernsehen bekannten Astrophysiker Prof. Harald Lesch befasse, der stolz von sich sagt: Ich bin vom Scheitel bis zur Sohle Protestant.

    http://www.tagesspiegel.de/wissen/religion-koennen-vernunft-und-glaube-freunde-werden/11936378.html

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  2. Pingback: Wissenschaft und Religion – Alles Glaubenssache? | pankeahomtfy

  3. Dieter Kleve schreibt:

    Mit diesem „Argument“ bin ich auch schon konfrontiert worden. Was diese Leute sich dabei denken?

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