Der Körper-Seele-Dualismus: Keine Seele, keine Kekse

Die Sinnhaftigkeit des Christentums (und anderer Religionen wie des Islams oder des Buddhismus) steht und fällt mit dem Körper-Seele-Dualismus, also der Annahme, dass ein wesentlicher, geistiger Teil des Menschen den Tod des Körpers überlebt. Ohne diese Seele gibt es kein Leben nach dem Tod, also kein jüngstes Gericht, also keine Angst vor der ewigen Feuerfolter in der Hölle, also keine Notwendigkeit einer Erlösung von dieser Folter, also keine Notwendigkeit für einen Erlöser, also keinen Christus, also kein Christentum, also keine Kirche, und damit auch keine Pfründe für die Kirchenoberen. Oder, aus Sicht der Priester: Keine Seele, keine Kekse.

Für die Existenzberechtigung der Priesterschaft ist die Aufrechterhaltung der Idee eines Körper-Seele-Dualismus also von extrem hoher Bedeutung. Seelen sind praktischerweise unsichtbar, unmessbar, und daher ist die Annahme ihrer Existenz auch so gut wie unwiderlegbar. Dies bedeutet aber gleichzeitig, dass es über die bloße Behauptung hinaus auch keinerlei Hinweise auf ihre Existenz geben kann. Im Gegenteil: Sämtliche Beobachtungen und Versuche (mit Sterbenden, Schlaganfallpatienten, Unfallopfern, etc.) deuten ganz klar darauf hin, dass das Bewusstsein und die Persönlichkeit eines Menschen emergente Eigenschaften seines Gehirns sind, also eine Art übergeordnetes Muster, das sich durch das elektrische und biochemische Zusammenwirken der Gehirnzellen bildet. Funktioniert das Gehirn nicht mehr, weil es z.B. aus Sauerstoffmangel stirbt, existiert auch der Geist nicht mehr. Dies stimmt auch für einzelne Hirnregionen: Erkrankt bei einem Patienten der präfrontale Cortex, kann sich die Persönlichkeit stark ändern, obwohl die betroffenen Eigenschaften klassischerweise der ewigen Seele zugeordnet werden. Oder, kurz: Für eine unsterbliche Seele ist kein Platz.

Natürlich kann man trotzdem weiter die Existenz einer Seele behaupten – insbesondere, wenn für die Behauptenden so viel auf dem Spiel steht. Hinweise auf ihre reale Existenz gibt es aber nicht. Und daher auch keine Gründe an sie zu glauben.

Dieser Beitrag wurde unter Christentum, Dogmen, Religion, Religionskritik, Skeptizismus abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Der Körper-Seele-Dualismus: Keine Seele, keine Kekse

  1. Stephan schreibt:

    Man könnte es nicht schöner formulieren. Danke für diesen guten Beitrag.

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  2. Grand.Masta.MIR schreibt:

    Ramen Schwestern und Brüder, ich sage Euch:

    In meinem pastafarianischen Ritus hat der Mensch nicht nur 1 Seele, NEIN, er hat 4 x 23 = 92 Seelen!

    Je eine Seele lebt in einem der 92 Paralleluniversen! 92 parallele Universen wurden vom FSM im multidimensionalen Urknall geschaffen!

    Wir haben nicht nur ein Leben hier, in unserem Universum, wir haben auch 91 Leben daneben!

    Ramen.

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  3. Pingback: Fertig? | Man Glaubt Es Nicht!

  4. Bernd D. schreibt:

    Sehr einleuchtend! So habe ich das noch nie gesehen.

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