Leben als (nicht-)religiöse Minderheit

Als Angehöriger einer weltanschaulichen Minderheit in einer religiös geprägten Gesellschaft hat man im Alltag immer wieder Kröten zu schlucken. Spricht man Mehrheitsgläubige darauf an, reagieren sie verwirrt bis entsetzt: Ihre Riten und Gebräuche sind ja schließlich „ganz normal“ – Wieso sollten andere Menschen das anders sehen? Verbirgt sich in der Nachfrage möglicherweise ein tückischer Angriff auf die Grundwerte der Gesellschaft?

Unser Nachbarblog „Atheismus für Einsteiger“ hat ein schönes Gedankenexperiment gestartet, das insb. Christen zeigen soll, wie sich die aus ihrer Sicht Falschgläubigen in der vom Christentum dominierten Gesellschaft fühlen. Wir präsentieren: Den Tharxismus.

„Stell dir vor, du lebst in einer Gesellschaft, deren Mitglieder fest and die Göttin Tharxes glauben.

Es existiert eine Legende, wie diese Göttin geboren wurde. Nachdem Tharxes geboren wurde, hat sie die Welt und die Menschen in drei Tagen erschaffen und sich am vierten Tag ausgeruht. Am fünften Tag haben manche böse Menschen sie dann gefoltert und an ein großes Sechseck gekettet, um sie sieben Jahre hungern zu lassen.

Tanzverbot und Medienzensur am Tag der Göttin

Aus dieser Legende haben sich verschiedene Bräuche entwickelt. Am 20. Dezember, also um die Wintersonnenwende, wird ein gigantisches Fest veranstaltet, das an die Geburt der Göttin erinnern soll. Dass die Bräuche dieses Festes fast alle von den römischen Saturnalien stammen, haben die Gläubigen mittlerweile vergessen. Dennoch wirst du als einer der wenigen Christen schief angesehen, wenn du ebenfalls an diesem Fest teilnehmen möchtest. Schließlich glaubst du ja nicht an den angeblichen Anlass, die Geburt der Tharxes.

Am 25. Dezember ist es dann gesetzlich verboten, zu tanzen, da dies der Tag ist, an dem die Göttin angeblich festgekettet wurde. In öffentlichen Veranstaltungen, Kinos und TV dürfen nur Filme gezeigt werden, die von der Regierung für diesen Tag genehmigt wurden. Jede_r in der Gesellschaft hält es für legitim, dass die Regierung sich in solchen Formen an der Religionsausübung beteiligt. An diesem Tag sind auch alle anderen Formen von Freude verpönt, es soll getrauert werden. Deine Eltern haben dir an diesem Tag früher immer verboten, Gemüse zu essen, und verlangen dies auch jetzt noch von dir, obwohl du dich längst zu einer anderen Religion bekannt hast. Auch deshalb wirst du immer wieder schief angesehen. Als Christ feierst du an diesem Tag jedoch ein Fest der Freude.

Küssen verboten! – Das ist ja auch wirklich eklig …

In den alten Liedbüchern, die angeblich von Tharxes persönlich stammen, wird immer wieder besungen, wie furchtbar Küssen doch ist, und dass man, wenn man voreheliche Küsse begeht, nach dem Tod ewige Folter erleiden wird. In manchen Liedern wird sogar der Tod am Galgen für voreheliche Küsse gefordert. Da du jedoch kein wirkliches Problem im Küssen siehst, und auf Partys immer mal wieder andere Menschen küsst, wirst du von deinen Nachbarn als Schlampe, unmoralisch u.ä. bezeichnet. Filme, in denen Küsse angedeutet werden, werden als etwas total Besonderes und Grenzwertiges betrachtet. Ist ein einziger Kuss zu sehen, werden diese Filme Jugendlichen verboten.

Küsse zwischen verheirateten Menschen werden geduldet, solange keine Zunge im Spiel ist. Menschen, die sich Zungenküsse geben, werden von der Gesellschaft ausgelacht, beschimpft, verprügelt und bedroht. Obwohl es eigentlich niemanden stören sollte, mit wem man wie wann küsst. Konservative Tharxesianer behaupten zwar, dass ihre Göttin die gesamte Gesellschaft dafür bestrafen würde, aber das hältst du als Christ, der nicht mal an die Existenz von Tharxes glaubt, für absurd und bevormundend. Da solche Menschen generell für unmoralisch gehalten werden, verbietet man ihnen auch die Adoption von Kindern.“

Wie die Geschichte wohl weitergeht? Nachlesen bei „Atheismus für Einsteiger„!

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