„Das müsst ihr erstmal beweisen!“ oder: Was ist das eigentlich, Atheismus?

Outet man sich auf einer Party als Atheist, bekommt man von empörten Religionisten regelmäßig eine Variante des Arguments „Atheismus ist ja auch bloß eine Religion“ oder „Das müsst ihr erstmal beweisen, dass es unseren lieben Gott nicht gibt!“ zu hören – Der Meinung, damit einen vernichtenden Schlag gegen den scheinrationalen Störer gelandet zu haben, zieht sich der Religionist vornehm zurück, während die Umstehenden zustimmend nicken.

Wer eine Behauptung aufstellt, muss sie auch beweisen

In dererlei Situationen bietet sich eine Klarstellung der verwendeten Kampfbegriffe an.

Der Begriff Theismus bezeichnet den Glauben an die Behauptung, dass ein übermenschliches, übernatürliches Wesen das Universum mitsamt allem Leben geschaffen hat und allen Menschen gleichzeitig beim Denken zuhört. A-Theismus bedeutet nichts mehr, als dass jemand diese Behauptung so nicht glaubt. Ein Atheist behauptet nicht, dass so ein Wesen nicht existiert. Wer diese Behauptung vertritt, ist Anti-Theist.

Außergewöhnliche Behauptungen erfordern außergewöhnliche Beweise

Der Unterschied mag auf den ersten Blick haarspalterisch erscheinen, ist aber für die Diskussion entscheidend. Wenn jemand eine Behauptung aufstellt und andere davon überzeugen will, muss er Belege für sie liefern. Die Belege müssen umso stichhaltiger sein, je bedeutsamer oder ungewöhnlicher die Behauptung ist. Also: Außergewöhnliche Behauptungen erfordern außergewöhnliche Beweise.

Bei einer Behauptung vom Schlage „Gestern war ich mit meinem Freund Tom essen“ ist man meist damit zufrieden, dass die Aussage plausibel erscheint. Da zudem das Glauben oder Nicht-Glauben (Tomismus oder A-Tomismus) keine weitere Konsequenz haben dürfte, lassen wir Tom schön grüßen und gehen zum nächsten Thema über. (Anders verhält es sich, wenn jener Tom z.B. seit drei Jahren tot ist. In diesem Fall wird man ohne weitere Beweise wohl zum Anti-Tomisten.)

Der Drache in der Garage

Falls aber jemand die Behauptung aufstellt „In meiner Garage wohnt ein feuerspuckender Drache“, sieht die Situation etwas anderes aus: Mit der einfachen Behauptung sind wir jetzt nicht zufrieden, wir wollen den Drachen sehen. Er ist unsichtbar? –  Ah. – Und das Feuer? – Nicht zu spüren, wenn man nicht dran glaubt? – Soso. – Und du hast doch gar keine Garage! – Die existiert nur in einer spirituellen Sphäre? – Hm.

In so einem Fall bleibt wohl auch der gutwilligste Zuhörer unüberzeugt und somit A-Drachist.

Die Behauptung, dass ein übermenschliches Wesen die Gedanken aller Menschen liest und anhand dessen zwischen ewiger Glückseligkeit oder ewiger Feuerfolter entscheidet, ist zweifellos sowohl außergewöhlich als auch bedeutsam. Wer diese Behauptung aufstellt, sollte daher ein paar überzeugende Argumente dafür in petto haben.

Alle Menschen sind Atheisten – es kommt nur auf den Gott an

Übrigens sind alle Menschen Atheisten: Die Menschen haben in ihrer Geschichte nach konservativer Schätzung über 3000 Götter nach ihrem Ebenbild geschaffen – und niemand glaubt an alle gleichzeitig. Ein guter Christ ist also Atheist gegenüber Thor, Shiva, Babaji und Zeus. Wie Richard Dawkins gern sagt: Einige von uns gehen in ihrem Atheismus lediglich einen einzelnen Gott weiter.

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